Der Blick auf den Krieg

Das Digitalisierungsprojekt

Eine Aufgabe der hessischen Hochschul- und Landesbibliotheken ist, die regionalen Tages-, Wochen- und Monatszeitungen dauerhaft zu verwahren und zugänglich zu machen. Mit diesen Beständen verfügen die Bibliotheken über einen umfangreichen Quellenfundus über das heutige Hessen sowie ehemalig hessische Gebiete, der bisher nur vor Ort und mit erheblichem Aufwand einsehbar war.

Mit Fördermitteln des Hessischen Ministeriums für Wissenschaft und Kunst (HMWK) haben die Universitäts- und Landesbibliotheken Darmstadt, Fulda und Wiesbaden, die Universitätsbibliotheken Frankfurt am Main, Gießen und Marburg sowie das Hessische Bibliotheksinformationssystem (HeBIS) ein umfangreiches Digitalisierungsprojekt gestartet. Ziel des Projektes ist, Bestände ausgewählter Zeitungen aus dem Zeitraum 1914 bis 1918 in hochwertiger Qualität zu digitalisieren und in einer Web-Präsentation kostenfrei zugänglich zu machen. Insgesamt wurden seither 115 Zeitungstitel digitalisiert. Mit Unterstützung des Hessischen Landesamts für geschichtliche Landeskunde (HLGL) werden weitere Sucheinstiege entwickelt und dieser ergiebige Quellenbefund thematisch erschlossen.

Damit soll eine Grundlage für weiterführende Forschungen geschaffen werden, denn Zeitungen als Quelle sind u.a. interessant für

  • SchülerInnen und LehrerInnen
  • interessierte/n BürgerInnen
  • Universitäre Forschung von WissenschaftlerInnen zahlreicher Disziplinen.

Quellenkritik – Zeitungen während des Ersten Weltkriegs

Mit Kriegsbeginn wurde die Presse verpflichtet, die amtliche Kriegspolitik uneingeschränkt zu unterstützen. Die Zeitung wurde als Kriegsmittel genutzt, um die öffentliche Meinung durch Zensur und Propaganda gezielt zu einer Geschlossenheit der „Heimatfront“ zu lenken und die Kampfmoral aufrecht zu erhalten.

Am 3. Juni 1914, noch vor Kriegsbeginn, wurde das seit 1874 geltende Reichspressegesetz über die Kriegsgefahr (§§15 und 30) durch das „Gesetz gegen Verrat militärischer Geheimnisse“ ersetzt, dessen Paragraph 10 die Presse und Publizistik betraf:

Wer vorsätzlich während eines Krieges gegen das Reich oder bei drohendem Kriege Nachrichten über Truppen- oder Schiffsbewegungen oder über Verteidigungsmittel einem vom Reichskanzler erlassenen Verbote zuwider veröffentlicht, wird mit Gefängnis oder Festungshaft bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bis zu 5000 Mark bestraft.

Nachdem Kaiser Wilhelm II. am 31. Juli 1914 den Kriegszustand des Deutschen Reiches verkündet hatte, trat nach §68 der Reichsverfassung das preußische Gesetz über den Belagerungszustand vom 4. Juni 1851 in Kraft, wodurch die Pressefreiheit faktisch aufgehoben wurde.

Die vom Reichskanzler am selben Tag veröffentlichte Zensurverordnung „betreffend das Verbot von Veröffentlichungen über Truppen- und Schiffsbewegungen und Verteidigungsmittel“ wurde durch ihre Bekanntmachung rechtsgültig. Sie konkretisierte in einem 26 Punkte umfassenden Katalog §10 des „Gesetzes gegen Verrat militärischer Geheimnisse“. »

Ab dem 1. September 1914 kontrollierten die obersten Militärbefehlshaber in den Reichsländern als vollziehende Gewalt auch die Presse. Im preußischen Regierungsbezirk Wiesbaden und im Großherzogtum Hessen war für die Überwachung der Presse das Generalkommando des XVIII. Armeekorps mit Sitz in Frankfurt und im preußischen Regierungsbezirk Kassel das Generalkommando des XI. Armeekorps mit Sitz in Kassel zuständig. Die Militärbehörden delegierten diese Aufgabe an untergeordnete, oft zivile Dienststellen. Das führte dazu, dass die Zensur in den verschiedenen Gebieten unterschiedlich gehandhabt wurde.

Im Oktober 1914 richtete die OHL eine Oberzensurstelle in Berlin ein, die ein Jahr später als Abteilung II ins neu errichtete Kriegspresseamt eingegliedert wurde. Das Kriegspresseamt gab ab Dezember 1915 regelmäßig aktualisierte Zensurbücher heraus, deren Inhalt sich im Laufe des Krieges sukzessive erweiterte; 1916 gab es rund 2000 Verbote. Das 1917 letztmalig erschienene Zensurbuch enthielt, zusammengefasst in alphabetischer Reihenfolge, alle Zensurbestimmungen. „Zensurbuch von 1917“ »

Als Teil der amtlichen Berichterstattung durften Meldungen des offiziösen „Wolffs Telegraphischen Bureaus“ (erkennbar in den Zeitungen am Kürzel WTB) aus Berlin nur unverändert, ungekürzt und unkommentiert abgedruckt werden.

Doch nicht nur Texte, sondern auch Bilder unterlagen der Zensur. Nur ausgewählte Kriegsberichterstatter, die eine Vertrauensprüfung durch die OHL durchlaufen hatten, durften an die Front. Ihre Berichte wurden durch militärische Behörden vor Druckfreigabe geprüft und ggf. zensiert. So zeigen die in den Zeitungen veröffentlichten Fotografien nicht die harte Realität des Krieges, sondern verklärten ihn zu einer idealisierten und siegreichen Unternehmung.

Gefördert durch Mittel des Hessischen Ministeriums für Wissenschaft und Kunst

Projektarbeit durch

in Zusammenarbeit mit