Kriegsbeginn und Mobilmachung

Von der Zuspitzung einer Krise zum Ausbruch des Ersten Weltkrieges

Euphorie und Kriegstaumel zeigen die Bilder in den Zeitungen: Jubelnde Menschenmassen in den Straßen, auf öffentlichen Plätzen und an Bahnhöfen, emporgestreckte Hüte und junge Männer, die begeistert in den Krieg zogen – ein ganzes Volk in der Freude über den Kriegsbeginn vereint und der deutsche Kaiser Wilhelm II. verkündete: „Ich kenne keine Parteien mehr, ich kenne nur noch Deutsche!“ Die Bildunterschriften und Zeitungsartikel suggerieren, dass alle Schichten der Bevölkerung ausnahmslos kriegsbegeistert gewesen seien – ein Mythos, der durch Bilder die Vorstellung von der Reaktion auf den Kriegsausbruch im Deutschen Reich lange Zeit prägte. In Wahrheit versammelten sich die Menschen auf den Straßen, um Neuigkeiten zu erfahren und Informationen zu teilen. Die Frankfurter Zeitung warf beispielsweise Extrablätter vom Balkon des Verlagshauses in die Menschenmenge.

Bei Kriegsbeginn reichte das Spektrum der Emotionen von panischer Angst bis hin zur patriotischen Hysterie. Angesichts der drohenden Krise versuchten Menschen, ihre Ersparnisse zu sichern und Papiergeld gegen Gold- oder Silbermünzen einzutauschen. Die Zeitungen betonten nachdrücklich die Wertbeständigkeit des Papiergeldes.

Die Kriegsstimmung schwelte schon einige Zeit, denn schon vor dem Ausbruch des Krieges wurde zu Protesten aufgerufen und gegen den Krieg demonstriert. Da die Presse jedoch seit Kriegsbeginn verpflichtet wurde, die Politik uneingeschränkt zu unterstützen und die Stimmung „positiv“ zu beeinflussen (Pressezensur), wurde über Anti-Kriegsdemonstrationen in den hessischen Zeitungen ab August nur noch vereinzelt berichtet. Im Gegenteil, die Presse heizte die Stimmung noch an, schürte die Illusion eines schnellen Sieges, stellte den Krieg als Verteidigungskrieg dar, beschwor die Vaterlandsliebe und rief zur Unterstützung auf.

Im Verlauf des Krieges war es Aufgabe der Zeitungen, die Kriegsstimmung im Volk aufrecht zu erhalten. Anfang 1917 verwendete die Presse erstmals den Begriff „Heimatfront“, der sich als Pendant zur kämpfenden Front etablierte. Immer wieder wurde der „Geist von 1914“ beschworen. Doch der lang andauernde Krieg und dessen dramatische Auswirkungen auf die Zivilbevölkerung führte zu einer allgemeinen Kriegsmüdigkeit.