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chlüchternerMtung

Erscheint Mittwoch u. Samstag Preis mitKreidblatt" n.Jllustrirtem Familienfreund" vicrteljährl. 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg

Samstag, ben 7. Januar

IMdlmnicm ""l dieSchlüchterner Zeitung" UUIlyLH werden noch fortwährend von allen ===!~^^^ Postanstallen und LandbriesträMn sowie von der Expedition entgegen genommen.

Deutsches Reich.

Berlin. Die Ansprache des Kaisers beim Neujahrs­empfang der Generäle wird viel besprochen. Der Kaiser hat sich nicht nur entschieden zu Gunsten der Militürvorlage geäußert, sondern auch, wie verschiedent­lich wenn auch nicht allgemein gemeldet wird, scharf jeden Widerstand zurückgewiesen, der sich in der Armee gegen diese Vorlage zeigen sollte.

3. Januar. Hans von Bülow hat sich in eine Nervenheilanstalt begeben. Nach neueren Informationen weilt der ausgezeichnete Dirigent in einer Irrenanstalt in Pankow.

Ein Fall von Insubordination, der für die be- theiligten Soldaten schlimme Folgen haben kann, hat sich . nach Potsdamer Blättern am Neujahrstage in Potsdam zugetragen. Vor einer Tanzwirthschast wurde Abends ein Ulanengefreiter durch eine Militärpatrouille festgenommen. Da stürzten aus dem Saale wohl 100 Soldaten vom 1. Garde-Regiment zu Fuß und vom Regiment der Gardes du Corps und verlangten unter Drohungen energisch, daß der festgeuommcne Kamerad wieder in Freiheit gesetzt werde. Die Patrouille mußte uothgedruugen einstweilen von der Arretirung ablassen. Erst eine halbe Stunde später konnte der Gefreite abgeführt werden.

Die Wcihnachtseinkänfc sollen den größeren Ge­schäften Berlins ganz bedeutende Summen zugeführt haben. Ueber die Einnahmen einiger hiesiger D-mQ- geschäfte theilt ein Fachblatt folgende Ziffern mit: In zwei großen Detailgeschäften, welche alle Arten von Manufakturwaaren, Handschuhe, Luxusartikel führen, betrugen die Einnahmen zwischen 350,000 und 400,000 Mark. Einige Bazargeschäfte, welche Filialen an ver­schiedenen Gegenden der Stadt haben, sollen Einnahmen gehabt haben von 120,000 und 160,000 Mark. Eines dieser Bazargeschäfte hat am goldenen Sonntag in seinen drei Zweiggeschäften 48,000 Mark eingenommen. Geschäfte, welche 40= bis 60,000 Mark eingenommen haben, werden uns 6 genannt. Ein vielgenannter 50 Pfennig-Bazar hatte tägliche Einnahmen von 34000 Mark, einmal sogar 5000 Mark, wobei in Betracht zu ziehen ist, daß daselbst viele Wohlthätigkeitsanstalten 400500 Stück für die Weihnachtsbescheerung auf einmal ankauften. Ein vielgenannnter Mark-Bazar hatte ungefähr dieselben Einnahmen.

Nach der letzten Viehzählung in Berlin gibt es unter den 24,805 Grundstücken dort 6841, auf denen Vieh gehalten wird, nämlich 43,916 Pferde, 7293 Rindvieh, 4120 Schafe, 4651 Schweine und 4 Esel. Auch Bienenzucht wird noch in Berlin getrieben; die Zahl der Bienenstöcke beträgt 106.

In Berlin kommt nichts um. An der Ober nicht weit von Köpenick liegt ein bedeutendes Fabrikeablissement. Die dampfenden Schlote, die große Arbeiteschaar und das ganze lärmende Getriebe läßt nimmcmehr vermuthen, daß dies alles einem Material gilt, bis bisher zn dem unbeachtesten gehörte. In dem großenGcbäude werden die fortgeworfenen Korken auf's Neue erarbeitet und geben den alsLinoleum" bekannt

gewordnen Länferstoff ab. Die alten Korken werden zu feimn Mehl gerieben und dieses mit Leinölfirniß vermisst wird auf dicke Leinewand gebracht, wo man die so gewonnene Materie festtrocknen läßt, nachdem man krselben die verschiedenartigsten Muster aufgepreßt hat. So ist, was man bisher sowegwerfend" be- haudel ein selbstständiger Industriezweig geworden.

Agna, 2. Januar. Wegen Hazartspiels ist auf Auordung der Staatsanwaltschaft bei königlichen Land­gericht nerselbst gegen eine ganze Reihe von Bewohnern des z>n hiesigen Bezirk gehörigen Kreises Süderdith- marschn, insbesondere von Marne und Umgegend, eine Unterschung eingeleitet worden. Es sollen dort all- nbendch Summen verspielt worden sein, wie man dies frühernur in den fashionabelsten Badeorten, wie Spaa, Ostene, und jetzt wohl noch in Monte Carlo gewohnt ist. In Landmann soll an einem Abend 40,000 Mk., ein »derer mehr als 60,000 Mark verloren haben. Verwndte der Verlierer haben der Behörde Anzeige

^crunow oer fernerer puven w ^yv.uv ",»g>.^. einen geharnischten Brief an ein hohes Staatsministerium Anklage gestellt ein Schuhmachergeselle, ein Zimmer- m em Treiben erstattet. Die Angelegenheit hat in1 zu richten. Den dazu erforderlichen Papierhogen ent I mann, ein Taglöhner und der Hochzeiter; sie wurden

weiteren Kreisen der Provinz Aufsehen hervorgerusen und man ist auf den Ausgang sehr gespannt.

Aus Nürdschleswig, 1. Januar. Eine merkwürdige Beerdigung fand auf einem Friedhofe in der Nähe von Alpenrade statt. Nach den Angaben eines Augenzeugen berichtet darüber ein Alpenrader Blatt: Ein Dorf- eingefeffener war gestorben, und es hatte sich eine große Schaar Leidtragender eingefunden, um dem Heim­gegangenen das letzte Geleit zu geben. Als der Letzte erschien der Pastor; der Sarg wurde auf den Wagen gehoben und der Zug setzte sich nach dem Friedhof in Bewegung. Die Friedhofspforte indeß, an der sonst der Todtengräber steht, um den Zug an das offene Grab zu leiten, war verschlossen, der Todtengräber selbst nirgends zu sehen. Nachdem das Gitterthor geöffnet, betritt der Zug den Friedhof und schlägt die Richtung nach dem One ein, wo dem Verstorbenen die letzte Ruhestätte bestimmt ist. Aller Blicke richten sich dort­hin: der Zug bleibt erstaunt und überrascht stehen, denn die Grube, in welche der Todte hinabgesenkt werden soll, ist nirgends zu finden. Man kann sich die peinliche Lage des Trauergefolges vorstellen! Der Geistliche sandte einen Boten zum Todtengräber, der endlich erscheint und auf Befragen verlegen zugesteht, daß er das Grab zu graben vergessen habe . . Was nun? Die Situation ist bei der strengen Kälte eine höchst unangenehme. Schließlich wird dem Todtcu- gräder befohlen, die Arbeit sofort zu beginnen ; die Leiche wird in die nahe Kirche getragen; die Leid­tragenden aber begeben sich in das unweit der Kirche beleget« Wirthshaus, wo sich Jeder für das lange Harren reichlich entschädigte, ^ternndj soll das Be­graben gar flott von Stätten gegangen sein, schließt der Bericht, der ein drastisches Licht auf die ländlichen Zustände wirft.

Kottbus, 31. Dez. Ein entsetzlicher Akt spielte sich heute Vormittag 11 Uhr auf hiesigem Bahnhöfe ab. In großer Aufregung erschien, nur leicht bekleidet, der Eisenbahnwagenmeister Lehman» auf dem Bahnhöfe und warf sich vor die Maschine eines eben einlanfenden Rangirznges. Er wurde furchtbar zermalmt und auf der Stelle getödtet. Bald danach erschienen die Kinder Lehmanns, nach ihrem Vater schreiend, und gaben an, er habe daheim die Mutter nach einem vorausgegangenen Streite erstochen. Der Mann war kurz vorher vom Nachtdienst nach Hause gekommen.

Elberfeld, 4. Jan. Die weltbekannte Manufaktur-, Kurzwaarenhandlung und Steppdeckenfabrik von Uhl Horn LKlußmann ist heute Morgen total niedergebrannt. Der Schaden beträgt mehrere Millionen Mark. Das Waarenlager ist mit einer Million Mark versichert, wovon 300,000 auf dieAachen-Münchener-Gesellschaft", 300,000 auf dieColonia", 150,000 auf dieProvi- bentia" in Frankfurt a. M. und 250,000 auf die Leipziger Versicherungsanstalt" entfallen. Drei benach­barte Großgeschäfe sind in Mitleidenschaft gezogen.

Trier, 3. Januar. Ein sensationeller Prozeß wird am 9. d. Mts. vor der hiesigen Strafkammer verhandelt werden. Der katholische Pastor Stöck in Euren bei Trier, früher Rektor des hiesigen Hospitals, ist angeklagt, ein evangelisches Kind ins Ausland entführt zn haben, um es der katholischen Religion zuzuführen. Das be­treffende Kind ist die Tochter eines evangelischen Fuhrmanns, der in gemischter Ehe lebte. Nach dem Tode des Vaters wurde das Kind von der katholischen Mutter im Hospital untergebracht, woselbst es bis zum schulpflichtigen Alter verblieb. Als nun jetzt die evangelische Gemeinde das Mädchen zum Besuch der evangelischen Schule forderte, war es verschwunden. Die augestellten Ermittelungen ergaben, daß das Mädchen zuerst in einem Waisenhause außerhalb Triers und dann in einer katholischen Anstalt im Luxemburgischen Aufnahme gefunden hatte. Der augenblickliche Aufenthalt ist nicht bekannt und auch von dem Hospitals-Rektor, dem jetzigen Pastor Stock, nicht zu erfahren. Die Staatsanwaltschaft hat deshalb gegen denselben Anklage erhoben.

Aus einer Stadt Thüringens wird folgender drollige Fall mitgetheilt: Dem Herrn Bürgermeister war vom Stadtverordneten-Kollegium die erbetene Gehaltszulage verweigert worden. Darob erzürnt, schickt sich das Stadtoberhaupt unmittelbar nach jener Sitzung an,

nimmt der Herr Bürgermeister von dem zu dienstlichen Zwecken vorhandenen Papiervorrath; der Bericht gilt aber einem persönlichen, nicht amtlichen Anliegen, und da der Herr Bürgermeister von der undankbaren Stadt nichts geschenkt haben will, so schickt er einen Unterbeamten mit zwei Pfennigen zum Stadtkassen-Rendanten mit dem Ersuchen, diese Summe als Aequipalent für jenen Papierbogen zu vereinnahmen und eine vorschriftsmäßige Quittung auszustellen. Der Herr Rendant ist indeß ein sehr gewissenhafter, streng nach den Dienstvorschriften verfahrender Mann und läßt den Herrn Bürgermeister um Ausstellung eines Einnahme-Attestes bitten, sonst fehle ihm ja ein Beleg über den erwähnten Betrag. Der Bote kommt mit solchem, einem Quartblatt Konzept­papier, zurück, und der Herr Rendant stellt eine ' Quittung, ebenfalls auf ein Quartblatt Konzeptpapier, aus. Doch es packt ihn das Gewissen und hält ihm vor, daß städtisches Eigenthum der Instruktion gemäß nicht ohne Genehmigung des Stndtverorvneten-Kollegiums veräußert werden dürfe, und er begibt sich deshalb per­sönlich zum Herrn Verwnltnngschcf, um wegen der vorliegenden Unregelmäßigkeiten vorstellig zu werden. Welche Lösung die tiefernste Angelegenheit bei dieser Audienz gefunden, ist nach der Snaleztg. bis jetzt noch in Dunkel gehüllt.

Maklern, 30. Dez. Vor einem schrecklichen Tode wurde durch Hinzukommen des Bahnwärters ein 17jähriges Mädchen bewahrt. Der in der Nähe der Haltestelle Möckern an der Thüringer Linie stativnirtc Bahnwärter revidirte am Donnerstag Nachts kurz vor 12 Uhr vorschriftsmäßig seine Strecke. Plötzlich prallte der Beamte zurück vor ihm lag ein junges Mädchen auf den Schienen. Nur wenige Minuten später und der Kasseler Schnellzug, welcher schon in der Ferne hörbar wurde, hätte die Aermste furchtbar verstümmelt!. Hier war keine Zeit zu verlieren, denn schon donnerte der Kurierzug heran! Der Bahnwärter verlor aber den Kopf nicht, rasch riß er das sich sträubende Mädchen von den Schienen, führte es seitwärts und wenige Minuten später brauste der Zug vorüber. Der Bahn- Wärter brächte das Mädchen nach der Signalstation und erfuhr nun, daß die Unselige sich das Leben nehmen wollte, weil ihre Dienstherrschaft sie schlecht behandelte.

Ausland.

Ntwyark, 4. Januar. Der von der Regierung der Vereinigten Staaten nach der Strafanstalt Helena in Arkansas entsendete Arzt, welcher die Todesursache bei achtzehn verstorbenen Gefangenen feststellen sollte, hat sein Gutachten dahin abgegeben, daß dieselben einer bösartigen Form der Cholera erlegen seien.

5. Januar. 500 Maskierte haben das Gefängniß in Bakersville (Nordcarolina) angegriffen und den Mörder eines angesehenen Bürgers gelyncht. Sieben Gendarmen traten der Menge entgegen, sie wurden aber alle getödtet. Von den Lynchern sind 25 gefallen, darunter angesehene Bürger.

Lokales und Provinzielles.

Schlächtern, 6. Januar.

* Der ev. Schulamtskandidat Elm aus Hanau. ist als Lehrer an die ev. Schule in Sterbfritz, Kr. Schlächtern, bestellt worden.

* Aus der Strafkammer-Sitzung vom 2. Januar. Einen recht netten Abschluß nahm die von einem Tag- löhner in Schlächtern abgehaltene Hochzeit. Als die Gäste dem Bier schon ziemlich zugesprochen hatten, kam es gegen 1 Uhr zwischen einem Schreinergesellen, einem Schuhmacher und einem Zimmermann zum Streit, bei welcher Gelegenheit der Schreiner die Lampe des Gast­gebers entzwei schlug. Wegen dieser Heldenthat die Treppe hinuntergebracht, wobei es natürlich ohne Hiebe nicht abging, holte der dadurch jedenfalls wieder etwas nüchtern gewordene Schreiner aus der Werkstatt zwei Meisel und drang dann gewaltsam in die Wohnung des Taglöhners ein, dem er vorher schon mit einem Stock auf den Kopf geschlagen hatte. Der Schreinergeselle wird des schweren Hausfriedensbruches und der Körper­verletzung schuldig erkannt und mit 2', Monaten und 2 Tagen Haft bestraft. Weiter waren in dieser An gelegenheit wegen gemeinschaftlicher Mißhandlung unter