Einzelbild herunterladen
 

Hersfelder Tageblatt

Amtlicher Anzeiger ^^^ für den Kreis Hersfeld

Setsletter ÄreisMott

Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 1.50 Mark, durch die Post be­zogen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei Hersfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld.

Der Anzeigenpreis beträgt für die einspaltige Zeile 10 Pfennig, im amtlichen Teile 20 Pfennig, Reklamen die Zeile 25 Pfg. Bei Wieder­holungen wird Rabatt gewährt. Erscheint jeden Werktag nachmittag».

Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage"

Zernsprech-Knschlutz Nr. 8

Nr. 40.

Dienstag, den 17. Februar

1914.

Bus der Heimat.

-n- Hersfeld, 16. Februar. Am Sonnabend den 7. März d. Js. beabsichtigt der Bürgerverein im Saale des Hotel zum Stern ein K o st ü m f e st ab- zuhalten, zu dem die Vorbereitungen bereits flott im Gange sind. Das Fest, zu dem jedes beliebige Kostüm getragen werden kann, verspricht recht vergnügt zu werden, zumal eine Reihe von humoristischen Auf­führungen geplant ist.

-r- Hersfeld, 16. Februar. (Vom Burschen- h e i m.) Einen zweiten Vortragsabend veranstaltete gestern abend im Saale des Auguste Viktoriahauses der hiesige VereinBurschenheim". Vortragender war wieder Herr Lehrer A. L o h r m a n n.D a s I a h r 1813" lautete sein Thema. In großer Zeit vor 100 Jahren, in der unser durch lange Knechtschaft schwer gebeugtes Volk endlich die Kraft fand, seine Freiheit wieder zu erkämpfen, wurde in von warmer Begei­sterung erfüllten, geschichtlich wahrer und formschöner Rede vorgeführt. Gute Vorbilder pflegen auf junge Gemüter einen tiefen Eindruck auszuüben und sind von hohem erzieherischem Wert. Solche Vorbilder zeichnete der Vortragende: Große Zeiten, Helden aus allen Ständen, Helden im Ministerrock und im Bauernkittel, alle nach den edelsten Grundsätzen handelnd und alle von einer unvergleichlichen Tat­kraft. Es war erfreulich, daß auch diesmal die Ver­anstaltung guten Besuch auswies. Etwa 50 junge Leute, dazu eine Anzahl hiesiger Meister und einige Herren vom Lehrerkollegium der Fortbildungsschule hatten sich eingefunden. Lebhafter Beifall und Dankes­worte vom Leiter des Burschenheims lohnten den Redner.

Schenklengsfeld, 14. Febr. In Gemeinschaft mit den beiden Schulverbandsgemeinden Oberlengsfeld und Conrode baut unsere Gemeinde jetzt eine Wasser­leitung. Die Trinkwasserverhältnisse waren hier recht bedenklich. Deshalb drängt die Aufsichtsbehörde auf Erbauung der Wasserleitung. Die Ausführung des Wasserwerks ist einer Fuldaer Architektenfirma über­geben und soll die Arbeit so beschleunigt werden, daß die Leitung möglichst schon in diesem Herbst ihrer Bestimmung übergeben werden kann. Eine sehr er­giebige, den Bedarf voll deckende Quelle guten Trink- wassers ist am Fuße des Landeckerberges im sogen. Ehrental gefunden und vom Besitzer, Gutsbesitzer Licht (Oberlengsfeld), verhältnismäßig billig gekauft. Im­merhin wird das Werk auf ca. 50 000 Mark zu stehen kommen, wovon unsere Gemeinde etwa drei Fünftel zu tragen haben wird. Leicht ist es unserer Gemeinde­vertretung nicht geworden, der Gemeinde wieder eine solche Schuldenlast aufzubürden, nachdem sie erst durch den Bahn-Neubau namentlich durch Herstellung der neuen Bahnhofstraße, stark belastet wurde, so daß zwischen 200 und 300 Prozent Steuern zur Erhebung kommen müssen aber es war einMuß." Und schon winken neue Lasten: die Ueberlandzentrale! Es ist natürlich ausgeschlossen, daß eine Gemeinde von der Größe und Bedeutung der unsrigen sich bei einem so zukunftsbedeutenden Werk wie die Zuführung elektrischer Kraft, ablehnend verhalten kann. Die Finanzkraft unserer Gemeinde wird also auf fehr harte Proben gestellt werden. Trotz alledem ist der Ort auf aufsteigender Linie. Die neue Bahn hat einen recht großen Aufschwung im Handel gebracht, die Baulust hat sich gehoben, Geld wird viel verdient.

Cassel, 15. Febr. Ein schwerer Einbruchsdiebstahl wurde in der Nacht vom Sonnabend zum Sonntag in dem Uhren- und Goldwarengeschäft von R. in der Holländischen Straße verübt. Als die Inhaberin am Sonntag morgen gegen Vdl Uhr den Laden betrat, sah sie, daß alle Behältnisse erbrochen waren. Die ^^flö^cher haben sich vom Hausflur aus mittels Nach- schlüffel Zugang zum Laden verschafft und auch nach Verübung der Tat den Laden wieder verschlossen. Der Wert der geraubten Waren wird von der Be- stohlenen auf ungefähr 34000 Mk. geschätzt. Der Einbruch ist lange vorbereitet gewesen. Vor einigen Tagen ist der Hund der Inhaberin vergiftet aufge­funden worden.

Caffel, 16. Februar. Sonnabend nachmittag, kurz vor 5 Uhr, ereignete sich in einer Fabrik in Nieder- zwehren ein schwerer Unglücksfall. Der Maurer S. aus Hoof stürzte so unglücklich von einem Gerüst herab, daß er besinnungslos liegen blieb,' er wurde durch die Niederzwehrener Sanitätskolonne in das Landkrankenhaus übergeführt.

Caffel, 15. Febr. Ein schwerer Unglücksfall hat sich am Sonnabend nachmittag auf dem Hofe eines Fuhrwerksbesitzers an der Mombach vor dem Hollän­dischen Tore zugetragen. Als der Fahrbursch, ein verheirateter Mann von einigen dreißig Jahren, das vom Wagen abgespannte Pferd in den Stall führen wollte, schlug dasselbe plötzlich aus und traf den

Mann mit dem Hufe mit großer Wucht vor den Unterleib. Nach Anlage eines Notverbandes wurde der schwerverletzte Mann in seine Wohnung geschafft.

Gelnhausen, 14. Febr. In Höchst bei Gelnhausen drang in der verflossenen Nacht ein Hund in einen auf einer Wiese stehenden Schafpferch ein und tötete 30 Schafe. Der Hund wurde später auf dem in der Nähe befindlichen Eisenbahndamm tot aufgefunden. Er war von einem Zug überfahren worden.

Göttingen, 13. Febr. Gestern abend wurde schon wieder ein frecher Ueberfall auf eine Dame verübt. Auf der Prinz Albrechtstraße wurde eine Dame, die von einem Krankenbesuch zurückkehrte, von einem Burschen angefallen und ihrer Handtasche beraubt.

Göttingen, 13. Februar. Der Mörder des Försters Knoche, Fuhrmann, wird noch auf seinem Geisteszustand beobachtet. Er selbst gibt allerdings an, er habe die Sache satt, einen Geisteskranken zu spielen, er wolle lieberseine paar Jahre" absitzen und dann tüchtig arbeiten, um wieder einen Jagdschein zu bekommen. Ohne den könne er nicht leben.

Röhrenfurt bei Melsungen 15. Februar. Heute nachmittag gegen 4 Uhr brach in der Scheune des Landwirts F. plötzlich Feuer aus, das sich schnell auch über die Scheune des Nachbars verbreitete. Beide Scheunen brannten nieder. Der Wehr gelang es, die Nebengebäude zu schützen. Der entstandene Schaden ist durch Versicherung gedeckt.

Waldkappel, 13. Februar. Die Ehefrau des Maurers Dietrich hatte sich eine kleine Verletzung am Fuß zugezogen, die sie jedoch nicht weiter beachtete, bis plötzlich der Fuß gefährlich anschwoll. Der hin­zugerufene Arzt stellte Blutvergiftung fest.

Eschwege, 14. Februar. Die Wirkung des General- pardons bei der Einschätzung zum Wehrbeitrage hat sich auch im Kreise Efchwege gezeigt. Es sind wie das Tageblatt hört, an Kapitalvermögen mehr deklariert worden 11055 550 Mk. Auf die Stadt Eschwege ent­fallen davon 7 023 915 Mk. und auf die Städte Wald­kappel und Wanfried sowie auf die Landgemeinden 4 031635 Mk. Die Summe dürfte sich noch erhöhen, da noch einige Erklärungen infolge Fristverlängerung ausstehen.

Vom Eichsfelde, 14. Februar. Eine exemplarische Strafe verhängte das Schöffengericht in Mühlhausen gegen einen Barbier aus Heyerode (Eichsfeldj. Er hatte an der Straße Haltungen Heyerode eine An­zahl Obstbäume durch Abschneiden von Aesten und Ausbrechen der Kronen beschädigt und erhielt dafür als Strafe drei Monate Gefängnis.

Neustadt, 18. Februar. Von einem bedauerns­werten Mißgeschick wurde eine hiesige Familie be­troffen. Die 14jährige Tochter derselben war beim Futterschneiden behilflich und dabei drang ihr das eine Messer in das Fleisch des linken Oberarmes, eine tiefklaffende Wunde war die Folge. Nach An­legung eines Notverbandes wurde das Mädchen der Marburger Klinik zugeführt. Ungemein hohe Holz­preise wurden auch gestern auf der Willingshäuser Holzauktion erzielt. Der Durchschnittspreis für den Raummeter Buchenscheitholz betrug 78 Mk. und für Knüppel 56 Mk. Die Klafter (4 Rmtr.j kam nicht unter 3437 Mk. Ohne Zweifel sind das die Nach­wehen des strengen Winters.

Erfurt, 14. Febr. In der Epinal-Straße stürzte sich heute früh die Büfettdame Minde aus einem Fenster ihrer im zweiten Stock gelegenen Wohnung und blieb mit zerschmetterten Gliedern tot liegen.

Hemfurth, 15. Februar. Nach der gestern vorge­nommenen Sprengung der Bringhäuser Ederbrücke durch Mündener Pioniere sieht man jetzt nur noch Teile der beiden Mittelpfeiler der Brücke aus den Fluten ragen. Am 17. Mai, dem Sonntag vor Himmelfahrt, wird der Motorbootverkehr auf dem Edersee eröffnet werden.

Aus Thüringen, 13. Februar. In Ilmenau ist über das Vermögen der Buchdruckerei Paul Barth das Konkursverfahren eröffnet worden. Auch dieser Konkurs ist, wie bei der Wiedemannschen Hofbuch­druckerei in Saalfeld, eine Folge der unerhörten Preisdrückerei. Wenn man bedenkt, daß Druckfachen, die in anderen Geschäften mit 120 Mk. berechnet wurden, bei der in Konkurs geratenen Firma für 67 Mk. hergestellt wurden, so wird man begreifen, daß dadurch mit der Zeit das größte Vermögen aufge­zehrt wird. . ,

Hanau, 13. Februar. Die Errichtung einer elekt­rischen Ueberlandzentrale für den Kreis Gelnhausen ist nunmehr gesichert. Der Abschluß wird mit der Elektrischen Kraftverforgungs-Aktiengeseüschaft in Mannheim, die vor wenigen Tagen Braunkoblenfelder im Werte von 7 Millionen Mark angekauft hat, erfolgen.

Abgeordnetenhaus.

Am Sonnabend setzte das Haus die Beratung der zum Titel Ministergehalt vorliegenden Anträge fort. Abg. Freiherr Schenk zu Schweinsberg (kons.) erklärte namens seiner politischen Freunde die Zustimmung zu dem Antrag Schmedding über die Fürsorge gemein­gefährlicher Geisteskranker, ebenso der Abg. Dr. Schroeder-Kassel (natl.j, der zwei sozialdemokratische Anträge auf gesetzliche Regelung des Jrrenrechts der Justizkommission zu überweisen beantragte. Minister v. Dallwitz bat erneut, den Antrag abzulehnen. Dafür sprachen sich ferner die Abgg. Dr. Flesch (Fortschr.), Dr. Liebknecht (Soz.j aus. Abg. Viereck (freitonf.) betonte, daß der Schutz der Allgemeinheit dem Staate obliegen müsse, nicht den einzelnen Polizeibehörden. Ministerialdirektor Dr. Freund bemerkte, daß nach den Entscheidungen des Oberverwaltungsgerichts die Polizeibehörden für Unterbringung der Geisteskranken Sorge tragen müßten,' die Kosten müßten demgemäß die Gemeinden tragen. Für die Anträge sprachen dann wiederum die Abgg. Dr. Schmedding (Ztr.j und Dr. Liebknecht (Soz.j. Die Besprechung schloß. Bei der Behandlung der dänischen Frage wies Abg. Johannsen (freitonf.) auf das Anwachsen der dänischen Agitation in Nordschleswig hin, an dem die schwankende Haltung der Staatsregierung ebenso schuld sei, wie die Gleichgültigkeit im Lande gegenüber dem harten Kampfe der deutschen Sache im Norden. Der Partei­hader sollte verbannt werden und alles zusammen­stehen in dem Ruf Hie gut Deutsch allewege. Abg. Nissen (Däne) erhob heftige Beschwerden über die Behandlung dänischer Lustreiseuder in Nordschleswig. Das Verbot des Vortrages Amundsen sei eine Blamage für Preußen gewesen. Abg. Dr. Schifferer (Natl.j bezweifelte nicht den Idealismus der Männer, die für eine Versöhnungspolitik wären, doch erreiche man mit einer träumerischen Nachgiebigkeit keine Wirklichkeitserfolge. Der Optantenvertrag habe nur eine Verschärfung der nationalen Gegensätze gezeitigt. Minister v. Dallwitz ging nunmehr auf Einzelheiten in den Ausführungen der Vorredner ein, von einem Zickzackkurs der Regierung könne keine Rede sein. Nicht einen Augenblick habe die Regierung daran gedacht, die Abwehrmaßregeln gegen die dänische Agitation abzuschwächen, noch die deutschen Interessen preiszugeben. Wenn dänischen Reisenden Schwierig­keiten gemacht worden wären, so sei das auf bloß­gelegte antideutsche Umtriebe zurückzuführen. Abg. Graf v. Baudiffin (kons.) betonte, daß man in der Tat in der Nordmark nicht den Eindruck einer festen Haltung der Regierung gehabt habe. Er dankte dann dem Minister, daß die Regierung in Zukunft den deutschen Wünschen gerecht werden wolle. Nächste Sitzung Montag 11 Uhr: Fortsetzung. Schluß Wi Uhr.

Deutscher Reichstag.

Der Reichstag führte am Sonnabend die Bera­tung des Etats des Innern bei den einmaligen Aus­gaben zu Ende. Auf Ausführungen des Abg. König (Soz.j über die Typhusbekämpfung antwortete Mini­sterialdirektor v. Joncquieeres, daß die Bekämpfung grundsätzlich Landessache sei. Abg. Schiffer (nt.) be­grüßte die Erhöhung des Zuschusses für die gemein­nützigen Rechtsauskunftsstellen. Nunmehr befaßte sich das Haus eingehend mit den Anträgen der Konser­vativen und Liberalen, den vom Haushaltsausschusse des Reichstags abgelehnten Reichszuschuß von 46 000 Mk. für die olympischen Spiele in Berlin 1916 wieder einzusetzen. In ausgedehnter Erörterung traten die die Abgg. Stöve (nl.j, von Maffow (kons.) und Dr. Müller-Meiningen (sortschr.j für die Wiedereinsetzung ein, während Abg. Rühle (Soz.j den Antrag ablehnte, da es doch zu einer Zurückweisung der Arbeiterturn­vereine von den olympischen Spielen komme. Mini­sterialdirektor Lewald empfahl die Wiedereinsetzung, da es sich um die Förderung eines kulturellen Unter­nehmens, ja um eine Kulturtat handele. Auch Abg. Merlin (Rp.) trat für die Bewilligung ein. Nach ab­lehnenden Ausführungen der Abgg. Haußen (Dänej und Heine (Soz.j schloß die Besprechung. Die Ab­stimmung wurde auf Dienstag verschoben. Auch der Rest des Etats wurde erledigt. Die Vorlage betr. weitere Zulassung von Hilfsmitgliedern beim Patent­amt wurde in 1. und 2. Lesung angenommen, auf Vorschlag des Abg. Erzberger (Ztr.j auch in 3. Lesung. Das Haus vertagt sich auf Montag: Etat des Reichs­justizamts.

Wetteransfichten für Dienstag den 17. Februar.

Erneute Trübung und Nieöerschläge, keine Tem­peraturänderung, südwestliche Winde.