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Hersfelder Tageblatt

Amtlicher Anzeiger für den Kreis Hersfeld

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Der Anzeigenpreis beträgt für die einspaltige Zeile 10 Pfennig, im amtlichen Teile 20 Pfennig, Reklamen die Zeile 25 Pfg. Bei Wieder­holungen wird Rabatt gewährt. Erscheint jeden Werktag nachmittag».

Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 1.50 Mark, durch die Post be­zogen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei Hersfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld.

Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage" Zernsprech-Knschlutz Nr. 8

Nr. 42. Donnerstag, den 19. Februar 1914.

Bus der Heimat«

* (Schnellere Beförderung von Vieh durch P e r s o n e n z ü g e.) Es ist als erwünscht erachtet worden, daß Viehwagen, die den Anschluß an Eil- oder Ferngüterzüge nicht erreichen, mit den nächsten Personenzügen befördert werden. Die Eisen­bahnverwaltung ist den Wünschen in möglichst weit­gehender Weise nachgekommen und hat bestimmt, daß Tiersendungen mit besonderen zur Tierbeförderung freigegebenen Zügen weiterbefördert werden sollen. Hierbei wird ein Frachtzuschlag nicht erhoben. Für die Tierbeförderung ist eine große Anzahl von Per­sonenzügen freigegeben worden.

):( Hersfeld, 18. Februar. Einen nicht alltäglichen Fall hat die 6. Batterie des Feld-Artillerie-Regiments Nr. 47 in Fulda zu verzeichnen. Bei derselben sind im Laufe der Jahre SGebrüdcr Geist, welche aus dem benachbarten R o t e n s e e stammen, als Frei­willige eingetreten. Alle fünf wurden im zweiten Dienstjahre zu Gefreiten befördert, einer der Brüder dient im Regiment fort. Gewiß ein schönes Zeichen soldatischen Geistes, der in der Familie herrscht, be­sonders wenn man noch berücksichtigt, daß die Mutter Witwe ist.

Treysa, 17. Februar. Auf Veranlassung der Deutschsozialen Partei fand am Sonntag in Treysa eine aus allen Berufsständen zusammengesetzte, stark besuchte Vertrauensmänner-Versammlung statt. Ein­stimmig wurde Amtsgerichtsrat Lattmann als Reichs­tagskandidat der Deutschsozialen Partei für den Wahlkreis Fritzlar-Homberg-Ziegenhain aufgestellt.

Fulda, 17. Februar. In Burghaun brach heute ein Großfeuer aus, das zwei Scheunen des Besitzers Malkmus, das Anwesen des Produktenhändlers Adler, die Gastwirtschaft zum Roß und die Brennerei von Hode ergriff. Der Brand, der mit großer Heftigkeit tobte, hat nicht unbeträchtlichen Schaden angerichtet.

Marburg, 17. Febr. Wie dieHess. Landesztg." meldet, hat der Marburger Magistrat beschlossen, den Kaiser gelegentlich der im Herbst stattfindenden Kaiser­manöver zum Besuch Marburgs einzuladen. Für den Fall der Annahme dieser Einladung sind größere Veranstaltungen vorgesehen, für deren Kosten in aller­nächster Zeit eine Summe festgesetzt werden soll.

Cassel, 17. Februar. Eine Familientragödie hat sich heute morgen gegen 7 Uhr im benachbarten Volk­marshausen abgespielt. Dort schlug der Fabrikarbeiter und frühere Schmied Ernst Franke, der infolge langer Arbeitslosigkeit sich dem Trunke ergeben hatte und trübsinnig geworden war, seine Frau und seine drei Kinder mit einem Beile nieder. Das jüngste Kind wurde so schwer verletzt, daß an seinem Aufkommen gezweifelt wird. Die Frau erlitt ebenfalls schwere Verletzungen, die beiden anderen Kinder weniger schwere. Der Täter wird als ein ordentlicher, sonst ruhiger Mann geschildert, der auf die schiefe Ebene geraten war, weil seine wochenlangen Bemühungen, Arbeit zu erhalten, vergeblich gewesen waren. Er versuchte nach der Tat, sich selbst das Leben zu nehmen, wurde aber daran gehindert und in Haft genommen.

Schmalkalden, 16. Februar. Der Generalpardon hat, wie dasCaff. Tgbl." meldet, nach amtlichen An­gaben im Kreise Schmalkalden ergeben, daß nach vor­läufiger Durchsicht der eingegangenen Wehrsteuer­erklärungen in diesem Jahre annähernd IV2 Millionen Mark der Besteuerung entzogenes Kapitalvermögen neu deklariert worden ist. Die Steuerbehörde hegt den Verdacht, daß im Kreise, der jetzt 46 000 Ein­wohner zählt, noch wesentlich mehr unversteuertes Kaprtalvermögen vorhanden ist.

Niederelsunge«, 16. Febr. Ein schwerer Unfall ereignete sich kürzlich in der neuen Kaserne des Dragonerregiments Nr. 25 Ludwigsburg (Württem­berg). Der zu ernem Gefangenentransport nach Ulm kommandierte Sergeant Reckert, von der 5. Eskadron, gebürtig aus Niederelsungen, der bereits im 7. Jahre diente, war im Begriff, seinen scharfgeladenen Re­volver vom Dienstzimmer abzuholen, als durch Un­vorsichtigkeit eines Schreibers sich die Waffe entlud, die er dem Sergeanten -übergeben wollte. Die Kugel durchbohrte dem Sergeanten den Unterleib und blieb in der Zimmertür stecken. Der Schwerverletzte wurde sofort dem Garnisonlazarett zugeführt, wo er am Donnerstag seinen Verletzungen erlegen ist. Ob den Schreiber eine Schuld trifft, dürfte die nähere Unter­suchung ergeben.

Göttinge«, 16. Februar. Ein schwerer Einbruchs­diebstahl wurde in der Nacht zum Sonntag beim Superintendenten Warnecke, Jakobikirchplatz, verübt. Den Dieben fielen rund 1200 Mark bares Geld in die Hände. Es scheint sich um die Tat einer Diebes­bande zu handeln, denn es wurde noch an ver­

schiedenen Stellen eingebrochen. Gold- und Silber­sachen ließen sie unberührt. Bislang fehlt noch jede Spur.

Hanau, 17. Februar. Die Krankheit im 1. Ba­taillon des Eisenbahn-Regiments Nr. 3, eine Art Influenza-Epidemie, ist stark im Abnehmen begriffen. Seit gestern sind 61 Erkrankte gesund geschrieben worden.

Frankfurt a. M., 16. Februar. Der 29jährige, aus Berlin gebürtige Kaufmann Otto Ernst Friedrich bereiste von Juni 1912 innerhalb vier Monaten ganz Deutschland und besuchte nicht weniger als 22 Groß­städte, wo er meist von seiner früheren Tätigkeit als Reisender her ihm bekannte reiche Damen aufsuchte und sich als Kassenbote des Vaterländischen Frauen- vereins ausgab und Gelder erschwindelte. In Süd­deutschland wurde Friedrich verhaftet und in Karls­ruhe zu anderthalb Jahren Zuchthaus und später in Leipzig ebenfalls zu anderthalb Jahren Zuchthaus verurteilt. Seine Revision gegen die beiden Urteile wurde verworfen. Von der hiesigen Strafkammer wurde er heute unter Anrechnung der in Karlsruhe und Leipzig verhängten Strafen zu einer Gesamt­strafe von 3 Jahren 8 Monaten Zuchthaus und 3600 Mark Geldstrafe verurteilt.

Frankfurt, 16. Febr. Nachdem die Sammlungen für Frau Hops geschlossen waren, hatte der Rechts­beistand der Frau Hops zu einer Besprechung über die Verwendung der eingelaufenen Gelder eingeladen. Vorhanden sind ca. 13 000 Mark, die für Frau Hops angelegt werden sollen; außerdem besteht Aussicht, daß Frau Hops als Filialleiterin bei einer hiesigen Firma Anstellung finden wird, sobald ihr Gesund­heitszustand das zuläßt.

Lixfeld, 16. Febr. Gestern mittag ereignete sich aus der Anhöhe zwischen hier und Simmersbach ein schrecklicher Unfall. Der Landwirt Heinrich Krug von hier wollte Herrn Pfarrer Kranz, der zurzeit die Pfarrei Simmersbach vertritt, dorthin fahren. Unter­wegs scheute das Pferd, der Wagen wurde zertrümmert und der Besitzer getötet. Der Familie des^so jäh aus dem Leben Geschiedenen bringt man allgemeine Teil­nahme entgegen. Wie man erfährt, dürfte Herr Pfarrer Kranz mit dem Schrecken davongekommen seien.

Wiesbaden, 16. Februar. Diefeste" Beamten­stellung, sei sie auch noch so klein, ist für viele das Höchste, was die Erde bieten kann. Bei Ausschreibung der Stelle eines Krankenkassenboten in Wiesbaden meldeten sich nicht weniger als 700 Bewerber, die sich zum Teil in recht guten Privatstellungen befinden, teilweise sogar dem Hausbesitzerstand angehören.

Worms, 17. Februar. Gestern abend wurden sämtliche Wehren der Stadt alarmiert, weil in der Kaserne des Infanterie-Regiments Nr. 118 Feuer ausgekommen war. Nach demB. T." ist der Dach­stuhl, in dem die vierte Kompagnie untergebracht war, eingeäschert worden.

Abgeordnetenhaus.

Das Preußische Abgeordnetenhaus beschäftigte sich am Dienstag mit dem Antrag über Abänderung der Gesetze über Anlegung von Sparkassenbeständen in Jnhaberpapieren, die zum Etat des Ministeriums des Innern vorlag. Gegen ihn wandte sich Abg. Leinert (Soz.), während Abg. Lippmann (Fortschr.) sich für Kommissionsberatung aussprach. Minister v. Dallwitz erklärte, daß Abschreibungen aus dem Reservefonds der Sparkassen nur zulässig sein sollen, wenn der Reservefonds 5 Prozent der Einlagen nicht übersteigt. Abg. Dr. Barenhorst (freik.) bat den Minister, die Verhältnisse erneut zu prüfen und dem Anträge nicht so ablehnend gegenüberzustehen. Abg. Dr. Hahn (kon,.) bemerkte, daß die Staatsregierung ruhig zusehe, wie ein großer Teil der Kapitalien ins Ausland gehe, da sollte es die Regierung als Ehrenpflicht betrachten, den Sparkassen nach Möglichkeit entgegenzukommen. In Kriegszeiten würden die Sparkassen die einzigen sein, die den Kurs der Staatspapiere einigermaßen hochhalten würden. Seinem Wunsche gemäß wurde der Antrag der verstärkten Gemeindekommission über- wiesen. Eine Reihe anderer Anträge wurde eben­falls zur Kommissionsberatung gestellt, so der Antrag über den Schutz der Arbeitswilligen, die Furforge für gemeingefährliche Geisteskranke und auf gesetzliche Regelung des Jrrenrechts. Damit war das Minister- gehalt bewilligt. Mit der fortschrittlichen Inter­pellation über die Schädigungen durch die Sturm­fluten an der Ostsee verbunden war die Beratung des Antrages Boehlendorf (kons.) auf Bereitstellung aus­reichender Mittel, um den Notständen entgegenzu- wirken und ein ähnlicher nationalliberaler Antrag. Abg. Lippmann (Fortschr.) begründete die Inter­pellation. Nicht nur zum Schutze der Halligen in der

Nordsee sollten Mittel bereitgestellt werden, auch die Inseln und Ufer der Ostsee bedürften des Schutzes. Minister v. Dallwitz erklärte, daß die Regierung zu einer Notstandsaktion bereit sei. Zu vier Fünftel wolle der Staat die Kosten der militärischen Hilfe tragen, ein Fünftel solle den Provinzen zur Last ge­legt werden. Für einzelne Personen seien zinslose Darlehen vorgesehen. Auch zur Beihilfe zur Beheb­ung der Schäden in den Seebadeanlagen sei die Regierung bereit. Die Arbeiten seien zum Teil schon in Angriff genommen. Abg. Freiherr v. Maltzahn (kons.) dankte den am Rettungswerk Beteiligten und forderte besonders größeren Schutz der Ufer und Dünen. Abg. Dr. Rewoldt (freik.) forderte besonders zur privaten Wohltätigkeit auf. Nach weiterer kurzer Debatte, an der sich die Abgg. Dr. Schifferer (natl.), Steputat (Hosp. b. d. Kons.) Gaigalat (Litauer,) Hofer (Soz.) Schmiljahn (Fortschr.) beteiligten, wurden beide Anträge an eine Kommission von 28 Mitgliedern überwiesen. Der Entwurf eines Gesetzes über die Erweiterung des Stadtkreises Dortmund wurde an die verstärkte Gemeindekommisston verwiesen. Bei der nun folgenden Einzelberatung des Etats des Ministeriums des Innern wünschte Abg. Schmiljahn (Fortschr.) ein schnelleres Aufrücken der Beamten des Statistischen Amtes. Abg. v. Bockelberg (kons.) bat, der Anregung, die Rechtsprechung in Steuerfragen dem Oberverwaltungsgericht zu entziehen, nicht Folge zu geben. Abg. Dr. Liebknecht (Soz.) forderte für das Oberverwaltungsgericht eine besondere Prozeß­ordnung. Auf seine Kritik der Oberverwaltungs­gerichtsurteile fragte Minister v. Dallwitz, was solche unangemessene Kritik bedeuten solle; ob sich Abg. Liebknecht für klüger halte als das oberste Gericht? Abg. Dr. Liebknecht (Soz.) entgegnete: Wenn der Minister seine Kritik für unangebracht kalte, so solle er sachlich antworten, nich'. JA schnoddrigen Redens­arten. (Beifall bei den Sozialdemokraten. Leb­hafter Unwillen und Pfuirufe bei den bürgerlichen Parteienü Präsident Graf Schwerin rief den Abg. Dr. Liebknecht wegen dieser ungehörigen Aeußerung zur Ordnung. Nächste Sitzung Mittwoch: Fort­setzung. Schluß V25 Uhr.

Deutscher Reichstag.

Der Reichstag nahm am Dienstag zunächst die noch ausstehenden Abstimmungen über die zum Reichs­amt des Innern gestellten Anträge vor. Die Anträge auf Wiedereinstellung des vom Haushaltsausschuffe abgelehnten Betrages von 46 000 Mk. für die Olympischen Spiele 1916 in Berlin wurden mit großer Mehrheit gegen die Stimmen der Sozialdemokraten und eines Teils des Zentrums angenommen. Die sonst noch vorliegenden sozialdemokratischen Reso­lutionen sozialpolitischen Inhalts wurden abgelehnt. Die fortschrittliche Resolution betr. Neuregelung des Rechts der Staatsarbeiter wurde auf dem Wege des Hammelssprungs mit 139 gegen 127 Stimmen eben­falls abgelehnt. Darauf setzte das Haus die allge­meine Besprechung des Justizetats fort. Staatssekretär Dr. Lisco eröffnete sie mit einer knappen sachlichen Rede, in der er mitteilte, daß eine neue Wechselordnung sowie ein Eisenbahnhaftpflichtgesetz das Haus in der nächsten Session beschäftigen werde. Ueber die weiteren Wünsche betr. den gerichtlichen Zwangsvergleich außer­halb des Konkurses, die Gebührenordnung der Rechts­anwälte, die Pfändbarkeit des Einkommens von Privatangestellten schwebten Erwägungen, die wohl bald ein Ergebnis zeitigen werden. Eine Beschleu­nigung des Zivilprozesses stoße auf mannigfache Schwierigkeiten und lasse sich nur durch eine allge­meine Reform der Zivilprozeßordnung ermöglichen. Fraglich erscheine auch die Einbringung eines Jugend­gerichtsgesetzentwurfs,' der jetzt fertiggestellte begegne in Fachkreisen starken Bedenken. Abg. Dr. Ablaß (fortschr.) trat für die Hinzuziehung der Lehrer zum Schöffenamte ein und forderte eine Neuregelung der preßgesetzlichen Bestimmungen Preußens. Wenn er auch für eine Bekämpfung des Schmutzes in Wort und Bild eintrete, so dürfe doch nicht gegen Kunst­werke vorgegangen werden. Abg. Holtschke (kons.) betonte, daß von einer Klassenjustiz keine Rede fein könne. Auch die Wahl der Richter durch das Volk würde diesen Vorwurf nicht verstummen lassen. Für die Unabhängigkeit der Richter seien seine Freunde stets eingetreten und werden dies auch in Zukunft tun. Die Abgg. Merlin (Rp.) und Werner-Hersfeld (Rfp.) traten für eine Reform des Jrrenrechts ein. Mittwoch: Fortsetzung.

Wetterausfichten für Donnerstag den 19. Februar.

Vorwiegend trüb, zeitweise aufklärend, geringe Regenfälle, kälter, auffrischende westliche Winde.