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Hersfelder Tageblatt

Amtlicher Anzeiger

Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 1.50 Mark, durch die Post be­zogen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei Hersfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld.

Ansselder

für den Kreis Hersfeld

Willst

Der Anzeigenpreis beträgt für die einspaltige Zeile 10 Pfennig, im amtlichen Teile 20 Pfennig, Reklamen die Zeile 25 Pfg. Bei Wieder­holungen wird Rabatt gewährt. Erscheint jeden Werktag nachmittags.

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Zernsprech-Knschlutz Nr. 8

Nr. 90. Sonnabend, den 18. April 1914.

Das Neueste vom Tage.

Fernsprechmeldungen.

Zobern, 17. April. Wie bestimmt verlautet, wird das Infanterieregiment Nr. 99 nach mehr- monatlicher Abwesenheit morgen mittag wieder in Zabern einrücken.

M e tz, 17. April. Gestern nachmittag landete hier in der Nähe auf deutschem Gebiete ein französischer Doppeldecker, der mit einem Offizier und einem Be­gleiter besetzt war. Als der Offizier seinen Irrtum bemerkte, flog er über die Grenze zurück und landete dort.

Budapest, 17. April. In einer benachbarten Ortschaft wurde durch spielende Kinder ein Feuer verursacht, dem 61 Häuser zum Opfer fielen. Auch einige Menschen und zahlreiches Vieh kam in den Flammen um.

Bus der Heimat

* (11. Kurhessisches Bundes schieße n.) Nur noch wenig Wochen trennen uns von dem in diesem Jahre am 13.17. Juni zum ersten Male in dem neuen Heim des Casseler Schützenvereins im Schönfelder Park stattsindenden Kurhessischen Bundesschießen. Der Kurhessische Schützenbund ist ein Glied des großen Deutschen Schützenbundes und schließt, wie sein Name besagt, die Schütz Kurhessens in einem Verbände zu einem Gi

^envereine anzen zu­

sammen, um das Schützenwesen in unserer engeren Heimat zu heben und zu pflegen. Er wurde im Jahre 1895 gegründet. Ursprünglich fand alle zwei Jahre ein Kurhessisches Bundesschießen statt, welches einem Bundesverein zur Abhaltung vom Kurhessischen Schützenbunde übertragen wurde. Vor einigen Jahren ist hierin eine Aenderung eingetreten, es wird all­jährlich nur ein sogen. Vereinswettschießen und erst alle 3 Jahre ein offizielles Kurhessisches Bundes­schießen gefeiert. Um ein solches offizielles Bnnöes- schießen und zwar das 11. handelt es sich in diesem Jahre und ist dasselbe dem Casseler Schützenvereine zur Abhaltung und Ausstattung übertragen und auf den 13.17. Juni festgesetzt worden.

):( Hersfeld, 17. April. Ein frecher Dieb- st a h l, wie er nicht jeden Tag vorkommen dürfte, wurde heute von einemWegelagerer" am Hellen Tage ausgeführt. Als eine Frau aus Rotensee, welche hier in der Stadt gewesen war und sich ein halbes Pfund Wurst mitgenommen hatte, sich in der Nähe der Vollmersburg befand, bemerkte sie plötzlich, daß sich etwas an ihrer Kötze zu schaffen machte. Als sie sich nach der Ursache umsah, bemerkte sie gerade noch einen Raben, welcher sich die Wurst aus der Kötze geholt hatte, davonfliegen. Auf einer hohen Tanne ließ sich derschwarze Räuber" nieder und verzehrte in Gemütsruhe seine Beute.

):( Hersfeld, 17. April. Nächsten Montag nach­mittag 4 Uhr wird im Nathaussaal eine Sitzung d^er Stadtverordneten abgehalten werden. Tagesordnung: Vereidigung des zum Magistrats­mitglied gewählten Tnchfabrikanten Hermann Braun. - Beschlußfassung über die Gültigkeit der letzter! Stadtverordneten-Ersatzwahlen. Einführung und Verpflichtung der neuen Stadtverordneten. Wahl der Abgeordneten für den diesjährigen Städtetag. Städtische Anleihe. Jahresrechnnng der städtischen Armenkasfe für 1912. Jahresrechnnng der Stadt- kape für,1912. Kostenbewillignng. Sonstiges. oWntliche Sitzung wird sich eine vertrauliche Beratung und Beschlußfassung anschließen.

17. April. Am gestrigen Nachmittag Ulw überflog ein Doppeldecker ^E'gem Flug«: un,ere Stadt. Bei dem klaren Himmel und der nicht allzu großen Höhe war das Flugzeug sehr gut sichtbar.

§ Hersfeld, 17. April. Man schreibt uns: Eine- grotzere Anzahl der Mannschaften des Be- - u st a n d e s hat die Quittungskarte über dre empfangene Kriegsbeorderung bezw. Pagnotiz noch nicht an das Hauptmeldeamt zurück- geiandt. Dre Betreffenden werden darauf aufmerksam gemacht, daß sie Strafe zu gewärtigen haben, falls die Karten nicht bis s p ä t e st e n s 26. d. M t s. einge­gangen sind.

):( Hersfeld, 17. April. Das diesjährige O b e r - Ersatzgeschüft im Kreise Hersfeld findet am Montag den 4. und Dienstag den 5. Mai d. Js. in der neuen Turnhalle hier statt.

JH Hersfeld, 17. April. Gelegentlich der hier vorn o. ,5 uli d. Js. stattsindenden l a n d w i r t - *$e?! Bezirksausstellung ist auch une Pramrrerung von Dienstboten vorge- u, und zwar in Gestalt von Prämien und ^hrendrplomen. In Betracht kommen landwirt­

schaftliche Beamte und Dienstboten, welche 25 Jahre lang bei einer Dienstherrschaft oder in ein und der­selben Wirtschaft ununterbrochen gedient haben. Die näheren Bestimmungen werden im amtlichen Teil der nächsten Nummer veröffentlicht werden.

Hanau, 15. April. Der 17jährige Gymnasiast Anton Wolff aus Salmünster, der in der Silvester­nacht mit einem Revolver auf seine Angehörigen ein- drang und Mutter, Tante nnd Bruder durch mehrere Schüsse teils schwer verletzte, ist aus der Marburger Irrenanstalt, wo er sechs Wochen zur Beobachtung seines Geisteszustandes untergebracht war, wieder in das hiesige Landgerichtsgefängnis eingeliefert worden, da sich Zweifel an seiner geistigen Znrechnungsfähigkeit nicht ergeben haben. Der Schüler wird sich wegen seiner Tat im Jnni vor dem hiesigen Schwurgericht zu verantworten haben.

Hanau, 16. April. Die gestern verstorbene fünf­undsiebzig Jahre alte Rentnerin Fräulein Marie Lindenbauer in Hanau hat letztwillig die Städte Hanau und Gelnhausen jals Geburtsort ihrer Mutter) mit wohltätigen Stiftungen reich bedacht. Hanau erhielt das Hausgrundstück mit Parkanlagen, die Zweck­bestimmung ist vorbehalten. Der Johanniskirche in Hanau ist ebeufalls eine sehr erhebliche Stiftung zu­gefallen. Schon zu Lebzeiten hat sich die Verstorbene als große Wohltäterin erwiesen.

Hanau, 15. April. Totgefahren wurde am Bahn­hof Oberndorf bei Schweinfurt der bei der Firma Ditter in Hanau tätig gewesene 25jährige Geschäfts­reisende Paul Hammer aus Gelnhausen, als er dort sein Fahrrad verladen wollte.

Frankfurt a. M., 16. April. Für die D-Zugdiebe ist mit dem Beginn der Reisezeit wieder die goldene Erntezeit angebrochen. Gestern wurden einem Major zwischen Heidelberg und Frankfurt 200 Mark und einem jungen Mädchen während der Fahrt von Düsseldorf nach Frankfurt die gesamte Barschaft, eine Handtasche und die Fahrkarte gestohlen. In beiden Fällen blieben die Täter unermittelt.

Wiesbaden, 16. April. Auf der Straße nach Frankfurt bei Erbenheim fuhr gestern nachmittag der in Wiesbaden wohnende Leutnant a. D. Holtz, als er einem vor das Auto springenden Hund ausweichen wollte, mit seinem Auto gegen einen Baum. Holtz mit seiner Begleiterin, Frau Dr. Robinson aus Wies­baden wurden aus dem Wagen geschlendert. Holtz erlitt einen doppelten Beinbruch. Der Frau Dr. Robinson wurde das Nasenbein eingedrückt und sie erlitt außerdem Verletzungen an der Stirn. Das Be­finden der Verletzten ist, wie heute früh mitgeteilt wird, günstig. In der Nähe von Diedenbergen ver­nichtete eine Erplosion das Automobil des in Wies­baden zur Kur weilenden Kommerzienrats Mves aus einem deutsch-russischen Grenzort. Die Insassen - zwei Damen und der Chauffeur - sprangen noch rechtzeitig aus dem Wagen. Die haushohen Flammen des explodierenden Benzins brachten die Drähte der an der Straße entlang laufenden Telephonleitungen zum Schmelzen nnd setzten zivei Telegraphenstangen in Brand. Der Wagen verbrannte vollständig.

Bernburg, 15. April. Auf Schacht 3 des Herzog­lichen Salzbergwerkes Leopoldshall wurde der Heuer Selig durch einen vorzeitig losgegangenen Spreng- schuß schwer verletzt. Der Verunglückte, an denen Aufkommen gezweifelt wird, wurde in das .stranken- hans Bergmannstrost in Halle gebracht.

Erfurt, 16. April. In einer hiesigen Pension er­schoß sich heute aus unbekannten Gründen die Operettensoubrette Gabrielle Klerwin. Sie hatte in letzter Zeit Engagements in Bielefeld und Halle und gastierte im Erfurter-Sommertheater mit großem Er­folg noch am Mittwochabend. In Erfurt hat sie drei­mal gespielt. Am Mittwochabend hat sich die Sängerin in aufgeräumter Stimmung noch von der Direktion verabschiedet, weil sie angeblich ein Engagement in Straßburg antreten wollte. Mit der Straßbnrger Bühne stand sie, wie sich letzt heraus,tellte, tat,achlrch in Unterhandlungen, denn es traten nach ihrem Tode noch Telegramme ans Straßburg ein Dre Künstlerrn lebte in durchaus geordnetenVerhaltenen,- hinter­ließ einen ansehnlichen Geldbetrag und Wertlachen. In einem Briefe nimmt tte Abschied von ihrer rn Braunschweig verheirateten Schwester. Sie erklärt u. a. darin, daß die Ursache ihrer Sehnsucht.nach dem Tode nicht in äußeren Verhältnissen zu suchen ist, sondern lediglich einer durchreisten inneren Ueber­zeugung entspringt. Sie hat den Brrer erst nachts um 12 Uhr geschrieben. In einem für ihre Schwester hinterlassenen Testament bittet sie, in einem Krematorium verbrannt zu werden. Ihr Nachlaß war völlig geordnet. Die Künstlerin war 34 Jahre alt und eine große, stattliche wie hübsche Erscheinung.

Neustadt (£rla), 16. April. Im benachbarten

Steinbrücken hat sich der 15jährige Realschüler Abicht auf dem Boden des elterlichen Hauses erhängt. Er war dieser Tage in die Prima der hiesigen Real­schule versetzt worden. Die Ursache des Selbstmords soll ein belangloser Zwist mit dem jüngeren Brnder sein.

Rudolstadt, 16. April. Von der Gürtnersfamilie Iahn im benachbarten Meuselbach sind innerhalb zehn Tagen fünf Kinder an Diphterie gestorben.

Deutschlands Aukenhandel.

Die Erneuerung unserer Handelsverträge steht in nicht mehr allzu ferner Zeit bevor. Es ist daher von Interesse, sich über die Bedeutung des deutschen Außenhandels hinsichtlich seines Umfanges klar zu werden. Sehr interessant ist dabei die Feststellung, daß unter dem Schirm der vielgeschmähten Schntzzoll- politik der deutsche Außenhandel einen ungeahnten Aufschwung genommen hat, so daß es im volkswirt­schaftlichen Interesse liegt, uns die Segnungen dieser bewährten Wirtschaftszvllpvlitik auch fernerhin zu erhalten.

Bei der Ausfuhr stehen nach den nenesten Ermitt­lungen vom Jahre 1913 unter den Handelsartikeln, die für Deutschland von wesentlicher Bedeutung sind, die Steinkohlen und die ihr ähnlichen Rohmaterialien lwie z. B. Anthrazit) mit einem Werte von 513,8 Millionen Mark, an erster Stelle. In weiterem Ab- stande folgen dann die Wollgewebe, deren Ausfuhr einen Wert von rund 200 Millionen Mark repräsentiert. An Pelzwerk, d. h. Fellen von Pelztieren, führen wir für 183,2 Millionen ans. Die Wertziffern für die übrigen Handelsartikel, die für unsere Ausfuhr vor­nehmlich in Betracht kommen, lauten (in Millionen Mark): Form-, Stab- und Bandeisen 156,7; Anilin nnd andere Teerfarbstoffe rund 142; Koks 133; Roggen 1^2,8; Baumwollwaren 126; Leder 114,4; verschiedene Erzeugnisse der Eisenindustrie wie z. B. Eisenbahn­gleise, Oefen, Milchkannen rc. 111,3; Rübenzucker ins­gesamt 208,2: Kinderspielzeug 108,3. Noch eine ganze Reihe anderer Handelsartikel, die zwar den Hundert- millionenwert nicht erreichen, aber dennoch von großer Bedeutung sind, verdienen angeführt zu werden. So gehören zu unseren Hauptausfnhrartikeln Hafer im Werte von 92,9; Weizen mit 87,2; Metallbearbeitnngs- maschinen mit 81,8; Strümpfe mit 76,6; Personen- motorwagen mit 71; Bücher mit etwa 60; Zink mit 53,2 und Roheisen mit 51,9 Millionen Mark. Be­sonders betont muß hier werden, daß fast alle diese und auch die übrigen nicht angeführten Haudels- aussuhrartikel, soweit sie den Wert von 50 Millionen Mark erreichen, eine Steigerung gegen das Vorjahr aufweisen.

An der Spitze unserer Einfuhr steht wie bisher die rohe Baumwolle, deren Wert nicht weniger als 587,3 Millionen Mark beträgt. An diesem Artikel sind vornehmlich die Vereinigten Staaten von Nord- amerifa beteiligt, die uns mit mehr als drei Vierteln des Gesamtkonsums versorgen. An landwirtschaft­lichen Produkten sind es besonders Weizen und Futtergerste, die einen beträchtlichen Teil unserer Einfuhr ausmachen. Die Zahlen lauten für diese beiden Artikel auf insgesamt 812 Millionen Mark wovon die größere Hälfte (429,5 Millionen) auf den Weizen entfällt. Als Viehfutterartikel wird uoch Kleie für 164,5 Millionen eingeführt. Auch der für unsere Landwirtschaft als Düngemittel so wichtige Chilesalpeter weist die stattliche Einfuhrziffer von 170 Millionen Mark auf. Den wichtigeren Einfnhr- gegenstäuden, die durchweg einen. Wert von über 100 Millionen Mark erreichen, sind noch zuzurechnen: Steinkohlen mit 194; Merinowolle mit 192,7; Roh- tabak lAbsälle) mit 147; Rohseide mit 141,5; Nadel­holz mit 137,1; Krenzzuchtwolle mit 113,1: Gold­münzen mit 105,1 nnd Stopra mit 102,2 Mill. Mark. Hervorzuheben wäre auch noch die Einfuhr von Eiern mit 190 und Milchbutter, Butterschmalz mit 123 Mil­lionen Mark.

Die angeführten Zahlen geben wohl einen hin­reichenden Abriß von der Größe des deutschen Außen­handels, dessen Wachstum in den letzten 30 Jahren von etwa 5-1; auf über 20 Milliarden Mark einen durchschlagenden Beweis für die Richtigkeit unserer Schutzzollpolitik liefert. Die Bedürfnisse von Land­wirtschaft, Industrie und Handel haben dabei in den weitaus meisten Fällen die ihren Lebensinteressen nötige und gebührende Beachtung und Pflege erfahren. Sicherlich werden bei dem bevorstehenden Abschluß der neuen Handelsverträge mancherlei Wünsche, so­wohl der Landwirtschaft als auch der Industrie, be­rücksichtigt werden müssen; demnach wird man an den Grundpfeilern unseres gesamten Wirtschafts­lebens, an der in allen Stürmen bewährten Schutz­zollpolitik, nicht rütteln dürfen, denn diese ist nicht nur der heimischen Produktion, sondern auch unserem deutschen Außenhandel, wie die oben angeführten Zahlen deutlich beweisen, ein sicherer Schutz geweten.