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Hersfelder Tageblatt

Amtlicher Anzeiger ^^^ für den Kreis Hersfeld

Hmselder Wfott

Der Anzeigenpreis betrügt für die einspaltige Zeile 10 Pfennig, im amtlichen Teile 20 Pfennig, Reklamen die Zeile 25 Pfg. Bei Wieder­holungen wird Rabatt gewährt. Erscheint jeden Werktag nachmittags.

Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 1.50 Mark, durch die Post be­zogen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei Hersfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld.

Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage"

Zernsprech-Knfchluh Nr. 8

Nr. 91.

Sonntag, den 19. April

1914.

Der heutigen Nummer liegt ein Amtlicher Anzeiger bei.

Bus der Heimat.

* (8 e Ij r e r un - Mil i t ärdienst i n H e s s e n - Nassau.) In der Provinz Hessen-Nassau traten im verflossenen Jahre insgesamt 57 Lehrer zur Ableistung ihrer Militärpflicht in das Heer ein. Davon dienten 34 als Einjahrig-Freiwillige, also 59,65 Prozent (gegen 48,65 Prozent im vorhergehenden Jahre). Im Deutschen Reiche dienten von 8013 Lehrern 1046 als Einjahrig-Freiwillige, also 46,66 Prozent (gegen 43,37 Prozent im vorhergehenden Jahre.)

* (Verfügung gegen behördliche A b - stricheaufHandwerkerrechnungen.) Kürz­lich wurde auf einen Erlaß des Ministers der öffentlichen Arbeiten hingewiesen, in welchem dieser auf eine schleunige Begleichung der Handwerker­rechnungen dringt und in dieser Hinsicht sich namentlich an die Bauverwaltungen wendet. Die Handwerker haben aber nicht nur unter Verzögerungen bei den Rechnungsbegleichungen, sondern vor allem unter Abstrichen zu leiden. Dagegen wendet sich ein Erlaß des Regierungspräsidenten von Wiesbaden, in dem es heißt:Bei der Begleichung von Handwerker­rechnungen seitens städtischer Behörden soll es Vor­kommen, daß Abstriche gemacht werden, ohne daß vor­her der betreffende Handwerker gehört wird. Eine solche einseitige Festsetzung ist zwar rechtlich be­deutungslos. Aber das formelle Klagerecht ist ohne praktischen Wert für den kleinen Handwerker, der von dem Wohlwollen der Behörde weitere Aufträge erhofft und deshalb lieber schweigt als queruliert. Wie nachteilig das geschilderte Verfahren für den Handwerkerstand ist, liegt auf der Hand. Und da die Sache anscheinend weniger selten vorkommt, als man glauben sollte, ersuche ich ergebenst, nötigenfalls Vor­kehrungen zu treffen, um den Mißstand zu beseitigen."

* (Keine P o stp a k e t a d re s s en mehr?) Eine auswärtige Handelskammer hat beim Deutschen Handelstag angeregt, im Postpaketverkehr möchten die Postpaket-Adressen in Wegfall kommen. Begründet wird die Forderung damit, daß die dadurch zu er­zielende Vereinfachung des Dienstbetriebes der Post auch eine Beschleunigung der Paketbeförderung herbei­führen kann. Namentlich würde eine Beschleunigung der Bestellung in den Fällen eintreten, in denen die Begleitadressen später am Bestimmungsorte eingehen, als die Sendungen, oder in denen die Postpaketadressen zn den eingegangenen Sendungen gänzlich ausbleiben. Gegen die Abschaffung der Postpaketadressen spricht, daß hierdurch ein zuverlässiges Kontrollmittel über die Auflieferung von Postpaketen beseitigt werden würde, für das auf irgend eine andere Weise Ersatz geschaffen werden müßte. Es wird jetzt in Interessenten­kreisen eine Umfrage veranstaltet, um die Meinung der geschäftlichen Kreise kennen zu lernen.

. ):( Hersfeld, 18. April. Am kommenden Montag findet morgens um 8 Uhr die Aufnahme neuer Schüler im Königlichen Gymnasium statt, um 10 Uhr werden die Kinder in der Evangelischen Bürger- >chnle und nachmittags 5 Uhr die Lehrlinge der gewerblichen Fortbildungsschule ausgenommen. Die Aufnahme in der Luisenschule findet am Dienstag vormittag um 10 Uhr statt.

^^«^eld, 181 April. Zur Wetterlage wird unter dem 17. ds. Westlich der britischen Inseln ist Spanen, auch macht sich dieses b« uns bemerkbar. Hauptsächlich rührt ^/r^M europäische Hochdruck- 1 ^nnrrts nach Rußland zu verlagert hat. oVshrnV^m n^r die nächste Zeit noch haupt- gereiche der aus diesem Hochdruckgebiet ^"cfenen östlichen Festlandswinde verbleiben, haben also mit der Fortdauer des trockenen und meist heiteren Wetters zu rechnen. Die ^igestemperatur wird dabei infolge der östlichen Winde nicht allzu hoch steigen, und dementsprechend werden die Nächte ziemlich kühl sein.

§ Hersfeld, 18. April. In auswärtigen Zeitungen ^ etwas sehr grobe, aber wohl doch nicht de^ ^?gte An klage: Alle gütlichen Ermahnungen um $ A^unö V^"Ä^"gsbehöröen an das Publikum i Baume, Sträucher und Blumen, hPi^x» Feld, verhallen ungehört. Es ist ein chamendes Zeichen von Unkultur für unsere Be- W »-davste Sonntags wie die Vandalen im u-£ und alles nur irgend erreichbare, blühende ^ ^unungslos abbricht. Aus den Taunus- rgen, dem Odenwald und dem Vogelsberg sind

während der Osterfeiertage die Primeln, Veilchen zentnerweise, die blühenden Obstzweige, das lichtgrüne Buchengeäst, bewurzelte junge Tannen und srisch- entfaltetes Strauch- und Buschwerk zu tausendeu geschleppt worden. Das Herz blutet jedem Natur­freunde, wenn er jetzt nach den Ostertagen überall in den Gebirgen die Spuren dieser Waldschänder und Flurenverwüster sieht. Und nicht ein Zehntel der jungen Waldespracht kommt daheim in die Vasen und Kelche. Den größten Teil findet man in den Eisenbahn­abteilen, auf den Wegen und Straßen, achtlos und kaltblütig weggeworfen. Gibt es denn gegen diese Roheiten gar keine Mittel? O ja! Die Verwaltungen unserer Gebirgsorte sollten nur mehrere Sonntage nacheinander an den Ortseingängen und auf den Abgangsstationen Beamte postieren, die schonungslos jeden Touristen, der mit heubundartigen Sträußen aus den Wäldern kommt, zur Auzeige bringen. Nur zwei- oder dreimal den Versuch gewagt, und der Waldschändung wäre mit einem Schlage Einhalt ge­boten. Denn der Wald ist Allgemeingut des Volkes und ihn zu schlitzen die Pflicht der Allgemeinheit.

-d- Heringen, 17. April. Nachdem seit dem Be­schlusse der Gemeindevertretung die Hundesteuer von 4.50 Mk. auf 9.00 Mk. erhöht worden ist, werden hier jetzt sämtliche Hnnde bis auf die Jagdhunde abge­schafft werden. Von den bisher hier befindlichen Hunden bleiben nur noch 5 Jagdhunde übrig, was für die Gemeindekasse einen Steuerausfall von rund 200 Mk. bedeutet, und allgemein bedauert wird.

Fulda, 17. April. Eine drahtlose Telegraphen- verbindung hatte am Ostersonntag der Ingenieur Schneider aus Fulda am Kreuzberg (Rhön) hergestellt. Gegen Mittag wurden Depeschen vom Eiffelturm (Paris), sowie von Noröd<'W ausgenommen. Die Empfangsapparate, welche ineruei benutzt wurden, waren so gering dimensioniert, daß dieselben durch zwei Personen auf den Berg getragen werden konnten. Als Antenne benutzte Schneider den Telephondraht, welcher zum Telephonapparat des Klosters Kreuzberg führt. Demnächst sollen weitere Empfangsversuche gemacht werden, und zwar an der höchsten Stelle des Kreuzberges, unter Benutzung des am Kreuze be­findlichen Blitzableiters. Zurzeit ist der Blitzableiter am Kreuze durch die Frithlingsstürme abgerissen, so- daß erst nach der Wiederherstellung desselben die Versuche stattfinden können.

Fulda, 17. April. Heute nacht herrschte hier starker Frost, der besonders für die Baumblüten des Frühobstes schädlich wirkte.

Cassel, 18. Apri.l. In der vergangenen Nacht sind mit dem D-Zug 3 Uhr 20 fünf junge Leute namens S. W., zwei Gebrüder P. und einer namens P. F. nach Amsterdam abgereist. Man nimmt an, daß sie durch die Fremdenlegion'angeworben sind und sich über Belgien nach Frankreich begeben werden. Die Flüchtlinge befanden sich im Besitz von geringen Geldmitteln, hatten aber D-Zug-Karten bis Amster­dam durchgehend. Bei der Kriminalpolizei ist bereits Anzeige erstattet.

Wetter, 17. April. Das Söhnchen des Oberförsters L. hier spielte mit sogenannten Zündplättchen. Hier­bei explodierten zwei Schachteln der Zündplättchen, wobei das Kind an den Händen derart verletzt wurde, daß es sofort der chirurgischen Klinik in Marburg zugeführt werden mußte.

Marburg, 17. April. Unter dem Namen Behring- werke,Gesellschaft mit beschränkter Haftung in Bremen und Marburg, ist gestern im Sitzungssaal der Dentjchen Nationalbank in Bremen eine Gesellschaft mit be- schränkter Haftung mit 675 000 Mark Stamm kapital gegründet worden. Zweck der Gesellschaft ist die Herstellung therapeutischer Präparate. Insbesondere sollen unter persönlicher Leitung und Kontrolle von Exzellenz von Behring die von ihm entdeckten Heilsera hergestellt werden. Exzellenz von Behring bringt zu diesem Zweck die in Marburg bereits errichteten Laboratorien und Tierhaltungseinrichtungen in die Gesellschaft ein. Außerdem wird die Gesellschaft ein von Behring neu entdeckten Diphtherie-Schutzimpfstoss T. A., der Immunisierung gegen die genannte Krank­heit verleiht, ausschließlich vertreiben. In Marburg wird eine von dem langjährigen Leiter der von Behringschen Laboratorien, Herrn Dr.Siebert-Marburg, geführte Zweigniederlassung errichtet. Als Geschafts- führer in Bremen fungiert Herr Konsul William Soder. Der Vertrieb der Diphtherie-Heil- und Schutzmittel wird am 1-Juli 1914 ausgenommen werden, während die anderen Sera und Präparate sofort ab­gegeben werden.

Remsfeld, Kreis Homberg, 17. April. Der Schreinermeister Heinrich Hellwig von hier wollte am Mittwoch nachmittag im Betriebe des Sägewerksbe- sitzers Carl Hellwig an der Hobelmaschine mehrere Stücke Holz abhobeln. Durch Abspringen des Riemens

sowie Lösen einer Schraube sprangen plötzlich die Messer der Hobelmaschine ab und verletzten H. schwer im Gesicht.

Eisenach, 15. April. Unter Gewährung städtischen Areals und städtischer und staatlicher Zuschüsse soll in Eisenach eine Kaninchenfarm nach dem Vorbild der Farm in Schöneberg gegründet werden. Zu diesem Zwecke fand bereits im Rathaussaal unter dem Vor­sitz des Oberbürgermeisters Schmieder eine Beratung von Interessenten statt.

Mainz, 17. April. Der Althändler Fritz Broo aus Mainz, der in Köln ein umfangreiches Antiquitäten- geschäft betrieb, ist unter Hinterlassung von bedeutenden Schulden mit Frau und Kindern und unter Mit­nahme von 200,000 Mark nach Amerika geflüchtet. Zu den Gläubiger gehört auch ein Mainzer Privatmann, der um 43,000 Mark geschädigt ist.

Erfurt, 16. April. Gestern vormittag stürzte im Hause Alte-Fritz-Straße 120 in Erfurt-Nord das zweijährige Töchterchen der Familie Jungklaus aus einem Fenster des zweiten Stockwerkes auf die Straße hinab. Das Kind erlitt einen schweren Schädelbruch, und starb noch gestern abend im städtischen Krankenhaus.

Weimar, 15. April. Ein Arbeiter fand dieser Tage einen Brief mit etwa 6000 Mark in Wertpapieren. Da der Besitzer von außen nicht festzustellen war, öffnete er den Brief, stellte die Adresse fest und über- brachte dem Eigentümer das Geld. Als Finderlohn erhielt der ehrliche Arbeiter ganze 5 Mark. Außerdem erklärte der Verlierer, er werde den Mann wegen Verletzung des Briefgeheimnisses verklagen. Der also reich Beglückte ging nun voll Sorge zu einem Rechtsauwalt, dem er 3 von den 5 Mark als Honorar zu zahlen hatte. Dem yn u< steht gesetzlich ein Finderlohn von 72 Mark zu (5. vH. bis 300 Mark, darüber hinaus 1 vH. des gefundenen Wertes.)

Großheringen (S. Weimar-, 17. April. Nachdem sie am Abend vorher bereits zweimal am Erhängen verhindert werden konnte, stürzte sich die ledige Dienstmagd Rosa Bauer von dem 10 Meter hohen Stallgebäude in den Hof, wo sie mit zerschmetterten Gliedern schwerverletzt anfgefunden wurde. Au ihrem Aufkommen wird gezweifelt.

Wiesbaden, 17. April. Das sechs Jahre alte Töchterchen des Kaufmanns Gabriel Becker aus der Hermannstraße geriet heute mittag an der Ecke der Bleich- und Hermcmnstraße unter die Räder eines Privatfuhrwerks und wurde totgefahren.

Frankfurt a. M., 18. April. Wie die Delag mitteilt, ist das LuftschiffViktoria Luise" gestern neu gefüllt worden und wird voraussichtlich schon morgen den Fahrdienst, zunächst mit einer Werkstattfahrt beginnen. Die Halle ist von Sonntag ab dem Publikum wieder zugänglich. Von nächster Woche ab werden die Passagierfahrten ihren regelmäßigen Anfang nehmen, und zwar zunächst von der Frankfurter Hatte aus, um diese dann etwa vom 10. bis Ende Mai mit derjenigen in Baden-Baden zu vertauschen. Das Luftschiff ist während der Wintermonate in der hiesigen Halle wieder gründlich nachgesehen und instand gesetzt worden. DieViktoria Luise" steht seit dem 4. März 1912 im Dienst der Delag und hat seitdem mehr als 400 Fahrten ohne jede Störung oder irgend welche Unfälle ausgeführt; sie hat dabei 50000 Kilometer zurückgelegt.

Mainz, 18. April. Wie nachträglich bekannt wird, landete am ersten Osterfeiertag in einem abgelegenen Teile des Taunus ein französischer Freiballon laut Voss. Ztg." unter eigenartigen Umständen. Die beiden Insassen hatten vor der Landung verschiedene Utensilien, darunter französische Generalstabskarten, aus dem Ballon geworfen, dann den Bauern einen Betrag für Rücksendung des Ballons nach Paris übergeben und sich ohne weiteren Aufenthalt ent­fernt. Der Ballon mit Inhalt sei, wie gemeldet wird, vom Gouverneur von Mainz beschlagnahmt worden.

Witzcnhausen, 18. April. Die warme Frühlistgs- fonne der Ostertage hat die vielen Tausend .stirsch- bäume, die in den Gärten und Feldern, an Abhängen und Plantagen unseres schöneil Werrastädtchens wachsen, zur schönsten Blüte entfaltet. ...-------------------..-4. ............................

Wandervorschläge für Sonntag.

Halb-Tagestour: Hersfeld Bingartes Johannes- bergHilperhausen Kerspenhäuser Kuppe Mengs- HaufenNiederaula (3 bis 4 Std.), zurück mit der Bahn.

Tagestour: Hersfeld Wehneberg Giegenberg -Kanzel) Mittelkopf Haukuppe Allmershausen Hählgans- StellerSkuppe Forsthaus MönchesRecke- röder StraßeHersfeld (5 bis 6 Std.).

Wetteraussichten für Sonntag den 19. April.

Meist heiter, trocken, tags warm, kühl, südöstliche Winde.