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Hersfelder Tageblatt

Amtlicher Anzeiger ^§^ für den Kreis Hersfeld

Hersseldn WW MM

Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 1.50 Mark, durch die Post be­zogen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei Hersfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld.

Der Anzeigenpreis beträgt für die einspaltige Zeile 10 Pfennig, im amtlichen Teile 20 Pfennig, Reklamen die Zeile 25 Pfg. Bei Wieder­holungen wird Rabatt gewährt. Erscheint jeden Werktag nachmittags.

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Fernsprech-5lnschluh Nr. 8

Nr. 98.

Dienstag, den 28. April

1914.

Bus der Heimat.

* (D ie Kasernen als U n t e r k u nf t f ür die Wandervögel.) Das Generalkommando des 11. Armeekorps in Cassel hat die sämtlichen Garnisonen angewiesen, bei Ausflügen wandernden Mitgliedern der Juugöeutschlandvereinigungen und Wandervögeln freie Unterkunft in den Kasernen zu gewähren, wenn die Unterbringung rechtzeitig beantragt worden ist. Für die Beköstigung ist ein geringer Betrag an den betreffenden Truppenteil zu gewähren. Durch diese Maßnahmen sollen Bestrebungen der Jugendver- einigungen gefördert werden.

-a- Hersfeld, 27. April. Das gestern von der Deutschen Turnerschaft veranstaltete K r i e g s s p i e l für die Turn bezirke Hersfeld, Heringen und Vacha nahm bei prachtvollem Frühlingswetter einen guten Verlauf. Die Turnerscharen der weißen Partei waren durch die Jugendwehr des Gymnasiums, Offiziere und Kriegsschüler verstärkt worden. Diese Partei marschierte um 10l/2 Uhr unter der Führung des Herrn Dr. K l a u e r von Hersfeld ab, mit dem Auftrag Friedewald zu besetzen und die ins Werra- tal führenden Straßen (Etappenlinie des Gegners) vom Feinde zn säubern. Die in Heimboldshausen gesammelte blaue Partei setzte sich ausschließlich aus sächsischen und preußischen Turnern zusammen, die zum großen Teil von weither heranmarschiert waren, um unter der Führung des Bezirksturnwarts Bernhard Andree gegen den Feind zu mar­schieren. Diese Partei hatte den Befehl erhalten, sich in den Besitz von Friedewald zu setzen und den von Hersfeld heranmarschierenden Gegner aufzuhalten. Beide Parteien verfügten über zahlreiche Radfahrer,

NUN

, setzte

die ihren Abteilungen weit voraus eilten, um den Gegner zu beobachten. Hierbei kam es sehr bald zu interessanten Vorposten- und Patrouillenplänkeleien. Um 12V2 Uhr hatte die blaue Partei, welche von Neu­rode aus sich entfaltet hatte, die von ihrem Führer angewiesenen Stellungen eingenommen. Die eine Hälfte lag auf der kahlen Kuppe des Dreienberges, während die andere Hälfte auf halber Höhe des Stangenrücks gefechtsbereit lag. Alle nach Friedewald führenden Straßen wurden durch diese Anordnungen wirksam beherrscht nnd gestaltete sich infolgedessen der Angriff für dieWeißen" recht schwierig. Um möglichst lang gedeckt marschieren zu können, . der Führer vonWeiß", etwa von Malkomes aus, einen großen Umgehungsmarsch an, welcher trotz großer Anstrengungen von allen Teilnehmern tadellos durch­geführt wurde. Gegen 1 Uhr belebten sich die Straßen und Wälder um Friedemald. Radfahrer jagten über die Straßen, Patrouillen kletterten mühsam die steilen Hänge des Dreienberges hinauf und hinunter. Signal­posten gaben weithin immer lebhaftere Flaggenzeichen, kurzum alles deutete auf eine nahende Entscheidung hin. Diese fiel denn auch um 2 Uhr unmittelbar vor Friedewald. Es war ein interessantes und packendes Gefechtsbild, welches sich den Beschauern hier entrollte. Mit lautem Hurra, unter Trommelwirbeln stießen die staubigen Scharen aufeinander und die Sturm­angriffe wurden bis in die Straßen von Friedewald hineingetragen. Es wurde nun gesammelt und ver­eint zogen die beiden Abteilungen nach dem auf halber Höhe des Dreienberges herrlich gelegenen Lagerplatze, wo schon mehrere Feldkessel und Lagerfeuer seit früher Morgenstunde im Gange waren, damit den ermüdeten Turnern schnell eine Erfrischung gereicht werden konnte. Herr Bezirks- turnwart R o t t e n b a ch, Friedewald hatte in fttr- !.^iicher Weise in dieser Hinsicht vortreffliche Ein- ^iungen getroffen. Hier auf diesem herrlichen "on welchem das erfreute Auge über die hessischen Wälder bis weit nach den zart Anr;, blauen Berglinien am fernen Horizont schweifen konnte, ergriff der Gauvertreter der deutschen Turnerschaft Herr Amtsgerichtssekretär £ f 1 " öas Wort zur Begrüßung der Teilnehmer, ^"en Zahl mit etwa 500 nicht zu hoch bemessen ist. 'zsu ver bekannten, vollendeten und zu Herzen gehenden begrüßte Herr Fernau seine Turner und die an­wesenden Gäste, und betonte den alten Grundsatz Vater Jahn'sneben dem Turnen auch das Spielen und Wandern in der herrlichen Natur zu pflegen." Danach sprachen noch die Führer der beiden Parteien eingehend über das Kriegsspiel selbst und gaben Richtlinien für spätere, ähnliche Veranstaltungen. Dann entwickelte sich gar bald ein ungezwungenes, fröhliches Lagerleben. Muntere Zurufe, fröhliche Lieder und Helles Lach ----- " ' Berghalte und aus vv würzige Rauch seine Kreise nach K^uhlingshimmel. Schon früh brachen die ersten Vereine zum Rückmarsch auf, hatten dieselben doch zum größten Teil noch weite Wege zurückzulegen. Auch der Turnverein Hersfeld marschierte über Gies-

en erschallten über die blühende

den Kochlöchern zog der weiße, ") dem tiefblauen

lingskirche-Kathus zurück und zog um 8 Uhr mit einem fröhlichen Turnerlied in Hersfeld ein. Wohl jeder Teilnehmer wird mit großer Befriedigung an den gestrigen Tag znrückdenken, nnd mancher Fern­stehende möge sich durch diesen schönen Erfolg veran­laßt sehen, den Bestrebungen der deutschen Turner­schaft sein Interesse und seine Mitarbeit zuzuwenden zum Heil nnd Segen des deutschen Vaterlandes, zu Nutz und Frommen unserer deutschen Jugend. Das nächste Kriegsspiel ist von Seiten der Gauleitung für den 21. Juni in dem Rotenburger Bezirk festgelegt.

-h- Niederaula, 27. April. Die noch hier in guter Erinnerung stehenden Friedberger Militär-Mnsik- schüler hatten sich unter persönlicher Leitung ihres Direktors am gestrigen Abend wieder zu einem Kon­zert hier eingesnnden. Der beste Beweis für die Be­liebtheit der Kapelle war der bis auf den letzten Platz gefüllte Saal, sogar die Nebenzimmer waren besetzt. Bewundernswert war außer der Beherrschung der Instrumente das rein militärische Benehmen dieser 1518 Jahre alten kleinen Matrosen. Jedes Stück endete unter großem Beifall der Zuhörer, so daß sich die Kapelle noch zu einigen Zugaben veranlaßt sah. Nun, hoffentlicht kommen sie bald wieder.

Beiseförth, 24. April. Den beiden Schülern Wenhardt und Holzhauer von hier, welche im Januar d. J. einen Schulkameraden, der auf dem Eise der Fulda eingebrochen war, vom Tode des Ertrinkens gerettet hatten, ist in Anerkennung ihrer mutigen Tat am 20. d. M. vom Regierungspräsidenten durch den hiesigen Bürgermeister je ein Sparkassenbuch über Mk. 15 als Belohnung überreicht worden.

Cassel, 26. April. Obermnsikmeister Schlunke tritt zum 1. Mai in den wohlverdienten Ruhestand, nach­dem er 37 Jahre die Leitung des hiesigen Artillerie- Musikkorps inne hatte. Zu seinem Nachfolger ist der Kgl. Musikmeister Fritz König vom 11. Pommerschen Dragoner-Regiment in Lyck in Ostpreußen ernannt worden.

Frankenau, 23. April. Von einem störrischen Pferde wurde der Landwirt T. beim Füttern des Tieres vor einigen Tagen geschlagen nnd zwar derart heftig, daß er Verletzungen im Gesicht, am Kopfe und an der Brust davontrug.

Erfurt, 25. April. Bei einer militärischen Uebung des 19. Feldartillerie-Regiments wurde heute der Kanonier Knauf aus Schallenburg von einem Geschütz überfahren und sofort getötet.

Halle, 25. April. Am Neubau der Berliner Brücke verunglückten gestern mehrere Arbeiter, die einen Verbindungsbanm auf zwei zwischen den Gleisen stehende Böcke bringen wollten. Der noch auf den Gleisen liegende Baum wurde von einer daher- kommenden Lokomotive fortgeschleudert und traf eine Gruppe von Arbeitern, von denen mehrere zum Teil schwer verletzt wurden. Vier mußten ins Krankenhaus transportiert werden.

Rede des Herrn Lendtags- abgeordneten Tuerlke im Abgeordnetenhaus bei Beratung des Eisenbahu- anleihegesetzes:

Meine Herren, im vorigen Jahre war ich in der angenehmen Lage, dem Herrn Minister meinen Dank dafür aussprechen gu können, daß er die Jnangrm- nahme der Vorarbeiten auf der projektierten Strecke H ers fe l d-H o m b e r g-W a b e r n angeordnet hatte. Von den Interessenten wurde diese Anordnung mit großer Freude begrüßt; denn man sah darin den ersten Schritt znr Ausführung der Bahn. Die Vor­arbeiten sind von der Eisenbahnverwaltung auch sehr flott gefördert worden, die nötigen Vermessungen haben stattgefunden und das Projekt wurde soweit fertiggestellt, daß bereits im vorigen Jahre mit den beteiligten Gemeinden über die Linienführung ver­handelt werden konnte. .

Bei diesen Verhandlungen stellte ych nun heraus, daß sich der Ausführung des Bahnbaues an einzelnen Punkten große Hinderniyein den Weg stellten. Es zeigte sich, daß es erhebliche Schwierigkeiten bietet, die Bahn vom Geistal aus in den Bahnhof Hersfeld einzukübren Aus der anderen Seite wurden Wünsche laut welche dringend eine andere Linienführung forderten Insbesondere baten die Gemeinden des benachbarten Rohrbachtales nachdrücklich darum, daß auch ihre Gegend berücksichtigt werden möchte. Sie wiesen darauf hin, daß es möglich sein würde, vom oberen Geistal abzuzweigen und in das Rohrbachtal einzubicaen. Auf diese Weise würde sowohl das Geistal, als auch das Rohrbachtal wirtschaftlich auf­geschloffen, und man könnte dann über Friedlos auch bequem nach Hersfeld einmünden.

Infolge dieser technischen Schwierigkeiten und infolge der Meinungsverschiedenheiten über die Linienführung ist nun das Projekt gewissermaßen zum Stillstand gekommen. Die Königliche Eisenbahn- verwaltung scheint zn verlangen, daß sich die In­teressenten zunächst über die Linienführung einigen müßten, ehe etwas Weiteres geschehen könne. Ich habe bereits im vorigen Jahre darauf hingewiesen, daß es bei dem erheblichen Widerstreit der Interessen

ausgeschlossen ist, daß sich die Beteiligten über die Linienführung einigen werden; ich habe betont, daß es Aufgabe der Königlichen Eisenbahnverwaltung sein müsse, unter Zuziehung der zuständigen unparteiischen Staatsverwaltungsbehörden die Verhältnisse sorgfältig zu prüfen und der Linie den Vorzug zu geben, die dem Nutzen nnd dem Wohle der Bevölkerung am besten dient. Ich habe erfahren, daß im Kreise Homberg die Verhältnisse ganz ähnlich gelegen haben, daß auch

die Verhältniße ganz ähnlich gelegen haben, das da ein Streit über die Linienführung bestand. In diesem Falle hat die Eisenbahnverwaltnng nach Be­nehmen mit den Staatsverwaltnugsbehörden die Verhältnisse geprüft und ist zu einer Entscheidung gekommen, die dann schließlich die Interessenten befrie­digt hat. Ich möchte der Königlichen Staatsregierung empfehlen, auch im Kreise Hersfeld in derselben Weise vorzugehen, damit die Sache möglichst gefördert wird; denn es kommt doch viel darauf an, daß die Bahn

bald gebaut wird; alle Interessenten warten sehnsüchtig darauf.

Nun wirkt freilich die Erklärung des Herrn Ministers, die er vorgestern in diesem Hohen Hanse abgegeben hat, wonach die Mittel des Eisenbahnanleihe­gesetzes im nächsten Jahre zum größten Teile für den Ausbau dritter und vierter Gleise auf den über­lasteten Bahnen Verwendung finden sollen, nicht gerade beruhigend. Aber ich kann mir doch nicht denken, daß die Verkehrsinteressen des platten Landes deswegen gänzlich zu rückge stellt werden sollen. Ich glaube ferner darauf Hinweisen zu müssen, daß gerade Kurhessen im Eisenbahnanleihegesetz in den letzten Jahren recht stiefmütterlich behandelt worden ist. Wenn man voraussetzt, daß der Staat pari passu alle Landesteile berücksichtigen will, dann muß man doch wohl darauf rechnen, daß nun Hessen in erster Linie dazu ausersehen werden wird, mit einer Nebenbahn bedacht zu werden; deshalb hoffe ich zuversichtlich, daß im nächsten Jahre dieses dringliche Projekt im Eisen­bahnanleihegesetz enthalten sein wird.

Sollte der Herr Minister aber vielleicht annehmen, daß es in Hessen nicht mehr so nötig sei, Bahnen zu bauen, so muß ich doch sagen, daß diese Ansicht irrig sein würde. Es müssen noch sehr viele Bahnen in Hessen gebaut werden, und ich möchte den Herrn Minister gleich darauf aufmerksam machen, wie not­wendig es ist, das Richelsdorfer Gebirge und den Ringgau bei Ulfen durch Nebenbahnen wirtschaftlich aufzuschließen.

So wie in der Gegend bei Ulfen sind noch weitere Teile des Hessenlandes dringend einer Bahn be­dürftig. Ich will nur Hinweisen auf den Flecken Friedewald, welcher, wie schon der Name andeutet, vom Verkehr gänzlich abgeschlossen ist.

Nun hatte ich noch vor, eine Lanze zu brechen für die Herstellung einer G ü t e r l a d e st e l l e bei Ober hau n. Ich will mich aber mit Rücksicht auf die Geschäftslage des Hauses auf wenige Bemerkungen beschränken. Seitens der Eisenbahnverwaltung ist das Bedürfnis zur Herstellung eines Güterbahnhofs in Oberhaun anerkannt worden. Die Interessenten sind darauf vertröstet worden, daß diese Güterhalte­stelle eingerichtet werden sollte, sobald Ueberholungs- gleise dort hergestellt werden würden. Im Etat werden jetzt die Mittel zur Herstellung zweier Ueber- Holungsgleise gefordert, und die zuständige Eisenbahn­direktion hat den Gemeinden mitgeteilt: es ist jetzt möglich, einen Güterbahnhof herzustellen, aber ihr müßt 70 000 Mk. dazu beitragen, sonst kann aus der Sache nichts werden. Das ist den Gemeinden absolut unmöglich, ich kann mir nicht denken, daß es im Sinne des Herrn Ministers liegt, wenn seitens der zuständigen Direktion mehr von den Gemeinden ge­fordert wird, als sie zu leisten im Stande sind. Ich gebe mich der zuversichtlichen Hoffnung hin, daß, wenn die Eisenbahndirektion über die Leistungsfähigkeit der Gemeinde seitens des zuständigen Landrats ein­gehend unterrichtet worden ist, sie aus eigenem An­trieb ihre Forderung gegenüber den Gemeinden auf das Maß des Möglichen beschränken wird. Sollte das wider Erwarten nicht der Fall sein, so behalte ich mir vor, bei der dritten Lesung des Etats oder des Anleihegesetzes auf diese Frage noch näher ein- zugehen.

Wetteraussichten für Dienstag den 28. April.

Wolkig, zeitweise geringe Niederschläge, tühl, nordwestliche Winde.