Hersfelder Tageblatt
Amtlicher Anzeiger
Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 1.50 Mark, durch die Post bezogen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei Hersfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld.
Wider
für den Kreis Hersfeld
Äreisilott
Der Anzeigenpreis beträgt für die einspaltige Zeile 10 Pfennig, im amtlichen Teile 20 Pfennig, Reklamen die Zeile 25 Pfg. Bei Wiederholungen wird Rabatt gewährt. Erscheint jeden Werktag nachmittags.
Gratisbeilagen: „Illustriertes Sonntagsblatt" und „Illustrierte Landwirtschaftliche Beilage”
Zernsprech-slnschluh Nr. 8
Nr. 102. Sonnabend, den 2. Mai 1014.
Bus der Heimat.
* Ueber die vorläufigen Ergebnisse des Heilverfahrens der Angestelltenver- sicherung im Jahre 1913 verlautet, daß das Heilverfahren in 6892 Fällen genehmigt und begonnen wu'de. Hiervon entfallen 1963 Anträge auf das Zahnheilverfahren und 4929 Fälle auf andere Heilverfahren. Die Ausgaben für die genehmigten Fälle betrugen bis zum 31. Dezember 1913 1530 903,03 Mk.
* ZurWarnung für solche Zeugen, die es bei der Berechnung der Zeugengebühren vor Gericht nicht genau nehmen, diene folgender Fall: Das Erfurter Schöffengericht verurteilte am Freitag einen Mann, der als Zeuge vernommen worden war und angegeben hatte, seine Arbeit versäumt zu haben, wegen Betrugs zu einer Woche Gefängnis. Die zu Unrecht in Empfang genommenen zwei Mark muß er wieder zurückzahlen.
§ Hersfeld, 1. Mai. Der Monat Mai mit seinem Blütensegen, seinem taufrischen, zartgrünen Waldschmuck, seinen linden Tagen und blumendurch- duitetenNächten ist nun auch gekommen. Wohin das Auge über die neu erwachte Frühlingsflur schweift, überall sprießt und grünt es tausendfältig hervor. Im Menschenherzen aber erwacht neue Frühlingsfreude und frischer Lebensmut. Junge Gemüter, in denen die warme, linde Maienluft den ersten Liebesfrühling zaghaft aufkeimen läßt, fangen an, wehmütige Gedichte zu machen, und Pärchen, die sich bereits einig sind, wandern Hand in Hand singend und schnäbelnd durch die Lenzesauen. Und nur alte Griesgrame, Sauertöpfe, an denen alles spurlos vorübergeht, was an Lebensfreude gemahnt, machen ein brummiges Gesicht. Für alle anderen jedoch, denen die Freude an der Natur und ihrer Schönheit noch nicht verloren ging, beginnt jetzt die Zeit der wundervollen Maienabende. Gemütliche, trauliche Plauderstündchen draußen in der Laube am Hause, deren Blätterwand mit jedem Tage an Dichtigkeit zunimmt. Eine duftende Waldmeisterbowle ziert den Tisch, um den alt und jung sich versammelt, am dunklen Abendhimmel glitzern taufende von Sternen und aus den Vorgärten jenseits der Straße trägt der laue Abendwind den weichen, schwermütigen Tust des ersten Flieders herüber. Solche Maienabende sind oft unvergeßlich, und man erinnert sich noch nach Monaten gern der wundervollen Stimmung, die an jenem Abend geherrscht, und deren poetischen Zauber nur der Wonnemonat Mai und kein anderer hervorzurufen im Stande ist.
):( Hersseld, 1. Mai. Die Zahl der F r e m d e n, welche im Monat April in den hiesigen Gasthäusern übernachteten, betrug 367.
):( Hersfeld, 1. Mai. Mit dem heutigen Tage rvurde der n e u e H a l t e p u n k t „H e r s f e l d B a d" dem öffentlichen Verkehr übergeben. Aus diesem Anlaß war das freundliche Bahnhofsgebäude mit Guirlanden geschmückt worden. Auf dem Bahnsteig hatte in früher Morgenstunde eine Anzahl Bewohner des Johannesviertels mit einem Musikkorps Aufstellung genommen, um den ersten einlaufenden Zug zu begrüßen. Die ihm entsteigenden Passagiere wurden unter Musikklängen in die Stadt geleitet. Derselbe Willkommensgruß wurde dem um3 <7 Uhr einlaufenden Schülerzug zu teil. Gleich wie die ersten einfahrenden Zuge wurde auch der erste ausfahrende Zug mit eurem musikalischen Hoch begrüßt und die Klänge des Marenliedes begleiteten ihn auf seiner ersten
Mrt aus dem neuen Bahnhof. An der Spitze öeutelabenhT^ in die Stadt eingezogen, leiten ^wJ^^ noch zur Feier des Tages von bVe^ncrfesKwÄ^^ ^ Johannesviertels, welche ein Rettest auf das lebhafteste begrüßen, ein seltenen tm Hotel zum Stern statt
6 $ uzuge vom Bahnhof Hersseld aus bei. nnnmt^h^^ r^ ^t dem heutigen Tage nimmt Die Kurzert unteres Lullusbades ^Eöer rhren Anfang. Während die Trink- und Baüe- "re ’X. '^unen, werden die Kurkonzerte erst a^n 1b. Mar ihren Anfang nehmen. Der Brunnen- aufschank findet morgens von 6-9 Uhr und nach- nnttags von 51^—8 Uhr statt. J
J{f<^^’ 1 Mai. Für die Sommer- und der ländlichen Schule n des F^rsseld ist nach einer Bekanntmachung des folgendes bestimmt worden: Für kommt insgesamt eine Dauer von 46 w -öetradjt. Die Sommerferien werden 25 und <- ^erbitterten 21 Tage umfassen. Am dritten Mon- sa«Erm ^nh nehmen die Sommerserien ihren Anfang, ooap der Unterricht an einem Freitag wieder seinen Anfang mmmt. Die Herbstferien sind so zu legen,
daß eine Woche in den Monat September und zwei Wochen in den Monat Oktober fallen.
):( Hersfeld, 1. Mai. Die Witterung im Mai soll nach den Mondvierteln folgendermaßen ausfallen: Das erste Viertel — 3. Mai — bringt Regen und Wind. — Vollmond — 9. Mai - ist zu Gewitter geneigt. — Letztes Viertel — 16. Mai — erzeugt warme und fruchtbare Witterung. — Neumond — 25. Mai — ist kühl und regnerisch.
):( Hersfeld, 1. Mai. Gestern nachmittag gegen 5 Uhr überflog ein großer Doppeldecker unsere Stadt, wobei ein Brief an einen Offizier der hiesigen Kriegsschule abgeworfen wurde, den ein Schüler des Gymnasiums fand und an seine Adresse beförderte. Es handelte sich um den Militär-Doppeldecker B. 146, der mit Hauptmann Herzig als Führer und Leutnant Garganica als Beobachter besetzt war. Die Flieger waren in Graudenz aufgestiegen, hatten nachmittags in Gotha und Grebendorf Zwischenlandungen vorgenommen und beabsichtigten nach Straßburg zu fliegen, woselbst die Herren und das Flugzeug stationiert sind.
):( Hersfeld, 1. Mai. In einem Hause der unteren Frauenstraße entstand am Mittwoch morgen ein Zimmerbrand, der durch die Bewohner noch rechtzeitig gelöscht werden konnte. Der Brand war dadurch entstanden, daß eine Petroleumlampe unter einen Balken gehängt worden war, der sich dadurch entzündet hatte.
-l- Hersfeld, 1. Mai. Glück im Unglück hatte gestern der Besitzer des altrennomierten Hotels zum Stern Herr Hoflieferant Reinh. Kniese hierselbst. Als derselbe mit einer leeren Weinkiste auf der Schulter über seinen Hof ging, fiel plötzlich von einer Glas- fiberdachung ein großes St.» -inre Scheibe herunter und zum Glück gerade auf die Kiste. Hätte Herr Kniese diese nicht auf der Schulter getragen, so würde er wahrscheinlich nicht ohne schwere Verletzungen davon gekommen sein.
):| Unterhaun, 30. April. In schwerer Gefahr befand sich heute ein mit Kühen bespannter Wagen. Als derselbe den Uebergang vor dem Orte passierte, kam gerade ein D-Zug und traf das Hinterteil des Wagens. Zum Glück kamen Personen bei dem Unfall nicht zu Schaden.
Fulda, 29. April. Heute mittag brächte ein Vater aus Schlüchtern sein sechsjähriges Kind schwer verletzt in das hiesige Landkrankenhaus. Ein zu Hause im Zimmer hängendes geladenes Gewehr war durch unvorsichtige Berührung losgegangen, wobei das Kind eine erhebliche Schußwunde in die Schulter erhielt.
Lanterbach, 30. April. Ueber das Befinden der im hiesigen Krankenhaus untergebrachten Opfer der Crainfelder Bluttat verlautet, daß das Befinden der schwer verletzten Frau Stein sowie der ältesten Tochter und des jüngsten Sohnes kaum Hoffnung auf Erhaltung ihres Lebens läßt, während der älteste Sohn und die jüngste Tochter außer Gefahr sind. Ueber das Motiv der Tat ist man noch nicht im Klaren. Auf Raubmordversuch könnte der Umstand hindeuten, daß in der Kommode, in der Geld enthalten war, ein abgebrochener Schlüssel steckte, doch scheint dagegen zu sprechen, daß Geld und Staatspapiere sowie die Bücher, die zum Teil offen dalagen, vollkommen unberührt aufgefunden worden sind. Das in der Küche aufgefundene Beil ist ein sogenanntes Handbeil mit einem vierzig Zentimeter langen Griff. Es ist außerordentlich scharf geschliffen. Die Verhaftung des Karl Hofmann in Salz hat sich übrigens bestätigt. Hofmann, Vater und Sohn, die unter dem Namen Hennings in der Gegend bekannt sind, waren früher wohlhabende Leute, die ihr ganzes Vermögen durchgebracht haben und jetzt vollständig mittellos jind. Sie sind alle beide verhaftet worden. Sie und den Sterns Geld schuldig und auch schon fruchtlos gepfändet worden.
Abgeordnetenhaus.
Tip Reratuna des Kultus-Etats begann am Donnerstag beim Titel: Bistümer, katholische Geisttiche und Kirchen. Die von dem Abg. A. Hoffmann «Soz.) ausgestellte Behauptung, ^urstbischon Dr. Kopp habe 7 M llionen Mark hinterlayen wurde vom Abg. Glattkelter (Zentr.) berichtigt, es sei noch nicht eine Millwn gewesen. Dem Abg. Steyczynski (Pole) antwortete Kultusminister v. Trott zu Solz.er überlebe tendenziös. Die Regierung möchte sich grundsätzlich nicht in den Relegionsunterricht. Ta^ sie es, dann würden die Bischöfe sofort Widerspruch erheben. Er bitte alle, dafür zu sorgen, daß die Kolitis von der Kirche ferngehalten werde. Abg. Haeulsch (soz.) wünschte, daß die Kirche n4 nicht nur des Dienstes der polnischen, sondern auch dem d^Zentrumspartei enthalte. Darauf antwortet Abg. Dr. Bell (Zentr.), daß gerade die Sozialdemokratie in der Kirchenaus-
trittsbewegung die religiöse Frage für Parteizwecke mißbrauche. Nachdem das Kapitel bewilligt war, folgte der Titel Provinzialschulkolleginm. Die Abgg. Dr. Blankenburg (natl.i und Dr. Tranb (Fortschr.) führten Beschwerde über die Maßregelung eines Religionslehrers in Siegen. Der Minister erwiderte, daß zu verlangen wäre, daß ein Lehrer, solange er Religionsunterricht erteile, sich von dem öffentlichen religiösen Kampf fernhalte. Das habe der Lehrer nicht getan; am Schlüsse des Semesters habe man ihm die Berechtigung zum Religionsunterricht entzogen. Abgeordneter Heckenroth (fonf.) gab dazu noch bekannt, daß der betreffende Lehrer Mügler sich an die Spitze einer von den Freunden Traubs gegründeten Ortsgruppen der Freunde der Freiheit gestellt habe. Das Schulkollegium sei zur Unterrichtsentziehung berechtigt gewesen. Abg. Eickhoff (Fortschr.) wünschte, daß für die Oberlehrerposten besonders preußische Kandidaten berücksichtigt würden. Abg. Dr. Friedeberg (natl.) sah in dem Lehrer Mügler einen Unschuldigen, der trotzdem sein Amt verlassen mußte. Der Minister unterstrich seine Ausführungen nochmals. Das Vorgehen der Schulbehörde sei berechtigt gewesen. Abg. Wildermann (3tr.) ersuchte den Minister, sein Augenmerk auf die freidentsche Jugendbewegung und die Zeitschrift „Anfang" zu richten. Einharts Deutsche Geschichte und C. F. Meyers und Gottfr. Kellers Schriften sollten in Schülerbibliotheken nicht geduldet werden. Der Minister erklärte: Auf die Zusammenstellung der Schülerbibliotheken müsse geachtet werden, doch dürfe man in den Forderungen nicht zu weit gehen. Er habe zu der deutschen Jugend das Vertrauen, daß sie die destruktiven Elemente aus der Bewegung ausscheiden werde, daß sie erkenne, daß alles dummes Zeug sei, was jene wollen. Die sreideutsche Zeitschrift „Anfang" scheine schon Hp Ende gefunden zu haben. Jedenfalls würde dieser Angelegenheit volle Aufmerksamkeit gewidmet. Nach Bewilligung dieses Titels folgt der Titel Universitäten. Abg. v. d. Osten-Warnitz (fonf.) wandte sich gegen die Absicht, den Lehrstuhl Adolf Wagners mit einem Kathedersozialisten zu besetzen. Die jungen Volkswirtschafter kämen dadurch zu einer einseitigen Auffassung des Wirtschaftslebens.
Deutscher Reichstag.
Der Reichstag befaßte sich am Donnerstag mit der sozialdemokratischen Interpellation betreffend Vorlegung einer Verfassung für Mecklenburg. Nach der Begründung durch den Abg. Herzfeld (Soz.) erklärte Staatssekretär Dr. Delbrück, daß sich der Standpunkt der Regierung in der Verfassungssrage nicht geändert habe. Der Reichskanzler sei daher nicht in der Lage, den Anregungen der Interpellation zu entsprechen. Der Mecklenburgische Gesandte v. Brandenstein erklärte namens seiner Regierung, daß sie sich dem Standpunkte des Reichskanzlers anschließe. Der Abg. Herzseld habe irrtümliche Ausführungen über Zustände in Mecklenburg gemacht. Es gebe dort eine Steuerreform wie in Preußen. Der Fall v. Maltzahn sei beigelegt worden. In der Besprechung der Interpellation erklärten die Abgg. Dr. Spähn (Ztr.) und Roland-Lücke (natL), daß sie zwar eine Verfassung für wünschenswert halten, der Inhalt der Interpellation aber keine geeignete Grundlage dafür biete. Die Abgg. Dr. Wendorff und Sivkovich (fortfdjr.) erklärten die Ausführungen der Regierung für unzureichend und bezeichneten eine Verfassung als unbedingt notwendig. Abg. v. Gräfe (fonf.) erklärte, daß auch seine Freunde der Regierungserklärung beistimmen. Die Zuständigkeit des Reichstages sei durch nichts bewiesen und das meklenburgische Volk würde eine solche Einmischung als eine Erniedrigung ansehen. Er (Redner) werde stets für eine gesunde Entwicklung der Verfassung eintreten. (Beifall rechts.) Nach kurzer weiterer Erörterung schloß die Besprechung. Einige Rechnungssachen wurden an die Kommission verwiesen.Tie erste Beratung des Tampfersubventions- gesetzes wurde vom Staatssekretär Dr. Delbrück begründend eingeleitet. Er wies auf das dreißigjährige Bestehen der Subvention und die Entwickelung des Verkehrs hin, sowie daß die Hapag eine Subvention für Ostasien nicht für erforderlich hielt. Nur die Australische Linie bedürfe der Unterstützung. Es sei zu hoffen, daß die Vorlage dem Verkehr und dem Handel dienen werde. Die Vorlage wurde ohne Erörterung der Budgetkommission überwiesen. Es folgte die erste Beratung des Vertrages über den Schutz des Lebens aus See. Staatssekretär Dr. Tel- brück erinnerte an den Untergang der „Titanic", der den Anlaß dazu gegeben habe und hoffte auf großen Nutzen des Vertrages.
Wetteraussichten für Sonnabend den 2. Mai.
Meist trübe, zeitweise Niederschläge, kühl, nordwestliche Winde.