Hersfelder Tageblatt
für den Kreis Hersfeld
Kreisblatt
Amtlicher Anzeiger
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zogen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Vuchdruckerei
Hsrsfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld.
Der Anzeigenpreis beträgt für die einspaltige Zeile 10 Pfennig, im amtlichen Teile 20 Pfennig, Reklamen die Zeile 25 Pfg. Bei Wiederholungen wird Rabatt gewährt. Erscheint jeden Werktag nachmittags.
Gratisbeilagen: „Illustriertes Sonntagsblatt" und „Illustrierte Landwirtschaftliche Beilage"
Zernsprech-Knschlutz Nr. 8
Nr. 109.
Sonntag, den 10. Mai
1914.
Der heutigen Nummer liegt ein Amtlicher Anzeiger bei.
Bus der Heimat«
* (Fahrpreisermäßigung für mittellose Kranke.) Eine Bestimmung von hohem sozialen Wert hat im Eisenbahntarif Platz gegriffen. Mittellosen kranken Personen — und unter mittellos versteht die Eisenbahn-Verwaltung solche Personen, deren jährliches Einkommen 2500 Mark nicht übersteigt — kann bei Aufnahme in Heilstätten, bei Besuchsbehandlung in öffentlichen Krankenhäusern, beim Besuch von Kur- und Erholungsorten die übliche Fahrpreisermäßigung gewährt werden. Natürlich muß vorher unter Beibringung des ärztlichen Attestes ein entsprechender Antrag gestellt werden.
* 1186 Schulorte weist der Regierungsbezirk Cassel auf. 64 Stadtgemeinden und 1122 Landgemeinden haben eigene Schulen, 210 Landgemeinden sind ohne eigene Schulen und bilden mit anderen politischen Gemeinden Gesamtschulverbände. Die Gesamtzahl der Lehrpersonen im Regierungsbezirk Cassel beträgt 3173 und zwar 2754 Lehrer und 419 Lehrerinnen. In den Stadtgemeinden find insgesamt 1134 Lehrpersonen, und zwar 873 Lehrer und 261 Lehrerinnen angestellt. In den Landgemeinden haben 2039 Lehrkräfte Beschäftigung gefunden und zwar 1881^,Lehrer und 158 Lehrerinnen.
):( Hersfeld, 9. Mai. Die bekannte Rindviehzuchtgenossenschaft in Gersfeld (Rhön) für Simmenthaler Hochzucht hält ihren diesjährigen Z uch tv i e h markt am 20. ö. Mts. in Gersfeld ab. Auf die Bekanntmachung im Anzeigenteil machen wir besonders aufmerksam.
§ Hersfeld, 9. Mai. Zur Wetterlage wird von der Weilburger Wetterwarte unter dem 8. Mai geschrieben: Der von der Landwirtschaft örsehnte Regen ist eingetreten. Zwar ist er noch nicht zu reichlich ausgefallen, doch machen sich schon Bedenken wegen der Obstblüte geltend. Ein paar Tage Sonnenschein wären für die Landwirtschaft nicht schädlich und für die Obstblüte nützlich. Es scheint auch, als ob eine Aenderung der Witterung bevorstünde. Die vorher vorhandenen zahlreichen Tiefs, die uns den Regen brachten, haben sich gesammelt. Auf der Westseite (über Großbritannien) des so entstandenen kräftigen Wirbels sind starke Winde vorhanden, die ihn nun voraussichtlich ostwärts treiben werden. Vom Ozean scheint nicht sofort ein neuer zu folgen. Danach würden wir in einigen Tagen wieder mehr Sonnenschein erhalten. Allerdings muß der Wirbel erst abziehen. Zunächst werden wir also noch auf feiner Rückseite rauhen nordwestlichen Winden und noch einzelnen Schauern ausgesetzt sein. Ob obiges Wetter sicher zu- trifft, werden wir daran erkennen können, daß von morgen ab das Barometer deutlich zu steigen beginnt. . ):( Hersfeld, 9. Mai. Den Königlichen Weichenstellern Herrn HeinrichKlee, und Herrn George G v t t b e h tt t von Friedlos, wurde beim Ueber- trstt in den Ruhestand das Allgemeine Ehrenzeichen am 8. Mai b. J. verliehen.
-e- Hersfeld, 9. Mai. Herr I e a n O t t o in C a s s e l, welcher ca. 10 Jahre am hiesigen Landkrankenhause als Verwalter tätig war und in allen Kreisen der mesigen Stadt sowie in der Umgebung wegen seines biederen Wesens sich einer großen Beliebtheit erfreute bei der Landeskreditkasse in Cassel beschäftigt ist, der letzten Sitzung des Landesausschusses zum nanzlenekretär ernannt worden.
X Hersfeld, 9. Mai. Die gemeinsam von dem mesigen Touristenklub und dem K n ü l l k l St b
morgen vorgesehene Wanderung über Ludwigseck "ach Rotenburg ist der ungünstigen Witterung halber bis auf weiteres verschoben worden.
M Hersfeld, 9. Mai. Durch Beschluß des Bundesrats ist für den 2. Juni d. Js. wieder die Vornahme einer ZählungderSchweine angeordnet worden.
):( Hersfeld, 9. Mai. Der Kreisausschuß hat in seiner letzten Sitzung einer ganzen Anzahl Personen im Kreise Hersfeld für gute Pflege der Zuchtbullen und ZiegenböckePrämien in Gesamt- Höhe von 370 Mk. gewährt. Es kommen 11 Bullenhalter und 9 Ziegenbockhalter in Betracht. Für die ersteren betragen die Prämien 30, 25 und 20 Mark, insgesamt 235 Mk. und für die letzteren 25, 15 und 10 Mk., zusammen 135 Mk.
Oberhaun, 6. Mai. Im Interesse der hier ins Auge gefaßten Errichtung einer Güterabfertigungsstelle hat der Unterhauner Darlehnskassenverein in lerner am Sonntag abgehaltenen Generalversammlung den erfreulichen Beschluß gefaßt, zur Förderung der
Angelegenheit 2000 Mark aus dem sogenannten Wohltätigkeitsfonds zu bewilligen. Mit der Errichtung einer Güterabfertigung in Verbindung mit der hiesigen Haltestelle wird einem schon lange fühlbar gewesenen dringenden Bedürfnis abgeholfen werden.
-n- Dorndorf i. Th., 7. Mai. Als gestern morgen auf der in der Nähe Dorndorfs belegenen Gewerkschaft Heiligenrodader Lohn an die von Nachtschicht kommenden Bergleute ausgezahlt werden sollte, entdeckte man, daß die in einem Schranke im Magazin aufbewahrt gewesene Kassette mit über 3000 Mark Lohngeldern in der Nacht gestohlen worden war. Zwei sofort herbeigerufene Polizeihunde nahmen keine sichere Spur auf. Heute sind photographische Aufnahmen der Fingerabdrücke gemacht worden. Man nimmt an, daß der Dieb mit den Verhältnissen genau vertraut war. Die Untersuchung ist bis jetzt rcsul- tatlos verlaufen.
Unslebeu (Rhön), 8. Mai. Von einem jungen Pferd des Händlers Bach hier wurde der l3jährige Karl Fuchs, Sohn des Tagelöhners M. Fuchs, zu Tode geschleift.
§ Cassel, 8. Mai. Heute fand vor der hiesigen Strafkammer in der Berufungsinstanz Verhandlung gegen den Bäcker Schmauch aus Hers seid statt, der von dem Schöffengericht in Hersfeld vor einigen Wochen wegen Betrugs zu 4 Wochen Gefängnis verurteilt worden war. Dem Angeklagten war zur Last gelegt, einen Hersfelder Großkaufmann unter falschen Vorspiegelungen zu weiterer Kreditgewährung veranlaßt zu haben, was infolge der einige Zeit danach eintretenden Konkurseröffnung zu einer Schädigung des Betreffenden führte. Der Vertreter der Staatsanwaltschaft beantragte eine Erhöhung der Strafe auf 2 Monate Gefängnis, das Gericht kam jedoch nach längerer Beratung zu einem Freispruch. In der Urteilsbegründung führte oer Vorsitzende aus, es sei zwar die von dem Angeklagten in rechtswidriger Bereicherungsabsicht vorgenommene Täuschung ebenso erwiesen, wie die eingetretene Schädigung des Getäuschten. Jedoch halte das Gericht es nicht für ausgeschlossen, daß der Angeklagte bei Vornahme der Täuschung die Hoffnung gehabt habe, den betreffenden Kaufmann doch noch befriedigen zu können. Es könne somit nicht mit Sicherheit festgestellt werden, daß der Angeklagte das Bewußtsein der Vermögensschädigung bei Ver- Übung der Täuschung gehabt habe. Infolgedessen müsse Freisprechung erfolgen. — Auch wegeu einer zweiten Anklage gegen denselben Angeklagten wegen Diebstahls erfolgte, wie bereits vor dem Schöffengericht, Freisprechung, da der Beweis nicht als voll geführt ange- gesehen wurde.
Laasphe, 6. Mai. Im nahen Banfe gerieten mehrere Steinbrucharbeiter mit dem Unternehmer in Streit. Gereizt durch die Drohworte der Arbeiter, ergriff der Unternehmer einen schweren eisernen Meißel und warf den Arbeiter Völkel so unglücklich vor die Brust, daß sich der Meißel tief in die Lunge einbohrte und Völkel bald darauf starb.
Witzenhausen, 6. Mai. Bei dem nahen Wendershaufen treten Wildschweine stark auf. Da diesen Tieren schwer beizukommen ist, hatte der Jagd- berechtigte eine Art Wolfsgrube ausheben lagen und diese mit Büschen verdeckt. Die Wildschweine gingen aber nicht in die Falle, dagegen befand sich eines Morgens eine Wendershäuser Frau darin, welche noch spät den Heimweg durch den Wald antrat und in das Loch stürzte.
Breitungen a. W., 7. Mai. In Altenbreitungen hatte sich der Invalide Schleicher in angetrunkenem Zustande in seine Scheune gelegt, als dieje m Brand geriet und vollständig eingeäschert wurde. Schleicher konnte sich zwar noch lebend retten, erlitt aber schwere Brandwunden. Sein Zustand ist fehr bedenklich.
Wiesbaden,8. Mai. Bei einer Wiesbadener Taunus- Höhenfahrt schlug ein mit Vertretern der Presse besetztes Automobil um. Der Chefredakteur der Rheinischen Volkszeitung in Wwsbaden, Dr. Geulecke, geriet unter den Wagen und erlitt ichwere Verletzungen. Das Automobil ist völlig zertrümmert.
Frankfurt a. M., 8. Mai. Das Oberkriegsgericht des 18 Armeekorps verurteilte heute den Unteroffizier Reis vom 81. Infanterie-Regiment wegen Verleumdung eines Vorgesetzten zu ,echs Monaten Gefängnis und Degradation. Er hatte einem Stabsomzrer in völlig grundloser Weise uttliche Verfehlungen nachgesagt.
Worbis 8. Mai. Der Wehrbeitrag belauft sich für den Kreis Worbis nach den bisherigen Feststellungen auf 195000 Mark. ____________________________
Wetteraussichten für Sonntag den 10. Mai.
Wolkig, meist trocken, nachts kühl, nordwestliche Winde.
Reue M RtiWWschttlAtten Werner
in der Sitzung vom 6. Mai.
Meine Herren, bisher war es in diesem hohen Hause Gebrauch, daß ein neu in sein Amt eintretender Minister eine gewisse Schonzeit bckam. Der Herr Kriegsminister wird sich über eine allzn lauge Schonzeit nicht zu beklagen haben; er hat gleich von Anfang an heftige Angriffe abzuwehren gehabt,- er hat aber als alter Soldat sofort die Situation richtig erfaßt und sich kräftig gewehrt.
Aus den Ausführungen des Herrn Abgeordneten Dr. Müller (Meiningen) ist mir eine Behauptung besonders ausgefallen. Er sagte, ein Landrat lasse beim Ersatzgeschäft die Rekruten nach der Konfession oder Religion ausheben. Soweit mir bekannt, werden die Rekruten nach den einzelnen Jahrgängen und nach dem Alphabet anfgerufen. (Sehr richtig! rechts.) Was hat die Konfession oder die Religion mit der Aushebung zu tun? (Zuruf links: Er hat das Material vorgelegt!) — Herr Dr. Müller (Meiningen) hat den Namen des Landrats nicht genannt. Er muß mir daher gestatten, daß mir seine Angaben wenig glaubhaft erscheinen. (Sehr richtig! rechts.)
Ich möchte nicht noch einmal auf den Fall Zabern, der hinlänglich besprochen worden ist, zurückkommen,- aber das eine möchte ich sagen, daß der Oberst v. Reuter, der von einer gewissen Seite (nach links) so vielgeschmähte Offizier, für das ritterliche Eintreten für seine jungen Offiziere den sympathischsten Eindruck gemacht hat. Standespflicht und Korpsgeist lassen sich in gleicher Weise als schöne Seiten des militärischen Berufs an sich bezeichnen. (Sehr richtig! rechts.) Das Eintreten des Obersten v. Reuter für seine Offiziere hat selbst in Frankreich, in einer angesehenen militärischen Wochenschrift, „Ka France Militaire", Anerkennung gefunden. Wir müssen daraus ein großes Gewicht legen, ein gutes Offizierkorps der Armee zu erhalten. In dem Offizierkorps muß ein guter Korpsgeist herrschen, der „soldatische Geist" muß in ihm lebendig sein. (Beifall rechts.)
Nun ist von dem Herrn Abgeordneten Dr. Müller (Meiningen) — auf das Verhältnis der adligen zu den bürgerlichen Offizieren hingewiesen worden. Nicht die Geburt, sondern Kenntnisse und sittliche Reife sollen die Stützen der Autorität und damit auch die Wege zur Aufnahme in das Offizierkorps sein. Ich bin davon überzeugt, daß nach diesem Grundsatz gehandelt wird. Es ist zutreffend, daß zur Zeit auf Grund von Traditionen bet Garderegimentern die adligen Offiziere noch überwiegen, aber allmählich wird sich das Verhältnis zu Gunsten der bürgerlichen Offiziere bessern. Wenn das deutsche Offizierskorps festhält an den überlieferten Eigenschaften der Pflichttreue, Regsamkeit, Geistesarbeit und Deutschheit, wenn es diese Eigenschaften in immer höherem Maße den Volksgenossen anerzieht, welche durch die Reihen des Heeres gehen, dann wird es schwerlich je an den geeigneten Führern für unser Volk in Waffen fehlen.
Wenn der Herr Vorredner ausführte, der Herr Kollege Erzberger habe eine hervorragende Broschüre für die Unteroffiziere und für die Militäranwärter geschrieben, er möge auch eine Lanze für den Offiziersstand brechen, so würde ich es begrüßen, wenn der Herr Kollege Erzberger dieser Anregung folgen würde.
Die linksstehenden Zeitungen haben in letzter Zeit oft abfällig die Rede kritisiert, die der Kronprinz des Deutschen Reiches als scheidender Kommandeur an sein Husarenregiment in Danzig gerichtet hat. Ich lese soeben in der „Dentschen Tageszeitung" unter der Ueberschrift „Der Kronprinz des Deutschen Reiches" an leitender Stelle einen Artikel, der meiner Auffassung und der der Mehrheit des Hauses wohl entspricht. Aus diesem Artikel sei folgender Passus hervorgehoben:
Was aber die Abschiedsworte an die Danziger Husaren anlangt, so mögen sie in unserem greisenhaften, von der fahlen Blässe übertriebener Vorsichts- meierei angekränkelten Zeitalter manchem vielleicht ungewöhnlich erschienen sein. Wir haben uns ihrer herzlich gefreut, weil sie einen frischen, fröhlichen, soldatischen und kameradschaftlichen Geist bekundeten, wie er gerade jetzt unserer Jugend nottut und wie er allein die Zukunft des Reiches und des Volkstums sichert. Daß gewisse Kreise, die heutzutage das große Wort führen, für diesen Geist aus rassischen, völkischen und sonstigen Gründen kein Verständnis haben, läßt sich begreifen,- aber sie mögen deshalb schweigen und ihre lahme Kritik nicht an Dingen und Worten üben, für die ihnen das Verständnis abgehen muß.
Es ist zu wünschen, daß unser Kronprinz sich den frischen, soldatischen Geist bewahren wird, der im vergangenen Jahre ihm so gehässige Anfeindungen zugezogen hat. (Beifall rechts.)
(Fortsetzung folgt.)