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Hersfelder Tageblatt

Amtlicher Anzeiger ^H^ für den Kreis Hersfeld

Hersselder WW Armblatt

Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 1.50 Mark, durch die Post be­zogen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei Hersfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld.

Der Anzeigenpreis beträgt für die einspaltige Zeile 10 Pfennig, im amtlichen Teile 20 Pfennig, Reklamen die Zeile 25 Pfg. Bei Wieder­holungen wird Rabatt gewährt. Erscheint jeden Werktag nachmittags.

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Zernsprech-slnschlutz Nr. 8

Nr. 114,

Sonnabend, den 16. Mai

1914.

Bus der Heimat.

* DieLage desHandwerksim verflossenen Jahre bezeichnet der eben erschienene Jahresbericht der Handwerkskammer für den Regierungsbezirk Erfurt als nicht günstig. Durch den Valkankrieg wurde auch das Handwerk auf mancherlei Gebieten des Erwerbslebens beeinträchtigt. Die Hochkonjunktur, die im Jahre 1912 im deutschen Wirtschaftsleben wieder einzusetzen begonnen hatte, hat im Berichtsjahre einer wenn auch zuerst nur langsamen Rückwärtsbewegung Platz machen müssen. Die mancherlei politischen Wirren, die weiter anhaltende Teuerung in der Lebenshaltung und nicht zuletzt der hohe Geldstand wirkten ziemlich nachteilig auf die wirtschaftliche Lage. Es ist auzu- nehmen, daß sich die Wirtschaftslage im neuen Jahre wieder etwas beleben wird. Nach den bei der Hand­werkskammer eingegangenen Berichten der einzelnen Innungen usw. wird die wirtschaftliche Lage im allgemeinen als zufriedenstellend und nur teilweise als nicht günstig dargestellt.

Hersfeld, 15. Mai. (Vorsicht mit Mai­glöckchen.) In Bestätigung unserer Notiz über die Gefährlichkeit der Maiglöckchen schreibt derStraßb. Post" ein Mitarbeiter vom Land: Meine Nachbarin hat letzte Woche halbwelke Maiglöckchen in den Hof geworfen. Gleich sprangen die Hühner darauf los und pickten von den Blumen. Am anderen Tage lagen drei Hühner tot im Stalle, nnd die anderen waren sehr schlaff und hingen traurig die Köpfe. Daß die Maiglöckchen daran Schuld sein könnten, daran dachte man zuerst nicht. Als es aber zwei Tage später einer anderen Frau mit ihren Hühnern gerade so ging, frug ich sie, ob sie vielleicht Maiblumen in den Hof geworfen hätte,- und als sie diese Frage bejahte, da war es mir klar, daß nur die giftigen Maiblumen den rätselhaften Tod unter dem Hühnervolk verursacht haben konnten. Ein weiteres Nachforschen im Dorfe bestätigte diese Annahme voll und ganz. Höchst merk­würdig ist, daß die Hühner recht gerne an den Mai­blumen naschen, und daß sie nicht instinktiv davor zurückweichen. Es ist also verfehlt, die welkgewordenen Blumen in den Hof oder auf den Düngerhaufen zu werfen.

):( Hersfeld, 15. Mai. Nachdem erst am gestrigen Abend gegen 7 Uhr ein Eindecker in stolzem Fluge unsere Stadt überflog, konnte man heute vormittag gegen 11 Uhr abermals einen Eindecker beobachten, der jedoch bald in den Wolken verschwand.

§ Hersfeld, 15. Mai. In seiner am 10. Mai in Posen abgehaltenen Hauptversammlung faßte der Deutsche Wehrverein folgende Entschließung: Im Hinblick auf den Ernst der militärpolitischen Lage Deutschlands tritt der Deutsche Wehrverein für nach­stehende vaterländische Forderungen ein: 1. Tatsächliche Durchführung der allgemeinen Wehrpflicht. Vom Jahrgang 1913 sind nach amtlicher Feststellung noch 38000 völlig waffentüchtigc junge Leute überzählich geblieben. 2. Vorbereitung der männlichen Jugend für den Heeresdienst unter staatlicher Aufsicht. 3. Um­gestaltung des Einjährig-Freiwilligen Systems im ^inne einer ausgiebigeren und gründlicheren Aus­bildung unserer Reserveoffiziere. 4. Sicherstellung eines zahlreichen und tüchtigen Unteroffizierskorps, durch weitere Hebung der Stellung des aktiven ^uteroffiziers und besonders durch Förderung des Mllltär-Anwärterwesens. 5. Bessere Fürsorge für die Altpensionäre, namentlich die Kriegsteilnehmer, und für deren Hinterbliebenen.

N Hersfeld, 15. Mai. In einer Casseler Zeitung ^"folgendes In Hersfeld trat ein S chw i n d l e r >'^em Schlossermeister in Verbindung, dem er aröftprpn^ ^s Casseler Garnisonkommandos einen Me »Str?0 versprach. Durch Vermittlung des aelan! ik^btete er eine möblierte Wohnung, und es umtMi Berufung aus diese Beziehungen weise" w TtiSglmetet einen größeren Betragleih- uerbiifteV^01^' roorftuf er auf Nimmerwiedersehen

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Der hiesige Darlehnskassen- Pon 5?2 auf 454 Mitglieder zurück, niss^n^ü^ ^ eigenartigen örtlichen Verhält- } s hat. Der Verein ist indessen gut fundiert, er ^^rvekapital von 50 000 Mk., und arbeitet, NiM/?^er hier besonders lebhaften induß l?wnnn^ Mit 1 334 090 Mk. in Acti'

Passiva, erzielte er einen Reingewinn " -"00 Mk. 914180 Mk. Sparkassengelder gingen im Mauzen ein; sie reichten allerdings nicht aus, es mußten Bank-Betriebsmittel in Höhe von 364 000 ^..^ausgenommen werden. 1051000 Mk. Darlehen $u billigem Zins ausgeliehen. Das Waren­geschäft entwickelte sich besonders erfreulich.

Cassel, 14. Mai. Ueber die Höhe des Wehrbeitrages

im Stadtkreise werden Angaben verbreitet, wonach der­selbe insgesamt 4 Millionen Mk. ergeben haben soll. Demgegenüber ist nach derHess. Post" darauf hin­zuweisen, daß es sich hier nur um eine vorläufige Schätzung handeln kann, denn die Veranlagungen sind noch keinesfalls abgeschlossen. An dieser Schätzung dürfte richtig sein, daß der Wehrbeitrag unter keinen Umständen weniger als die genannte Summe betragen kann. Der Ertrag der Wehrsteuer im ganzen Regie­rungsbezirk dürfte auf etwa 12 Millionen Mk. zu schätzen sein.

Marburg, 14. Mai. Ein trauriges Geschick hat die Familie des Eisenbahnbeamten P. hier betroffen. Vor etwa 4 Wochen gab dessen Gattin Drillingen, sämtlich Mädchen, das Leben, und gestern hat sie das Zeitliche gesegnet. Außer diesen Drillingen, die sich wohlauf befinden, sind noch drei Kinder, von denen das älteste 12 Jahre zählt, vorhanden.

Eisenach, 13. Mai. Die in Konkurs geratene Reinemannsche Kunst- und Handelsmühle ging heute mittag im Wege der Zwangsversteigeruug für den Preis von 150 000 Mark in den Besitz des Kaufmanns Nadelmann u. Co., in Erfurt über. Die Ortstaxe des gesamten Mühlenbesitzes belauft sich auf436 000 Mk.

Mainz, 13. Mai. Ein Bäckermeister in Echternach hatte ein geladenes Gewehr in die Wohnstube gestellt. Ein Dienstmädchen legte aus Scherz das Gewehr auf ein anderes an, der Schuß ging los und das getroffene Mädchen wurde so schwer verletzt, daß es bald darauf im Krankenhause starb.

Hanan, 13. Mai. Die Strafkammer Hanau hat heute den Fabrikarbeiter Heinrich Kämmerer aus Gelnhausen, der in den Wäldern bei Gelnhausen und Meerholz der Wilddieberei obgelegen hat, wegen gewerbsmäßigen Wilderns zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt und ihm auf die Dauer von drei Jahren die bürgerlichen Ehrenrechte abgesprochen. Der Ar­beiter Heinrich Mösenger aus Gelnhausen, der eben­falls in diese Affäre verwickelt war, erhielt wegen Begünstigung und Hehlerei einen Monat Gefängnis.

Darmstadt, 14. Mai. Die Vorbereitungen für den Prinz-Heinrich-Flug find jetzt nahezu vollendet. Mehrere von den gemeldeten Konkurrenten werden nicht an dem Fluge teilnehmen, sodaß voraussichtlich insgesamt 34 Flugzeuge starten werden. Zahlreiche Flieger sind schon durch die Luft auf dem Truppenübungsplätze angekommen, darunter auch der Leiter der Flug­abteilung Straßburg (Elsaß), Major Siegert. Während der Flugtage wird auf dem Feldberg im Taunus von der Firma Pintsch-Berlin ein Signalfeuer errichtet, das eine Stärke von 60000 Kerzen erhalten soll.

Weilburg a. d. Lahn, 14. Mai. Eine schwere Blut­tat hat sich gestern hier zugetragen. Eine Anzahl unbekannter auswärtiger Burschen hat in der Nacht den Tierarzt Müller überfallen und durch Messerstiche und Schlüsselschläge so schwer verletzt, daß er heute gestorben ist.

Deutscher Reichstag.

Das Haus erledigte am Donnerstag zunächst einige kleine Vorlagen. Ein Nachtragsetat forderte 5 Millionen Darlehen an die Landwirtschaftsbank für Südwestafrika. Die Kommission hatte die Teilung in 2 Raten beschlossen. Trotz der Bitte des Staatssekretärs Dr. Solf und des Abg. Dr. Oertel (kons.) um Bewilligung der Regierungs­vorlage schloß sich die Mehrheit dem Kommissions­beschlusse an. Eine Novelle zum Schutzgebietsgesetz, das die Heranziehung der Grundeigentümer und Bergwerksbesitzer zu den Kosten der Eisenbahnanlagen regelt, wurde nach der Zuiage des Staatssekretärs Dr. Solf, eine entsprechende Verordnung zu erlaßen, zurückgezogen. Ferner wurde die Verlängerung, des Handelsvertrages mit der Surfet in 1 und 2. Lesung genehmigt. Nunmehr wandte fich das Haus dem Etat des Auswärtigen zu, den Staatssekretär v. Jagow mit einer allgemeinen Darlegung einleitete. Er besprach zunächst die Regelung der Verhältniße aus dem Balkan, erkannte das maßvolle und besonnene Verhalten Rumäniens dabei an und gab der Hoffnung Ausdruck, daß es gelingen möge, den gefährlichen, Deutschland und Rußland feindlichen Stimmungen in beiden Ländern einen Damm entgegenzusetzen. Ver­werflich sei es, die Nationen künstlich aufzurerzen. In einer übernervösen Zeit wie der jetzigen sei eine derartige Einwirkung der Presse ein Spiel mit dem Heuer. Er (Redner) sei überzeugt, daß auch dre russische Regierung am freundnachbarlichen Zusammen­leben mit Deutschland festhalten werde. Mit Frank­reich würden Verhandlungen finanzieller Natur gepflogen, die jedoch geeignet seien, Reibungsflächen auszufchließen. Schließlich gedachte der Redner den Wirren in Mexiko, hoffte auf eine baldige Beilegung derselben und schloß, daß an den beiden großen Auf­

gaben: der Sicherung unserer geographischen Lage und der Entfaltung der wirtschaftlichen und kulturellen Kräfte Deutschlands mit Erfolg gearbeitet werde. (Beifall.) Abg. Wendel (Soz.) forderte Verständigung mit Frankreich. Was beide Völker bindet, sei ihre Jnternationalität und aus Frankreich werde herüber­schallen:Es lebe Deutschland!" wenn er mit dem Rufe schließe:Vive la France!" Die diesen Worten folgende Unruhe der Rechteck wandelte sich in lebhaften Beifall, als Abg. Dr. Spähn (Ztr.) ausführte, daß sich die Ausführungen des Vorredners erledigen, wenn man daran denke, daß dasselbe Frankreich die russischen Waffen schärfe. Erfreulich fei die Annäherung an England. Den Unfreundlichkeiten russischer Kreise sollte nicht soviel Gewicht beigelegt werden. Abg. Prinz v. Schoenaich-Carolath (natl.) hielt einen Krieg mit England für Unsinn, bekannte sich zum Dreibünde und glaubte nach wie vor an die Erhaltung des Friedens. Abg. Gothein (fortschr.) bezweifelte, ob Abg. Wendel mit seinem Rufe den Friedensgedanken gefördert hat und bekannte sich zu einem den Frieden sichernden Dreibünde. Abg. Dr. Oertel (kons.) betonte die Notwendigkeit, in Marokko das Prinzip der offenen Tür aufrecht und die Türkei mächtig zu erhalten. Der Dreibund habe in den Valkanwirren seine Feuer­probe bestanden. Die Beziehungen zu Frankreich seien besonders von drüben getrübt worden. Die Fremden­legion sei ein Unehrenpunkt, vor dem deutsche Lands­leute geschützt werden müssen. Zu Rußland seien gute Beziehungen gepflegt worden. Freitag Fort­setzung.

Abgeordnetenhaus.

Das Haus erledigte am Donnerstag zunächst den vom Etat des Abgeordnetenhauses zurückgestellten Titel Remunerativnsfonds durch debattelose Annahme. Einige Titel des landwirtschaftlichen Etats wurden ebenso erledigt. Beim Titel Altpensionäre im Etat des Finanzministers begründete Abg. v. Gostler (kons.) einen Antrag auf gesetzliche Regelung der Bezüge der Altpensionäre und auf Gewährung einer Zulage. Finanzminister Dr. Lentze betonte, daß die Regierung sich zu einer gesetzlichen Regelung nicht verstehen könne. Bedürftigen Altpensionären würden in weit­herzigster Weise Zulagen gewährt. Der Antrag würde die Konsequenz nach sich ziehen, daß bei jeder neuen Besoldung der Beamten auch die Altpcnsiouäre Zu­lagen bekommen müßten. Das würde Mittel er­fordern, die nicht verfügbar seien. Für gesetzliche Regelung und den konservativen Antrag sprachen dann die Abgg. v. d. Hagen (Ztr.) Dr. Schroedter (natl.), v. Oertzen (frk.), Delius (Fortsch.) und Ströbcl (Svz.) Ein Antrag der Budgetkommission verlangte das gleiche wie der konservative Antrag,- ein fort­schrittlicher Antrag verlangte auch die Witwen- und Waisengelder zu erhöhen. Sämtliche Anträge wurden einstimmig angenommen. Die zum Titel Dienstein- kommensverbesserungen gestellten Anträge wurden nach einer längeren Geschäftsordnungsdebatte zurück­gezogen. Alle Redner hatten erklärt, daß sie das möglichste daran setzen würden, die Besoldungsnovelle noch zu erledigen, doch möge die Regierung erklären, ob sie an der Verabschiedung der Novelle sesthalte. Finanzminister Dr. Lenze bejahte das entschieden, doch sei Voraussetzung, daß die Parteien nicht über den Rahmen der Novelle Hinausgingen. Die Parteien behielten sich ihre Stellungnahme vor. Sämtliche An­träge wurden zurückgezogen und die restlichen Titel bewilligt. Beim Etat der Allgemeinen Finanzver­waltung bemängelte Abg. Kopsch (Fortschr.) die hohen Preise bei den Kgl. Theatern in Berlin. Die Abgg. Dr. Levy und Dr. Arning (Natl.) erkannten dankbar die hohen künstlerischen Leistungen dieser Theater an. Damit war auch dieser Etat erledigt. Es folgte der Gesetzentwurf über die Dienstvergehen der Kranken- kassenbeamten. Abg. Braun (Soz.) wandte sich gegen die beabsichtigte Möglichkeit, die Beamten disziplinarisch zu bestrafen, während Abg. Flesch (Fortschr.) einen Antrag begründete, daß politische oder religiöse Be- tätigung außerhalb des Dienstes nicht zur Kündigung oder Entlassung führen dürfe. Ein Regierungskom- missar bezeichnete die Anträge als nicht annehmbar. Da die an verantwortungsvolle Posten gestellten Personen Beamtenrechte erhielten, müßten sie auch deren Pflichten übernehmen. Abg. v. d. Osten-Warnitz (kons.) teilte durchaus die Auffassung der Regierung. Nach weiterer kurzer Debatte wurde der Antrag Braun gegen die Konservativen angenommen, die Bestim­mungen über die Dienstvergehen nichtrichterlicher Be­amten nicht auf die Krankenkassenbeamten anzuwenden.

Wetteraussichten für Sonnabend den 16. Mai.

Ziemlich heiter, trocken, tagsüber warm, östliche