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Hersfelder Tageblatt

Amtlicher Anzeiger ^-^^ für den Kreis Hersfeld Wider Wlott

Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 1.50 Mark, durch die Post be­zogen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei Hersfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld.

Der Anzeigenpreis beträgt für die einspaltige Zeile 10 Pfennig, im amtlichen Teile 20 Pfennig, Reklamen die Zeile 25 Pfg. Bei Wieder­holungen wird Rabatt gewährt. Erscheint jeden Werktag nachmittags.

Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage" ^ernsprech-Knschlutz Nr. 8

Nr 161 Sonntag, den 12. Juli 1814

Der heutigen Nummer liegt ein Amtlicher Anzeiger bei.

Bus der Heimat«

* (603 Millionen Mark Wehrbeitrag.) Das Ergebnis des Wehrbeitrages für Preußen ist auf 603 Millionen Mark festgestellt worden. Es entspricht dies dem von der Finanzverwaltung errechneten Voranschlag.

8 Hersfeld, 11. Juli. Zur Wetterlage wird von der Wetterdienststelle Weilburg unterm 10. Juli geschrieben. Die seit gestern eingetretene im allge­meinen heitere, trockene Witterung wird verursacht durch ein ausgedehntes, aber ziemlich flaches Hochdruck­gebiet, das ganz Mittel- und Nordeuropa besetzt. Dies wird auch wohl in der Hauptsache für die nächste Zeit unsere Witterung beeinflussen. Doch werden sich bei der gleichmäßigen Luftdruckverteilung überall Teil­tiefe bilden. Wir haben also zwar im allgemeinen heiteres, tagsüber warmes Wetter zu erwarten, doch werden uns die flachen Teiltiefs zeitweise Bewölkung und strichweise Gewitterregen bringen.

(r) Hersfeld, 11. Juli. Am 10. Juli waren 10 Jahre verflossen, seit der hiesige Rabatt- Sparverein gegründet wurde. Die Gründung war ein Akt der Selbsthilfe. Der Verein kann auf eine segensreiche Tätigkeit zurückblicken, denn er hat in diesen 10 Jahren rund 270000 Mark Rabatt an seine Kundschaft verteilt, was für hiesige Verhältuisse als eine enorme Summe angesehen werden muß.

§ Hersfeld, 11. Juli. Zum Ergebnis der Hersseloer Ausstellung teilt noch die Landw rtschaftskammer mit: Der Zuschuß, den die Landwrrtschaftskammer gemeinsam mit dem Land­wirtschaftlichen Kreisverein Hersfeld zu leisten hat, beläuft sich auf etwa 10000 Mark. Da jedoch die Ein­nahmen aus den Eintrittskarten die im Voranschlag festgesetzte Summe erheblich überschritten haben, werden diese Zuschüsse, mit denen im Voranschlag gerechnet worden ist, wohl nicht in ihrer ganzen Höhe zur Verwendung zu kommen brauchen. Der Besuch der Ausstellung war also trotz des sehr ungünstigen Wetters als ein sehr guter zu bezeichnen.

):( Hersfeld, 11. Juli. Das Promenaden- konzert auf dem Marktplatze fällt morgen a u s.

):( Hersfeld, 11. Juli. Die diesjährigen Rennen desHersselöer Reitervereins versprechen einen besonders glänzenden Verlauf zu nehmen. Die allgemein bekannte und beliebte Bahn auf den Eich- hoswiesen garantiert dafür. Fernerhin hat die tech- Ntzche Kommission für dieses Jahr ein drittes öffentliches Rennen für Vollblüter mit Geldpreisen ausgeschrieben. Es gelangen etwa an Geldpreisen 2600 Mk. und 25 Silberpreise zur Verteilung. Daß die Kommission in der Lage war, eine derartige Er­höhung an Geld- und Ehrenpreisen gegen die bis­herigen Jahre ausschreiben zu könne«, verdankt sie dem allgemeinen Interesse und der Unterstützung von Kreis, Stadt, Bad Hersfeld und den vielen Stiftungen von Freunden des Sports. Mit welchem Wohlwollen der für sämtliche Rennen Deutschlands maßgebende Union-Klub, Berlin dem Verein gegenübersteht, zeigt die zur Verfügung gestellte Summe von 500 Mk. für Die diesjährigen Rennen. Wie uns soeben mitgeteilt wird, hat Se. Hoheit der Landgraf Chlodwig von Hessen ebenfalls einen Ehrenpreis gestiftet. Es ist mit Freude zu begrüßen, daß sich das Interesse für den edlen Rennsport auch hier in so starker Weise gehoben hat. Die Nennungen laufen von allen Seiten in großer Zahl ein. Nach Abschluß des Termins am 17. d. Mts. wird die genaue Nennungszahl der einzelnen Rennen veröffentlicht werden. An dem für Hersfeld so bedeutenden Tage dürfte aus Stadt und Land niemand fehlen. Auch einige Regentropfen sollten niemanden abhalten, am 26. Juli diesem für unsere Stadt nur jährlich einmal stattfindenden sport­lichen Ereignis beizuwohnen.

§ Hersfeld, 11. Juli. WegenJagdvergehens war der Landwirt und Händler Friedrich R. in K^i^lingen vom Schöffengericht Hersfeld zu einer ^dstrafe von 60 Mk. und zur Einziehung des Jagd- kostenpflichtig verurteilt worden. Er war >.!wuldig befunden, am 9. Jan. d. J. im Gersdorfer uvii^^er, an einem Orte, an dem er zur Aus- und Jagd nicht befugt war, ein Reh erlegt bestricc -»^^^nommen zu haben. Der Angeklagte machtsich des Jagdvergehens schuldig ge^ urteilendÄC? ""ö legte Berufung gegen das ver- sibuna Kenntnis ein. In gestriger Strafkammer- einem wurde die Sache erneut und mit

großen Zeugenaufgebot verhandelt. Wie aus

der Beweisaufnahme mitzuteilen ist, war am 9. Jan. d. J. in der dem Jagdrevier des Angeklagten be­nachbarten Gersdorfer Jagd ein Reh geschossen worden. Der Jagdberechtigte fand Schnitthaare, reichliche Mengen Schweiß, eine Patronenhülse von der gleichen Art, wie sie der Angeklagte benutzt, Fußspuren des auf dem Anstande sitzenden Jägers, Nagelschuhe, aber von dem Wilde keine Spur. Es erfolgte Anzeige, worauf der Gendarmeriewachtmeister nach dem Ver­bleib des augenscheinlich erlegten Stückes Umschau hielt: Er kam auch zu dem Angeklagten, da er er­fahren hatte, daß dieser ein Stück Rehwild in seiner Scheune hängen habe. Als er ihn fragte, ob er am 9. Januar ein Reh geschossen, verneinte das der Be­klagte und bemerkte, daß er au dem Tage nur einen Hasen erlegt habe. Auf die weitere Frage, ob er denn kein Rehfleisch im Hause habe, antwortete der Angeklagte, er habe ein Reh in der Scheune hängen, dieses aber habe er schon am 31. Dezember in seinem Revier geschossen. Er habe es nur krank geschossen und das Tier dann erst vor 4 bis 5 Tagen verendet aufgefunden. Da das bei dem Angeklagten vorge­fundene Reh am 11. Januar noch gelenkig war und den Eindruck eines frisch geschossenen Stückes machte, so glaubte man dieser Darstellung nicht, sondern konfiszierte das Reh. Es wurde genau untersucht, man fand, daß es nur von 2 Schroten an den Rippen getroffen war, kochte nun den Kopf ab und durchsuchte diese« nach einem Schrot, das in das Gehirn gedrungen sein könne und dadurch daS sofortige Verenden des Tieres herbeigeführt habe, aber ein solches wurde doch nicht gefunden. Dadurch wurde die Behauptung des Angeklagten gestützt, aber da der Sachverständige bekundete, daß das bei dem Beklagten konfiszierte Stück den Eindruck eines frisch geschossenen gemacht uud das Fleisch ganz frisch ausgesehen habe, so erfolgte die Verurteilung. In der gestrigen Verhandlung mußte der Sachverständige indessen zugeben, daß es unwahrscheinlich sei, daß das bei dem Angeklagten beschlagnahmte geringe Stück soviel Schweiß verloren haben könne. Weiter machte der Angeklagte geltend, daß er, als er den Hasen am 9. Januar geschossen habe, in der Eile vergessen habe, seine Stiefel anzu- ziehen und in Filzschuhen ins Revier gegangen sei, so daß die beobachteten Fußspuren nicht von ihn: hätten herrühren können. Es erfolgte kostenlose Freisprechung des Angeklagten, da die Beweismomente zu einer Verurteilung nicht ausreichend erschienen.

§ Hersfeld, 11. Juli. Es siud in neuerer Zeit viel­fach ' K o n fe kt e, Bonbons, Zucker bo h ne n, Pralinees pp. in den Handel gekommen, welche mit Schnaps verschiedener Art, darunter oft mit sehr Minderwertigem gefüllt sind. Der Alkoholgehalt in denselben ist, wie angestellte Ermittelungen ergebe« haben, oft ein sehr erheblicher. So enthielten 15 Stück eines solchen Konfekts, die etwa 100 gr. wogen, zu­sammen ungesähr einen Eßlöffel voll Trinkbranntwein, bei einem Preise von 28 Pfg. Es sind auch schon Fälle vorgekommen, in denen erwachsene Personen durch der Genuß eines solchen Konfekts berauscht worden sind. Umsomehr aber werden solche Konfekte den Kindern gefährlich, denen im Interesse ihrer Gesund­heit den Genuß alkoholhaltiger Flüssigkeit in jeder Fornr untersagt werden sollte. Es wird insbesondere Aufgabe der Eltern und Erzieher sein, den ihrer Ob­hut anvertrauten Kindern und Pfleglingen den Ge­nuß solcher Konfekte zu verbieten.

):( Hersfeld, 11. Juli. Abermals hat die Fulda ein Ovser gefordert. Beim Baden ertrank gestern abend in der Nähe des Rechbergschen Wehres, der 29 Jahre alte Kaufmann A r n o M u l l e r, der in einer hiesigen Tuchfabrik beschäftrgt war. Da die übrigen hier badenden Herren nichts bemerkt haben, so weiß man gar nicht wie das Unglück sich zugetragen hat. Müller, der ein guter Schwimmer war, wurde plötz­lich vermißt, nachdem man ihn zuletzt noch am jen­seitigen Ufer bemerkt hatte. Irgend welche Hilferufe wurden nicht gehört. Um dieselbe Zeit schwebte aber auch noch ein anderer der dort Badenden in Lebens­gefahr. Derselbe war in den sich am Wehr bildenden Strudel geraten und konnte nur m:tgrößterAnstrengung vom sicheren Tode gerettet werden. h»s yt möglich, daß Müller zu gleicher Zeit unterging aber infolge der anderweitigen angestrengten Rettungsversuche uid)t bemerkt worden ist. Jedenfalls ist dies nur eine Vermutung. Die Leiche tzt bis jetzt noch nicht gefunden worden vielleicht kann man an derselben die Todes­ursache erkennen.

s Hersfeld, 11. Juli. Waldwanderungen, möglichst den ganzen Tag hindurch sind in den jetzigen Sommertagen die wundervollste Erholung für jeden, der die Zeit dazu erübrigen kann. Gleichgültig, ob hierzu Laub- oder Nadelwald zur Verfügung steht, der eine ist für die Nerven so gesund wie der andere. Etwas Proviant läßt sich in jedem Rucksack mitnehmen; am besten ein unzerschnittenes Stück Brot, eine Büchse

Butter und ein paar gekochte Eier. Man wird bald bemerken, daß es öann an solchem Tage ganz gut auch ohne ein warmes Mittagessen abgeht, und wer in dieser Hinsicht gar zu anspruchsvoll ist, kann solches immer noch abends bei der Heimkehr nachholen. Jeder aber wird, wenn er abends wieder zu den heimischen Penaten zurückkehrt, sich in fröhlicher und gehobener Stimmung befinden.

-f- Sorga, 11. Jnli. Im Saale des Gastwirts Daube fand gestern Abend eine sehr gut besuchte Ver- sammlung statt, in welcher die G r ü n d n n g eines Turnvereins für Sorga beschlossen wurde. In die ausgelegte Mitgliederliste zeichneten sich 82 Per­sonen als Mitglieder ein. Die im Anschluß an die Neugründung vorgenommene Vorstaudswahl hatte folgendes Ergebnis: Hauptlehrer Hahn 1. Vorsitzender, Heinrich Paul 2. Vorsitzender, Lehrer Löwer 1. Turn- wart, Johannes Meckbach 2. Turnwart, Bahnmeister Bechthold Kassenwart, Wilhelm Neinmöller Schrift- wart und Heinrich Schneider Zeugwart.

Gaffel, 11. Juli. Aus Furcht vor Strafe hat sich ein 83er Musketier mit seinem Dienstgewehr erschossen. Er war in eine kurze Arreststrafe genommen worden, die er demnächst verbüßen sollte, und hat sich dies so sehr zu Herzen genommen, daß er feinem Leben ein Ende machte. Es handelt sich um den Musketier Rewickt der 2. Komp. Dieser hatte sich eine scharfe Patrone verschafft und damit sein Dienstgewehr ge­laden. Mit diesen: ging er in die Fahnenjunkerstube Nr. 15 und brächte sich einen Schuß in den Mund bei. Die Kugel zertrümmerte die Schädeldecke und der Tod trat auf der Stelle ein. Der Lebensmüde diente im zweiten Jahre und ist Elsässer, aus Straß­burg gebürtig.

Hanan, 9. Juli. Um den Gang einer Gerichts­verhandlung einmal kennen zu lernen, begaben sich drei 1618jährige Schüler einer hiesigen höheren Lehranstalt in den Zuhörerraum des Strafkammer- saales. Dem diensttuenden Gerichtsdiener kamen Be­denken,- er trat deshalb an den kleinsten heran:Bist Du schon 16 Jahre alt?" Darauf fragte der älteste von den Schülern zurück:Sind Sie schon 16 Jahre alt?" Das meldete der Beamte dem Gerichtsvor­sitzenden. Demselben erklärte der Schüler, daß er dem Beamten nur darüber habe Vorhalt machen wollen, daß er ihn nicht mitDu", sondern mitSie" anzu- reden habe. Das Gericht schenkte den Ausführungen des Schülers Glauben, verwies ihn aber aus dem Gerichtssaal, weil sein Verhalten immerhin ein un­gebührliches gewesen sei.

Marburg, 9. Juli. Um 10 Uhr eröffnete heute morgen Verbandsanwalt Rexeodt-Cassel die ebenfalls sehr zahlreich besuchte Hauptversammlung. Er dankte für das zahlreiche Erscheinen, besonders auch denjenigen, die sich um das Gelingen des Tages verdient gemacht haben. Nach einer langen Reihe Begrüßungsansprachen erstattete Genossenschaftssekretär Elmar-Cassel den Jahresbericht. Der Verband zählt am Ende des Vor­jahres 408 Spar- und Darlehnskassen-Vereine und 36 Betriebsgenossenschaften. Hinzu gekommen sind 3 Darlehnskassen-Vereine und2 Betriebsgenossenschaften. Die Mitgliederzahl hat sich um 1684 auf 52 522 ver­mehrt. An Spargeldern wurden 15 Millionen neu ein- gelegt, gegen das Vorjahr ein Mehr von etwa 700 000 Mark. Insgesamt betrugen die Spargelder M Millionen. Der erzielte Gewinn betrug 253 000 Mk. Hierauf wurden 2 Vorträge gehalten. Pfarrer Greber aus Obergondershausen sprach zunächstüberKrankenpflege auf dem Lande". Zum Schluß hielt noch Pfarrer Meyenschei« aus Altenhaß lau einen Vortrag über Zwei Grundtugenden eines Raiffeisen-Mannes". Wie seinem Vorgänger, so wurde auch diesen: Redner für seine oft von Humor durchwürzten Ausführungen stürmischer Beifall zuteil. Damit hatten die Ver­handlungen ihr Ende erreicht. Der Verbandsanwalt dankte nochmals allen Teilnehmern und brächte zum Schluß ein Hoch auf Raiffeisen aus.

Göttingen, 9. Juli. Znm Kreisturnfest des Ober­weserkreises haben sich zur Teilnahme 130 Vereine gemeldet. Die Zahl der Wetturner beträgt 600, ein­schließlich derSonderwettkämpfer. Nach denErfahrungen anderer Feststädte zu urteilen, wird die Zahl der An­meldungen noch erheblich steigen. Die offizielle Fest­postkarten sind bereits zur Ausgabe gelangt. Einer Serie liegen 5 Dr. Goetz-Marken der Deutschen Turnerschaft bei, deren Ertrag für die Errichtung deutscher Turnerstätten bestimmt ist. Der Versand der Festkarten und Festbücher hat begonnen und wird nach der Reihe der Anmeldungen erledigt. Am Sonn­tag, den 12. Juli, werden Göttinger Schüler und Schülerinnen (etwa 16001 ihr turnerisches Können zeigen. Daneben wird die Göttinger Turnerschaft mit einigen Vorführungen auftreten, gleichsam als Probe für den Festsonntag.