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Hersfelder Tageblatt

Amtlicher Anzeiger ^£^ für den Kreis Hersfeld

Melier Kreisblatt

Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 1.50 Mark, durch die Post be­zogen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei Hersfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld.

Der Anzeigenpreis beträgt für die einspaltige Zeile 10 Pfennig, im amtlichen Teile 20 Pfennig, Reklamen die Zeile 25 Pfg. Bei Wieder­holungen wird Rabatt gewährt. Erscheint jeden Werktag nachmittags.

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Zernsprech-Knschlutz Nr. 8

Nr. 171.

Freitag, den 24. Juli

1914.

Bus der Heimat«

* (Von vier Millionen Reisenden in Deutschlandverunglttcktnureiner.) Unsere deutschen Bahnen sind trefflich im Stande. Das zeigt sich am besten jetzt in der Reisezeit, wo an die Eisen­bahnverwaltung die gewaltigsten Anforderungen gestellt werden. Auch unsere Sicherheitseinrichtungen sind vorbildlich. So kommt es denn, wie dieN. G. C." schreibt, daß Betriebsunfälle in Deutschland verhältnis­mäßig sehr selten sind. Im Jahre 1912, dessen Betriebsergebnisse jetzt statistisch vorliegen, kamen auf eine Million Zugkilometer 4,6 Unfälle, im Durch­schnitt der letzten zehn Jahre 5,1. Der preußische Eisenbahnminister, Herr v. Breitenbach, teilte schon im Abgeordnetenhause mit, daß auf eine Million Reisende berechnet, im Durchschnitt der letzten zehn Jahre 0,24 Reisende getötet oder verletzt würden, im Jahre 1912 waren es 0,20. In England und in Frankreich sind die Ziffern ungünstiger. Da in den letzten zehn Jahren einige Tunnetunfälle vorkamen, sind für die bauliche Unterhaltung der Tunnels besondere Sicherheitsvorschriften erlassen worden.

* (Di e Manöver im Bereich des elften Armeekorps.) In diesem Jahre drängen sich die Manöver mit Rücksicht auf die Kaisermanöver auf kürzere Zeit als sonst zusammen. Vor Beginn der eigentlichen Manöver halten von Ende August ab die Feldartillerie-Regimenter im Manövergelände und zwar im nördlichen Teil des Regierungsbezirks Cassel und in Teilen des Fürstentums Waldeck ein zehn­tägiges Regiments- und Brigade-Exerzieren ab. Die Manöver beginnen am 4. September und zwar mit den Brigademanövern, für die 2 Tage, der 4. und 5. September, vorgesehen sind. Am 7. September nehmen die Divisionsmanöver ihren Anfang, die drei Tage dauern und am 10. September zu Ende gehen. Die beiden Divisionen des 11. Armeekorps manövrieren dann gemeinsam am 11. und 12. September im Korps­manöver im nördlichen Teil des Regierungsbezirks Cassel und einigen Kreisen des Fürstentums Waldeck. Am 14. September beginnen die Kaisermanöver,- sie dauern bis zum 18. September einschließlich. Hieran nimmt das gesamte 11. Korps teil.

* (S t a t i st i s ch e s über Referendar- prüfungen.) Bei den Referendarprüfungen be­standen nach den amtlichen Feststellungen im Jahre 1912 von 1915 Kandidaten 587 nicht, also 39,7 Prozent. Das ist mehr als ein Drittel. Im Jahre 1911 be­standen 30,4 Prozent, 1910 28,8 Proz. nicht. Die Zahl der Kandidaten ging seit 1910 um 203 zurück. Auch der den Assessorprüfungen ist die Zahl derjenigen, die nrcht bestanden haben, in den letzten Jahren beträcht­lich gestiegen.

-a- Hersfeld, 23. Juli. (Hunöstage.) Am 23- Juli, an dem die Sonne in das Kalenderzeichen des Löwen tritt, nehmen die Hundstage ihren Anfang; sie währen bis zum 24. August, dem Eintritt der Sonne in das Kalenderzeichen der Jungfrau, also genau einen Monat. Die Hundstage fallen somit immer in die heißeste Zeit des Jahres; wer aber meint, sie hätten damit etwas zu tun, der befindet sich im Irrtum. Man redet im Winter wohl vielfach von einerHundekälte", weil man dabei an die armen, frierenden Kettenhunde denkt, der AusdruckHunde­hitze" wird dagegen nur vereinzelt und dann auch nur tn Anlehnung an den ersteren gebraucht, doch hört man gar nicht selten von einerhundemäßigen" yltze sprechen. Das gäbe aber noch keinen Anhalt zur Erklärung des NamensHundstage", der schon im Mittelalter in der Einzahl huntlicher tae vor- kommt. Dieser Ausdruck ist nämlich weiter nichts, als eine Uebersetzung des lateinischen dies eanicularis, der bedeutete, daß die Sonne um diese Zeit bei dem hellsten aller Fixsterne, dem Sirius, steht, der bei den Römern canicula und danach im Mittelalter Hunt (Hund) genannt wurde. Indessen waren die Römer ebenfalls nicht die ersten, welche die Kalendereinrichtung der Hundstage trafen, sie hatten diese vielmehr von den Griechen übernommen, bei denen der Hundsstern Sothis hieß und von denen die Periode der Hunds­tage selbst mit dem Namen Opora bezeichnet wurde. Das Wort Sothis ist jedoch durchaus kein echt griechisches, sondern ist die griechische Form des Ur- stammwortes für das durch feinen hellen Glanz auf- tällige Gestirn, das ägyptische Sopet. Die Geschichte der Hundstage reicht also bis in eine sehr ferne Ver­gangenheit zurück und ist jetzt fast 4700 Jahre alt. Unser moderner Name für den HundssternSirius" duckt allerdings nicht minder auf ein recht ansehnliches Alter; denn er rührt aus einer frühen Zeit der Sternenkunde, von den alten Arabern her, denen wir noch viele andere Namen am gestirnten Himmel verdanken.

):(, Hersfeld, 23. Juli. (Schöffengericht.)

Ein Arbeiter von hier wurde wegen Diebstahls mit 5 Tagen Gefängnis bestraft. Ein Tagelöhner aus Dresden erhielt wegen Gemerbesteuerkontraventivn 24 Mark Geldstrafe evtl. 6 Tage Haft. Wegen Feld­frevels hatte eine Frau aus Friedlos eine polizeiliche Strafverfügung bekommen und gegen dieselbe Ein­spruch erhoben. Vor Gericht wnrde die Frau frei­gesprochen. Ein hiesiger Weißbinder wurde wegen Beleidigung mit 2 Wochen Gefängnis bestraft. Ein Arbeiter aus Friedlos wurde wegen Beleidigung zu einer Geldstrafe von 20 Mark evtl. zu 4 Tagen Gefängnis verurteilt. Außerdem wurde die Publikation des Urteils verfügt. In einer Privatklagesache wurde der Beschuldigte zu 20 Mark Geldstrafe evtl. 4 Tagen Gefängnis verurteilt. Ein hiesiger Schüler war wegen Hutefrevels mit einem Strafmandat be­dacht worden, gegen das er Einspruch erhoben hatte. In der heutigen Verhandlung wurde der Widerspruch zurückgenommen. Wegen Bedrohung wurde ein Arbeiter aus Wippershain mit einer Woche Gefängnis

bestraft.

):( Hersfeld, 23. Juli. In der Nähe des Obers­berges stürzte heute morgen ein Pferd in einen Flutgraben und brach dabei ein Bein. Das Tier mußte an Ort und Stelle abgeschlachtet werden.

):( Hersfeld, 23. Juli. Hier wurde ein 14 j ä h r i g e r Junge aufgegriffen, der seinen Eltern in Gotha entlaufen war. Der Junge wurde durch die hiesige Polizei seinen Eltern wieder zugeführt.

Fulda, 22. Juli. Das Rhönturnfest kehrt am 9. August zum zehnten male wieder. Die Vorbereitungen können heute schon als abgeschlossen gelten, während die Anmeldeliste für die Wetturner und Spielverbände bis 8 Tage vor dem Termin offen gehalten werden. Auf den Bergen wohnt die Freiheit!", auf den Hohen ist auch des Turners liebster Aufenthalt. Der Platz des Bergturnfestes, das Plateau des Wasserkuppe- Massivs, ist herrlich gewählt. Es gibt wohl schwerlich weit und breit wieder einen so idealen Turn- und Spielplatz, wie der auf dem kahlen Scheitel des höchsten Rhönberges. Der Aufstieg ist bis auf etwa 100 Meter eigentlich nur ein gemächlicher Spaziergang von Gersfeld aus, aber stets voll der eigenartigsten Reize. Immer entzückt der Blick auf das ab- wechselungsreiche Panorama, auf den Kranz der Kuppen rings herum oder in der Ferne auf die ge­segneten Fluren des Fuldagaues, im Hintergründe die vieltürmige Stadt Fulda, im Tal zerstreut die arüngebetteten, schmucken Dörfer, und da, wo der Hochforst rauscht, Klöster, Schlösser und Ruinen.

Fulda, 21. Juli. Der äußerst seltene Fall, daß ein Garnisonlazarett zum gerichtlichen Zwangsverkauf kommt, wird sich am 26. August in unserer Stadt ereignen. An jenem Tage erfolgt beim Königl. Amts­gericht hier die Zwangsversteigerung des hiesigen Garnisonlazaretts. Es ist bis jetzt noch im Besitze des Erbauers und ist auch im Grundbuche von Fulda auf den Namen des Eigentümers, des kürzlich ver­storbenen Baumeisters Herrn Carl Wegener und dessen noch lebender Ehefrau eingetragen, war aber schon eine lange Reihe von Jahren mtetroetfe von der Garnisonverwaltung in Benutzung. Die vor kurzem gepflogenen Verhandlungen dreserhalb zwischen der

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größeren finanziellen schwierig leiten zu lampn.n hatte.

-b- Satzungen, 23. Juli. Durch infolge Wol ke n- brüchen im Ulstertale hervorgerufenen Hochwasser ist die Strecke Geisa-Tann voraussichtlich 3-4 Tage gesperrt. Der Verkehr zwischen Geisa und Tann ist unterbrochen. Der entstandene Schaden ist bedeutend.

Marburg, 21. Juli. Der Herausgeber derNeuen Bienenzeitung", Lehrer a. D- F- in Marbach, wurde von der Ferienkammer zu 10 Mk. Geldstrafe verur­teilt, weil er in seiner Zeitung einzelne Satze einer Anklageschrift gegen einen auswärtigen Bienen- zeitungs-Redakteur abgedruckt hatte.

Harleshausen, 22. 9»". Heute abend kam der Elektrizitätsarbeiter Friedrich Meth aus Caffel, Mülleraaffe beim Arbeiten an der Starkstromleitung bie er S wurde auf der Stelle getötet. .Die Leiche des Getöteten, der 2a Jahre zahlte und seine Frau nebst zwei kleinen Kindern hinterlaßt, wurde in das Krankenhaus Harleshausen geschafft.

Göttingen, 22. Juli. Der Besuch des Kreisturn­festes war sehr stark. Am Sonntag haben etwa 50000 Personen, dabei sind die Kinder eingerechnet, den Festplatz besucht.

Aus dem Sanerlande, 22. Juli. Bei einem schweren Unwetter, das gestern über das Sauerland und das angrenzende Wittgensteinsche Gebiet nieder- I

ging, wurde auf einer Weide bet Girkhausen, Bezirk Neuostenberg, der 12 Jahre alte Sohn eines Land­wirts, welcher das Vieh hütete, vom Blitz getroffen und auf der Stelle getötet. Ein Rind und der Schäfer­hund, welche dicht neben dein Knaben standen, wurden von dem Blitzstrahl ebenfalls getroffen, aber nur betäubt.

Frankfurt a. M., 22. Juli. Das dieser Tage herausgegebene Vorlesungsverzeichnis der Universität Frankfurt für das Winterhalbjahr 1914-15 bringt in der Einleitung einen Ueberblick über die einzelnen Fakultäten und die in diesen tätigen Lehrern. Die Universität umfaßt danach fünf Fakultäten: die juristische, medizinische, philosophische naturwissenschaft­liche und wirtschafts-sozialwlssenschaftliche Fakultät. Insgesamt wird der akademische Lehrkörper umfassen: 50 ordentl., 9 außerordentl. Professoren, 16 Privat- dozenten, 26 Lehrbeauftragte und Lektoren.

Brilon, 21. Juli. Der Sohn des Gastwirts Röttger erlitt auf einer Radtour einen Schädelbruch. Auf einem stark abwärtsführenden Wege wurde er mit voller Wucht gegen den Stamm einer Warnungs­tafel geschleudert. Die Sehkraft des linken Auges ist wahrscheinlich verloren.

Bad Homburg v. d. H., 22. Juli. Bei einem Ein­bruch in eine hiesige.Kurvilla erbeuteten die Diebe aus dem Eigeutum einer hier zur Kur weilenden Dame aus Frankfurt Schmucksachen im Werte von 25,000 Mark.

Naumburg, 22. Juli. Die Veruntreuungen des zweiten Direktors Walter Henze bei der Filiale des Magdeburger Bankvereins sind in der Weise erfolgt, daß Henze bei Verpackung von 12 Geldrollen, von denen jede 500 Mk. in Zehnmarkstücken enthalten sollte, statt der 10-Mark-Stücke 50-Pfennig-Stücke ein­gerollt hat. Die Depots sind in Ordnung. Die Ver­pflichtungen Henzes betragen etwa 40,000 Mk. und sollen durch Spekulationen in Schantung-Eisenbahn- Aktien entstanden sein. Der Aufenthalt Henzes ist bis jetzt noch nicht ermittelt worden.

Körperliche Erziehung in den Fort- bildnngsschnlen.

In einem Erlaß des Handelsministers wird darauf hingewiesen, daß Turn- und Jugendspiele bisher nur an verhältnismäßig wenigen Fortbildungsschulen ver- anstaltet werden. Gerade aber die Fortbildungs­schulen, denen die gewerblich tätige Jugend in dem für die geistige und leibliche Entwickelung so wichtigen Lebensalter zwischen 14 und 18 Jahren angehört, dürfen die reichen Hilfsmittel, die eine planmäßige Pflege derLeibesübungen für diekörperlicheErtüchtigung und die sittliche Stählung des Heranwachsenden Geschlechts bietet, nicht ungenutzt lassen. Es wird daher noch entschiedener als bisher das Interesse der Schulverwaltungen für diesen wichtigen Zweig der Volkserziehung wachzurufen sein. Da erfahrungsmäßig die Veranstaltungen von Turn- und Jugendspielen an den Fortbildungsschulen nur auf der Grundlage der Freiwilligkeit keinen rechten Erfolg hat, so muß der Pflichtunterricht in Turnen und Jugendspiel eingeführt werden. Besonders aber kann erwartet werden, daß es den Leitern und Lehrern der Turn- und Spielübungen gelingen wird, die Schüler zu veranlassen, sich auch den auf freiwilliger Grundlage beruhenden Veranstaltungen der Jugendpflege anzu- schließen. Zur Erreichung dieses Zieles wird es dienlich fein, wenn die Leitung der pflichtmäßigen und der freiwilligen Turn- und Sptelübungen soweit als möglich in dieselben Hände gelegt wird.

Die Aufnahme des Turnens und der Jugendspiele unter die Pflichtfächer der Fortbildungsschule soll daher mit Nachdruck gefördert werden. Namentlich ist darauf hinzuwirken, daß für die Klassen der un­gelernten Arbeiter ein so lcherPflichtunterrichteingeführt wird. Allerdings darf gemäß den Bestimmungen vorn 1. Juli 1911 bei den kaufmännischen Fortbildungs­schulen und bei den Klassen der gewerblichen Fort- bilduntzsschulen mit Zeichen- und Fachnntericht das Mindestmaß von 6 Pflichtstunden und bei den Klassen der ungelernten Arbeiter das Maß von 4 Stunden wöchentlich in der Regel nicht gekürzt rverden. Auf der anderen Seite aber gelten für den Turn- usw. Unterricht die Beschränkungen bezüglich der Tageszeit nicht, die nach dem Runderlaß vom 20. August 1904 für den übrigen Unterricht an den Fortbildungsschulen einzuhalten sind. Auch ist kein Bedenken dagegen zu erheben, daß die Kosten für den pflichtmäßigen Turn- usw. Unterricht in die Etats der Fortbildungs­schulen eingestellt und bei der- Bemessung der Staats- zuschüsse berücksichtigt werden. ,

Wetteraussichten für Freitag den 24. Juli.

Trübe und regnerisch, kühler, nordwestliche Winde, später Abnahme der Bewölkung.