Hersfelder Tageblatt
Amtlicher Anzeiger ^7^^ für den Kreis Hersfeld
Rrsselder ÄreisMott
Der Anzeigenpreis beträgt für die einspaltige Zeile 10 Pfennig, im amtlichen Teile 20 Pfennig, Reklamen die Zeile 25 Pfg. Bei Wiederholungen wird Rabatt gewährt. Erscheint jeden Werktag nachmittag«.
Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 1.50 Mark, durch die Post bezogen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei Hersfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld.
Gratisbeilagen: „Illustriertes Sonntagsblatt" und „Illustrierte Landwirtschaftliche Beilage" Kernsprech-Knschlutz Nr. 8
Nr. 174. Dienstag, den 2X Juli ' 1914.
Bus der Heimat«
* (Wo werden sich die großen Herbst- manöver abspielen?) Auf diese interessante Frage geben eine gewisse Auskunft die Mitteilungen, die jetzt über bevorstehende Einquartierung in den einzelnen Städten und Ortschaften gemacht werden. Die Errichtung von Proviantämtern in Kirchhain, Treysa und Ziegenhain beweist, daß für die dortige Gegend der Durchzug starker Truppenmassen zu erwarten ist. Nach einer Bekanntgabe des Magistrats in Treysa soll außerdem schon im Anfang September dort Einquartierung stattfinden. Vom 4. bis 5. September werden über 1000 Soldaten Unterkunft finden. Es werden also auch Brigade- und Divisionsmanöver die dortige Gegend berühren. In Marburg und Hanau wird mit großen Einquartierungen gerechnet.
* (50 Milliarden P o st s ch e ck v e r k e h r.) Das Deutsche Reich zählte Ende März nach einer neuen Zusammenstellung 106 336 Postscheckkonten. Ihr Guthaben betrug gleichzeitig fast 198 Millionen Mk., ihr durchschnittliches Guthaben im März über 244 Millionen. Im ersten Viertel dieses Jahres wurden 10 818 Millionen umgesetzt; in demselben Zeitraum des Vorjahres 9907-/4 Millionen. Der gesamte Umsatz des Jahres kann so auf 45 bis 50 Milliarden veranschlagt werden. Auf 27 Millionen Zahlkarten wurden fast 8095 Millionen eingezahlt, während über 3 Mill. Uebertragungen 2310 Millionen gutgeschrieben wurden. Die Zahlstellen der Scheckämter zahlten 485 Millionen bar aus. Im Reichsbankgiro- und Abrechnungsverkehr wurden 1047 Millionen ausgezahlt. Die Postanstalten zahlten 15185 Millionen aus. Durch Ueber- tragung auf andere Konten zur Last geschrieben wurden 2165 Millionen. Der internationale Postgiroverkehr nach dem Ausland betrug 6 Millionen, vom Ausland 281/2 Millionen, sein Umsatz also BOVt Millionen.
):( Hersfeld,27. Juli. Bei kühlem und zum größten Teil regnerischem Wetter fanden gestern auf den Eich- hofwiesen die diesjährigen Rennen des Hersfelder Reitervereins statt. Wenn das ungünstige Wetter wohl auch viele von dem Besuche der Rennen abgehalten haben mag, so bot sich auf dem grünen Rasen doch ein recht buntes Bild, unter dem allerdings gestern die Uniform vorherrschend war. Sämtliche Rennen nahmen ihren programmäßigen Verlauf und gestalteten sich durchweg spannend und interessant, zumal in diesem Jahre ein ausgezeichnetes auswärtiges Pferdematerial die einzelnen Rennen bestritt. Zu dem ersten Rennen, dem St. Lullus-Jagd-Rennen, waren von 12 genannten Pferden 7 am Start erschienen. Hier nahm Herrn A. Brückmanns br. Wallach King zunächst mit großem Vorsprung die Führung des Feldes und behielt diese auch bis zur letzten Runde bei, wurde ober dann von Herrn A. Rechbergs Luftikus unter Herrn Oberleutnant von Maubeuge überholt und mit einer ganzen Länge auf den zweiten Platz zurückgedrängt. Den dritten Platz belegte Herr Oberleutnant Schmidt und als vierter ging Herr Leutnant Ludewig durchs Ziel. — An dem Union-Club-Flach- rennen beteiligten sich 5 Reiter. Ein scharfer Kampf entspann sich hierbei, fast dicht aneinander ging das Feld über die Bahn. Als erster siegte Herrn R. Eltz F. St. Kurmark, zweiter wurde Herr Lt. Blanchart (F. A. 8), dritter Herr Lt. Mecklenburg auf Herrn Lt. Graf Bredows (23. Drag.) br. St. Hortense, vierter Herr Leutnant Schimmelpfennig auf Herrn Lt. Sardemanns (F. A. 47) schwör. St. Coco. — Das dritte Rennen um den Preis der Stadt Hersseld versammelte 6 Reiter am Start und bot einen recht interessanten Verlauf. Während zuerst
^"tnant Schimmelpfennigs Prunelires unter stinem Besttzer selbst mit großem Vorsprung führte, holte Herr Lt. Mecklenburg mit Herrn Sichlers br. ,^lt ganz gehörig auf und ging als erster durchs Kel- Jhm folgte als zweiter Herr Lt. Nikolai (UL 18), dem Herr Lt. Gerlach (: und Herr Lt. Schimmelpfennig ol
(UL 18), oem Herr Lt. Gerlach (1. Art.) als dritter und Herr Lt. Schimmelpfennig als vierter folgte. Bei diesem Rennen war ein Reiter mit seinem Pferd gestürzt, glücklicherweise ohne Schaden zu nehmen. — . Es folgte nun ein Jagdrennen für die Offiziere des Kurhessischen Feldartillerie-Regiments Nr. 47 Fulda, äu dem 28 Nennungen vorlagen. In den Sattel Hießen jedoch nur 7 Herren, die das Rennen bei starkem Regen durchführten. Erster wurde Herr L^Mnrer, zweiter Herr Lt. Sorte, dritter Herr Lt. auuc5nn»^ weiter Herr Lt. Martin. Unter Beteili- KtriA^ ^Reitern folgte nun das Landwirtschaft- f)o?te ersten Preis mit 60 Mark
des H?^ Ftchler-Oberhaun, Zweiter wurde ein Pferd Sieglos vi^^brmann-Hattenbach, dritter Herr Loch- Pferd des^Ä^ Herr Vetter-Unterhaun, fünfter ein Sarae^ Peter Wolff-Hersfeld. - Zum erster Srlr^ waren 5 Pferde gesattelt,
er ter wurde Herr Lt. Nehring (I. z. Pf. 6), zweiter
Herr Lt. von Westernhagen (I. z. Pf. 6), dritter Herr Lt. Gerlach (F.-A. 1) und vierter Herr Lt. Hundrich (I. z- Pf. 6). Der Verlauf dieses Rennens bot sehr spannende Momente, die Führung wechselte oft. — Das Landgraf Chlodwig von Hessen-Jagd-Rennen sah 5 Pferde am Start, die in scharfer Konkurrenz um den Sieg kämpften. Dicht nebeneinander liegend durchliefen die Pferde die über 3000 Meter betragende Bahn, und nur mit ganz geringen Unterschieden gingen die drei ersten durchs Ziel. Erster wurde Herr Lt. Nicolai (18. M.), zweiter Herrn W. Papps br. St. Casserole, dritter Herr Lt. Blanchart (F. A. 8) und vierter Herr Lt. Thiele (F. A. 12). — Den Schluß der Rennen bildete das Trost-Jagd-Rennen, zu dem fünf Reiter gesattelt hatten. Als erster ging Herr Oberlt. von Maubeuge durchs Ziel, ihm folgte an zweiter Stelle Herr Lt. Weifenbach, dritter wurde Herr Lt. von Otto und vierter Herr Lt. Leichtenstern. Die starke Beteiligung des diesjährigen Rennens ließ ersehen, daß die Veranstaltungen des Hersfelder Reitervereins immer mehr Beachtung finden, denn nicht nur aus der hiesigen Garnison und denen der nächsten Umgegend sondern sogar aus entfernteren Garnisonen waren die Offiziere in großer Anzahl hierher gekommen. Jedenfalls kann man mit dem Verlaufe sehr zufrieden sein, und manche größere Stadt wird Hersseld um die Abhaltung derartiger gut besetzter Rennen beneiden.
Caffel, 25. Juli. Im Alter von 55 Jahren ist Professor Dr. Beier, erster Kapellmeister am Kgl. Hoftheater in Caffel, nach längerem Leiden heute gestorben.
Caffel, 25. Juli. Aus einem Fenster des dritten Stockes gestürzt ist in der Bardelebenstraße das vierjährige Söhnchen des Eisenbahnarbeiters Sch. Das Kind erlitt eine so schwere Kopfverletzung, daß es alsbald starb.
Caffel, 25. Juli. Wegen Bandendiebstahls verhandelte gestern die Strafkammer 1 gegen 18 junge Leute, zumeist frühere Fürsorgezöglinge, die sich im September v. I. zu einem „Klub" zusammengeschlossen hatten und nun bis zur Weihnachtszeit Caffel durch verwegene Einbruchsdiebstähle in großer Zahl unsicher machten. Es gelang wenigstens in elf Fällen durch ein großes Beweismaterial, einige der Angeklagten so zu überführen, daß ihre Verurteilung erfolgen konnte, obschon sich die Angeklagten sämtlich mit größter Dreistigkeit und einer Unverschämtheit verteidigten, daß der Gerichtshof gegen eine Anzahl mit Ordnungsstrafen von 3 bis 6 Tagen Haft vorgehen mußte, um sie zur Ordnung zu bringen. Das Gericht verurteilte die Hauptanführer der Bande, den Maurer Emil Jckler aus Caffel zu 5 Jahren Zuchthaus und 5 Jahren Ehrverlust, den Schreiner Georg Hämmerich zu 4 Jahren und 3 Monaten Zuchthaus und 5 Jahren Ehrverlust, während die übrigen Angeklagten mit Gefängnisstrafen von 4 Monaten bis zu 4 Jahren davonkamen; nach 15stündiger Verhandlung schloß der Vorsitzende kurz nach 1 Uhr nachts die Sitzung.
Aus der Rhön, 26. Juli. Während eines schweren Unwetters fuhr gestern ein Blitzschlag in die Pfarrkirche im Dorfe Poppenroth und zwar zweimal kurz hintereinander, als Andächtige in dem Gotteshause weilten. Bei dem zweiten Blitzschlag wurde der in einem Betstuhl sitzende Gutsbesitzer und Landwirt Caspar August Schmidt vorn Blitz getroffen und auf der Stelle getötet, mehrere andere Personen, welche sich in der Kirche befanden, wurden auch vom Blitzstrahl gestreift und erlitten Verletzungen.
Dermbach, 25. Juli. Wr die durch die im Rhön- gebiet niedergegangenen Wolkenbruche geschädigten Rhönbewohner soll eine allgemeine Hilfsaktion eins geleitet werden. Da bereits vor einigen Jahren ca. 180 000 Mk. zur Unterstützung verwendet wurden, erwartet man, daß auch diesmal ansehnliche Summen zur Verteilung kommen werden. Wie verlautet, wird auch die meiningensche Staatsregierung Zuschüsse gewähren.
Marburg, 25. Juli. Der Zoologe Geheimer Regierungsrat Professor Dr. Eugen Korschelt wurde zum Rektor der Universität Marburg gewählt.
Eisenach, 24. Juli. In der Nähe des Werrabahn- tunnels ließ sich die 15 Jahre alte Spinnereiarbeiterin Else Urbich vom Meininger Schnellzuge uberfahren und war sofort tot. Der Grund zur Tat soll schlechte Behandlung durch den Vater gewesen sein.
Heiligenstadt, 24. Juli. Die Eröffnung der Bahn Heiligenstadt—Schwebda—Eschwege findet nunmehr bestimmt am 15. August d. J. statt. Die Eisenbahndirektion Caffel gibt bereits den Fahrplan bekannt. Es werden in der Richtung Heiligenstadt-Eschwege und umgekehrt je fünf Personenzüge verkehren. Die Fahrzeit der 31 Kilometer langen Strecke beträgt l3/< bis
2 Stunden, da auf den drei Zahnradstrecken die Bahn nur mit 7V2 Kilometer Geschwindigkeit in der Stunde fahren kann.
Die Schadenbrände in Prenben 1911.
Wohltätig ist, so belehrt uns Schiller, des Feuers Macht nur dann, wenn sie der Mensch bezähmt, bewacht. Wo es an dieser Wachsamkeit aber fehlt, wo gewissenlose Hände dem Nächsten die Brandfackel ins Haus werfen oder wo höhere Gewalt, z. B. Blitzschlag die Feuerflamme aufflackern läßt, da kann unberechenbarer Schaden entstehen. So haben allein in Preußen im Jahre 1911, wie die Zeitschrift des Königlich Preußischen statistischen Landesamts im vierundfünf- zigsten Jahrgang (1914) berichtet, einen Gesamtschaden von 140 764 812 Mk. verursacht. Wir verzeichneten im Jahre 1911 in Preußen 18 844 Vollbrände mit 129 072 755 Mk. Schaden, 8257 Jmmobilienbrände mit 5 717192 Mk. Schaden und 88 415 Mobiliarbrände mit 5 974 845 Mk. Schaden, insgesamt also 114 716 Brände mit dem schon oben angegebenen Gesamtschaden von 140 764 812 Mk. Geht man auf die Statistik näher ein, so findet man, wie auch in früheren Jahren, bei Auszählung der Brände nach Anzahl und Schadenbetragsgruppen, daß die sogenannten „Bagatellschäden" von 3 bis 25 Mk. zwar weitaus deu größeren Teil, nämlich 62 795 oder 54,7 v. H. der Gesamtzahl der Schadenbrände umfassen, jedoch nur einen äußerst geringen Betrag, nämlich 790 027 Mk. oder 0,6 v. H. des Gesamtschadens in sich begreifen. Die beiden folgenden Schadenklassen von 26—50 und von 51—100 Mk. umfassen 28 355 oder 24,7 v. H. der Fälle, aber nur 1 v. H. (1416834 Mk.) des Gesamtschadens. Erst bei den größeren Schadenklassen von über 1000—8000 Mk. ergeben sich bedeutendere Schadenziffern, wie aus folgenden Zahlen hervorgeht: Die Gruppe 1001—8000 Mk. zählte 3962 Brände (3,5 v. H.) und einen Gesamtschaden von 7516604 Mk. (5,3 v. H.), die nächste Gruppe von 8001—6000 Mk. weist 2926 Brände (2,6 v. H.) nnd einen Schaden von 12 783 230 Mk. (9,1 v. H.) auf, Gruppe 6001—10 000 Mk. hatte 1853 Brände (1,6 v. H.) und einen Schaden von 14 494 387 Mk. (10,8 v. H.), am größten war der Gesamtschadenbetrag in der Gruppe 10001—20 000 Mk. bei 1673 (1,5 v. H.) Bränden, nämlich 16,7 v. H. oder 23 573 845 Mk. Dieser Gruppe kommt hinsichtlich des Schadenbetrages die höchste Gruppe (über 150000 Mk.) sehr nahe, denn der Gesamtschadenbetrag bezifferte sich auf 22897416 Mk. (16,3 v. H.) bei nur 74 (0,1 v. H.) Bränden. In den beiden Gruppen 50000—75000 Mk. und 75 000—100 000 Mk. waren ebenso wie in der höchsten Gruppe keine Mobiliarbrände zu verzeichnen, wohl aber 255 Voll- und 11 Jmmobiliar-, also 266 (3 v. H.) Brände mit dem hohen Gesamtschaden von 18 212 683 Mk. (12,9 v. H.). Bei Gruppe 20 000—30 000 Mk. find 599 (0,5 v. H.) Brände mit einem Gesamtschaden von 10,4 v. H. das sind 14641356 Mk., bei Gruppe 30 000-40000 Mk. 256 (0,2 v. H.) Brände und8 792161 Mk. (6,3 v. H.) Schaden, bei Gruppe 40 000—50 000 endlich 132 (0,1 v. H.) Brände und 5 871725 Mk., (4,2 v. H.) Schaden. Liest man diese Ziffern in den höheren Gruppen, so nimmt es einen nicht wunder, daß auf die 2,7 v. H. der Schadenbrände (zusammen 3049) in diesen Gruppen ein Gesamtschadenbetrag von rund 100 Millionen Mark (genau 99 895 417 Mk.) oder 71,0 v. H. entfällt. Damit verblieben für die Gruppen bis zu 10000 Mk. einschließlich nur 29 v. H. des Gesamtschadens (oder 40 869 395 Mk.), aber 111667 (97,3 v. H.) Brände. In der sehr übersichtlichen amtlichen Stätistik sind leider keine Angaben über die Ursachen der Brände enthalten. Es wäre aber sehr interessant zu erfahren, welche Brände auf Unachtsamkeit oder Fahrlässigkeit, vorsätzliche oder fahrlässige Brandstiftung oder auf höhere Gewalt (z. B. Blitzschlag usw.) zurückzuführen sind. Wir verkennen keineswegs die Schwierigkeiten, die sich der Herstellung einer solchen Statistik entgegenstellen, da wohl die notwendigen einwandfreien Unterlagen fehlen, wenn sie auch von den Feuerwehren und den Versicherungsgesellschaften zum Teil geliefert werden könnten. Aber auch so ist die Herausgabe der amtlichen Statistik über die Brandschäden äußerst dankenswert, denn die Bevölkerung wird dadurch immer wieder über die großen Schäden unterrichtet, die durch Brand entstehen, und erhält dadurch eine stumme und doch beredte Warnung zur Vorsicht. Und das erscheint sehr notwendig, denn die große Anzahl der Kleinfeuer (54,7 v. H.) läßt mit Recht den Schluß ziehen, das noch allzuviel Menschen bet Behandlung des Feuers eine unglaubliche Sorglosigkeit, Unvorsichtigkeit und Leichtfertigkeit an den Tag legen und dadurch viel Unglück und Schaden verursachen.
Wetteraussichten für Dienstag den 28. Juli.
Wechselnd bewölkt, zeitweise Regenschauer, kühler, auffrischende westliche Winde.