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Hersfelder Tageblatt

Amtlicher Anzeiger

Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 1.50 Mark, durch die Post be­zogen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei Hersfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld.

Herrkeldtt

für den Kreis Hersfeld

ÄrtisJfolt

Der Anzeigenpreis beträgt für die einspaltige Zeile 10 Pfennig, im amtlichen Teile 20 Pfennig, Reklamen die Zelle 25 Pfg. Bei Wieder­holungen wird Rabatt gewährt. Erscheint jeden Werktag nachmittags.

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Zernsprech-^lnschlutz Nr. 8 ,

Nr. 177. Freitag, den »1. Juli ~ " 1S14

Der heutigen Nummer liegt ein Amtlicher Anzeiger bei.

Bus der Heimat«

* Die Sparkassen in Kur Hessen. Der Nachweisung über den Geschäftsbetrieb und die Ergeb­nisse der Sparkassen im Regierungsbezirk Cassel für das Rechnungsjahr 1913 entnehmen wir folgendes: Zahl der Sparkassen 36, Filial- oder Nebenkassen 3, Sammel- oder Annahmestellen 2, Verkaufsstellen von Sparmarken 9, an Sparkassenbüchern wurden im Laufe des Jahres ausgegeben 24 469, zurückgenommen 18 201 Stück, am Jahresschluß befanden sich im Umlauf mit Einlagen überhaupt 231612, darunter gesperrte Spar­kassenbücher 2309, Betrag der Einlagen am Schlüsse des Rechnungsvorjahres M. 174 485 042,24, Zuwachs während des Rechnungsjahres durch Zuschreibung von Zinsen M. 5 917 801,24, durch Neuanlagen M. 88 990 607,59, Betrag der Rückzahlungen im Rechnungsjahre M. 39217511,46, Betrag der Einlagen am Schlüsse des abgelaufenen Rechnungsjahres M. 180175 939,61, Betrag des Reservefonds, wie er am Schlüsse des Rechnungs­jahres zu Buche stand, M. 8716119,53, aus dem Reservefonds bezw. den Ueberschüssen der Rechnungs­vorjahre sind zu öffentlichen Zwecken verwendet seit dem Bestehen der Kassen M. 6 078 224,65, im letzten Rechnungsjahre M. 202 289,50, Betrag des eigenen Vermögens der Kassen M. 18086,95, Betrag der Zinseinnahmen M. 7 623 215,79, Zinsausgaben M. 6 314 589,34, Zinsüberschüsse M. 1308 626,45, Betrag der Verwaltungskosten der Sparkassen im Rechnungs­jahre M. 336 581,22, von dem Vermögen der Sparkassen sind zinsbar angelegt M. 61381136,46, dabei in Schuldverschreibungen (Nennwert) des deutschen Reiches M. 2 921366, Preußen M. 16123 863, Betrag des baren Kassenbestandes in allen Abteilungen der Sparkassen am Schlüsse des Rechnungsjahres M. 3 225198,78. Rechnet man dann noch die 3 Landgemeinde-, die 17 Kreis- und die 9 Vereins- und Privatsparkassen hinzu, so stellen sich die Einlagen auf insgesamt 283 056 803,83 M. und der bare Kassenbestand auf M. 8283418,81.

* (Der Saaten st and imRegierungsbe- zir k Cassel.) Die derzeitigen Durchschnittsnoten für sämtliche Fruchtarten, wie sie durch die landwirt­schaftlichen Vertrauensmänner abgegeben worden sind, lauten für den Regierungsbezirk Cassel gut-mittel bis Mittel. Schlechtere Durchschnittsnoten wie Mittel sind zurzeit nicht zu verzeichnen. Für den gesamten Staat lauten die Durchschnittsnoten etwas besser.

* Die Oberförsterste lle Niedera ula im Regierungsbezirk Cassel ist zum 1. Dezember 1914 zu besetzen.

(Keine Portoermäßigung bei Postan - Weisungen.) In einer Eingabe an das Reichs­postamt hatten die Aeltesten der Kaufmannschaft von Berlin die Einführung eines Portosatzes von zehn Pfennig für Postanweisungen bis zehn Mark befür­wortet. Der Staatssekretär des Reichspostamts hat hierauf mitgeteilt, daß diese Frage bereits wiederholt eingehend geprüft worden sei, und daß er nach dem Ergebnis dieser Prüfung bedauere, dem Anträge nach Lage der in Betracht zu ziehenden Verhältnisse nicht entsprechen zu können.

* (Wetterregeln für den August.) Der Landmann neigt der Annahme zu, daß Hitze zu An­fang des Monats meistens einen kalten, langen und schneereichen Winter verheißt. Besonders für den 4. August, denDominikustag", gilt die Regel:Viel Hitze um Dominikus ein strenger Winter folgen muß." OderJst's in der ersten Augustwoche heiß so bleibt der Winter lange weiß." Viel Be­deutung hat das Augustwetter für die edelste Frucht, die Traube. Kaltes, regnerisches Augustwetter ver­hindert Saft- und Zuckerbildung, während warme, sonnige Tage für ein volles Ausreisen der Weinbeeren sorgen. Darum sagt der Winzer:Im August viel Regen ist dem Wein kein Segen" oderLorenz (24. August) muß rein sein soll guter Wein sein", auch:Ist Lorenz ohne Feuer gibt schlechten Wein es heuer".

):( Hersfeld, 30. Juli. Gestern nachmittag wurde der bereits seit September v. Js. verschwundene Postschaffner Hälgans im Walde am Giegenberg vollständig verweste Leiche aufgefunden. Der M'.laa abseits vom Rumpfe und war bis zur Un- ^"ckichkeit entstellt. Nur an der Uniformkleidung w man die Persönlichkeit des Toten feststellen. "Landung der Leiche geschah durch den Feld- Stephan, der zufällig im Walde auf die Mütze und der Spur nachgehend in einem dichten ^.annendrckicht den Toten fand.

M Hersfeld, 30. Juli. Die Erwartung über die

Gestaltung der politischen Lage steigert sich mit jedem Tage auch in unserer Bevölkerung bis zu einer gewissen Erregung. Gestern liefen wieder die verschiedensten Gerüchte in der Stadt um, wie von der Ermordung des deutschen Gesandten in Belgrad u. a., ohne daß man feststellen konnte, wo diese falschen Gerüchte herrührten. Die Extrablätter sind jetzt die begehrtesten Artikel und von morgen bis in den späten Abend hinein findet vor unserer Geschäftsstelle ein reger Verkehr statt, so daß Extraausgaben stets im Nu vergriffen sind. Um nun eine unnötige Auf­regung des Publikums in Zukunft zu vermeiden, werden wir von jetzt ab nur noch wichtige und vor allen Dingen auch beglaubigte Nachrichten als Extrablätter ausgeben.

):( Hersfeld, 30. Juli. Ein mit Holz beladener Wagen, dessen Pferde unruhig wurden, zertrüm­merte in der Weinstraße ein Schaufenster von Kaisers Kaffeegeschäft.

Ronshausen, 28. Juli. Auf dem Heimwege stürzte der Arbeiter K. durch einen Fehltritt in den durch Gewitterregen stark angeschwollenen Dorfbach und ertrank.

Cassel, 28. Juli. Wie aus Wiesbaden berichtet wird, hat sich der Oberpräsident der Provinz Hessen- Nassau Hengstenberg mit der Witwe des vor zwei Jahren verstorbenen russischen Großindustriellen Küster verlobt. Exzellenz Hengstenberg, der seit 1907 an der Spitze unserer Provinz steht, vollendete am 24. November sein 60. Lebensjahr. Er entstammt einer alten Theologenfamilie.

Cassel, 29. Juli. Der Bezirksverband teilt im Amtsblatt die Rechnungsal^age für das Landarmen- und Korrigendenwesen im Bezirksverband des Re­gierungsbezirks Cassel für das Rechnungsjahr 1913 mit. Für das Armenwesen schließt die Summe ab mit 535 476,25 Mk. und für das Korrigendenwesen mit 80 762,65 Mk.

Fulda, 28. Juli. DieReisevereinigung Fulda- tal" der Militär-Brieftauben-Ltebhaber-Vereine ver- anstaltete am letzten Sonntag einen Preiswettflug mit alten Tauben ab Luckenwalde, 300 Kilometer Luftlinie. Von den einzelnen Vereinen setzten Hers­feld (Klub) 33, Hersfeld (Kriegspost) 53, Günthers (Rhön) 20, Oberufhausen 29, Fulda 25, Florenberg 19, Horas 14 und Neuhof 60 Tauben. Insgesamt gingen 258 Tauben Sonnabend nachmittag nach ihren Be­stimmungsort. Am Sonntag früh 7,45 Uhr bei trübem Wetter und starkem Westwind erfolgte der Auslaß. Durch die fast auf dem ganzen Flugwege herrschenden zeitweiligen Gewitterregen und den heftigen West­wind wurde der Flug sehr beeintächtigt und die Tiere größtenteils verschlagen. Bis Sonntag abend 6 Uhr waren erst 10% der gesetzten Tauben zurück. Die Kontrolluhren der oben angegebenen Vereine wurden erst heute, Montag, abend im Einsatzlokal Fulda ge­öffnet und die Ankunftszeiten festgestellt. Bei Hers­feld (Klub) traf die erste Taube ein um 5,16 Uhr nachm., Hersfeld (Kriegspost) 3,43 Uhr.

Eschwege, 28. Juli. Schon wieder hat Eschwege einen schweren Verlust erlitten. Sein Stadtverord­netenvorsteher Fabrikant Hartmann Calenberg hat sich heute in später Nachmittagsstunde aus bis jetzt unbekannter Ursache erschossen. Der Tote, eine all­gemein hochgeachtete Persönlichkeit, hat ein Alter von 49 Jahren erreicht. Er lebte in recht guten Verhält­nissen und hinterläßt Frau und drei Kinder.

Schmalkalden, 27. Juli. In Oberschönau spielte der 13jährige Oskar Bickel mit einem Browning. Die Waffe ging los und der Schuß ging dem Jungen durch den Hals und zerriß die Schlagader. Der sofort her­beigerufene Arzt konnte nur den Tod feststellen.

Bleicherode, 29. Juli. Ein schweres Bergwerks­unglück, dem zwölf Bergleute zum Opfer fielen, hat sich wie bereits gemeldet, in der vergangenen Nacht auf dem KalibergwerkCraja II" ereignet. Das Un­glück ereignete sich nachts Val Uhr auf dem in der Abteufe stehenden Schacht, und zwar infolge einer Dynamitexplosion. Ein Steiger und zehn Mann wurden dabei getötet und ein Bergmann schwer ver­letzt. Die meisten der Opfer sind aus der Umgegend von Craja, aus Lipprechterode und Wülfingerode. Die Direktion des Kaliwerks teilt mit, daß sie bisher noch nicht hat feststellen können, auf welche Art das Unglück entstanden ist. Erst die nähere Untersuchung werde Klarheit schaffen können. Wie weiter mitge­teilt wird, erfolgte die Explosion in einem engen Loche, in dem achtzig Pfund Dynamit lagerten. Die Explosion war von furchtbarer Gewalt, und die elf Leute, die ihr zum Opfer fielen, müssen sofort tot ge­wesen sein. Ihre Leichen, die noch im Laufe der Nacht und heute früh zutage gebracht wurden, find schrecklich verbrannt. Der schwerverletzte Bergmann wurde nach dem Krankenhause in Bleicherode gebracht.

Es besteht keine Hoffnung, ihn am Leben zu erhalten' Die Nachricht von der Explosion rief in der Umgeb­ung des Schachtes große Erregung hervor. Frauen und Kinder umstehen den Eingang des Schachtes. Es spielen sich herzzerreißende Szenen ab. Die amtliche Untersuchung über die Ursache des Unglücks ist sofort eingeleitet worden. Von der in Betracht kommenden Bergbehörde reiste heute eine Kommission nach Bleichervde ab. Die Opfer der Katastrophe waren zum größten Teil verheiratet und zum Teil Väter noch unmündiger Kinder. Die Grubenverwaltung hat Sorge dafür getragen, daß den Familien aus­reichend Unterstützungen zuteil werden. Die Leichen sind in der großen Arbeiterhalle des Schachtes auf- gebahrt.

Ebersdorf (Reuß), 29. Juli. Aus dem hiesigen Schützenfest wollten die Böllerschüsse, die den Beginn des Schützenfestes verkünden sollten, nicht losgehen. Um die Ursache zu ergründen und die Ladung zur Explosion zu bringen beugte sich der Kanonier vor den Lauf des Rohres und sah hinein. In diesem Augen­blick ging der Schuß los und zerschmetterte dem Schützen eine Gesichtshälfte. Der Verunglückte mußte der Jenaer Klinik zugeführt werden.

Saalseld, 29. Juli. Bisher haben sich 60 Bewerber für den Posten des ersten Bürgermeisters der hiesigen Stadt gemeldet.

Vaterländische Begeisterung.

Wer mit offenen Augen durch die Welt geht und zu lernen sucht, wo es etwas zu lernen gibt, der hat in diesen Tagen, ^^ die Kriegsfanfaren durch ganz Europa schallen, manche interessante und wertvolle Beobachtung machen können. Schon ein Vergleich der Volksstimmung bei den beiden Hauptbeteiltgten im Augenblick, da die Gefahr eines Krieges in greifbare Nähe gerückt war, ist der Beachtung wert. In Serbien zunächst lautes Säbelgerassel, herausfordernde Rufe: Nieder mit Oesterreich!", dann blasse Furcht und panikartige Flucht aus der Hauotstadt, während der städtische Mob den Augenblick der Verwirrung für geeignet hält, um sich aufzulehnen gegen Zucht und Ordnung und zu rauben und zu plündern. Dagegen in Oesterreich-Ungarn feierlicher Ernst in der Stunde der Gefahr, Friedensschluß unter den sich seit Jahren bekämpfenden Parteien im ungarischen Parlament, Emporflammen der vaterländischen Begeisterung, nicht in lärmenden Demonstrationen, sondern in würdigen, dem Ernst der Stunde entsprechenden Kundgebungen unwandelbarer Treue zum angestammten Herrscher- Hause und unerschütterlichen Vertrauens zu den maßgebenden Autoritäten im Staate und dem das Vaterland schützenden und verteidigenden Heere.

Auch bei uns im deutschen Vaterlande und insbesondere in der Hauptstadt des Landes entrollt sich ein Bild, wert in der Erinnerung dauernd fest­gehalten zu werden. Einmütig und offen bekennt das gesamte Bürgertum, daß es auf der Seite des österreichischen Bundesgenossen steht. Einem inneren Impulse folgend, strömen die Scharen in musterhafter Ordnung zu den Stätten vaterländischen Gedenkens, legen mit feierlichem Ernst an den Stufen des Denkmals des großen Einigers Deutschlands, des unvergeßlichen Kaisers Wilhelm und vor dem Denk­mal Otto von Bismarcks, ein aus vollem Herzen kommendes Gelöbnis der Treue zu Kaiser und Reich ab. Nur jene gewissenlosen Volksaufwiegler und Volksverhetzer, jene Führer der vaterlandslosen Sozialdemokratie, stehen, wie einst im Jahre des großen Einheitskampfes abseits des geschlossen zusammen­stehenden Bürgertums und halten den feierlich-ernsten Augenblick für geeignet, um hochverräterische Reden und Aufrufe an das Volk zu richten, allerdings, ohne bei allen vaterländisch empfindenden Volksgenossen, einschließlich des größten Teiles der deutschen Arbeiterschaft, irgend welchen Widerhall zu findeu.

Wir wissen nicht, was der Lenker aller Dinge beschlossen hat, ob noch einmal bessere Einsicht die Völker Europas vor männermordendem Kampfe bewahren wird, oder ob ein allgemeiner europäischer Krieg uns an die Seite unseres Bundesgenossen rufen wird, aber eins haben wir in dieser ernsten Stunde gelernt, daß der alte vaterländische Geist, der uns so oft in ernster Stunde zusammenschweißte und klein­lichen Hader und kleinliche Sorge vergeffen ließ, auch heut unser ganzes Volk beseelt. Wenn es die Pflicht erfordert und der König und Kaiser uns ruft, dann wird es wieder heißen, wie einst vor hundert und vor vierundvierzig Jahren: Der König rief, und alle, alle kamen.

Wetteraussichten für Freitag den 81. Juli.

Wolkig, meist trocken, wenig wärmer, nordwestliche bis nördliche Winde.