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Hersfelder Tageblatt

Amtlicher Anzeiger ^A^ für den Kreis Hersfeld

HersWer Kreisblatt

Der Anzeigenpreis beträgt für die einspaltige Zeile 10 Pfennig, im amtlichen Teile 20 Pfennig, Reklamen die Zeile 25 Pfg. Bei Wieder­holungen wird Rabatt gewährt. Erscheint jeden Werktag nachmittags.

Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 1.50 Mark, durch die Post be­zogen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei Hersfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld.

Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage"

§ernsprech-5lnschlutz Nr. 8

Nr. 188,

Donnerstag, den 13. August

1914.

Bus der Heimat«

* (Sammlungen für die Freiwillige Krankenpflege.) Eine Bekanntmachung des Kaiserlichen Kommissars und Militärinspekteurs der freiwilligen Krankenpflege, Fürsten Friedrich zu Solms-Baruth, lautet:An Ost- und Westgrenze wie zur See haben die Feindseligkeiten begonnen. Noch kurze Frist und unsere gesamte Kriegsmacht steht in ernstem, schwerem, gewaltigem Kampfe. Während Heer und Flotte Blut und Leben einsetzen für das Vaterland, wird unsere ganze Nation wie in der ruhmreichen Zeit von 1870/71 bereit sein, den Verwundeten und Kranken durch Werke warmherziger Nächstenliebe Schmerzen nnd Leiden zu lindern und den unter schweren Mühsalen sümpfenden Truppen durch Beweise treuer Fürsorge Kraft und Freudigkeit zu erhalten. Um den hierfür gern gebrachten Opfern eine einheitliche und wirklich nutzbringende Ver­wendung zu sichern, bitte ich: 1. alle Materialgaben, sowohl die von Vereinen wie die von einzelnen Gebern gespendeten, den Sammelstellen der Ver­einigungen vom Roten Kreuz und der Ritterorden znzuführen, von welchen sie gesammelt an die in jedem Armeekorpsbezirk am Sitze des stellvertretenden Generalkommandos errichteten Abnahmestellen für freiwillige Gaben weiter gesandt werden; 2. alle Geldsammlungen zum Besten der bewaffneten Macht, sowie die für die Familien der Einberufenen be­stimmten den Geldsammelstellen dieser Vereinigungen zu überweisen."

* (Begeisterte Jugend.) Von der Begeiste­rung unserer Jugend für deu heiligen Krieg ist in unserem Blatte schon des öfteren die Rede gewesen und immer wieder werden sie den Leser mit Stolz auf unsere Heranwachsende Jugend erfüllt haben. Gestern ging dem Schreiber dieser Zeilen die Postkarte eines Freundes zu, worin dieser mit dem rührenden Stolze eines freudig bewegten Vaters schrieb:Mann­heim, 7. August 1914. Mein lieber Josef, 15 Jahre alt, ist seit Montag Mittag in Rastatt als Kriegs­freiwilliger. Will kämpfen für Kaiser, Vaterland und Volk! So lange unsere deutschen Jünglinge und deren Väter und Mütter noch so durchglüht sind von der heiligen Flamme treuer und hingebender Vater­landsliebe, so lange jeder Tropfen deutschen Herzblutes dem Vaterlande gehört, haben wir keinen Grund zur Verzagtheit.

*(DasdeutscheKriegs gebet.) Der Kaiser hat den Evangelischen Oberkirchenrat ermächtigt, anzu- ordnen, daß vom nächsten Sonntag ab in allen öffent­lichen Gottesdiensten während der Dauer des Krieges bei der Liturgie in das allgemeine Kirchengebet folgendes Gebet eingeführt werde:Allmächtiger, barmherziger Gott! Herr der Heerscharen! Wir bitten Dich in Demut um Deinen allmächtigen Bei­stand für unser deutsches Vaterland. Segne die ge- lamte deutsche Kriegsmacht, führe uns zum Sieg, und gib uns Gnade, daß wir auch gegen unsere Feinde uns als Christen erweisen. Laß uns bald zu einem die Ehre und die Unabhängigkeit Deutschlands dauernd verbürgenden Frieden gelangen!"

* (Hebt Zeitungen und Extrablätter auf! Es ist verkehrt, die Zeitungen, die während der Dauer des Krieges erscheinen, fortzuwerfen. Man lammte sorgfältig alle Nummern und Extrablätter unserer Zeitung und man wird für spätere Zeiten eine genaue Geschichte der jetzigen großen Zeit in Handen haben. Wie mancher hat es nicht schon be­dauert, sich der Zeitungen und Druckschriften aus den Jahren 187071 entäußert zu haben. Ist das Zeitungspapier auch nicht für die Ewigkeit geschaffen, w kann man doch einen Zeitungsband, vorausgesetzt, daß der Einband dauerhaft gearbeitet ist, bei sorg­fältiger Aufbewahrung Generationen hindurch erhalten.

* (Kindermund tut Wahrheit fund) Eine Leserin desFranks. General-Anz." teilt mit,

sich in ihrem Bekanntenkreise ein hübsches Ge- Ichlchtchen zutrug. Es dürfte geeignet sein, in manches Auge Tränen, aber auch in manches deutsche Herz ^ohliche Zuversicht auf den Sieg unserer gerechten f-ache zu rufen: Die Mutter badete ihre Kinder und wemte dabei. Hans, der Aelteste, frug:Mutter, weinst Du denn?"Ach, Kinder," antwortete die Mutter,unser Vater muß nun in den Krieg

Hans und sein Schwesterlein schluchzten ckun ^!"Erlrch, ebenso die Mutter. Da richtete sich Kurt, Fünfjährige, der gerade in der Badewanne saß, empor, ballte die kleinen, derben Fäuste, und rief in unverfälschtem Leipziger Dialekt:Was heilt ihr denn unser Vater siegt doch!" Möchte Gott geben, die Zuversicht des kleinen Kinderherzens nicht getauscht wird, und daß der holde Kindermund Prophetenwort gesprochen hat!

* (Auszeichnung für langjährige treue Dienste!) Die Kaiserin hat die Witwe Bertine Twele, die 47 Jahre ununterbrochen in Diensten der Familie Schnell in Cassel und Volkmarshausen steht, durch Verleihung des goldenen Ehrenkreuzes mit Diplom ausgezeichnet. Auch der Ehemann der also Geehrten war über vierzig Jahre bei der Firma Schnell tätig. Seine Tätigkeit wurde nur durch die Teilnahme am Feldzuge 1870 71 unterbrochen. Die Auszeichnung wurde Frau Twele am Sonnabend im Kreise der Familie Schnell überreicht, von einer besonderen Feier wurde mit Rücksicht auf die ernsten Zeitverhältnisse abgesehen.

* (Eine Warnung des R e i ch s m a r i n e - amts an die Presse.) Reichsmarineamt und Admiralstab der Marine geben folgendes bekannt: Trotz des Erlasses des Herrn Reichskanzlers vom 31. Juli d. I., durch den die Veröffentlichung von Nach­richten über Verteidigungsmittel ohne amtliche Ge­nehmigung untersagt ist, und trotz aller Hinweise im Merkblatt für die Presse haben einzelne Zeitungen ausführliche, zum Teil vergleichende Angaben über Aufenthalt und Bewegung von Kriegsschiffen, über die Zusammensetzung von Schiffsverbänden über unsere Waffen, über ihre Leistungsfähigkeit u. a. m. gebracht; Gerüchte über Seeschlachten, deutsche Schiffs­verluste und Unfälle haben Eingang in die Presse ge­funden. Die gesamte deutsche Presse wird im vater­ländischen Interesse nochmals eindringlichst ersucht, nur amtlich veröffentlichte Nachrichten wiederzugeben, sich hierbei genau an den amtlichen Wortlaut zu halten und sensationelle Ausschmückungen zu vermeiden. Es wir ausdrücklich darauf hingewiesen, daß entsprechend dem obigen Erlaß im Kriegszustande auch solche Sachen nicht veröffentlicht werden dürfen, die Büchern und anderen Publikationen entstammen und in Friedens­zeiten unbedenkliche Verbreitung finden konnten. Ins­besondere ist auch die Erwähnung der Verwendung und der Bewegungen von deutschen Handelsschiffen streng untersagt. ^Das Nachrichtenbüro des Neichs- marineamts steht jederzeit bereitwillig zur Begut­achtung beabsichtigter Veröffentlichungen der ge­samten Presse zur Verfügung.

§ Hersfeld, 12. August. P r i v a t e i g e u t u m im Landkrieg. Nach völkerrechtlichen Grundsätzen ist im Landkrieg das Privateigentum von Angehörigen eines feindlichen Staates unverletzlich. Die in Deutsch­land weilenden Fremden dürfen also, auch wenn sie einem feindlichen Staate angehören, in dem friedlichen Besitz ihres Eigentums nicht gestört werden. Zum Privateigentum gehören auch ausstehende Forderungen, eine Beschlagnahme solcher Forderungen von Reichs wegen ist daher selbstverständlich ausgeschlossen.

§ Hersfeld, 12. August. (Kriegsdienst und E i n k o m m e n st e u e r.) Eine Verfügung des Kriegs­ministers im Armeeverordnungsblatt betrifft die Ein­stellung der Erhebung der Einkommensteuer von den­jenigen Personen, die zu einem in der Kriegsformation befindlichen Teile des Heeres gehören. Diese Ver­fügung lautet: Nach § 5 Nr. 3 des Einkommensteuer­gesetzes vom 19. Juni 1906 ist von der Besteuerung ausgeschlossen: während der Zugehörigkeit zu einem in der Kriegsformation befindlichen Teile des Heeres das Militäreinkommen aller Angehörigen des aktiven Heeres. In der Kriegsformation befinden sich nicht nur die in das Feld rückenden Teile (Feldheer), sondern auch die übrigen Teile der Armee (Besatzungsheer), gleichviel, ob letztere mobil oder immobil sind. Die Abgangstellung erfolgt von dem Ersten des Monats, in dem die Kriegssormation bezw. dte Zugehörigkeit zu dem betreffenden Truppenteil usw. eingetreten ist. Eines ausdrücklichen Antrages auf Abgangstellung bei dem Gemeinde- (Guts-) Vorstand bedarf es nach Artikel 87 Ziffer 1 der Ausführungsanweisung vom 25. Juli 1906 nicht.

Bebra, 9. August. Heute morgen wurde der Lokomotivführer K. vermißt. Man fand bald seine Leiche in der Fulda. Ob ein Unglucksfall vorliegt oder ob K., der in letzter Zeit leidend war, den Tod gesucht hat, ist nicht aufgeklärt.

Cassel, 10. August.Vorwärts an den Feind!" Der Kommandierende General des 11. Armeekorps hat folgenden Korpsbefehl erlassen: Ohne Kriegs­erklärung sind die Wen und Franzosen in deutsches Land eingesallen. England hat sich an ihre Seite gestellt. Unser geliebtes Vaterland ist in Gefahr. Es erwartet Schutz von uns, seiner wehrfähigen Mann­schaft. Wir übernehmen ihn freudig, im Vertrauen auf Gott und im Hinblick auf die Taten unserer Väter. Sie haben in schwerem Kämpfe das deutsche Reich geschaffen, wir werden seinen Bestand sichern. Hessen und Thüringer haben nie zuruckgestanden, wo es galt, den Feind zu schlagen. Eure Zahnen haben ehrenvoll und stolz auf den Schlachtfeldern von Wörth und Sedan geweht und sind ruhmbedeckt aus den blutigen Kämpfen an der Loire getragen worden. Wir geloben,

es den Vätern gleich zu tun. Und nun vorwärts au den Feind, koste es, was es wolle. Gott wird mit uns sein! von Plüskow, Kommandierender General."

Oberursel, 10. August. Als der hiesige Arzt Dr. Heinrich abends 10 Uhr noch einen Patienten an der Oberhöchstadter Straße besuchen wollte, durchsuhr er, trotz mehrfachen Anrufs, die an der Post aufgestellten Wachtposten. Da diese in der Dunkelheit und bei dem starken Regenwetter den Arzt nicht kannten, gaben sie vorschriftsmäßig auf die Räder des Autos Schüsse ab, wobei ein Schuß Herru Dr. Heinrich in den Ober­schenkel traf. Dr. Heinrich wurde uach Frankfurt in das Marienkrankenhaus gebracht, wo die Kugel entfernt wurde. Sein Befinden gibt zu Besorgnissen keinen Anlaß.

Neustadt (Kr. Kirchhain), 10. August. Im nahen Wahlen ist der bereits 67 Jahre alte pensionierte Förster Simon mit hinaus gegen den Feind gezogen.

Coburg, 7. August. Die Großfürstin Kirill von Rußland spendete für das Coburger Rote Kreuz 300 Mark. Rußland spendete für das Coburger Rote Kreuz 3000 Mark.

Coburg, 8. August. Ein wackerer Bäckermeister in Coburg machte bekannt:Arme Reservistenfrauen, die Mütter von zwei und mehr Kindern sind, werden gebeten, sich bis auf weiteres wöchentlich zwei Pakete Kindernährzwieback unentgeltlich abholen zu wollen."

Fulda, 8. August. In verflossener Nacht trafen auf hiesigem Bahnhof etwa 70 gefangene Franzosen ein, die sofort weiter transportiert wurden, um in einer preußischen Festung untergebracht zu werden.

Ein' feite Burg ist unser Gott.

Die Begeisterung, mit welcher der Deutsche Reichs­tag sämtliche Kriegsvorlagen einmütig in drei Lesungen annahm und als Gesetze verabschiedete, war durch den ernsten Untertan fester Entschlossenheit harmonisch verklärt. Kaiser und Volk Hand in Hand. Das ganze Deutschland einig und stark, bereit, den Feinden ringsum die Spitze zu bieten. Dieser feste Wille ist noch fester geworden, als die dritte der Entente-Mächte in jenem kalten Selbstbewußtsein und jener Schnellig­keit des Handelns, die das britische Volk stets zu zeigen pflegt, wenn sein Krämersinn am billigsten auf seine Rechnung zu kommen glaubt, den Krieg erklärte. Weder seine nationale Ehre, noch seiner Weltmacht Bestand ist gefährdet. Aber des deutschen Michels steigender Wettbewerb auf dem Weltmarke kann von dem schnöden Neide unserer Vettern jenseits der Nordsee nicht verwunden werden. Rußland, Frankreich wenigstens folgen neben anderen Stimmen auch gewissen, wenn auch übertriebenen nationalen Gründen. England aber gibt einzig und allein brutaler Mißgunst nach. Das Volk, das tn der einen Hand die Bibel, in der anderen das Opiumgift und andere einträgliche Waren hält, schickt gegen uns seine Riesenflotte. Der Krieg gegen drei Fronten, den wir schon lange voraussahen, auf den wir so lange schon uns vorberetteten, der Krieg um Sein oder Nichtsein ist entbrannt und mit ihm jener heilige Zorn, jene unbeugsame Energie, wie sie nur dem deutschen Volke eigen ist.

Gegen Frankreich, den unversönlichen Erbfeind, braust nun der kampfeslustige Ruf wie Donnerhall, gegen England das Flaggenlied, das nur ein eisernes Entweder oder: Sieg oder Tod kennt, gegen Ruß­lands Heimtücke scheint der furvr teutonieus noch nicht das rechte Kampflied gefunden zu haben, denn noch zittert in aller deutschen Herzen die Erinnerung an die Freundestreue Alexanders des Zweiten nach, des Bauernbefreiers, dem sein eigenes Volk die Herrschertugenden mit Bomben lohnte. Aber das deutsche Nationallied gegen drei Fronten braucht weder gedichtet noch komponiert zu werden. Hoffmanns von Fallersleben:Deutschland, Deutschland über alles" in ergreifender Schlichtheit muß jetzt unser Schutz- und Trutzlied werden. Und wenn der Mensch­heit ganzer Jammer uns anfaßt, wenn das Meer von Blut und Tränen, durch das wir hindurch müssen, nicht abebben will, dann dringt aus dem Innersten deutscher Herzen das alte trotzige, urwüchsige, unver­wüstliche Lied: Ein' feste Burg ist unser Gott. Am Kriegsbettag erklang es so vertrauend, so zornig, so drohend; im Kriege wird es vor der Schlacht den Segen des Allmächtigen herabbeten, herabringen auf die deutschen Waffen und so lange ein Schrecken der zahllosen Feinde bleiben, bis nach getaner Arbeit, nach erfolgter Abrechnung ganz Deutschland singen kann: Nun danket alle Gott!

Wetterausstchten für Donnerstag den 13. August.

Heiter, trocken, fehr warm, Winde aus östlichen Richtungen.