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Hersselder Tageblatt

für den Kreis Hersfeld

Wllltt

Amtlicher Anzeiger

Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 1.50 Mark, durch die Post be- ßAMfSAfSAw zogen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei jJilSluUvl Hersfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld.

Der Anzeigenpreis beträgt für die einspaltige Zeile 10 Pfennig, im amtlichen Teile 20 Pfennig, Reklamen die Zeile 25 Pfg. Bei Wieder­holungen wird Rabatt gewährt. Erscheint jeden Werktag nachmittags.

Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage"

Zernsprech-Knschlutz Nr. 8

Nr. 300. Donnerstag, den 27. August 1914.

Die amtlichen Bekanntmachungen befinden sich auf der letzten Seite.

Bestellungen

auf das

Bersfelder Kreisblatt

werden für den

Monat September

von allen Kaiserlichen Postanstalten, Landbriefträgern und von der Expedition angenommen.

Bus der Heimat.

* (Wie man bei derSeife sparen ka nn.) Auf allen Gebieten wird zurzeit angestrebt, jede un­nütze Vergeudung von Werten zu vermeiden und durch weise Sparsamkeit mit den im Jnlande vor­handenen Vorräten hauszuhalten. Auch in Bezug auf einen der wichtigsten Gebrauchsgegenstände, die Seife, sei hiermit festgestellt, daß seither, besonders in Mitteldeutschland, ein überflüssiger Luxus getrieben worden ist. Man verlangte vielfach Hausseifen von schneeweißer Farbe, die nur aus Fetten gewonnen werden können, welche heute besser für die Speisefett- gewinnung aufgespart bleiben sollten, zumal sie meist überseeischen Ursprungs sind und daher bald knapp werden müssen. Seife von etwas trüberer Farbe sind nun in Bezug auf Waschkraft genau so gut, können aus inländischen Fetten gewonnen werden und sind besonders jetzt billiger zu liefern. Die Haus­frau möge daher in dieser schweren Zeit auch diese Aufklärung annehmen und beherzigen. Das Ver- langenjnach überflüssig hellfarbigen Hausseifen entspricht in keiner Weise dem Geist, mit dem jeder Einzelne heute helfen sollte, unsere wirtschaftlichen Schwierig­keiten zu bekämpfen.

* (© i e Kriegsbeihilfe keine Armen- u n t e r st ü tz u n g.) Das Reichsamt des Innern hat die Auffassung, daß Unterstützungen an Arbeitslose, die in der gegenwärtigen Kriegsperiode gezahlt werden, nicht als Armenuntersttttzungen anzusehen seien, als richtig anerkannt. Es wird einen Erlaß an die Bundesregierungen richten, wonach die Unter­stützungen, die Arbeitslose jetzt aus öffentlichen Mitteln erhalten, nicht als Armennnterstützung anzu­sehen sind und deshalb die politischen Rechte nicht berühren.

* (Sammelt Kamillen.) Aus unserem Leserkreise werden wir gebeten, darauf hinzuweisen, daß die heilkräftige Kamillenpflanze jetzt noch massen­haft wächst und nur eingesammelt zu werden braucht. Wozu Kamillentee benutzt werden kann und daß dieser den Verwundeten und Kranken gute Dienste leistet, braucht wohl kaum näher erklärt zu werden.

):( Hersfeld, 26. August.Die Kaliwerke Hattorf, Philippsthal, Werra schreiben uns: Mehr als je ist es jetzt notwendig, künstlichen Dünger zu verwenden, um den Ertrag der Felder und Wiesen zu verbessern und reichlich Lebens- und Futtermittel zu erhalten. Die Kaliindustrie hat zwar ihren Förderbetrieb still­setzen müssen, aus den vorhandenen Lägern werden aber wie bisher unter den gewöhnlichen Bedingungen Kalisalze an die Landwirte, welche sie durch Fuhre abholen lassen, abgegeben. Hattorf gibt Kainit ab."

Rotenburg, 25. August. Eine arge Enttäuschung erfuhr gestern der Landwirt B. aus Erkshausen. Er hatte den Betrag für ein der Heeresverwaltung ge­liefertes Pferd abgehoben, welcher ihm in 8 Hundert­markscheinen gezahlt wurde. B. hatte die Scheine in einen Briefumschlag getan und in die innere Rock­tasche gesteckt. Um noch einige Geschäfte zu erledigen, begab sich B. nach der Stadt. Als er nun auf dem Neustädter Kirchplatz nach der Tasche faßte mußte er die unangenehme Entdeckung machen, daß der Brief­umschlag nebst Inhalt verschwunden war. B. gab zwei des Weges kommenden Polizeibeamten von dem Verlust Kenntnis. Zu dreien suchten sie den von B. gegangenen Weg ab, aber erfolglos. Als der Verlust öffentlich bekannt wurde, meldete sich ein junger Mensch, welcher gesehen haben wollte, daß dem B. etwas entfallen war welches eine Frau W. aus­gehoben und sich dann eiligst entfernt hatte. Diese

zur Rede gestellt, leugnete jedoch, etwas gefunden zu haben. Einige Stundeu später wurde in Heinebach der Briefumschlag gefunden. An dem Inhalte fehlten jedoch drei Scheine. Da die W. längere Zeit von zn Hause abwesend war, schöpfte man Verdacht, daß diese das Geld dort niedergelegt hatte und man nahm eine Haussuchung bei ihr vor. Der Verdacht sollte sich auch bestätigen, denn man fand den Rest des Geldes, unterm Heu versteckt vor, sodaß der Betrag dem Eigentümer voll zurückgegeben werden konnte.

Cassel, 25. August. Das stellvertretende General­kommando des 11. Armeekorps gibt bekannt, daß von heute ab Anzeigen mit chiffrierter Unterschrift wieder erscheinen dürfen. Die Zeitungsexpeditionen sollen jedoch die Chiffre nach ihrem Ermessen einstigen.

Cassel, 25. Juli. (Aufgeklärter Pferdediebstahl.) Wie berichtet, war dem Milchhändler G. in der Königinhofstraße ein wertvolles Pferd gestohlen worden. Auf die Entdeckung der Diebe hatte G. 50 Mark Belohnung ausgesetzt. Diese Prämie verdiente sich ein hiesiger junger Mann, der feststellte, daß das Pferd von jungen Leuten aus Großalmerode gestohleu und für 80 Mk. an einen Händler eines Narbarortes verkauft worden war. Der Händler mußte das Pferd dem Eigentümer wieder herausgeben.

Cassel, 25. August. (Blutvergiftung.) Eine Frau aus Großalmerode wurde auf der Reise nach Cassel von mehreren Giftfliegen in den Arm gestochen. Der rechte Arm schwoll rapid an und die Frau mußte, nachdem eine Blutvergiftung festgestellt war, durch die Kriegersanitätskolonne dem Landkrankenhaus zu­geführt werden.

Cassel, 25. August. (Strafkammer.) Wegeu Sach­beschädigung hatte sich in gestriger Straskammerützung der Kaufmann Julius O. zu verantworten. Er ist wegen der verschiedensten Delikte schon oftmals vor­bestraft und wurde erst vor mehreren Monaten von der hiesigen Strafkammer wegen umfangreicher Betrügereien zu einer Gefängnisstrafe von 3 Jahren verurteilt. Nach seiner Ueberführung in das Land­gerichtsgefängnis benahm er sich so frech, daß er disziplinarisch bestraft und in die Dunkelzelle verbracht werden mußte. Dort zerschlug er aus Wut fünf Fensterscheiben. Das Schöffengericht verurteilte ihn im Vormonat wegen Sachbeschädigung zu 2 Wochen Gefängnis. Gegen das Urteil hatte er Berufung eingelegt. Die Strafkammer verwarf sie jedoch kosten­pflichtig mit der Begründung, daß der Angeklagte, wenn er sich der Gefängnisdisziplin nicht unterwerfen wolle, mit Gewalt dazu gebracht werden müsse.

Cassel, 24. August. Sämtliche Casseler Volksschul- lehrer wollen am 1. Oktober einen bestimmten Prozent­satz ihres Gehaltes zur Unterstützung von Frauen und Kinder im Felde stehender Krieger abgeben. Ein Drittel der hessischen Volksschullehrer rund 1000 Mann, steht im Felde. Die hessischen Volksschullehrer- feminare sind meistens geschlossen, da der größte Teil ihrer Schüler freiwillig zu den Fahnen geeilt ist.

Carlshafen, 22. August. Ein rührendes Beispiel der Opferfreudigkeit, von der auch unsere Kinderwelt beseelt ist, verdient öffentlich bekannt zu werden. Ein hiesiges etwa 10jähriges Mädchen opferte, als es hörte, wie alle Leute Gaben brachten, auf dem Altare des Vaterlandes seinen gesamten Schmuck, bestehend in einem goldenen und feinem silbernen Armband, einer silbernen Halskette mit einem Zweimarkstück von 1913 als Anhängsel und seinem Dreimarkstück von 1913. Die Gegenstände sind in dem Schaufenster des Kaufmanns Herrn Georg Schwabe auf sammetnem Kissen ausgestellt und mit folgendem Verse versehen:

Wen rührt nicht diese Gabe, Gereicht von Kinderhand? Die ganze eigne Habe Gab sie fürs Vaterland.

Möcht' bald ein Käufer kommen, Dies Kleinod wechseln ein Zu unsrer Krieger Frommen, Den Preis sag's Herz allein.

Schmalkaldeu, 21. August. Hier hat sich eine Bürgerwehr gebildet, um den Feldschutz verstärken zu helfen. Weiter soll die Bürgerwehr den vielen Frauen und Familien, die durch den Auszug der Männer infolge des Krieges verlassen dastehen, ein Gefühl der Sicherheit geben. Patrouillen werden regelmäßig tagsüber durch die Flur und des nachts durch die äußeren Stadtteile gehen, um auf alles verdächtige zu achten.

Treffurt a. d. Werra, 24. August. Auf Veran­lassung der hiesigen Polizeiverwaltung sollten die infolge des Kriegszustandes aus einem hiesigen Steinbruch zu entfernenden Dynamitpatronen und Pulverreste ver­nichtet werden. Der Schießmeister August Baumbach trat dabei nicht weit genug zurück: bei der Explosion wurde er am Kopf und Brust so schwer verletzt, daß der Tod eintrat.

Mainz, 25. August. Die Handelskammer Mainz hat für die Stadt ^n^ den Bezirk Mainz die Er­richtung einer Kriegs-Kreditkasse ins Auge gefaßt. Als Form dafür wird eine G. m. b. H. vorgeschlagen. Nach dem Borschlag müssen etwa 200,000 Mk. in bar aufgebracht nnö für das vierfache dieses Betrages eine Haftung übernommen werden, außerdem müßte die Reichsbank für das 45 fache der Gesamtsumme Wechsel diskontieren. Die Stadtverwaltung Mainz beabsichtigt während des Krieges in verschiedenen Bezirken Suppen-Speiseanstalten zu errichten.

Zuversicht!

Es gewinnt den Anschein, als ob hier und da int Lande trotz aller der herrlichen Siegesnachrichten, die uns die letzten Tage in fast ununterbrochener Folge gebracht haben, auf Grund von Meldungen aus dem Osten eine gewisse Kleinmütigkeit Platz greifen wollte. Man ist geneigt, das wiederholte Vorrücken des Gegners gegen unsere dortigen Grenzen und darüber hinaus als ein Anzeichen von Schwäche unsererseits zu deuten und gar der Befürchtung Ausdruck zu geben, daß sich aus diesen Vorgängen schließlich für uns eine Niederlage ergeben werde. Diese Anschauung und diese Befürchtung sind durchaus unbegründet und unberechtigt. Wir können auf Grund von Mitteilungen Seitens der maßgebendsten Stelle versichern, daß die allgemeine Kriegslage für uns durchaus günstig ist und uns zu der bestimmten Hoffnung berechtigt, daß wir auf beiden Fronten den endgültigen Sieg erringen werden, also nicht nur in Westen, wo wir erst in den jüngsten Tagen die gewaltigen Erfolge unserer Waffen zu ver­zeichnen hatten, sondern auch, das sei ausdrücklich be­tont, im Osten. Selbstverständlich wird es nicht aus- bleiben, daß bei der ungeheuren Ausdehnung, welche die Kriegsschauplätze im Osten wie im Westen angenommen haben, uns hier und da das Kriegsglück auch untreu wird, aber derartige kleine Miß­erfolge können auf die Gesamtlage und die endgültige Entscheidung keinen Einfluß ausüben. Derartige kleinere Rückschläge werden, wie der Steg unseres Heeres in Lothringen in Bezug auf die Ver- hältuiffe im Oberelsaß bereits gezeigt hat, durch größere Erfolge leicht und von selbst wettgemacht. Die endgültige Entscheidung ist allein maßgebend. Hinsichtlich dieser berechtigt uns aber, wie wir noch­mals betonen möchten, die allgemeine Kriegslage zu stärkster Zuversicht. Wenn irgendwie und irgend­wo wirklich Grund zur Beunruhigung vorläge, so würde das, davon darf man fest überzeugt sein, unsere Heeresleitung nicht verschweigen. Diese ist mit Recht der Ansicht, daß das deutsche Volk auch tatsächliche Fehlschläge mit Starkmut ertragen würde, und daß also nicht der geringste Anlaß vorliege, ihm irgend etwas zu verheimlichen. Aber zu schwächlichen An­wandlungen liegt wirklich kein Grund vor. Wir können deshalb nicht entschieden genug mahnen, nicht auf Einzelvorgänge, deren Unterlage sich über Nacht verschieben kann, Anschauungen über die Gesamtlage aufzubauen, die der Wirklichkeit nicht entsprechen und geeignet sind, hier und da Beunruhigung zu wecken. Für die Beurteilung unserer Aussichten in dem gegen­wärtigen Kriege kann und darf nur die Gesamtlage ausschlaggebend sein, und diese rechtfertigt, wie gesagt, eine feste Zuversicht auf den Sieg unserer Waffen und unserer guten Sache. Unsere Heeresleitung verdient unser volles Vertrauen, und darum ist es berechtigt, nochmals die Mahnung auszusprechcn, auch anscheinend ungünstigen Meldungen gegenüber Ruhe und Zu­versicht zu bewahren.

Verzeichnis

der bei bei L. Pfeiffer, Depositenkasse Hersfeld ferner eingegangenen Spenden, worüber wie nach­stehend dankend quittiert wird:

Für den Baterlündifchen Frauenverein:

von Gemeinde Oberlengsfeld.....M. 22 25

Herrn Hermann Paul hier . . . . , 50 _

Sammelbüchsen (d. Frau Engelhardt vom 17. August....... 79.01

Bestand 3493.72 heutiger Bestand M. 3644.98

Für das Rote Kreuz: von Herrn Bauunternehr^er I. Deist hier M. 50 Gemeinde Unterweißenborn . . . . 95 " Oberlengsfeld..... 22.25 Friedlos........ 175 Turnverein ....... . 25 ----M. 36725 Bestand 3484-10

heutiger Bestand M. 3831 ,;;r>