Hersfelder Tageblatt
Amtlicher Anzeiger
Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 1.50 Mark, durch die Post bezogen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei Hersfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld.
Weiber
für den Kreis Hersfeld
Äreisbtott
Der Anzeigenpreis beträgt für die einspaltige Zeile 10 Pfennig, im amtlichen Teile 20 Pfennig, Reklamen die Zeile 25 Pfg. Bei Wiederholungen wird Rabatt gewährt. Erscheint jeden Werktag nachmittags.
Gratisbeilagen: .Illustriertes Sonntagsblatt" und „Illustrierte Landwirtschaftliche Beilage" ,
Zernsprech-Knschlutz Nr. 8
Nr. 207. Freitag, den 4 September 1914.
Die amtlichen Bekanntmachungen befinden sich aus der letzten Seite.
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auf das
Bersfelder Tageblatt werden für den
Monat September
von allen Kaiserlichen Postanstalten, Landbriefträgern UN d von der Expedition angenommen.
Bus der Heimat.
* (Rückgang der Maul- und Klauenseuche im Regierungsbezirk Cassel. Erfreulicher Weise ist in den letzten Wochen die gefährliche Seuche in unserem Regierungsbezirk in ständigem Zurückgehen. Wie aus der neuesten Statistik über die Seuche im Deutschen Reiche hervorgeht, herrscht sie in unserem Regierungsbezirk nur in den Kreisen Melsungen, Fritzlar und Gelnhausen,' in jedem Kreise ist nur eine Gemeinde verseucht und innerhalb dieser nur einzelne Gehöfte. Der Regierungsbezirk Wiesbaden ist zurzeit vollständig seuchenfrei.
* (September.) Der letzte der Sommermonate ist dahin und schon traten wir in den September ein, den Scheiding, wie ihn unsere Altvorderen nannten, weil er die zweite Tag- und Nachtgleiche des Jahres bringt, an der sich Sommer und Herbst scheiden. Dem Kalender nach leben wir noch im Spätsommer,- wenn auch freilich gar manches darauf hindeutet, daß der Herbst unmittelbar vor der Tür steht. Das von der Glut der heißen Jahreszeit mehr oder minder versengte Laub hat einen fahlen gelblichen Schein angenommen, in den Gärten blühen die Spätlinge der Blumenwelt, die bunten Astern und die vielgestaltigen Georginen, und ein Teil der Zugvögel rüstet sich bereits zur Reise nach dem Süden.
* (Zwecklose Zurückhaltung von Gold- und Silber-Geld.) Aus Bankkreisen wird mitgeteilt, daß die Banken und Bankhäuser an vielen Plätzen an ihre Kundschaft die Aufforderung versandt haben, daß geprägtes Gold möglichst im vollen Umfange als Unterlage für die Ausgabe von Banknoten bei der Reichsbank konzentriet wird. Gold gewährt im Verkehr auch keine anderen Vorteile als Reichsbanknoten und Reichskassenscheine, die gesetzliche Zahlungsmittel sind und von jedermann in gleicher Weise wie Gold als Zahlung angenommen werden müssen. An alle diejenigen, welche in der irrigen Annahme, daß Banknoten und Kassenscheine dem geprägten Gold nicht gleichwertig sind, baares Gold zurückgelegt und verwahrt haben, ergeht unter Appell an ihren Patrioitismus die dringende Bitte, geprägtes oder Barrengold zur Ablieferung an die Reichsbank gegen Gewährung von Banknoten oder Kassenscheine herauszugeben. Wir sichern jedem, der verwahrtes Gold jetzt herausgibt, vollste Verschwiegenheit zu und bitten, sich zur Umwechslung mit uns in Verbindung zu setzen. — Diese Aufforderung spricht für sich selbst, man braucht ihr nichts hinzufügen, und dringend zu wünschen wäre es, daß sie im Interesse der Volkswirtschaft unseres deutschen Vaterlandes auch den an= gestrebten Erfolg haben möge. Ebenso wünschenswert und wichtig ist es aber auch, daß seit Ausbruch des Krieges etwa versteckt oder sonst zurückgehaltenes Silbergeld dem Verkehr wieder zuzuführen.
§ Hersfeld, 3. September. Die Deutsche K o l o - nialgesellschaft bittet uns, bekanntzugeben, daß — um Verzögerungen zu vermeiden — bei Gesuchen von notleidenden Ansiedlerfamilien aus unseren Kolonien um Unterstützung nicht eine einfache Bitte um solche sowie Angabe persönlicher Verhältnisse genügen, sondern, daß den Gesuchen auch Belege beizusügen und Referenzen anzugeben sind.
§ Hersfeld, 3. Sept. (An die Steuerzahler.) Diejenigen, die noch mit Zahlung ihrer Steuern rückständig sind, werden gut tun, wenn sie ihren Verpflichtungen in dieser Hinsicht alsbald nachkommen, da gegen die Säumigen in aller Kürze das Beitreibungsverfahren durchgeführt werden muß. Auch hinsichtlich der 1. Rate des Wehrbeitrags ist die Zahlungsfrist abgelaufen und ist wegen der noch rückständigen Beträge in den ersten Tagen die amtliche Mahnung zu erwarten.
Caffel, 2. September. Am gestrigen Abend traf mit der Eisenbahn ein von einem Kurhessischen Infanterieregiment erobertes französisches Maschinengewehr hier ein. Unter großem Jubel wurde das Geschütz in die Kaserne des betreffenden Regiments gebracht.
Caffel, 2. September. Der Artilleriewachtmeister B. aus Eschwege, der dieser Tage mit seinem Pferde gestürzt war, ist seinen Verletzungen erlegen. — Am gestrigen Abend ist eine Frau beim Ueberschreiten des Fahrdammes in der Bernhardistraße von einem Radfahrer überfahren worden und beim Sturze am Kopfe schwer verletzt worden.
Caffel, 2. September. Ein Kontrollbeamter der Kasseler Wach- und Schließgesellschaft ergriff in der Nacht zu heute in einem Automobil auf der Leisterschen Wiese einen 12jährigen Jungen, der bereits seit acht Tagen von zu Hause fort ist. Der Bengel wurde der Polizei übergeben.
Ellers, 30. August. Heute früh 4 Uhr bräunte das dem Hüttner und Weichensteller Wilhelm Staubach gehörige Wohnhaus nebst Scheune und Stallungen nieder. Die Ursache des Feuers ist unbekannt. Das Anwesen war versichert.
Rinteln, 28. August. Hier stürzte ein mit dem Anstreichen der Masten des Elektrizitätswerkes beschäftigter Lehrling des Malermeisters J. von der Leiter herab und erlitt einen Beinbruch.
Hettstedt, 31. August. Nach vorangegangenem Streit erschoß in der Bahnhofstraße der Hüttenarbeiter Böttcher den Arbeiter Jakobscheck. Böttcher stellte sich sofort dem Gendarmeriewachlmcister und gab an, in der Notwehr gehandelt zu haben.
Fulda, 2. September. Vorgestern nachmittag traf von Gießen her ein Extrazug von 30 Eisenbahnwagen mit ungefähr 300 Verwundeten, 180 Schwer- und 120 Leichtverwundeten in Fulda ein. Es sind vielfach Rheinländer, auch Nassauer und Schlesier der Regimenter 25, 28, 65, 80, 81, 83, 87, 88, 157, 161, 163, 168 Infanterie-Regimenter, schweres Reiterregiment Nr. 8 Pionierbataillon Nr. 11 usw., die in Belgien und in Frankreich die Feuertaufe erhielten.
Frankfurt, 1. September. Eine Tat, die von unmenschlicher Rohhett zeugt, verübte der 35 Jahre alte Tagelöhner Karl Mandler. Er packte sein IV2 Jahre altes Kind, das in der Wiege lag, hob es in die Höhe und warf es mit voller Wucht zu Boden. Das an sich schon schwächliche Kind erlitt so schwere innere Verletzungen, daß es nach kurzer Zeit im Krankenhaus verstarb. Mandler wurde verhaftet.
Sieg auf Sieg
Es ist eine Lust, als Deutscher zu leben: Schlag auf Schlag! Sieg auf Sieg! Auf das erbauliche Vorspiel der Erstürmung von Lüttich und der Erfolge von Mülhausen und Lagarde ist ein Völkersieg in der ersten mehrtägigen Riesenschlacht bei Metz gefolgt. Dann kam die Kunde zweier siegreichen Hauptschlachten bei Longwy nördlich von Metz und bei Neuschateau im südlichen Belgien sowie die Eroberung von Namur und Longwy. Hieran schloffen sich an die Niederlagen der englischen Truppen bei Maubeuge, von 8 französischen und belgischen Armeekorps zwischen Sambre, Namur und Maas sowie neue große militärische Er- Antwerpen, im Elsaß und in Lothringen.
öße nie gesehener gesogen: Alles klappt,'
folge vor Antwerpen, un Elsaß und in Lothringen. Siege erringt unser Heer so groß, so verheißungsvoll, daß solche Waffenerfolge in so rascher Aufeinanderfolge in der Geschichte aller Zeiten fast ohne Gleichen dastehen. Es klingt fast zu bescheiden, über die ersten für uns siegreichen Zusammenstöße nie gesehener ge- waltiger^Völkerheere schlicht zu sagen: Alles floppt ; alles geht gut! So gut wie in den ruhmreichen ~ gusttagen von 1870. Im Westen werden aus der ganzen Linie die französischen Armeen zurückgeworfen, und unsre Heere folgen den Fliehenden, unaufhaltsam vorwärts dringend in Feindesland. Und die Runen sind in Russisch-Polen von unsern Bundesgenossen bei Krasnik in einer entscheidenden Feldschlacht ge
Au
schlagen worden. ,
Es braust und rauscht durch Alldeutschlands Gaue und durch die Länder des Donaureiches ein Siegesjubel, wie in vor 44 Jahren der Dichter Geibel in seinem Soldatenliede also in Worte gefaßt hat: „Nun laßt die Glocken von Turm zu Turm durchs Land frohlocken im Jubelsturm! Des Flammenstoßes Geleucht facht an! Der Herr hat Großes an uns getan. Ehre sei Gott in der Höhe!"
Neu erstehen deutsches Heldentum und deutsche Herrlichkeit. Wir haben ein gutes Recht, schon jetzt — vier Wochen nach des Krieges Beginn — zu frohlocken, zu jubeln und zu jauchzen. Einen neuen deutschen Völkerfrühling verheißen uns unsre ersten Siege in diesem Völkerkriege.
Das Deutsche Reich hat seine Feuerprobe bestanden. Alle deutschen Stämme haben mit Blut und Eisen die deutsche Einheit neu gefestigt. Im Siege wehn und grüßen die Fahnen der Preußen und der Bayern, der Württemberger und der Sachsen, der Badener und der Hesseu. Ein Wittelsbacher Prinz hat als großer Heerführer und Heersieger den ersten Lorbeer ge- wonnen. Die Kunde der Schlacht bei Metz preist als Sieger den Kronprinzen von Bayern. Mit dem darauf folgende« Siege bei Longwy bleibt immerdar der Name des deutschen Kronprinzen verknüpft. Die dritte der deutschen Armeen führte (bet Neuschateau in der südbelgischen Provinz Luxemburg Herzog Albrecht von Württemberg zum Stege. Und die übrigen Armeen wurden von den Generalobersten v. Kluck, v. Bülow, Freiherr« v. Hausen und v. Heeringen von Sieg zu Sieg geführt. Erwiese« ist nun, was das deutsche Volk mit allen seinen Fürsten und Führern vom ersten Mobilmachungstage an in heiligem Vertrauen geglaubt und gehofft hat, daß uns der Sieg gehört, nur uns gehören kann. Denn mit uns zogen ins Feld die reine, gerechte, vaterländische Begeisterung, die unüberwindliche Kriegstüchtigkeit und die felsenfeste Siegeszuversicht. Drüben, in unsrer Feinde Reihen, standen Niedertracht und Tücke, Verlogenheit und Schwindel. Wir zählen aber gleich nach des Krieges Anfang so viele der sichern Siege, haben bereits so reiche Beute an Gefangenen und Geschützen, daß selbst das unverschämte Uebermaß der Lügen, die unsre Feinde ringsum über uns und unsre Armeen zu verbreiten trachten, nicht standhalten kann. Durch den dichten und dicken Nebeldunst der erlogenen Nachrichten unsrer Feinde muß strahlend die Sonne des Sieges dringen, die uns leuchtet.
Der Präsident der französischen Republik hat zwar der Festung Lüttich für ihren Sieg den höchsten Orden der Ehrenlegion verliehen, und der britische König hat den verbündeten König der Belgier zu den Erfolgen seiner Truppen beglückwünscht. Aber um so bitterer wird das Erwachen aus so erschwindeltem Siegesrausch werden, wenn schließlich die unerbittlich harten Wahrheiten durchsickern, daß Brüssel und Namur in unsern Händen sind und daß sogar den Engländern, und zwar zu Lande, das Fell weidlich gegerbt wird. Vor Maubeuge, an der belgisch-französischen Grenze, sind die Engländer wiederholt von uns geschlagen worden. Das will noch nicht allzuviel bedeuten. Was können uns überhaupt die Söldner des englischen Krämervolkes anhaben! Hat doch niemand in Deutschland einen Augenblick bezweifelt, daß Truppen, die ein Lord Kitchener seither nur zumeist gegen schlecht bewaffnete Horden wilder Völkerschaften mit Erfolg geführt hat, das Hasenpanier ergreifen werden, wenn sie mit uns zu tun bekommen. Immerhin aber tut es wohl, schon jetzt zu hören, daß die Engländer auch bereits Anteil^au den deutschen Hieben haben, daß sie auf dem Kriegsschauplatze angetreteu sind und davongejagt wurden.
Als Deutscher zu leben, fürwahr das ist heute eine Lust. Das Leben jedes einzelnen Deutschen empfängt jetzt den höchsten Vollgehalt, indem es vaterländischen Wert erhält und geweiht wird, für das Vaterland dahingegeben zu werden. „Kein schönrer Tod auf dieser Welt, als wer auf grüner Heide fällt!" Zum Heil für das deutsche Vaterland! Dankbar und stolz grüßt Deutschland seine tapfern Söhne!
Verzeichnis
der bei L. Pfeiffer, Depositenkasse Hcrsscld ferner eingegangenen Spenden, worüber wie nachstehend dankend quittiert wird:
Für das Rote Kreuz. Sektion hersseld von Herrn Carl Zickendraht, Hersfeld . M. 25.— „ Kirchspiel Kirchheim zweite Sendung „ 400. „ Kriegerverein Kirchheim..... 5g . „ Männergesangverern Kalkobes . . „ 25.— „ Herrn Becker, Hersfeld, Schlippenthal „ 5.— „ Gemeinde Wüstfeld....... 127.— „ Frau Baß, Schenklengsfeld . . . " 5'— „ Herrn Lyding sen., Schenklengsfeld. „ 5.— „ Fräulein Ruppel, Oberlengsfeld . . „ 10.
„ Frau Mühlroth z. Zt. Oberlengsfeld „ 10.— „ Fräulein Bock, Dünkelrode . . . . „ 2.— „ Frau Rüger, Unterweisenborn . . „ 5.— „ Privatmann Wilhelm Sauer, Hersfeld „ 30. M 69iHo Bestand „ 13633.10
heutiger Bestand M. 14332.50
Wetteraussichten für Freitag den 4. September.
Trocken und meist heiter, Temperatur wenig geändert.