Hersfelder Tageblatt
Amtlicher Anzeiger j^s für den Kreis Hersfeld
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Zernsprech-klnschluh Nr. 8
Nr. 288
Mittwoch, den 9. Dezember
1914
Die amtlichen Bekanntmachungen befinden sich auf der letzten Seite.
Aus der Heimat.
* Zur Versicherung der russischen Feldarbeiter', die in diesem Jahr über Winter beherbergt werden müssen, weist der Landwirtschasts- minister in einer Verfügung an die Regierungspräsidenten darauf hin, daß auf dem Gebiete der Krankenversicherung die Beschäftigung gegen freien Unterhalt die Versicherungspflicht begründet. Es handelt sich hier um zwingende Vorschriften, von deren Beachtung weder das Reichsversicherungsamt, noch der Bundesrat entbinden können. Die Voraussetzungen der Bekanntmachung betreffend die Befreiung vorübergehender Dienstleistungen von der Krankenversicherungspflicht vom 17. November 1913 werden regelmäßig nicht gegeben sein. Ein Eingreifen der Gesetzgebung kann nicht in Aussicht gestellt werden. Wohl aber wird eine Ermäßigung der Beiträge für die Zeit vom 1. Dezember 1914 bis 1. April 1915 sich auf Grund der §§ 420 und 424 RVO. herbeiführen lassen. Ein Streit, ob im Einzelfall ein Beschäftigungsverhältnis im Sinne des § 165 RVO. vorliegt, ist nach §§ 405, 1799 und 1693 RVO. zu entscheiden.
*(KriegsfreiwilligeaufderFlieger-
j a g d.) Ein junges aus Kriegsfreiwilligen bestehendes Artillerieregiment hat bei Ypern iji der Bekämpfung feindlicher Flieger geradezu Hervorragendes geleistet. Alltäglich erschienen über ihren Stellungen französische und englische Flugzeuge, die durch ihre Bombenwürfe manchen Schaden anrichteten. Da die Apparate für Gewehrkugeln nicht erreichbar waren, fingen die Haubitzen an zu arbeiten, und mit be- wundernswerter Treffsicherheit holten die jungen Feldartilleristen die feindlichen Brummer herunter. Eines Nachmittags holten sie mit drei Schuhen einen mächtigen Doppeldecker herunter, der, sich fortwährend überschlagend, vollkommen zerschmettert unten ankam. Wenige Augenblicke später holten sie einen zweiten Apparat herunter, der von den Schüssen vollständig zerfetzt worden war. Am Abend, als es schon dunkel war, wurde ein englischer Apparat abgeichopen, der mitten in den deutschen Stellungen landen mußte.
Kitten sich vorher erschossen, ine interessante Einrichtung.
Die beiden Flieger h< . , Dieser Apparat hat eine interessante
Unter der unteren Tragfläche war eine Rolleinwand angebracht, die auf der einen Seite das Deutsche Erkennungszeichen, das Eiserne Kreuz, auf der anderen die französische Marke zeigte. Durch einen einfachen Seilzug konnte der Flieger nach Belieben die Zeichen wechseln. Am nächsten Vormittag holten die Kriegsfreiwilligen noch vier Flieger herunter und hatten so innerhalb 24 Stdn. ein ganzes Flugzeug
geschwader vernichtet.
* (Der Krieg und die Obstzucht.) Bon amtlicher Seite ist kürzlich auf die dringende Notwendigkeit der Pflanzung von Obstbäumen hlnge- wiesen worden. Mit besonderem Nachdruck lst aber zu betonen, daß jetzt, noch in diesem Herbst, gepflanzt werden muß, zumal der Herbst in vielen Gegenden die beste Pflanzzeit ist, da so bald wie möglich ge- ermet werden muß. Wir müssen uns vor allem dabei klar sein, daß der sehr gestiegene Obstverbrauch lange nicht durch die Eigenerzeugung gedeckt werden kann. Für rund 100 Millionen Mark ist in den letzten Jahren durchschnittlich an Obst "vd ^bster- zeugnissen aus dem Auslande zu uns gekommen. Der Krieg muß nun hier Wandel festen und zu vermehrtem Obstbau im Lande anregen, um die,e vielen Millionen dem Vaterlande zu erhalten, besonders, da fast alle Gegenden und ^te,rvo intensiver Obstbau getrieben wird, sich burch, Wohlhabenh auszeichnet. Natürlich eignen sich sU^en Obstbau durchaus nicht alle Bodenarten. Bei Neuanbau wird man sich zweckmäßig von einem Obstfachmaun beraten lassen.
ist Herskeld 8 Dezember. Mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet, wurde aus Bebra, R^ierungs- baumeister Hermann Altenburg ^izewacy Meister im Feld.-Art.-Regt. Nr. 5.
w Herskeld 8 Dez. Der Drogeriebesitzer Ed. C o h n hat einen Feldkocher „Heiz fir" Evvflrmer, wodurch man in einigen Minuten einen ^cher her3 Wassers usw. haben kann. Derselbe ist sesetzuch geschützt. Der Kocher übertrifft an Einfachheit alle^ bisher dagewesene und ist daher sehr zu empfehl für unsere Soldaten im Felde, Touristen uiw.
§ Hersfeld, 8. Dez. Der Ausnahmetarif für Kartoffelstärkemehl zur Brotbereitung, der bisher nur Aufgabe in ganzen Wagenladungen galt, ist mit Gültigkeit vom 4. ds. Dtts. auch auf Stuckgutsendungen
ausgedehnt worden. Die Fracht wird für das halbe wirkliche Gewicht der Sendung nach den Sätzen des Spezialtarifs für bestimmte Stückgüter (von 1 Klm. ab) berechnet.
der
§ Hersfeld, 9. Dez. „Bon dem Bezisksvorstande Bateriändischen Frauenvereine geht uns folgende
Mitteilung zu: Ein amerikanisches Komitee hat auf einem von der amerikanischen Regierung zur Verfügung gestellten Kriegsschiff Weihnachtsgeschenke für deutsche uud österreichischen Kriegswaisen nach Europa geschickt. Das Schiff sollte am 3. d. Mts. in Genua ankommen, von wo aus die für Deutschland bestimmten Geschenke zunächst nach München und sodann in die einzelnen Bundesstaten, Provinzen, Regierungsbezirke usw. abgesandt werden sollen. Die aufdenRegierungs- bezirk Cassel entfallenden Geschenke werden in unserer Sammelstelle zu Cassel Kasino in der Wolfsschlucht eingehen und von dort aus nach Maßgabe der einlaufenden Anmeldungen an unsere 60 Zweigvereine abgegeben werden, deren Vorstände wir ersucht haben, uns bis zum 14. d. Mts. Listen der für die Verteilung in ihrem Bezirke in Betracht kommenden Kriegswaisen einzureichen. Alle Kri e g s w a i s e n, für die Geschenke gewünscht werden, sind sogleich bei dem Vorstände des zuständischen Vaterländischen Frauen-Zweig- vereins anzumelden, damit dieser die Anmeldung rechtzeitig an uns weitergeben kann. Aus Orten, die zu keinem Vaterländischen Frauenverein gehören, sind die Anmeldungen an den Vorstand des nächstgelegenen Vaterländischen Frauenvereins zu richten."
Bebra, 7, Dez. Dem Klempnermeister Nagel von hier, der als Lazarettinspektor zuerst auf dem westlichen Kriegsschauplatz und jetzt im Osten wirkt, wurde das Eiserne Kreuz verliehen.
Lautenhausen, 8. Dezember. Mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet wurde der Wachtmeister Anton M a l k o m e s Art.-Regt. Nr. 23 in Coblenz.
Rotenburg a. d. F., 4. Dez. Ein schweres Brandunglück hat sich gestern nachmittag im benachbarten Dorfe Lispenhausen ereignet. Bei einer Feuersbrunst, die in dem Wohnhause des Tagelöhners Heinrich Becker plötzlich entstanden war und mit solcher Schnelligkeit um sich griff, daß die sämtlichen Hausbewohner in Lebensgefahr schwebten, erlitt das zweijährige Kind der Eheleute Becker derartig schwere Brandwunden, daß es trotz aller ärztlichen Hilfe nach kurzer Zeit seinen Verletzungen erlegen ist.
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Bernsdorf, 7. Dez. Gestern wurde der Gelegenheitsarbeiter Valentin Sch. aus Markershausen im Gemeindehause in unserem Dorfe tot aufgefunden. Anfangs glaubte man, da der Manu eine klaffende Wunde über dem rechten Auge hatte, es liege eine Bluttat vor. Es wurde auch deshalb eine Person festgenommen. Der sofort abgehaltene gerichtliche Auaenscheinstermin ergab, daß kein Verbrechen vor- lieat Sch. war betrunken, ist jedenfalls hingeschlagen und in der Nacht erstickt. Der Festgenommene wurde sofort wieder freigelassen.
Breitenbach a. Herzberg, 5. Dezember. Einem tragischen Unglückssall erlag der Landwirt Johannes Stein von hier, ein Veteran von 1870 /l, depen drei Söhne und Schwiegersöhne im Felde stehen. Vom Acke? kommend, ging das Kuhgespann plötzlich durch, raste die Dorfstraße entlang und schleifte den Bedauernswerten ein Stück Weges. Infolge der dabei erhaltenen Wunden entstand Blutvergiftung, dazu trat Star?krawpf, der den Tod des Unglücklichen Her- beiführte. Das Begräbnis fand unter Ehrenfalven, in Anwesenheit des hiesigen Krieger- und Gefang- nereins sowie der Miegervereine Niederjopa und Satterode stattz Der Zufall wollte es, daß die Mutter des Verstorbenen am Sterbetage- ihres Sohnes als älteste Einwohnerin unseres —rtes, ihren -)). x- bUrÄMer8Ä Mehlige« S-n°r°lv--. JÄ Settanta» der l-ndmirtsch-Mich-n Genossenschaften und der Zentralgenossenschaftskaste den Regierungsbezirk Raffel und angrenzende Gebiete fanden am 28. November d. J. in. den Stadtsälen zu Marburg unter zahlreicher Beteiligung statt. D e Kahl der Mitglieder ist auf 11000 gestiegen und A Entwicklung der Genossenschaften ist eine sehr ante Wie groß das Vertrauen zu den Genopen- aLaiten sei habe bei Ausbruch des Krieges dre geringe Abhebung der Sparguthaben und seitdem der überaus große Zufluß von Spareinlagen bewiesen. »ÄÄ«8 b-trug°« M!»wn°n und das eigen- Vermögen stieg auf 1,8 Millionen Mk.
Amorfichtiges Gerede.
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Verfügung der ReichSbank umzutauschen, haben Sie sich ohne Zweifel ein Verdienst um das Vaterland erworben, das jeder gute Patriot anerkennen muß. Gestattet Sie mir nun, noch eine weitere Anregung zu geben. In der letzten Zeit muhte ich häufiger mit der Eisenbahn fahren. Dabei fiel mir auf, mit welcher Unvorsichtigkeit recht häufig Reisende und besonders auch Soldaten (Verwundete und in der Ausbildung befindliches über die Kriegslage, über Truppenbewegungen und Verschiebungen, über Absichten der Militärbehörde usw. sprechen, und zwar vielfach so laut, daß man es über zwei oder drei Abteile hinweg hören konnte. Die gleiche Erfahrung kann man auch in Wirtschaften, besonders in Bierrestaurarrts und auf Bahnhöfen, besonders in Bahnhofswirtschaften machen. Wenn nun auch vieles für den Feind ohne Wert ist, weil es sich um private Mitteilungen handelt, die teilweise noch objektiv unwahr oder stark übertrieben sind, so steckt noch in gar manchem ein richtiger Kern, der den Feind leicht zu richtigen Schlüssen führt. Mitteilungen über Truppenbewegungen sind zudem gewöhnlich wahr. Der Feind aber erfährt nach meiner Ansicht recht häufig von diesen Dingen. Man braucht nur einmal in den Zügen die Reisenden aufmerksam zu beobachten; man wird fast immer darunter Gesichter sehen, von denen man sich sagt: sie gefallen mir nicht. Es sind darunter, wie ich selbst feststellen konnte, Leute aus anderen Staaten, denen man nicht beikommen kann. Viele darunter sind ja sicher keine Spione, ob aber alle? Jedenfalls kann man heute von jedem Deutschen verlangen, dah er in der Oeffent- lichkeit vorsichtig in seinen Aeußerungen ist, und wenn er vom Kriege oder von Kriegsvorbereitungen erzählt, sich seine Umgebung zuerst einmal genau an- steht. Nach meiner Ansicht ist dies eine sehr ernste Sache. Die Militärbehörde hat sicherlich bisher schon an die Soldaten und Verwundeten entsprechende Weisungen ergehen lassen. Aber es wäre nützlich, wenn auch das Publikum durch die Presse ermähnt würde, im Ausfragen der Soldaten vorsichtig zu sein, denn gewöhnlich wird wohl die Neugier der Zivilisten der Anlaß solcher Gespräche sein. Wie wäre es nun, wenn die Zeitungen sich auch dieser Sache annähme und etwa in jeder Nummer eine entsprechende Warnung vor Unvorsichtigkeit im Reden anbrächten. Vielleicht würden die anderen Zeitungen dann auch folgen. Jedenfalls wäre die Sache der Erwägung wert und dürfte, wenn überall durchgeführt, manchen Nutzen stiften.
Wir glauben, bemerkt dazu mit Recht die Schrift- leitung der genannten Rettung, daß diese Veröffentlichung auch ohne tägliche Erinnerung ihre guten Dienste tun wird.
Der Saatenstand in Preußen.
Berlin, 5. Dez. (W. B. Nichtamtlich.) Der Saatenstand in Preußen war, wenn 2 gut und 3 Mittel bedeutet, zu Anfang Dezember für Weizen 2,6 (im Nov. ds. Js. 2,6 zu Anfang Dezember des Borjahres 2,4), für Spelz 2,4 (2,8 bezw. 2,1), Roggen 2,7 (2,6 bezw. 2,3), Gerste 2,4 (2,4 bzw. 2,8), Raps und Rübsen 2,5 (2,5 bezw. 2,4), jungen Klee 2,99 (2,8 bezw. 2,4).
In den Bemerkungen der „Statistischen Korrespondenz" heißt es u. a.: Aus dem ganzen Staatsgebiet,besonders aus der östlichen Hälfte kommen Klagen über ungewöhnlich zahlreiches Auftreten der Mäuse, aus den westlichen Provinzen außerdem über das Auftreten von Schnecken, die den Roggensaaten und dem jungen Klee erheblichen Schaden zufügten, so daß manches dieser.Felder umgepslügt werden mußte. Trotzdem sich mancherorts der Mangel an Bespannung fühlbar machte, ist die Bestellung der Wintersaaten doch größtenteils durchgeführt. Vielfach wird aus dem Westen berichtet, daß gegenwärtig eine umfangreichere Winterbestellung als in früheren Jahren, namentlich mit Roggen, stattfindet, mit Raps und Rübsen jedoch, deren Anbau überhaupt fortschreitend abnimmt, sollen auch in diesem Jahre wieder weniger Felder bestellt worden sein. Ueber den Stand der Wintersaaten lauten die Berichte meist recht zufriedenstellend; eine Ausnahme machen nur die von langer Trockenheit im Herbst und der infolge hiervon ausgetretenen Mäuseplage betroffenen Provinzen Oft- nnd Westpreußen sowie Pommern, Posen und Schlesien. Im großen und ganzen wird in den meisten östlichen Provinzen der vorläufig nicht durchweg günstige Stand der Wintersaaten durch einen in anderen Landesteilen durchaus recht günstigen ausgewogen. Auch der junge Klee konnte sich in den von langer Trockenheit im Sommer und Herbst betroffenenen Landesteilen recht gut entwickeln; er wurde weiter durch Mäusefraß erheblich geschädigt, zeitigte aber außer in der ganzen westlichen Hälfte noch in einigen anderen Landesteilen sogar einen vorzüglichen Stand, der den erwähnten Schaden fast ausgleicht. Hiermit ist die diesjährige Berichterstattung über den Saatenstand beendet. Die nächstjährige beginnt zu Anfang April.