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Nv. 23
IreiLmg, dem 36. Januar
LL
1926
. Erzheeger in Lebensgefahr.
, »!» Berit«, 29. Januar. (S. C.) Das Befinden ErzberAers war i« der letzten Nacht schlecht. Der Minister klagt über unerträgliche Schmerze« in der Schul- bp wo die Kugel sitzt. Der Zustand des völlig erschöpften Ministers ist heute früh nicht ohne Gefahr.
>* Berlin, 29. Januar. (T. U.) Gestern trat im Befinden des Reichsfinanzministers wieder eine kleine Verschlechterung ein. Die Temperatur stieg auf 37,2, der Puls auf 128. Die Schwäche nimmt derart zu, daß Unterstaatssekretär Mösle, der den Minister in wichtigen Geschäften zu sprechen wünschte, nur für kurze Zeit empfangen werden konnte. Der Patient muß außerordentlich geschont werden, um vorerst die Schwäche zu überwinden. Professor Dr. Plesch, der gestern bis 11 Uhr nachts am Krankenlager weilte, hofft, daß es gelingen werde, den Schwächezustand zu beheben.
Beilei-skun-gebungeu an Erzberger.
Dem Reichsfinanzminister Erzberger gehen dauernd Beileidskundgebungen aus dem In- und Auslande zu. Zahlreiche Abgeordnete der Nationalversammlung mtb der Landesparlamente drückten ihre Empörung über das Attentat und ihre Wünsche für die Wiedergenesung telegraphisch aus.
Sie tage im Innern.
Zur Schließung der Eisenbahnwerkstätten.
»* Berlin. 29. Januar. (T. 11.) Bis zum Mittag des ersten Tages, an dem sich die Arbeiter der geschlossenen Eisenbahnwerkstätten zur Einstellung unter den »ene« Arbeitsbedingungen melden durften, hatten sich bei jeder der geschlossenen Berliner und Breslauer § Werkstätten sowie in Ried bereits mehrere Hundert von rbeitcru gemeldet. In Sebaldsbrück lagen 70 Meldungen vor. Aus einigen Bezirken fehlen noch Nachrichten. In Salbke (Magdeburg) und Jena hatten die radikalen Elemente besondere Vorkehrungen getroffen, um die auch hier zahlreichen arbeitswilligen Arbeiter an der Meldung zu verhindern. Für ausreichenden Schutz der Arbeitswilligen ist überall gesorgt.
Nach einer Meldung des .,L. A." haben sich in Frank-
' furt a. M. und Nied am ersten Tage bereits rund 3000 Arbeiter gemeldet. .
i^.S-jg^ S-chueyung der-Enenbalm- werkstätten haben sich dem Eisenbahnminister von verschiedenen Seiten Arbeitsgemeinschaften »«geboten, um die Arbeit in den geschlossenen Werkstätten zu überueh- men. Den Arbeitsgemeinschaften stehen sachverständige Führer und in den Angehörigen der früheren technischen und Eisenbahntruppen auch geeignete Arbeitskräfte in ausreichender Zahl zur Verfügung. Das Eisenbahnministerium ist diesem Angebot einstweilen noch nicht näher getreten.
Verhaftung von radikalen Eisenbahnerführern.
w Berlin, 29. Januar. (S. E.) Die Führer der radikalen Eisenbahner, die zum Generalstreik für den 15. Februar aufforderten, falls der Eisenbahmninister die Schließung der Betriebswerkstätten nicht bis dahin aufhebe, sind auf Grund des Belagerungszustandes verhaftet worden.
Gegen einen Eiseubahnerstreik.
w Berlin, 29. Januar. (S. C.) Bon der Arbeiterschaft der in Berlin geschlossenen zwei großen Betriebs- । Werkstätten haben sich bis heute mittag etwa 75 Prozent der Eisenbahndirektion für die Arbeit unter den'neuen Bedingungen angeboten. Voraussichtlich werden die geschlossenen Beiriebswerkstütten am 9. Februar wieder eröffnet werden. Betriebsversammlungen von Eisenbahnern in Berlin haben Resolutionen für die Wie- deraufnahme der Arbeit hh6 gegen den von den radikale» Rednern geforderten Eiseubahnerstreik mit großer Mehrheit angenommen.
Eine Warnung der Ruhrbergarbeiter.
Essen, 29. Januar. (T. 11.) Der Reichskommissar Severing wendet sich in einem Ausruf an die Bergarbeiter, in welchem er zunächst einen Ucberblick über die durch den Kehleumaitgel hervorgcrnfene Notlage im Reiche gibt und im Hinblick auf die Beschlüsse der Gewerkschaften, die Frage der sechsstündigen Schicht in- ternational zu regeln, erklärt, die Regierung werde mit nnnachsichtlicher Strenge gegen alle d,e,enlgcn Vorgehen, die trotz bei Notlage des Volkes die Kohlenforde- rnug zu unterbinden suchen. Er warnte die Bergarher- ter vor jedem Versuch, die Einführung der sechsstündigen Schicht zu erzwingen. Der Streik sei von vornherein aussichtslos, da mit Teilnehmern an einem wilden Streik nicht verbandest würde nud die von den Bergarbeitern erworbenen Rechte, wie der Urlaub, verloren gingen. Passive Resistenz würde mit entsprechender Aussperrung beantwortet werden. Eine erzwungene Ausfahrt nach sechsstündiger Schicht, die sogenannte direkte Aktion, werde für die Ausfahrenden die sofortige Verbastung «pd schwere Strafen zur Folge haben. Die Eiusahrt werde nur denjenigen gestattel werdeil, dre sich zur Leistung der siebenstündigen Schicht bereiterklären. Die Regierung schütze die Urheber wilder Streikbewegungen nicht mehr vor Maßregelung. Sie werde in schärsster Weise gegen die Rnbestörer vorgeheu.
Bergarbeiterstreik in Sachsen.
W Leipzig, 29. Januar. (S. C.) Die Belegschaften im LugamOelsnitzer Kohlenrevier sind in den Ansstand getreten. Die Belegschaften »er Zwickaner Bergwerke werden am Montag in den Ansstand eintreten. Es wird von den Streikenden die sofortige Einführung der sech. stüubige« Schicht als Vorbereitung des Fünfstun- jnkn-Arbcitstages, die Abschaffung der Akkordarbeit,
eine Beschaffungsbeihilfe vo« 1000 Mark usw. gefordert. Das sächsische Arbeitsministerium lehm, wie das „Leipz. Tgbl.: erfährt, Die Forderungen auf Anerken- «ung der Bergarbesierunion nnd Einführung der sechsstündigen Schicht unter alle« Umständen ab und ist fest entschlossen, auf keinen Fall «achzngebe«. Zur Berrich- tnng der Siotftandsarbeiten ist die technische Nothilfe anfgebvte« worden.
Gerüchte über neue Unrnhspläne in Berlin.
»^ Berlin, 29. Januar. (B. T.) Heute mittag liefe »bei der Militärbehörde «ud beim Polizeipräsidenten Meldungen ein, daß im Laufe des Nachmittags von ausgesperrten Eisenbahnarbeitern nnd Kriegsbeschädigten der Versuch gemacht werden sollte, mit Gewalt in das Abgeordnetenhaus einzudringen und die Sitzung zu sprengen. Daraufhin wurden sofort die erforderlichen Abwehrmatzregeln eingeleitet. An der Ecke der Wilhelm- und der Priuz-Wbrechtstratze wurden Drahtverhaue errichtet. Der Eingang zu der Königgrätzer- straße wurde mit etwa 40 Soldaten besetzt. Eine scharfe Kontrolle setzte ein, und Futzgängeru wurde der Zutritt zur Prinz-Albrechtstratze Überhaupt verwehrt, selbst wenn sie Legitimationskarten vorzeigen konnten. Es ist jedoch zu keinerlei Zusammenstöße« gekommen.
Einberufung neuer Massenversammlungen i« Berlin.
t«* Berlin, 29. Januar. (S. C.) Die Nnabhängi- gen und Kommunisten rufen für die nächsten Tage neue Massenversammlungen in Grotzberlin ein. Ein Gesuch um Genehmigung ist beim Polizeipräsidium nicht ein- gegangen.
Echöhmg der EiseMWarise.
*# Berlin, 29. Januar. (S. C.) Am 1. März tritt eine allgemeine Erhöhung der Lisenbahu-Gütertarise auf 100 Prozent ein. Auch eine Krhöhung der Perso- nentarife ist grundsätzlich beschlossen worden. Ueber das Matz dieser Erhöhung nnd den Zeitpunkt ihrer Durchführung sind die Verhandlungen noch nicht abgeschlossen.
Die SesShrdvW der Srllshmlig.
♦* Berlin, 29. Januar. (S. ;* Der Hauvtausichvü . Jg^^^Ä^lwlti^ .vesnwü.gF na neuern mit der Ernährungsfrage und richtete in einer Entschließung die dringende Forderung an die ReickSregierung, die gefährdete Ernährnng der städtischen Bevölkerung zu sichern und einen umfassenden Wirtschaftspla« aufzn- stellen.
Die Frage der Aufhebung der Zwangswirtschaft.
»* Berlin, 29. Januar. (T. 11.) Auf Grund eines vom Unterstaatssekretär a. D. von Braun und Oekono- inierat Keiser erstatteten Berichts faßte der Reichsaus- schntz der deutschen Landwirtschaft folgenden Beschluß: Angesichts des ungeheuren Ernstes der gesamten Ernäh- rungslaac erklärt der Reichsausichutz, daß eine weitere Ansrechterhaltung der gegenwärtigen Zwangswirtschaft nur zum Znsanrmenbrüch der Laudwirtschaft und der Volkscstuährnng führen müsse. Der Reichsausschuß sieht unter diesen Umständen den besten zurzeit gangbaren Weg zur Sicherstellmra der Bolksernähruna und zur Erhaltimg der Lebensfähigkeit der Landwirtschaft in der sofortigen Ausdehnung des nnmittelbaren Liefcrnnqs- vertrages und erklärt sich zur Forttetzung der zu diesem Zwecke bereits eingeleiteten Verhandlungen einverstanden.
Wiedereinführung der Zwangswirtschaft für Leder?
t-r Berlin, 29. JannaA (S. C.) Die bayerische Regierung hat bei der Reichsregierung die Wiedereinführung der Zwangswirtschaft für Leder Scaniragt. Besprechungen der Rcichsregicrnna unter Beteiligung der Landesregierungen finden bereits kommende Woche statt.
Die jeeeite MMfmWSlwle an H»l!s»d.
«-* Rotterdam, 29. Januar. (S. C9 Eine Renterdepesche meldet aus Paris, die zweite Note der Alliierten au Holland lehne ein Eingehen anf die holländischen Gegengründe ab. Der Kaiser sei bis Mitte Februar von Holland den Alliierten unter Wahrung aller Rechtsformen zur Abnrteilnng auszuliefern. Seim Aufenthalt in Holland bedrohe den Frieden Enropas nud die Sicherheit der Völker.
(Diese aiüerncn 'Jimmnenfe der Begründung des Auslieferungsverlangens stellen wohl den Gipfel jeder Bcrdrehnngsknnst der Tatsachen dar.!
w Genf, 29. Januar. (S. E.) Der „Temps" meldet: /Der amerika,iscchx Vertreter in Paris hat der zweiten Oioic der Alliierten an Holland zugettimmt. Die Note wird am Sonnabend im Haag überreicht werden.
Die Strafe für den Kaiser.
►* Rotterdam, 29. Januar. (S. C.) „Daily M-Al" erfährt, daß der Antrag Englands im Kaiserprozeß, wenn der Kaiser für schuldig befunden werbe, nur auf lebenslängliche Deportativu oder Einschließuug lauten wird.
Lausing gegen die Auslieferung des Kaisers.
Der Amsterdamer „Telegraasi meidet ans Washington: Bevor die Antwortnote der niederländischen Re- gierung giif das Ersuchen der Alliierten um Ansliese- rnng des Kaisers abgesandt wurde, kannten bereits alle alliierten Regierungen ihren Inhalt. Lansing erklärte in einer Versammlung in Boston, Amerika werde sich in der Frage der Anslieferung des Kaisers niemals deu Alliierten auschlietze«. Nur mit Gewalt sei die Auslieferung zu erzivingen.
Rechts««gültigkeit der Urtelle.
•* Berli«, 29. Januar. (I. C.) Der deutsche« Note wege« der Auslie:er«ugsfrage ist eine Anzahl »oa Rechtsgutachten beigefügt worden, die nuge gegaugeuen Zwa«gsverpflichtu«g »es Frie»e««ertra- ges die Rechtsu«gültigkeit der Verurteilung vo« ®c«t* sche« durch die Entente zur Aufrollung bringe«.
Heimkehr aus Frankreich.
Auf Bahnhof Charlottenburg traf Donnerstag krW der erste Transport »entscher Krieqsgefaugeuer aus Frankreich ein. Es waren 156 Mann. Die Heimkehrer waren größtenteils aus Berlin. Nachmittasch wurden zwei wertere Transporte erwartet.
Ueber Stratzburg ist der erste Gefangenentransport rn Starke von 1025 Mann in Offenburg eingefroren und nach dem Durchgangslager Rastatt weitergeleitet worden. Die Gefangenen kommen aus den zerstörten Gebieten in Nordfrankreich.
Der deutsche Gerichtshof für KriegsverSreche«.
fe* Berlin, 29. Januar. (S. C.) Der durch Reichs- gesetz eingesetzte Gerichtshof zur Aburteilung von Verbreche« Deutscher im Kriege wird unabhängig von dem Anslieferungsverlangen der Entente im März seine Tätigkeit aufnehmen. Die Vorarbeiten sind bereits int Relchsjustizvnmsterium im Gange.
Angarn wieder Monarchie.
Bis Mittwoch abend 8 Uhr waren die WahlergeS- Nisse aus 108 Bezirken bekannt. Davon entfallen auf die Chriftlichnationalen 55, auf die Partei der kleinen Landwirte 39, auf die Demokraten 4, paAeilos 2. Stichwahlen werden in 11 Bezirken notwendig fein.
Ministerpräsident Hufzar sprach in einer Frauen- versammlung und gab der Freude darüber Ausdruck, daß in der Hauptstadt die chrisllichnationale Partei alle Hofftlungen übersteigeude Siege errungen habe. Die erste Aufgabe der auf den 16. Februar «unberufenen Nationalversammlung werde die Wahl des provisorische« Staatsoberhauptes bilden. Es ist klar, sagte der Ministerpräsident unter großem Beifall, daß Ungar« wieder Kö«igt«m werde« wird, doch wäre es verfrüht, schon heute mit voWssrmftÄen Xanten bervorcmknu-n der BolkSwille Wer alle"Zweifel erhaben ziW Ausdruck gelange, blicke er mit Optimismus entgegen.
Der Sturz der deutfchen MarL-Valuta.
^ Zürich, 29. Januar. (S. C.) Wie der „Tagesanzeiger" schreibt, snrö im freien Handelsverkehr 100« Mark-Banknoten am Mittwoch zu 434 Franken, 100« Nlark-Banknoten der früheren Regierung mit rotem Stempel zn 10 bis 20 Franken angeboten und gehandelt worden.
fe* Senf, 29. Januar. (S. C.) Der „Temps" meldet: Für das besetzte Gebiet ist zum 1. Februar der Zwangskurs der Mark auf 14 Centimes herabgesetzt worden. In Paris sank am Montag der Markkurs von 20 auf 15, am Dienstag auf 13 französische Centimes, durch irgendwelche Opferung von Grundsätzen zu sichern. Die Deutsche Vplksvartei würde im Gegenteil eine Teilnahme an der Regierung abhängig machen müssen von Voraussetzungen, die zunächst erstillt werden müßten, um eine wirklich fachliche Einheitsfront für den künftigen Wiederaufbau des deutschen Staats- und Wirtschaftslebens möglich zu machen.
Eisenbahnunglück bei Czersb.
»^ S> a n 3 i $, 29. Januar. (S. C.) Heute früh 12,15 Uhr fuhr der v-Z«g 4 Justerbnrg—Königsberg—Berlin infolge Ueberfahrens des Einfahrsignals aus Bahnbof Czersk anf einen im Sanptgleis stebeuSen Militärräv- mnngszng auf. Ein Kürassier und zwei Reisenbe sind tot, 10 Kürassiere und 5 Reisende schwer verletzt. Die Lokomotive, der Packwagen und ein Personenwagen »es v-Znges sowie drei Wage« des Militärz«acs sind schwer, mehrere Güterwagen leicht beschädigt. Der Betrieb wird eingleisig anfrechterbalten. Die Schwerverletzten sind nach Schneidemühl übergeführt worden. Die Namen der Toten und Verletzte« stehen »och nicht fest. Es handelt sich nm denselben D-Zug 4, dessen Wagen vor wenigen Tagen infolge eines verbrecherische» Anschlages in nächster Nähe von Sch«eidcmühl schwer ver- nnglückte«. ’ ^
Der Reichsschatzministerposten.
►* Bochum, 29. Januar. (T. 1t.) Wie das telegraphische Büro Oschmani! in Münster in Westfalen zuverlässig erfährt, Hot der Reichskanzler, nachdem der Abge- ornete Wiegand die Uebernahme des Reichsschatzmim- sterimns abgelehnt Hai, mit dem Generaldirektor Rudolf Teubompel von den Wicktugischen Portlaud-Zement- und Wasserbamverken in Münster wegen Uebernahme der lstcichsswatzminsterinms verhandelt.
Siraiversabren gegen Baltiknmtruppc».
Bon den deutschen Truppen, die aus dem Baltikum Äimhfro'Mirt sind, sind gegen Offiziere der interalliicr» ten VifttikumlommUsio« Belcidignnge» und Tätlichkeiten begangen worden. Die Reichsregierung hat die Untersuchung eröffnet. Die meisten Beichnloigten gehören dem 6. Reservekorps an. Da dieses aufgelöst ist und die Truppenteile im ganzen Reiche zerstreut nud, ist angeordnet, daß die Beschuldigten nach Berlin kommandiert lverden damit die Verfolgung einheitlich und l'eWciinttH durch das Gericht eines in Berlin stationierten Truppenverbandes erfolgen kann. Bisher sind 2 der am schwersten beschuldigten Offiziere in £dwv hast aenonnuen.