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Nr. 63
Mittwoch, den 17. März
1*20
Die Deutsche Uoihspanel
lehnt jeden Gewaltakt, komme er von rechts oder links, entschieden ab und erstrebt die notwendigen Reformen nur auf verfassungsmäßigem Wege. Sie verurteilt deshalb entschieden den frevelhaften Putsch in Berlin, der die Reichreinheit gefährdet, un? mit internationalen Verwicklungen bedroht, die ErnährungSlage verschlechtert und die ersten Anfänge zu einer Besserung unserer Valuta wieder vernichtet. -
EMrechen- bietet 5telmim6we hat sich bereits am Sonntag bet Sichrer der Fraktion bet 9. B. P. StaatsMiaiier a. 9. Sein» bet alten Regierung rar Beifügung gestellt
Wir geben dies der Bevölkerung von Stadt und Kreis Hersfeld mit dem Ersuchen bekannt, Ruhe und Ordnung zu bewahren, damit bald an Stelle von Putsch und Generalstreik auf ver- fasiung-mäßiger Grundlage praktische Arbeit am Wiederaufbau unseres Wirtschaftslebens geleistet werden kann.
As Ssttcrlanö über die Partei!
Deutsche Volfespartei.
Kreisverein Hersfeld.
K»»Stb»s der vbewrWevte».
Die Reichsregierung ist in Stuttgart zur Teilnahme an der Nationalversammlung eingetroffen. Sie wird von dort aus die Reich-geschäfte führen.
Der Herr Reichsminister Kech teilt mir mit, daß die Reichsregierung Verhandlungen mit den Berliner Staatsstreichlern nicht führt und alle hierüber airsge- streuten Gerüchte falsch sind. Die Gewaltdiktatur bei Herrn Kapp ist in Berlin nur auf Teile der Stadt be- schränkt und auch da am Zusammenbrechen.
Hingegen ist es der ausgesprochene Wunsch und Wille der Reichsre>ierung, daß überall da, wo die Behörden treu zur Reich-verfassung und Reichsregierung stehen, gearbeitet werde.
Nach den öffentlich abgegebenen Erklärungen erkennen alle Reichs- und Staatsbehörden in der Provinz, die zivilen wie die militärischen, nur die verfassungsmäßig eingesetzte Regierung an. ES gibt fit unS keine andere Regierung. Aus der ganzen Provm- find mir von Magistraten, Körperschaften und aus der
Bürgerschaft Zustimmungen und Erklärungen zugegange«, daß die Bevölkerung sich auf den Boden der Versaffung stellt. Auch viele, die ihrer politischen Stellung nach in Opposition zur gegenwärtigen Regierung stehen/ mißbilligen das unsinnige Vorgehen der Berliner Ver-- schwörer, das brutale'Gewalt an Stelle der Verfassung!« mäßigen Mittel setzt und deffen unendliche Gefahren für den Bestand von Reich und Staat auch sie einsehen.
Die Voraussetzungen für die Aufnahme der Arbeit sind in unserer Provinz also gegeben. Unser schwer darniederliegendes Wirtschaftsleben, in das eben erst einige Hoffnungsstrahlen geleuchtet haben, darf nicht ohne zwingende Not geschädigt werden. Im Einvep« nehmen mit der Reichsregierung richte ich deshalb «n alle die Aufforderung, die Arbeit wieder überall auf» zunehmen. In diesem Augenblick ist in unserer Provinz Regierung beste Stütze: Besonnenheit und Arbeit.
der
Caffel, den 16. März 1920.
Der Oberpräsident der Provinz Heffen-Nassan: Dr. Schivander.
Unruhen im Reich.
Berlin, 15. März. In Wilmersdorf ist Sie Einwohnerwehr von Arbeitern entwaffnet worden. Es ist darüber zu Krawallen gekommen, die durch das Eingreifen der Sicherheitspolizei beigelegt wurden. Die Vorgänge haben immerhin zur Folge gehabt, daß eine in der Nähe befindliche Bank den Betrieb geschlossen haL.
H a r b u r g (Elbe), 15. März. Baltikumtruppen versuchten, in Harburg einzurücken. Sie wurden daran von den hiesigen Pionieren verhindert. Dabei gab es Tote und Verwundete. Die Baltikumtruppen haben sich in einer Schule verschanzt.
Leipzig, 1L. März. Im Laufe des Montag Nachmittag ist es zu verschiedenen Zusammenstößen zwischen den Truppen und einzelnen Zivilisten gekommen, wobei wieder Mehrere Opfer zu beklagen waren. Auf dem von Truppen besetzten Hauptbahn- hof wurde ein Ansturm von etwa 110 Burschen versucht, aber durch Schüsse abgeschlagen. In den frühen Abendstunden erfolgte ein ernster Angriff aus dem östlichen Stadtteil auf den Augustusplatz durch be- waffnete Zivilisten, die auch Maschinengewehre mit sich führten. Bei der Abwehr dieses Angriffes, der ebenfalls abgeschlagen wurde, verwandten die Truppen auch Minenwerfer. In den Vorstädten suchen mit Revolver bewaffnete Arbeiter die Wohnungen der Zeitfreiwilligen nach Waffen ab. Die Arbeiter hatten der Militärbehörde ein Ultimatum auf Entwaffnung der Truppen bis 6 Uhr abends gestellt, das abgelehnt wurde, worauf die erwähnten Angriffe erfolgten.
Die Militärbefehlshaber erklären in einer neuerlichen Bekanntmachung ihre Treue zurNeichsverfassung und zur verfassungsmäßigen Reichsregierung. Diese Erklärung übt heute leider nicht mehr die Wirkung aus, die sie nvch am Samstag hätte haben können, da inzwischen die radikale Richtung in der Arbeiterschaft die Oberhand gewonnen hat. In militärischen Kreisen wird die zögernde Haltung der militärischen Befehlshaber damit begründet, daß man mit starken Widerständen der reaktionären Elemente innerhalb der Truppen habe rechnen müssen. Erst nach und nach sei es gelungen, diese Wiederstände zu überwinden und die genannten Truppen zum unzweideutigen Bekenntnis zur verfassungsmäßigen Regierung zu gewinnen.
Gestern Abend versuchten zwei Osfiziere, die im Automobil aus Berlin gekommen waren, die Leipziger Truppen zum Anschluß an die Regierung Kapp zu bewegen; sie wurden jedoch abgewiesen. In der Umgebung von Leipzig sind verschiedentlich die Angehörigen der Einwohner wehren durch Arbeiter entwaffnet
worden. Auch Plünderungen sind vorgekommen so in Burgstädt, wie übrigens auch in Leipzig selbst. In Dresden befindet sich das Haupttelegraphenamt in den Händen der Kommunisten, die eine Arbeiterwehr gebildet haben.
Hagen t. Wests, 17. März. Zwischen ReichS- wehrtruppen und Arbeitern kam es heute zu einem schweren Gefecht bei Wetter an der Ruhr. Die Arbeiterschaft hatte 80 Verwundete, die Reichswehr fünf Tote und 70 Verwundete. Die Truppen wurden entwaffnet.
Berlin, 16. März. An verschiedenen Stellen Berlins ist es gestern im Laufe des Nachmittags zu schweren Zusammenstößen zwischen der Menge und Reichswehrsoldaten gekommen, so am Potsdamer Platz, wo mehrere Personen getötet und eine Anzahl verletzt wurden, bei der Kreuzung der Acker- und Jnvalidenstraße und in Steglitz, wo zahlreiche Verwundete und 8—10 Tote die Folge des Zusammenstoßes waren. Gegen «7 Uhr ereigneten sich ähnliche Vorgänge in Eharlottenburg am Wilhelmsplatz; hier zählte man 4 Tote und 6 Verletzte.
Zur Sage in Berlin.
Der Generalstreik wird in Berlin mit mustergültiger Disziplin weiter durchgeführt. Der Verkehr ruht völlig. Auch die wilden Fuhrwerke sind nicht zu sehen, alle großen Betriebe sind weiterhin geschlossen. Es ist eine Lüge, wenn von der Pressestelle bei Herrn Kapp amtlich verbreitet wird, die Eisenbahnorganisationen hätten beschloßen, den Streik aufzuheben, sie seien zu 90 Prozent bereit, den Verkehr wieder in Betrieb zu setzen, und ihr Streikkomitee sei desavouiert worden. Die Eisenbahner beteiligen sich weiter geschlossen an dem Generalstreik. Nur wenn Hungersnot in Berlin ausdrechen sollte, wollen sie zur Belieferung der Gewerkschaften einige Lebensmittelzüge fahren, aber nur unter der Voraussetzung, daß die Verteilung durch die Gewerkschaften erfolgt und Sicherheit dafür gegeben ist, daß die Lehens- Mittel nicht in die Hände der neuen Machthaber in Berlin gelangen. Aus dem Innern der Stadt sind die Truppen zum größten Teil zurückgezogen worden. Oberst Bauer, der neben Ludendorff der Militärdiktatur ist, hat sie nach der Peripherie Berlin? beerbert, weil er von außen her den $nmarf$ bewaffneter Arbeiter befürchtet. Ruch in Berlin schreitet in den Außen- vierteln die Bewaffnung der Arbeiter fort. Herr Kapp läßt durch Handzettel damit drohen, daß die Führer
der Streikbewegung ebenso wie die Streikposten mit dem Tode bestraft würden. Eindruck hat diese Verordnung auf die Arbeiterschaft nicht gemacht.
Während in den beiden ersten Tagen bei monarchistisch militärischen Putsches die Berliner Bevölkerung wegen Unkenntnis der Sachlage in ihrem Urteil gespalten war, ist jetzt die Erbitterung gegen Herrn Kapp, abgesehen von alldeutschen militaristischen Gchichten, einmütig. In allen Bevölkerungskreise» wird für das Unglück, daS über Deutschland erneut gebracht worden ist, Herr Kapp und sein Anhang verantwortlich gemacht.
Weitere Bürgschchaften für Frankreich.
Paris, 16. März. Die heutigen Morgenblätter besprechen die Berliner Vorgänge mit gespannteste» Interesse. Für den „Matiu" ist das Kompromiß, dazwischen der neuen und der alten Regierung geschloffen sein soll, nicht? anders als eine Komödie. Auch t* französischen RegierungSkreisen kann man sich z» keiner anderen Ueberzeugung bekehren. Denn zwei Gegner, die sich so rasch versöhnen, dürften wohl schwerlich ernstlich böse gewesen sein. Für Frankreich erfordere die neue Lage allergrößte Aufmerksamkeit. Es müßten mehr Garantien zum Schutze Frankreich» Hegen Deutschland am Rhein verlangt werden. Natürlich könne ließ nur in Uebereinstimmung mit den Alliierten geschehen. Was aber denke England darüber. DaS ist schwer zu erfahren. Die englischen Beamten hätten eine sehr große Unabhängigkeit, während die Franzosen sich streng an ihre Direktiven halten müssen. Welche Regierung aber auch tx Deutschland anS Ruder kommen möge, ob eine sozialistische oder eine pangermanistische, es könne und dürfe nur eine Regierung sein, die die Billigung der Alliierten erfahren habe. Das ist eine Wahrheit von der sogar die Pangermanisten überzeugt seien.
Andree Tardieu schreibt im „Petit Parisien^ ix ähnlicher Weise. Er sagt 7
„Wenn in Deutschland die inneren Unruhen weiter dauern, so müssen wir eben auf eine »eitere Besetzung der Rheinlande und weitere Verpflichtungen Deutschlands drängen. Niemand wünscht das, auch wir nicht. Das einzige Mittel, das die Äüür.iex in den Händen haben, um eine Ausdehnung der inneren Unruhen in Deutschland auf Europa »a verhindern, ist eben die bewaffnete Armee, die am Rhein steht."
Man sieht hier, welche? Unheil die von Kapp i* die Welt gesetzten Lügen von angeblichen Kompromiß- veryandlungert mit der rechtmäßigen RetchSregiernn»