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Nr. 65
Freitag, den 19. März
1920
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^Berlin, 18. März. (D U) Mit dem ge r ge» die Militärherrschaft zusaMmengebrochLu. Kapp General von Lüttwitz sind von ihren augcmaßieu —^^-[Ctreieu. Den Obervefehl über die in eu Truppe« hat auf Anorduuna der t „ ter General Seeckt überuamme«. Die im:««« der Hauptstadt übernehmen die der Re- uug trm gebliebenen Bestandteile der Gicherheits- Mehr. Die unter General von Lüttwitz einnrarschier- P iBÄÄrtÄK Äi »sastsss LLL den sofort aufgehoben. An der einmütige« «t«h ent- „ 1dene« Abwehr von Arbeiterschaft nutz Bürgertum t die Militärdiktatur zerschellt, und das Volk wird die euerkämpfte Freiheit für alle Zeit zu wahren wissen, preußische Staatsregierung: gez. Hirsch, Minister-
Kapp zurückgetrete«.
' h- Berit«, 17. März. (T. U.) Amtlich. Reichskanzler Kapp ist zurückgetretem Er betrachtet seine Mts- |wn als erledigt und gibt die vollziehende Gewalt an Den bisherigen Oberbefehlshaber von Äittwitz zurück LehufS Einleitung einer Einheitsfront nach links.
Aus dem 11. Reichswehrbezirk.
Witzenhausen, 18. März. Hier ist alles ruhig. Alle Parteien einschließlich der Unabhängigen gehen zusammen.
E i s e n a ch, 18. März. Hier herrscht Generalstreik. Die U S. P. erweist sich als Regierungstreu. Kommunistenputsch wird bekämpft.
Gern , ^M März. Der Pursch geg^n—bte -uera fassungsmäßige Regierung sist niedergeschlagen. Bei den StraßenkäMpfen hat es 15 Tote gegeben.
Erfurt, 18 März. In Erfurt herrscht Militärgewalt.
E r stu r t, 18. März. Die Stadt bietet das gleiche Bild wie gestern. Abgesehen von einigen Schießereien am Kasino verlief die Nacht ruhig. Zur Zeit finden Zusammenrottungen statt, die durch Gewehrfeuer zerstreut wurden. Der Generalstreik geht weiter. Das Innere der Stadt ist gesperrt durch Stcherheilstruppen und Reichswehr.
Heiligen st adt, 18. März. Durch Aufrührer ist es zu schweren Ausschreitungen gekommen. Truppen stellten die Ordnung wieder her, 40 Gefangene.
Schmalkalden, 18. März. Am 17. b. M., abends, wurde eine Räterepublik ausgerufen.
Eisenach, 18. März. Eine Patrouille erwehrte sich eines tätlichen Angriffs der Menge mit ifer Waffe. Tote und Verwundete blieben auf dem Platze. Die Stadt ist in der Hand der Truppe.
Langensalza, 18. März. 4 Uhr vormittags wurde die Kaserne von bewaffnetem Gesindes ange. griffen; es wurde abgeschlagen. Schwere Verluste' Ein Spartakistennett wurde von Artillerie zusammen-
geschoffen. Von Mühlhausen zur Unterstützung heranrückendes Gesinde! wurde durch die Einwohnerwehr Groß-Gotterns unter Verlust von Toton und Verwundeten abgewiesen.
Suhl, 18. März. Keine Veränderung.
Mühlhausen, 11. März. Eine große Zahl Gewehre und mehrere M.-G. sind in die Hände von Aufrührern geraten. Diese sind organisiert.
Erfurt, 18. März. Die Truppe ist Herr der Rage.
K o b u r g, 18.März. Ruhe.
Frankfur undFreistaatHessen: Ruhe.
Zu den Tasseler Ereignissen.
Die Reichswehr-Brigade 11 sendet über die Easieler Unruhen folgenden amtlichen Bericht:
Nach schwerem Landfriedensbruch und Waffenraub aus dem alten Generalkommando, wonach die geraubten Waffen sogleich gegen eine kleine Patrouille angewendet wurden, mußten die Sicherheitsorgane und Truppen alarmiert werden. Die Stadt wurde von den Aufrührern, die durch auswärtiges Gesinde! verstärkt waren, gesäubert.
In der Altstadt wird noch gekämpst.
Erhebliche Verluste sind auf beiden Seiten zu beklagen. Genaue Zahlen sind noch nicht festgestellt.
Soweit bisher festgestellt, betragen die gestrigen Verluste 17 Tote, 43 Schwer- und 21 Leichtverletzte.
Die Reichsregierung ernannte den Reichsab- wickelungskommtssar Grzesinski zum Milttar- kommissar mit besondere« Vollmachten für das Gebiet der Reichswehrbrigade 11.
Bus der Heimat
einer Berechnung des fransrischen Lunoesamrs in abseh- varer Zeit einen Rückgang von fast 20 Prozent aufwei- seu, der sich voraussichtlich noch auf über 25 Pr-Hent in den nächsten fünf Jahren steigern wird. Bei dieser Berechnung sind die in Verlust geratenen Provinzen be- rits in Abzug gebracht, so daß sich also der Gesamtver- lust an Bolkskraft mit so erschreckender darstellt. Die außerordentliche Abnahme der Zahl der Schulkinder ist eine Folge der Hungerblockade.
— Abbau der Reichs stelle für Gemüse und Obst. Die Verordnung über Gemüse, Obst und Südfrüchte vom 8. April 1917 soll nach Berliner Blättern demnächst aufgehoben werden. Für das Jahr 1920 ist keine Be- wirischaftung von Gemüse und Obst beabsichtigt. Die Reichsstelle wird weder Höchst- noch Richtpreise für diese Waren aufstellen. Die Landes-, Provinztal- und Be- zirkssteLen sollen ebenfalls nicht das Recht haben, ihrerseits HörM- und Richtpreise aufzustellen. Der Schlutz- schcinzwang wird fortsallen. Der Verkehr in Stete» rungsvertrügen für Gemüse und Obst wird für die kommende Ernte nicht mehr überumcht werden, sondern bleibt dem freien Verkehr überlassen. Amtliche Ver« tragsnwster werden nicht ausgestellt. Eine Genehmi- gung durch die RerHsstelle kommt nicht in Frage.
— 14 freie Schul stellen sind im Regierungsbezirk wieder ausgeschrieben, darunter eine Lehrerinsietle und fünf Stellen mit & tränndienst
— Schuh- als Luxusgegeustäude. Schuhe, auch Stiefel und Pantoffeln, unterliegen unter Umitänd.» der Luxussieuer. Nach einer Anweisung an die Steuerämter gilt dies sogar für Schuhe aus Leder, wenn Uns Oberteil aus Seide, Brokat oder Sammet hergesiellt ut Sie dürfen aber ein Oberteil aus anderen Gewinst- waren insbe-ondere aus Baumwolle oder Wolle. haben, ohne unter die erhöhte Untfabficucr zu fallen. Beurna- los ist auch, mit welchen Stoffen der Schuh gerüstete ist. Lediglich wweit Pelzwerk dabei verwendet ist. tritt ie nach der Art des Velzwerkes die Lurussieuer ein. Bei Sniuhen mit Oberteilen aus Sämitchleder und bei Seyn» den, deren Oberteil ganz oder teilweise aus ganze« Lackbesätzen hergestellt ist, tritt die Lurussteuer. ein während Schuhe, die lediglich Lackwiben eher Lactoee'- fen an den Seiten aufweisen oder deren ganzes Loee- teil aus anderem Leber, auch in Verbindung mit cla n- schen Einsätzen besteht, nicht lurussteuerpflichtig sind. Gummi- und Filzschuhe sind nicht lurnssteuerpslw) ta.
— „Was soll unser Junge werde»?" Diese Frage tritt jetzt wieder bei vielen Familien in den Vorder-- grund. Und sie will ernst und reiflich überlegi rein. Denn die ganze ^Zukunft, die ganze Lebensgestalrurrg des jnngen Menschen hängt von der Beantwortung der- selben ab. Es heißt zwar, in jedem Berufe könne ein tüchtiger Mann es zu etwas bringen, aber sicher ist doch, daß ein Mensch in einem Beruf (infolge seiner ante» Veranlagung dazu» ein Meister werden kann, wahren» er es in einem anderen Berufe trotz aller „Tüchtigkeit vielleicht nicht weit über einen Pfuscher hinaus bringen würde. Auch ist der Ansicht entgegeuNlirete«, daß jeder schließlich in das Fahrwasser kommt, in dem er ein guter Schwimmer ist. Mancher, der seinen Be- ruf verfehlt hatte, fand keine Gelegenheit mehr, auf das Lieblingsfeld seiner Tätigkeit zurückzukommen, d h. am rechten Ort der rechte Mann zu sein! Und es ist wM auch häufiger ein Nachteil als ein Vorteil, wenn ein junger Mensch von einem Berufe in einen andere«
überwrinat bis er zuletzt von jeder Berufstätigkeit etwas, aber leider nichts Ganzes, Volles gelernt bat, was bei der Konkurrenz, wie sie heute herrscht, eine er Bedingung M- B-^d weiß d - t Meirich dann nubt
in dem Bewußtsein, nimts gründlich und ausschbetz- sich gelernt zu haben, wird er unsicher und unzufrieden, wagt kaum, eine günstige, aber verantwortungsreiLr Position zu übernehmen und — bleibt hinter seines ' -' Das Fatalste bei der Berns»-
Keil
Nr- fett
: K: i .en i- die maugelude Erkenntnis bei» fa^b e wohl „geschaffen" wär» last er ,.. leimt von einem Berufe, für den er . c 'Liier möchte, ganz irrige Boxstellung macht. a die Jugend so leicht geneigt, zu schwärmen, z« ieren i Es sollte daher der Wunsch des der Lehr-
seit eutgegeügeherMn Knaben nicht als Orakelweisheit
ausgefatzt werben. Doch wäre es wieder die Vorliebe eines jnngen Menschen für <
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ten Beruf völlig an ignorieren,' schon aus dem eine» Grunde, damit die Eltern später keinen Borwurf be»
kommen und weiter aus dem andern, weil doch hin und wieder ein Knabe mit einem gewissen Instinkt die TL» tigkeit, für die er gerade geeignet ist, herausnndet. Sehr wäre auch die körverliche Beschaffenheit des anJ der Schule tretenden Kindes bei der Entscheidung an berücksichtigen. Ein vollblütiger, robuster Knabe dürfte es kaum lange als Schreiber oder Schneider, ein schwächlicher, blutarmer kaum lange als Schmied oder Schloöer aushalten. Ebenso ist die Gesundheit der inneren Organe des Knaben au berücksichtigen, vor allem Her» Lunge, Nehmen und geistige Fähigkeiten.
^ Am ihres Kinde» willen.- Sitoman von Alfred Sassen.
9 tNachdruck verboten.)
bilde nrachte nun doch eine fast ängstliche Bewegung > der nächsten Tür, als wolle sie entfliehen. In die» Augenblick trat vom Korridor her Bankier Poritsch len Salon. Er war in seiner gewohnten guten ne. Sein Erscheinen brächte Signor Murrt sofort
zur Besinnung. Er sah ein, daß er sich zu einer Torheit hatte hinreitzen lassen, die er nach Kräften gutmachen nuiÄe. Ein Lächettu dem nmn das Gekünstelte kaum anmerkte, erschien sofort um seinen Mund. Er erwiderte die begrüßenden Worte des Eingetretenen völlig unbefangen.
Hilde strich sich mit der kleinen Hand Langsam über die Stirn. Es war ihr nicht möglich, sich sofort dem Em- druck zu entziehen, den die fessellos hervorbrechende Lei. den schaff des Italieners auf sie ausgeübt hatte. Der Bankier sah Hilde venvundert an. „Ja, was ist dir denn, Kind," fragte er. „Hat dir unser mehrtet tfa« veßmeifter tztesvenstergeschichten erzählt? Du siehst wirklich so aus.
Nun kräuselten sich Hildes Lippen wieder zu dem herb abweisenden Zug von vorhin. „Frage den Herrn Kapellmeister selbst über das, was Wut beliebte, mir mit. gute neu," entgegnete sie kalt. „Es war recht mlgereinl- tes Zeug. Ich bringe keinen Sinn hinein — und ich will es auch nichi." Mit einem kaum merklichen Neige» des
Hauptes verließ sie den Salon.
„Nanu?" rief der Bankier verblüfft, als die Tür hinter der lieblichen Mädchenerscheinnng -ugefaNeu war. „Meister, Sie haben sich doch nicht den Scherz erlaubt,
Hilde eine Liebeserklärung zu machen?"
Der Italiener senkte die Lider tief über die flak- ternden Augen und überlegte. Am liebsten hätte er die Frage des Bankiers keck bejaht und dann kurzerhand die Gründe genannt; die seine Werbung gar nicht in . einem so abenteuerlichen Licht erscheinen ließen. Wac^ der stattliche, vornehme Herr wohl für ein Gesicht ma* theil würde, wenn er von dem enfehlenden Geheimnis
erfuhr, das mit dem Namen seiner (Sattln und damit auch mit feinem eigenen verknüpft war? Ob er dadurch wohl zu überrumpeln wäre und sich den Wünschen des „Wissenden" geneigt zeigen würde? Möglicherweise — vielleicht sogar gewiß.
Aber Signor Murrt sagte sich in schlauer Berechnung doch, es sei vorteilhafter für ihn, wenn Frau Wie» lante allein seine unfreiwillige Verbündete blieb. Er büßte dann in den Augen den Schein des Ehrenmannes nicht ein und durfte von seinem Schwiegerpapa allerlei Vorteile erhoffen. Ja, es war wohl das Richtige, er schrieb erst noch einmal an Frau Melanie. SluerbingS dürfte ihr diesmal der Ton reines Briefes darüber keinen Zweifel lasse», daß er entschlossen sei, brutal zuzu- schrage», falls sie noch immer zögern sollte, sich offenkundig auf seine Seite zu stellen.
In Sckundenfrist war er mir dieser Ueberlegung rrtig und gab dem Bankier auf seine halb scherzhafte [frage eine gleichgeartete Antwort. Der Hausherr ver- olgte das The^ '
ma auch nicht weiter: er lud den Italiener ein, ein Glas Wein mit ihm au trinken, was dieser
bereitwillig annahm. _ ,, . ,.•
Rock am Abend desselben Tages schrieb der Italiener den K4<rief, der Frau Melanie vor die Entscheidung stellte, ihm endgültig die Hand ihrer Tochrer zuzmagen oder sich und ihre geheime Schande an das nritleidslose
Sicht der Oeffentlichkeit gezerrt zu sehem
Es war ein nubarmberziger Brief, hart und unerbittlich in jedem Wort, voll hämischer, nichtsunirdiger Drohungen. Arme Frau Melanie!
Am nächsten Tage schon erhielt der Schurke seine Anuvort. Die ilitglüemdic, die sich von ihrem Schmer- zenSlager aufgerafft hatte, brackte sie ihm selbst. Ja, die arme Frau Melanie suchte ihren Peiniger in seiner Wohnung auf. Sie fürchtete sich wohl, ihn in ihren et« neuen Räumen zu empfangen, sie zitierie vor einem ver- räterischen Zufall, der ihr die mit^so übermenschlicher Kraft festgehaltene Maske vom Gesicht retßenjcmnfe.
Der Kapellmeister schnellte von seinem Stuhl am Schreibtisch cinwr. als die schrvarzgckletdete, dichtver- febieterte Gestalt über seine Schwelle glitt. Er wußte
sofort, wen er vor sich hatte. Ein triumphierendes Leuchten huschte über das bleiche, scharfgefchnittene Gesicht des Südländers. Das Wild war ihm ms Garn ae» glnrgem Hier in diesem Zimmer brauchte er keine. Rücksicht zu nehmen — da konnte er seine Worte so messerscharf zuspitzen, daß Frau Melanie den letzten Rest von Widerstarröskraft etubützte: .
wollte er sie, bis sie sein willenloses Werkzeug
Gedanken dachte, in seinen Wünschen ihre eigenen sah.
Freilich mußte er vorerst auf eine Verzweiflungs-- faene gefaßt sein, auf Trärren und Beschwörungen, me ihn umstimmen sollten. Umso überraschter war er, als er ein verbindlich lächelndes Gesicht sah, nachdem Fraü Melanie den Schleier zurückgeschlagem So überzeu- gend freundlich und verbindlich war der Ausdruck Liefe s Gesichtes, daß der Kapellmeister ganz üüeriah, wie hilisällig die einst so strahlend schöne Frau in ihrer ganzen Erscheinung geworden war.
Es gelang ihr vortrefflich. Mit dem Zusammenbel- ßen der Zähne allein erreichte sie die Wirkung aber wohl somit. Eine geheimnisvolle seelische Spannkraft schien in ihr lebendia zu sein, etwas wie das Verfolgen einer fixen Idee erhielt sie wahrscheinlich aufrecht, ließ sie verbindlich lächeln und schmeichlerisch ipremen: „Aber, lieber Freund, wie körmen Sie mir einen so geharnischten Brief schreiben? Der war ja nana überfiibng. EM schlechter Menschenkenner sind Sie. Sonst missten Sie schon bei unserem letzien Zusammensein berausacnihlt haben, daß ich halb und halb auf Ihrer Seite war. Jawohl, der Gedanke, Ihnen meine Tochter zur <>rau zu geben, hat schon seit einiger Zeit nichts BefreurölicheS mehr für mich. Sie haben mir erklärt, daß ete meine Tochter lieben, daß Sie nicht ohne sie zu leben vermögen — nun gut! Ich will Sie Nicht unglücklich sehen, ich will vielmehr Hand in Land mit Ihnen geben. Wir wollen mein törichtes kleines Mädchen, das sich vorlarv fra noch sträubt, gemeinsam zu bewegen suchen, sich m« Ihrem Antrag zu befreunden. Sie wird ihren. Widerstand schon auf geben — aber Sie werden mabildxiulMl noch ein wenig Geduld haben müssen.*
tKvrtsetzuna folgt.»