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Nr. 113
Donnerstag, den 18. Mai
192*
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Beginn der Räumnng heute morgen.
♦* Mainz, 17. Mai. (T. U.) Havas meldet, General Nollet, der Chef der interalliierten Kontrollkommission bestätigt offiziell, daß die deutschen Streit- kräfte in der neutralen Zone die zugestandene Zahl nicht überschreiten. Infolgedessen hat Marschall Foch den Befehl gegeben, die nenbcsetzte« Gebiete zu verlassen und die Besatzung hinter die frühere Grenze des Brückenkopfes inrückzuführen. Die Rückzugsbewegnng wird am Mon-
. M, 17. Mai, stattsinden.
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“ Mit der Räumung Frankfurts und beS Maingaues durch die Franzosen geht ein Gefühl der Erleichterung und Freude durch das ganze deutsche Volk. Die alte Kaiser- und Krönungsstadt Frankfurt und damit das Herz Deutschlands ist nun wieder frei; frei von welscher Besetzung mit ihrem schwarzen Kultureinschlag. Es ist die sehnlichste Hoffnung des deutschen Volkes, daß es das letzte Mal gewesen sein möge, wo französische Truppen Frankfurt besetzt gehalten haben, und daß niemals mehr ein französischer Soldat biete alle ehrwürdige Stadt betreten möge. Franksurr und die übrigen Mainstädte haben genau sechs Wochen unter dem Joche der Fremdherrschaft gelitten. Es war am Oster- dienstag, am 6. April, als frühmorgens die Schwarzen sich in die Stadt einschlichen und die Einwohnerschaft, als sie die Häuser verließ, um sich zu den Arbeitsstätten zu begeben, überraschten. Und in der Frühe des Morgens, noch ehe die ersten - Strahlen der ausgehenden Sonne die Stadt gegrüßt hatten, sind nun die Schwärmen wieder aus Frankfurt abmarschiert. Ein Gefühl der Befreiung wirb durch Frankfurts Einwohnerschaft und die der anderen Mainstädte gegangen sein, endlich von dem schwarzen Schrecken erlöst zu sein.
Die Besetzung des deutschen Westens durch Marokkaner, Senegalucger und wie diese zur Verbreitung französischer Kultur importierten Völker alle heißen, wird einst in der Weltgeschichte dieses Krieges ein besonderes trauriges Kapitel bilden. Die Empörung der gan- ' —' ec^ r
wage» nach Mainz gefahren. Der Abmarsch der Franzosen ist völlig überraschend gekommen. Noch am Freitag morgen waren in Sachsenhausen 4500 Senegalncger einmarschiert, was auf keine Absicht der Räumung schließen ließ. Erst am Sonnabend nachmittag zeigten sich auf dem französischen Uebcrwachungsbezirk, auf dem Polizeipräsidium und den städtischen Büros die ersten Anzeichen eines eingetretenen Umschwunges. Der letzte Truppenbestand Frankfurts am Sonnabend, 8. Mai, betrug 18 250 Mann.
** Frankfurt, 17. Mai. (S. 6J Aus Offenbach sind gestern abend 8 Uhr die ersten sranzösischen Truppen abmarschiert. Der Abmarsch erfolgte in Ruhe und ohne Zwischenfall. Die Bevölkerung hatte zuvor auf Aufforderung der Zivilbehörde die Straßen und Plätze geräumt. Aus Hanau haben die französischen Truppen heute früh 3 Uhr den Abtransport über Frankfurt begonnen. Frankfurt aber selbst wird erst heute und morgen von den Franzosen geräumt. Die Besetzung des Haupttelegraphenamtes wurde bereits heute nachts 12 Uhr zurückgezogen.
** Frankfurt, 17. Mai. Heute früh 6 Uhr traf von Gaffel ein Sonderzug mit Sicherheitspolizei ein, die sofort nach vollzogener Räumung die Stadt besetzte.
** Frankfurt, 17. Mai. In Höchst a. M. wird vorerst eine große französische Truppenzahl versammelt bleiben, um bet den geringsten Unruhen sofort wieder nach Frankfurt einrücken zu können.
t-* Basel, 17. Mai. (S. C.) Der „Anzeiger- meldet aus Paris, Havas berichtet, daß nach einer Ueberein- knnft der Alliierten Frankfurt am Montag früh geräumt wird. Die kurze Fassung der Havasmeldung läßt annehmen, daß Frankreich anf diesen Aasgang der Verhandlungen nicht vorbereitet war.
Zurückziehung der schwarzen Truppen?
Paris, 17. Mai. Zwischen Millerand, Foch und dem Chef der Regiernngskommission des Saarge-, biets fand eine Unterredung statt, die sich über die ZN- rückziehnna der schwarzen Truppen ans dem besetzten Gebiet nnd aus dem Saarstaat schlüssig mache. Eine Ersetzung marokkanischer Truppen durch weiße Soldaten soll erfolgen.
Die Konferenz von Spaa»
Der Konstantinopeler Korrespondent der „Time/, meldet, daß die Nationalversammlung Mustapha K« mals zum Teil aus gewählten Vertretern, zum Teil au* Abgeordneten des aufgelösten türfifdkn Parlament« bestehe. In Angora wurde ein Kabinett von Kommissaren mit Mustapha Kemal als ersten Kommissar qebiloet. Die Nationalversammlung beschloß, die Verträge unv Abkommen, die.die türkische Regierung seit dem Waffenstillstand mit einer auswärtigen Macht abgeschlossen hat, nicht anznerkennen, und jeder nicht durch die National- Versammlung ermächtigten Person das Recht abzuspre- chen, das türfische Reich auf der Friedenskonferenz zu vertreten.
Die Seutsche Regierung über ObetWfien.
Zu der Unterredung eines Vertreters der „B. 8" mit dem Präsidenten der interalliierten Kommission in Oberschlesien, General Lerond, die wir auszugsweise wiebergegeben haben, wird von Berliner amtlichen Stellen erklärt:
Die Angabe, das deutsch-französische Abkommen vom 9. Januar 1920 zur Ausführung des Friedensvertrages sei von der deutschen Regierung so gut wie nicht veröffentlicht worden und insbesondere den oberschlesischen Richtern bis vor zwei Tagen nicht bekannt gewesen, ist unzutreffend. Das Abkommen ist Ende Januar d. J. der Nationalversainmlung zur Keuntuisnahme nörgelet# worden. Auch ist es selbstverständlich von der preußischen Justizverwaltung den zuständigen Oberlandesge- richtsprüsiöenten und Oberstaatsanwälten, von den übrigen Verwaltungen ebenfalls den Vorständen der Pro- vinzialbehörden mitgeteilt worden. Ebenso unrichtig finb die Behauptungen über den Inhalt des AbkommenS
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deutsche JrauM'uud Mädchen losgelassen worden und, gerichtet. Diese schwarze Schmach ist ein Brandmal m der Zivilisation der „gründe nation", das wie ein schwerer Fluch für alle Zeiten auf ihr lasten wird. Frankreich, das vier Jahre lang täglich in die Welt hat Hin- ausposauuen lassen, für Freiheit und Zivilisation gegen die „Boches" zu kämpfen, benutzt seine gänzlich unzivili- fierten, vertierten schwarzen Truppen, um seine annexro- nistischen Pläne dnrchzusühren und seine Rachegelüste gegen Deutschland zu befriedigen.
Die Räumung Frankfurts uud des Maingaues ist in politischer Hinsicht von großer Bedeutung. Die deutsche Regierung ist hier durch die energische Forderung der Räumung zum ersten Male erfolgreich gegen die ’ französische Gewaltpolitik aufgetreten. Natürlich war ihr dies nur möglich, weil sie sich hierbei auf England unb Italien stützen konnte. Die Absichten, die Frankreich bei der Besetzung des Maingaues gehabt hat, hatten nichts mit der Schaffung von Garantien für bie Sicherheit bei dem Einmarsch der deutschen Truppen in das Ruhrgebiet und die neutrale Zone zu tun. Frankreich hat dabei den Versuch gemacht, auf eigene Faust Gewaltpolitik gegen Deutschland zu treiben, deren Endziel die Trcnnuna Süddeutschlands vom Norden durch ■ das Vorschieben eines Keils über Frankfurt hinaus war, um so das auch heute noch große Deutschland firr immer zu zerstückeln. Dieser Versuch ist minglmlt. England hat nicht den Krieg geführt, um Frankreich eine Vormachtstellung auf dem europäischen .Kontinent zu verschaffen, sondern es hat nur für seine eigene Weltmachrstellung und ihre Erweiterung gekampft
Wir wissen allerdings noch nicht, welche Abnmchun- gen Millerand und Lloyd George über die Ramnung des Maingaues getroffen haben und ob Frankreich doch nicht wichtige Garantien gegeben worden sind, die es ihm ermöglichen, aufs neue gewaltsame Vorstöße gegen Deutschlaud zu unternehmen. Aber das dürfte feststc- hen, daß der Rückzug der Franzosen aus dem Vcmugau nach den energischen Vorstellungen der deutschen Regierung im Auslande einen günstigen Eindruck Hervorru- fen werbe und die Auswirkungen dieses Erfolges der deutschen Divlomatie in wirtschaftlicher Beziehung sich geltend machen dürften. Die Behauptung, daß bitrd) die Räumung der neutralen Zone von den deutschen Truppen die Voraussetzung für die Besetzung des Maingaues weggefallen wäre, ist nur ein Vorwand: denn ebensowenig wie die von den Franzoien angeführten Gründe für die Besetzung des Maingaues als tatsächlich gegeben angesehen wurden, ist auch die Voraussetzung für die Räumung nichts weiter als eine Formalität, mit der Frankreich die Niederlage seiner Politik bemänteln wollte. _
Brüssel, 17. Mai. (T. U. Die belgische« Truppen in der Gegend von Frankfnrt haben den Besohl erhalten, das besetzte Gebiet zn ränme«.
Frankfnrt, 17. Mai. (S. C.) Gegen Mitternacht hat der Ansmarsch der französischen Truppen 6« der Hauptwache nnd am Bahnhofsplatz begonnen. Dte Artillerie ist bereits gestern abend 11 Uhr ans Frankfurt »bgeriieft. Zu gleicher Zeit hat der französische Kom- jnandenr Frankfurt verlassen nnd ist mit einem Strafte
) M" der Sonderbericht-
sgung der Konferenz päa nur unter der Bedingung zugestimmt haben, daß dadurch die sofortige Durchführung der Entwaffnungsklansel nicht anfgchalten werde.
Paris, 17; Mai. (T.
Man werde sich auch in Spaa mit den Vertragsverletzungen bejchäftigen. Auf Veranlassung Millerands sei diese Entscheidung nach Prüfung eines Berichts von General Nollet getroffen worden. Der Korrespdndent glaubt.
hatten nichts mit Sicherheit bei be:
hinzufügen zu können, daß die Deutschen in Spaa nicht als gleichberechtigt behandelt werben würden. Sie würden vor den Alliierten erscheinen wie jemand, der falliert ' c seinem Konkursverwalter. Ihre Vorschläge Nicht in ihrer Gegenwart erörtert werden. Sie hätten nur Auskunft zu erteilen über ihre Zahlungsfähigkeit nnd über die Avsführungsmodalitäteu. Die alliierten Sachverständigen allein hatten das Recht, die Entschädigungssumme, die Deutschland zahlen müsse, festzusetzen.
w Rotterdam, 17. Mai. Die Besprechungen Millerands mit Lloyd George in Huthe ergaben die Festlegung der Fragen, die den Gegenstand der Konferenz in Spaa bilden sollen. Zunächst soll sestgestellt werden, ob die Schadenvergütung, die Dtuitschland zu leisten hat, in Form eines Pauschalbetrages ober durch jährliche Ra- teuzahlungen erfolgen soll. Ferner soll geregelt werden, ob Frankreich, nachdem Belgien befriedigt ist, ei-
habe vor
würden nil
nen Vorzug genießt.
Auch die Konferenz von Brüssel verschoben.
x Berlin, 17. Mai. (S. C.) Der für den 28. Mai festgesetzte Beginn der deutsch-französischen Wirtschafts- verhandlungen ist auf unbestimmte Zeit vertagt worden. Die deutschen Delegierten erhielten den Bescheid, vorläufig Nicht nach Brüssel zu kommen.
Der Völkerbund und die deutschen Beschwerden.
** Haag, 17. Mai. Wie zwecklos "der Völkerbund in wichtigen Fragen sein wird, geht aus einer römnajen Meldung hervor, wonach der Völkerbund besch-ogen hat, auf die deutsche Protestnote wegen Eupen und Malmedy in dem Sinne zn antworten, daß der Völkerbund nicht berechtigt sei, in das Abstinnnungsverfahren einzugrerferi. Erst nach Ablauf eines halben Jahres nach Inkrafttreten des Vertrags könnte die unter der belgischen Leitung erfolgte Abstimmung nachgeprüft und dann der Enticheid des Völkerbundes getroffen werben. Außerdem ist der Völkerbund ohne Einfluß auf die Zuteilung der Bahnlinie Baeren-Kaltenherberg, da der Artikel 35 des Vertrages den Völkerbund nicht erwähne und anderen Instanzen die Entscheidung übertrage.
Friedenszustand mit Amerika.
** $ a a g, 17. Mai. Aus Washington wird gemeldet, der Senat hat die Entschließung über die Beendigung des Kriegszustandes mit Deutschland und Oestesrcich- Ungarn mit 43 gegen 38 Stimme« angenommen.
Eine nationale Gegenregierung in der Tikckei.
Reuter meldet aus Konstantinopel: Es wird mitgeteilt, daß der nationalistische Führer Mustapha Ke- mal in Angora eine Regierung bildete und an die Friedenskonferenz telegraphierte, daß die Auuahme der Friedensbedingungen dvrch die gegeunnkrttge Delegation null und nichtig sein würde.
und seine Bedeutung für die Arbeitseinstellung der Justizbeamten. Das Abkommen gibt der interalliierten Kommission für Oberschlesien nicht mehr Rechte, als ihr durch den Friedensvertrag zugesprochen werben. Die Interalliierte Kommission hatte das Recht, bet ihrem Amtsantritt diejenigen Beamen zn bezeichnen, deren Beibehaltung sie nicht wünschte, ein Recht zu späterer Ausweisung ist ihr in dem Slbkommen nicht eingeränmt. Im übrigen hatten sich alle Beamten zu lonaler Pflichter- süllung zu verpslichten. Es kann gar nicht die Rede davon fein, daß es ein Serftoß gegen diese Verpflichtung ist, wenn ein Richter aus RechtSgrü^ ' ' '
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on hat daher ihre Befugnisse überschritten, als sie im rerwaltnngswege in die Unabhängigkeit der Rechtspflege eingegriffen hat.
Die Grenze zwischen Oberschlesic» und dem Hnldfchiner Lande.
In einer Note vom 9. d. M. teilte die Friedenskonferenz dem Vorsitzenden der deutschen Delegation in Pa- As mit, der Botschasterrat habe entschieden, daß bei der Grenzfestsetzvag zwischen Oberschlesien und dem Hold- fchiner Lande entgegen dem Borschlage des Grenz- sestsctznngskommissars die Grenze westlich und südlich von Kranowitz verlaufen werde. 23on einer Abtretung des Kranowitzer Gebietes an die Tschecho-Slowakei könnq bis zur Entscheidung der oberschlesischen Abstimmung keine Rede sein.
Fortdauer des obcrschlcfische« Justizbeamtenstretks.
In einer Versammlung sämtlicher Richter, mittleren und unteren Justizbeamteu in Oppeln wurde beschlossen, den Justtzbeanitenstreik bis zum 26. dieses Monats aus- zudehnen. Am Montag finden mit der interalliierten Kommission Berhandlungeu über die Forderungen der Beamtenschaft Oberschlesiens statt.
Die EmShru»isko»serenz in Berlin.
** Berlin, 16. Mai. (T. 11.) Der gestrige Meinungsaustausch zwischen den sämtlichen Ernährungsministern der Einzelstaaten u.„______„s"
zu keinem endgültigen Ergebnis. Es zeigte sich aber bc- reit§ in den gestrigen Verhandlungen die Notwendigkeit, daß ohne Gefährdung der Volksernährung eine vollstän- dige Aufhebung der Zwangswirtschaft für die Erzeugnisse der Landwirtschaft auch im kommenden Erntejahr 1920 noch nicht möglich ist. Für Fleisch und Getreide bleibt die Rationierung wie bisher bestehen. Für die Bewirtschaftung der Kartoffeln wird insofern eine Erleichterung eintreten, als man den Landwirten einen gewissen Prozentsatz für den freien Verkehr freiaeben wird. Die Bewirtschaftung der Hülsen- «ud Lelsrückte wird dagegen vollständig dem freien Handel überlassen werden. Die Aussichten für die Ernte seien mit Ausnahme von einigen Landstrichen als gut zu bezeichnen.
und den Regierungskommissaren führts
Las VirtschaslsaLkonime» mit Holland.
Im Anschluß an die Mitteilungen über bie Unter« zeichmmg des zwischen Deutschland und Holland abge- , schlossenen Vertrages über die Gewährung eines Kre« dits von 200 Millionen Gulden an Deutschland sind Nachrichten verbreitet worden über die Ansnütznug des Teilbetrages von 60 Millionen Gulden zur Becha'fnng von Lebensmitteln, die nicht zutreffen. In der hierüber am 31. März im Haag abgeschlossenen Ucbereinkunft, zu der nunmehr auch die holländische Regierung ihre Zustimmung erteilt hat, ist bestimmt, daß Holland an die deutsche Regierung 5000 Tonnen Weizen im Werte von 1750 000 Gulden, 5400 Tonnen Fleisch im Werte von 6 750 000 Gulden verkauft. Deutschland, erklärt sich bereit, Nordsee- und Zuiderfte-Hc^nge im Werte von 3 600 000 Gulden, Milch und Milchprodukte im Werte von 6 Millionen Gnldvn, Kokvsüuchen im Werte von 2 (>bü 000 Gulden, Käse an Werte von 8 MUfione« Gul-