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Nr. 118

Freitag, den 21. Mai

1920

DieZWö!gen"-Lifle der Evkenle.

Noch keine VcrneMnngstcrmrne festgesetzt.

*# Leipzig, 20. Mai. (T. 11.) Wie von zuständiger Stelle in Leipzig mitgeteilt wird, ist die von Berlin aus verbreitete Ateldung, daß in der neuen Liste der En- rente über die Kriegsbeschuldigten genauere Beweisan- gaben gemacht und Zeugen benannt worden sind, un­richtig. Beweisangaben und Zeugenbenennungen smd überhaupt noch nicht gemacht worden, weder in der er­sten noch der zweiten Liste. Richtig ist nur, daß die neue Liste einige weitere Angaben über Hie Beichuldig- ten und das ihnen zur Last Gelegte macht. Diese An­gaben sind aber nach wie vor ganz allgemein gehalten und so mangelhaft, daß sich darauf eine Anklage nicht anfbanen läßt. Unrichtig ist weiter, daß in den Wochen vom 7. bis 20. Juni Vernehmungstermine in Berlin und Leipzig angesetzt sind. Die BeschulSkgten sind zwar zum größten Teil verhört worden, aber nur auf schrift­lichem Wege. Keiner von ihnen ist bisher vorgeladen worden. Es sind auch noch keine Termine hierzu ange­

fetzt worden. v 1 '

Der i «g!isch°französische Gegensatz.

' »-» Paris', 2t). Mai. Der Rücktritt des früheren Prä« sidenten Poincaree vom Präsidentenposten der Wiedex- aMmachungskommission hat die französische Presse in

große Aufregung versetzt. Verschiedene Blatter sprechen davon, daß die letzten Ministerkonferenzen im Grunde. Nicht anderes bedeutet haben als die Vorläufer emer Revision des Frieöeusvertrüges. DerEclair" erklärt, daß das französische Parlament den Ministerpräsiden­ten Millerand nicht bis zum Ende folgen werde, wenn er auf dem Wege beharre, den er unklugerwerie betre­ten habe. Dasselbe Blatt schreibt, daß vor der Kome- renz in Spaa noch allerlei Ueberraschungen für Frank­reich etntreten könnten, die den Zweck haben, auf Eng­land einen solchen Druck auszuüben, daß es zustnnmt, den Dentschen noch schärfere Bestimnnrngen für die Zah­lungen der Entschüdignna vorzuschreiben.,. Der englisch- französische Gegensatz nimmt immer schar?ere Formen

ms Eng- iUfttmmt, die Zah-

ä». ,

Neue französische Unverschämtheit.

Frankfurt, 20. Mai. Wie aus Parrs gemeldet wird, hat die französische Regierung dem deutschen Ge­schäftsträger eine Aufstellung der von der franzosnchen

vileinwohncr überreichst mit der Aufforderung, das Verfahren fortzusetze« und der alliierten Ueberwa- chungskomMffion Bericht zu erstatten.

Keine weitere Ablieferung von Handelsschiffen.

e» Rotterdam, 20. Mai. Aus London wird berichtet, daß der Wirtschaftsrat der Alliierten aus Die weitere Ab­lieferung voll deutschen Handelsschiffen Verzicht gelei­stet hat. Nach einer Pariser Meldung befürwortet die Ueberwachungskommission beim Rat der Allnerten bte Erhöhung der Sicherheitspolizei in Derttichland auf

75 000 Mann.

Wiederaufbau an bet Somme.

Die Agentur Havas meldet: - Der Prnfck. des Sommedepartements teilt mit, daß der Wiederaufbau des Schlachtfeldes an der Somme rasche Fortschrstte macht. Ein Viertel der Hanserrumen fet aufgeräumt. Die Trümmer der Städte Amiells, Nesle und Ham seien voüftäubtß weggeschasft. Von 25 000 im Somme- aebtet zerstörten Häusern seien 8200 vollstarrdig wieber» hergestellt und 10000 Unterrnnssstatteu provifvrnch er­richtet worden. Von 1200 zerstörten Fabriken seien -SO roteber vollständig unb 400 teilweise in Beirieb.

Asautth für Milderung des Friedens.

LautAllgemeen Handelsblad" hat in, einer vom Rat wr Bekämpfung der Hungersnot einbernfenen Versammlung in London Asguith ausgeführt, das ein­zige'Mittel zur Bessenina des durch den Krreg geschaf­fenen Zustandes sei eine Milderung der Fnedeusbe- ifimiitunaen. Asguith nannte die Ereignisse, in «ud- westrußläild und namentlich das angriffsweise Arfftre- ten der Polen einen Skandal und fordert ÜÖhcBltdj an Stelle des Obersten Rates einen wirNichen Völkerbund.

Internationale Anleihe für den europäische« Wiederaufbau.

ßu-nt 20. Mai. (S. C.) Wie derNeuyorker He- rald" aus Loridon meldet, wird in englischen Bmlkkrei- sen der Plan erwogen, wie eine internationale Anleihe Inn 300 bis 500 Millonen Pfund gegeben werden könne. Dieser Betrag eZcheiue als Mindestsumme, nm Europa finanziell und wirtschaftlich wieder aufzurrcAen.

Die Sachschäden der Besetzung in Fravkfvrt.

,, «vriin 2a Mai. (S. C.) Nach Meldung aus Frankfurt a. Main sind die durch die französischen Be- sätzungstruppen verübten Sachschäden

«enden Feststellnngen der eingesetzten Kommission mit §i/ Millionen Start ermittelt worden. Es werden nur dieientaeu SEeu gerechuct, für deren Entstehung mi­litärische Gründe der Besatzmigsbehörde nicht geltend aeumcht werden.

Die Besatzungskosten für den Maingau.

m» Rotterdam, 20. Mai. Einer des Tenws" zufolge stellt Frankreich für die 4ltaaiae Be- setzuna des ^Naingaues Ersatzfordenmaen in Holze von 29>< Millionen Franken an Deutschland.

Für Eiubernfvng deS «blkervuvdes

w Basel, 20. Mai. Die PrebinsormMionerfaHrt London, wn Enaland aus wird eilre T^lEUNg ein« leitet, um die sofortige Einberufung des Bölkervuu^s U sichern. An der Knitteren» sollen auch alle nickt an­

geschlossenen Länder, besonders aber Denffchland und Rußland, teilnehmen. Auf der Konferenz soll die Auf­lösung des Obersten Rates beschlossen werden. Die wei­teren Arbeiten wird alsdann die Friedenskmfferenz des Völkerbundes übernehmen.

Bevorstehender Rücktritt Millerands?

w Genf, 20. Mai. Pariser Blätter bestätigen die Meldung, daß Ministerprästdeut Milleraud demnächst zurücktreieu müsse, weil er den Mut gehabt hat, sich vo« der frauzösischen Finauzpolitik des Miuisteriums Cle- meuceau loszusageu.

Stürmische Sitzuug der französischen Kammer.

^ Berlin, 2d. Mai. (L. A.) In der französische» Kammer kam es bei Besprechung der Stretkimerpella« Hon zu stürmischen Zwischemüllen, die eine Unterbre­chung der Sitzung notwendig machten.

Zum Rücktritt Poincarees.

** Paris, 20. Mai. Das Schreiben, worin Poinca- rr« seine Amtsniederlegung anzeigt, ist eine feierliche Wahrung für Frankreich und den Völkerbund der Na­tionen. Alle Abmachungen, die die Regierungen der Alliierten untereinander treffen, könnten nur Bedeu­tung besitzen, wenn die von den Parlamenten ausgehen würdest.

Die Empörung übet Die schwarze Schmach.

Der deutsche Studententag in Leipzig hat nach An- nahnre von Anträgen gegen eine Neberfreurdung dev deutschen Hochschulen und für Beschränkung des Stu­diums der Ausländer an deutschen Universitätten fol­gende Entschließung des Vorstandes zu der schwarzen Schmach im besetzten Gebiet, die an alle Regierungen und Hochschulen der Welt mit Ausnahme der Studen­tenschaft Frankreichs gehen soll, gutgeheißen. In dieser Kundgebung heißt es u. a.: 1E1

Die deutsche Regierung wagt es nicht, dem deut­schen Volke die Augen zu öffnen über die beschämenden Begleitumstände der Verwendung schwarzer Truppen. Die deutsche Ehre empört sich gegen das Ultimatum bet französischen Machthaber an die Bürgermeister besetz­ter Städte, in kurz befristeter Zeit eine groue Menge turn Freudenhäusern für die wüsten Orgien ver Neger- Horden zu schaffen. Die deutsche -Studentenschaft als die kommende Generation unseres Volkes verwünscht diese von der französischen Regierung gebilligten Zu- franoe, die in om angemeinen Ausverkauf Deutschlands auch die deutsche Frau einbeziehen wollen, mrd wendet sich an die Intelligenz aller Völker, auf Abhilfe in den besetzten Gebieten zu dringem Wehe, wenn die deutsche Jugend zu einem zweiten furor teutonicus getrieben würde, der von der kommenden französischen Genera­tion Rechenschaft fordern müßte für die Schmach, die der deutschen Frau von französischen Negerhorden un­ter stiNschweigender Billigung des französischen Volkes täglich und stündlich angetan wird! Wie lange noch?!"

Auch in den Vereinigten Staaten haben die Ge­walttätigkeiten der schwarzen Truppen im besetzten Ge­biet, besonders ihre Ausschreitungen gegen Frauen, ben Anstoß zn einer starken Einspruchsbewegung gegeben. Einer best bemerkenswertesten Proteste geht von dem apostolischen Vikar derWestem Oyhodox Churche of America" aus, und der Erzbischof dreser Kirche Hai seine Zustimmung dazu gegeben. Der Protesthatdre^orm eines Briefes an den französischen Botschafter tn Wa-

shington Jusserand. In-bm wird ge agt:

Alle bisherigen EüthMnngen über die sittlichen Nerbrechen der schwarzen Soldaten S^utterchs im be­setzten deutschen Gebiet, für die amtlich die tranzonsche Militärbehörde die Verantwortung zu tragen hatte, Enthüllungen, für deren Richtigkeit die Namen der EM- büller bürgen, erheischen dr ngend einesofortige Wider­legung durst) den französischen Botschafter. .Amerika - - " '" den, wenn amerifantiche Hilfe

dazu geführt haben sollte, Re-

würde' es tragisch empfinden, wenn amerifantiche Hilfe zum Siege der Alliierten dazu geführt haben sollte, Ne­ger auf ivehrlose weiße Frauen loszulasse». , Wurden die Enthüllmigen nicht dementtert werden können, fo würde dies besonders in den Südstaaten die letzt beste­henden guten Beziehungen »wischen der Republik Frankreich und den Republiken Amerikas so empfind­lich schädigen, daß ein Ausgleich unmöglich würde.

'Abschriften dieses Protestes geben den Kommissio­nen des amerikanischen Parlaments für auswärtige Politik zahlreichen Mitgliedern des Kon^eßes und hrrt ^eiteret her Krieaervereine Amenkas zu. Er ist auch nach einer Mitteilung des apostolischen Vikars als Protest der Western Orchodox Church of America selbst

aufznfasscn.

Der poinlsch-russifche Krieg.

Das bolschewistische Heer 5 Millionen Ma«« stark?

«tockbolm. 20 Mai. (T. II.) Ein Moskauer 8-irnkwruch meidet mlö ^.teböt: Die rote -trmce dat feÄ&tV^ die rote Armee sreudto. die fyL®???, $?$ de^^dnü

delsdelegation nach Sowietrubland wird in einem Mos­

kauer Funkspmch angekündigt.

Polnisch-rumänische Berhantzlnnge«.

w Bukarest, 20. Mat. lT. M Der Chef der vol- lttschen Milttärmission in P^s i» Bu^pest ei^ troffen und vom König m besondrer AuMenz elwp- fcurgen worden, der imt ihm eine lan ac t Uuterrebuna über die volntscke Offensive und bte voinlsche Lage hatte.

Da- BlattUniversul* meldet, daß zwischen -en RM gteruugen in Warschau und Bukarest ein AüStausch vo< Rote« »n» Depesche« stattfinde und daß die Noten vo« dem Wunsch nach einer möglichst raschen Serftänw gvng zwischen Polen und Rumänien dirttert seien.

(Wenn auch aus der Meldung nicht ersichtlich tL welchen Zweck die Verhandlungen zwischen der voIitU. schen und rumänischen Regierung haben, so dürfte boty. die Annahme berechtigt sein, daß es sich-dabei um eine Unterstützung Polens durch Rumänien in der Offen« sive gegen Sowjetrutzland handelt. Man darf wo« füglich bezweifeln, daß die Bolschewisten ein Heer von 5 Millionen Mann in kurzer Zeit zusaurmermezogt» haben, aber dennoch scheint die Lage ver polnischen »je# me« an der bolschewistischen Front den Polen große Sorgen zn bereiten, weil sie bei Beginn der OsfensiR über einen gewissen Ansaugserfolg nicht htnausgekom- men ist.)

w Bukarest, 20. Mai. Eine polnische Mllttärvrff-

Hon ist tn Bukarest eingetroffen. Man vermutet, eine militärische Verftändiguim zwischen Polen Rumänien zum gemeinsamen Kampfe gegen die

Rumänien zum gemeinlan schewiften eingeleitet wird.

Erfolge der Bolschewifte«.

m- Berlin, 20. Mai. (8. A.) Die Bolschewiken haben an der Düna die Polen und bei Enselt eine Koül» pagnie Engländer zum Rückzüge gezwungen.

Untersuchung der poluischeu Angriffe.

w Berlin, 20. Mai. (S. O Auf Grund der Be­schwerde der Regierung gegen die militärischen AngEl der Polen sind gestern Mitglieder der Entemekouvnts« sion tn das deMsch-polnische Grenzgebiet abgeretst. Ge­neral Rollet, der Chef der Ententekommtssion, errett den Auftrag zur Teilnahme an den Besprechungen iM Svaa.

Die Zwangswirtschaft.

Der Reichsrat hat am Mittwoch die neue Reichsge» treideordnnng für die Ernte 1920 angenonimen. v» dieser Ordnung wird an der Zrvangsbewirtschaltni sämtlicher Getreidearten sestgehalten. Auch der Hafer unterliegt wiederum der Zwangswirtschaft. Die neue Verordnung über die Versorgung mit HerbstkartonA« aus der Ernte 1920 sieht ebenfalls von der freien Wirt­schaft ab. Das bisherige System soll aber derart goän« dert werden, Hak-, die landwirtschaftlichen Geuasienschaf- ten und dir O , anifatlnuen des Kartoffeihandels mit den Landwirten Verträge über Lieferung von Ltarkof- feln abschließen sollen. Für den Fall, daß diese Ver­träge bis zum 1. August 1920 über zusammen 120 Mil- ltonen Zentner lauten, siebt die Verordnung von einer weiteren öffentlichen Bewirtschaftung ab und tiberläßt den verbleibenden Rest der Ernte den Erzeuger» zur beliebigen Verwendung, auch zur Fütterung.

Ebert lehnt eine Wiederwahl ab.

w Berlin, 20. Mai. (©. C.) Nach Mitteilungen in der Sitzung der mehrbeitssozialdemokrattfchen ^x» werkschaften wird der Reichspräsident Ebert für eme Wiederwahl als Präsident nicht mehr kandidieren. Der ReichspräsideM hat den Mitteilungen in der Bersanun- lung zufolge es abgelehnt, eine auf ihn fallende Wahl anzunehmen.

Die demokratische Reichsliste.

*# Berlin, 20. Mai. tT. 11) Ebenso wie »g» Zentrum und die Sozialdemokraten hat die deutsch- demokrattsche Partei gestern ihre Reichsliste für die Wahlen fertiggestellt. Die demokratische ReichSliste be­ginnt mit dem Namen des SenatorS Petersen, deS Vorsitzenden der deutsch-demokratischen Partei. An erster Stelle stehen weiter auf der Liste der Reichswehr­minister Geßler, das Präsidialmitglied des Zentralver. bandes für den deutschen Grotzhauoek, Kainath, der frü­here Führer der Jungliberalen Dr. Schiffer, der würt- tembergische Kultusminister Hieber und andere. Auch die Namen des berühmten Physikers Professors Dr. Wal­ter Nernst und des friiheren Gouverneurs von Kiaut- schau, von Truppe!, befinden sich auf der demokratischen Reichsliste.

Unabhängige Laudrate.

=r Berlin, 20. Mai. (T. U.) Auf Vorschlag des Oberpräsidenten Hörsing in Magdeburg ist der urrad- hängige Kreistagsabgeordnete Raute zum Landrat in Bitterfeld und der unabhängige Redakteur Casparek tu Halle zum Laudrat in Sangerhanse« ernannt worden. Die Ernennung entspricht den Anträgen der beiden Kreistage.

Eüdekvm Oberpräfident von Hannover.

w Berlin, 20. Mai. (T. U.) Zum Nachfolger deS entschieden rechtsstehenden Oberpräsidenten von Hanno­ver, Richter, ist nunmehr der sozialdemokratische Abge-- ordnete Dr. Südekvm ernannt worden. Der neue Re­gierungspräsident von Hannover wird den Demokraten, der Regierungspräsident von HUdesheim dem Zentrum entnommen werden.

Neue kommunistische Ku«»gcba«gea in «ertin.

w Berlin, 20. Mai. (S. E.) Für die Pnngsttage sind von den Unahbänaiaen und Kommunisten tn Ber­lin Stoffen» unb Straßenöcuwnstrattoneü gegert die Re­gierung einberufen worden. Die großen Umzüge der Arbeitslosen am Dienstag waren nur der Auftakt zu den beabsichtigten neuen reglennlwsfeinölicken Krmdae- bungen in der Reichshauptstadt. In den Berliiier Fa- briken werden seit Morstag Handzettel mit der Anffor- derung zur Teilnahme an den neuen Temonitralionen des Proletariats verbreitet. _ .

Die Aerzte und »ie Kraukeukasfe«.

* Leipzig, 2a Mai. dluf..Veranlagung dcr mediz - nischen Fakuftät der Universität Leipzig foüat alle Uni»