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Dienstag, den 24. August ^^pi,.,'eusDäris^P^. ^^^ 1920
Die Lage in Oberschlesien.
Vor neuen Aufstände«.
* * Kattowitz, 22. August. (T. U.) Alle Anzeichen deuten darauf hin, daß die bisherigen Vorgänge in der Nähe der Grenze nur der Auftakt gewesen sind zu einet großen polnischen AufstandsSewegung.
Die Alliierten greifen ein.
m- Berlin, 23. August. (Eig. Drahin.) Die französische Besatzungsbehörde des oberschlesischen Gebietes zeigt sich seit Sonnabend offensichtlich und redlich bemüht, auf unblutigem Wege die Ordnung wieder herzustellen und Sie Polen zur Abgabe der Waffen zu veranlassen. Seit dem Eintreffen des französischen Oberstleutnants in kajed, des Chefs des Stabes des Generals Lerond, ist ein offenbarer Umschwung in dem Verhalten der französischen Besatzungstruppen festzustellen. Die französischen Besatzungstruppen sind unermüdlich bestrebt, der deutschen Sicherheitspolizei zu helfen und den Frieden wieder herznstelle«. So haben sie verschiedentlich den Sicherheitspolizeibeamten die von den Polen abgenommenen Waffen usw. wieder» ausgeliefert. Die Kattv- witzer Sicherheitspolizei wird von der französischen Behörde in Polen ersucht, möglichst ihre Kasernen nicht eher zu verlassen, bis ein schriftlicher Befehl des Generals Graciner vorliege. Als Grund wird die Tatsache an- aegeben, daß die Gefangenen der ersten Hundertschaft in Myslowitz und über ICO Beamte ihrer Uniformen von den Polen beraubt worden sind, die diese für sich verwendet haben. Die Sicherheitspolizei ist nunmehr vom Straßendienst ausaelchaltet.
• ** Berlin, 23. August. (Eig. Drahtn.) Aus Katto- witz wird der Berliner Montagpost gemeldet: Die Lage ist im allgemeinen unverändert, R«r in der Haltung der interalliierte» Kommission ist ein wichtiger Umschwung eingetreten. General Lerond hat seinen Ge- neralstabschef entsandt. Die Kommiffion versichert, daß die Säuberungsaktion mit rücksichtsloser Strenge durck- aeftihrt wird. Ein aus Muslowitz zugereister Beamter der Sicherheitspolizei erzählt, daß hier bereits der Be- Ml bekannt gegeben worden sei. daß spätestens bis Montag mittag alle Waffen abgeael-e'. ^ - «rüsten- »w J^jttftS-ten-intv^^ vestebend aus einem Franzosen. einem Engländer, einem Deutschen und eiNem Polen selbst die Suche nach Waffen vorzunehmen haben. Am Sonnabend abend hat eine Kommission. Sie sich ans Mitgliedern aller Parteien zusammenstellt, bei General Graciner vorgesprochen und hat dem General die schwierige Lage des Industriebezirkcs klarzulegen versucht, indem sie die Forderungen aussprach, die erfüllt fein müßten, bevor wieder Ruhe und Sicherheit eintrete. Die Parteiführer erklärten, daß die allgemeine Entwaffnung der Bevölkerung und die sofortige Aufhebung des Belagerungszustandes die Grundbedingungen für den Frieden sein müßten, und daß hierfür unparteiische Kommissionen aus Polen und Deutschen gebildet werden müßten. Die von den polnischen Organisationen ausgegebenen Proklamationen zum Streik sollen zurückgenommen werden. General Graciner gab die Versicherung ab, daß die Polen, die bereits erklärt hätten, daß sie zur Ablieferung der Waffen und zur Sorge für die Sicherheit bereit wären. Die Ententekommission werde allen Einfluß aufbieten, um wieder normale Zustände berbeizuführen. Die Parteiführer hatten den Eindruck, daß die Entente es mit diesen Versicherungen ernst nehme. Nach Mitteilungen der interalliierten Kommffsion haben sich in der Gegend von Kattowitz-Myslowitz Banden gebildet. Es sind alle Maßnahmen zum Schutz der Grenze und zur Aufrechterhaltung der Ordnung mrd öffentlichen Sicherheit getroffen.
• * Bresla«, 22. August. lT. U.) Ein mit französischen Mannschaften besetztes Automobil erlitt am Ring eine Panne. Hinzukommende Studenten zerschnitten einige Reisen und es entstand ein Tumult, in dessen Verlauf die Franzosen in Schutzhast gnommen werden mußten. Der französische Offizier erhob Beschwerde beim Polizeipräsidenten. Die Untersuchung ist noch itW abgeschlossen. Der Polizeipräsident von Breslau hat in einem Aufruf an die Bevölkerung zur Ruhe und Besonnenheit ermähnt.
Rene Zusammenstöße.
»> BreSlan, 23. August. (S. C.» Nach Meldungen aus Oöerschlesien ist es am Sonntag zu neuen Zusammenstößen in Bismarckhütte gekommen. Polen griffen Teutsche an. Es kam zum Eingriff des Militärs. Auf beiden Seiten gab es Verwundete und Tote. In Kat- tmvitz Köuffshütte und Beuchen herrschte «ountag Ruhe. Gesi'ru sind neue Transporte mit Italienern. Sie bisher in Ostpreußen standen, in Kattowitz und Beuchen einaerückt .
Wiederherstellung der Ordnung.
** Berlin, 23. August. (S. C.) Aus Breslau wird gemeldet: Die interalliierte Kommisston in Oppeln gab dem militärischen Befehlshaber der Besatzungsarmee in Oberschlesien Befehl, die Staatshoheit der alliierten Commission im Abstimmungsgebiet wieder herzustel- len. Die interalliierte Commission teilte ferner dem deutschen und polnischen Vertreter der Abst mmungs- kommiMon mit, daß eine Aenderung des staatsrechtlichen Besitzstandes in Oberschlesien nur im Wege der Volksobstiumtung herbeigeführt werden würde.
Der Krieg in Polen»
Brest-Litowßk gefalle«?
* * Haag. 22. August. lT. 1L) Der Warschauer Korrespo«vr«t da» »Muti«" meldet, tufolge der Ei«.
nähme von Breft-Litowsk hat die polnische Armee sechs russische Divisionen umzingelt. Die Polen haben 30 bis 40 000 Gefangene gemacht. Das rote Hauptanartier soll nach Smolensk verlegt werden. Der „L. A." schreibt, baß eine Bestätigung dieser Nachricht noch nicht vorliege.
Auch Wilna geräumt?
, „Etoil Belge" vernimmt aus Paris, daß nach dort eingetroffenen Berichten Wilna von Mt Bolfchewisten geräumt worden ist. Der russische Generalstab hat sich nach Grodno zurückgezogen.
Der polnische Sieg.
.^arf^flö' 23. August. lT. U.) Polnischer Hee- resberrcht. Nordfront: Die Truppen unserer ersten Armee, welche den größten Teil her 15 Sowjetarmee außer Kampf setzten, hat nach erbitterten Kämpfe« Prasz«yz, Szomska und Mlawa genommen und eine« Teil der russischen Armee abgeschnitten. Die in wilder Flucht zuruckgegangenen Truppen haben einen Teil der Artillerre zuriickgelassen. Infolgedessen wurde auch der größte Teil der 4. Sowjetdivision und der 3. Kavallerie- division vernichtet. Die Zahl der Gefangenen und des gemachten Kriegsmaterials konnte bis heute nacht noch nicht festgestellt werden. Sie wächst stündlich. In den Kämpfen der Nordarmee zeichnete sich vor allem die 18. Division aus, die am 21. 8. 5000 Gefangene machte, 18 Mschütze und 135 Maschinengewehre erbeutete. Die längs der deutschen Grenze vorrückenden Truppen Po- merellscher Abteilungen haben Solda« besetzt und damit de« Ring im Norden geschlossen. Mittlere Front: Im Zentrum dauert der Bormarsch an. Am 21. wurde Szambrow und Mazowiee genommen sowie der Narew im Süden von Bialystok überschritten. Bei den letzten Kämpfen wurden 22 Geschütze schwersten Kalibers, die nach Gefangenenaussage zur Beschießung Warschaus yermanöf werden sollten, über iansend Wagen und einige Hundert Gefangene als Beute eingebracht. Süd- sront: Die allgemeine Bestürzung auf der russischen Nordfront teilt sich auch der Südfront mit. Bei Le«t- berg haben die Solschewistischen Divistone« de« Rückzug angetrete«. Unsere Abteilungen nähern sich der B«g- Linie.
~T Die polmscheu Erfolge.
Polnische Zeitungen schreiben den .Hauptanteil an dem Erfolg von Warschan dem französiscknn General Weygand zu, durch dessen auf Grimd der Erfahrungen in der Marneschlacht ausgearbeiteten Pläne der Sieg errungen worden sei.
Die Nussenfront baut ab.
. «* Prosken, 23. August. (T. U.) Die russische werte Armee befindet sich in vollem Rückzüge über Lomsza nach Grodno. LomSza ist vom Stäbe der vierte« Armee ««d allen revolutionären Komitees geräumt. Die Straßen find überfüllt von der zurück- strömenden Armee. Die Teile der Bevölkernnq, die fich der Sowjetregierung z»r Verfügung gestellt haben, befinden fich ebenfalls beim Rückzüge der Armee. Gestern ging der rusfische Rückzug noch in voller Ordnung vor fich. Die Ruffen haben in Lomsza zum Teil ftarf geplündert. Wie weiter gemeldet wird, bemerkt man unter den rote« Tr«ppen keine Berzweik- lnvg über die Niederlage, sondern lediglich Kampfnnlnst. Der Stab will die Verteidign« von der Narewlinie über Lomsza z«rücklegen nnd von hier ans Grodno znrückgehen. In Grodno besinden fich starke Reserve«, die nnnmehr nach Btalnstok vorgeschoben werde«. Die Eisenbahnlinie Lomsha-Bialpstok ist bereits in deü Händen der Polen. Dadurch ist der Rück-ug nach Südosten den Stuften «»möglich gemacht. Teile der vierten russischen Armee stehe« vor der Gefahr, nach Norden über die Grenze abgedrängt zu werden. Aus allen Orten, anch ans Grajewo sind die revolutionären Komitees geflüchtet.
* * PariS, 23. August. Der „Matin* schreibt über die Lage im Osten: Die Offensive im Zentrum und auf dem rechten Flügel scheint ohne große Hemmungen vorwärts zu gehen. Der rechte Flügel geht in einer Breite von 100 Kilometern gegen den Bug vor und steht 30 Kilometer vor Sokolow.
Die Pole« vor Pi«Sk.
m Genf, 23. August. lS. G.) „Havos* meldet am Sonntag, die Polen rücken von Brest-Litowsk gegen Pinsk vor. Kobrin auf dem Wege nach Pinsk ist besetzt.
Die Rä«mn«g Wilnas?
m Senf, 23. August. lS. G ) Der Temps meldet aus Kopenhggcu: Hier liegen russische Berichte vor, wonach Wilna und Minsk vori den Rüsten geräumt werde. Die Russen bereiten eine neue Verteidigungslinie hinter Minsk vor und gehen damit auf die alte Frontlinie vor der großen Offensive znrück.
Der große Rückmarsch.
• * Genf, 23. August. lS. C.) Der „TemvS meldet aus Warschau. Mlawa ist von den Polen besetzt. Die Polen sind auf dem Marsch nach Suwallt und Augustowo.
Polnische Maßregelungen.
»^- Königsberg, 23. August. lS. G.) Aus Solda» sind über 5000 Flüchtlinge, darunter ganze Familien, auf oftpreußtschem Gebiet eingetroffen. Wie der „Gor= riere Soßnanski" meldet, hat der polnische Staaksint gegen alle deutschen Einwohner SoldauS, welche Krmd- gebungen gegen Polen zugesiinmü Satten, Haftbefehl wegen Hochverrat erlassen und mit ihrer Vollzichung ein Ä'ommai bu der dritten polnisches Armee ökaus- trggt, . ' .
Rußland nnd feine Offiziere. ,
m Rotterdam, 23. August. (S. G.) Die Reuter- agentur meldet durch Funkspruch aus Riga: Im MoK. kauer Sowjet teilte Lenin das Fehlschlagen der Offen*', froe gegen Polen und die Räumung von Pinsk
Grodno mit. Der Sowjet beschloß auf Antrag des Re-i volutions-Komitees, eine Verlängsrung der Pflicht«' dauer der Sowjetregierung gegenliber Generälen und' Offfzieren abzulehnen, ihnen aber den Dank des russi«^ sKen Volles auszusprechen. Reuter meldet weiter, es' ist anläßlich des Ritckzuges der russischen Heere fern! Todesurteil gegen die Führer der Armee gefällt' worden.
Ostprenbischer Selbst,ch«tz.
** Königsberg, 23. August. Ueber die Frage des Selbstschutzes und des Grenzschutzes gegenüber Polen fanden beim Oberpräsidenten Verhandlungen statt, die' Aussicht auf eine Einigung bieten.
Rusfische Schlappe.
^ Krakau 22. August. (T. U.) Am späten Abend ^-SEstr gen Tages traf hier die Nachricht ein, daß die bolschwistifchen Truppe«, welche sich der Stadt Lenrberg bis auf kurze Enffernung genähert hatten, nach eriola« reichem Vorstoß der Polen panikartig znrückgehen. Nach vortibergehender Depression hat die Stadt wieder ihr ruhiges Aussehen erhalten. Zwischen Pthulowce und Kuhllow haben die polnischen Truppen die 14. bolschewistische Division völlig zersprengt, und die vierte Brigade der roten Armee Budiennys in die Flncht gejagt.
Solda« wieder polnisch.
M; Königsberg. 22. Augnsi. (T. U.) In der Gegend von Neidenburg haben etwa 2000 Flüchtlinge aus dem Soldaser Kreis die Grenze überschritten. Solda« würbe« gestern von den Polen besetzt. Die Stadt wurde kampflos aufgegeben. Die Polen drangen hefttg nach.
_ , Kein polnischer Einmarsch,
♦* Paris, 23. August.' Marschall Fach ist gegen ein Vortragen der polnischen Offensive auf russisches Ge- Ret. Die durch den Versailler Bertraa festgesetzte Grenze dürfe nur «derMLien werden, wenn wirklich zrM».tienoe Grande dafür sprecheil.
Polnische Bande«.
m Beathe«, 23. August. (T. U.) Das Bandenunwesen machte sich gestern besonders in den Distrikten Tarnowitz und Kattowitz bemerkbar. Im Kreise Tar» nowitz besonders stark. In Bismarckhütte wurde gestern nachmittag das Rathaus vo« einer polnischer Bande überfallen, die aber blutig abgewiesen wurde. Ueberall in den Grenzgebieten kam es zu Schießereieu.
Verhandlungen in Minsk.
~ ^P ^ d- M.. morgens 2 Uhr wurde «achfolgeuder Fuukspruch nach Moskau a« den Volkskourmiflar für Sutzere Augelegeuheiteu, Tschitschers«, abgesaudt:
„Wir bestätigen den Empfang Ihres FunkfpruchS vom 19. -. M. mit der Zusicherung einer unbehinderten Verständigung mit nnferer Delegation in MinSk sowie des Funkspruchs unserer Delegation, der uns siurch Vermittelung der Funkenstation Moskau zuging. Wir stellen fest, daß der Funkfpruch unserer Delegation die Nummer 2 trägt, während ein Funkspruch 1 uns nicht übersandt worden ist. Eine unmittelbare radio- telegraphische Verständigung mit Minsk ist uns also nach wie vor erschwert. In der Erwartung, daß das Ul21J^nen gegebene Versprechen in vollem Umfange erfüllt werden wird, bitte ich Sie, die notwendigen Anordnungen zwecks unbehinderter Verständigung, zu treffen, ohne die das Ziel unserer Delegation, einen Waffenstillstand abznschlietzen, illusorisch gemacht wird.
gez. Sapicha, Minister des Aeutzern."
Die Miusker Berhaudluugeu abgebrochen.
w Paris, 23. August. Aus Warschau wird gemeldet, daß es zu den Verhandlungen von Minsk nicht kmumen werde. In Warschau werde der Abbruch der irrledcnsverhandlungen erwartet, da die polnischen Truppen bereits auf Minsk vordrängen und die Russen sich zurückziehen.
Die Krim-Operette.
»-. Basel, 22. August. lT. U.) Für den Posten des kranzöfifchen Oberkommissars bei der Regierung Wränge! dürfte der Deputierte Ehrlich ht Aussicht genommen sein, der bereits mit Paleologue eine längere Unterredung hatte. Die Ernennung wird sofort nach der Rückkehr Milleranös erfolgen.
Ueberall Krieg!
Die. Blätter melden aus Rom. Saß es bei Skutari zwischen den Atbanerrl imS Serben zu einer Schlacht gekommen ist. Die Serben haben 250 Gefangene, darunter einige höhere Offiziere zurückgelasten.
vulgarischc Mabilisicrung.
•* Wie«, 23. August. Aus Sofia wird mitgetettt, daß die Bulgaren an der serbischen Ytrenze die Moboli- fteruna angeordnet haben.
Die Ziele Englands.
Eine Gnr»onre»e über Pole«.
Der Stillstand der Ruffenoffenstve hat England eine Nicht geringe Erleichterung gebracht. Man wußte ja auch in Downingstreet nicht mehr ein noch auS. Es war fast unmöglich, eine bestimmte Haltung etnzuneb mcn. einen bestimmten Standpunkt zu wahren, ohne sich die Lnmpaidien dieses oder jenes Siaatcs. dieser oder jener Partei zu verscherzen. Jetzt, nachdem die schlimmste Gefahr Engschau beseitigt erscheint, kaun man wieder deutlicher werben. Was will aber England nun eigentlich? Lord Lurzon hat in der letzten Unterhaus-