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«r. 213 3ÄM Montag, den 13. September tedÄ^,^ 1920
Die Regierungskrise.
tu Berlin, 11. September. Aus deutschnationalen Parteikreisen wird mitacieilt, daß die augenblickliche Krisis in der Reichsrcgiernna auch in den Kreisen der preußischen Staatsregierung sich bemerkbar macht. Bon keiner Seite wird bestellten. daß alle bisherigen amtlichen Bemühungen, die Wahlen zum preußischen Landtag erst Anfang des nächsten Jahres stattfinden zu lassen, von maßgebender Stelle dahin beschleunigt wird, daß die Wahlen noch im Laufe des Herbstes stattfinden werden. Besonders von deuischnationalcr Seite wird darauf hingearbeitet, die preußische Staatsregierung zu veranlassen, die Wahl für spätestens Ende November auszuschreiben.
Vorladung der Deutschen nach Parks.
Paris, 11. September. Nach dem „Echo de Paris" hat der belgische Ministerpräsident vorgeschlagen, die Reparationskommission in Parts zufammenireten zu lassen. In dieser Sitzung sollen die deutschen Delegierten über die deutschen Wiederautmackungsplttne gehört werden. Am 15. Oktober soll in Genf eine Konferenz der alliierten Regierungschefs stattfinden, die die von der Reparationskommission auf Grund der Beratungen mit den Deutschen gemachten Anregungen zur Kenntnis nehmen soll. Millerand habe den Borschlag Delacroir' bereits gebilligt. Es steht noch die Zustimmung von Lloyd George und Giolittt aus. , „.,--
? Die Genfer Konferenz. Z I
!’ m Gens, 11. September. (S. C.V „Journal des De- bats" meldet zur Genfer Konferenz, daß die deutschen Vertreter a« der Konferenz teilnehmen werden, wenn sie das Spaacr Kohlenabkommen erfüllen. Millerands Bestreben gehe nur darauf hin. daß die neue Konferenz mit den Deutschen keinen Wert hätte, wenn die Abmachungen der früheren Befpreckunaen nicht eingehalten werden.
Die Befatzungskosteu.
e-* Genf, 11. September. Eine Havasmeldnug berichtet. daß die Bemühungen anf Herabsetzung der Kosten für die Besatznngsarmee in Deutschland an dem Widerstand der französischen Oberkommandostellen gescheitert sind.
Enpe« «ud Maluredn.
amt-15. September mit der Volksbefragung in Eupen und Malmedn befassen wird, weiteres Material über die rechts- und vertragswidrigen Maßnahmen zugchcn lassen, durch die die belgischen Behörden die Freiheit bei der Abstimmung in diesen beiden Kreisen unter Verletzung ausdrücklich gegebener Versprechen beeinträchtigten und das Zustandekommen einer wirklichen Voirsbe- fraauna verhindert haben.
Neuer Entente- Protest.
i & Rotterdam, 11. September. lT. 1U Die gestrige Botfchafterkonferenz, in der Inles Cambon den Vorsitz führte, beschloß, an die deutsche Regierung eine Protestnote zu senden, worin gegen das Anhalten von alliierten Schiffen protestiert wird, die dnrch den Kaiser Wilhelm-Kanal nach Danzig fahren sollten.
Der neutrale Kieler Kanal.
»-* Paris, 11. September. (V. 3-) Der Beschluß ! der deutschen Reichsregiernng, den Kieler Kanal für nentral zu erklären und für Mu«itionstra«sportc nach Polen ZN schließen, wird von den Pariser Blättern, soweit sie sich heute morge« schon dazu äußerten, als unhaltbaren Verstoß gegen die Versailler Bestimmungen bezeichnet.
Die Entschädigung für Breslau.
>* Berlin, 11. September. lL. A.) Der französische Botschafter in Berlin hat, wie Havas meldet, einen Scheck über 100 000 Franke« als Entschädigung für die Breslaner Zwischenfälle erhalten.
Englands Stellung zu Oberschlesien.
♦-♦ Rotterdam. 11. September. (S. G.I „Dailu News" bringt eine Erklärung Lloyd Georges, wonach eine Aenderung der Stellungnahme Englands zur ober- schlesischen Frage nicht zu erwarten sei. In Oberschlesien habe England nur die Aufgabe, den Versailler Vertrag durchzuführen.
Der oberschlesische Abstimmnngstermin.
t* Genf, 11. September. (S. G.) Der „Temps" incb bet daß über die Volksabstimmungen in Oberschlesien noch immer die Beratungen im alliierten Rat andauern. Gegen eine Festsetzung des Termins im Oktober zeigten sich Ein Ürüche von mehreren Seiten n a. von der iu- teraviierten Kommission, die zunächst die polttische Be- rubiaung in Oberschlesien abwarten will. Mit einer an- -ereu" günstigen Festsetzung des AbstimmungStermins auf Ende Oktober sei unter diesen Umüanden in den Höchsten zwei bis drei Wochen nicht zu rechnen.
Französische Antwortnote.
»^ Berlin. 11. September. (L. A.) Der Wortlaut
für Oberschlesien ablehnt, wird jetzt veröffentlicht.
s Das Nachspiel von Erfurt.
" f w Erfzirt, 11. September. (Eig. Drahtm)' Der Berliner Vertreter des „Teinps" berichtet über den Erfur-
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eine erweiterte Koalition eingetreten sind, dann wird man sich auf einen Generalstreik der Eisenbahner ge- saßt machen filmten, da die Mehrheitssozialdemokraten das Recht der Eisenbahner auf die Transportkontrolle von HeereSzügen anerkannt haben, die Lebensrnittel nnd Munition nach Polen befördern. Molle Frankreich an- aesichts dieser Lage immer weiter nur mit diplomatischen Noten Vorgehen? Sie werden nichts ändern, man muß etwas anderes finden.
Folgen der TranSportkontrolle.
«-« Berlin, 11. September. lS. E.) Zwischen dem französischen Botschafter und Herrn Dr. Simons haben neue Besprechungen stattgefunden zur Erledigung schwebender Forderungen Frankreichs. Es liegen zur Zeit nur sechs Beschwerden Frankreichs vor wegen Eigenmächtigkeiten der deutschen Eisenbahner gegenüber En- tentezüge nach dem Osten.
Gegen die Ersenbahnerkontrolle.
t-* Berlin, 11. September. (S. C.) Im Eisenbahn- direktionSbezirk Magdeburg sind vier, im Bezirk Osten drei Eisenbahnangestellte wegen eigenmächtiger Durchsuchung von Transportzügen für die Reichswehr strafweise entlassen worden. In einem Erlaß verbietet der Reichsverkehrsminister die Agitation und die Aufforderung zur Nichtbesolgung dieser Erlasse in den Werkstätten, und droht mit der Entlassung.
Vor einem neuen Polenaufstaud»
>• Kaüowij;. 11. September. (T. U.s In der Hle- ngen Gegend scheiut wieder ein neuer Putsch der be- wafsucien Polen bevor',«stehen. In einer polnischen Versammlung in Schoppinitz, die bis zum späten Abend dauerte, wurden die Deutschen aufs gröblichste beschimpft. Zu Ausschreitungen war es bis 8 Nhr nicht gekommen. In Reicheuau und Umgegend trete« wieder bcwafsucjc Banden völkischer Insurgenten auf. Die deutsche Bevölkerung flüchtet in Massen. Die deutschen Beamten, darunter die Bahnangestellten, verlassen stuckiartig die Stadt. Der Waffentransport von Polen über die deutsche Reichsgrenze dauert an.
Die vberfchsesische« Wirren.
** Dortmund, 11. September. Die „Dortmunder Zeitung" veröffentlicht eine Brief aus Oberschlesien über die dortigen ne. Darin heißt es, daß
-die ^Franzosen u n öc- '" " ' tcr einer Decke stecken. Die Franzosen haben rundweg erklärt, den Deutschen auf dem platten Lande keine Hilfe zu leisten. Alle deutschen Zeitungen, die über diese Dinge etwas veröffentlichten, wurden verboten. Die deutsche Regierung, so erklärt man in Schlesien, kommt nicht zu Hilfe, oder kann es vielleicht auch nicht. Nur das deutsche Volk vermöge Oberschlesien zu retten, indem es dagegen Protest erhebt und dafür eintritt, daß eine Besatzung nach Oberschlesien komme, die ihre Aufgabe auch wirklich erfüllt.
Polen.und Litanev.
*-- Kopenhageu, 11. September. In einer Note an den litauischen Gesandten in Berlin zählt die polnische Regierung die Neuträlitätsrerletzmigen Litauens auf und erklärt sich zu Verhandlungen bereit, wenn Litauen zuvor die Festsetzung einer Demarkationslinie aner- kenne und sie die strikteste Neutralität im russisch-polnischen Krieae gewährleiste. Der litauische Vorschlag, die strittigen Fragen auf der Konferenz in Riga zu erledigen, findei in polnischen Regierungskreisen keinen Widerhall.
Sie französische Flotte läuft aus.
Paris, 11. September. Der Kommanbant deS frauzöstscken VtittelmcergeschwaderS hat Befehl zur Abfahrt in die südrussischen Häfen des Schwarzen MeereS sich bereit an halten. Das Geschwader soll durch eine Anzahl Transportschiffe nnd Kreuzer verstärkt werden. Dieser Auftrag wird mit einer Unterstützung des Wraugel-Unternehmeus in Verbindung gebracht.
Rußlaud führt weiter Krieg.
m ® c tt f. 11. September. (S. G.) Reuter meldet: Ein Moskauer Fuukspruch besagt, daß die Svwjctregic- rnug die Berhanblungeu mit den Polen vorläufig für erledigt ausiebt nnd daß ein neuen Antrag von Polen aus zu ersolgen habe: Die günstige militärische Lage Sowi"tr«ßlan-s habe dagegen Rußlands Jute,-esse am Frieden nicht gemindert.
Russischer Angriff.
Warschau, 11. September. f6. AI Nach dem polnischen Heeresbericht haben die Rüsten bei Busk des Bug forziert. General Weygand beabsichtiat sich und) Erledigung seiner Aufgabe in Polen nunmehr zur Frumt des Generals Wrangel zu benebelt.
Prlaische Eiuberufungeu.
Basel. 11. September. (S. G.) Die Schweizer Blätter melden, das polnische Konsulat in der Schweiz hat militärische Einberufungsbefehle ausgegeben. Nach Pariser Blüitern bezeickmei die dortige polnische Gesandtschaft die Warschauer Nachrichten von einem baldigen Waffenstillstand zwischen Polen und Sowletrrlßland als unbegründete Gerüchte.
Der ukrainische «vfstand.
w Paris, 11. September. Der „Temps" meldet über den Aufstand in der Ukraine. Die Aufständischen haben IekaterinoSlaw und Ntkolatewsk genommen. Alle Verbindungen der Bolschervtsten mit Odessa sollen abaeschnttten fein. Petschura hat einaewilllüt unter drei Bedingungen mit General Wrangel zusammen gegm tt»««!?«
ukrainischen Armee fn der alle ukraimscyen Konttngem^' die in der bolschewistischen Armee kämpfen, vereinigt , werden, die jedoch nur in der Ukraine operieren soll. Ferner wird die Wiederherstellung der Ukraine mit allen jetzt von den Bolschewisten besetzten Gebieten gefordert. Der ukratnische Aufftand wird, wie in owtz- gebenden Kreisen versichert wird, von den Errgländer» lebhaft unterstützt.
Die Einfuhrfrage.
»^ Berlin, 11. September. (Eig. Drahtn.) Die „Berliner Morgenpost" schreibt, wie wir hören, hat sich das Rerchsernährungsministerium nach der Rückkehr des Reichsernährungsministers Dr. Hermes aus Stresa er- ncut mit der Frage der Einfuhr amerikanischer Milch- klihe beschäftigt und hat gestern beschlossen, die Einfuhr der z-unächst angebotenen 2500 Milchkühe frei zu gebe». Die Berliner Vertretung der „Amarican Welfard-Asso- crated" beschäftigte sich in einer Sitzung mit dem Transport der Milchkühe nach Deutschland, um den deutschen Student diese Spende nicht entgehen zu lassen und hat ben Vertreter der Amarican Welsard Associated Dr. William Held beauftragt, sich sofort drahtlich mit Amer' rika in Verbindung zu setzen, um die Gesellschaft zu ver- anlassen, die Schwierigkeiten der Frachtraumbeschaffung mit größter Beschleunigung zu beheben. Es ist zu hof- ferr, daß die hohen Transportkosten aus amerikanischen Mitteln ausgebracht werden und daß die Lieferung der Milchkühe sofort in Angriff genommen werden kann. Das Blatt schreibt im Anschluß an diese Meldung: Zu diesem Vorgehen gegen die uiibeschreibliche Politik unseres Ernährungsministeriums gehen uns täglich eine Ftclle von Zuschriften, darunter die namhafter Sachverständiger zu. So schreibt man uns u. a.: Eier für 44 Pfg.l Während «ach Berlin keine Eier znqelasiev werden, ist vor einiger Zeit von italienischer Seite ein Angebot vo« Millione« Eiern gemacht worden. Im Münchener Stadtrat kam vor einiger Zeit zur Sprache, daß viele Millionen Eier an der Grenze liegen, die schon für 17 Pfennige zu haben waren, wogegen man in Berlin 2 Mark und mehr für das Stück bezahlt. Anch hierüber sollte sich der Minister schnell erklären.
Die HerlngSekvsühr.
e-* Haag, 11, Seplemver. JL£t«,S6feiuue Rocke» iamtoe Courank" bringt unter der Ueberschrist „Deutsche Treue" einen Leitartikel, worin gesagt wird, daß die Deutschen keine aeschäftliche Treue halten. Der Vertrag über die Kohlenlieferungen werde von deutscher Seite nicht erfüllt. Ferner wendet sich das Blatt gegen das Vorgehen der deutschen Heringsimportgesellschaft, die IIS Millionen Tonnen norwegischer Heringe gekauft und das deutsche Volk gezwungen hat, die teure und schleckte Ware Norwegens zu taufen und gleichzeitig die Einfuhr der billigen und besseren Ware aus Holland verboten hat. Diese Dinge werfen ein sehr scklecktes Lickt auf weite Kreie Deutschlands.
Uebertenerte Kartoffeln.
** Halle, 11. September. (T. UI Wie die «Alten- burner Zeitung" erfährt, haben Aufkäufer der ReichS- kartoffelsielle in Altenburg und Umgegend 250 000 Zentner Kartoffeln zum Preise von 32 Mark für den Zentner aufgekauft. Gegen dieses Vorgehen wird scharfer Protest einaelegt, da man in Thüringen kaum mehr alS 20 bis 24 Mark für den Zentner bezahlt.
Neumärkischer Lieferstreik. ____
w Berlin, 11. September. jT. it) Der Konflikt zwischen dem Landbund und dem Verband für Wahrung ländlicher Interessen des Kreises Königsberg i. d. Neumark und dem kommisiarischen Landrat Fiehn, der zu einem Lieferungsstreik der Landwirtschaft geführt hatte, soll vorläufig beigelegt werden. Gestern hat im Landratsamt eine Konferenz der ländlichen Vertreter stattgefunden, in der dte Landwirte sich bereit erklärten, den Streit abzubrechen und den Erfolg der von Regie- rungsrat Fiehn beantragten Verhandlungen abzu- warten.
Gegen das Orgeschverbot.
m Dresden, 11. September. Der Verband sächsischer Landwirte protestiert in einer Eingabe an wo Regierung gegen das Verbot der Orgeschorganisation und weist darauf hin, daß tatsächlich anarchistische Zustände in der sächsischen Landwirtschaft herrschen. Die Landwirte sind der Willkür bewaffneter Trupps, die bis zu 100 Mann erscheinen, auSgesetzt, die die Felder ausplündern und sogar bewaffneten Wiberstaud leisten. Erst kürzlich wurde ein Gutsbesitzer auf seinem Gute nahe bei DreSden, als er die Eindringlinge von seinem Grund und Boden abhalten wollte, getötee. Die ständige Land'ägerei ist völlig machtlos. Aus diesem Grunde verlangen die Landwirte von der Regtorung das Recht deS Selbstschutzes, wie die Orgesch eS be- zweckt. Geplante Krawalle.
« Berlin, 11. September. Aus KottbuS werden Mitteilungen verbreitet, Me als ernste Vorbereitungen für den Fall von Unruhen angesehen werden müssen. In der Redaktion des „Freien Volkswillens in KottbuS wurde um 5 Mitgliedern der sozialdemokratischen Partei ein Plan für den Aufmarsch der Senftenverger Regimenter zwischen KottbuS und SenfteNberg mtsge. arbeitet. Für die Tage vom 16. bis 19. September sind Lebe«smittelkrawalle angesetzt.
Strafautrag gegen einen Minister.
w Berlin, 11. September. lT. U.) Der Vekanrüe mecklenburgische Dichter imö Schriftsteller Hans Wchbt hat bet der Staatsanwaltschaft in Rostock eine Arueigc gegen den mecklenburgischen Ministerpräsidenten stet» Herrn von Reiznitz wegen Rieserc-uckerschieSunge» t* Werte von dret Millionen Sm« emaeretat. u-—j