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Rr. 315 'L°--^ Mittwoch, den 15. September
fhzeigeiprtis fir die eiiipaliige Zeile ;4C Pig., auswärts 60 Pfg.
1930
Das omerifanifdie Ketlanzedvl.
Die Haltnpg der NegiernAg.
Berlin, 14. September. lEig. Drahtn.) Im Reichscrnäbrungsruinisteriiüu haben am gestrigen Montag die angekündigten Beratungen zwischen Vertretern des deutschen Bäckereigewerbes und Mitgliedern des Ministeriums über das amerikanische Mehl- angebot stattgefunden. An der Beratung nahmen für die Regierung Minister Tr. Hermes, Unterstaatssekre- tär Huber, Ministerialdirektor Henrtce und Regie- ruugsrat Dr. Karbe, für die deutschen Bäcker Direktor Drews, von der Reichszentrale Deutscher Bäckergenossenschaften Obermeister Müller, vom Zentralverbaud Detickcher Bäckerinnnnaen Direktor Pittel und Stadtrat Wagner teil. Die Verhandlungen dauerten mehrere Stunden und nahmen zum Teil einen sehr erregten Verlauf. Ihr Ergebnis ist, daß das Ernährungs- ininisterinm nach wie vor auf dem Standonnkt steht, baß, um eine Durchlöcherung der bisherigen Zwangswirtschaft zu verhindern, grnndsählich die Einfuhr arne- rikanifchcv Getreides oder Mehles nicht freigegeben werden könne. Das ErnLhrnnqsministerinm ist jedoch bereit, mit dem deutschen BäSereigcwcrbe in neue Beratungen eiuzutreten, sobald dieses stch von dem amerikanitchen Väckereiverbaud die erforderlichen Unterlagen kür ein neues Mehlangebot verschafft hat, da das erste amerikanische Angebot inzwischen überholt ist. Zu den Beratungen soll der Ncichsfinanzniiuister Hin- zugezogeu werden.
1 Hierzu bemerkt die „Berl. Morgenp": Vor ein paar Wochen hätte man das amerikanische Mehl für 3,20 Mark haben können: vor ein paar Tagen kostete es schon 4,45 Mark. Inzwischen wird es schon wieder teurer geworden sein, und gestern hat sich das Reichsernährungs- ministerium dahin entschieden, weiter zu beraten, wenn ein neues Angebot vorliegt. Jetzt ist das Mehl offenbar noch zu billig! Dann kommt der Kaffee. Da bat man es durch das Einfuhrverbot und die Einfuhrbeschränkung glücklich dahin gebracht, daß der Kaffee wieder auf 84 bis 36 Mark gestiegen ist. Man hat den Schleichhandel im Kaffee, der schon fast tot war, erfolgreich neu belebt und es dahin gebracht, daß der Kaffee wieder hinten herum angeboten und verschoben wird. Wahrscheinlich bölt atw Kaffes für einen
Gefährdung der Kartoffelversorgung.
»* Berlin. 14. September. (T. U.) Der Deutsche Kartoffel-Großhandelsverband Berlin-Düsseldorf hat folgende Drabtung an den Reichsernährungsminister gerichtet: Infolge der Kartoffellieferungsverträge glau- ben die Landwirte, ermuntert durch die vom Reich gewährten Preise, 30 Mark je Zentner fördern zu müssen, während die Verbraucher bedeutend weniger zu bezahlen brauchen. Der Kartoffelhandel muß daher zunächst eine abwartende Haltung einnehmen, wodurch die Wiutcrvcrsorgnug schwer gefährdet werde. Wir verlangen, wiederholt eine sofortige öffentliche Erklärung darüber, daß das Reichsernährungsministerinm nicht gewillt ist, die Kartofsellieferttugsverträge, deren Rechtsungültigkeit außer Zweifel steht, durch Verwaltungszwang zum Schaden der Kartoffelverbraucher durchzuführen. ‘ ~
e*. Köln, 14 September. In oen letzten Tagen fanden am Oberrhein zahlreiche Versammlungen statt, in denen die Bauern und Konsumenten über den Abbau der Kartoffelpreise berieten. Die Landwirte machten bedeutende Konzessionen. Die Eisenbanner haben eine Erklärung erlassen, daß sie keine Kartoffeln mehr befördern würden, deren Preis den von 20 Mark übersteigt. Der Preis für Pflaumen mußte von den Landwirten von 50 auf 25 Mark herabgesetzt werden. Andernfalls würden gewaltige Mengen Pflaumen die am Oberrhein lagern, dem Verderben ausgesetzt sein.
Gegen den Fleischwucher.
Dem Vernehmen nach kaufen Händler in Schleswig- Holstein bereits jetzt vor Aufhebung der Zwangswirtsaft für Fleisch große Posten Vieh zu hoben Preisen auf. Aus änderet! Gegenden wird gemeldet, daß den Bauern von den Händlern der Rat gegeben wurde, vor dem 1. Oktober überhaupt nichts mehr zu verkaufen oder ab- zuliefern und daß sie ihnen gleichzeitig die höchsten Preise nach Aufhebung der Zwangswirtschaft garantieren. In einer gemeinsamen Besprechung der berufenen Oraanisattonen, die am 19. September in Hannover stattfindet, werden diese über die Grundlagen ihres. gemeinsamen Vorgehens gegen derartige wucherische Preisbildung Beschluß fassen.
Als Maßnahmen gegen den Fleischwucher kämen u E in Betracht die Konzesionierung der Händler und
Verpflichtung zum Aushängen der Preise
Hannover, 14. September. Am 19. September fand hier eine gemeinsame Besprechung der berufenen Organisationen zur Unterbindung der. wucherischen NNKLLVN« KÄVÄSÄ
Alt ^^rozentige Erhöhung des Zuckerpresies?
Im „Bayerischen Kurier", dem der Abgeordnete Dr. Heim nahesteht, ivird mitgetctlt, baß vom 1. Oktober an eine neue ZuckerpreiSsteigerung um 40 Prozent etu- Kten werde Dte Reichs,a'äsfraktion der Baoer sche» Ivolksvartet wird daraufhin aufgefordert, die Heraus-
gäbe der Kalkulation dieses Preises an die bayerische Lebensmitlelstclle zu verlangen und gegen eine solche Preissteigerung im Reichstage mit allem Nachdruck aus- zutreten.
Die Aeöerfchrchten im Bergbau.
■H Köln, 14. September. lT. U.) Der Gesamtvor- stand des Verbandes der Bergarbeiter hielt unter Teilnahme des Bcrbandsausschns'es und sämtlccher Bezirk-'- leitmrgen in Bochum eine mehrtägige Beratung der aktuellen Bergbau- und Wirtschaftssragen ab. Alle deutschen Berqbauöezirke waren vertreten. Allseitig wurde betont, daß die Ueb^rschichten und Ueberstunden eine Tauereinrichtung nicht sein könnten. Dazu reiche die infolge der langjährigen schlechten Ernährung gesunkene Körperkraft der Bergleute nicht aus. Wenn man Zwangsmaßregeln gegen die Bergleute ergreifen würde, dann seien die Belegschaften in allen deutschen Berg- werksbezirken fest entschlossen, sich mit allen Kräften hartnäckig zur Wehr zu setzen. Möge daraus kommen, was wolle.
t-b Bochum, 14. September. Auf einer Gewerk- schaftsversammlung der Zeche Hannover 3 und 4 wurde beschlossen, keine lleberfchichteu mehr zu fahren und bedeutende Lohnerhöhunaen zu fordern. Die Ursache der Einstellung des lleberschichteufahrens ist darin zu suchen, daß die den Bergarbeitern versprochenen Fettratio- nen und Textilwaren bisher ausgeblieben sind.
ErzSergers Weimisse im Vei'kriege.
w Berlin, 14. September. (Eig. Drahtn.) Erz- berger hat jetzt ein dickes Buch in der deutschen Ver- lagsanslalr erscheinen lassen, das eine Art Nechtferti- gungsschrift bedeutet. Im Vorwort erklärt er: Die Stunde sei noch nicht gekommen, um seine „gesamten Erlebnisse im Weltkriege" der Oeffentlichkeit zu unterbreiten. „Politische und persönliche Gründe zwingender Zlrt legen mir diese Zurückhaltung auf." Eine weitere Ueberrasckung für feine Gegner wird es sein, daß an 15 Stellen des Buches von Helsserich gesprochen wird, aber ohne jede Anspielung auf die später persou- lich zrcgesvitzten Stampfe. Mit der Annahme des Frie- -ensverirnacs von ^en-rüc durst die kawwkM' 'schNeßt das By-a aas auch durch die Gruppierung nack Rtalcricn die tenöcns verrät, den Leser nicht durch ein Plakbover allgemeiner Art, sondern durch die Gruppierung von Tatsachen zn gewinnen. 25 Kapitel entsprechen 25 Tätigkeitsgebieten des Autors.
Danach hat Erzberger nur das Bedürfnis empfunden, seine verhängnisvolle Tätigkeit für Deutschland üenr deutschen Volke in Buchform nochmals vor Augen zu halten. Die Bemerkung im Vorwort, daß „politische und persönliche Gründe zwingender Sirt" ihn veranlaßt haben, seine „gesamten Erlebnisse im Weltkriege" noch nicht zn veröffentlichen, ist sehr bezeichnend. Erzberger hofft also wie so viele andere auf die Zukunft. Welcher Art diese sein soll, ist leicht zu erraten. Darin dürften auch hauptsächlich die Gründe zu suchen sein, aus denen er es ablehnt, auf feine spätere Tätigkeit als Reichs- mintster und auf die vielen Angriffe gegen ihn, besonders durch den Staatssekretär a. D. Dr. Helsserich, ein- zugehen. Wir behalten uns vor, auf das Buch zurück- zukommen.
Die Zusammenkunft von Aix-les-vains.
Französischer Sieg in der Genfer Frage.
Ueber das Ergebnis der Besprechungen von Aix-les- Bains liegen zunächst nur vorläufige Aeußeruutwn vor, die der französische Ministerpräsident einigen Berccht- cMattern gegenüber gemacht hat, von denen in Deutsch- lanb im wesentlichen nur diejenige über die Bertagnug der Genfer Konferenz interessiert. In Berliner politischen Kreisen betrachtet man den Ausgang von Aix-les- Bains nur als einen weiteren Erfolg Millerands. Deutschland steht in den finanziellen Fragen einer geschlossenen Phalanr gegenüber, der wahrscheinlich auch Eugland bettretcu wird. Es sind viele Dinge besprochen worden, die für Italien von größter Bedeutung waren. Wie weit die Lösung der Gegensätze, die zwischen Paris und Rom in der Adriafrage bestanden, gebt, ist aus den Aeußerungen Millerands und der Agence Havas ebensoweitia ersichtlich, wie ans den Meldungen der italienischen Blätter. Es darf jedoch angenommen werben, daß eine weitere Annäherung ftottacfnnbep hat. Giolitti hat wohl als Kompensation für das französische Entgegenkommen keine Einwendung gegen die Vertagung der Genfer Konferenz erhoben. Von der Berliner Regierung ist noch nicht Stellung zu Mx-les- Bains genommen worden.
Pariser Prcssestimmcn.
«* Paris, 14. September. (T. U.) Der ,.Temps" führt in seinem Leitartikel über die Zusanmcenkunft von Air-les-Bains aus: Nach den Zeitungsberichten zu urteilen, hätten Millerand und Giolitti in Atx-les- Bains Unterhandlungen gehabt, bereit Charakter als frenndschaftlich und realistisch bezeichnet werden müße. Die beste Politik, um die Annüheruug Italiens und überhaupt anderer Völker, Mittel- und Osteuropas Ml Frankreich herbeizuführerr, bestehe darin, daß man diese,! Völkern die materielle Möglichkeit bietet, sich ausreichend zu ernähren und Wohlstand zu erlverben.
Die Pariser Abendblätter geben ihrer Begeisterung über das Ergebnis her Konferenz von Air-les-BcstnS noch lebhafter Ausdruck als die Morgenblatter. Der „Iutr-ansigeaut" hebt hervor, datz wichtigste Ergebnis sei, daß die Konferenz von Genf wenigstens btS zum Frühjahr 1921 «msgeschohe« werben würbe und bis da-
bin die Wredergutmachungsrommtsswn allein beauftragt sein werde, zu bestimnren, in welcher Weise die deutschen Entschädigungssummen bezahlt werden sollen. Das bedeutet jedenfalls den Tod einer Pauschalsumme, die Deutschland bemblen sollte, eine Genugtuung für Avincaree und ein sicherer parlamentarischer Erfolg für Millerand. Kovfichmerzei bereitet den Blättern nur noch, welche Haltung Lloyd George gegenüber den Beschlüssen von Air-les-Bains einnehmen werde.
Das belgisch-französische Abkomme«.
Havas meldet: Der belgische Botschafter in Paris hat dem Generalsekretär des Ministeriums des Aeutzern den Abschluß des Militärabkommens notifiziert, das durch die Generalstäbe von Frankreich und Belgien ausgearbeitet wurde.
Die Verschiebung der Genfer Konferenz.
»* Lugano, 14. September. lL. A.) „Carriere della Sera" nclbct aus Air-les-Bains, Giolitti hat dem Berlauge« Frankreichs zugestimmt, die avf den 24. Sep- tember vorgesehene Konferenz in Gens zu vertagen. Frankreich hofft, den Borschlag des belgischen Ministerpräsidenten de la Croix zum Siege zu sühreu, wouach zunächst die Wiedergntmachnngskommission in Paris die Frage, welchen Betrag Deutschland zn zahlen imstande ist, endgültig beraten soll. Danach soll das Zusammentreffen mit den deutsche« Delegierten stattfinde«.
Deutschlands Aufnahme in den Völkerbund.
n Rotterdam, 14. September. (S. C.) „Daily News" meldet die Einbringung einer Anfrage von den Liberalen im Unterhaus an Lloyd George um Erklärungen des Premierministers über die Aufnahme Deutschlands in den Völkerbund.
Die Agitation gegen das Spaa-Abkommeo.
** Genf, 14. September. (S. C.) Der „Temvs" meldet, daß die Ententekommission in Berlin eine Mit» teilung über die kommunistische Agstation im Ruhrgebiet gegen die Ausführung des Spaaer Abkommens an den Alliierten-f)iat richtete. Der Bericht der Ententekommission betone, daß die deutsche Regierung keine.
*♦ Basel, 14. September. (B. T.) Der belgische Gesandte in Paris begab sich am Montag zum Geucral- sekretär des Auswärtigen Amtes, um ihm offiziell von dem Abschluß des belgischen Militärabkommens Mitteilung zu machen. *
Polens Entschädigungsforderung an Danzig.
^ Dauzig, 14. September. (T. 1T.) Nach einer polnischen Meldung hat die polnische Regierung durch Ver- miiieluug des Geueralkommiisars Polens in Danzig den zuständigen Danziger Behörden die Rechnung für die Kosten der Unterhaltung der seinerzeit durch die Danziger Eisenbabuarbeiter zurückgebaljenen polnischen Rückwanderertransporte überreicht. Die verlangte Entschädigungssumme bezisfert sich auf 462 371 denische Mark. Nach einer weiteren Meldung aus derselben Quelle gilt das am 8. September abgeschlossene Dauzig- polnische Wirtfchastsabkomme« bis zum 30. November d. Is. Die polnische Regierung übernimmt die Ber* sorgung Danzigs mit Getreide, Kartoffeln und anderen Lebensmitteln unter der Gegenverpflichtung, daß die gesamte Produktion Danzigs im Jnlande bleibe und zur Ernährung der Bevölkerung verwendet werde.
Wie man in Paris rechnet!
Die Pariser Zeitungen veröffentlichen AuSzüge ans einer Denkschrift des Völkerbundsrats, die Angaben über die wirtschastliche Lage der alliierten Länder unb Deutschlands enthält. Daraus geht u. a. hervor, daß TeutschlauS viel weniger verschuldet sei als die siegreichen Länder und besonders Fmnkreich. Die öffentlichen Ausgaben betrügen gegenwärtig 1287 Fr. auf den Kopf der Einwohnerschaft in Frankreich, wä&renb sie für Deutschland 892 Mark betrügen. Das Nationaleinkommen auf den Kopf betrüge 3200 Fr. für Frankreich, dagegen 3900 Mark für Deutschland. Der Prozentsatz der öffentlichen Ausgaben im Verhältnis zum Volks- einkonmien betrüge nur 23 Prozent für den Deutschen, für den Franzosen dagegen die bobe Ziffer von 40 Prozent. Wenn zur Tilguug der Schuld die sämtlichen ge-' genwärtigen Staatseinnahmen herangezogen würden, so brauche eS für Frankreich sechs Jahre und sechs Monate und für Deutschland nur ein Jahr und vier Monate. Die Zeitungen folgern daraus, baß. wenn die Lage nicht durch die Ausfühnrna des FriedensvertrageS und durch die Regeln der BilliAeit geändert wird, das siegreiche Frankreich mit einer viel mößeren Last mrS dem Kriege kommt als das besiegte Volk. Sie drucken die Hoffnung aus, daß auS den Umermchungen des Völkerbundes die sich aufdrängenden Schlußfolgeruu-
gen gezogen werden.
Die Kriegsentschh'dignug ta französischen Etat.
** Genf, 14. Sepie ' "
zen vonr Atontgg zufol,
** Genf, 14. September. (S. C.) Pariser Zeitungen vom Pkontag zufolge wurden in dem neuen französischen Staatshaushalt die ersten 10 WNlliaröen Franken Zahlung von Deutschland für das kommende EtatSjahr eingestellt.
Neue Ruffenoffensive in Richtung Lemberg.
Die Moskauer „Praroda" meldet: Truppen ruf» fische« Roten Aruree haben beiderseits von Vr bie StreUkräste^nd^Mrch He volföMMch?Kcü^erte