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Herssever Tageblatt

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«r. 838 "L^'^ Donnerstag, den SO September "'"ML^L,?^^ 1SSV

Die Brüsseler Konferenz.

Der Wille znr Berständignng.

r ** Berlin, 29. September. Die Nachrichten aus Brüssel lassen erkennen, daß in allen Konferenzkreisen der Wille zur Berständignng und znr Zusammenarbeit vorhanden ist. In den Verhandlungen des Plenums kommt das naturgemäß wenig zum Ausdruck, sondern Mut in den unverbindlichen Besprechungen, zu denen sich die Vertreter der einzelnen Länder außerhalb der Sitzungen zusammenfinden. Die deutsche Abordnung hat wiederholt mit den Vertretern der übrigen Länder Beziehungen angeknüpft, besonders mit den amerikani­schen, englischen und französischen Vertretern Fühlung genommen. Der Meinungsaustausch beschränkt sich da­bei nicht nur auf die Gegenstände der Konferenz, son­dern darüber hinaus bietet sich Gelegenheit, auch andere Fragen zu erörtern, die zwischen den einzelnen Regie­rungen gegenwärtig schweben.

Die Kommissionsberatmlgen.

Das Svezialkomitee hat, wie aus Brüssel gemeldet wird, am Dienstag seine Arbeiten ausgenommen, um die bisherigen Ergebnisse der Erörterung in einer Ent­schließung zufammenzufassen, die sodann einer Abstim­mung der Vollversanrmluna unterliegen wird. Diese Entschließung soll sich mit der Heravsefprug der öffent­liche« Ausgaben, mit den staatlichen Befugnissen in Bezug auf Unternehmungen und mit der Herabsetzung Her Rüstungen besassen. Die Entschließung wird wei­ter sich mit der Frage beschäftigen, ob Steuern auf das Kapital und die Vermehrung der direkten Steuern an» zuraten oder zu widerraten finb. Sie wird voraus­sichtlich den Staaten empfehlen, ihre Anleihen einzn- fchrärike», ihre auswärtige Schuld zu konsolidieren und schließlich die Frage behandeln, ob die Beschränkungen des inneren und auswärtigen Handels zu beseitigen oder aufrechtzuerhalten sind.

Der Hetzfelbzng der Pariser chauvinistischen Presse.

Paris, 29. September. (T. U.) Die Presse Mil« lerands setzt ihren Hetzfeldzug fort und sagt, wenn Deutschland schlechten Willen zeige, zu bezahlen, dann müsse sich eben Frankreich an der Besetzung des Ruhr- gebiets schadlos halten. DerMatin" schreibt, wenn sich die Konferenz von Brüssel von Deutschland gefangen nehmen lasse, dann habe Frankreich alle Veranlassung, der Konferenz ihr Vor . ^" >-« vexfag-u. Berlin habe kein" Ne^iziv"""' ;- r.:,a<»<J.' - vv. Äujweis litt0"wlvst in Spanien untergebrächt und verschleppt und möchte jetzt, wo es feine Verbrechen bezahlen soll, seine leeren Taschen zeigen. Trotzdem habe Deutschland es fc-tig gebracht, der Stadt Turin eine Anleihe von 500 Millio­nen zu gewähren (?).

Der Eindruck des deutschen Finanzberichts. w Rotterdam, 29. September. (S. C.) Reuter leiste gestern aus Brüssel. der deutsche Finanzbericht in Brüssel hat allgemeine Beachtung gefunden. Die englische Delegation war in überwiegender Mehrheit gegen Souderaktioueu gcgeu einen einzelnen Staat, da die europäische Lage nur durch gemeinsame Maßnah­men aller Staaten eine Erleichterung finden könne.

w Rotterdur, 29. September. (S. C.) Die ,>Mor- ningpost" meldet aus Brüssel, die alliierten Delega­tionen haben sich dafür ausgesprochen, daß der Brüsse­ler Konferenz nicht nur beratender, sondern auch be­schließender Charakter beigelegt werde.

Ergänzung des deutschen Berichts.

«-* Berlin, 29. September. (S. C.) Von der deut­schen Delegation in Brüssel ist das Ersuchen um eine Ergänzung des amtlichen Materials über die deutsche Finanznotlage in Berlin eingegangen. Wie wir erfah­ren, hat die Regierung drei weitere Sachverständige nach Brüssel gesandt.

Ein Gegeuberickt der Ententekourmission.

** Rotterdam, 29. September. (S. C iDaily Chro- nicle" undDaily Telegraph" melden, daß die Franzo­sen die deutschen Vorstellungen in Brüssel mit einem vorliegenden Bericht der Berliner Ententekommission erwidern wollen. .Rum Teil würde durch diesen Bericht die deutsche Finanzkrise auf Ursachen zurückgeführt, für deren Beseitigung die Alliierten keine Möglichkeit hätten.

Die Kommission znr Beratung der Finanzen.

x Brüssel, 29. September. (L. 90 Die Bildung der ersten Unterkommission von acht Mttalieöern znr Behandlung der Frage der öffentlichen Finanzen ist gestern nachmittag erfolgt. Heute nachmittag wird die erste Sitzung dieser Spezialkommission um ^0 Uhr be- ginnen. Die Wahl der Mitglieder erfolgte mit voller Einhelligkeit nach dem Vorschlag des Präsidenten der großen Kommission, die Mr. Brand leitet. Vertreten in der ArbeitSkommission sind Frankreich durch Mini­sterialdirektor Celier, Italien durch Senator Rizzt, England durch den ehemaligen Staatssekretär Lord Chaluces, Deutschland durch Staatssekretär Bergmanu, Belgien durch den Vizepräsidenten der belgischen Na- tionalbank Lepreur, die Schweiz durch strichert, die Tschecho-Slowakei durch Bankdirektor .Pcwosil, Polen durch den Finanzminister Grabski. Diese gchtgliedrige Kommission wird über drei Themata beraten: 1. über budgetäre Fragen, 2. über Aufnahme einer Anleihe, 3. über Fundiernng der auswärtigen Schulden. Die Bildung dieses Ansschnsses bedeutet einen großen Fortschritt. Anstelle von Staatssekretär Bergmann, der aus einige Tage nach Berlin zurückkehren muh, wird Staatssekretär Schröder der bekanntlich Budget- fachmann ist, Deutschland in der Kommission vertreten. Die Vollsitzung nimmt das gestern unterbrochene Pro- . Mtunm heute wieder auf.

ANgemcme Arbeitspflicht.

» Brüssel, 29. September. Die italienische Dele­gation ist angewiesen worden, bei der Erörterung der Mittel zur Hebung der wirtschaftlichen Lage die allge­meine Arbeitspflicht vorzuschlagen, die für Deutschland die Aufhebung der Arbeitslosenunterstützung zur Folge haben würde.

Bayern und Berlin.

x Berlin, 29. September. (Etg. Drahtn.) Die Tnssenhausener Bauernparade, auf der sonst das politi­sche Orakel für Bayern ausgegeben wurde, ist auch in diesem Jahre wieder bei Masienbssuch unter freiem Himmel abgehalten worden. DemL.-A." wird hier­über aus Mtinchen gemeldet:

Landtagsabgeordneter Bankdirektor Dr. Kahnbre­cher von der Bayerischen Volkspartei hielt unter gro­ßem Beifall die Hauptrede.Wir müssen Bayern wie­der den Bayern erobern", so führte er aus.Mit aller Gewalt und aller Schärfe muß dasLos von Berlin" in alle Gaue Hisausschallen. Die Organisation der Ver­einigten Staaten so« Dcnischland eignet sich am besten für das deutsche Volk. Wir werden treu zum Reiche stehen, wenn es gesund und kräftig in Ordnung und Sitte wieder aufaebam wird, nicht aber, wenn es der Schauplatz russischer Experimente ist. Bayern und das Reich' gehören zusammen. Von Frankreich und seiner Kultur des Sadismus und der Gemeinheiten, wie sie die Pfalz zu schmecken bekommt, wollen wir nichts mis­sen. Bayern und das Reich gehören zusammen, aber es muß ein Verhältnis des gegenseitigen Vertrauens sein. Die Krtegsgesellw aften sind ein Verbrechen am Volke, Alfo weg mit ihnen. Weg aber auch mit den Kommunalverbänden. Wir wollen endlich wieder frei sein. Die 40jährigen Versprechungen der Sozialdemo- kraten und ihr Gerede vml der Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit haben sich als falsche Theorien erwiesen. Die Arbeiter haben cir.gesehen. daß mit dem ewigen Streik nur alles teurer wird. Es muß ein vernünftiger Ansgleich zwischen Siabt nnd Land geschaffen werden. Wir wollen gute Deutsche und gute Bauern bleiben und festhalten am Glauben an unser Vaterland."

Hohe Arche W^fpnetöialeiffiliiinjj.

Ma-k Geldstrafe fir steile, iivierzicbllnannü. wie das Landessinanzamt Großberlin zur Warnung mitteilt, gegen einen Berliner Fabrikanten festaesctzt worden, der kein Einkommen in der Vermögenserklärnnq zu niedrig angegeben und nach Aufdeckung der Steuerbin- terziehnna die Geschäftsbücher verbrannt hatte. Ein Kaufmann in Charlockenbnrq mußte die zur Beaunn- Sung seines Rechtsmittels gemachten unricktiaen Anaa- ben über sein Einkommen mit einer Geldstrafe von 140 000 Mark büßen. Nach diesen Mitteilungen fährt das Finanzamt fort:

Die Finanzbehörden versuchen, Steuerhinterzielmn- gen mit allen Mitteln aufzudecken, nnd werben in ge­eigneten Fällen auch von ihrer Befugnis oer Bekannt- machunq der Bestrafungen wegen Steuerhinterziehung Gebrauch machen. Es wird wiederholt darauf hiuge- wiefeu, daß das Vermögen, das bei der Veranlagung zum Neichsnotopfer vorsätzlich verschwiegen wird. zn Gunsten des Reiches verfällt und daß die auf das Bcr- mögeu und das Einkommen daraus entfallcubeu Steuern daneben noch erhoben werden.

Niederlage der bollchewiftifchen Südarmee.

>* Basel, 29. September. (T. 1U Eine Warschauer Meldung französischer Blätter besagt, daß eine große bolschewistische Armeegruppe von den regulären ukrai­nischen Truppen eingeschlossen worden sei. Die Kapi­tulation einer ganzen Sowjetarmee stehe bevor. Da­durch werde das ganze Gonvernemcnt Podolie» von Sowjettrnppeu frei werden.

Miljukow künftiger Präsident Rntzlands.

«* Wien, 29. September. (T. 1L) Aus ukrainischer Quelle wird gemeldet, General Wrangel beabsichtige, den bekannten Kadettensülner Miljukow zum provisori­schen Präsidenten der russischen Republik aicsrufen zu fassen.

Die Polen befestigen die Greuze gegen Ostprenßen.

t-* Königsberg, 29. September. Die Polen begin­nen die Grenze gegen Ostpreußen mit Stacheldraht und Maschinengewehren abzusperren. Bei Grajewo sind bereits Meilen weit solche Stacheldrahtzäune crrWet, hinter denen die Polen Maschinengewehre und Geschütze aufgefabren haben. In Lock hört man seit einigen Ta­gen schweren Kanonendonner aus der Richtung Augnstowo.

Giolittts Verteidigungsrede im Senat.

** Berlin, 29. September. (Etg. Drahtm) Giolitti verteidigte im Senat die innere Politik der Regierung. Es sei ganz unnütz, sich den Zeitströumngen widersetzen zu wollen. Der Wille deS vierten Standes zu seinem Aufstieg sei unwiderstehlich geworden. Es habe der Re­gierung an Mitteln gefehlt, die Besetzung der Fabriken zn verhindern. (Gewaltsam einzngreifen, wäre gleich­bedeutend mit Todesstrafe für die Arbeiter gewesen. Die Diebe wurde vorn Senat beifällig ausgeuomnien.

Die StikTaabe der besetzten Fabriken an die Besitzer vollzieht sich überall ohne ernste Zwischenfälle. Anderer­seits dehnt sich die Besetzung der Latifundien immer weiter aus. 209 mit Gewehren bewaffnete Lac>darbeiter

besetzten das große königliche Landgut Erabiztello t« her Provinz Neapel.

Die Verhandlungeu in Niga.

Die Polen erklärten sich bereit, zur Bildung einer Kommission zum Abschluß des Waffenstillstandes und zur Ausarbeitung der Vorfriedensbedingungen zu schrecken, und zwar unter Zurückstellung der grundsätz­lichen Fragen des SelbstbesttunnungsrechteS der Uk­raine, Weißrußlands, Litauens und Ostgaliziens. Es wurde die Bildung von vier Kommissionen beschlossen. Die Hauptkommission soll die Waffenstillstands- und Borfriedensbedingungen ausarbeiten, die sofort in Lrner internen Sitzung beider Vorsitzenden festgelegt werden sollen.

Neue Fordernugen der Straßenbahner.

»* Berlin, 29. September. Die Straßenbahner ha­ben neue hohe Lohnfordernnge« eingebracht. Die 8er- yandlungen zwischen den Arbeitgeberverbänden, den Decckschen Straßenbahner- und den Transportarbeiter- verbänden sind gescheitert. Die Forderungen der Ar­beitnehmer gehen dahin, daß die volle Reichsbesoldung auch aus die Kleinbahnen übertragen werden soll. Das würde einen jährliche« Zvschvtz von 17 Milliarde - Mark erfordern.

Berstärknng der französischen Besatzung Oberschlefieus.

Genf, 29. September. (S. C.) Wie derTemy«" meldet, gehen am 5. Oktober die französischen Verstär-. kungstruppe« tu -as deutsche Abltimmnngsgebiet ab. Der General Lerond weilt zur Teilnahme an den Ver­handlungen über den Absckmmungstermin nur vor­läufig, und zwar bis nächste Woche, in Paris.

Vor dem Waffenstillstaud im Osten.

^ Rotterdam, 29. September. (T. Eck Die Morningpost" meldet ans Riga, die polnische Delega­tion hat dem russische« Abänderungsvorschlag zum Vorfkledeusvertraa zngostimmt. Der WasscustUlstaud steht vor seiner Nnter-"ichnung.

Maßnahmen gegen die Sperrung -er Kartoffeltransportc

** Berlin, 29. September. (S. C.) Ein Erlaß des Verkehrsministers Gröner von gestern ordnet die Ent­lastung aller Eisenbahner an, die an der widerrechtlichen Zurückhaltung der Kc.rtoffeltransvorte für die Städte und^ ^ 6^r^^^^r^ £ff8fs^ »ui mwi certra«»-

Wnhlereten der Radikale« im Ruhrrevier.

Ellen, 29. September. (S. E.t In einer Sitzung des Saaener BollzugSrates wurde allgemein znr Be- sitzergreifnng der Gruben durch die Bergarbeiter nad ben overilaltenischen Vorgängen aufacforbert Mm- sprach sich für eine umfassende Propaganda in den Ber- tannnlnnaen der nässten Soimtaae aus.

Die Erweiternng der Funkenstatiou Nave«.

r Berlin, 29. September. (B. T.) In Anwesen- Heft des Reichspräsidenten Ebert. der Reichsminister Giesberts, Dr. Geßler und Dr. Scholz und des Staats» wkretärs Albert wurde heute der erweiterte Bau der großen Funkstation in Nauen eingeweiht. Im neuen Bortrayssaal begrüßte Direktor Dr. 91. Franke die Gaste. Dann hielt Graf Arco einen durch Filmvorfttb- rungen ergänzten Vortrgg übei- die den ganzen Erd­ball umspannenden technischen Einrichtungen der Sta- tcon. Hierans ergriff der Reichspräsident das Wort, um den Dank der Gäste und die besten Wünsche für das nun vollendete bedentnnasvolle Werk ausznsprecheu Nachdem noch Reichsminister Dr. GieSberts namens des Reichspostministeriums und Ministcrialdirckto! Dr. Bredow namens der Telegrapbenverivaltnng ge- wrocken hatten, erfolgte ein Rundgang durch die An- lageu der Station. Unter den Ehrenaästen befanden sich noch der Chef der Admiralftät Vizeadmiral Behnckc der Jnmektor der 9.'achrichtentruvvcn, General VeR mann, und Präsident Strecker vom Telegraphen-tech Nischen Reichsamt.

Deutsche EieranSfnbr nack Euglaub.

x London. 29. September. Ans der amtliche- Statistik über die Einftibr von Giern in England acht hervor, daß England sogar Gier aus Dcutschlaud bes­äen bat. In den ersten sieben Monaten dieses Jahre? wurden insge'omt 120 000 Kisten Eier eingeführt, br von ans Dentscaland 5040 Kisten. Rußland und Ocstcr reich haben keine oeifcfert. Der Rest erstreckt sich ai; die Vereinigten Staaten. Danzig, Holland, Aegupte nnd Kanada. Man ronnbert sich in London, daß Dentiä land in der Lage war, Eier nach England zu liefern.

Rnflösuug der Erportbandelsutederlasiungeu t« Holland.

»* Amsterdam, 29. September. In der letzten Zeit nehmen die Zahlen der Konkurse in Holland rapid zu. Größtenteils handelt es sich um holländische Firmen, die nach dem Waffenstillstand die Absicht legten, sich am Erportbandel beteiligen zu wollen. Auch zahlreich- Firmen, die wn Ausländern in Holland mit den alet chen Absichten gegründet worden sind, find vom Kon­kurs betroffen warben. In der letzten Zeit sind übc- 200 berar !ae Niederlassnngen aufgelöst worden. di - von Deutschen und anderen Ausländern gegritndet worden waren.

Strafversetzung KaminemS.

x Rotterdam, 29 Seotcvchcr. (T. 11.) Kamtner ist aus dem diplomatischen Dienst der Sowjctrepubli' entlassen worden. Er wurde als Zivilkommissar an bi russische Westfront - w Smolensk versetzt. Diese Stra- versetzutig wird bamit begründet, daß er in Englan? nickt genügend Umsicht bekundet habe, um ben »Datl. Seralb"-Skanbal^emeibeu.