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Nr. 238£Ä^

Dienstag, den 12. Oktober

fbzesgeijms W die eialpriMge Zeile '« Pfg., eiseäris H Fig.

1920

Sie polnischen Iriedensbedingnngen.

e-e Warschau, 10. Oktober. iT. lt.) Ueber die polni­schen Friedensbedingnuge» »erlaufet folgendes: 1. Die beiden Parteien sind sich darüber eiuio -atz die Unab- bänaiakcit der Ukraine und Weitzrutheniens, soweit diese Länder auf der russischen Seite der Waffeustill- standslrnie liegen, anerkannt werden mntz. 2. Man ver­pflichtet sich gegenseitig, sich nicht in die inuerpolitische« Angelegenheiten der beiden Länder zu mischen. 3. Po­len braucht seinen Teil der russische» Schuld nicht zu be­zahlen. 4. Rutzland zahlt au polnische Staatsangehö­rige eine Vergütung für die durch den Krieg verursach­ten Schäden. 5. Rutzland gibt die polnischen Archive und historischen Wertsachen zurück, ferner nnch die nach Rutzland verschleppten Maschinen und Mobilien. Man erwartet, datz in Weitzrntheuien eine nationale Regie- r»ng gebildet wird.

Bauernrevolteu in Rußland.

DieTimes" melden aus Helsingfors: Die Nach­richten mehren sich, daß sich die Bauern den gewaltsa­men Reauisitioncn der Sowjetabordnungen bewaffnet widersetzen. In den Gouvernements Petersburg und Smolinsk sind Bauernrevolten ausgebrochen. Bon Moskan gehen täglich mit Artillerie, Maschinengeweh­ren und Handgranaten bewaffnete Requisitionskolonnen nach der Provinz ab, wo sich vielerorts blutige Zusam­menstöße abspielen.

Ententeoffiziere an der polnischen Front.

s* Davzig, 11. Oktober. (S. G.) Hier sind atn Sonnabend zwei englische Kriegsschiffe eingelaufen. Sie brachten mehrere hundert Offiziere der Entente an die polnische Front.

Bolschewistische Neberlänfer.

* Genf, 11. Oktober. lS. G.) DerTemps" mel­det aus Warschau: An der Demarkationslinie sind in den beiden ersten Tagen des Waffenstillstandes noch 14 000 Truppen z« den Polen übergetreten.

Zur Vulksabslimmuug ii ßiirnlen.

t* Klageufnrth, 11. Oktober. lT. II.) Die Abstim­mung in der Südzone verläuft überall in Ruhe. Die Wahlbeteiligung ist außerordentlich rege. In einigen Wahlbezirken konnte die Wahlurne schor: nachmittags

* geschlossen werden. Die Stimmung der Dentsch-Kärtucr ist zuversichtlich, die der Südslaux: sichtlich gedrückt.

*. .. J&XÄiife von Pcü.vlH»'.ck-:t^Lr:!>,.^c.. ;.*- «m^r.iwjg Vor den Wahllokalep wivöc von den S "öslawen stark agitiert. Eine Mehrheit für Oesterreich scheint gesichert. Zurrerlässige Meldungen besagen, daß südslawisches Mi­litär nach der Südgrenze des Abstimmungsgebietes be­fördert wurde, um nach einem unglücklichen Wahler­gebnis auf Befehl von Belgrad binnen einer halben Stunde mit der Einnahme Kärntens zu beginnen. w Wien, 11. Oktober. (T. lt.) Die Bekanntgabe des Abstimmungsergebnisses in Kärnten wird für Dienstag erwartet. Sämtliche Berichte aus Körnten be­tonen übereinstimmend, daß das gewalttätige Auftreten 6er Iugo-Slawen schwerste Besorgnisse für das Leben der Bevölkerung und die Freiheit der Abstimmung ge­rechtfertigt erscheinen lasse.

Wien, 10. Oktober. lT. II.) DemNeuen Wie­ner Tageblatt" wird aus Klaaenfurtb gemeldet, daß ge- stern vormittag der österreichische Flieger Siegel auf- stieg, um über die Abstimmungszone Flugzettel abzu- werfen. Er wurde aus mehreren Ortschaften über der Zone beschossen. Bet einem weiteren Aufstieg stürzte er in der Abstimmungszone ab, kam jedoch ohne Verletzun­gen davon.

Masko der Sozialisisrung.

w Wieu. 10. Oktober. lT. UZ Die staatlichen in­dustriellen Werke, bestehend aus den vormaligen öster­reichischen Heeres- und Munitionsbetrieben in Söllcrs- dorf, dem Wiener Arsenal usw., sollen an die Privatin- dustrie verkauft werden. Diese Unternehmungen gebv- rc« mit zu den wertvollsten Betriebe», über die Deutsch- Oesterreich verfügt. Trotzdem beträgt das Defizit all­jährlich 20 bis 25 Millionen Krankn, weil die Betriebe als Versuchsobjekte der Sozialifiernug dienen. Dieser klägliche Zusammeubrnch der Sozialisie- rnngSvcrsnche in Oesterreich sollte in Deutschland zur Vorsicht mahnen und den SozialificrungSfanaükcrn doch Anlaß geben, noch einmal gründlich über das Soziali- fieruugsproblem nachzudenken. Vorteile und Nachteile gegeneinander genau abzuwägen und vor allem sich die Auswirkungen und Folgeerscheinungen der Gemein- wirtschaft in unserem völlig überschuldeten Staatswesen klar zu machen versuchen. ES wird ihnen bei ruhiger sachlicher Ueberlegung auch nicht schwer fallen, aus der gegebenen Sachlage naturnotwendig die Nutzanwen­dung zu ziehen, daß die Sozialisierung im gegenwärti­gen Zeitpunkt nicht einen Ausweg aus unserem W rt- schafts- und Finanzelend bedeuten würde, sondern mel- mebr die Sieueranellen verstopfen und katastrophale Folgen nach sich ziehen müßte. Wir sehen das bei Ei- senvalm, Post usw. Dagegen muß sich die Steuerbehörde 7 der übergroßen Gewinne. wie sie trotz der großen Not- läge des Volkes vielfach erzielt werden, besonders sorg­fältig anueburen, wenn auch nicht verkannt werden darf, daß im allgemeinen die Unternehmer ebenso wie die Ar- ; bester und Angestellten schwer an der Steuerlast zu tra-

; gen haben.

Die Sanierung der Reichsfinanzen.

»- Berlin, 1g. Oktober. (T. lt.) Zur Durchführung ; des BefchluiieS des Rei^kabinettS vom 22. Seviember

Über Maßregeln zur Gesundung der Reichsfinanzen ist ein Reichskommissar ernannt worden, der dem Reichs­finanzminister beigeordnet ist und un er dessen Verant­wortung und der Mitarbeit der Ministerien seine Tä­tigkeit auszuüben hat. Dieter wichtige Posten ist dem Präsidenten des Lebensmittelamtes Unterweser, Dr. Earl, übertragen worden.

Die Genfer Konferenz.

* Geuf, 11. Oktober. lS. G.) Nach einer Havas- Melduug vou gestern hat das französische Kabinett den englischen Antrag anf alsbaldige Einberufung der Kon­ferenz von Genf angenommen.

Frankreich besteht anf Versailles und Spaa.

Genf, 11 Oktober. <S. G.) Havas meldet aus Brüssel, die französische Delegation hat auf der Brüsse­ler Konferenz zum slusdruck gebracht, daß sie in der Frage der Wiedererstattung auf die im Versailler Ver­trag und in dem Spaaer Abkommen zugestandenen Rechte auch nicht teilweise verzichten könne.

Die Frage internationaler Kredite.

** Paris, 11. Oktober. In der französischen Regie­rung besteht die Geneigtheit, Deutschland zu Kredite» zu verhelfen, die ausschließlich der Beschaffung von Roh­stoffen dienen sollen. Die sranzösischen Bedingungen dafür si ... daß die Kredite nur für bestimmte Rohmate­rialien gebraucht werden, die für die Volksernährung und für gewisse Industrien notwendig sind. Was letzteres be­trifft, so kann es sich nicht um Industrien handeln, die dem französischen Handel Si aturrens machen. In erster Linie soll die Bauindustrie in Betracht kommen.

Bericht über Brüi'el im Reichstag.

^ Berlin, 11. Oktober. lS. G.) Ueber die Ergeb­nisse der Brüsseler Konferenz wird der Reichsminister Dr. Siemons in einer der ersten Sitzungen des Reichs­tages ausführliche Mitteilungen machen.

Die Koste« der Brüffeler Konferenz.

Genf, 11. Oktober. «S. G.) DieTimes" mel­den aus Brüssel: Die Kosten der Brüsseler Konferenz belaufen sich auf etwa 3"-. Millionen Mark. Es er­scheine fraglich, ob das Resultat der Konferenz den ge­waltigen finanziellen Aufwendungen entspreche und ob ihre Wiederholung sich lohne.

Polnische Protestnote.

>* Rotterdam, 11. Okiobe.. lS. G.) Renter meldet aus Warschau: Die politische Regierung richtete eine Protestnote an öh

gebiet.

Der Streik im Berliner Zektungsgewerbe.

** Berlin, 11. Oktober. Die Lage im Zeitungsstreik ist unverändert. Die bürgerlichen Zeitungen sind bis auf dieDeutsche Allgemeine Ztg " und denBörsen- knrier" nicht erschienen. Man glaubt an eine lange Dauer des Streiks, vielleicht bis z,rm 25. Oktober. Die Funktionäre der Angestellten fiitö heute zusammenge- treten, um weitere Maßnahmen zu beschließen.

Berlin, 11. Oktober. (S. G.) Die Streikleitung im Berliner Zeitungsgewerbe teilt mit, daß ihr Sym­pathiekundgebungen von den ZeitungsbetAeben in Köln, Frankfurt, Königsberg und Münmen und von mehr als 20 anderen Städten im Reiche zugegangen sind. Eine Entschließung der Großberliner Betriebs­räte sprach die Bereitwilligkeit der Arbeiter aus, bei nicht günstigem Verlauf der eingeleiteten Verbmiölun- gen den Generalstreik in Großberlin zu proklamieren.

Knudgebuug des HaudwerkerbnndeS.

e-t Hannover. 11. Oktober. Gestern land hier eine große Demonstration des Handwerkerbnndes statt. Etwa 30 000 Handwerksmeister aus ganz Deutschland veran- stalteten einen Umzug durch die Straßen. Gleichfalls tagte in Leipzig der niedersächsische Handwerkskammer- tag.

Schlimme Anzeichen für Großberlin.

Die neue Stadt-

** Berlin. 11. Ok.ober. lS. G.) Verwaltung von Großberlin hat um 16:10 neuen Beamtenstellen bei der versammlniig nachgesucht. In diese Mitteilung Brolaths im Vollzugsrat zialisten gebracht ivcrdcn.

die Schaffnng von Ttadtvervrdneien- Stellen sollen nach nur verdiente So-

DaS ErwerbSloseuheer.

Berlin. 11. Oktober. lS. E.) Die Zahl der Er­werbslosen in Großberlin hat in der letzten Woche um weitere 2300 zngenvmmen. Die Kriegsgesellschaften ha­ben zum 1. November weiteren 3800 Angestellten ge­kündigt.

Ein Antraa der Unabhängigen.

* * Berlin, 11. Oktober. <S, G.) Die U. S. P. hat einen Antrag an den Reichstag eingebracht auf sofor­tige Aushebung des Gotteslästerungsparagraphen im ReichSstrafgesetzbuch.

Die Wafsenabliefernng.

** Berlin, lt. Okiober. lT. lt.) Nach einer Mel­dung der T.-U. betragen die sestgestellten amtlichen Zif­fern für die Waffenabgabe im LaudeSvolizeibezirk Groß- Berlin 34 500 Gewehre. 1064 Maschinengewehre und Maschinenpistolen und * 960 000 Schutz Munition. Au­ßerdem wurden zwei .Kanonen kleineren Kalibers ab- geliefert. Naw Versicherung der zuständigen Stellen entspricht die Wafsellabgabe durchgnS den Errvartungen.

Nürnberg für Moskau.

* Nürnberg, 11. Okiober. lF. 3.) Die Urabstim­mung in der lt. §. P diürnbcrgs ergab die Wahl von vier Delegierten, die sämtlich für den Anschluß an die dritte Internationale sind.

Die Leiden der Bevokkernng unter französischem I»A.

w Wiesbaden, 11. Oktober. lF. Z.) Die französische Besatznngsbelzörde hat die Domäne Frauenstein ein großes lavdwirt'chasttichcs Unternehmen, be-chlagnahmr. 40 Stück Rindvieh, zum großen Teil Milchkühe, ein halbdutzend Pferde uns eine ganze Anzahl landwiri- fchaftliclter Vorräte gelangten zur öffentlichen Versteige­rung, da man sich mit den von den Franzosen Gebotenen Preisen nicht einverstanden erklären konnte. Tadt-rch wird die Milchversorgung, die im hiesigen Gebiet nicht enmal für die Kinder im dritten Lebensjahre ausreicht, noch mehr beeinträchtigt.

Beethoven-Feieru.

Berlin, 11. Oktober. lT. II.) Anläßlich des 150. Geburtstages Ludwig van Beethovens am 16. Dezem­ber hat das preußische Kultusministerium eine Verfü­gung getroffen, der zufolge Feiern mit besonderen musi­kalischen Darbietungen zu veranstdlten sind.

Trust der europäischen Montanindustrie?

* Wie«, 11. Oktober. (T. U.) DasNeue Wiener Tageblat'" meldet, daß nach englischen Berichten vor etwa 2 Wochen zwischen Thysien und Stinnes für Deutschland, Ereuzot für Frankreich und Belgien und dem amerikanischen Stahl-Trust und der Nattonal City Baue für Amerika ein Vertrag abgeschlossen worden sein soll über die Aufteilung des europäischen Marktes unter die Veriraasteilnehmer, ohne Einschluß Rußlands. Die Verhandlungen feien in Kopenhagen und Köln geführt worden. Der englische Vertreter im besetzten Gebiet habe schon vor sieben Monaten auf diese Verhandlungen auf» merffam gemacht.

Das Blatt bemerkt dazu, daß, wenn sich dieseJtarfh richt bewahrheite, ein europäischer Trust vorliege, der eine der sensationellsten Ereignisse in der Wirtschasts- geschichte sei. Diew Köroerschast würde auch den Markt der ehemaligen österreichisch-ungarischen Monarchie be­haupten. Schneider-Erenzot besitzt nämlich Aktten der Friedrich-Werke und beherrscht außerdem den Konzern der Maschinenfabrik der Skoda-Werke. Auch die die Alpine-Montan-Geiellschast beherrschende italienische Gruppe würde sich dem Anschluß an diesen Konzern nicht entziehen können.

Die Kommunisten unter Reh.

Hannover, lt Oktober. lT lt.). Zu einer erreg­ten Auseinandersetzung kam es bic" am Sonnabend abend tn eimer rwnder^nrmntito^

"Halle, in der Dr. VMl Sevt"lebhaft für eine Nnterstüt- .mna Sow'etrußlandS sprach. Als dann ein Redner der K. A. P. D. sprach, wurde die Debatte äußerst stürmisch. Der Redner wurde niederaefchrien, und schließlich spra­chen drei Redner zu gleicher Zeit, darunter auch einer der Unabhängigen. Darauf wurde das Licht im Saal ausgedreht. Der Leiter der Versammlung mußte mit seinem Hausrecht drohe», aber nichts half. Schließlich kam es anch noch zu Tätlichkeiten, worauf die Versamm­lung ohne jede Beschlüsse auseinanderging.

Streik der städtische» Arbeiter i« Chemuitz.

* * Dresdcu, 11. Oktober. (T. lt.) Am Sonnabend abend 8 Uhr sind die städtischen Arbeiter in Chemnitz in den Streik getreten. Seit diesem Tage verkehrt die St ratzen Hahn nicht mehr. Die Stadt ist ohne elektrisches Licht. Auch konnte die Ghemnitier Einwohnerschaft ge­stern nicht mehr mit Gas versorgt werden. Ein Tetl der Einwohner ist sogar ohne Wäger Sonntag früh ist die technische Nothilfe eingesetzt worden.

Graf Karolyj.

** Prag, io. Oktober. (T. lt.) Graf Karoloj hält sich noch in der Tschecho-Slowakei anf. Doch wird er in der nächsten Woche den t'checho-slowakischcn Staat ver­lassen. Tag und Ziel der Reise werden geheim gehalten, da anf seinen Kopf von ungarischer Seite ein Preis aus­gesetzt sein soll. Sein znkünftigcr Aufenthalt dürfte Deutschland sein.

Rücktritt der esthnischen Regierung.

w Berlin, 11. Oktober. sT. II.) Wie die T. II. meldet, hat die esthnische Regierung Tennisien demissio­niert. Man vermutet, daß diese Tatsache u. a. auf die Schwierigkeiten zurttckznfübren ist. welche sich aus der Zuteilung von Land an Polen ergeben.

Wiederanfstcllnng Wilsons.

Rotterdam, 11. Oktober. (5. G.) DerRoticr- damsche Gourant" meldet aus Neuvork, die Politische Welt Amerikas steht vor Ucbcrraichunyen. In einer Wählerversammlung in Boston teilte der Senator Je­nes mit, er sei zuverlässig informiert, daß Wilson eine Neuwahl annchmeu würde und datz deshalb eine Wie- dernominieruug Wilsons durchaus nicht auSgeschle"en sei.

Einmarsch der türkischen Ratioualistc« tu Armenien.

* * London, 11. Oktober. (T. U.) Nach den letzten aus Kleinasien eingetroffenen Nachrichten haben die tür­kischen Nationalisten eine Aktion gegen Armenien ein­geleitet. Die Zlrmenier sollen bereits mehrere Städte verloren haben und scheinen sich in einer kritischen Lage zu befinden.

Arbeitcrentlassvngcn in der englischen Stahlindustrie.

* Rotterdam, 11. Oktober. (S. G.) DerMan­chester Guardian" meldet auS Birmingham, daß im eng­lischen Staklindnstriedistrikt am 4. Oktober 9650 und am 9. Oktober 12 645 Arbeiter wegen Mangels an Auf- trügen entlassen worden sind.

Das Rathaus von Cork durch Setter vernichtet.

London, 11. Oktober. (I. lt.) Die von der Si«. tuobnerfebafi von Cork befürchteten Repressalien füy