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kersfelöer Tageblatt

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Franz Funk in Hersfel». Fernsprecher Nr. 8.

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Mntlicher Anzeiger für den Kreis Hersfetö

Nr. 12 (Erstes Blatt)

Sonnabend, den 15» Januar

1921

Sie MiiettSW in Met

** DerD. A. Z." wird aus Genf gedrahtet: Selten ist eine Regierung so schnell, so widerstandslos und, nan möchte sagen, mit solcher Selbstverständlichkeit zu Hall gekommen wie das Kabinett Leyques. Während die Zeitungen noch darüber stritten, ob der Ausfall »er Senatswahlen eine Stärkung oder Schwächung des Kabinetts bedeute, war in Wirklichkeit schon alles er­ledigt. Die Enttäuschung des Landes scheint vor allem eine Enttäuschung über Herrn Millerand zu sein. ftn der Tat droht diese Krise, gerade infolge der hervorra­genden Stellung des Präsidenten der Republik einen recht schwierigen Verlauf zu nehmen. Die Spekulation über die Nachfolge des Kabinetts Leygues ist noch ver­früht, doch erwartet man fast übereinstimmend ein Mi­nisterium der starken Männer. Man nennt den Kam­merpräsidenten Perret als Vorsitzenden, Poincaree für die Finanzen, Viviani für die Justiz. Briand für die auswärtigen Angelegenheiten- und einen General für das Seereswesen. Auch von einem Kabinett Loucheur- Tardieu ist die Rede. Die Entscheidung liegt bei Mille­rand, dessen Absichten jedoch vollkommen unbekannt sind. Es scheint nur festzustehen, daß Poincaree in der kommenden Regierung eine ausschlaggebende Rolle spielen wird, wie auch eine starke Strömung dahin geht, ihm die auswärtigen Angelegenheiten zu übertragen. Unter internationalen Gesichtspunkten betrachtet, ist diese Krise von größter Tragweite. Es kann leicht sein, daß das Schicksal Europas mit ihr verbunden ist. Frankreich ist an dem kritischen Wendepunkt angelangt, wo es sich mit der Mentalität des Siegers in irgend einer Weise abfinden muß. Entweder erkennt es die trügerische Illusion, die man als Früchre des Sieges bezeichnet, und dann ist der Wea offen für eine fried­liche Entwickelung der europäischen Völker, oder aber es bebarrt auf feinem papiernen Schein, der Unmögli­ches fordert, und dann ist die Entwicklung schon in der allernächsten Zukunft nicht avzufehen.

e-» Genf. (S. C.) Havas meldet Donnerstag abend: Ein Teil der vom Präsidenten empfangenen Deputierten habe es abgelebnt, die Kabinettsbildung zu übernehmen. Der Präsident der Republik hatte Donnerstag nachmit­tag Poincaree zu sich gebeten.

w Zur Ministerkrise in Frankreich wird dem Nieuwe Rotterdamschen Courant" aus Paris geschrie­ben: Die unglücklichste Episode in der auswärtigen Po- lttik Leygues ist die griechische Frage gewesen. Leygues

»sich verpflichtet, König Konstantin als Verräter

en Interessen der Verbündeten nicht auf dem grie­chischen Thron zu dulden. Er hatte auch bereits die Ab­berufung des französischen Gesandten in Griechenland ankündigen lassen. Das Ende vom Liede war, daß die englischen Deputierten in geschickter Weise ihn umzu- stimmen wußten, sodaß man gegenüber der Regierung des Königs Konstantin zunächst eine abwartende Hal­tung einnahm.

Die Auffassung in Italien.

»» Ram. fF. Z.) Die französische Ministerkrise wird hier mit Aufmerksamkeit verfolgt. Amtliche Kreise hal­ten einen Aufschub der Pariser Konferenz für unver­meidlich. Sollte ein in seiner Haltung starkes Kabinett folgen, so würde nach hiesiger Auffassung die Lösung der schwebenden europäischen Fragen erschwert werden.

Englische Besorgnisse.

** Die liberaleDaily News" zeigt sich besorgt über den Sturz des Kabinetts Leygues. Es sei eine schlimme Sache, daß einer der Gründe für Lenanes' Niederlage seine vernünstiae Haltung sei, die er konsequent in der Frage der Ausführung des Friedensvertrages einge­nommen habe. Seine Gegenwart auf der kommenden Pariser Konferenz hatte zu der Hoffnung berechtigt, daß die jüngst anfgetauchten Schwierigkeiten zwischen Eng­land und Frankreich ihre Erledigung finden würden. Wenn Leygues' Sturz den Ausdruck der Mißbilligung der Finanzpolitik der Regierung bedeute und Frank­reich sich jetzt auch noch weiterhin das Unmögliche in den Kopf setze, dann fei der Augenblick düster.

Die Folgen von Spaa.

w Auf Anregung des Verbandes sächsischer Indu­strieller hat am Donnerstag im Reichsarbeitsministe- Num eine Konferenz stattgefunden die sich mit der Frage der Arbeitslosigkeit in Sachsen und der Kohlen- oersorgnug der sächsischen Industrie befaßte. Außer den Vertretern der verschiedenen sächsischen Industriezweige nahmen der Reichsarbeitsminister Brauns, der ReichS- wirtschaftsminister Dr. Scholz, Graf Holtzendorff von der sächsischen Gesandtschaft, der Reichskohlenkommissar Dr. Stutz, die Reichstags Stresemann und Admiral Brüninghans, der sächsische Landtagsabge­ordnete Geheimrat Niethammer sowie der Syndikus Dr. März daran teil. In der Besprechung wurde einstim­mig betont, daß der Arbeitslosigkeit in Sachsen unbe­dingt entgegengetreten werden müsse, da die Zahl der Arbeitslosen in einzelnen sächsischen Städten auf etwa 10 Prozent der Bevölkerung gestiegen sei. Durch das Abkommen von Spaa sei die Lage der sächsischen Indu­strie ungemein verschärft worden. Wenn wachsen mit Kohlen stärker beliefert werden könne, würde die Ar- beitslosigkeit wettmöglichst eingeschränkt werden können. Notwendig sei weiter, eine Hilfe des Reiches für sach- «sche Städte und Bezirke, die unter der Last der Ar-

tettsiykiimmrm immer zu lemen haben. Seitens der Regierung wurde eine wohlwollende Prüfung der vorgebrackien Beschwerden zugesagt und insbesondere betont, daß die von der sächsischen Regierung mit Bezug auf die Bekämpfung der Arbeitslosigkeit gestellten An­träge im Kabinett Unterstützung finden würden. Be­züglich der Kohlenversorgung wurde jedoch darauf hin­gewiesen, daß die seit Spaa erhöhten Kohlenlieferungen an die Entente eine Einschränkung der Kohlenversor­gung der gesamten Industrie bedingt hätten.

Die Entwaffnung.

Berlin. (S. C.) General Rollet hat der Reichs­regierung eine neue Vorstellung der Kontrollkommission zur Entwaffnungsfrage überreicht. Der General ver­langt die Nachprüfung der als nicht genügend ange­sehenen Waffenablieferungen in den deutschen Industrie­gebieten.

Berlin. sS. C.) Wie wir erfahren, besteht kein Zweifel mehr darüber, daß die bayerische und ostpreu- tzische Einwohnerwehr innerhalb der nächsten vier Mo­nate entwaffnet werden muß. Diese Aenderung ist nicht nur auf autzenpolitsche Gründe zurückzuführen, sondern u. a. auch auf eine unzweideutige Drohung der Arbeiter und Gewerkschaften.

Fach füic sofortige Entwaffnung.

e-* Marschall Foch wurde sofort nach der Demission des Kabinetts Leygues von Millerand im Elysee emp­fangen. Der Marschall hat sich dabei mit aller Ent­schiedenheit für eine energische Durchführung der mili­tärischen Bestimmungen des Friedensvertrages von Versailles ausgesprochen. Zu den innerpolitischen Fra­gen der Kabinettsbildung hat er keinerlei Stellung ge­nommen.

Der belgische Standpunkt in der Entmaffnungsfrage.

»»Genf. (S. C.) DerMatin" meldet aus Brüssel: Das belgische Kabinett hat sich in seiner Sitzung am Donnerstag dem französischen Antrag angeschlossen, wo­nach die Entwarnung in Deutschland ohne Aufschub durchzuführen sei.

Deutsche Segeuliste der Sriegsuerbrecher.

e^.Aus Stuttgart 5<"' ^ ^M

eine Anfrage zweier Abgeordneter der Deutschen Volks, pnrtei im württembergischen Landtage wegen der Auf­stellung einer deutschen Gegenliste der feindlichen Kriegsverbrechen erklärte der Staatspräsident Dr. von Hieber, er habe sich mit dem Auswärtigen Amt über die Frage einer solchen Gegenliste, wie sie von weiten Kreisen gefordert werde, ins Einvernehmen gefetzt und sei ermächtigt, folgendes zu erklären: Das Material über die Verbrechen, die im Kriege von Angehörigen der gegnerischen Heere an Deutschen begangen worden sind, ist von der Reichsregierung gesammelt worden. Das Material ist für öje Gegner schwer belastend. Es wäre gewiß wünschenswert, durch seine Veröffentlichung zu zeigen, über wieviele und schwere Völkerrechtsver­letzungen, Grausamkeiten und Brutalität wir uns zu beschweren haben. Es liegen jedoch besondere Gründe vor, die eine Veröffentlichung zur Zeit nicht ratsam er­scheinen lassen. Es kommt hinzu, daß unsere Anklagen jetzt wahrscheinlich nngehört verhallen würden. Ein Be­leg dafür fei in der Aufnahme zu finden, die die Schrift von StttlvnaqelsDie Wahrheit über die deutschen Kriegsverbremen" gefunden habe. Herr von Stülpnagel habe in diesem Buche die von ihm gesammelten Nachrich­ten über Kriegsverbrechen der Gegner zusammengestellt. Diese Zusammenstellung bringe eine Reihe empörender Verbrechen, die den verschiedenen feindlichen Heeren zur Last fallen. Das Buch sei aber im Auslande völlig un­beachtet geblieben.

Mskimnmng in Stzerschlesien am 13. Mir,

Die Botschafterkonferenz hat, neuesten Nachrichten aus Paris zufolge, den Abstimmunastermin für Ober- schlesieu auf den 13. März festgesetzt. Eine offizielle Nachricht über den Abstimmungstermin liegt jedoch im Auswartiaen Aint in Berlin noch nicht vor.

-M- Berlin. lS. E.> An Regierungsstelle in Berlin hält man die oberschlesische Volksabstimmung für An­fang März als wahrscheinlich. Ob der von derFrank­furter Zeitung" angegebene Tag (13. Märzs authen­tisch ist, wird sich in wenigen Tagen erweisen. Nach einer Anfrage des deutschen Botschafters in Paris sol­len Mitteilungen der Alliierten über Oberschlesien nach Berlin unterwegs sein. ,

5* Berlin. tS C.) Am Freitag früh liegt eine Mel­dung derBasler Nationalzeitung" aus Paris vor, worin gleichsalls der 13. März als Abstimmungstag für Obers dürsten genannt wird. In dem Havasbericht über eine Sitzung der Botschafter am Donnerstag heißt es, daß mehrere Fragen hinsichtlich Deutschlands zur Er­ledigung gebracht wurden.

216 000 Abstimmungsberechtigte im Reich.

** Berlin. (S. C.) Zur Abstimmung in Oberschle- sien haben sich innerhalb des Reichsgebietes 216 000 aus Oberschlesien ausgewanderte Abstimmungsberechtigte gemeldet. Zu ihrer Beförderung in das AbMmmungs- gebiet hat der Reichsverkehrsminister 210 Eisenbahn­züge zur Verfügung gestellt.

Auch eine polnische BeschmerSenote.

** Wie die Exchange Agentur mitteilt, M eine pol­nische Note als Erwiderung auf die deutsche Beschuldi- anna aeaen polnische Umtriebe in Oberschlesien in Pa­

ris emaetroffen. Diese Note bringt meyr als »o Falls von Anklagen deutscher Aufreizung gegen Oberschlesien polnischer Nationalität zur Kenntnis der Friedens­konferenz.

Die polnischen Pntschpläne.

! Die deutsche Regierung ist in den Besitz einer Füllet : urkundlichen Materials gelangt, aus dem mit Deutlich-' = keit hervorgebt, in welch gefährlicher Weise von gewis- « sen polnischen Kreisen auch aus oberschlesischem Boden ! selbst die militärische Orgautsation weiter ausgebaut! worden ist, auf deren Borbandensein schon bei Gelegen­heit des Auaust-Sevtember-AufftauSes hrngewieseni wurde. Der beweiskräftigste Teil dieses Materials ist daher der Botschasterkonserenz sowie den alliierten Re­gierungen in London, Rom und Paris übergeben und dabei erklärt worden, Satz die deutsche Regierung iid>; für verpflichtet hält, erneut auf die Gefahren hinzu­weisen, die dem Frieden in Oberschlesien von dieserj Seite drohen. Sie hat das im jetzigen Augenblick ge-^ tau, um mit Hilfe der alliierten Regierungen, wenn möglich, noch den Ausbriich eines erneuten Aufstau des im Abstimmungsgebiet zu veWndern, der nach allen- vorliegenden Nachrichten für Mitte des Monats Ja­nuar geplaut zu sein scheint. Es fei nunmehr an der Zeit, dem Terror zu steuern und unter allen Umstän­den zu verhindern, Satz er durch noch Schlimmeres, den Bürgerkrieg, ersetzt werde..

Eine infame Fälschung.

Das polnische Plebiszitkommissariat in Beuthen hat dem Präsidium des polnischen Ministerrates in Warschau- alsinteressantes" deutsches Dokument eine infame Fäl­schung unterbreitet. DerSchwarze Adler" ist in der Lage, sowohl das Schreiben des polnischen Plebiszit- kommissariats, wie die nach Warschau übermittelte Fäl­schung in Faksimile zu veröffentlichen. Die Fälschung betrifft ein Schriftstück des kommissarischen Oberpräsi­denten von Oberschlesien, Geh. Justizrat Bitta, aus dessengeheimer Kanzlei" in Berlin, die es überhauvt gar nicht gibt. Es ist an den deutschen Plebiszitkoni- missar Dr. Urbanek in Kattowitz gerichtet und teilt das Einverständnis zu dessen angeblichem Vorschlag mit, die oberschlesischen Kohlengruben im Falle einer für Deutschland ungünstigen Abstimmung in die Lust zu sprengen. .Die jMLUhL ^% Girier eiirnattcUc sttli- Kische Ungeheuerlichkeit ist zugleich der beste Beweis für die Fälschung des ganzen Dokuments:Betreffend Ver­nichtung der Kohlengruben, verbunden mit Menschen­opfern ist unbarmherzig, doch aber nicht zu vermeiden, denn in dem jetzigen Zustand darf unser Oberschlesien niemals an Polen fallen".

Leronis Versprechungen.

General Lerond hat in einer Pressenotiz mitteilen lassen, daß nunmehr alle vorbereitenden Schritte getan seien, um gegen das BanSeunnweseu in Oberschlesien energisch vorzugehen. Ob er damit die Sperrung der polnischen Grenze meint, kommt in der Notiz nicht zum Ausdruck.

Seegefecht im Schwarzen Meer.

Nach einer Havasmeldung berichtet dieAssociates Preß" auf Grund eines Konstantinopeler Telegramms, daß ein Torpedobootszerstörer einer aMkerten Macht im Schwarzen Meer mit einer Sowjetflottille, die an­geblich Truppen nach Trapezunt bringen sollte, einen Zusammenstoß gehabt habe. Ein Schiff der Bolfchewi- sten sei gesunken. Die Sowjetschiffe seien bald zum Schweigen gebracht worden.

Frankreich läßt General Wrangel im Stich.

o* DieChicago Tribune" berichtet aus Konstäntino- vel: General Wrangel ist dahin unterrichtet worden, daß mit Rücksicht auf die notwendigen Kost euermchrün- kungen die französische Regierung vom 1. April ab die materielle Unterstützung der geflüchteten russischen Soldaten und Zivilisten einfteCt.

Verhandluukcn mit deu Fiuanzministeru.

Wie derL.-A." erfährt, haben die Verhandlungen zwischen den Ministern der Reichsregierung am Don­nerstag noch nicht ihren Abschluß gefunden. DaS- Reichskabinett als solches hat zu dem Beschluß der Kon«, serenz keine Stellung genommen. Es ist aber zwischen^ den Finanzministern und Mitgliedern der Reichsregie- runa verhandelt worden. Die Besprechungen werde«, am Freitag fortgesetzt. Es ist damit zu rechnen, Satz' auch die Geiverkschustsführer hinzugezogen werden.

Der Berliner Oberschulrat.

w In der Berliner Stadtverordnetenversammlung wurde der Hamburger Volksschullchrer Paulsen mit 118 von 130 abgegebenen Stimmen zum Oberstadtschulrat von Berlin gewählt. Die Rechte und das Zentrum ent« hielten sich der Abstimmung. Das Zentrum beabsichtigt, auf Grund von aus Hamburg vorliegenSem Material gegen die Wahl Einspruch zu erheben.

Lohuverhaiibluuqe« im mitteldeutschen Bergbau

** Die am Mittwoch abgebrochenen Verhandlungen über eine Lohnerhöhung der Arbetter im mittelSeut- fchen Brannkohlenrevier wurden am Donnerstag im Reichsarbeitsministerium in Berlin fortgesetzt. Bei die­sen Berbanölnngen bemerkte der Vertreter des Reichs- wirtschastsministeriums, daß die Reichsregierung nun« mehr eine große Preiserhöhung für Sie mitteldeutschen Brannkohle« genehmigen werde. Das ReichSwirt- schaftsministerium hat bisher allen derartigen Preis­erhöhungen widersprochen. Ueber die Höhe der KvH- leupreiserbüüung samt noch nichts gesagt werSen. Doch.