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Hersfelöer Kreisblatt^

Mitiicher Mzeiger für den Kreis Hersfett

«r 17

Freitag, de« 21. J«»«Kr

1921

gtmslteiß ssktzeri 1608 SMM«.

Enropas Ruin.

** Die Verhandlungen zwischen dem deutschen Tele- kierten Bergmann und den alliierten Sachverständigen werden feit Sonntag in Paris fortgesetzt. Bergmann vertritt mit Entschiedenheit den Standpunkt, daß Deutschland gegenwärtig außer Stande ist, sein Bud­get lührltch mit 12 Milliarden Papiermark zu belasten. Dies sei umso weniger möglich, als das deutsch« Volk noch immer nicht den ganzen Umfang der von ge­forderten Zahlungen kenne. Die Bemühungen Berg­manns sind mit großem Geschick darauf gerichtet, den Mittelpunkt zwischen dem System der gestaffelten Lei­stungen für eine Reihe von 30 Jahren und dem Jorfait- System zu finden. Die deutschen Delegierten werden in den nächsten Tagen den Stand der Verhandlungen in einem neuen Bericht an die Berliner Regierung uiederleaen. Bon fremaöfifeber Seite wird gegenwärtig Sie Jeststellung der deutschen Zahlungen durch die Wie- terherstellungskommission gemäß den Bestimmungen des Versailler Vertrages verlangt. Der geforderte Be- traa wird sich, wie jetzt bereits bekannt ist, auf 400 Mil­liarden-mark, ». h. also auf 1600 Milliarden Pa- piermark, belaufen. Frankreich will mit dieser Ziffer zeigen, daß Deutschland gegenwärtig nicht in der Lage ist seine Schuld zu begleichen, und daß die Sofie der Summe, die tatsächlich von ihm gefordert werden soll, erst nach einigen Jahren festgesetzt werden kann. Die englischen und italienischen Delegierten werden sich in­des dieser Auffassung kaum anschlietzen, da durch sie s««z Europa in Unsicherheit gesetzt «n» der iuteruütw- «ale .KreLii rollkommen uumöglich gemacht würde. Sie "Mrbett zweifellos auf Frankreich einen Druck ausüben, um es von dem oben wiedergegebenen StmidpMkkt ab- zubringen.

Briand über die Kriegsentschädigung.

Aus einem Artikel desMatin" geht hervor, daß Briand in der Regierungserklärung sagen wird, er müsse sich an den Vertrag von Versailles halten, habe

- aber an ihm keinen Anteil. Die Summe, die als Schuld Deutschlands von der Revarationskommission entfielest wurde (etwa 1600 Milliarden Papierwarktz habe nur symbolischen Wert. Die französische Regierung stellt nur vernünftige Forderungen, werde diese aber gut sichern. Das wichtigste fei, daß sogleich und für die näch­sten Jahre Abzahlungen in Natura-Lieferungen

würden. Er droht, nach der

Sa

q zu

mt werde nach

Äeür PrüiuNg die Gesämtsorderuna ausgestellt werden, und es werde auf Deutschland ankommen, ob es diese Lasten viele Jahre hindurch tragen oder durch aufrich­tige Anstrengung in viel kürzerer Zeit abwalzen wolle.

Die bisherigen »entschen Leistungen.

»» Aus Paris wird gemeldet: Die Wiederherstellungs­kommission untersucht das deutsche Memorandum über Me bisher getätigten Leistungen. Die PrüMng ist nicht einfach, da die Preise dauernd schwanken. Die Bewer­tung der Leistungen durch die Kommission ergibt eine erheblich von der von Deutschland angegebenen Summe abweichende Ziffer.

Antwori Deutschlands auf die jährliche« Zahl««««.

* DerTemps" meldet: Staatssekretär Bergmann hat die Antwort der deutschen Regierung auf den fran- rösischen Bm-schlag, fünf Jahre lang Sachleistungen mr Werte von 3 Milliarden Goldmark jährlich zu machen, Sie anf das Wiedergutmachungskonto gutzuschreiben feien, nach Pari mitgebracht. Deutschland sei bereit, auf Nr französischen Basis zu verhandeln, wolle sich aber Nicht auf den Betrag von 3 Milliarden Goldmark mhr- «ch verpflichten. Es habe jedoch offiziell keine andere Summe vorgcschlageu. Die deutsche Regieriiug habe zu e-rkeunen gegeben, daß sie ein anderes Verfahren vor- zichen würde, nämlich die Gesamtschuld festzustellen.

Die ReMratton.

x Paris. Pertinar teilt in einem Artikel im »Echo »e Paris" mit, daß die alliierten Sachverständigen der Brüsseler Konferenz am 18. Januar in der Repamtions- frnoe ihre Vorschläge dem Obersten Rat mitgeteilt hn- ben Sie raten darin, von Deutschland drei Jahresra­ten von 3 Milliarden Goldmark zu erlangen, die teils tn Wnre, teils in bar bezahlt werden sollen. Eine Jest- ketzuria der deutschen Schuld bis zum 1. Mai 1921 findet nicht stat Die Deutschen sollen gewisse Konzessionen kÄclten So ollen ihnen die tzttst mm Tonnen SMfss- !«««, die sie den Alliierten noch schulden, erlassen wer­ben Ob die Kosten der Okkupanousarmee, die nicht mehr als 240 AMtonen Goldmark betragen wer^n, M den ZMreszahlunacn verrechnet werden, sieht noch nicht fest' Jür den JaN, daß Deutschland sein Wort nicht B sind SiWnw vorgesehen wie Beschlagnahme »^ Schiffe, Beschlagnahme »der Am«»g versch ^ * M/v ^OtniiiWütC, 1UiC ä« ®» hC5 ®d(j^tHOttOpOlß« -v.pYV * b,<*(I)ernmt bot bexitOTACboibcib Ö^fi* nxtttt ble deutsche ; &%<&?» «.Ä'ÄW man in Widersprach mit dem Jriedensvertrag von Ver- > satlles komme. Eine Ab<ink^ruttg ^»' Jrieö«isvortrw «es müsse die Zustimmung der an^r^Lander, in er- <yr ptyL, -DeutsklütindV, erhalten. ueber die Beryand- Sinnen ntit^rmmnnt teilt Mrttuar vochnüc. datz dte- : fer erklärt hat, er nehme ^.^^^^i^^rf «hrii* ' nur in einer Höhe mm 2 MiMarbe« A^^rarkjcibrllch, 1 wobei die Barzahlungen nicht mehr als 500 Millionen

vecraacn hürnen. Außerdem hätte er no© allerhand Zuaeiiüvdnisse verlangt. Die alliierten Sachverständi­gen hörten sich daraufhin entschlossen, tor Programm sestzusetzen, ohne weiter einen Versuch zu machen, mit den Teutschen zu einem Einverständms zu kommen. Berliner bekämpft das Programm der Alliierten und tritt w-cder für die Pauschalsumme em.

Der abgelieferte Schiffsraum.

Paris. Bis zum 31. Dezember sind der Revara- tionskommission insgesamt geliefert: 2 054 792 Regi­stertonnen Schiffe, davon 2 019 655, Tonnen Dampfer, 9750 Tonnen Schlepper, 23 329 Tonnen Segler. Deutsch­land hat noch etwa 300 000 Tonnen Schiffsraum zu lie­fern. Von dem abgelieferten Schiffsraum sind bisher verteilt worden an England 1477 939. Frankreich 166 924, Italien 124 901, Japan 28 678, Belgien 15 831 Tonnen. Der Dampfer »Tirpitz" mit 20 000 Tonnen ist jetzt fertiggestellt und wird Ende Januar abgeliefert.

Die Regier«ngserkläru«g Briands.

** Paris. Die Regierungserklärung wird am Don­nerstag nachmittag in der Kamnwr von Briand, im Senat vom Minister des Innern Marraut verlesen. Nach der ministeriellen Erklärung findet eine große po­litische Debatte statt, die zweifellos mit dem Vertrauens­votum für die Regierung enden wird.

Peinearee gegen MWerand.

einem Leitartikel des

** Der ehemalige Präsident von Frankreich, Poin- caree, polemisiert in einigen großen Zeitungsartikeln gegen den jetzigen Präsidenten Millerand und hat in na­tionalistischen, aber auch.in sozialistischen Blättern ei- mn formellen Jelözug gegen MUlerand eröffnet. JW einem Leitartikel desMatin" gibt Poinearee offen fei­nem Aerger über seine Zurücksetzung Bet der Kabinetts­bildung zmn Ausdruck. In politischen Kreisen traut man Poinearee bereits jetzt die Kraft zu, durch feinen Einfluß im Senat und in den Redaktionen einiger gro­ßer Tageszeitungen den Rücktritt Millerands und eine neue Präsidentenwahl durchsetzen zu können. Der Se­nat ist aber für ein derartiges gefährliches Unterneh­

me nicht an haben.

Die Stellungnahme der Parteien.

** Während du letzten T

_____ n^nkerpellations-BerSandlnngen.

_ Hadikalen Sozialisten beschlossen, angesichts der ern­sten und wenig guten finanziellen Lage des Landes jede Regierung zu unterstützen, die für die republrkanvche und weltliche Gesetzgebung im Innern eintritt. Die Hauvtgnwve des nationalen Blocks hatte itnrnuf&e Sit­zungen, in denen sich viel persönliche Unzufriedenheit, aber auch eine allgemeine Angst vor offener Opposition bekundete.

Protest gegen das Bftimmg<neglemei!t.

»» Gegen das Abstimmungsreglement, das die inter­alliierte Kommission in Ovveln am 30. Dezember 1920 erlassen hat, erhebt die deutsche Regierung bei der Bot- schaftttkonsereuz und den Regierungen m Paris, Lmi- don und Rom in einer am Mittwoch überreichten Note unter eingehender Begründung Einspruch. Die Note beklagt, daß das Abstimnlungsrcglement oy«e Auhörnng »eutscher Stelle« erlassen worden ist, während den Po­len Gelegenheit gegeben w«r»e, ihre Wd«sche zum Ans- »rnS zu bringen.

Im einzelnen hebt die Note herum, daß die Absiim- mungsvorschriften einmal «nmutelbare Bttletzn«ge« des Jriedeusvertrags enthalten, sodann Beitimmungen, die sich in unbilliger und.einseitiger Weile gegen den deutschen Teil der StimmbereMiaten richten, und-end­lich folclw. die technisch mrdurmmürbar und. In Anla­gen wird eine Zusammenstellung der deut!chen Joroe- rungen zu den einzelnen Artikeln der Abstimmungsvm- fChristen nebst einer Denkschrift überreicht, in der die wesentlichsterr gegen die Abitimmungsvmichriften zu er­hebenden An stände dargelegt werden. Verletzungen öc» Jrtcdcnsvertraaes zum Nachteil der deutschen Inter­essen erblickt die deutsche Regierung darin, daß die klei­nen Gutsbezirke nicht als lelbstarrdige Wahlbezirke an­erkannt werden und daß den Gemeinden Haatlch. Ow- schütz und Sandan im Kreise Ratibor die Abstimmungs- bereÄtignng versagt wird.

Eine weitere Verletz««» des Vertrages würde es bedeuten, wenn ohne Zustimumng der beteiligten Mächte verschiedene Wahltage scstgeietzt werden sollten, da hierdurch die nach dem Jriedensvertrag zu forderude Eiuveitlichkeit des Wahlaktes beseitigt werden würde.

1. Dem Grundsatz der Billigkeit und dem Geist des JriedeuSvertrages widerspricht die BmMriff, wonach diejenigen Personen, die auf Grund ihres Wohnsitzes zur Abstimmung berufen sind, nur Wnn stimuwerechtiM, sein sollen, wenn sie mindestens seit dem 1. Januar 1961 im Abstimmlmasaebiet miunterbrochen wohnen. Diese Bestimmuua begünstigt offensichtlich> dre Polen und be­nachteiligt viele Sofmtaufende von Deutschen.

2. Die Voraussetzungen, an die die Eintragung der in Oberschlesien geborenem aber aiißcrlmlü wohuendeil Stimmberechtigten und der in Oberschlesien wohnenden, aber außerhalb geborenen Stimmberechtigten geknüpft wird, können kaum anders gefaßt sein, wenn man es darauf abgesehen hätte, einen Teil der Stimmberechtig­ten von der AWimmuna auszuschlietzen.

L. Die mr ßte verschiedenen Borverettunasarbeite« zur Volksabstimmung vorgesehenen Griffen sind völlig unzureichend.

4. Die Vorschrift, daß alle Beamten von jeder Mit­wirkung an den zu bildenden Abstimmunasbehörden ausgeschlossen werden. Sie ist ausschließlich gegen die deutschen Interessen gerichtet.

5. Strafbestimmungem

Die Note schließt: Die deutsche Regierung kann die »Vorschriften für die Abstimmung" nicht als Grundlage für die Volksabstimmung in Ober Mienen im Sinne des Irredensvertrages anerkennen. Sie bittet, darauf hin­zuwirken. daß sie einer Revision unterzogen werden.

Der Einspruch gegen dir Adstirnmungsordnung

** Berlin. (S. C.) Nach Meldungen der Pariser Zei­tungen hat sich die Boffchan erkorfferenz mit dem deut­schen Einspruch gegen das obersrAesisch« Avstimmungs- reglement befaßt. Obwohl eine offizielle Mitteilung noch nicht vorliegt, kann das »Journal" ankirndigen. Satz dem deutschen Protest keine Jolge gegeben würde.

Die Abstimmnna i« Oberschlesteu.

** Berlin. tS. C.i Eine Londoner »Daily" Mail"- Meldung vom Mittwoch hält daran fest, daß die Ab­stimmung in Oberschlesien in der zweiten bezw. dritten Märzwoche stattnndet. Da auch die Pariser Zeitungen der letzten Tage erneut den 12. und 13. März als Ab- strmmungsterunn angegeben haben, so ist. da noch kein offizielles Dementi der interalliierten Kommission in Ovveln vorliegt, als sicher anzunehmen, daß noch kein Beschluß der Botschasierkonferenz vorliegt, daß aber die Anträge der Verbandsmächte auf diesen Zeitpunkt lauten.

Eine offene Drohung Korfantys.

Das polnische Abstimmungskourmiffariat unter Leitung von Korsanty scheint einen neuen Vorstoß ge­gen die deutsche Abstimmungspropaganda unternehmem zu wollen. Korfantn erklärt in der letzten Nummer der Oberschlesischen Grenzzeitung", daß die Verleger. Mit­arbeiter und Verbreiter des deutschen Witzblattes »Pierrot" und ähnliches Geschmeiß sich einer Täuschung Hinaeben, wem: sie glauben, daß sie straflos ausgehen

Wir haben Geduld imd können warten: einstweilen lasse ich genaue Listen all dieser deutschen Ehrenmänner anlegen und die Zeugenaussa­gen sammeln. Die Vergehen verjähren ja nicht und nach der Absiimnmng werden die Schuldigen der ver­dienten Strafe veriallem"

Da die interalliierte Kommission sich offenbar Mühe gibt, den Abstimmungskampf in möglichster Ruhe sich entwickeln zu lauen, so wird sie hoffentlich diesmal ern­ster überlegen, was sie gegen eine solche offene Drohima Korfantys zu tun gedenkt.

Hilferufe aus Ostpreußen.

** Berlin. (S. C.) Bon einer Anzahl ostpreußischer Grenzstädte sind der Reicksregierung »ringende Ersuchen n« Berstärknug der Reichsmehrtruppen in Ostpreußen zugegangen, als Schutzmaßnahme gegen die Konzentra­tion polnischer Heeresmassen in unmittelbarer Nähe der ostpreußischen Grenze. Wie wir erfahren, sind Ver-, haudlnnge« mit der »artige« UeberwachnugsSkommissto« Nr Entente eingeleitet.

Sozialistische Regierung in Mecklenburg.

»* Nachdem am Ireitag im mecklenburgischen Land­tag der frühere socialdemokratische Minister Stelling zum Ministerpräsidenten gewählt worden war, nahm der Landtag am Mittwoch die Wahl der übrügen *üi= nister vor. Durch das Zusammengehen der Mebrbeits- sozialisten und Kommunisten kam ein rein sozialistisches Kabinett zustande.

Kabinettskrise in Warschau.

** Die polnische Regierung hat dem Präsidenten das Programm ihrer weiteren Tätigkeit vorgelegt. In ein» zelnen Parteien scheint ein Stimmungsumschwung ein« Getreten zu sein, sodaß nicht mehr unbedingt mit dem Rücktritt des Kabinetts Witos gerechnet werden muß. Doch spricht man davon, daß Witos selbst gern der ver- antwortlichen Stellung eines Ministerpräsidenten ledig sein möchte.

Das serbisch-griechische Bündnis.

»»Die griechische Kammer tritt am Montag zusam- mem Der soeben aus Belgrad nach Athen zuritckge- kehrte serbische Gesandte dementiert eine Meldung ve- nizelfftischcr Blätter, wonach Serbien nicht geneigt sei, den Bündnisvertrag mit Griechenland zu erneuern. A« maßgebenden Athener Stellen verlautet, der serbische Gesandte sei mit bestimmten Weisnngen für die Erneue­rung des Bündnisvertrages perseveu, die freilich erst nach der bevorftebenden Regelung der Beziehungen Griechenlands zu der Entente erfolgen soll.

Italienisch-serbische Wirtschaftsverhandlungen.

w Nach der schweizerischen Depeschen-Agentur wir» der serbische Ministerprästdent Paschitsch Ende d. Mts. nach Rmn reisen, um mit der italienischen Regierung über Kragen wtrffchafflicher Natur und die Ansfüb- runasbestimmungen des Vertrages von Ravollo zu ver-