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Hersfelöer Tageblatt

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Amtlicher Anzeiger für den Kreis Hersfelü 8 $unLSuchöruckerei inhersfelö"^^^

d^v. Dienstag, den 8. Februar 1931

»eralvngen Wer dleparilerBeldjfüfie.

Einmütige Ablehnung der Länder.

W Ueber den Verlauf der Konferenz der deutschen Mt- Msterprästdenten, die die Reichsregierung am Sonn­abend nach Berlin berufen hatten und die sich bis in die Waten Abendstunden hinzog, wird Mitgeteilt: Unter Dem Vorsitz des Reichskanzlers fand eine Besprechung her einzelstaatlichen Ministerpräsidenten mit dem Reichs- kabinett über die durch die Note vom 29. v. Mts. ge­schaffene politische Lage statt. Der Minister des Aus- wartrgen gab einleitend eine Uebersicht über den Inhalt und die Bedeutung der Ententeforderunge« und über Sie Stellung und weiteren Absichten des Reichskabinetts. Der Reichswirtschaftsminister ergänzte diese Ausführun- Mn nach der wirtschaftlichen Seite. Der Reichsminister Des Innern legte die im Innern zu ergreifenden Matz- mahmen dar. Sämtliche Anwesenden erklärten ihr Krundsätzliches Einverständnis zu der Stellungnahme »es Reichskabinetts, wie sie sich aus der Reichstagsrede 'des Ministers des Auswärtigen vom 1. d. M. ergibt.

Wie dasB. T." dazu mitteilt, wird sich das Reichs- kabinett, nachdem es sich des Einverständnisses der Län­der versichert hat, am Montag mit der Beratung der Ententeeinladung nach London befassen, die sehr rasch zum Abschluß gelangen dürfte.

Die Gewerkschaften hinter der Regierung.

** Im Laufe der Aussprache des Ministers Dr. Si­mons mit 200 Vertretern der deutschen Gewerkschaften Mer die Pariser Beschlüsse hat sich eine vollkommene Uebereinstimmung der Gewerkschaftsvertreter mit dem von der Regierung eingenommenen Standpunkt ergeben.

ö* Der Pariser Vertreter desNieuwe Rotterdam- schen Courant" erfährt, daß zwischen Frankreich und England erhebliche Differenzen eingetreten sind. Die Pariser Beschlüsse seien noch nicht endgültig, weil man die Deutschen zur Konferenz nach London geladen habe, wo die Beschlüsse nochmals von Grund anf besprochen werden sollen. Auch das Kohleuavkommen, das am 31. Januar abgelausen sei, soll auf der Konferenz auf Wunsch Englands eine Abänderung erfahren

Sie bleibe» sich treu.

«H- In einer Rede Lloyd Georges, die er anläßlich sei­ner Ernennung zum Ehrenbürger in Birmingham hielt,

erklärte er u. a.: Deutschland möge sich nicht durch au­genblickliche Leidenschaften dazu verleiten lassen, die Tor­heiten von 1914 zu wiederholen. Wenn von Deutschland in London alternative. V

Alliierten wollten reine strenge Maßnahme« gegen Deutschland (?) ergreifen, es sei denn, daß sie sich noch .einem Deutschland von ehemals gegenüber befinden.

' <Daß Lloyd George heute noch dieselbe Schalmei an- stimmt, deren liebliche Töne so oft während des Krieges zu uns herüber klangen, beweist, wie man im gegneri­schen Lager heute noch das deutsche Volk einschätzt. Die Lockrufe werden aber an dem durch furchtbare Enttäu­schungen und Not geläuterten nationalen Empfinden un­seres Volkes abprallem)

Weiter wird über die Rede Lloyd Georges gemeldet: o* Wie die Agence Havas aus London erfährt, sagte Lloydy George in einer zweiten Rede, die er in Bir­mingham hielt, er glaube, Deutschland mache keine An­strengungen, um zu der nötigen Stabilisierung seines Wechselkurses zu kommen. Deutschland sei eine starke und mächtige Nation. Es müsse bezahlen. Wenn seine Mark nur einen Penny wert sei, dann müsse sie für einen Penny berechnet werden. Er glaube aber, daß die deutsche Mark ein wenig tiefer stehe, als es sein dürfe. Wenn die Entschädigungssumme festgesetzt sei, werde Die Mark etwas weniger tief stehen. Wenn er demnächst ^Hen Reichsminister Dr. Simons in London ieye, werde er ihm bemerken, daß Deutschland keine wirklichen An­strengungen mache, um zu bezahlen. England habe schlimmere Stunden erlebt und sei ihrer Herr gewor­den. Es stehe den gegenwärtigen Schwierigkeiten mit derselben Tatkraft gegenüber. Es könne sie erfolgreich bekämpfen, wenn die Einigkeit unter allen Engländern fortbestehe.

Tiefer Eindruck in Frankreich.

Die von Lloyd George in Birmingham gehaltene Rede ist in Paris als ein Angriff gegen Deutschland auf- gefatzt worden. Lloyd George erklärte u. a., daß die

- *-' ganze deutsche Nation den Krieg gewollt habe, daß die den Deutschen jetzt auferlegten Lasten keineswegs über­trieben seien und Deutschland zahlen könne, wenn es nur wolle und aufhöre, immerfort an den Krieg zu den­ken. Diese Rede hat in Frankreich einen tiefen Eindruck gemacht und freudige Neberraschuna hervorgerufen, denn die Erwartungen selbst seien noch übertroffen wor- den. Man sagt, das sei der Lloyd George von 1918/19. Nur der Passus, in dem Lloyd George erklärte, daß Deutschland auf der Londoner Konferenz Gegenvor­schläge machen könne, hat in Paris immerhin etwas Be­unruhigung hervorgerufen. Im ganzen verwischte aber die Rede Lloyd Georges den peinlichen Eindruck, den die Rede Asguiths hervorgerufen hat:Könne denn Deutschland zahlen?" , t m ,

(Darüber, ob die damalige deutsche Regierung und SaS deutsche Volk den Krieg gewollt haben oder nicht, wird einst die Weltgeschichte urteilen. Selbst der in die­ser Hinsicht gewiß unverdächtige Kautsky, der die Akten des Auswärtigen Amtes einer genauen Durchsicht un­terzogen hat, hat in seinem Buche erklärt, daß er sein Urteil über die Schuld Deutschlands am Krteae nicht

mehr aufrecht erhalten könne und daß er feftsteiren müsse, daß Deutschland den Frieden wollte und daß die dama­lige deutsche Regierung bemüht gewesen sei, den Frie­den zu erhalten.)

Ergebnislose Verhandlnvgen über Kohlesaustausch.

** Die Verhandlungen, die dieser Tage zwischen Ver­tretern der französischen und der deutschen Regierung wegen Lieferung von Saarkohlen nach Süddeutschland gegen Austausch von Ruhrkohlen in Berlin geführt wurden, sind ergebnislos verlaufe«. Die deutsche Re­gierung ist an sich bereit, Saarkohlen kaufweise zu über­

nehmen. Sie muß es aber bei.dem eigenen Mangel hochwertiger Kohle ablehnen, dafür Ruhrkohlen liefern.

Die Stimmung in den Estenteländer«.

an zu

die

** Man wird in Deutschland gut tun, sich über Stimmung in den Ländern der Entente nicht zu täuschen. Die kommunistische Bewegung in Frankreich ist durch-

aus ohnmächtig. Die willkürlichen Verhaftungen, die die Polizei gegenwärtig wieder in Massen vornimmt, ohne Widerstand zu finden, sind nicht im Stande, eine nen­nenswerte Bewegung auszulösen. Es ist nur das von Jouhaur geleitete Gewerkschaftsblatt8e Peuple", das die Forderungen der Entente aus Solidarität mit den deutschen Arbeiterorganisationen bekämpft und die eng­lischen Gewerkschaften zur gemeinsamen Abwehr aufruft.

Der deutsche Vorschlag: 150 Milliarden?

** Berlin. (S. C.) Im Reichsfinanzministerium sollen die deutschen Gegenvorschläge an die Entente un­mittelbar vor der Fertigstellung stehen. Ueber den In­halt verlautet aus parlamentarischer Quelle, daß die deutschen Gegenvorschläge jede Zahlung über 150 Mil­liarden Mark als Gesamthöhe verwerfen. Sollten die deutschen Gegenvorschläge von der Entente als Ver­handlungsbasis abgelehnt werden, so wird die deutsche Regierung einer Einladung zur Londoner Konferenz keineswegs Folge leisten.

Keine Verhandlungen über die Ententefordernngen.

** Berlin. (S. C.) In den Beziehungen Deutsch­lands zu der Entente ist insofern eine Verschärfung ein­getreten, als nach den in Berlin vorliegenden Havasmel- dungen in London die Pariser Beschlüsse nicht mehr dis­kutiert werden sollen, sondern nur die Sicherstellung der deutschen Leistungen.

________________________________ definitiv.

** Genf. (S. E.) Havas kommentiert die Birming- hamer Rede Lloyd Georges dahin: Sie mache Berlin darauf aufmerksam, daß die Pariser Beschlüsse als de­finitiv angesehen werden müßten.

Besprechnngen zwischen den Ententebotschaftern.

w Genf. S. C. Am Sonnabend mittag 12 Uhr fand in Paris eine Besprechung zwischen dem englischen, ame­rikanischen und dem italienischen Botschafter statt. Das Journal" meldet über die Besprechung, daß sie den Pa­riser Beschlüssen gegolten habe und daß der Botschafter Amerikas keine Korrektur, sondern nur eine Ergänzung der Pariser Beschlüsse verlangt habe, die die Ausfuhr be­treffen. Die Konferenz wird von Havas registriert mit dem Hinzufügen, daß die Botschafter in der Durchfüh­rung des Versailler Vertrages einig seien.

Ablehnung einer Herabsetzung der Kohleulieferungeu.

»* Geuf. (S. C.) Dem PariserEcho" zufolge ist die von Deutschland überreichte Denkschrift, wonach Deutschland vom L Februar ab nur noch eine Million 800 000 Tonnen Kohle monatlich liesern will. der Wie- derauftaukomwisston überwiesen worden. In der Wie- deioufbankommifsion sei am Sonntag der deutsche Vor­schlag mit allen gegen eine Stimme verworfen worden.

Was Vriand in London vorschlagen wird!

** Genf. (S. C.) DerLyoner Progres" meldet aus Paris, daß in Kammerkreisen verlautet, Briand werde den Deutschen in London eine Gesamtsumme für sofortige Zahlung vorschlagen lassen, durch deren Annahme die Pariser Beschlüsse hinfällig wihrden. Wenn die Deut­schen 220 Milliarden von neutraler Seite vorgestreckt er­halten, würde Deutschland der Kontrolle und der Fort­setzung der Besetzung entgehen. Auch die Besetzung des Rheinlandes würde aufgehoben werden. DerProgres" fragt, ob es denn in Deutschland keine starken Männer gebe, die alle Juwelen, Brillanten Silber und Gold aus Privatbesitz beschlagnahmen, um die Unabhängigkeit des Reiches zurückzugewinnen.

(Das wäre Erpresservolitik in aller Form. Wenn wir sofort 220 Milliarden aufbringen könnten, daun würde die Entente es hiermit nicht bewenden lassen, sondern uns noch Rechnungen präsentieren, in denen sie nicht minder unverschämte Forderungen stellen würde als setzt. Bei der Debatte über die Pariser Beschlüsse in der französischen Kammer hat ja ein Abgeordneter erklärt, daß die 269 Milliarden nur ein Butterbrot wä­ren. Der Milliardenkoller würde dann bei den Fran­zosen .zur Epidemie werden.)

Ei« deutscher Protest.

** Aus Zürich wird gemeldet: DemBund" zufolge bestätigt es sich, daß die deutsche Reichsregierung dem Schweizer Bundesrat zur Weitergabe an das internatio­nale Verkehrsbüro und das Büro des Weltpostvereins einen Protest gegen die Zulassung eines Besonderen Ver­treters des Saargebietes zur Konferenz tu Barcelona überreicht hat.

neue deutldje Protestkundgebungen.

w- Am Sonntag fand vor der Feldherrnhalle in Mün­chen eine große vaterländische Kundgebung statt, der eine vieltausendköpfige Menschenmenge beiwohnte. Spätere Berichte schätzen die Zahl der Teilnehmer auf 30 000. Der Straßenbahnverkehr mußte eingestellt wer­den. In der Feldherrnhalle waren schwarze Fahnen aufgezogen. Oberst Xulander hielt eine Ansprache, t» der er die Pariser Forderungen beleuchtete und zur Ab­lehnung und zum festen Zusammenhalten aufforderte. Er schloß mit den Worten:Lieber tot als Sklave der Entente". Dann wurde ein Telegramm in diesem Sinne an die Reichsregierung verlesen und unter leb­hafter Zustimmung gutgeheitzen. Die Menge sang, von Musik begleitet, den ChoralGroßer Gott, wir lobe» dich" und stimmte sodann die Nationalhymne,Die Wachk am Rhein" und dasNiederländische Dankgebet" an. I» der Entschließung an die Reichsregierung heißt es: Die hier versammelten Deutschen Mer Kreise fordern von der Reichsregierung sofortige strikte Ablehnung der Schandforöerungen der Entente mit einem klare» Nein! Niemals!" Am Nachmittag kam es zu weiteren Kundgebungen der Münchener Künstlerschaft, die gegen die kulturvernichtenden Forderungen der Pariser Kon­ferenz Einspruch erhob.

>* Die bürgerlichen Parteien und alle bedeutsame» Wirtschaftsorganisationen von Hamburg veranstaltete» am Sonntag eine Kundgebung gegen den Pariser Ver­sklavungsversuch. Zahlreiche Behörden waren vertre­ten und auch der Bund der Innungen, der Bund für Handel, Gewerbe und Industrie, der Verband der Ex­porteure, der Verein der Reedereien, der Verein der Banken und Fabrikanten, der Zentralverband des deut­schen Handels, ferner waren die Gewerbe- und Handels­kammern vertreten. Es wurde eine entsprechende Ent­schließung an die Reichsregterung gesandt.

** Vor dem Hotel der Kommission der Entente in Nürnberg demonstrierte am Sonntag eine große Men- scöenmenge gegen die Pariser Forderungen. Die Ge­schäftsleitung des Hotels ließ zur Beruhigung der De­monstranten eine schwarz-weitz-rote Fahne hissen. Die Menge verlief sich sodann, ohne daß es zu Zwischen« füllen gekommen war.

** Der Vorstand des GenWMajisrukges deutscher AugesteLüuc-, Beamten und Arbeiterverbänöe weist mit Entrüstung die Pariser Fordermcgen zurück und richtet an die deutsche Regierung die Forderung, die verlangte Gesamtsumme von 226 Milliarden und die Ausluhrab- gabe abzulehnen. Ferner fordert er die Arbeiter, An­gestellten und Beamten zu festem Ztisammenschluß anf. Er erwartet, daß die deutsche Regierung sich tm Inter­esse der Solidarität gegen die von den Alliierten gefor­derte Versklavung der deutschen Arbeiterschaft wende« werde.

Der Vorstand der Deutschen Demokratischen Parket Sachsens, die demokratische Landtagsfraktign und die sächsischen Mitglieder der demokratischen Reichstagsfrak- tion erlassen einen gemeinschaftlichen Aufruf gegen die Pariser Beschlüsse. Dem Vernichtungswillen der Geg­ner müsse von deutscher Seite ein geschlossener unbeug­samer Selbsterhaltungswille entgegengestellt werden; nur ein entschlossenes deutsches Volk könne die Aner­kennung seines Rechts auf Selbsterhaltung erwarten.

Berlin. (T. U.) Bei der Reichsregierung ist eine Fülle von Telegrammen von Absendern aller Richtun. gen und Parteien eingegangen, die auf die verhängnis­volle Wirkung der Pariser Beschlüsse Hinweisen und die Regierung bitten, an dem ablehnenden Standpunkt fest- zu halten, wie er durch die Rede des Außenministers bezeichnet worden ist. Insbesondere wenden sich die Vertreter der Exportindustrie gegen den 12prozentigew Zuschlag.

1121 Proteste.

HSetlin. (S. C.) Nach den am Montag früh vor­liegenden Nachrichten aus Sem Reiche sind am Sonntag im Reichsgebiet insgesamt 1121 Protestversammlunae« und Kundgebungen gegen die Pariser Beschlüsse gefatzk worden.

Rettet das OßerlfltefieMland.

In diesen Tagen größter nationaler Not finden irr den meisten Städten unseres Vaterlandes große Kund­gebungen für die Grenzspende für Oberschlesien statt. ES gilt, den letzten Rettungsanker unserem schwer geprüf­ten Volke für den wirischastlichen Wiederaufbarr des Vaterlandes zu erhalten. Eine gewaltige Kundgebung heimattreuer Oberschlester war es, die am Sonntag vor­mittag im Lustgarten in Berlin stattfand. Von allen Seiten zogen die Ortsgruppen, Männer und Frauen, mit fliegenden Fahnen und Tafeln heran. Diese spie­gelten wider, was das Herz jedes Oberschlesiers in der schweren Zeit bewegt:Oberschlesien. Heimatland, stcb' fest zum Vaterland!",Heraus mit Korfanty aus Deutschland!",Heraus mit dem polnischen Ranbgesiu . del!",Großberlin braucht die oberschlesische Kohle'" Wir wollen wirklich parttätische Gemekndeausschüsie!" Kopf- und Handarbeiter, bleibt wahre Krrltnrarbeiter in Oberschlesien!",Oberschlester, bleibt auf Eurer Hu' sonst stiehlt Euch der Pole Hab und Gut!" usw. Als irrt 11 Uhr die Glocken des Domes zu läuten begänne stand vor dem Museum nach dem Schlöffe zu eine n un vielen Zehntausenden zählende dichtgedrängte Meu . Ueberall waren provisorische Rednertribünen errichtet. Es sprachen u. a. verschiedene Redner der verschiedenen