Hersklöer Tageblatt
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Nr. 33
Die Beratung der Pariser Beflisse.
Einmütige Ablehnung der Länder.
** Ueber den Verlauf der Konferenz der veutfchen Ministerpräsidenten, Sie die Reichsregierung am Sonnabend nach Berlin berufen hatten und Sie sich bis in die späten Abendstunden hinzog, wird mitgeteilt: Unter Bm Vorsitz des Reichskanzlers fand eine Besprechung
r einzelstaatlichen Ministerpräsidenten mit dem Reichs- binett über Sie durch die Note vom 29. v. Mts. geschaffene politische Lage statt. Der Minister des Aus- :rvärttgen gab einleitend eine Uebersicht über den Inhalt »nö die Bedeutung der Ententeforderungen und über Me Stellung und weiteren Absichten des Reichskabinetts. Der Reichswirtschaftsminister ergänzte diese Ausführungen nach der wirtschaftlichen Seite. Der Reichsminister -es Innern legte die im Innern zu ergreifenden Matz- «ahmen dar. Sämtliche Anwesenden erklärten ihr Wrundsätzliches Einverstä«d«is zu der Stellungnahme »es Reichskabinetts, wie sie sich aus der Reichstagsrede Äes Ministers des Auswärtigen vom 1. S. M. ergibt.
Wie das „B. T." dazu mitteilt, wird sich das Reichskabinett, nachdem es sich des Einverständnisses der Län- -er versichert hat, am Montag mit der Beratung der Ententeeinladung nach London befassen, die sehr rasch zum Abschluß gelangen dürfte.
Die Kammerdebatte über die Pariser Beschlüsse.
tat In der französischen Kammer wurde am Dienstag die Debatte über die Pariser Beschlüsse fortgesetzt. Die allgemeine Ansicht geht dahin, daß das Ende der Debatte den Willen der Kammer nur noch Bestimmter zum Ausdruck bringen wird, daß das Pariser Abkommen als letztes Entgegenkommen gegenüber Deutschland anzusehen sei. In dieser Auffassung ist die französische Presse durchaus mit dem Standpunkt des Parlaments einverstanden, daß auf keinen Fall eine Aenderung zugelassen wird. Man belachtet die Haltung der deutschen Regierung als sehr unvorsichtig. In der Sitzung wird nur noch ein Interpellant das Wort erhalten. Für die Diskussion ha- Len sich jedoch 14 Redner zum Worte gemeldet. Da die Regierung ebenfalls noch zu Worte kommen will, nimmt man an, daß die Debatte auch noch den Mitt-
Die Stellungnahme der französischen Gewerkschaften.
** Der „Matin" meldet: Am Sonntag mittag haben 13 französische Gewerkschaften zu dem deutschen Aufruf an die internationale Arbeiterschaft Stellung genommen, indem die Pariser Beschlüsse.als Attentat des Imperialismus gegen das Proletariat und die Völker- uersöhnung verurteilt wurden.
Die Wirkungen der Pariser ForSernngen.
In der „Deutschen Bergwerkszeitung" äußern sich namhafte Vertreter der deutschen Montanindustrie über die Wirkungen des Pariser Diktats. Der Vorstand des Rheinisch-Westfälischen Kohlensyndikats in Essen hebt hervor, daß dadurch für das gesamte deutsche Wirtschaftsleben die heute schon bestehende Unsicherheit bis ins Un- gemessene vermehrt werde. Die Ausfuhravgabe führe mit logischer Konsegnenz auch zu einer großen Belastung Ses deutschen Arbeiters gegenüber den Arbeitern in den Ententeländern. Der Geschäftsführer des Vereins deutscher Eisen- und Stahlindustrieller Dr. Reichert-Verlin weist darauf hin. daß die Ausfuhravgabe wie ein Prohibitivzoll wirken müsse.
Amerika gegen die Ausfuhrsteuer.
Aus den letzten Ausführungen Pertinar' im „Echo Se Paris" geht hervor, daß in Paris anscheinend offiziöse Meldungen vorltcgcn, aus denen zu ersehen ist, . daß die Regierung der Vereinigten Staaten die von der Entente geplante 12prozcutige Ausfuhrsteuer auf deutsche Waren nicht anerkennen wird. Als Grund dieser Auffassung wird angegeben, daß die amerikanischen Geschäftsleute durch diese Steuer unter einer schweren Be- einträchttgung des Handels mit Deutschland zu leiden hätten. Der deutsch-amerikanische Handel hat im Jahre 1920 400 Millionen Dollars erreicht. Die amerikanische Ausfuhr nach Deutschland umfasste mehr als die Hälfte dieses Betrages. Die Steuer auf die deutschen Ausfuhr würde natürlich eine starke Einschränkung der geschäftlichen Beziehungen zwischen Amerika und DeutfchlauS zur Folge haben.
England verlangt 2» Milliarden Goldmark.
tat Rotterdam. (S. C.) „Daklv Telegraph" erfährt, daß der englische Anteil an der Wiedergutmachnngsforde- rung gegen Deutschland in Paris auf 29 Milliarden Goldmark festgesetzt worden ist.
Ein Engländer über die Pariser Beschlüsse.
tat Hamburg. (F. Z.) Ein hiesiger englischer Kaufmann hat von einer W einflußreichen Persönlichkeit der Londoner City folgenden Brief erhalten: Sie fragen mich nach der hiesigen Auffassung in der Repara- tionsfrage. Auf die Ansicht der Mehrheit, die sich lediglich von den Aeußerungen und Berichten der Presie be- einflussen läßt, kommt es nicht an. Maßgebend ist allein die kleine Minderheit führender Köpfe, von denen die Dinge in Wirklichkeit abhängen. Diese Leute meinen, daß Frankreich tatsächlich nicht allzuweit vom kommerziellen Zusammenbruch entfernt ist und daß aus dre- ' fern Grunde die französische Regierung, die Presse und das Volk Frankreichs in der Frage der deutschen Reparationen in kommerzieller Beziehung kaum als geistig normal angesehen werden dürfe. Die Ansicht der führenden Männer acht dahin, daß wir niemals den
Mittwsch. den 9. Februar
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Belrnn erhalten werden, der sich irgend der letzt von Deutschland geforderten Endsumme nähern wird. Deutschland kann nur in Waren zahlen, wenn es die Waren in großen Mengen auf Frankreich und England ausgießt. Die Pariser Vorschläge sind ein Versuch, der unmöglich zu vollbringen ist.
Beratungen der Brüsseler Sachverständige«.
** Rotterdam. sS. 6.) Reuter meldet aus Parts: Die technischen Sachverständigen fahren trotz der Abreise Bergmanns in ihren Arbeiten fort. Bisher haben sich noch keine Anzeichen dafür ergeben, daß Deutschland die Verpflichtungen der Pariser Konferenz nicht erfüllen könne.
Die Kohlenliefernnge«.
♦■* Rotterdam. (S. C.) Die „Times" melden aus Paris: Die französische Regierung ließ am 6. Februar den alliierten Kabinetten die Mitteilung zugehen, daß auf die volle Höhe der in Spaa festgesetzten Kohlenliefs- rungen nicht verzichtet werden könne.
Die Londoner Konferenz.
tat Paris. lF. N.) Wie der „Intransigcant" meldet, wird die französische Regierung auf der Konferenz in London durch den Ministerpräsidenten Briand und den Minister Doumer und Lonchenr vertreten werden.
Die Einladung für London.
** Berlin. (L.-A.) Die Einladung nach London ist vom deutschen Auswärtigen Amt unter der Voraussetzung, daß auch die deutschen Gegenvorschläge auf der Konferenz zur Beratung gestellt werden, angenommen worden.
Unterbrechung der Kreditverhau-lunge« mit Amerika.
tat Genf. (S. C.) Der „Herald" meldet aus Neuyork, daß die Neuyorker Großbanken unter dem Eindruck der Pariser Beschlüsse über die deutsche Ausfuhrabgabe die Vorbesprechungen über eine 4ttv-Millione«-Dollar-An- leihe an Deutschland unterbrochen haben.
Ersetzung der Amerikaner durch Franzosen.
tat Köln. (F. N.) Die Franzosen sind entschlossen, für den Fall, daß die Amerikaner ihre Besatzungstrup- pen am Rhein verringern sollten, deren Ausfall durch Verstärkung des französischen Kontingents wettzuma- chen. Man rechnet damit, daß Harding alle amerikani- schen Truppen vom Rhein zurückziehen werde.
Die französischen Trnppenkonzentrattonen,
tat Rotterdam. (S. C.) „Daily Telegraph" meldet aus Paris, daß die Trnppenkonzentrattonen in der Nähe der deutschen Grenze und im besetzten Gebiet zu einer Anfrage Deutschlands geführt haben.
Einigung über die Antwortnote.
Die Beratungen des Reichskabinetts über den Inhalt der Antwortnote sind beendet. Das Reichskabinett hat sich geeinigt, daß es keine Verhandlungen mit der Entente ablehnen will, um die Unhurchkührvarkeit der Pariser Beschlüsse nachzuweisen. Dieser Beschluß dürfte vielleicht einigen Heißspornen nicht zusagen. Wir halten eine Führung von Verhandlungen mit einem derartigen Ziele aber für besser, als eine kurze Ablehnung, die unter Umständen die augenblickliche Lage noch erschweren könnte. Daß das Unannehmbar Simons bestehen bleibt, darf dabei natürlich keiner Frage unterliegen. Wie es heißt, soll die deutsche Antwortnote nach Paris am Dienstag oder Mittwoch von Berlin abgehen.
Die Londoner Konferenz.
Eia. Drahtn. unseres Berliner M.-MitarSeiterr.
tat Es wird amtlich bekannt gegeben, Saß die Londoner Konferenz auf den 1. März festgesetzt worden ist. Das englische auswärtige Amt teilt mit, daß die deutsche Regierung die Einladung zur Konferenz angenommen habe.
Europas Schicksal.
Nitti über die Reparationsfrage.
tat Der frühere italienische Ministerpräsident Nitti erklärte in einer Unterredung zur Reparationssrage: Der Gedanke. das deutsche Volk nicht nur in seinem gegenwärtigen Bestände, sondern auch cm Bestände künftiger Generationen zu belasten, ist ebenso absurd als verbrecherisch. Er bedeutet die Fortsetzung des Krieges und die Knechtschaft eines großen Volkes das viele und schwere Fehler begangen hat, dem aber die Zivilstation zum ruckt geringen Teil ihre edelsten Errungenschaften verdankt. Europa wird nickt Frieden haben, solange Deutschland keinen Frieden hat. Rußland und der Islam werden nicht zur Ruhe kommen, wenn nicht Deutschland zur Ruhe kommt. Ganz Europa wird in Trümmer gehen, wenn Deutschland in Trümmer geht. Wir haben Deutschland seinen Imperialismus vorgeworfen, und es war ein gerechter Borwurf. Heute, da wir Deutschland seine Kolonien, seine Schiffe und seinen Kredit auf dem Auslandsmarkt weggenommen haben und verlangen, daß es nickst nur seine eigenen, sondern auch innere Schulden bezahlt, verfolgen wir in Wahrheit dasselbe Programm, dessen bloße Absicht wir Deutschland zum Borwurf machten. Das ist nicht gerecht, sondern Rache, und Rache- pläne dürfen nicht geduldet werden.
Goldabtteferung an Frankreich.
Die Bank von Frankreich hat Sie 67 Millionen Goldmark, die in Paris angekommen sind, in Ausführung der §§ 1 und 2 des Artikels 29 des Vertrages übernommen. Sobald dieses Gold gewogen ist, wird die Wicderherstellungskommisfion an Deutschland eine Empfangsbestätigung geben. Die genannte Kommission wird über die Verwendung dieses Goldes bestimmen.
1921
Bayern lehnt die Entwaffnung ao.
tat München. (S. 6.) Den ganzen Montag über haben die Beratungen des bayerttchen Kabinetts über 6« Entwaffnung der Einwohnerwehren angedauert. Am Dienstag mittag wurde eine Mitteilung ausgegeben, wonach die Mehrheit der Minister sich auf den Standpunkt »es Herrn von Kahr gestellt hat. Die Bekanntgabe eines Beschlusses ist möglicherweise noch im Laufe des Dienstags zu erwarten.
Ueber die Frage der Entwaffnung im Osten hielt General v. Seeckt in der Ministerkonferenz emen längeren Vortrag. Er wies darauf hin, daß Polen unter dem Vorwand, zu demobilisieren, größere Truppenmassen tx die früheren preußischen Gebiete gebracht haben. Die Soldaten seien mit voller Waffe nach Hause geschickt wor- die früheren preußischen Gebiete gebracht habe. Die Mobilisation fei soweit durchgeführt, daß die Polen t« der Lage seien, in einem guten Tagesmarsch soweit vor- zurücken, daß sie Berlin beschießen könnten. Polen sei entschlossen, Oberschlefie« friedlich oder mit Waffengewalt in die Hände zn bekomme». Es sei für Deutschland eine Lebensfrage, ob der Osten entwaffnet würde oder nicht. Sei die Entscheidung in Oberschlesien gefallen, lägen die Dinge anders. Dann könne man zur Entwaffnung des Ostens schreiten.
Protestkundgebungen in Bayern.
tat München. (S. C.) Für kounnenden Sonntag sind in München 5, in Augsburg und Nürnberg ie 2 Massenversammlungen gegen den Pariser Emwasfnungsbe- schlutz einberufen worden. Auch der Verein nationalsozialdemokratischer Arbeiter protestiert gegen die Annahme der Pariser Beschlüsse.
Enlenledragangen an Oclierreidj.
Die karlistische „Wiener Montagszeittmg" bestätigt, Satz die Mantelnote, die dem Protokoll der Pariser Verbandlungen beigegeben ist, das Auschlutzvervot neuerlich betont. Gleichzeitig verweist das Blatt darauf, daß der französische Geschäftsträger in Wien nach dem ftanzöst- schen Kabinettswechsel dem Bundeskanzler Dr. Mayr mitgeteilt hat, daß, falls Oesterreich tatsächlich den Anschluß zu vollziehen beabsichtige, die Besetzung Wiens durch tschechische Truppen und die Besetzuua KärnteuS durch Südflawren in Aussicht genommen sei.
Aus Wien wird der „Dena" geschrieben: In verschiedenen Fassungen taucht in der Tagespresse die Meldung von einem ausdrücklichen Verbot des Anschlusses an Deutschland auf. Uebereinstimmend heißt es Sarin, Satz die Ententemächte Deutsch-Oesterreich nur unter der Bedingung des Verzichtes auf den Zusammenschluß wirtschaftlich helfen wollen. Da muß grundsätzlich festgelegt werden, Saß die Verpflichtung der Entente, den von ihr gewaltsam geschaffenen Krüppelstaat Oesterreich lebensfähig zu machen, in der Mantelnote zum Frie- öensvertrag festgelegt ist. Es ist also widersinnig, wenn Sie Entente Sie von ihr übernommene Verpflichtung von einem Verzicht Deutsch-Oesterreichs auf das Selbst- bestimmungsrecht abhängig machen will. Diesen staatsrechtlich einwandfreien Standpunkt muß die Regierung in ihren Verhandlungen mit den Vertretern der Entente auf das nachdrücklichste verfechten.
Die rujjildjen Kriegssiele 191».
In der „Revue des denr Mondes" setzt der frühere französische Botschafter Paläologue seine Petersburger Erinnerungen fort. Plan erfährt daraus, daß das Aui- teilrmgsprogramm für Deutschland, das Cachin und Morstet später von den Bolschewisten in Rußland erfahren haben und das zu sehr peinlichen Debatten in der französischen Kammer Anlaß gegeben hat, bereits im ersten Monat des Krieges in sehr weitem Umfange im Kopfe des Herrn Sasionow festgestanden hat. Ueber die Kriegsziele Rußlands hat nach der Schilderung Palcko- logues der russische Autzerrrninister ihm am 20. August 1914 erklärt:
Meine Formel ist einfach. Wir müssen den deutschen Imperialismus vernichten. Dahin können wir nur durch eine Reibe von militärischen Siegen gelangen. Wir müssen uns also auf einen langen und sehr harte« Krieg einstellen. Der Zar gibt sich in dieser Hinsicht keinen Illusionen hin. . .. Damit das Kaisertum sich nicht sogleich wieder aus den Ruinen erhebt, damit die Hohenzöllern nie wieder auf die Weltherrschaft Anspruch erheben können, sind große politische Veränderungen, notwendig. Außer der Rückgabe Elsaß-Lothringens au Frankreich muß man Polen wiederherstellen. Belgien vergrößern, das hannoversche Königreich wieder auf« richten, Schleswig den Dänen zurückgeben, Böhmen be- freien und alle deutschen Kolonien unter Frankreich, England und Belgien aufkeilen.
Herr Palöologne habe erwidert, das sei zwar ein gigantischer Plan, aber auch er sei der Ansicht, daß man ihn verwirklichen müsse, wenn das Werk des Krieges dauerhaft sein solle.
Palöologue ««» Pourtales.
tat In der „Ere Nouvelle" bespricht der bekannte französische Historiker AularS den Arttkel, den Grak Pourtales in der „D. A. 3" veröffentlicht alS Antwort auf die Schilderungen des trüberen französischen Botschafters Palöologue über die Haltung Rußlands bei Ausdruck des KriegeS. Aulard hebt hervor, daß PourtaleS in Abrede stellt, am 28. Juli 1914 mit Palsologue jene Unterredung gehabt zu haben, die von diesem in feinen Erinnerungen in so sensationeller Weise geschildert wird. Er spricht die Erwartung aus, daß Palöoloaue. um Klar-