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Hersfelöer Tageblatt

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hersfel-er Kreisblatt"

Amtlicher Mnzeiger für den Kreis Hersfel-

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Nr. 34

Donnerstag, den 10. Februar

19581

Bayerns Kampi um aiekinwoWerwegr

H- Die Meinungsverschiedenheiten zwischen Berlin Am- München, deren hochpolitische Bedeutung nicht un- )terschätzt werden soll und bei denen von allen Uebertrei- Dungen sich fernzuhalten erst recht ein Gebot einfachster Politischer Klugheit ist, konnten auch am Dienstag noch nicht ausgeglichen werden. Es versteht sich von selbst, Satz Bayern als Glied des Reiches in seiner Politik mit -er des Reiches konform gehen muß, so große Opfer das für Bayern auch bedeuten möge. Der Streit geht, wie vekannt ist, um die Eutwaffunngsfrage. Aber da der Frteöensvertrag zwischen der Entente und dem deut­schen Reiche und nicht mit den einzelnen Ländern ge­schlossen worden ist, so kann es weder überhaupt noch in dieser wichtigen Einzelfrage eine besondere auswär­tige Politik Bayerns geben. Der von Montag auf Dienstag vertagte Ministerrat in München hielt eine «eue Sitzung ab, die mehrere Stunden dauerte. Seine Beschlüsse wurden streng geheim gehalten. Sie wurden später den Fraktionsführern vorgelegt. Diese erklärte« es aber für notwendig die Beschlüsse des Ministerrates ihren Fraktionen zur Besprechung und Beschlußfassung zu unterbreiten. Die Besprechung dauerte bis zum spä­ten Abend. Am Mittwoch schließt sich eine interfraktio- «elle Besprechung an. Augenblicklich ist noch nicht ab- zusehen, ob der Ministerrat sich nochmals versammelt. Vielleicht muß das Kabinett schon vorher der Einsicht weichen, daß nunmehr der Zeitpunkt gekommen ist, daß die Einwohnerwehr den höheren gemeinsamen deutschen Interessen geopfert werden muß.

Weiter wird uns aus München gemeldet: Die offi­ziösen Mitteilungen über die Ergebnisse der am Diens­tag den ganzen Tag andauernden Verhandlungen, die für Dienstag abend angekündigt waren, sind erst im Laufe des Mittwochs zu erwarten. Aufs formellste kön­nen Gerüchte über eine etwa ausgebrochene Regierungs­krise oder über eine Krise innerhalb der bayerischen Koalition dementiert werden. Das Ministerium von Kahr steht auf dem Standpunkt, daß es vom Vertrauen -es Parlaments und des Landes getragen werde und daß seine Stellung in der Entwaffnungsfrage nicht ver­lassen und auch nicht verändert werden könne. Die Ver­handlungen waren streng vertraulich. Es wurde allen beteiligten Parlamentariern und Journalisten an das Herz gelegt, über Einzelheiten Stillschweigen zu bewah­ren, bevor am Mittwoch im Laufe r ? Tages die For­mulierung gefunden und veröffentl^Awmrd. Die Be- sprechuriüerl'der^RMisrriM7Rrit Kerl ^p'. < eum Jioäm^h- vo«t 2,30 bis 4.30 Uhr gedauert. Sämtliche Fraktionen ha- Den darauf Sitzungen abgehalten, die am späten Abend rwch andauerten. Die Unabhängigen haben im Landtag eine Interpellation eingebracht, in der sie Aufschluß über die Verhandlungen in Berlin verlangen und auf den Widerspruch zwischen dem Berliner Kommuniques «nd der offiziösen Auslassung der Korrespondenz Hoff- mann Hinweisen.

Die Einwohnerwehren in Württemberg.

o-f Fn der Landtagssitzung in Stuttgart entspann sich eine lebhafte Aussprache über den Beschluß des Finanz­ausschusses zur Entwaffnungsfrage. Der, Minister des Innern betonte, daß Württemberg die Einwohnerwehr auflösen werde, soweit eine entsprechende Anweisung vom Reich komme. Der sozialdemokratische Abgeordnete Keil wandte sich gegen die Beschlüsse. Die Politik gehe auch Württemberg an. Wenn die Politik Bayerns be­trieben werde, dann bestehe in drei bis vier Monaten das deutsche Reich nicht mehr. Fn der Abstimmung wurde der Antrag auf gleichmäßige und strenge Durch- füBnmg der Entwaffnung, auf vorläufige Einstellung der Waffenabgabe für die Einwohnerwehr usw. in allen Punkten abgelehnt.

Gibt Bayern nach?

Berlin. (B. 8 ) Der Beschluß, den das bayerische Kabinett am Dienstag gefaßt hat, ist, wie dieV. 3" S melden weiß, der Reichsregierung durch einen be- rderen Abgesandten Staatsrat Meine! mitgeteilt wor- den, der dem Reichsminister Dr. Simons Mittwoch vor­mittag einen längeren Besuch abstattete. Eine offizielle Meldung an die Öffentlichkeit ist bisher nicht erfolgt. Es liegt aber Grund zu der Annahme vor, daß die bayerische Regierung, rwr die Frage gestellt:Reich oder Einwohnerwehr", sich im Sinne des Reichsgedan­kens entschieden und dabei die Zustimmung aller Par­teien des bayerischen Landtages gefunden hat.

Protest des parlamenlsausWies.

Der ständige Ausschutz der preußischen Landesver­sammlung trat am Dienstag zu seiner ersten Sitzung zusammen, Nach Annahme der Notverordnung über die Aenderung der BesoldungSordnung auf Grund der Be­schlüsse der Besoldungskommission wurde folgende Er­klärung angenommen: t t

Die unerhörten Forderungen, die dem deutschen Volke von den Alliierten in der Wiedergutmachungs- frage zugemutet worden sind, haben den entrüsteten Wi­derspruch aller Kreise des Volkes gefunden. Die vreu- ßischc Volksvertretung schließt sich dem in vollem Maße an. Was mit den Lebensmöglichkeiten des deutschen Volkes vereinbar ist, muß den übernommenen Ver­pflichtungen entsprechend für die Wiederherstellung der durch den Krieg verwüsteten Gebiete geleistet werden. Darüber hinaus kann keinem Volke zugemutet werden, ü» freiwillig tu die Sklaverei zu vcgebem Diese Er­

niedrigung weist das deutsche Volk von nd, zumal es damit zugleich seine Kinder und Kindeskinder zu einem Sklavendaseiu verurteilen würde. Die preußische Volks­vertretung erwartet von der Reichsregierung, daß sie ih­ren ablehnenden Standpunkt unerschütterlich beidehält und fordert in dieser ernsten Stunde, in der es sich um Sein oder Nichtsein des deutschen Volkes handelt, alle Kreise des Volkes aus, in der Abwehr dieser unmöglichen Forderungen der Entente geschlossen zusammenzustehen.

Die Annahme dieser Entschließung geschah mit den Stimmen der bürgerlichen Parteien und der Sozialde- mokraten. Die Unabhängigen und Kommmristen gaben Sondererklärungen ab.

Dr. Mayer bei Brianb.

O Der deutsche Botschafter in Paris konferierte am Montag mit dem Präsidenten Briand, der ihm keinen Zweifel darüber ließ, daß die Zwangsmaßnahmen der Alliierten bereits beschlossen sind für den Fall, daß Deutschland die Bedingungen der Entente nicht an- nimmt oder keinen gleichwertigen Borschlag zu machen hat. Auf seine Einwendungen und Vorbehalte gegen die letzte Ententenote wurde dem Botschafter dann noch informatorisch mitgeteilt, daß auch eine abweichende Stellungnahme Amerikas nach dem Friedensvertrage Deutschland kein Recht gebe, die Forderungen der übri­gen Alliierten abznlehnen oder ihre Durchführung zu vertagen.

Belgische Bedenken.

Das Organ des belgischen Sozialistenführers Ca- mille Huysman, dieVolksgazette", bespricht die Be- schlüsie der Pariser Konferenz. Es fragt, ob nicht Frank­reich mit Belgien als Nachbarstaaten Deutschlands am schlimmsten zu leiden haben würden, wenn die Beschlüsie der Pariser Konferenz eine vollständige Verelendung Deutschlands herbe iführten. Die französischen und belgi­schen Arbeiter würden doch die ersten Opfer der deutschen Kulilohnarbeit fein; die französische und belgische In­dustrie werde darunter zusammenbrechen. Die Milliar­den Gold, die man aus der deutschen Arbeiterschaft ber- auspressen wolle, würden Frankreich und Belgien wenig Freude machen. Man werde daran ersticken, wie letzt schon Amerika und Westeuropa in dem Ueberflutz ihrer Erzeugnisse ersticken.

Die Einladung nach London.

** Berlin. (T. II.) Von dem englischen Botschafter in Berlin ist am Mittwoch der deutschen Regierung eine schriftliche Einladun« zur LoKsnsrrcnz LLgestelll würben. Der Wortlaut wird zusammen mit der deut­schen Antwort noch veröffentlicht werden.

** Berlin. (B. Z.) Wie dieB. Z" hört, wird sich die deutsche Regierunq auf der Londoner Konferenz durch den Reichsminister des Innern Dr. Simons und den Reichsfinanzminister Dr. Wirth vertreten lassen. Die Minister werden von einem Stäbe politischer, haupt­sächlich aber finanzieller und wirtschaftlicher Sachver­ständiger begleitet werden.

o* Berlin. (S. C.) Die deutsche Annahme der Ein­ladung zur Teilnahme an der Londoner Konferenz ist am Mittwoch früh in Paris überreicht worden. Mit der Berufung der deutschen Delegierten soll erst begonnen werden, wenn die Entente in ihrer Antwort zustimmt, daß auch die deutschen Vorschläge in London beraten werden lollen.

London. (F. N.) Fn diplomatischen Kreisen wird allgemein angenommen, daß die Konferenz der Alliier­ten erst am 4. März stattfinden wird, da bis dahin die Alliierten betreffende Dokumente vorbereitet sein sollen und da auch die neue amerikanische Regierung zu die­sem Zeitpunkt ihr Amt angetreten habe.

»* Paris. (F. N.) Der Berliner Mitarbeiter des Echo de Paris" hat eine Persönlichkeit, die dem Dr. Simons nähersteht, interviewt und von dieser die Mit­teilung erhalten, daß die deutsche Regierung einsehe, es gäbe kein Ausweichen unter den augenblicklichen Um- ständen, und sie müsse offizielle Vorschläge für die Be­zahlung machen, könne aber andererseits auch kein Ver­sprechen abgeben, das sie nicht Balten könne.

Annahme der deutsche« Vorbehalte.

Genf. (S. C.) DerTemps" meldet zu der Wolff- Meldnng über den Inhalt der deutschen Note, daß die Alliierten die deutschen Vorbehalte annehmen, um die Londoner Konferenz sicherzustellerr. Die deutschen Gegen­vorschläge seien nur diskutierbar, wenn sie den Alliierten nicht weniger brächten, als in den Pariser Beschlüssen enthalten sei. ,

** Genf. (S. 6.) DerMattn" meldet: Die deutscher Gegenvorschläge schweben so lange in der Luft, bis sie den Alliierten bekannt gegeben werden. Die alliierten Kabinette sind gegenteilig gebunden. Die Pariser Be­schlüsse sollen mit oder ohne Zustimmung der Deutschen durchgeführt werden.

Cormick über die Pariser Beschlusse.

»* Rotterdam. <S. 6.)Daily News" meldet aus Neuyork: Senator Cormick. der Freund von Harding, sprach zu einemWorld"-Vertreter über die neuen En- tcnteforberuugen an Deutschland. Cormick sagte u. a.: Der Vertrag von Versgilles gebe den Alliierten und der alliierten Wiedergutmachungskommission das Recht, eine feste Summe zu nennen, die in 30 Fahren zu zah­len ist, aber sie erlaube der Entente nicht, 42 Fahre lang Beträge und Zahlungen aus Deutschland herauszuholen und auch noch die geplante AuSsubrabgabe ohne die Zu- sttmmuna Deutschlands burch»ufübren.

Heravmtnderung der Besayungsvosten.

»* Rom. (F. G.-A.) Der italienische Minister tol Aeutzern Graf Sforza gab im Senat Aufschluß über ÄS in Paris vereinbarte Verminderung der Besatzungsko­sten Deutschlands. Wie er ausführte, belaufen sich diese Kosten jetzt nach deutschen Berechnungen auf 15 Mil-- Narben Papiermark jährlich. Die Konferenz von Pa-! rtS hat daher beschlossen, daß diese Kosten vom L Matz an auf einen Höchstbetrag von 240 Millionen Goldmark (etwa 3 Milliarden Papiermark) herabgesetzt werden.: Fn diesen Höchstbetrag werden nach Borschlag Italiens auch noch die Kosten der interalliierten Militärkommis- ston, der Oberkommission für die Rheinprovinz, der Ab-- stimmungsausschüsse sowie der übrigen interalliierte» Kommissionen in Deutschland berechnet.

Aeußerungen Hindenburgs.

** DieWeserzeitung" veröffentlicht eine Unterredung mit Hinbenburg, der vor allem betonte, daß wir einig sein müssen. Auf das Gebiet der großen Politik kom-: mend, erklärte Hinbenburg, daß die militärischen Füh-^ rer Frankreichs die Angst vor Deutschland nicht los­werde« können und dafür vor allem die sinkende Be-i völkerungsziffer in Frankreich in Betracht ziehen. Das Verlangen der Franzosen nach dem Ruhrgebiet hält be# Felömarfchall für eine durchaus ernst zu nehrnende Ge­fahr. Dadurch dürfe sich aber die Regierung nicht ein-« schüchtern lassen, sondern müsse festbleiben. Das ver». lange schon Sie Würde. Nach seiner Kenntnis habe sich' in Amerika ein Umschwung der Stimmung zu Gunsteu Deutschlands vollzogene. Hindenburg äußerte sich dann weiter über die Abstimmung in Oberschlesien. Er er­klärte, Satz er dieser mit Vertrauen entgegensehe. Die Vorgänge in Oberschlesien müßten abschreckenS gegen Polen wirken. Dazu kommen bann der Balutaverlust bei einem Uebergang Oberschlesiens an Polen, und dann Sas allgemeine kulturelle Herabsinken und nicht zuletzt Sie Pflicht der Oberschlesier, beim örohenben Kampf ge­gen Sowjetrutzland zum polnischen Heer eingezogen zu werden. Der Bolschewismus in Ostpreußen flaut ab. Die Städte wollen von den Kommunisten nichts mehr wissen, wie ihm der frühere Oberpräsident von Battockt noch vor einigen Tagen mitgeteilt habe.

Streseman« über die «ationale Einheitsfront.

** Hamburg. (F. G.-A.) Der Führer der Deutschen Volkspartei, Dr. Stresemann, sprach in Hamburg über die feiÄ hir «eaö.^ii. .Lur ALttiHü. HSL-Me-». brohung Deutschlands gehöre eine geschlosiene nationale Einheitsfront. Zwar sei in diesen Tagen öer richtige Moment dazu verpaßt worden, Soch sprach Streseman« die Hoffnung aus, daß sie noch in letzter Stunde zu- standekommen werde. Er machte dann die aufsehener­regende Mitteilung, daß die Deutsch-nationale Volks- partei ihm jetzt die Erklärung habe zugehen lassen, sie trage keine Bedenken, mit der Sozialdemokratie eine Regierung zu bilden.

Aus Oberschleflen.

Die Legitimatiouskarte« für die Abstimmung.

** Die interalliierte Kommission hat am Dienstag wie aus Oppeln gemeldet wird, der Presse eine Bekannt­machung zur Veröffentlichung übermittelt, in der sie die Bevölkerung auf die Bedeutung der Legitimattonskarten aufmerksam macht. Es wird darin betont, daß Dupli­kate verlorener Karten gegen Zahlung der Ausstellungs­gebühren unbedingt beschafft werden müssen. Falls fest, gestellt wird, daß Personen ihre Karten vernichtet haben und für schuldtq befunden werden, tritt Gefängnisstrafe von drei Monaten bis zu 1 Jahre oder Geldstrafe von 1000 bis 1500 Mark ein.

Der Schutz Ostpreußens.

** Reichswehrminister Dr. Getzler hielt in Tilsit eine Rede, in der er u. a. sagte: Alle meine Bemühungen sind darauf gerichtet, unter allen Umständen Ostpreußen der großen deutschen Einheit zu erhalten. Ostpreußen müsse vor allem das Schicksal eines neuen Angriffs erspart bleiben. Wir wissen, daß Polen an der ganzen Grenze Truppen zusamnrenziekt. Wir erwarten vom Völker­bund, daß er die uns gemachten Zusagen wahr macht, sagen aber auch ganz offen, daß, wenn wider Erwarte« sich dies nicht erfüllen sollte, wir unter allen Umständen alles daran setzen würden, um den deutsche« Boden in Ostpreußen nud namentlich an der Grenze mit allen Mitteln zu verteidigen.

Ostprentzischer Protest gegen die Entwaffnnng.

x Der HaupiauSschuß der ostpreußischen Landnürt- schaff übermittelte dem Oberpräsidenten der Provinz Ost Preußen eine Einfpruchserklärung, in der es it a. heiß: Wirst dem Verlangen der Entente nachgegeben, die Fe­stungen Königsberg, Pillau und Stiren ihrer artiKerift« schon Bestückung zu berauben, so gebt die Provinz Ost prentzen gesahrvollen Zeiten entgegen. Der Anssch: verlangt von der Regierung eine ablehnende Stell«'! g'egen Sie Forderungen der Entente, denn diese Förde rang sei gleichbedeutend mit der Preisgabe Ostpreußens Oberpräsident Siehr wird diese Erklärung der zuständ gen Reichsbehörde übermitteln.

RadinHijenen im Dorniger Dollistr

» Aus Danzig wird gemeldet: Die BolkStagSsitzu' am Dienstag, in -er kein Regierungsvertreter erfchr neu war, nahm wieder einen lärmenden Berlttl. D-