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HersfelöLr Meisblstt'
Amtlicher Mnzeigsr für öen Kreis yersfelö
Nm 43
Msntag, den 21* Februar
1921
Dteteariteiiiing der SesenosrichAss.
^* Die Sachverständigen, die sich mit den deutschen Gegenvorschlägen zu den Pariser Entente-Noten be- schüfttgen, tagten bis Freitag abend 8 Uhr. Die Verhandlungen wurden am Sonnabend vormittag fortgesetzt. Es ist damit zu rechnen, daß sie auch abends noch nicht zu Ende geführt fein werden. Irgend welche Beschlüsse wurden noch nicht herbeigeführt. Wie dem „L.-A." Mitgeteilt wird, nahmen die Beratungen einen außerordentlich interessanten Verlauf. Von verschiedenen Seiten wurden Anregungen gegeben, die auf das lebhafteste erörtert wurden. Wahrscheinlich dürfte die Sach- verständigen-Konferenz auch am Montag noch einmal Zusammentreten und dann mit dem Reichswirtfchaftsrat zusammen weiter verhandeln. Mitte der nächsten Woche dürften sich dann das Kabinett und unter Umständen auch die Fraktionsführer und der Auswärtige Ausschuß mit den Beschlüssen der Sachverständigen-Konferenz zu befassen haben.
Lloyd George über die Kriegsentschädigung.
e-* Zu Beginn der Sitzung des englischen Unterhauses am Freitag gab Lloyd George die Erklärung ab, die Ent- fchädigungskonferenz beabsichtige, die letzten zahlbaren Heller Deutschlands zu erfassen: dagegen würde sie keine Vorschläge machen, deren Durchführbarkeit gegenwärtig unmöglich fei und die nur falsche Hoffnungen erwecken könnten. Eine halbamtliche Auslassung spricht sich dahin aus, daß die Alliierten keineswegs die Absicht hätten, in die deutsche Zollhoheit einzugreifen. Deutschland solle nach einem noch festzusetzenden Betrag, den es wählen könne, eine jährliche Rente entrichten, die einem Achtel seines Gesamtexports entspricht.
Die Auffassung im englische» Auswärtigen Amt.
te* Nach Meldungen aus London weigert sich das dortige Auswärtige Amt, auf alle Vorschläge für eine Erweiterung der Verhandlungsgegenstände auf der Londoner Konferenz, die seitens einzelner Alliierten gemacht worden sind, einzugehen. Die Konkerenz soll nach der offiziellen Erklärung der englischen Reg^ang auf die Erledigung der Fragen des nahen Ostens und der Wiedergutmachung beschränkt bleiben. Für die am 21. Februar beginnenden Verhandlungen sind sechs Tage vorgesehen. Englische Regierungskreise haben in Ermh- rimo aebrackt daß Frankreich und Belgien etwaige neue Pläne Deutschlands aviehnen wo^n. ^«««uw will, wenn sich die endgültige Losung der Entschadi- qirngslrage in London nicht bewerkstelligen laßt, eine neue Konferenz in Brüssel vorschlagen. Nach einer Mitteilung des englischen Gesandten in Paris hat die französische Regierung mit der belgischen über ihre Stellungnahme in London konferiert und ist zu einer Uebereinstimmung gekommen.
Die VesetzungssrM M die Rheirtlande.
** Berlin. (L.-A.) Gegenüber der Erklärung Bri- ands im Senatsausschuß, daß die BeietzunMrist für die Rheinlande noch nicht zu laufen begonnen habe, stellt der L-A." fest, daß diese französische Behauptung von deutscher amtlicher Seite schon mehrfach zurückgewiesen word-n ist. Die Frist läuft nach dem Frredensvertrage von dem Zeitpunkt des Inkrafttretens des Friedeus- vertrages ab. Eine Verlängerung der Beietznngvfrrst könnte nur in Frage kommen, wenn eine PrMung nach Ablauf der einzelnen Fristen des Artikels 429 ergeben hat, daß Deutschland seine Verpflichtungen vorsätzlich nicht erfüllt hat.
Deutschland unter GnienLeLonirsKe?
tu- Die Baseler „Nationalzeitung" meldet: Die Kabinette von London, Rom und Brüssel haben dem iranzö- sischen Vorschlag zugestimmt, wonach Deutschland zur Bezahlung seiner Kriegsschulden v.om 1. April an unter die Kontrolle der Entente gestellt werden soll. SHaöeneeHnlmg der knteiileflgatM.
Bon der Reparationskommission sind der deutschen Regierung in den letzten Tagen die Lchadenberechuun- ge« des größten Teils der Ententestaaten gemäß Artikel 233 des Friedensvertrages zur Aeußerung übersandt worden. Der Rest der Berechnungen ist für ine nächsten Tacte angekündigt. Die Reparationskommission hat der deutschen Regierung auf die Aeutzeruug kurze Fristen gestellt, die bei den: Umfang des Materials unmöglich eingehakten werden können. Der Reparationskommission ist eine entsprechende Erklärung abgegeben worden. Ueber die Höhe und den Inhalt der Schadenberechnungen wird näheres bekanntgegeben werden, sobald die Sichtung des Materials eine Uebersicht gestattet.
Die Entente erinnert sich also doch an den Bersailler Vertrag. Lloyd George hat zwar erst vor wenigen Tagen erklärt, zu solchen Schadenersatzprüfungen habe-man keine Zeit gehabt. Die Gesamtsumme sei eben in Paris festgesetzt worden. Jetzt wird nun aber doch von der Re- parationskommlssion diese Berechnung der Mischen Regierung übermittelt, und zwar unter Ansehung einer kurzen Frist für ihre Antwort, gegenüber der im Vertrage vorgesehenen angemessenen ~ Fälle hat hier, so bemerken die „L. N.
rist. Auf alle .....I.*, die deutsche Regierung eine vorzüaliche Gelegenheit, die Entente unter Hinweis auf den Bersailler Vertrag darauf aufmerksam zu machen, daß die in Paris aufgestellten Forderungen für sie nicht existierten, im einesolche Aufstellung Uner Gesamtsumme erst nach dem 1. Mai, und erst nach
Vorlegung, Prüfung und Beantwortung der Schadener- setzansprüche der Entente erfolgen könne. Jedenfalls patzt dieses legale Verfahren, das die Entente im letzten Augenblick einschlägt, ganz und gar nicht zu der hochfahrenden Methode Lloyd Georges, man habe keine Zeit gehabt.
Die Beratnuge« der Sachverständigen.
** Berlin. lS. C.) Die erste Sitzung der großen Sachverständigenkommission im Auswärtigen Amt am Freitag hat sich zunächst nur programmatisch mit dem ihr vorgelegten Entwurf der deutschen Borschläge gefaßt. ohne im einzelnen dazu Stellung zu nehmen Der Ausschutz verpflichtete seine Mitglieder auf Geheimhaltung der Beratungen und setzte zwei Unterkommissioneu ein, um die Redigieruna des endgültigen deutschen Vorschlages bis Mittwoch kommender Woche vorzubereiten.
Truppenbewegungen im Rheinland.
** Berlin. lS. C.) Aus Köln wird gemeldet: Auch die Engländer haben ihre Besatzungstruppen um drei Kompagnien verstärkt. Die Pariser und Londoner Zeitungen vom Freitag enthalten neue Einmarschdrvhnn- gen gegen Deutschland, falls die Deutschen in London nicht unterschreiben.
Poincaree der Unversöhnliche.
^ Genf. <S. C.) Der Senatsausschutz für Auswärtiges hat am Freitag auf Antrag Poincarees mit allen Stimmen einen Beschluß gefaßt, der die Erwartung aus- spricht. daß die Regierung in London keins der Rechte des Bersailler Vertrages aufgibt,
Die Kriegsverbrechen.
<-» Berlin. (L. A.) Nach einer Mitteilung des At- torney general ldes englischen Oberstaatsanwalts) sollte der Liste der 45 deutschen Kriegsverbrecher eine Reihe weiterer Namen zugefügt worden sein. Nach Erkundigung des „L. A." sind diese Personen bereits auf der Liste unter den 45 genannt. Der Findigkeit des Attor- ney general ist es daher nicht gelungen, weitere deutsche Kriegsverbrechen zu entdecken.
Die Eutwafluung Bayerns.
»* München. lS. E.> Von 23 bäuerischen Einwohnerwehren liegen Beschlüsse vor, wonach sie die Entwaffnung, aber nicht die Auflösung zugestehen. Forstrat Eicherich sagte am Freitag in Passau, die bayerische Regierung gebe sich zu keinem Experiment her, sondern verlange vor der Entwaffnung die Garantien Berlins , > ftp*.
Rückzug Amerikas von der Entente.
Nach Meldungen aus Paris ist der Vertreter der Vereinigten Staaten in der ReparationskoMMission, Boydsu, von seiner Regierung zurückber-^cn worden. Amerika letzt damit nur seine grundsätzliche Haltung, vor dem Regierungsantritt Hardings keinerlei für die Zukunft verpflichtende Forderungen anzunehmen, fort. Seinen Vertreter im Botschalterrat hat Amerika bereits früher angewiesen, an den Sitzungen dieser Körperschaft nicht mehr teilzunehmen. Die Reparationskommission ist ieet eben damit beschäftigt, die Rechnnugen für Deutschland zusammenzustellen. Daran könnte der Vertreter Amerikas umso weniger teilnehmen, als die Art, wie Amerika zum Frieden mit Deutschland gelangen will, völlig ungewiß ist.
Französische Beforgnisie.
Wie Meldungen aus Paris besagen, nimmt man dort an, daß die Londoner Konferenz etwa 14 Tage dauern wird. Im allgemeinen sieht man in Pariser politischen Kreisen dem Verlauf der Konferenz mir Ve- soranissen entgeaen, weil nock immer keine Einigung weder über das Programm noch über die wirkliche Haltung der Alliierten erzielt worden sei Wenn nicht eine Uebereinstimmung in den nächsten Garten vor Beginn der Diskussion zustandekomme, bestehe die Gefahr, daß die gefamte Konferenz einen außerordentlich verwirrten Verlauf nehmen, werde. Es ist wahrscheinlich, daß Foch Briand nach London begleiten wird.
Wenigstens den Schein wahren.
»-^ Der Londoner Korrespondent des „Journal" hatte eine Besprechung mit einer Person aus der nächsten Umgebung von Llond George. Diese erklärte, Lloyd George fände es sckleckt, wenn bei dem Herannahen der Konferenz der Knüppel geschwungen werde. Daunt zeige man schon vor Eröffnung der Debatte einen schlechten Geistesrustand.
Die Walz? poincarees*
i» Die Wahl Poinearees zum Präsidenten der Senatskömmission für auswärtige Augeleaenheiien ve- sibästigt noch immer die fränzösi-che Oeskeutlichkeit. Das „Journal du Peuvle" nennt diese Wahl eine wahre Provokation und einen schweren Scklaa für das Kabinett Briand dessen Taae nunmehr gezählt seien. Briand werde nach der Rückkehr aus London InfoTae der parlamentarischen Intriguen stürzen nnd Millerand iverde sich Ppiuearee als Ministervästdenten ausdrängen lassen müssen, wie sich vorher Poincaree Elemencean auf- dränaen lasten mußte. Die Politik der Marschälle werde endlick die Befriedigung has'en. einen Svasieraang nack Deutschland machen zu können. Dentschland werde dann zwar ebensowenig zgblen. wie es heute zahlt, denn es sei unsinnig, von einem Lande Hunderte von Mis- Harten zu verlangen, während man thm zu gletcker Zeit die Knie auf die Brust setzt. Aber Herr Poinearee werde seinen Machthunger befriedigt Habtzn. Besonders bezeichnend aber ist es nach der Meinung des genannien Blattes, daß die Wahl Poilicarees nicht etwa nur durch
ore äußerste Rechte erfolgte, sondern oaß ue auai von der: Radikalen gefördert wurde.
Franzöftsch-polnifches MiliLaraSkoMmen.
Der „Ternps" beschäftigt sich mit dem bevorstehendem Abschluß des militärischen Abkommens zwischen Frank-, reich und Polen und erklärt, daß sowohl dieses im In-, tereife der beiden Länder als auch der TsÄecho-Slowakei liege, welche darunter leiden würde, falls Deutschland Angrisfsabsichten habe. Die gegenwärtige Haltung; Deutschlands erhöhe die Verantwortlichkeit Frankreichs und Polens. Deutschland sei unter die Leitung derjenigen Männer zurückgefallen, welche den Schritt von 1911 billigen und welche den Ersolg, der ihnen im Weltkrieg versagt blieb, durch bessere Vorbereitungen zu erringen hoffen. Die Fragen der Abrüstung, der Entschädigung und Oberschlesiens hingen miteinander zusammen und müßten gemeinsam gelöst werden. Die Staatsmänner Deutschlands betreiben die Revanche. Dagegen gäbe es nur ein Mittel, daß dte Alliierten stärker als jemals seien und ihre Stärke fühlen ließen. Das sei der Dienst, welchen Frankreich und Polen Europa erwiesen, indem sie jetzt ein Abkommen treffen. Gegenüber der deutschen Gefahr seien Frankreich und Polen in jeder Beziehung einig. Der „Temps" beschäftiat sich dann mit der Grenz- festsetzung für Polen und stellt die Frage, an wen Ober- ichlesien fallen werde. Er hofft, daß man die Volksabstimmung nicht wieder in Frage stelle und diese schon im nächsten Monat stattstnden werde.
. ^ Basel. (F. N.) Aus dem bevorstehenden polnisch- französischen Militärabkommen wird gemeldet, daß Frankreich sich nickt zu Truppensendungen, sondern nur zur Lieferung von Material verpsticktet hat. Die französische Regierung hofft, daß Rumänien sich verpflichtet hat. Im Falle des Angriffs die reckte Flanke des pol- ntfeßen Heeres zu stützen, während die Tsckecho-Slo- wakei keine militärifche Unterstützung zu leisten braucht, sondern nur ein Entgegenkommen Bei etwaigen militärischen Truppentransporten zeigen soll.
Keine Emieuna in der Kaberfrage.
Die „Times" melden aus Neuvork, daß die inier- nationale Verbindungsmittelkonserenz, die am Freitag in Washington ihre Sitzungen wieder ausgenommen hast, wiederum nicht zu einer Äcrstänöiguna über die Frage der VeEmmo über die vorwaTS denUcken Kabel gelangen konnte und sich vertaaee Meldungen aus Stzas- WüKon berichten, daß der Stillstand ebenso vollständig ist wie der der den Abbruch der Konferen» vor mehreren Wochen zur Folge hatte. Wie verlautet, ist die Haltung Frankreichs die Ursache für den Stillstand in den Verhandlungen, soweit die vormals deutschen Kabel in Betracht kommen.
Rene kWülernrolkea üßer Öftesten.
Einer Reutermeldung aus Washington zufolge hat das amerikanische Staatsdepartement in einer Note an China betreffend die Errichtung einer Fnnkenstatio» fit Schanghai mitfeilen lassen, daß die Vereinigten "Staaten ihren Gesandten abberufen würden, falls die chinesische Regierung auf ihrem Widerstand beharrt. Sollte sich diese Nachricht bestätigen, so würde sie zu einem ernsten Notenwechsel zwischen London, Tokio und Washington führen. Zweifellos werden England und Japan sich mit allen Mitteln der Errichtung einer amerikanischen Fun- Penstatton auf ckiuesiichcm Boden widersetzen. An dem politischen Himuwl Ostasiens scheinen neue Gewttter- wolkcn aufznsteigen.
Ernste Lüge im Kohlenbergbau.
Berlin. (S. E.) Aus Essen wird gemeldet: Die Bergarbeiterverbände faßten eine Entschließung, wonach sie neue Verhandlungen über die Neberfchichtarbeit von der vorherigen Zusicherung der Sozialisierung abhängig machen. Die Situation kann als sehr ernst angesehen werden, weil bei Fortfall der Ueberschichten am 13. März 40 Prozent des Inlandsbedarfs an Kohlen ans- fallen würden.
Die Kündigung des Ueberfchichtcnabkommeus.
Essen. (F. Z.) Die von den Bergarbeitern be- schlofseue Kündigung des Ueberschichtenabkommens geht von den vereinigten vier Verbänden der Arbeiter aus. Es sind an ihr also neben den Sozialdemokraten auch die christlichen und Hirsch-Dunckerscken sowie die polnischen Arbeiter beteiligt. Die Maßnahme ist dadurch veranlaÄ worden, daß unter der Arbeiterschaft in neuester Zeit der Widerstand gegen das Verfahren von Ueberschichten wieder sehr stark geworden ist, nnd zwar ans zwei Gründen, einmal wegen der Tatsache, daß sie physisch nicht in der Lage seien, dauernd eine so große Mehrarbeit zu leisten, wie sie das Ueberschichiabkommen Vorsicht, am wenigsten in der warmen Jahreszeit, die jetzt wieder näher konnnt' außerdem wirkt es auf einen Teil der Arbeiterschaft ungünstig, daß die Regelung der Sozialisierungsfrage viel langsamer fortsckrettet, als i man erwartet hatte. ,
Aus der iDagifleroegong.
Helffer ch in Frankfurt a. M.
w In einer deuisch-nationalen Versammlung so ' Frankfurt a. M. versuchten Sozialisten eine Rede Helfferichs zu stören. Die Opposition konnte aber nicht ; aufkounnem Helffer'ch erklärte: Es lalle ihm diesmal | schwerer wie sonst, die scharfe Klirrae aus der &het»r