Kersfelöer Tageblatt
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Nr. 51
Mittwsch, -e» 2. März
1921
In London. |
4* Bei Empfang der dentschen Delegation auf der l Biktoria-Station in London begrüßte ein Vertreter Lord CurzonS die deutschen Herren, die sich vor der Fahrt in ihr Hotel erst von einem Meer von Pressephotographen aufnehmen lassen mußten. Die Photographen standen mit ihren zahllosen Apparaten an der Barriere, wo der Salonwagen des deutschen Außenministers halten sollte. In Begleitung Dr. Simons befanden sich die Staatssekretäre Göppert, von Simson, Schröder, Bergmann und Lewald, ferner General von Seeckt. Als besonderer Vertreter Preußens ist Geheimrat Fellinger mitgeretst, als Vertreter Bayerns Geheimrat Meinet und als besonderer Kennender Frage der Einwohnerwehren Geheimrat Pirner. Dagegen ist kein einziger Sachverständiger mitgereist. Die Herren müssen sich lediglich ab. reisebereit zur Verfügung halten, um auf Anruf event, sofort in London zu erscheinen. Dienstag vormittag findet eht Empfang beim König statt. Reichsminister Dr. Simons wird als erster in der Wiedergutmachungs- frage sprechen und die deutschen Gegenvorschläge bei dieser Gelegenheit überreichen. Ueber die Art dieser Vorschläge wird strengstes Stillschweigen beobachtet. Wie die „V. 3." hört, sind sämtliche Vermutungen, die darüber in der deutschen und auswärtigen Presse geäußert werden, irrig.
Die Auffassung i« England.
** Aus Kreisen, die mit den englischen politischen und öffentlichen Stellen in ständiger Fühlung stehen, hört der Londoner Berichterstatter des »93. T.". daß man in London mit Vermittlungsbemtihnngen Lloyd Georges stark rechnet. Daher steht die gesamte öffentliche Meinung hinter dem Premierminister. Das berechtigt aber noch zu keinem Optimismus: denn ein Erfolg Lloyd Georges ist ganz ungewiß. Ob der für Frankreich günstige Ausgang der Orientkonferenz irgend welchen Einfluß auf die bevorstehenden Verhandlungen hat, läßt sich nicht überleben.
Londoner Pressestimmen zur Konferenz.
4* Während die „Daily Mail" die Ankunst der Deutschen mit einer ganzen Hetznummer begrüßt und dazu sogar das einstige Annexionsprogramm des Grafen Roon im Herrenhause ausgrübt, mahnen die „Dany ^7 News" Mr ^Besonueicheil U..d zu» .-Wun» uor^en nackten Tatsachen. Der „Manche,ter Guardian" be,ur- wortet zwar das Festhalten an den Pari,er Summen, aber eine Minderung oder ein Nachlasien der .Zinsen. Sowohl die „Morningpost" wie die „Westmmster Gazette" wenden sich gegen das Verfaliren schwierrge finanzielle Fragen durch theatralische Konferenzen losen ;n wollen, die sich inmitten einer erregten Oesfentlich- tcü abspielen. Die „Gazette" hebt auch die Torheit hervor nur über die Zahlungsform, nicht aber über die Zahlungshöhe verhandeln zu wollen, die beide von em- auder abhängig sind. Gegenüber den französischen^^Strafandrohungen erklärt das Blatt, daß der Geist guter Nachbarschaft wiederkehren müsse. Nicht nur der Krieg selbst, sondern auch der Krieg nach dem Kriege habe schon viel zu lange gedauert. Der Gedanke des W:e- öcraufbaues der zerstörten Gebiete durch Deutschland selbst findet in der ganzen Londoner Presie Beifall.
Die Meinung der italienischen Presse.
4* Der „Messaggero" weist auf die feindselige Haltung der Northcliff-Presse gegen die deutsche Delegation hm. Aber diese feindselige Haltung habe wenigstens bisher keinen Erfolg gehabt. Vielmehr werde nmn die deutschen Vorschläge objektiv beurteilen. Das Berliner Angebot, innerhalb 30 Fahre 7% Milliarden Sterling (?) (über 250 Milliarden Goldmarkj zu bezahlen, mache entschieden guten Eindruck. Die Vorschläge seien vernünftig und es werde sich darüber reden lassen, sodaß hoffentlich Europa neue Krisen und Katastrophen erspart bleiben.
Aus dem Enteute-Sachverstäudigku-Bericht.
w Die alliierten Regierungen haben es bekanntlich abgelehnt, den Bericht ihrer Sachverständigen auf der Brüsseler ■ Friedenskonferenz der deutschen Regierung zur Kenntnis zu bringen. Von besonders großem Em- slub innerhalb des Berichts waren vor allem die Tar- leaunaen eines englischen Delegierten Bradboury. Der ' Petit Parisien" ist in der Lage, drei Schlußfolgerungen wiederzugeben, die von Bradbouru in seinem Bericht ausgestellt worden sind: 1. Abgesehen von der unglücklichen Lage seiner Finanzen ist die wirtschaftliche Lage Deutschlands gegenwärtig günstiger als diejenige aller anderen Länder des europäischen Kontinents. Im Gegensatz zu Frankreich, Belgien und Italien hat Deutschland durch den Krieg keinerlei materiellen Schaden erlitten und keine Schulden im Auslande ausgenommen. 2 Die Entwertung des deutschen Wechselkurses, die als Hindernis bei der Wiedergntmachungssrage wirke, hat für Deutschland der, Vorteil,, die Last seiner inneren Schuld zu vermindern und die Konkurrenzfähigkeit der den schen Waren im Auslande zu erhöhen. Die auswärtigen Schulden Deutschlands betragen pro Kopf der Bevülkeruna 40 Mark gegen 2396 Mark in »vrankreich. Die beid^ wesentlichsten Bedingungen, die Deutsch- mnd die BezaMnng seiner gesamten Schuld gestatten werden sind ^die Schaffung eines budgetmäßigen Ueber« UM und die Herstellung einer günstigen Handels-
ÖU‘®du Nachgeben tu der WiedergntmachnngSfrage.
Berlin. (V. 3.) Wie der „Petit Paristen" aus Kvndvu meldet, wurde von englischer Seite folgende
cfWöfe Rote-veröffentlicht: Nach dem 8 erlauf der Un- terbandlunaen. die zwischen den Premierministern stat:- sanden, und den wichtigen Informationen, die Lloyd George durch den englischen Botschafter in Berlin Lord d'Abernon über die Lage in Deutschland erhalten hat, wird die Haltung der Alliierten auf der Konferenz sehr fest sein. Lloyd George und Briand haben beschloßen, I sehr energisch die Zahlung der Wiedergutmachung seitens Deutschlands zu fordern. Obgleich sie geneigt sind, die Argumente und Vorschläge des Ministers Simons anzuhören, wird keiner von ihnen auf Grund der Informationen, die sie besitzen, wesentliche Konzessionen an die Deutschen machen.
Ei« Antrag Belgiens.
w Rotterdam. lS. C.) Der „Soir" meldet: Die belgische Delegation für London verlangt in den Verhandlungen mit den Deutschen den Verzicht Deutschlands auf neue Einsprüche gegen die Bestimmungen des Versailler Vertrages.
Der Bericht der Entente-Sachverständige«.
4* Genf. <S. G.) „Temps" und „Journal" bringen gleichlautende Londoner Telegramme, wonach die alliierten Sachverständigen am Sonnabend den Bericht für die Deutschen fertiggestellt haben, der zu dem Schlußsatz gelangt: Die Sachverständigen der Entente könnten ihren Regierungen keine Herabsetzung der Gesamtent- schädigungsfordernng vorschlagen.
Die Londoner Presse lehnt die Vorschläge ab.
4* „Daily öhronicle beschäftigt sich eingehend mit den deutkchen^Gegenvorschlägen. Er teilt mit, daß sie amtlich noch nicht bekannt seien. Was man aber auf Grmw verschiedener Meldungen aus Berlin über den wahrscheinlichen Inhalt dieser Vorschläge weiß, das müsse als unannehmbar bezeichnet werden. In diesem Sinne be« schäftigen sich auch andere Londoner Blätter mit den deutschen Gegenvorschläge::.
Eine erfundene Unterredung mit Dr. Simons.
4* Berlin. <T. N.) Die Berliner Abendblätter berichten zum Teil recht ausführlich über eine Unterredung. die Dr. Simons dem Vertreter der „Evemng News" in Ostende gewährt haben soll Es ist deshalb nochmals festzustellen, daß Dr. Simons nach seiner ausdrücklichen Erklärung auf der Fahrt nach London keinen ausländi'chen Pressevertreter gesehen und gesprochen hau — Ueber, das. armebLich: Wto. lM..folgende Meldung vor, die auch von der offiziösen Havav-Agen- tur verbreitet worden ist:
Die Sanktionen.
x Genf. lS. C.) Havas meldet: Die Tatsache, daß der Marschall Foch seine Reise nach London um 48 Stunden früher antrat, deutet auf den Wunsch der Alliierten hin, die Frage der Sanktionen vor der Ankunft der deutschen Delegation ausznklären, falls Dr. Simons gegenüber den Pariser Beschlüssen aus seinem Unannehmbar beharren würde. Man ist der Meinung, daß die Haltung der alliierten Delegierten, die darin einig sind, die Ausführung der Wiedergnimachungsbcspre- chungen in London durchzusetzen, den: Führer der deutschen Delegation zu denken geben wird.
x Paris. Nach einer Meldung des „Matin" ist die in Chegueres eingesetzte SUmmifsimt beauftragt worden, nachzuprüsen, ob der Friedensvertrag eine Anwendung der Sanktionen für den 1. Mai zulassen würde. Daraus läßt sich schließen, daß mindestens ein Teil der Alliierten diese verlangt hat.
Drohung mit dem Vormarsch.
Genf. <S. S.) Havas meldet zur Berulung des Marschalls Foch nach London: Es ist' beabsichtigt, im Falle der deutschen Weigerung ein Borrücken auf bayerischem Gebiet einzuleiten im Anschluß au die Besetzung des RuhrgebieteS.
Französische Truppeuirausporte.
»-<> Genf. lS. C.i Nach mehreren ZeitnngSmelöungen passierten am letzten Sonntag zahlreiche Züge mit Truppen aus südfranzösischen Garnisonen die Pariser^Bahn- Höfe. Die Truppentransporte gingen nach El,atz-Loth- ringen und dem besetzten Gebiet.
England gegen einen militärischen Vormarsch.
Basel. Sänstliche in London versammelten militärischen Sachverständigen der Alliierten traten zu e-ner neuen Konferenz zusammen, in der die Frage des Em- marsches in dentschee Reichsgebiet besprochen wurde. Eine völlige Uebereinstimmung konnte noch nicht erzielt werden. Die englischen Teilnehmer haben sich grundsätzlich gegen eine Besetzung weiterer deutscyer Gebiete ausgesprochen.
Ungewißheit in London.
Hamburg. (T. 11) Der Londoner Spezialbericht- erstatter des „Hamburger Freuwenblattes" meldet: man gewinnt in Lorrdon schnell den Eindruck, daß m Londoner leitenden Kreisen bezüglich des Ausgangs der Konserenz völlige Ungewißheit herrscht. Ein leitender Bankier beantwortete die Frage, welche Ansichten die City darüber habe, folgendermaßen: Die City habe iiberhaupt keine 9lnftd)t, und Lloyd George werde es kaum anders gehen. Ebenso stark ist aber der Eindruck, daß sich die eiistitfcbe Regierung bemühen wird, die Beendigung der Konferenz durch einen Bnrch zu, verhindern- Viele Leute sehen die einzige Möglichkeit einer Lösung ohne Bruch in der Verschiebung der Konferenz, bis die neue amerikanische Regierung im Sattel sei. Bezüglich der Wirtschaftslage Deutschlands wird die ö sentliche Meinung durch alle sich widersprechenden Gerüchte arg verwirrt. Deutscherseits muß die Legende vom deutsche»
Wichlergehen, die unzweifelhaft an Boden gewonnen hat, nachdrücklich bekämpft werden.
Die Frage der i«ternatio«alen Anleihe.
»* Genf. <S. 6.) „Echo de Paris" meldet aus London, daß die Frage der intervatiouale« Anleihe für Devtfchland in London nicht beraten werden soll, sondern einer späteren Konserenz unterbreitet werde. Der „Matin" meldet aus London: Foch hatte eine längere Besprechung mit dem englischen General Wilion, die die englische Zustimmung zu den eventuellen strategischen Maßnahmen Frankreichs erbracht hat.
Flüchtttngrfürsorge.
** Wie das „B. T." hört, werden zur Deckung der Kosten der Fürsorge für die Flüchtlinge aus dem abgetretenen und besetzten preußischen Grenzgebieten im Reichshaushalt 18150 000 Mark angefordert werden. Für eine große Anzahl von Flüchtlingen ist die Möglichkeit gegeben, in Bergwerken und in der Industrie Beschäftigung zu finden. Von der genannten Summe sollen 20 Millionen Mark zur Beschaffung von Unterkunftsmöglichkeiten für die Flüchtlinge am Ort der Arbeit verwendet werden.
Die künftige Politik Amerikas.
■>* In unterrichteten Kreisen in Washington verlautet, daß der neue Präsident sich mehr wie der bisherige mit der auswärtigen Politik befthäffmen werde. Z u dem Angenblick, wo Wilson das Weiße Haus verlaß:, wird sich Amerika den Beichlüsten des Obersten Rare i hinsichtlich des Mandats über die Insel Iav widersetzen. Dieses Mandat ist bekanntlich Japan übertreten worden. In den erwähnten Kreisen ist man der Ueberzeugung, daß Europa gezwungen sein werde, feine Aufmerksamkeit dem Friedensprogramm des neuernannten amerikanischen Staatssekretärs Hughes zuzuwenden.
Die cugljfchev Tr«ppeutra«sporte für Obersckscsieu.
4* Berli«. (T. 11) Die für Ober Westen bestimmten englischen Truppen werden, wie aus Kösir den hiesigen zuständigen Stellen gemeldet wird, über 93:Wf§fjeim, Frankfurt Erfurt, Kottbus und Sagan befördert.
Zuversichtliche Stimmung in Oberschlesie«.
4* Breslau. (V. Z.) In Tarnowitz hielt der deutsche Abstimmnngskom'nissar Dr. Urbanik eine Rede, in der er einen Ueberblick über die Stimmung in Ober« Wüieu aW Mir Gnuen» w führte er aus, mit Zuversicht darauf rechnen, daß die Polen selbst dort, wo sie Beweise stärkster Anhängerschaft zu haben glauben, enttäuscht sein werden und daß sich überall eine deutsche Mehrheit ergeben werde.
Vo« der Deutsch-demokratische« Partei.
4* Maiuz. (F> Z.) Der Berliner Berichterstatter der „F. Z." meldet: Der ParteiauSschuß der Deutsch-demokratischen Partei tritt Sonnabend und Sonntag, den 12. und 13. Mär-, in Berlin im Reichstag zusammen, vor- ausgesetzt, daß die Entscheidungen in London keine Verschiebung notwendig machen. Auf der Taaesordnung siebt ein Referat über die allgemeine politische Lage und im Zusammenhang damit über die Regierungsbildung in Preußen, außerdem.ein Vortraa des Abg. Schiffer über die auswärtige Polittk. Im Anschluß an diese Tagung findet am Montag, den 14. März eine Konferenz der Vorsitzenden der demokratischen Fraktto- nen aus den einzelnen Ländern und der Vertreter der preußischen Wahlkreise statt. — Eine demokratische Arbeitswoche ist für Ende Mai oder Anfang Inni in Eisenach für alle innerhalb der Deutsch-demokratischen Partei bestehenden Ausschüsse geplant.
Gegen den Anschluß Oesterreichs.
** Rotterdam. lS. C.) „Daily Telegraph" meldu. daß die englische Regierung sich dem Einspruch Frarck- reichs gegen eine Volksabstimmung in Oesterreich in der Anschlußfrage angeschloffen hat. — „Daily Mail" zufolge ist eine Zwangsmaßnahme der Alliierten gegen Oesterreich in Vorbereitung wegen der von OesterreiL ausgesprochenen Nichtauslieferung des „Sechs-Miliiv- nen-Goldschatzes".
Englische Schiffsverbindnuge« Deutschlavd-Skandjrarner
4» Rotjerdam. (S. C.) „Daily Mail" meldet, deß am 4. Mai englische Schifsslinien ständige SchiäsVerbindungen zwi'chen den deutschen Ostseehäfen und Skandinavien einrichten.
Die EiusteÜuug der Ueberschichten.
4* Gelscukirchen. (F. Z.) Eine hier abgehaltene Be- triebsrüleversamurlung hat sich erneut auf den WWt der Forderungen vorn 13. Januar gestellt und ist dafür eir:getreten, daß spätestens zum 13- März sämtliche Ueberschichten im Rrrürbergbau eingestellt werden. Die Betriebsräte verpflichten sich, mit allen Mitteln die äe« nannten Forderungen durchzusetzen.
Reue euglische Koufulate i« Deotschland.
4# Siotterdam. (S. C.) „Daily Telegraph" meldet, daß am 1. August weitere acht englische Konsulate in Deutschland errichtet werde::, denen britische HandelS- kammervertreter zugeteilt werden.
Eilkwanderungssperre in Englasd.
»* Geuf. (S. C.) „Journal des Dedats" meldet aus London: Die Konferenz der englischen Delegierten hat die Fortdauer der Einwanderungssperre gegen Staatsangehörige der früher feindlichen Länder bis 4. April 1924 beschlossen.
Großes Eisenbahnunglück in Nordamerika.
x Ncuyork. (L.-A.) Auf der Jleuyork und Chicago Railway bat sich ein großes Eisenbahnunglück ereignet