Herskelöer Tageblakt
Anzeigenpreis für : deren Raum 40 pft
,• die einspaltige Petitzeile oder w Pfennig, für auswärts dopfennig, jeile 1.50 Mark. Bei Wiederholungen
laß. * Zür die Schristleitung verantwortlich mnz Zunk in hersfelü. Zernfprecher Nr. 8.
| tzersfel-er Kreisblatt"
Amtlicher Anzeiger für den Kreis hersfel- I
i Erscheint jeden Wochentag. ♦ Der Bezugspreis be- ♦ tragt im voraus zahlbar, für Hersfeld 7.50 Mark, : durch die Post bezogen 7.80 Mark, bei freier Zu- : stellung ins Haus. ♦ Druck und Verlag von Ludwig Zunks Buchdruckerei in Hersfeld.
«r SV
Dienstag, »e« 8. März
1921
H66rudj der Londoner Ronierenj.
♦* London. (T. U.) Um X2 Uhr wird folgende
Mole verbreitet: Die Alliierten haben in vollem Einvernehmen beschlossen, die deutschen Vorschläge als Unannehmbar z« betrachten. Die Verhandlungen sind daher abgebrochen. Die Alliierte« haben außerdem beschlossen, der deutschen Delegation ihre Absicht betan«t zu gebe«, die Sanktionen zu verschärfen.
Vor dem Abbruch der Konferenz hatte der Oberste «at auf den deutschen Vorschlag eines Provisoriums bin einen neuen Gegenvorschlag der Alliierten ausgestellt, der aber für uns ebenso unannehmbar war wie «e Pariser Beschlüsse. Es liegen darüber folgende Mel- imtaen vor:
Gegenvorschläge der Alliierten.
** London. (T. U.) Der interalliierte Oberste Rat hat am Sonntag abend eine Sitzung abgehalten, die bis 11,45 Uhr dauerte. In der Sitzung wurde beschlossen, »te deutschen Vorschläge, die die Bestätigung des Abkommens von Paris für die Dauer von fünf Jahren enthielten, tn Erwartund einer späteren Revision ab» -«lehnen. Nach Erörterung der neuen deutschen Vorschläge wurde auf Antrag Lloyd Georges von, den Alliierten folgendes neue Gegenprojekt angenommen: 1. A««uimte« von 8 Milliarden Goldmark auf die Dauer vo« 30 Jahren anstelle von 43 Jahresraten, wie Re im Pariser Abkommen vorgeschlagen wurden. 2. Erhebung einer Taxe von 30 Prozent der importierenden Länder auf die deutsche Ausfuhr mit einem bestimmten und garantierten Minimum, das nach 5 Jahren 6 bis 8 Milliarden Mark beträgt. 3. Bezüglich der Differenz mit der in Paris 'festgesetzten Höhe von 226 Milliarden Goldmark, die SArch diese beiden Arten der Bezahlung entstehen sollten, wird der Reparatiouskommisfto« über, lassen. sie nach Feststellung des Gesamtschadens der Alliierten festzusetzen. Auf Grund der Beschlüste des Obersten Rates begab sich Loucheur ins Savoo-Hotel, um das Gegenprojekt der Alliierten dem Minister Dr. Simons zu übergeben. Loucheur hatte eine längere Besprechung mit dem Cbes der deutschen Delegation. Der Oberste Rat beschloß. Montag vormittag 11 Uhr zu einer neuen Sitzung zusammenzutreten und um 12 Uhr die deutsche Delegation und die Antwort der deutschen Re- «ueriina zu-«npiaugett. Es ist sedsch-möglich, L»tz tu^ roloe der späten Uebergabe beS neuen Projekts der Alliierten die deutsche Delegation eine Vertagung der ®it« um" bis nachmittags verlangen werde.
Wie die „T. u." von zuständiger Berliner Stelle erfährt. sind diese Gegenvorschläge der Alliierten durch »enc Verbaudr«Age« bereits überholt worden.
w Berlin. (T. U.) Ueber die Vorgänge in London wird an hiesiger zuständiger Stelle folgendes mitgeteilt: Unser Wille zur Verständigung bat unverbindliche Be. fprechungen zu verzeichnen. Simons war jedoch nicht in Cbaquers, sondern die Bewrechungen erfolgten bet Lord Curzon. Der Gedanke, sich vorläufig auf dem Boden eines Provisoriums zu verständigen, war jedoch zum Mißlingen verurteilt, da die Entente eine Gesamtver- handlung wünscht. Inzwischen ist ein neuer Vorschlag der Alliierten veröffentlicht worden, der eine Zahlung von 8 Milliarden jährlich auf 30 Jahre sowie eine 30= prozentige Abgabe von unserer Ausfirbr vorsiebi. außerdem der Reparationskommission überträgt, über den Ausgleich gegenüber den Pariser Forderungen zu be- finden. Der Vorschlag wird als Kompromiß bezeich- nef, ist jedoch nur zwischen den Alliierten zustande ge. kommen, für uns aber jedenfalls keine geeignete Grundlage. Ein Provisorium kommt also nicht mehr in Frage. ®8 werden neue Vorschläge ausgearbeitet, und Simons Hat Instruktion. zu beantragen, daß inzwischen die Kon. Herenz auf Donnerstag vertagt wird.
Aufschiebung der Zwangsmaßnahme«.
»♦ Rotterdam. lS. C.i Die „Times" und „Morning- post" melden am Sonnabend daß die Alliierten in der Sondersitzung am Freitag beschlossen haben, die Bereitwilligkeit der Deutschen am Montag zur Vorlegung neuer Vorschläge für genügend anzufeven, um die an» gedrohten Zwangsmaßnahmen vorläufig zu verschieben.
Hoffnuvg der Reichsregierung auf Verhandlungen.
«■* Berlin. (S G.) Die Urlaubsgesuche von zwei aus Westdeutschland stammenden Sachverständigen sind von der Reichsregierung abgelebnt worden. Die sachverständigen haben nach Anordnung der Reichsregierung weiterhin zur Vertilgung der Londoner Delelmtion zu -leiben. Damit wird zum Ausdruck gebracht, daß auch die Reichsregierung immer noch an ein Ergebnis der Londoner Besprechungen glaubt.
Neue Instruktionen für Simons.
te» Die aus London vorliegenden Meldungen sind am 6~ttfag in aroet unter dem Vorsitz
des Reichspräsidenten Ebert beraten worden. 3wWn Leiden Sitzungen fand eine Besprechung mit dm» Sachverständigen statt, soweit sie erreichbar wäre m Auf Grund der Beratungen sind an die Delegation in London Instruktiven für die am Montag stattfindende Sitzung der Konferenz ergangen.
Aus dem Wege der Verständigung.
w Aus London wird der „Berl. Montagspost" gemeldet: Ein Ereignis, das die Lage ein wenig zu Gunsten Deutschlands, ober vielmehr, allgemein «usgebrücktz M Gunsten des europäischen Friedens verändert hat.
ist die Tatsache, daß die Partner sich, wie aus englischer Quelle gemeldet wird, endlich hinter den Kultstr Besyrech»nge« zusammengesunden haben, und daß damit der unfruchtbare Notenwechsel bei den wenigen ökSherigen Sitzungen einer hoffentlich nutzbringenden persönlichen Fühlungnahme gewichen ist. Der Zweck dieser Besprechungen war, das am Montag »rohende Scheitern der Konsere«z in letzter Minute zu verhindern. Da eine Gesamtverständigung über die völlig divergierenden Standpunkte der beiden Parteien un- ntöglich erscheint, sollte versucht werden, eine Grundlage für weitere Verhandlungen zu finden. Die Besprechungen hinter den Kulisien haben ihren Gipfelpunkt in einer Konferenz zwischen dem deutschen Außenminister Simons, Lloyd George und Briand qeftmden.
en zu
Obwohl die Einzelheiten der Besprechung von allen Seiten mit einem undirrchdringlichen Schleier umgeben werden, darf man wohl annehmen, daß im Msttelvunkt der Debatte ein provisorisches Abkomme» gestanden hat, das vorläufig nur für die nächsten paar Jahre GtUtig- keit haben soll. Man steht deutscherseits auf dem richtigen Standp'unkt, daß wir über die nächsten paar Jahre hinaus nichts bestimmen können, da die Entwicklung des niedergebrochenen deutschen Wirtschaftslebens zur Zeit gar nicht zu übersehen ist. Andererseits wollen wir es Frankreich durch ein solches Provisorium ermöglichen, so schnell als irgend möglich Barmittel in die Hand zu bekommen. Später werden auch die Alliierten, wenn die deutsche Industrie schneller und besser auswärts geht, als jetzt zu übersehen ist, eventuell größere Leistungen zu erwarten haben, als ihnen jetzt zugesichert werden könnten, denn Deutschland meint es unbedingt ehrlich.
Havas bereitet auf Verständigung vor.
e-# Ueber den augenblicklichen Stand der Londoner Verhandlungen meldet ein Sonderberichterstatter der Havas-Agentur unter dem 8. März, daß die Vorschläge, die Dr. Simons in der Unterredung mit Lloyd George und Briand für eine Wiederaufnahme der Aussprache über die Entschäbigungsfrage gemacht hat, am Nachmittag von den englischen, französischen und belgischen Sachverständigen gemeinsam mit den deutschen Sachverständigen auf ihre Durchführbarkeit geprüft worden seien. Die deutschen Vorschläge sollen aus die Ergeb- «tste der Brüsieler Konferenz und auf das Programm der deutschen Mitarbeit au dem Wiedera«fba« zurückgeführt werden. Währendt'Lloyd George sich am Nachmittag auf seinen LandsitzaLraab, stattete^ Briand dem
italienischen Außenminister einen Besuch ab? um ant
ihm über die Lage zu sprechen. In englischen und italienischen Kreisen, so fügt Havas hinzu, hält man die Möglichkeit einer grundsätzlichen Annäherung für gegeben, sodaß die Verhandlungen weiter geführt werden könnten. In französischen Kreisen dagegen zeigt man
sich skeptisch.
Vorläufige Jahreszahltt«ge«, BetcUiguug am Wiederaufbau.
-» Aus London wird dem „L.-A." von seinem Spezial- berichterstatter gemeldet: Wie wiederholt festgestellt worden ist, war die Tendenz der Konferenz von englischer und deutscher Seite nicht auf einen Abbruch gestimmt. Es ist anzunehmen, daß am Montag.der Boden.für ein Provisorium gesunden wird. Die Schmierigkeite« waren bei den französische« Nuterhäudler«, die !ich auf ein Kabinett Poincaree und die Losreißung der Rhem- lande einrichten. Da Briand aus Gründen mnerpol.- tischer Art sich vom Pariser Abkommen nicht entfernen kann, so bleibt alS einziger Ausweg ein Provisorium auf der Basis der Brüsieler Befprechunge« ««» »es Seydonxsche« Planes. Briand ist entgegen seiner ursprünglichen Absicht auch in London geblieben. Eine Bestätigung über die Richtigkeit inoffizieller Besprechungen, die, wie mir von alliierter Seite mit Bestimmtheit erklärt wird, stattgefunden haben, war bisher von der deutschen Delegation nicht zu erhalten. Vielleicht liegt eine Abmachung vor, darttber Stillschweigen zu beobachten.
Unterredung Simons mit Lloyd George und Brian».
Das „B. T." meldet aus Brüsiel, daß Minister Dr. Simons einerseits bet Lloyd George, andererseits bei Briand angefragt hat, ob er mit ihnen eine persönliche Beqegnung haben könnte. Darauf ist die Antwort erfolgt, daß die beiden Premierminister nur gemeinsam eine derartige Unterhaltung führen wollen. Die Begegnung hat Sonnabend vormittG stattgefunden. Es ist nur darüber bekannt, daß Dr. Simons im Laufe der Unterhaltung darauf hingewiefen hat, daß er Vollmachten besitze, weiter zu verhandeln.
Simons «ach Chaquers gereist?
♦* Dr Simons ist Sonnabend nachmittag ganz unerwartet aus London abgereist. Man vermutet, daß er nach dem Landsitz Chaguers aeteist Jft,^
er nach dem Landsitz ^aquero ger^o m, George sich befindet, um dort die tiwffiziellen Best chungen weiter führen zu können. Die Tatsache hat allen Kreisen große Ueberraschung hervorgerufen, und man fragt sich mit Spannung, ob dies ein günstiges oder ungünstiges Zeichen für die Montagsitzung sei.
Bor der Unterbreit««« oeuer Vorschläge.
bei
W Daß am Montag ein neuer deutscher Vorschlag unterbreitet wird, kann, wie der Berichterstatter des „B T." in London erfährt, nicht mehr zweifelhaft erscheinen. Er wird sich im Rahmen der Verhandlungs- vollmacht Dr. Simons halten. Vollkommene Klarheit über den Weg, den die deutsche Delegation gehen wird, dürfte die Beratung gebracht haben, die am Sonnabend nachmittag stattgefunden hat.
pOTTunageeout crunnunig in xonnoit
•# Aus London wird gemeldet, daß die Stimmung der City ruhig geworden ist. Auch die Börse hat die Notierungen der deutschen Werte wieder ausgenommen. Lloyd Georges Erklärungen nach der letzten Konferen» haben wesentlich dazu beigetragen, daß die Depression, die am Freitag und auch am Sonnabend London beherrschte, einer hoffnungsvollen Beurteilung der Lage gewichen ist. In Börsenkreisen besteht erhöhtes Anprei- fen für deutsche Werte. Wenn es auf der Konferenz z« einer Verständigung kommt, so wird mit einer Besie- rung der deutschen Valuta gerechnet.
Die kritsche Woche in London.
** Der „Jndevendance" wird aus London gemeldet, daß Briand sich keiner Täuschung hingibt, baß für ihn am MoMag die kritische Woche beginnt. Wenn nämlich das deutsche Angebot einige Konzessionen, so geringfügig sie auch sein mögen, bringen sollte, so werden sich wahrscheinlich einige alliierte Delegierte finden, die ihre Beratung in Vorschlag bringen. Für diesen Fal( so wird versichert, kann über das Verhalten des französischen Ministerpräsidenten kein Zweifel bestehen. Briand wirb von unerschütterlicher FeMgkeit sein.
Startend Solidarität mit den AllNerte«.
** An leitender Stelle erklärt die römische „Tribuns* die volle Solidatrität Italiens mit den Alliierten, auch wenn eine militärische Aktion notwendig wäre.
SozialiMche Regierung in Norbrutzlan».
** Von Gatschina sind Funksprüche ein gelaufen, wonach in Nordrußland eine neue sozialisttsche Regierimg eingesetzt ist. Gatschina soll von den anfibolschewisti- schen Soldaten und Matrosen eingenommen worden sein. Diese ständen nun direkt vor den Toren von Petersburg.
Die e«glische Mei«««g.
** „Etoile beige" gibt in einem Telegramm aus London folgenden Bericht über die Stimmung: Die öffentliche Meinung in London ist nach wie vor der Ansicht, daß die Sanktionen in 5iraft treten müßten, wen» Deutschland unnachgiebig bliebe. Es ist festzustellen.
daß in einer Reihe von Zeitunge«, die sich mit den Einzelheiten der Wirtschaftslage befaßten, die Tendenz einen Fortsetzung der Verhandlungen vorherrsche. Die Anwendung von Zwangsmaßnahmen würde kaum daz« beitragen, Deutschland zum Zahlen zu zwingen. Die Folge würde fein, daß der Wiederaufbau Europas un» die wirtschaftet'.-' '^ -estma nur verzögert wird.
—» Im Laufe des Sonntags sind wiederholt starke französische Kolonnen mit großem Trotz rheinabwärtS gezogen. Es handelt sich um Truppen, die bereits zum Vormarsch ins unbesetzte Gebiet eingesetzt gewesen waren. Offenbar haben die französischen Kommandos eine Gegenorder erhalten. Die Engländer haben überhaupt keine Vorbereitungen für den englischen Vormarsch getroffen.
Die Besprechung Dr. Simons mit Lloyd George.
** Berlin. (S. C.) Die Besprechung Dr. Simons mit Llvvd George dauerte nach einer Londoner „Ti- mes"-Meldung 1X Stunden.
Londoner Wette« gegen de« Abbruch »er Konferenz.
*♦ Rotterdam. (S. C.) In London werden feit Freitag Wetten für und gegen den Abbruch der Verhandlungen mit den Deutschen angenommen Am Sonnabend
standen die Wetten für den Abbruch auf zwei, für Verständigung mit den Deutschen auf drei.
Kundgebungen aus Westdeutschland.
eine
•* Berlin. (S. C.) Am Montag früh lagen von mehr als 20 größeren Stadtgemeinden in den vom Einmarsch unmittelbar bedrohten westdeutschen Gebieten Telegramme der Reichsregierung vor, worin diese zur Festigkeit gegenüber den Forderungen der Entente aufgefordert wird, ohne Rücksicht auf den Westderrtschlan» bedrohenden Einmarsch der Entente.
Der Reichstag über London.
7 6. Sitzung.
Die große mit Sparmung erwartete Sitzung des Reichstages, in der über die Londoner Vorgänge gesprochen wurde, ist vorüber. Hat sie nutzbringend gewirkt? Wird unsere deutsche Vertretung in London «i- durch eine Stärkung erfahren? Die Frage stellen, heißt sie verneinen. Denn was dort im Reichstagssitzungs faale mehr oder weniger eindrucksvoll vorgetragen wurde, waren Selbstverständlichkeiten. ES waren große Worte, aber es wurde kein Weg gezeigt, wie das deutsche Volk aus dieser Sackgasie herauskommen kann. Die Reichsregierung tat das einzig Richtige, indem sie durch den Reichskanzler nur die kurze Erklärrlna abgebe« ließ, daß im gegenwärtigen Augenblick ausfi.brliche Erörterungen über die Londoner Vorgänge nur störend wirken könnten. Der Außenminister wird seine Unterschrift unter keinerlei Verpflichtungen setzen, die das deutsche Volk nicht tragen könnte. Er wird alle Ve: - bandlunasmöglichkeiten ausnutzen innerhalb der gege-k denen Grenzen. Mehr war aber nicht zu sagen.
Sitzungsbericht.
Am RegierungStisch: Fehrenbach, Koch. $ebv . | Giesberts. Hermes, v. Räumer und Brauns. Haus m Tribünen sind stark besetzt. Präsident Löse eröffnet * Sitzung um 5.20 Uhr mit einer Erklärung, in der er die Vorgänge im Reichstag am Freitag einging, die n Aufhebung der Sitzung geführt hatten und erklärte.. ha-"$