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MrsWer Tageblatt

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herssel-er Kreisblatt^

Amtlicher Anzeiger für den Kreis tzersfelö

: Erscheint jeden Wochentag.« Der Bezugspreis be- ; trägt im voraus zahlbar, für HersfelS 7.50 Mark, : durch die Post bezogen 7.80 Mark, bei freier Zu- ; stellung ins Haus. druck und Verlag von Ludwig Zuaks Buchdrucker« in Hersfeld.

Nv 70

Donnerstage den 24. März

1921

Die Bedrohung Oberschlesiens.

Einfall polnischer regulärer Truppen.

** Von der Grenze östlich von Tarnowitz wird ge­meldet, daß bewaffnete polnische Abteilungen mit voller militärischer Ausrüstung am Dienstag nachmittag die Grenze überschritten und eine Anzahl von Greuzorten besetzt haben. Die Ortschaften Birkenthal, Schopptnitz, Janow und Nickisschacht sind völlig in ihrer Gewalt. Die deutsche Einwohnerschaft in den Greuzorteu flüch­tet nach Kattowitz. In anderen Grenzorten sind viel­fach Haller-Soldaten ansgetancht, so in Chorzow und Baingow, die als Abstimmungsberechtigte hereingekom- men find und jetzt plötzlich in ihrer militärischen Uni­form, mit Waffen versehen, erscheinen. Unter Führung eines Polen namens Watölla haben sie die Ortschaften dieser Gegend besetzt. Ueberall in den Orten, die in den Händen der Polen sind, ist die polnische Republik ans- S««fe« worden. Weder von der Sicherheitspolizei noch von den Besatzungstruppen sind bisher die erforderli­chen Maßregeln getroffen worden. In der Stadt Katto- rvttz ist die Erregung groß.

** Schon jetzt trifft die deutsche Bevölkerung Maß­nahmen, um Gewaltakten der Polen vorbeugen zu kön- ~ '" " w herrscht Ordnung. Die

neu. Im Landkreis Kattowitz herrscht Ordnung.

Abstimmungspolizei verhält interalliierte Behörde folgt -------- ----------

schwerste hin besetzten die Franzosen tn Kattowitz Marktplatz. Dort sammeln sich die Flüchtlinge. In Landkreise, wo die Deutschen am meisten bedroht sind, wurde bisher nur eine Kolonne von 15 Mann entsandt, Die natürlich nicht in der Lage ist, auch des kleinsten Putsches Herr zu werden. Die Grenze nach Polen rst Bet Losnowitz vollkommen offen. Polnische Banden ge­hen herüber und hinüber. Ein Bericht sagt kurz: Hier W die wahre Hölle los!.

erhält sich völlig untätig. Dre folgt diesem Beispiel. Auf Be- " ~ " ' ----------1 den

Die Propaganda der Pariser Presse.

w Die Pariser Abendpresse vertritt im allgemeinen die Ansicht, baß in den deutschen Städten über das Er­gebnis der Volksabstimmung nicht mehr die gleiche Be­geisterung wie am Tage nach der Wahl herrsche. Die Presse vertritt den Standpunkt, daß die Aufteilung Oberschlesiens nach dem ^Friedensvertrage ^geplant Jet werden ckmme^ ~

Das Echo in Schweden.

9-* Das Ergebnis der Abstimmung wirst in Schweden allgemein freudig ausgenommen und gewünscht, daß Oberschlesien ungeteilt bei Deutschland verbleibe.

MnteiWarfieit Oberschlesiens.

Deutsche Note an die Entente.

>* Berlin. Das Reichskabinett hat am Dienstas gesprossen, über die oberschlesische Abstimmung eine Note an die Entente zu richten, in der der deutsche Anspruch mf die Unteilbarkeit Oberschlesiens geltend gemacht und eiugehend begründet wird.

Hilferuf aus Oberschlesien.

Kattowitz. (F. Z.) Die oberschlesischen Gewerk­schaftsführer erwägen angesichts der höchsten Erregung unter der deutschen Arbeiterschaft wegen der völligen LÄutzlosigkeit gegenüber dem polnischen Terror an dre westdeutsche Arbeiterschaft heranzutreten und Berhal- Lunasmaßnahmen zu erwirken. Sie wollen angesichts Lr Haltung der interalliierten Kommission, welche die Leute Beschwerde durch untergeordnete Organe entgcaen- nahm, nicht die Verantwortung übernehmen, lange Ver­handlungen abzuwartem Sie wollen ihre Stellung der Öffentlichkeit bekannt geben, um Verständnis zu fin­den, falls eine Aussperrung erst eintreten muß. Ebenso erwägen die Gewerkschaften eigene Gegenmaßnahmen, wenn nicht sofort Ordnung geschaffen wird.

>. Polnischer Terror im südlichen Oberschlesien.

»»Berlin. (L.-A.) Die Nachrichten aus Lberschle- fleu, die am Mittwoch vormittag an Berliner amtlichen Stellen vorlagen, melden neue schwere Terrorakte der Pole« Es scheint sich zwar nicht zu bestätigen daß die Bewaffneten, die die Grenze überschritten haben, noch Jg^il che Hallersoldaten sind. Bestätigt wird aber, daß sie in allen Ortschaften östlich und südöstlich von Katto- wttz die deutsche Bevölkerung in unerhörter Weise drangsalierend ist selbst die Polizei von den bc- wassueten Polen angegriffen worden. In Mvslowitz ist der deutsche Hauptmann von der AbsttmrmmgSpoli- zet MbAvon den Polen tödlich verwitwet worden Eine Bande von 30 Mann stürmte in Mvslowitz das Polizeirevier 6. Aehnliche Meldungen laufen Wndig aus Schoppinitz und anderen Orten ein. Die Kreis- kontrolleure haben diesem Treiben gegenüber bisher keinen Finger gerührt.

Flucht der Deutsche« vor polnischem Terror.

e* »erlitt. Aus Breslan wirst gemeldet: Hier sind am Dienstag über 100 Flüchtlinge, vornehmlich Deutsche aus den Kreisen Rybnik und Metz eingetroft fen, um sich vor polnischen Gewalttätigkeiten, die in weiten Kreisen eingesetzt haben, in Sicherheit zu brin­gen. In Rnlmik traben die Polen eine Liste der deut­schen Bbstimmungsverdächtigen veröfientltcht, die die

Namen der deutschen Wähler der nationalen Berget- iuu« der Polen preisgibt.

Notenwechsel unter den Alliierten.

*>* Rotterdam. Der BrüsselerSoir" meldet aus Pa­ris: Das Kabinett hielt Dienstag früh eine Sitzung ab. Besprochen wurde die Frage des Luxemburger Vertrages und der oberschlesischen Abstimmung. Das Kabinett hat sich hinsichtlich Oberschlesiens dahin ent­schieden, daß es in einen Notenwechsel mit den Alliier­ten eintreten will, um eine Entscheidung herbeizuführen, die außer der Volksabstimmung auch dem Veriailler Vertrag und den Interessen der Entente entspricht. Die Sitzung des Kammerausschusses am Mittwoch dauerte nur eine halbe Stunde.

Für ein ungeteilter Oberschlesien.

Das Plebiszitkomissariat, gez. Dr. Urbanek, erläßt einen Aufruf an die Oberschlesier, in dem es heißt: Die Abstimmung hat eine überwiegende Mehrheit der deut­schen Stimmen ergeben. Die deutsche Mehrheit beträgt über eine Viertel Million. Die Heimat ist gesichert. Der Sieg ist unser. Aber auch wir haben Wunden empfangen. Die Kreise Tarnowitz, Pletz und Rybnik haben überwiegend polnisch gestimmt. Darin liegt eine Gefahr für die Brüder von Tarnowitz, Pleß und Ryb- nik. Soll der Oberste Rat aus Eurer Abstimmung ent­nehmen, daß Ihr Euch von uns trennen wollt? Ihr habt polnische Stimmzettel abgegeben, aber nimmer­mehr, um das Band zu zerreißen, welches Euch mit den oberschlesischen Brüdern verknüpft. Oberschlesien ist ei« einiges, ««trennbares Ganzes, es lebe das einige, un­teilbare Oberschlesien! In klarer demokratischer Voll- gerechtigkeit fordern wir, daß jeder Bürger unseres Lan­des Zutritt haben muß zu allen öffentlichen Aemtern. Wir proklamieren aufs Neue die Gleichberechtigung der Sprache in Schule, Verwaltung und Gericht. Wir ver­langen, daß der Wille der Mehrheit entscheidet, daß aber die Minderheit geschlitzt sein muß gegen jede Zu- rücksetzung. Wir laden unsere polnischen Brüder herz­lich ein, uns die Hände zu reichen und mit uns zusam­men zu arbeiten an dem Wiederaufbau dessen, was der Krieg und der Abstimmungskampf verwüstet hat. Wir wollen zusammen die Republik Oberschlesien als freien Rundesstaat im Gelüge des deutschen Reiches errichten. Der Bruderkampf ist zu Ende. Die von den deutschen Parteien geforderte »Intnefite tf! gesichert. Reichen wir nns als freie Männer die Hand zu friedlicher «nd srucht- brivgender Arbeit antn .

Oberschlesische Kohlen für Dünzig.

w Der Oberkommissar des Völkerbundes hat dem Danziger Senatspräsidenten folgendes mitgeteilt: Die Wiederherstellungskommission hat bestimmt, dem Frei­staat Danzig dauernd einen monatlichen Beitrag von oberschlesischer Kohle zuzuerkennen, der einem Prozent der Kohlenerzeugung von Oberschlesien entspricht. Es sind daher Instruktionen seitens der Wiederherstellungs­kommission ergangen, die für den ersten Monat die Ab­fertigung von 25 000 Tonnen anordnen. Diese Kohlen sollen mit den Transportmitteln befördert werden, die von der Danziger Regierung gestellt werden.

Um unsere letzte fioldmidiorde.

Die Forderung der Reparationskonmrission aus Zahlu«g einer Milliarde Goldmark bis zum 23. März, die völlig zu Unrecht erhoben wird, wird die deutsche Regierung derT. R." zufolge mit einer Note beant­worten, die am Mittwoch in Paris überreicht wird. Entsprechend der bisherigen Stellungnahme der Regie­rung kann die deutsche Note selbstverstäuölich nur zu dem Ergebnis gelangerr, daß wir die Zahlung nicht leisten können. Das ist ohne weiteres einzusehen, wenn man sich folgendes überlegt: Als Deckung für die von ihr ausgegebenen Noten hat die Reichsbank jetzt noch 1 Milliarde 91 Millionen 494 000 Goldmark, einen Be­trag, der einen Wert von 13 Milliarden Papiermark darstellt. Das ist praktisch die einzigeDeckung", die wir überhaupt für unfere Reichsbauknoten aufweisen können. Die Fortnahme von einer Milliarde Gold­mark wäre also für den Wert unserer Noten von einer Nahezu katastrophalen Wirkung, und das um so mehr, .weif die Noten das Kernstück der deutschen Wahrmrg bilden.

Französische Losreltznngsversuche.

w Nach dem Inkrafttreten derSanktionen" hat der französische Berater in der Pfalz, General de Metz, mit mehreren Pfälzer Parteiführern, Fühlung genommen mrd ihnen nahegelegt, es sei für die Pfalz jetzt an der Zeit, sich nach Westen zu orientieren. Der General stellte die Folgen dar, die das Inkrafttreten der ..Sank­tionen" für Handel und Industrie auch in der Pfalz haben müssen, wenn sich nicht die Pfalz in irgend einer Form an Frankreich auschließe. Daß der General über das Festhalten aller Pfälzer an dem denischen Vaterland nicht im Unklaren gehalten wurde, ist selbstverständlich.

Das Vordringen im Ruhrgebiet.

* Düsseldorf. Die Bahnlinie Overhausen-Borveck i ist am Dienstag von alliierten Truppen, vornehmlich : Belgiern, besetzt worden. Der Bahnhof Bottrop erhielt ein belgisches Kommando.

Anstrohnng weiterer Besetzungen.

, Genf. Daß PariserJournal" meldet: Die al­liierten Kabinette babcn netten »efeknnoett im Rhein-

raude und Westfalen zugenimmt. DieJournal"-Mer» dung wird in einem Bericht deßMatin" Bestätigt, der jedoch nur von den Vorbereitungen neuer Besetzungen lpricht, sofern die Deutschen nicht im Laufe des Nächte«! Monats ihre Bereitwilligkeit zur Fortsetzung der Wie- dergutmachungskonferenz erklären.

Neutrale Proteste gegen den Wirtschaftskrieg.

** Berlin. (F. G.-A.) Die römischeEpoca" mel^ bet, daß von fünf neutralen Staaten an den Völker­bund Protestschreiben gegen die wirtschastltchenSank­tionen" abgegangen sind. Der Völkerbundsrat wird ausgefordert, eine Revision der Londoner Veschlüsie schon im Interesse des internationalen AnschlatzverkehrS baldmöglichst in die Wege zu leiten.

tzardings Friedensbotschaft.

o* Die Philadelphiaer Zeitung erfährt von der Frie­densbotschaft, die Präsident Hardtng zur Eröffnung der Sommer-Session gehalten hat, daß der Präsident bet! Uebernahme seines Amtes absichtlich das ganze politisch«! Problem bei Seite gelassen habe, weil er es in einer! Sonderbotschaft behandeln wolle. Die fetzige Botschaft! zeige mit aller Deutlichkeit, daß der Präsident an eine»! Friede« auf Grund der bisherige« Dokumente «icht glaubt ««d neue Besprechungen zwischen den Sieger»! nud de« Besiegte« verlangt. Wenn die amerikanische»! Truppen noch immer am Rhein belassen werden, so fett dies ein Beweis dafür, daß die Vereinigten Staaten (W noch immer an den Bedingungen des Waffenstillstan­des halten und auf Grund der Wasienstillstandsbedtn- gungen den Fr'edensvertrag ins Auge fassen würde».! Die Besiegten werden zu der Friedenskonferenz etnge- laden. Die Verhandlungen sollen öffentlich sein. Diese' Botschaft wird auch eine vollständige Neuregelung der! Verteilung der Kolonialmandate in Vorschlag Bringen., Der Präsident hat den Kongreß zum 1. April zu einer' außerordentlichen Sitzung einberufen.

Die neue Sierlkwetze in Deulldjland.

Fk tu Marienwerder.

** In MarieumerKrr ist der Generalstreik erklärt worden. Die Metallarbeiter streiken seit Dienstag mit» tag und wollen sich zur Wiederaufnahme nur unter der Bedingung bereit erklären, daß die Schutzpolizei aus den Betrieben, in denen gestreikt wird, zurückgezogerki wird. Da diese Forderung abgelehnt wurde, traten die' anderen Arbeiter in einen Sympathiestreik ein. Alle Betriebe stehen still. Der Arbeitgeberverband hat be­schlossen, den Bürgerstreik als Adwehrstreik etntreten zu lassen und sämtliche Streikenden sofort zu entlassen, falls nicht der Sympathiestreik bis Mittwoch mittag 12 Uhr beendet ist.

Die Streikbemeg««g in Mitteldeutschland.

** Die Arbeiterschaft der Leuna-Werke Bet Halle, un­gefähr 22 000 Mann, die andauernd Versammlungen abhält, hat den Betriebsrat abgesetzt und einen Aktions­ausschuß eingesetzt. In den Leuna-Werken muß stünd­lich mit der Streikproklamierung gerechnet werden. Die elektrische Kreisbahn Hettstädt-Helsta hat den Betrieb entstellen müssen.

* DasEislebener Tageblatt" berichtet, daß in der Nacht zum Mittwoch in Zwischenräumen Gernehrleuer und am Mittwoch früh Handgranateudetonattonen er­tönten. Die Radikalen sprengten drei Wachen der Berg­werksbahn der Mansfelder Kupfer-Schiefer bauenden Gewerkschaft in die Luft. Die Stimmung ist dadurch verschärft, daß in einer kommunistischen Versammlung ein Redner sich als der berüchttgte Held aus dem Vogt­lande vorstellte, der die Führung des Ausstandes über- nommen habe. Diese Angabe scheint aber nicht wahr, zu sein. Die Arbeitswilligen werden auf den Schächten von den Streikenden mit Waffengewalt von der Arbett geholt.

Der Terror im Mansfelder Revier.

^ Eislebe«. (L.-A.) Während überall im mtttel-' deutschen Jndustricrevier Ruhe herrscht, wütet im rftansfeldischen der Terror fast wie in den verhängnis­vollen Tagen deß vorigen Jahres. Trotzdem behielt die Polizei eine geradezu bewundernswerte Ruhe, und diese- verließ sie auch nicht, als sie tätlich angegriffen wurde, sodaß sie bisher sich nicht zu dem Gebrauch der Waffen bat hinreißen lassen. In Mansleben ist das Drahtseil zum Kaltbergwerk von den Aufrtihrern durchschnitten worden. Die Kasten des Bahnpostamtes und der Klein­bahn wurden von 40 bewaffneten Räubern geplündert. Sie hinterließen eine Quittung, die mit Hölz unter zeichnet war. In Mansfeld ist in der Nacht die Schutz Polizei beschosten worden. Ebenso nahmen die Rrthe störer die Arbeitswilligen unter Feuer.

Neves Bovrbcnattentat im BogNan-e.

m- Planen. In Modisch zusischen Anerbach und F kenstein wurde am Mitttvoch früh gegen 3% Uhr Bombenanschlag gegen das Rathaus verübt. Das 3! Haus wurde im Innern schwer beschädigt. Die De sind e'ngestürzt. Sämtliche Fensterscheiben sind zer! chen. Die Attentäter scheinen wiederum von au£n\ gekommen zu fein.