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Hersfel-erTageblatt

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Nr. 77

Montag, den 4. April

LÄÄ1

Mehr Kraft!

Von Artur Brauscwetterü

Was uns heute am meisten not tut, das ist die Kraft.

Die Kraft im Wagen wie im Tragen, die Kraft im Handeln wie im Leiden, die Ä im Webren und Ent­behren. Die Kraft der Geduld und Hoffnung, des Glaubens und der Liebe Kraft. Die Kraft, sein redli- cheS Wollen mißverstanden, seine besten Absichten mtß- «edeutet zu sehen, und dennoch nicht irre an ihnen zu werden, sie immer aufs neue mit unermüdlicher Treue zu verfolgen. Die Kraft, sich täglich zu wappnen gegen alle Kleinlichkeiten, alle vergeblichen Gänge, alle jeden Morgen neu auf die Plan tretenden Sorgen des häus­lichen Lebens. Die Kraft, die wir am meisten gegen uns selber brauchen in der nachsichtslofeu Bekämpfung all des Kleinen, Niederziehenden in uns, all des Zageus und Verzagens, das sich heute gar zu leicht einstellt.

Aber nicht nur für unser persönliches Leben, für daS Leben unseres Volkes brauchen wir Kraft. Ist es nicht so, daß wir oft einen wahren Hunger nach Kraft ver- spürsu, daß wir aus ganzer Seele schreien möchten: daß sich in der Leitung und Führung unseres armen, getre­tenen Volkes doch ein wenig mehr Kraft offenbaren möchte! Wie sicherer und zuversichtlicher in unserer ganzen Lebensführung, in unserem Handeln und Lei­chen würden wir werden offenbarte sich nur ein we­nig mehr zielbewußte Kraft. Wir wissen: sie allein kann die Retterin unseres Volkes werden, und wir sehen, daß es überall an ihr fehlt.

Was ist denn unser Dasein. Eine Kette von Hem­mungen und Widerwärtigkeiten, mit denen wir den Kampf aufnehmen müssen. Wir dürfen unser Leben, wenn es einmal hart an hart kommt, nicht verneinen; um so freudiger und bereiter müssen wir es bejahen bis zinn letzten Atemzüge. . ,

Denn das Glück, das wir alle mchen, besteht mchi in der Erfüllung unserer Wünsche, in der leichten Errei­chung unserer Ziele. Glück ist nie etwas Aeußerliches, Andern immer etwas Innerliches. Glück ist Kraft. Die durch Kampf und Leid, durch Wirken und Entsagen, durch alle Widerstände und Hemmnisse hindurch gewon­nene Kraft des Menschen, die Glück und Unglück unter sich zwingt. Es gibt kein Glück, das nicht die Kraft schafft. ,

m "EMMiM MMßv '.»«M^MMd-- *?- M Dinge des Lebens nicht darauf anzusehen, wieviel Gluck sie uns bringen, sondern wieviel Kraft sie uns geben. Verläßt dich die Kraft, verläßt dich auch das Glück. Denn beide sind eins und untrennbar.

Aber woher die Kraft nehmen, der wir so nötig be­dürfen?

Aus der Erkenntnis. Der ruhigen, nüchternen Er­kenntnis des Wesens des Lebens, des Gleichartigen imd Vergänglichen allen Geschehens, die uns jenen in­neren Gleichmut der Seele gibt, der dem Vergänglichen und ewig Wechselnden kein zu großes Gewicht bei legt, sich durch Mißverständnisse und Bosheiten nicht aus der Ruhe bringen läßt und nur das eine Bestreben kennt: treu gegen *ficb selber zu sein. Die Hauptsache, meint einmal Henrik Ibsen, ist die Treue gegen sich selber. Alles andere führe nur in die Liebe hinein.

Wer zu solcher Erkenntnis des Vergänglichen und Gleichnisartigen des Lebens hindurchgedrungen, der wird alles, was geschieht, nur unter einem Gesichtspunkt noch betrachten: dem der Ewigkeit. Das wird ihm d:e ruhige und weithinschauende Warte schaffen, von der aus er das Leben und sein Stückwerk überstellt, wird thu dem Ewigen und Bleibenden nahe führen und ihm dadurch eine Kraft verleihen, die allen Wechselfüllen des Lebens, aller Feindschaft und Tücke gegenüber in sich ruhig und gefeit bleibt.

^Tapfer sein, ist auch Religion." Das ist ein schö­nes und wahres Wort. Nichts unter den Willen und die Botschaft der Menschen, aber alles unter den Willen und die Botschaft Gottes stellen, das heißt Kraft zeigen

^Me^Krast das ist e§, was uns not tut.

Ueßergreifen des flufllundßs aas das kavlitzer kohlMrevier.

ReseirmmMkri-m der Polizeitrnppev im irk Merseburg sind 1815 Kommnuisien

w Bei der

Regierungsbezirk Merseburg sind 1815 Kommunisten verhaftet worden. In den Kämpfen im Hallet Mzirk wirrden 08 Kommunisten getötet. Die PoUzc-trnvaeu hatten 13 Tote und 85 Verwundete. Das Aysstauds- gebiet bat sich nach dem Lausitzer «nd -euftenberger Kühleurenier verschoben, wo am Freitag schwere Ge­wehrkämpfe zwischen Polizei und Kommumste« stBt- gksuuden haben. Gegen Senftenberg sind ReichSwehr- trupven im Anmarsch. In Torgau haben Kommnnisten die Bahnanlagen besetzt.

Verstärkung der Schutzpolizei in Mitteldeutschland.

Nach Mitteilung von zuständiger Seite werdcn nun­mehr im mitteldeutschen Industriegebiet fliegende Ko­lonnen der Schutzpolizei eingesetzt, die die noch verblie- beneu Aufruhrherde endgültig säubern rollen. Tiefe Kolonnen operieren von Halle, Mersebura, Eisleben und Weißenfels aus, und ihre Tätigkeit stellt die Aus­führung der nngeküudigteil Entwaffnungsaktion dar. Nach deren völliger Durchführung wird eine Umgrup­pierung und Vermehrung der ®>1inÖ1Wt<W im mittel­deutsche« J«dust,ierevier stattfinden: bei der preußi- k»?u Reaicruua ist nämlich die Anschculuug durchge-

d -"aen. d-gsi 6k Visberigerr Polizeikräfte dort auch in normaLn :leiten nicht mehr ausrelchen, weil in diesem Gebiet sich neuerdings gewaltige Arbeitermassen, die am dortigen Industrie abgewandert sind, zusammenge- hallt haben, eine Entwicklung, die fast an amerikanische Vorbilder gemahnt.

Kämpfe bei Wett««.

-^ Berlin. DieV. 3." meldet: Bei Wettin ist zur Zeit ein schweres Gefecht mit der Reichswehr im Gange.

Gefecht bei Bessenstedt.

** Leipzig. Bei Beisenstedt entspann sich am Freitag abend ein lebhaftes Gefecht, wobei sich die Aufständi­schen kräftig zur Wehr setzten. Unter Hinterlassung von .18 Toten und 40 Verwundeten ergriffen die Aufrüh in Lastautos die Flucht. 5 Maschinengewehre, 150 Ge­wehre, 2000 Schuß Maschinengewehr-Munition, 1200

rer

Schutz Infanterie-Munition, ein Personen- und ein Lastkraftwagen sowie über 3V andere Fahrzeuge wur- deii von den Truppen erbeutet.

Hohe Belohn ««gelt.

Da bei dem Dynmnitattentat währeiid des Aufruhrs ru Mitteldeutschland nachweislich nach dem Entwaff- nungsgesetz abgabepflichtiges Material zur Verwen­dung gelangte, hat der Reichskomnrifsar für die Ent- waffliung dem Oberprüsidenten der Pz-ovinz Sachsen 200(KfO Mark zwecks Aufklärung dieser Verbrechen zur Verfügung gestellt. Ferner hat der Reichskommissar eine Bekanntmachung erlassen, nach der im Regierungs­bezirk Merseburg für die Aufdeckung geheimer Waffen- depots Belohnungen bis zu 100 000 Mark und für die Angabe zweckdienlicher Mitteilungen, die zur Erfassung abgabepflichtiger Einzelwaffen führen, Belolnmngetr bis zu 10 000 Mark gezahlt werden. Für den Nachweis eines Maschinengewehrs sollen bis 5000 .Mark, für den Nachweis eines Gewehrs 500 Mark Belohnung gege­ben werden.

' Bildung von Bande«.

In Halle und tu den Städten des SaalekreiseK wer­den lautB. T." unter den Arbeitern Handzettel ver­teilt mit der Auffordcruua. sich am Petersberg zu sam­meln. In der Tat haben sich in der Gegend nördlich und nordwestlich von Halle starke Bänden gesammelt. Diese Banden, die Wettin besetzten'«und dort stark re- *Ä«*^

besetzt und geplündert, wobei ihncu 18 000 Mark bares Geld in die Hände fielen. Bei Besselstedt ist ein schwe­res Gefecht mit der Reichswehr im Gange. Die anderen Banden, die sich in Lobeljüu gesammelt haben, haben diese Stellung angesichts des Vordringens der auhali!- schen Schutzpolizei geräumt. Sie sind nach Süden ab­gezogen und haben Wallwib geplündert. Sie liegen jetzt in Verschanzungen auf den Petersberg herum.

In Alsleben, Kreis Eisleben, sind lautEiSlebener Tageblat!" neue Unruhen ausgebrochen. Wie in Eis- leben verlautet, soll dort das Landratsamt in die Luft gesprengt und ein Gendarm von kommunistischen Bau­den erschossen worden sein. In Eisleben wird eine Hilfsaktion für Alsleben vorbereitet.

** In der Gegend von Torgau kam es Freitag zu Kämpfen zwischen Polizeitruppen und Kommunisten.

Wiederaufnahme der Arbeit im Mansfelder Revier,

x- Die Einigungsverhandlungen zwischen den Berg- arSeiierorgaNffationen und den Bergwerksbesitzeru im Mausfelder Revier haben dazu geführt, daß die Arbeit in den dortigen Betrieben am Montag wieder ausge­nommen wird.

Aburteilung der Aufrührer.

** Das erste Sondergericht zur Aburteilung der des AnfruhrverbrechenK SchnldiMN tritt am Wontaa in Halle snfammeu.

Rheinland-Westfalen.

Auf der linken Rheinseste sind die streikenden Berg­arbeiter noch nicht angefahreu. Nachdem belgische Be- satzungstrnppen die Kommunisten vom Schacht 5 der ZecheRheinpreußen" vertrieben hatten, haben sie nach Abzug der Truppen den Tcbacht von neuem besetzt. Auch die ZecheFriedrich Heinrich" ist in den Händen der Kommunisten.

Während der Beisetzung der drei am Ostermontag in Essen gefallenen PolizeiwaMmeister ereignete sich auf dem Hof des Polizeipräsidiums ein schwerer UnglückS- mN. Beim Besteigen des Wagens durch Wann schaffen platzte eine Handgranate, durch die drei Mann getötet und 11 schwer oder leicht verletzt wurden.

Drei Kommnnisten wurden in Solingen festge- nommen, die die Absicht hatten, lebenswichiige Betriebe Mllzulegeu. Mehrere kommunistische Parieiführer wur­den festgelu'nlmen und nach Köln gebracht.

Sriddentschläud.

^ Ist Stuttgart wurde eine Gebeimsitznug mehrerer Kommunistenfübrer aufgedeckt. Die Vorgefundenen Auszetchnungeu ermöglichten es, daß in einer Fabrik ein Waffenlager von 100 Gewehren eutdeckt werden konnte.

Die Ztreikgefahr in Berlin.

»^ Die radikalen Betriebsräte Grotzberlius haben am SÄG 7^cnd beschlossen, das GewerkslbasiSkarteN zur proklamiernng des Generalstreiks aufzinordern als Zotest acaen das ausebliche Attentat aus den Konrmu- ittffcnhiDrer Sylt im Polizeipräsidium. Die Betriebs- rate der Straßenbahnen haben bereits im Prinzip sich für einen Sympathiestreik ausaesurockeu.

Putschgefayr in Kvingsverg.

»* Königsberg. Die kommunistische Partei bat für Sonntag zu Straßendemonstrationen aufgernsen. Man befürchtet neue Putschversuche. Die öffentlicheu Ge­bäude sind unter militärische Bewachung gestellt.

Fortfegung der Londoner Konteren;?

** Basel. DieBasler Nachrichten" melden aus Pa­ris, daß der französische Ministerrat sich am Freitag mit dem Schritt des öentfegen Botschafters bei Briand be» faßt hat. Dem genannten Blatte zufolge sei es nur noch eine Frage von Tagen, bis die Züstimnmng de» Alliierten zu einer neuen Besprechung mit den Deut­schen vorliege.

w Karlsruhe. Wie dieBasier Nachrichten" aus Paris melden, hat Briand am Donnerstag den Besuch des deutschen Botschafters erwidert. Das Blatt erfährt, daß die Wiederaufnahure der direkten Besprechungen mit den Deutschen in der Wiederherstellnngs*rage un­mittelbar bevorstände.

Neue Vorschläge der dentschc» Regierung?

** Berlin. DieV. Z." meldet aus Paris, daß die deutsche Regierung den Alliierten neue Vorschläge in der Wiederherstellungsfrage machen wolle.

Jnterveutio» der Vereinigten Staate«.

Berlin. DieB. Z." meldet aus Washington: DaS amerikanische Staatsdepartement gibt bekannt, daß Ver­handlungen von nicht offiziellem Charakter zwifchen der amerikanischen Mission in Berlin und den deutschen Behörden über die Wiederherstellungsfrage stattgeftnr- den haben.

** Berlin. DerL.-A." meldet: Eine deutsche Per­sönlichkeit, die mit deutsch-amerrknuischen Bezrehimgen genau vertraut ist, hat sich zu Dr. Simons nach Lugano begeben. Es ist ar-zunehmen, daß diese Reise mit der amerikanischen Fühlungnahme in der Wiedcrherstel» lungsfrage in engster Verbindung steht.

** Karlsruhe. lD. Z.) Das PariserJournal" mel= sei aus Neunork. Fm Senatsausschuß erklärte die Re- gierung, daß Amerika in der Feruhaltuug von europät» ichen Angelegenheiten nicht länger verharren wolle.

Rene Note Hardrugs an die Alliierten.

^ Berlin. lD. DieD. Z." meldet aus Rotier- KEbettreu-Harding an die erterr europacicken Staaten wegen der Durchftihonng der Friedensverträge wird im Staatsdepartement seriig- geitellt. Ihr Inhalt wird vor der Abienduug dein am 14. April zusammentretenden Kongreß vorgelegt wer­den.

Hinansschiebung der Entwaffnung.

^^ Mönchen. (F. Z.l Die denkokrattsche Fraktion Bayerns hat der StMtsregieruug folacndeit Vorschlag gemacht: Die Reichsregierung soll vorr der bäuerischen Regierung ersucht werden, im Hinblick auf die blutigen Ereigniue ut Mitteldeutschland unverzüglich bei der En­tente Schritte 31t unternehmen, um die Eutwasmunq bis auf weiteres außer Kraft zu fetzen.

Langsames Vordringen im Ruhrgebiet.

----- Ein alliiertes Tritppenkommanöo bat die Bahn­linie Lüerhau!en-Gladbeck bei Tierkrade besetzt. Von Oberbausen sind belgische Vortrupps nach Tinslakew vorgestoßen.

Der Rückzug Amerikas.

w» DerHerald" meldet den Eingang einer Note Har- ömgs bei den alliierten Kabinetten, in der der neue Präsident an der Nichtteilnahme Amerikas an den Be­ratungen der Alliierten über die deutschen Verstöße gegen den Friedensvertrag festhält.

Bayer« entwaffnet nicht.

»-( Gegen die Durchführung der Entwaffmulg der bayerischen Einwohnerwehren demonstrieren am' kom­menden Sonntag in Bayern über 200 Volksversamm­lungen. Ministerpräsident von Kahr gab bei einem Empmuge Münchener Bürgervereine nochmals die Er­klärung ab, daß Bayern keine Entwaffnung mitmache» würbe.

Rückstand in den Kohlenlieferungen.

^ Wie derTemps" meldet, sind die deutschen Kobleu- lieserungen an Frankreich im März um 220 000 Tonne» hinter den vertraglichen Verpflichtungen zurückgeblieben.

Richtigstellung der Erklärungen Loucheurs.

Zu der Rede Loucheurs tu der französischen Kam­mer wird von zuständiger Seite in Berlin mitgeteilt: Es ist richtig, daß die französische Regierung durch Herrn Loumeur bereits Ende Fuli im.» tue sofortige Lieferung von Baumateria! en verlangt W Trotz der damit verbundenen Gefährdung des ^niandbedarfs er- !arte sich die deutube Regierung zur Lieferung bereit. Eine Antwort nur ihr AngeM ist nicht erfolgt. Wie

Lvnchenr zu der Feststellung gelangt fit, daß Mankrerch für o Rcilliarden Nkark Tachlieierrmaen an- gewrden und Deutschland nur für 4 Millionen geliefert surne, laßt nch bei dem Fehlen näherer Angaben nicht nachprüfen. Endgültig bestellt hat die Revaratkons- kommlssiml bisher nur in Höhe von 0,2.5 MMardeu Wurf. 8um bei den Bansioffen ist die französische Re­gierung allgemein hinter den dentül>en LieferungSan- ßeboteu zurückgeblieben. llnzutreffend ist die Behaup- , daß Deutschland nicht annehmbare Preise für die Gunchriri auf Repararionskonto verlangt habe. Die deutschen Angebote haben sich stets erheblich unter dem deutschen Außenhandelspreise aebalt,n