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Hersftlöer Tageblatt

tzersfel-er KreLsblatt^

Amtlicher Anzeiger Dr den Kreis Hersfel-

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Nr. 100

Sonnabend, den 3V. April

1921

Doch Vermittelung hardings?

Beschluß des Ausschusses des Repräsevtantenhanses.

* DieTimes" melden ans Renvork: Der AuSschuß des Repräseutantcnhanscs hat sich in einer mit allen Stimmen gefaßten Entschließung für die Uebernahme einer Bermittlungsaktio« zwischen den europäischen Staaten durch den Präsidenten Harding auSgefproche«.

Rückfragen Hughes in Berlin.

n* Die Antwort Hardings auf den deutschen Ber- rutttlungsvorschlag ist nach unseren Jnforlaattonen biL ^ Uhr friih im Auswärtigerl Amt noch nicht eiirgegan- &Wie wir ferner znverlässig erfahren, sind gewisse ragen des amerikanischen Staatssekretärs Hughes M Berlin erfolgt.

Die deutschen Zugestäudnisse ungenügend.

w Lloyd George erklärte im Unterhause die deutschen Vorschläge für ungenügend. Er wies darauf hin, daß Sie französischen Pläne unterstützt werden müßten. Wei­ter berichtet er: Ich habe die deutschen Vorschläge ge- Hcheu und ich glaube, sie sind von der Presse richtig ver- rffentlicht. Gegenwärtig werden die Vorschläge von Finanzsachverständigen aller beteiligten Staaten, die ge­genwärtig in London beisammen sind, geprüft. Es be- Keht Einstimmigkeit darüber, daß die deutschen Vor- Khläge unbefriedigend sind.

** DieTimes" melden aus Washington, daß die deutschen Vorschläge noch nicht amtlich bekannt gegeben Und. Der Charakter der neuen deutschen Note läßt ver­muten, daß Deutschland auf die Bereinigten Staaten »echnet. Man glaubt, daß diese deutschen Illusionen Mrch amerikanische Finanzleute in Berlin genährt worden sind. Die Tätigkeit dieser Finanzleute in Ber- Ä« erweckte bereits bei der Washingtoner Regierung Bebhafte Unruhe.

*# In unterrichteten Pariser Kreisen verlautet, daß die deutschen Borschläge in Amerika für ungenügend er­achtet werden. Die amerikanische Regierung wird ihren Gutschluß über die Vorschläge nach Berlin weiterleiten. Harding hat sich bereits zu einer Spazier- und Krenz- kahrt eingeschifft. Wie es heißt, soll damit betont wer- »e«, daß der ganze Zwischenfall für die Vereinigten Maaten nunmehr erledigt ist und die Entente freie Pa«d hat.

Proteste gegen die deutschen Zugeständnisse.

®* ^wW® Auswärtigen Amt laufen besonders aus dem . besetzten Gebiet fortdauernd Einsprüche und Proteste von Korporationen, Gesellschaften und Handelshäusern «in gegen die der Entente gemachten Zugeständnisse. Wie wir erfahren ist auch die Annahme der Simons'schen Vorschläge im Reichskabtnett nicht einstimmig, sondern Gegen eine nicht unbeträchtliche Opposition erfolgt.

Mttmatrrm zur Vorlage neuer Vorschläge.

** Paris. (F. G.-A.) Londoner Blätter berichten, Saß Lloyd George voraussichtlich ein neues 24sittndiges Ultimatum zur Vorlegung neuer befriedigender Bor- -hläge an Deutschland richten werde.

* London. (V. Z.) Nach einem Neutertelegramm «erlangt England von Deutschland neue Borschlage. Die -allgemeine Ansicht der politischen Kreise Englands ist Heute die, daß der Einmarsch in das Ruhrgbret unver­meidlich ist und daß nur noch das Eintreffen einer we- Mutltch verbesserten deutschen Note die Situation retten Van«.

Mögliche Kombinationen.

** Die Nachrichten aus Frankreich werden im Haag, wie demB. T." von dort gemeldet wrrd, sehr ungünstig Beurteilt, und es ist charakteristisch, daß die Mark, die sich «m Montag in Amsterdam zu erholen schien, wieder sehr erheblich, nämlich auf 4,35, gefallen ist. Daß Amerika eine von der Politik der Alliierten isolierte Politik trei- ven werde, gilt im Haag als vollkommen ausgeWlosien. Infolgedessen erwartet man nur eine offizielle Bermrtt- bung für den noch ungewißen Fall, daß England glaubt, Ich von der französischen Auffassung trennen zu können. An diesem Falle wird Amerika einen Grund haben, um zwischen England und Frankreich zu vermitteln. Bet Dieser Gelegenheit könnte Amerika auch seine eigene Auf- fasiung in Bezug auf die militärischenSanktionen" Frankreichs und die deutsche Bereitwilligkeit zur Zah­lung zur Geltung bringen. Es wäre dann nicht andre Solidarität gebunden aus dem einfachen Grunde, tveil sie yichi existieren würde. Man könne im Zweifel sein, bleibt aber auch dann wichtig, daß tue Bereinigten ^taa- ten ebenso wie England sich gegenwärtig aus den Stand­punkt stellen, daß die Note nicht genügend «nbaltspimkte für eine Entscheidung gebe und der Erganzungvon Ber­lin bedürfe. DieTimes" betonen nachdrücklich, daß die Meldung ihres Washingtoner Korrespondenten jeden­falls zutreffend sei, wonach die amerikairische Legierung zu dem Ergebnis gekommen sei, die deutscheNotc könne in der jetzigen Form von Harding nicht den ANrierten Unterbreitet werden, denn sie sei keine aenügcude Ver- Vandlungsbasis. DieTimes" sage« weiter, daß nur wenig Zeit. aber immerhin Zeit genug» für ein neues Angebot vorhanden sei obgleich vielleicht Deutschland jetzt mehr verbittert wäre über seinen Mißerfolg und sich infolgedessen nicht zu einem neuen Schritt entschließen würde.

Die ©nietete fordert die Steuerkontrolle.

* Die Berliner Ententekommtsfiou hat das Ergebnis der Steuereingänge des Reiches für daSverfloffene Jahr *n »,mraae des avtierien Rates eingefordert.

Französischer Zrriegsrat.

»«» Am Donnerstag fand, wie aus Paris gemeldet wird, im Elysee unter dem Vorsitz Millerands ein Mini­sterrat statt, in dessen Verlauf Briand über den Stand der auswärtigen Angelegenheiten Bericht erstattete und darlegte, in welcher Weise er in London den Standpunkt der französischen Regierung vorbringen werde. In gut unterrichteten Pariser Kreisen erklärt man, die franzö­sische Regierung fei unerschütterlich entschlossen, im Laufe der nächsten Woche die Jahresklasse 1919 einzu- berufen. Die französische Regierung sei der Ansicht, daß der Vormarsch auf dem rechten Rheinufer die Verband- lungen der Alliierten über ein neues deutsches Angebot, falls solches einlaufen sollte, nicht verhindern werde, daß aber unter keinen Umständen Zeit verloren werden dürfe.

Weiter wird uns hierzu gemeldet:

** Unter dem Vorsitz des Präsidenten Millerand trat Donnerstag vormittag der französische Ministerrat zu­sammen. Die Beratung über die deutschen Vorschläge hat bereits begonnen. Am Abend wurde ein Havas-Be- richt ausgegeben, wonach die französische Regierung ei­nen großen Teil der deutschen Borschläge für bedenklich erachtet.

Französische Vorbereitungen am Niederrhein.

Ein mehrheitssozialdemokratisches Blatt meldet, daß in den letzten Tagen in einzelnen niederrheinischen Orten die französischen Besatzungstruppen verstärkt worden sind. Der Vormarsch zur Erweiterung der Ok­kupation ist den französischen Offizieren im besetzten Gebiet bereits bekannt gegeben worden. In Krefeld sind in der letzten Woche über 200 französische Zollbe­amte stationiert worden.

Die Entscheidung über neue Zwangsmaßnahmr«.

** Lloyd George hat am Donnerstag im englische» Unterhanse erklärt, daß die Entscheidung über die Be- »deö Ruhrgebiets kaum vor Montag oder Dieus- chster Woche fallen würde.

Frankreich besieht auf Zwang.

** Genf. Briand empfing einen amerikanischen Presse­vertreter und erklärte, er habe die Ueberzeugung, daß alle Alliierten darin einig seien, daß die neuen wirt­schaftlichen Zwangsmaßnahmen ergriffen werden muß­ten, um Deutschland zur Erfüllung seiner moralischen Verpflichtungen zu zwingen. Deutschland erfülle nicht nur seine Reparationsoerpflichtunge^ nicht, sondern auch das Gerichtsverfahren gegen die Krteg-soeicymocg- ten sei nicht durchgeführt. Frankreich verlange von Großbritannien nur seine Sumpathie für die Maßnah­men, die von Frankreich beschloffen seien und in dem Vormarsch ins Ruhrgebiet bestehen. Die neuen deut­schen Vorschläge bezeichnete er unannehmbar.

Frankreich will nur Gewalt.

»* Paris. lV. Z.) Briand empfing am Donnerstag die ausländischen Preffevertreter und sagte, daß nichts mehr zu ändern sei. Frankreich bleibe fest und die deut­schen Vorschläge kämen zu spät. Die Haltung Belgiens sei bekannt. Was Italien anbelange, so wisse man, daß es in London keine Schwierigkeiten machen werde. Wie die Dinge liegen, könne nichts mehr die AMerten hin­dern, das Rubrgebiet in den ersten Maitagen eiuzu- schlietzen.

Skeptische Auffaffuug in London.

** London. Während anfangs die Aussichten in Lon­don für das Zustandekonmren neuer Verhandlungen als günsttg zu bezeichnen waren, scheinen sie sich neuerdings verschlechtert zu haben. Die Börse ist unsicher gewor­den. Die Hoffnung auf Berständigung wird aufgege­ben. Man befürchtet, daß es zunächst zu der Anwen­dung der angeörohtenSanktioüen" kommen werde. Besonders in den Bankkreisen, die mit der Großindu­strie in engster Verbindung stehen, ist man davon über­zeugt, daß mit einer Besetzung des Ruhrgebietes zu rechnen ist ^

** London. In führenden Kreisen ist man der An­sicht, daß es nnzweißtthaft sei, daß die Berständigungs- versuche ergebnislos verlaufen werden. Es werde da­her zur Anwendung der neuenSanktionen" kommen. Man rechne mit einer unmittebalr bevorstehenden Ka­binettskrise in Deutschland. Nur die Annahme des Pa­riser Diktats könnte zur Benneidnng der neuen Zwangsmaßnahmen führen. Aber weder das Kabirrett Kehrenbach noch eine andere Regierung dürfte unter dem gegenwärtigen Parteiregime bereit sein, die Unter­schritt unter das Pariser Dokument zu setzen.

** Im englischen Unterbaust wurde Lloyd George be­fragt. ob England in eine Aktion gegen Deutschland ver­wickelt sei. Llovd George erwiderte, die neuen deutschen Borschläge machten neue Zwattgsmatznahmerl notwen­dig. England mfiWe sich an einer weiteren Aktion be­teiligen, wenn es sich um die Kohlenveviere von West­falen handle.

Die nnannedmbarew Erläuterungen.

M. London. (F, G.-A.) In amtlichen Kreisen ver­sichert man, daß die Regicrrmg direkt an§ Berlin halb­amtliche Erläuterungen zu den denischen Borschlägen erhalten habe, daß diese aber so sehr enttäuscht hätten, daß die Vorschläge unannehmbar seien.

Rock keine amtliche Erklär»«« der Alliierten

w Parts. (F. Z.) Wie derChicago Tribune" aus Washington gekabelt wird, äußerte Staatssekretär Htrgheö am Donnerstag abend, daß er von den verbün­deten Regierungen bis jetzt noch feine Erklärungen über ihre StellunMahme zu den dentsclstn Vorschlägen er­halten habe. Der franAöuicbe Bvtiäiaster Jouffermch

lehure eine Aeußerung uver ore eteuuna seiner Regle» rung ab. Der britische Botschafter hat noch keine In­struktionen aus London erhalten.

Sei« -e«tsch-amerika«ischer Meinungsaustausch.

** Washington. (B. Z.) Amtlich wird bekannt ge­geben, daß seit Empfang der deutschen Note kein Mei­nungsaustausch zwischen Berlin und Washington statt- gefunden habe. Dagegen habe Harding die Ergänzu»» der deutschen Note durch eine Aufklärung verlangt.

Amerika hofft doch auf Verhandlungen?

* Nevyork. Hier herrscht die Ansicht vor, daß es doch gelingen dürfte, die Verhandlungen über die deutsche« Vorschläge in Fluß zu bringen.

Ablebuende Antwort Frankreichs an Amerika.

** Parrs. (F. G.-A.) Es wird bestätigt, daß das amerikanische Staatsdepartement eine Anfrage an die französische Reaierimg gerichtet hat, ob die beabsichtigte- Besetzung des Ruhrgebietes nicht hinausgeschoben wer­den könnte. Die französische Regierimg hat jedoch Sie- Anerbieten entschieden znrückgewiesen. Die französische- 3tegterung rechnet damit, den französischen Vormärsche am 15. Mai beginnen zu können.

Französische Verlogenheit.

** Paris. (T. R.) Nach einer Erklärung Briands iw- Kammerausschutz wird Frankreich von England keine materielle Hilfe verlangen, sondern die imperiMsttschea- und reaktionären Bestrebungen in Deutschland durch seine militärische Macht Niederhalten.

Der Oberste Rat.

o* London. (L.-A.) Die Aeußerungen der Londo-ur»« Morgenpresse machen es klar, daß der Oberste Rat ant 3. Mai gemäß dem Ruhrbesetzungs- und Ausbeutung»»! plan der Sachverständigen ein neues Vorgehen gegerr« Deutschland beschließen wird. Es wird nicht mehr da­mit gerechnet, daß neue Momente in die Debatto kommen.

Abreise des englische« Botschafters «ach Lovdo«.

** Berlin. (F. G.-A.) Der englische Botschafter fit nach London abgereist, um an den Beratungen des Obersten Rates teUzunehmen. Er wird über seine Be­sprechungen im Auswärttgen Amt wegen der deutsche». Borschläge Bericht erstatten.

Gegen die Auslieferung des Goldschatzes.

** Berlin. Im Ausschuß des Reichstages erklär Reichsbankpräsident Havenstein, daß sich die Goldwäh­rung während des Krieges . icht habe aufrecht erhalte«: reckt werde»

Wendung der Darlehnsraffen scheine gewesen. Sie vA-- ten tatsü lich einen viel größeren Wert als Reichskas­senscheine. Der Reichsbankpräsident wandte sich dam» gegen die Hergabe des Goldbestandes, da diese Forde­rung einen Bruch des Friedeusvertrages darstelle. E» stellte diesem Verlangen gegenüber, daß die sranzösischo Notenbank im Jahre 1870 geschont wurde. Der En­tente stehe zwar das Recht zu, die rückständigen Mil­liarden vom Reiche, aber nicht von Instituten, wie die Reichsbank, zu fordern. Im übrigen sei es unzuläML in die Bestürme der Reichsbank einzugreifen. Ein sok-! cher Eingriff würde schweren wirtschaftlichen Schaden für das In- und Ausland herbeiführen.

Joffre nach Sonden abgereift.

* Marschall Joffre ist am Donnerstag mittag »«h< London abgereist.

Der Rßii

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Wert über oeullchlanäs Zukunft

Die Frage, wie der Neu- oder Wiederaufbau. Deutschlands zu bewerkstelligen sei, wäre leichter zu be­antworten, wenn innerhalb der Geister schon der Kampf um das alte oder neue Deutschland entschieden wäre. Die Tatsache, daß es uns heute wirffchastlich schlecht uns ehedem gut gegangen ist, verführt viele dazu, alles, was heute ist, für schlecht und alles Einstige für gut zu hal­ten, während aus der anderen Seite die Erinnerung au früher erlittene Ungerechttgkeiten viele veranlaßt, alles, was mit dem alten Deuffchland zusammenhing, in Baufch und Bogen zu verdammen und als unbrauchbar für die neue Republik zu erklären. Ich glaube, daß nur der ein guter Baumeister des neuen Reichshauses fein und werden kann, der sich über dessen gegebenes Fun dament im klaren ist. Dieses Fundament ist die repv-. blikanische Verfassung, seine Ausdehnung wird bot stimmt durch die historische Tatsache unserer Niederlage'. Wer davor die Augen schließt und diese zwei Elemente nicht sehen will, wird nichts als Lustschlösser errichten. Mit der republikanischen Verfassung sich nicht absinden heißt Schritt für Schritt auf innere Widerstände stoßen die um so gewaltiger wirken, je gewaltsamer man ge­gen sie anzurennen sucht. Und unsere Niederlage au? irgend welchen Gründen nicht anerkennen wollen, das heißt in der äußeren Politik von Mißerfolg zu Mrßer folg schreiten. Also: zuerst und vor allem Klarheit für uns selbst, keine Selbsttäuschung, keine Täuschung an derer. Diese Klarheit wird für den Tatkräfttgen al les andere als Entmutigung bringen. Trotz aller an gerechten, dem Nationalitätenprinzip entgegenlausend^^ Abtrennungen bringen wir einen Block von 60 NNb- ' neu Deutschen mrs dem Zusammenbruch in die Zukrni . und ihre Arbeit. 60 Millionen fühlen wenigstens -' einem gemeinsam: daß sie Dentsche sind! Die Ausna. men sind so verschwindend, daß man sie unberücksich lassen kann. 60 Millionen empfinden die Versailler 9' dingungen als brennende Ungerechtigkeit und jede n ' Last als einen neuen Beweis der UnertrSglichkeit. u > Millttn«:« Derrffche arbeiten an der ©rfftHtma und au