kersfelöer Tageblatt
ffnzrigenpreis für die einspaltige Petitzeile oder deren Raum 40 Pfennig, für auswärts 60 Pfennig, die Reklamezeile 1 .S0 Mark. Bei Wiederholungen Nachlaß. <• Kür die Schriftleitung verantwortlich Kranz Kunk in Herofeld. Kernfprecher Nr. 8.
Nr. 106
Schickfalslage
I Hersfelder Kreisblatt-' IZZUMsZ-x
: r >» * A r zr > ' ! stellung ins Haus.»druck und Verlag von Ludwig
; /lmtücher Mnzelger für den Kreis Hersfel- I__^.^^.^___
Montag, den S Mai
ISA
SSSSSPSS»
falstage.
Das deutsche Volk durchlebt wieder S
Wie ein tiefer, finsterer Abgruird liegt die .^^ <1»- kunft vor uns. Die kommenden Tage müssen die Ent- Aheidimg bringen, ob wir rettungslos in diesen Abgrund Mneinstürzen werden, oder ob sich nicht doch noch eine Möglichkeit bietet, diese schwersten Gefahren zu uber- «nnden und einen Weg zu finden, auf dem wir einer Zu- tKttft entgegengehen können, die wieder einstmals aus diesem Elend, aus dieser Schmach und nationalen Not Hinausführt zu lichteren Höhen. Im Südosten ist der Polein Oberschlefien eingefallen und veracht mit allen Mitteln brutalster Gewalt uns das für , unsere Volkswirtschrft und den Wiederaufbau unettt- • behrliche Industriegebiet zu entreißen, um dadurch viel- beicht die Möglichkeit zu erlangen, seine verlotterte Wirtschaft noch eine Zeit lang lebensfähig zu erhalten, «venn er sie auch auf die Dauer durch das reiche Ober- Pchlesien nicht vor dem Zusammenbruch wird retten kön- «en. Die bei geordneter Wirtschaft unversiegbaren Hilfsquellen Oberschlesiens Erden unter polnischer Wirtschaft bald nicht mehr fließen, und Oberschlesien «vürde demselben Chaos und Elend preisgegeben sem, Mie es heute in Polen herrscht. In ganz Oberschlesien rechts der Oder übt polnischer Terror seine brutale Ge- waltherrschalt aus, drangsaliert die deutsche Bevöl- kerung und begeht die scheußlichsten Verbrechen an ihr. Die Ententetruppen sind allem Anschein nach völlig Machtlos gegenüber dem Vordringen ber polnischen Insurgenten, die sich zum Teil aus regulären polnischen Truppen zusammensetzen und schwer bewaffnet sind. .Deutsches Land im Osten ist in großer Not Hoffentlich zieht der Oberste Rat aus dem gewalttätigen Vorgehen Her Polen die Konsequenzen und kommt endlich zu der Einsicht, welchen Zuständen Oberschlesien entgegengehen Würde, wenn muh nur ein Teil, und wäre er noch so Nein, unter die polnische Herrschaft käme. Das Rechts- Bewußtsein der ganzen Welt müßte sich gegen eine solche -Entscheidung auflehnen. Die deutschgesiunte. Berwl- Teruna würde in den an Polen gefallenen Gebret»teilcn Leu fürchterlichsten Schikanen und Drangsalierungen
fte Zu-
ausgesetzt sein.
Zu gleicher Zeit, wo die Polen Oberschlesien rau- ^hen'wollen, haben die Alliierten Deutschland in Form eines Ultimatums ein Diktat der unerhörtesten Forderungen zugestellt, die teilweise weit über dre unerfüllbaren Besttmmungen des Frieoensvertrages und von Deutschland fordern, daß es sich
e Alliierten eigentlich sagen mütztmr, sind, zumal auch die Frage der staatlrchen Zuge- lhörigkeit Oberschlesiens zu Deutschland bei der SnWi“ chrmg über Annahme oder Ablehnung mtt von ausschlag- ^eberrder Bedeutung ist. Die Beratungen der Frak- ^Etderbisherigen .Koalitionsparteien haben, wenn -such noch keine definittven Beschlüsie gefaßt worden sind, Hoch zu dem Ergebnis geführt, daß das VerSandsulttma- » nicht angenommen werkim könne. Es mtterliegt m- hnent Zweifel, daß Deutschland selbst die schwersten Be- Mmmrgen übernehmen würde, um die Bewtzung des Muhrgebiets zu verhindern, und Beweise Salür hat es gegeben, aber es kann nicht gegen seine Ehre und sein Mstichtbewntztsein nochmals seine Nnterschrfft unter Forderungen ietzen, von deren gänzliäter UnerfuNbarkert ^ überzeugt ist. Wir könnten dadurch nur die Besetzung Nes Ruhrgebiets hinausschieben, aber memals, verhm- iSer«. denn nach kurzer Zeit würden wir doch wieder nnt tSer Durchführrmg unserer Verpflichtungen rn Verzug klommen, und Frankreich hätte dann das Recht durch un- ,zere Unterschrift, in das Ruhrgebiet einzumarschieren.
Im Zusammenhmrg mtt dem kwzbefristeten Mtima- Som der Entente ist die Regierungsbildung> außerordentt Sich schwierig. Die Parteien nttisien sich über chre end- Eltige Haltung vollkommen klar werden, und das neue Meichskabineit wird dann nur den Willen der Parteien auszusühren haben, aus denen es sich zusammensetzt. D^e ErrtsS^iduna ist diesmal vollkommen in die Hände der «Parteien gelegt.
3n der Schwebe.
Ablehnende Haltung gegenüber dem Ultimatum.
»* Es steht noch immer nicht fest, wie das neue Kabinett aussehen wird, und die Besprechungen des R^chspräsidenten mtt 'den Parteiführern konnten deshalb noch keine Klärung bringen. Es handelt sich letzt darum, ob sich die Parteien des Reichstages dazu vergehe» werben, das Ulttmatum anzunehmen. Die Frak- Kouen haben zwar zu ihm Stellung genommen, M aber bisher noch durch keine Beschlüsie Zabunden. Das ist daraus zurückzuführen, daß Fr^g das Ultimatum nur durch Zettungsmeldungen bekannt war und daß ersi am Sommbend vormittag die F^ktwncn zuiammentreten werden, um sich mit deur Wortlaut des^UMmatunrs und des Protokolls zu beschäfttgen. Den Eludruck kann man schon jetzt dahin wiedergeben, daß weder dre Deutsche Volkspartei noch die Demokraten sich zu einer_Un^ schritt entschließen könnten. Die Stellung der Deittsch- nationalen ist klar. Man kann sie kurz dahm zusam- meufassen, daß die Fraktion jede Regierung bekämpfen Das gilt auch von der Bayerischen Bolkspartei. Die einzige bürgerliche Partei, deren Vertreter sich bisher noch «übt klar zum Ulttmatum geäußert. haüLltt tlttlM
Zentrum. Auch von ihm läßt sich heute schon mit Bc- stimmheit sagen, daß es unter reinen Umständen gewillt ist, ohne die Deutsche Bolkspartei eine Unterschrift zu leisten. Das ist bereits in einer Fraktionssitzung zum Ausdruck gekommen, die Freitag abend statigefuuden hat. Das Zentrum will nicht wieder in die gleiche Lage gebracht werden, wie in der kritischen Friedenswoche in Weimar. Sonnabend vormittag 11 Uhr tritt der Ausschutz für Auswärtiges zusammen, um sich gleichfalls mit den brennenden außenpolitischer! Fragen zu beschäftigen. Es ist jedoch kaum anzunehmen, daß bereits im Laufe des Vormittags endgültige Beschlüsie zum Ulttmatum gefaßt werden. Vielmehr wird wohl eher in den Abendstunden die Enffcheiöung fallen. Das ist durchaus zu erklären, da die Sachverständigen der einzelnen Frakttonen sich nach dem jetzt vorliegenden Text der Dokumente informieren wollen. Erst wenn sie einen genauen Ueberblick gewonnen haben, glauben sie, zu dem folgenschweren Entschluß schreiten zu können. Um 2 Wr nachmittags wird der Aeltestenrat zusammentreten, um sich mit den Vorgängen im Reichstag am Freitag zu befassen und um sich darüber schlüssig zu werden, wann der Reichstag wieder zusammentreten soll. Wie vom Reichstagspräsidium mitgeteilt wird, wird am Sonnabend kaum eine Plenarsitzung des Reichstages stattfinden. Es heißt, daß die Senioren nicht gewM sind, im Reichstag eine Sitzung abhalten zn lassen, bevor das neue Reichskabinett fertig ist. Ob das bereits am Sonnabend der Fall sein wird, scheint nach der Lage allerdings fraglich.
Weiter wird uns gemeldet:
** Die Beratung der Fraktionen über die innen- und außenpolitische Lage haben am Freitag den ganzen Tag über angedauert. In den Fraktionssttzungen der Deutschen Bolkspartei rmd der Demokraten kam übereinstimmend der Standpunkt zum Ausdruck, daß das Ultimatum der Entente nicht unterschrieben werden soll. Die Zentrumssraktion tagte bis zum späten Abend und vertagte sich dann auf Sonnabend. Eine Erklärung des Zentrums zum Ultimatum liegt noch nicht vor. Die Sitzung des Auswärtigen Ausschusses ist auf 11% Uhr anberaumt und die Sitzung des Aeltesten-Rates auf 2:< Uhr nachmittags. Eine Plenarsitzung des Reichstages findet voraussichtlich am Sonnabend nicht statt.
Reise Dr. von Kahrs nach Berlin.
tx Der bayerische Ministerpräsident, von Kahr, reist auf eigenen Entschluß nach Berlin, um in der entschei- dunasvollen Stunde die Meinung Bayerns zum Ausdruck zu bringen. Nach Bekanv.Erden dieser Absicht äsiüenten telegra-
lung die Parreien der Regierungskoalitton einnehme« werden. Die Erörterungen aller Fraktionen unterere- - ander sind lebhaft im Gange.
Londoner Wetten über die Annahme des Diktats.
** Rotterdam. Nach einer Meldung der „Daily Matt" wird in London für die Annahme des UMmatwvKi durch Deutschland mit 4:1 gewettet.
Die Entente rechnet mit der Annahme.
•>* Rotterdam. Wie die „Times* melden, rechnen die mutierten mit keiner Ablehnung ihrer berechttgten (Y Forderungen durch Deutschland. Die Einsetzung einer Garanttekommtssion, die die finanziellen Leistungen Deutschlands überwachen soll, ist bis nach dem Eingang der deutschen Note vertagtt
Frankreich mobilisiert weiter.
o» Genf. Havas begleitet die Veröffentlichung deS- Ultimatums an Deutschland mit den Worten: Die Bev--
gestellte Frist zu verlängern. — Im Anschluß an die Londoner Ergebnisse hat der Ministerpräsident Briand die telegraphische Ermächtigung zur Einberufung eine# weiteren Jahrgangs (1918) erteilt.
Französische Vormarschoorbereitungen.
** Mai
Rheinflotte Traukportscl
Der Sammelpunkt der Ruhrarmee ist Duisburg, Dü^ seldorf, Trier und Mainz. Die Truppen werden sich durch die Pfalz und das Saargebiet nach Norden im» Osten begeben. Die großen Heerstraßen werden während des Transportes für den übrigen Verkehr gesperrA fein.
Das Wortlaut des Altimatums. •
Galgenfrist bis zum 13. Mai.
Lloyd George hat dem deutschen Botschafter Stha°- mer das Ultimatum der Alliierten überreicht. Der amt» liche Wortlaut in Uebersetznng lautet: .
beten seit Unterzeichnung des Vertrages von Versailles gemacht worden sind, ungeachtet der Warnungen und« Zwangsmaßnahmen, die in Spaa und Paris beschlösse«
Rückstand ist, die ihr nach den Bestimmungen des Bev-i
Vertrages obliege in folgendes
Bayerische Ablehnung.
** Die „Bayerische Staatszeitung" st unsere bisherigen Angebote schon das öe -,-,- _ • Sklaverei und dem Hunger überantwortet, so würde ihre Erweiterung oder gar die bedingungslose Annahme der neuen Forderungen dazu noch die Vernichtung bringen. Es bleibt uns daher nichts weiter übrig, als unter dem feierlichen Protest gegen den neuen Rechts- und Be^ tragsbruch, wie er sich in der Besetzung des Rnhrgebiets und in der erpresserischen Forderung, doch zu unterzeichne«, was wir für unerfüllbar halten, zeigt, unsere Unterschrift unter Unmögliches auch weiter zu verwer- geru. Was dann folgt, kann uns ja auch die Vernichtung bringen, wir haben uns aber dann nicht vertraglich der Gegenwehr begeben und können als freie Männer unser Schicksal selbst bestimme«.
Erweiterung der Regierungskoalition gescheitert.
haben die bisherigen Koalitionsparteien den Versuch einer Erweiterung der Koalition gemacht. Es haben in- erdings Verhandlungen mit den Mehr-
folgedeffen neuerdings Verhandlungen mit den Mehr- Heitssozialdemokraten und auch mit der Rechten stattge- funden. Von beiden Seiten wurde erwidert, daß kein Grund vorliege, der bisherigen Koalition die Verantwortung für das Kommende abzunehmen. In der Fraktionssitzung der Mehrheitssozialdemokraten sprachen sich die meisten Redner sogar mit Entschiedenheit für eine stärkere Betonung der Oppositionsstellung gegenüber er- nem neuen bürgerlichen Kabinett aus.
Protestorganisatione« gegen Giesberts.
** Wegen eines Wiedereintritts des Postministers Giesberts in das neue Reichskabinett sind von emer Anzahl Organisationsausschüsse der Postcmgestelltcn ProtestbeWiise ergangen. In dem Beschluß eines Berliner Postverbandes heißt es, daß unter Giesberts die Pvsttar-fe teilweise auf das achtfache erhöht wurden, denen eine kaum dreifache Erhöhung der Gehälter u^ Löhne gegenüberstehe, ohne daß das Milliardemdeffztt dre Post weniger werde.
Botschafter Dr. Mayer in Berlin.
♦* Berlin. (L.-A.) Der deutsche Botschafttr in Par-is, Dr. Mayer, ist Sonnabend vormittag im Reichstag erschienen und hatte mit seinen FrakttonskolleMN von der Bayerischen Bolkspartei und den Führern des Zentmms Unterredungen. In der Frage^rLosung^r^ ncttskrise ist man unr keinen Schritt weitergckommem Diese Lösung kann allerdings schnell erfolgen, sobald die Fraktionen ihre Stellung zum Ulttmatum endgültig festgelegt haben.
Besprechung der Retchstagsfraktione«.
- Entente Stellung zu überleben, welche Stel-
2. Zahlung der 12 Milliarden Goidmm Arttkel 235 des Friedensvertrages am 1. M> ____ waren und deren Begleichung von der Repara kommission bereits für den genannten Zeitpunkt vev-i langt worden ist.
3. Aburteilung der Kriegsverbrecher unter den Be-» dingungen, wie sie erneut durch die Verbandsnote« vom» 18. L und 17. 5. 1920 festgelegt wurden.
4. Einige andere wichtige Fragen, in erster Anis diejenigen, welche die Artikel 264 bis 267, 269. 273, 321J 322 und 327 des Friedensvertrages berühren.
Sie beschließen deshalb
A. heute beretts alle vorbereitenden Maßnahmen^ zu ergreifen, welche zur Besetzung des Ruhrtales durch die verbündeten Truppen am Rhettl nöttg sind, «ndi zwar unter den in D. vorgesehenen Bedingungen:
R gemäß Artikel 822 des Friedensvertrages die, Reparationskommisston aufzufordern, der deutschen Re-. gieruna unverztiglich Zeiten und Bedingungen für bis Begleichung der deutschen Schuld in ihrer Gesamtheit
zugeben:
schlietzung klipp und klar zu erklären, daß sie ent- schloßen ist:
1. ohne Vorbehalt oder Bedingungen ihre „Verpflichtungen zu erfüllen so, wie sie von der Reparationskommission festgelegt werden,
2. ohne Vorbehalt oder Bedingungen hinsichtlich^ ihrer Verpflichtungen die von der Reparationskomons- sion vorgeschriebenen Sicherheiten anzunehmen und
8. ohne Borbehatt und unverzüglich die Mas men zwecks Abrüstung zu Wasser, zu Lande und i, Lutt, welche der deutschen Regierung durch die bandsmächte durch Schreiben vom 29. gegeben wurden. dltrchzuführen, soweit die rung dieser Maßnahmen bereits fällig ge
lah- der
zu führen, die zu bestimmten müssest >
4. ohne Vorbehalt und unverzüglich die Aburteilung der Kriegsverbrecher vorzunehmen, sowie die Er- süllung der Übrigen Teile des Vertrages, denen Äsbcr noch nicht Genüge getan ist und wovon im 8 1 8k<r Note die Rede ist:
wird.
D, am 12. Mai zur Besetzung des Ruhrtales zu titelt und alle anderen miltärischen Maßnahmen zu fser und zu Lande zn ergreifen bei NtÄterfüyuua obigen Bedingungen durch die deutsche Regiernua. ;se Besetzung wird so lange dauern, bis NAtschlmid unter C. aufgezählten Bedingungen erfüllt «wen
WM