^ersfelöer Tageblatt
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: 5säug Junf in Hersfelö. Kernsprecher Nr. 8. :
Hersfel-er KreisblatS"
Amtlicher Anzeiger für den Kreis Hersfel-
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Nr. 115
Freitag, den 30. Mai
1821
Noch keine Entspannung.
Korfanty droht wieder mit Zerstörung der Bergwerke.
Korfanty veröffentlicht in der »Grenzzeitung" ein Proteptelearamm an Lloyd Georgs worin er scharf gegen dir Oberschlestenrede des englischen Ministerpräsidenten Stellung nimmt. Er droht aufs nene damit, alle Zechen nnd Bergwerke zn vernichten. Keine Macht der Welt könne die Polen von diesem Schritt zurückhalte». Trotz des sogenannten Korfanty'schen Rückzugsangebots macht sich eine Entspannung in Oberschlesien nicht bemerkbar, In verschiedenen Gegenden des Abstimmungsgebiets sind wiedernm Rnfsehen erregende Vorfälle z« verzeichnen.
Das Ritckzngsangebot nur ein Manöver.
«^Das Rückzugsangebot Korfantys stellt sich immer mehr als ein rein taktisches Manöver dar. Bisher sind keine Anzeichen von einem Rückzüge der polnischen Aufrührer zu bemerken. Im Gegenteil, Korfanty ist bemüht, sich Geld zu verschaffen und seine Macht mit allen Mitteln zu befestigen. So verbietet er jede Geldansfnhr aus dem von ihm besetzten Gebiet. Oppeln tut auch weiterhin nichts und läßt zuz daß ganze Ortschaften von den polnischen Banden ausgeraubt und geplündert werden. Vielfach gehen diese Räubereien unter den Augen französischer Soldaten vor sich. Die Kattowitzer Eisenbahner haben es abgelehnt, den sogenannten Enten^ezug nach Oppeln abzulaffen, bevor die Polen nicht die 14 geraubten Lokomotiven zurückgegeben haben.
** Bresla«. Nach Meldungen aus Oberschlesien ist die Front der Insurgenten bei Kosel-Ujest zurückge- rwmmen worden. Korfanty hat die am 16. Mai fällige Löhnung an die Insurgenten nicht zahlen können. Mit Königshütte und Beuthen sind immer nur von Fall zu Fall kurze Fernverbindungen möglich, mit Gleiwitz und Kattowitz überhaupt nicht.
Korfanty erzwingt einen neuen Streik.
' Einige Kattowitzer Gruben und Hütten sind am Mittwoch aufs neue stillgelegt worden. Diese Stillegung ist durch die Aufrührer erzwungen worden dadurch, daß die zur Arbeit kommenden Arbeiter mit Waffengewalt von den Arbeitsstätten ferngehalten wurden. Es ist nicht zweifelhaft, daß Korfanty diesen neuen Proteststreik ebenso aufgezogen hat wie den erzwungenen Generalstreik vom 2. Mai und überhaupt den ganzen Aufruhr.
Die Korfanty-Linie aussichtslos.
*■* Genf. Wie „Echo de Paris" meldet, sind für die bevorstehende Entscherdung des Alliierten-Rates über Oberschlesien drei verschiedene Anträge der verbündeten . _ Wächte eingegangen, und zwar separat von England, Italien und englische und italienische Vorschlag sachlich i daß mit einer Dnrchfetznng der Korfanty-Lin
daß mit einer Durchsetzung der Korfanty-Linie im Obersten Rat nicht mehr zu rechnen sei. Die Teilnahme Amerikas an der bevorstehenden Sitzung des Obersten Rates kompliziere weiterhin die Sachlage zu Ungunsten der polnischen Ansprüche.
Verstärkung der Besatzungsarmee in Oberschlesien.
e-r Havas meldet: Der Botschafterrat hat den Vorschlag der interalliierten Kommission in Oppeln, die von Korfanty zu räumenden oberschlesischen Gebiete von interalliierten Truppen besetzen zu lassen nnd zu diesem Zweck die Besatzungsarmee in Oberschlesien zu verstär- au^enmnmen.
Rücktritt des polnischen Außenministers.
Paris. (F. G.-A.) Ein Warschauer Funkspruch besagt, daß der polnische Außenminister nach längerer Unterrednnq mit dem Ministerpräsidenten im Anschluß an die Beratungen des Kabinettsrates seine Demission gab.
Eine neue polnische Bluttat.
Wie aus äußerst zuverlässiger Quelle verlautet, sind von den Aufständigen aus dem am 14. Mai von ihnen angehaltenen Flüchtlingszug bei Lukasino bei Ratibor die männlichen Flüchtlinge herausgeholt und fünf von ihnen erschossen worden.
Der polnische Lokomotivenraub.
Zu dem Rand von 14 Lokomotiven aus dem Ma- fchincnschuppen des Hauptbahnhofs in Kattowitz in der Nacht zum Dienstag, gegen den Die französische Wache nicht eingeschritten war, erklärte der französische Hauptkommandant, daß die Wache zu schwach gewesen sei, um gegen die Uebermacht aufzutreten. Die polnischen Insurgenten haben ähnlich wie in Kattowitz auch vom Hauptbahn Hof in Beuthen 18 Lokomottven gestohlen.
Verbot der Werbung von FreiWiMsen.
Dem Auswärtigen Amt ist eine Note der Interalliierten Mililärkontrollkomtnissiml zugegaugeu, worin darauf hir,gewiesen wird, daß in verschiedenen Teilen Deutschlands die Anwerbung von Mmwilligen tut Oberschlesien stattfindet. Es wird gefordert, sofort, Matznah- meN zu treffen, um diese Anwerbungen, die in Widerspruch zn den Bestimmungen des FriedensvertrageS stehen, zu verhindern und die Auflösung der in Ober- . schienen bereits gebildeten Formationen herbeiznfiihren. « Die Kontrollkommission bittet um Mitteilung des zn diesem Zwecke unternommenen Schrittes.
Hierzu liegt gleickzeitia eine offenbar amtliche Meldung aus Berlin vor, die die Anwerbung und Bildung : von Freiwilligen-Verbänden untersagt. Sie hat fvlgcn- ■ ^^ Die Not der deutschen Bevölkerung in Oberschlesien , hat in weiten Kreisen des deutschen Volkes, insbesoiidere ' bei den heimatberechtigten Oberschlesiern, den Willen ..wackmernsen, öe» schwer gefährdeten Brüdern in Ober-
schlesieu beizustehen. So großes Verständnis die Reichs, regierung für diese Empfindungen und die große Erregung der Bevölkerung hat, so scharf muß sie den Bestrebungen entgegentreten, die darauf abzielen, öur^ Anwerbung und Bildung von freiwilligen Verbänden, Freikorps usw. den bedrohten Oberschlesiern aus anderen Teilen des Reiches selbständig zu Hilse zu eilen. Hierdurch werden die zur Verteidigung der deutschen Interessen in Oberschlesien eingeleiteten Schritte nicht gefördert, sondern gestört. Die Reichsregierung macht mit aller Entschiedenheit darauf aufmerksam, daß solche Anwerbungen und Zusammenschließungen zu militärischen Verbänden den bestehenden gesetzlichen Bestimmungen
_____________ _____.,_______ _____ jen Bestimmungen zuwiderlaufen und daß Zuwiderhandlungen mit Strafe bedroht sind. Es wird daher zur Vermeidung der gesetzlichen Siraffolgen dringend davor gewarnt, solche Aufforderungen in irgend einer Form zu erlassen.
Oiß Forderungen der llöllWen OßerWier.
In Breslau sind in einer auf dem Schloßplatz ver- anstalteten Kundgebung, an der Tausende von Bres- laucr Männern und Frauen teilnahmen, folgende Forderungen in einer Entschließung erhoben worden:
Fort jetzt mit allem Parteigezänk, fort erst recht mit allen öffentlichen Lustbarkeiten in dem Augenblick, rvo Tausende von Deutschen in Oberschlesien ihr Leben lassen müssen für die deutsche Sache. Wir verlangen ein allgemeines Verbot sämtlicher öffentlicher Lustbarkeiten in ganz Schlesien.
Mit Entrüstung richten wir uns gegen die Verleumdung Vriands, daß Deutschland irgendwie an den Unruhen in Oberschlesien Schuld sei oder tendenziöse Nachrichten darüber verbreite. Selbst Engländer und Italiener haben öffentlich bezeugt, daß alle Unruhen allein von Polen ausgegangen sind und die Berichte von den Tatsachen eher noch übertroffen werden.
Von der Interalliierten Kommission verlangen wir die Verwirklichung ihrer feierlichst übernommenen Verpflichtung, für Ruhe und Ordnung, Frieden und Freiheit in Oberschlesien zu sorgen. Die Interalliierte Kom- unssion hat in jedem Falle die Möglichkeit, durchgreifende Maßnahmen gegen die polnischen Aufrührer zu ergreifen. Dankbar erkennen wir an, daß die Engländer und namentlich die Italiener sich bemühen, dieser Pflicht gerecht zu werden. Aufs schärfste aber protestie
ren wir gegen die Haltung der Franzosen, die und immer wieder gleichgültig bei Seite stehen, nicht gar Partei für die Aufrührer ergreifen.
immer t, wenn
Mit allem Nachdruck wenden wir uns gegen die Ver- Handlungen der Interalliierten Kommission mit Kor- MWWMMWWMM ' ZüLmarkattouslin' du
W&______ _____,._,_... —w——.
den wir dulden, daß wir, wie einstens in Posen, vor
vollendete Tatsachen gestellt werden und das durch die Abstimmung als überwiegend deutsch erwiesene Oberschlesien irgendwie im Sinne der Aufführer geteilt wird.
Wenn die Interalliierte Kommission ihre Hobeus- rechte nicht ausübew-kann und nicht ausüben will, so ist es Recht und Pflicht des deutschen Volkes, den oberschle- sischen Volksgenossen jede von ihnen geforderte Hilfe zu gewähren. 4p bWü ßeorge M feine geOanplungen auML
Lloyd George übergab der Agentur Reuter folgende Erklärung: Ich halte die Erklärungen aufrecht, die ich im Unterhause bezüglich Oberichlesiens machte. Natürlich übernehme ich nur die Verantwortung dafür, was ich wirklich sagte, und nicht für die verstümmelten Berichte, wie sie die französische Presse wiedergab. Die nahezu einstimmige Billigung, welche sowohl die amerikanische wie auch die italienische und die englische Presse der Meinung, die sich ausdrückte, gab, zeigte, daß die großen Völker, welche an der Seite Frankreichs im Westen gestanden haben, den Vertrag von Versailles in billiger Weise auslegen wollen. Ich war noch niemals Zeuge einer solchen Einstimmigkeit in irgendeiner Frage. Alle Schattierungen der öffentlichen Meinung in diesen drei Ländern haben denselben Standpunkt eingenommen. Es wäre bedauerlich, wenn die französische Presse eine abweichende Anschauung vertreten würde. Wir müssen Meinungsverschiedenheiten untereinander vertragen.
Mit allem möglichen Respekt muß es hier der französischen Presse zu sagen gestattet fein, daß die Gewohnheit, jede alliierte Meinungsäußerung, welche nicht mit der französischen zusammentrifft, als eine Unverschämtheit zu behandeln, sehr schädlich ist. Wenn man in diesem Geisteszustände beharrt, so würde das für jede Entente verhängnisvoll sein. Die von der öffentlichen Meinung in England, Amerika und Italien angeuom- mene Haltung in der oberschlesischen Frage darf Frankreich nicht beleidigen. Diese öffentliche Meinung hält sich an den VerMiller Vertrag. Sie will die Bestimmungen des Vertrages mit Gerechtigkeit anwenden, ob dies für ' oder gegen Deutschland geschieht. Das Schicksal von Oberschlesien muß vom Obersten Rate und nickst von Körsanty entschieden werden. Es darf den Kindern nicht gesiattet werden, straflos das Tafelgeschirr von Europa zu zerbrechen. Man muß ihnen Zügel anlegen, sonst wird es unaufhörlich Schwierigkeiten geben. Der Gang der Ereignisse in der Zukunft kann nicht vorausgesehen werden. .kieute sind die Wolken am Horizont dichter als gewöhnlich. Alles wird von der Einigkeit der Alliierten abhängen.
Diese Erklärung von Lloyd George findet in der französischen Presse noch keinerlei Kommentar.
Die französische Presse gibt resigniert nach.
ew- Die französische Presse vertritt einmütig den Stanb- Punkt, Lloyd George wegen seiner Rede nicht mehr an-, zugreifen.
Die Zahlung der ersten BoMmllliarden.
»* Der „Temps" berichtet: Der Wiedergutmachungsausschutz ist durch einen vom 15. Mai datierten Brief davon in Kenntnis gesetzt, daß Deutschland sofort 150 Millionen Goldmark bezahlen werde. Der Brief trägt die Unterschrift des Staatssekretärs Bergmann, der W- mit zum ersten Male seit feinem mittlerweile zurückge- nommenen Rücktrittsgefftch wieder als Leiter der deut-i schen KriegSlastenkourmission hervortritt. Nach dem
.chen KriegSlastenkourmission hervortritt. Nach „Temps" wird die erste Milliarde wahrscheinlich ______ Garantiefonds für den Zinsendienst und die Amortisation des ersten Abschnitts der deutschen Obligationen im Werte von 12 Milliarden zugeführt werden, damit diese gleich nach dem 1. Juli auf den internationalen Geldmarkt geworfen werden können.
Die glimme von 150 Millionen Goldmark verteilt
beut;
sich wie folgt: 11675 000 Dollar, 3 500 000 Pfund Ster-. ling, 22 000 000 französische Franken, 4 000 000 Schweizer Franken, 12 000 000 belgische Franken, 2 000 000 holländische Gulden, 61a Millionen dänische Kronen, 3 000 000 schwedische Kronen, 3 500 000 norwegische Kronen, 8 500 000 spanische Pesetas. Zum Neuporter .Kurse vom 13. Mai »ungerechnet, ergibt das ungefähr 140 Millionen Goldmark, welche sofort in Schecks überwiesen werden können. Die restlichen 10 Millionen Goldmark erklärt sich die deutsche Regierung bereit, sofort dabm zu schaffen, wohin die Reparationskomurffston es will. Diese setzte sich sofort mit der Bank von Frankreich und mit der Bank von England in Verbindung, um diese Summe in amerikanischen Dollars zu konvertiere;».
Rückzug der frauzufifche» Einmarschtruppen.
Wie aus Solingen gemeldet wird, hat am Mittwoch die Zurückziehung eines Teils der französischen Besatzung aus dem Kreise Solingen begonnen. Am Donnerstag sollen weitere Truppenteile abrücken. Die abziehenden Truppen kehren aber noch nicht nach Frankreich zurück, sondern sollen vorläufig auf Truppenübungsplätzen in der Umgebung von Köln uirtergebracht werden.
Die Aufhebung der Zwangsmaßnahmen.
Paris. (F. G.-A.) Wie verlautet, ist der eng-; lische Vertreter der Rheirrlandkommiffion nach London gerufen worden. Diese Reise wird in Zusammenhang! gebracht mit einer Note der englischen Regierung, in der
Dre ersten Kriegsdeschuldigten-Prozeffe.
Wie der „Temps" meldet, hat die deutsche Regierung angezeigt, daß die ersten Prozesse gegen die von Frankreich geuaunten Kriegsbeschuldigten im Juni vor 1 dem Reichsgericht in Leipzig stattfinden sollen. Die französischen Zeugen werden unter Begleitung eines Vertreters des nanzösilcheu Iustizministers sich nach Eingang der deutschen Vorladungen nach Leipzig begehen.
Frankreich anf der Lauer.
«^ Genf. „Havas" meldet, Satz das französische Kabinett beschlossen hat, unbeschadet der Haltung der übrigen Alliierten die gegen Deutschland getroffenen militärischen und wirtschastlichen Vorbereitungen solange in der Schwebe zu lassen, bis die beiden ersten Zahlungen durch Deutschland eingegangen sind und bis die Abirr- teilung der von Frankreich genannten Kriegsbeschnlöig- tcn durch die deutschen Gerichte erfolgt ist.
Die Entwaffnung Bayerns.
w München. Der Reichskommissar für die Entwaffnung trifft am Donnerstag nächster Woche in München ein. Sein Besuch hat vorläufig informatorischen Charakter. Die bayerische Regierung hat die von der Reichs- regierung eingeforderte Aufstellung des im Besitz der bäuerischen Einwohnerwehren befindlichen gesamten Waffeumaterials nach Berlin abgehen lassen.
Verhandlungen mit Bayern.
** Berlin. (B. T.) Zwischen Bayern und dem Reich haben in der Frage der Entwaffnung der Einwohnerwehren Besprechungen stattgefunden, die von Seiten des Reichs vom Reichskanzler und dem Reichsminister des Innern geführt wurden.
Dr. Mayer bei Briaud.
** Genf. Der deutsche Botschafter Dr. Mayer stattete am Ntittwoch Briaud einen Besuch ab und erklärte ihm im Namen der deutschen RegiertUtg, Satz Deutschland evsschlossen sei, die Beöingmigett des Ultimatums zu des vorgeschriebenen Fristen vollständig zu erfüllen. Im besonderen teilte BrianS mit, Satz der Reichskanzler Dr. Wirth bereits Auftrag gegeben hat, Sie Entwaffnung zu beschleunigen. Mid Satz die notwendigen An- vrSiulitgetl erteilt worden sind, um die erste Milliarde Goldmark zu bezahlen.
Neue Entgegnung Briands.
te Paris. Briaud hat zu der Kundgebung Lloud Georges, die er durch das Reuterbüro verbreiten lietz, in zwei Erklärungen Stellung genommen. Dem Vertreter des „Nenyork Herald" gegenüber äußerte es sich dahin, daß LloyS George gegenwärtig eine kurze Spanne schlechter Samte zn überwinöen habe, datz dies aber bald vorübergehen werbe, ohne Schlimmeres anzurichten. Dem Vertreter der „Daily Mail" erklärte er: Auch wir wünschen.