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hersMöer Tageblatt [Sssisss j Hersfelder Kreisblatt' [ i %iSfÄJ^: Amtlicher Anzeiger für den Kreis ^etsfdd !

Anzeigenpreis für die einspaltige Petitzeile oder »erenRaum 4dpfennig, für auswärts 60pfennig, »ie Reklamezeile 1.50 Mark. Bei Wiederholungen Nachlaß. §ür die Schristleitung verantwortlich Kranz Zunk in Hersfeld. Kernsprecher Nr. 8.

Erscheint jeden Wochentag. < der Bezugspreis be­trägt im voraus zahlbar, für Hersfelü 7.50 Mark, durch die Post bezogen 7.80 Mark, bei freier Zu­stellung ins hau». * druck und Verlag von Ludwig Zunks Buchdruckern in Hersfeld.

Nr. 116

Sonnabend, den 21. Mai

1921

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Briands Ratschläge.

Deutschland soll Oberschlesien «ehrlos preisgebe«.

b» Aus Paris wird gemeldet: Bei dem Besuch des Botschafters Dr. Mayer bei Briand wurden nach der of­fiziellen Erklärungnur oberschlesische Dinge" bespro­chen. Nach zuverlässigen Meldungen drehte sich die Un­terredung aber um das ganze oberschlesische Problem. Dr. Mayer gab für die deutsche Regierung die Zusiche- rmg, daß keine Reichswehrtruppen «ach Oberschlesien kÄtten. Briand ermähnte wieder, die oberschlesische Grenze z« schließen, Waffensendungen zu verhinvern und dafür zu sorgen, daß keine deutschen Freiwilligen sich i« Kämpfe mit deir Polen einließen. Die Forderun­gen wurden nach Berlin übermittelt.

Korfanty organisiert Raubsüge.

ih- Aus Paris wird gemeldet: Nach Alarumachrichten aus Oberschlesien werden die von den Polen in Katto- witz und Beuthen gestohlenen Lokomotiven in Panzer­züge für Raubzüge über die Koxfantygrenze hinaus um- gewandelt. Nach Berichten überschreiten schwer bewaff­nete Verstärkungen für die Insurgenten die polnische Grenze, deren Wachen sie nur ungenügend sperren. Korfanty droht Lloyd George ultimativ am daß, wenn die Briten sich weigern, den industriellen Bezirk Polen Mzusprecheu, er alle Grube« zerstören lassen werde.

Der polnische Terror.

** Täglich gehen aus den Ortschaften des Zentral- industriegebiets in Oberschlesien neue Jnsurgenten- Kansporte an die Front ab. Offenbar befürchtet man polnischerseits das Einsetzen der deutschen Setbstschutz- «ftion, deren mögliche Offensive jedoch auch tm okku­pierten Gebiet als verhängnisvoll angesehen wurde. Gewisse Jnsurgententruppen entgleiten ofsenstchtuch ih­rer Führung aus den Händen. Der Einfluß der wen.k- aen polnischen Führer auf die Jnfurgentenmassen ist Acht mehr vorhanden. Gegen die deutsche Landbevolke- rung werden vielfach von den Putschisten Strafen ver­hängt und unter der Androhung der Strafverhangung Lrpressuugeu vorgenommen. Die Aus- und Eingänge hon Kattowitz sind immer noch hermetisch abgeschlossen. Der Kreiskontrolleur erklärte, alles zu tun, um der Kattowitzer Arbeiterschaft zu ermöglichen, ihre auswärts gelegenen Arbeitsstellen aufzusuchen, was ledoch von |ä» ä*« Faltung leitete eine Hilfsaktio« ein, um die an der Ar- gewaltsam verhi^

bie Wen griffen. Der Angriff wurde abgeschlagen. Der Lebcus- mittelmangel macht sich imm-ir Mehr bemerkbar. Ber- toiebene Dörfer find neuerdings von den Polen besetzt worden. Die wehrfähigen Männer werden aufgesvrdcr., der Fahne der Aufrührer beizutreten. >

Marschan bläst zum Rückzug.

T In der Sitzung des polnischen Sierchstage^ gab un- ter stürmischem Beisall MlUisterprastdent Wstos be­kannt, die französische Regicriing habe soeben nutgetutt, sie werde nicht zulassen, daß die oberschlesische Frage an­ders als auf der Grundlage des Versailler Vertrages und des AbUmmungsergebnisses entschieden werde. Sie werde auch nicht zulassen, daß bewasfuete deutsche K1 te.- luuaen oder deutsche Munition über die oberschlemche Grenze gelangten. Kaum hatte sich der frenetische Bei­fall des Hauses über die erneute Zustcherung der sran- zösischen Nuterstützung gelegt, so folgte der etwas ernüch­ternde Satz, daß angesichts dieser Zusage die polnische Regierung sich erneut an die Leitung der Ausitandlschen wenden werde mit der Aufforderung, die Ausstandsbe- nieauna au liguidieren und so die Möglichkeit einer ge­rechten Entscheidung über das Schicksal Oberschlesiens durch die Verbündeten zu geben.

Truppenverstärkungen für Oberschlesie«.

^ Nach einer Meldung des PariserMatm" hat der Oberste Rat in seiner Sitzung am Donnerstag vorrmt- taa zwei Divisionen alliierte Truppen der luteralllierte« @nmmiifion in Oppel« zur Verfügung gestellt. Der EU dementiert, daß sich General Nollet (?) mit Aücktrittsgedauken trägt.

gilt Erlaß des Breslauer Erzblschvss.

DieSchles. Vvlksztg." bringt einen Erlaß des Kar- dinals und Erzbischofs Bertram für das besetzte rber= schlesische Diözesaugebiet, in dem er dre Geistlichen auf- fordert, in den besetzten Gemeindeu, wo Gottesleust und Seelsorge teilweise oder ganz aufgehort haben, Au»- bilie leisten. Sie sollten dabei beruhigend aus tue Bevölkerung einwirken und besonders auf das Verbre­cherische der Angriffe auf Leben und Habe der Nickmeu- N mit allem Freimut und Nachdruck Hinweise». Der Kardinal wiederholt seine Ermahnungen zu gleicher Ge­rechtigkeit, gleicher Liebe gegen die Parachianen gleicher SpraN mch Richtung Fernerhin weift..er darauf hin, daß sich die Geistlichen jedweden Polityierens cn der Kirche und bei der Seelsorge enthalten und in der Aus. fv Übung politischer Jiechie ein würdiges Rias; enthalten ; sollen Außerdem warnt er vor verhetzender und ver-

Berlin. Das hiesige polnische Konsulat ruft Leu : Jahrgang 1901, der erst am 1. Oktober dienstpflichtig ist, zur sofortigen Gestellung auf.

Asquith für Unteilbarkeit Oberschlesiens.

.x- Rotterdam. DerCoilrant" meldet: Iru Unter- Haufe erklärte am Donnerstag Asqn,th im Namen der

Liberalen, daß seine Partei keine andere Lösung der oberschlesischen Frage anerkennen könne, als diejenige, die der Volksabstimmung und damit »er Unteilbarkeit Oberschlesiens entsprechen würde. Asquith forderte die Regiernug auf, durch internationale Kredite Deutschland die Möglichkeit zu geben, mit wirtschaftlichen Leistungen die Milliardenverpflichtnngen des verlorenen Krieges abzrriragen.

vor der Entscheidung.

Wenn es nach Frankreichs Wunsch ginge, müßte zu­nächst einmal über das französisch-polnische Abenteuer in Oberschlesien ein paar Wochen Gras wachsen. Natür-. lich müßte inzwischen alles beim Alten bleiben, das heißt: Die Polen müßten sich unter französischem Protek­torat weiter in Oberschlesien festsetzen, bis ihreHerr­schaft" so konsolidiert ist, daß niemand mehr, selbst Eng­land nicht, dran zu rütteln vermöchte, ohne neue gewal­tige Störungen der scheinbaren Ruhe Heraufzubeschwö- ren. Frankreich tut daher alles, um eine baldige Ent­scheidung in der oberschlesischen Frage zu vermeiden. Es dementiert die offiziöse englische Meldung, daß eine demnächst stattfindende neue Konferenz des Obersten Rates die Entscheidung herbeiführen soll, und erklärt im Gegenteil, daß von französischer Seite eine derartige Honferenz für gänzlich überflüssig gehalten werde. Eine seiche Aussprache- sei, so erklärt die Pariser Presse, Frankreich weder eilig noch unerläßlich. Man macht da­bei Lloyd George so offensichtlich Opposition, daß es den Anschein hat, man wolle in Paris die Dinge auf die Spitze treiben, und tatsächlich liegen ja genügend An-

Spitze treiben, und tatsächlich liegen ja genügend An­zeichen vor, daß sich der französische Chauvinismus durch die abschwächende Haltung Lloyd Georges, den mau durch die Bezeichnung als Schiedsrichter für deutsch-französische Angelegenheiten zu diskreditieren versucht, stark behindert fühlt. Man würde nur zu gern seine volle Handlungsfreiheit wieder gewinnen, von der man dem wehrlosen Deutschland gegenüber, zunächst einmal durch die Besetzung des Ruhrreviers, reichlichst

Gebrauch machen könnte. .. ';

Mit dieser Haltung steht allerdings Frankreich, von seinem Trabanten Polen abgesehen, ziemlich allein. Eng­land und Italien drängen auf eine baldige Entscheidung. Reuter betont immer wieder, daß der britische Stand­punkt gegenüber der Frage einer Teilung Oberschlesiens völlig unparteiisch sei, und daß man ur London unter allen Umständen an der Vertragstreue gegen Polen wie - "" 1 - ...^^-- ^to die ober-

n übe

u von lzhäusern

Lm daß das polnische Unternehmen in Oberschlesien von den französischen Behörden unterstützt wordeil sei und die britische Regierung sich einer folgen Politik nicht anschließen würde. Da die englische, Re­gierung eine derartige Sprache kaum fuhren wurde, wenn sie über die tatsächlichen Vorgänge in Oberschle- sien nicht auf das Genaueste unterrichtet wäre, kommt der französischen Antwort, in der die Schuld auf Deutsch- laud geschoben wird, keine nennenswerte Bedeutung zu.

Auch Italien nimmt ganz den englischen Standpunkt ein. Frankreich habe genau wie die übrigen Signatar- mächte den bestehenden Vertrag auszuführen,' davon daß Frankreich irgend etwas zu erlauben oder nicht zu er- tauben hätte, könne gar keine Rede sein. Endlich meldet sich auch Amerika zum Wort, dessen Presse ebenfalls am die große Gefahr einer weiteren Verzögerung der Ent­scheidung über Oberschlesien hinweist. Trotz ihrer son­stigen franzosenfreundlichen Haltung unterlaßt sie ev nicht, Frankreich zum Bewußtsein zu bringen, daß sich durch sein Verhalten in der oberichlesischeu Frage in die Gefahr begibt, nicht nur politisch, sondern auch moralisch isoliert zu werden.

Von Paris aus beginnt man, unter dem Eindruck der Rede des englischen ^imft^

wenig einzulenken. Die englinh-französtuhe Uiistimmig- keit sei nur auf eine mißverständliche Amstegung der Rede Lloud Georges Mrückzuführen, über die durch ei­nen telephonischen Gedaukenauswusch zwischen Parw und London bereits Klarheit geschaffen fei. Man kün­digt sogar auch schon ein flemeinfamed Ue^ der beiden Regierungen an, das ovram-uchtlich zu einer Lösung der oberschlesischen Frage fuhren werde. Ge­naueres wird man voraussichtlich aus der angekuiidig- ten Kammerrede Briands erfahren, in der er aller Wahrscheinlichkeit nach Llvyd George.die Antrvort nicht schuldig bleiben wird.

England für sofortige Entscheidung.

w Die Reuteragentur meldet, daß England an der EGben'fiing des Obersten Rates zur schleunigen En -

ÄS &nW Die Einberufung

des Obersten Rates steht unmittelbar bevor.

>x Weiter wird aus Paris gemeldet: Wie es beiyt hat sich die englische Regierung gegen lede Be,eyn»g Oberschlesiens ausgesprochen mit der ^egrnudnng, ^ an ein derartiges Vorgehen im Gegematz üaude zu . dem Bermiller Vertrag. England hat den Wumch anag^pro- chen, es möge so rasch wie möglich eine Konferenz der Ententemächte über Oberschlesien abgehalten werden.

Der Rückzug der Ententetruppen.

»X- Aus Duisburg wird gemeldet: Am Donnerstag haben 2N00 Mann alliierte Truppen Duisburg verlas­sen. Auch aus Rubrort sind 3500 Belgier und Frauzo-

feu über den Ryem zurückgezogen woroen. Lne Dreyen, zahl der schwarzen Truppen bleibt in der besetzten rechts rhÄnischen Zone.

Für schnelle Räumung des rechtsrheinische« Gebiets.

* DieTimes" melden: Im Unterhause hat die Ar­beiterpartei den Antrag eingebracht, das Haus mögs die sofortige Zurückziehung der alliierten Truppen aus dem rechtsrheinischen Gebiet von der Regierung verlan­gen, sobald Deutschland durch die erste guten Willen bewiesen habe. Der A . abend nächster Woche zur Debatte kommen.

e Zahlung seinen utrag soll Sonn-

Die deutsche Antwortnote an Rollet überreicht.

** Die deutsche Antwort auf die «eue Entwaffnungs- uote der Entente ist Donnerstag abend dem General Rollet übergeben worden. Die Reichsregterung nimmt! in ihr die nenen Auflegungen des Versailler Vertrages! an. Am Abend befaßte sich das Retchskabinett mit der Reparationsfrage. Die durch das letzte Entente-Ulti-, matum notwendig gewordenen Gesetzentwürfe, die der! Aufbringung der fällig werdenden Zahlungen an die: Entente dienen, sollen bereits Anfang Juni tm Reichs­tag verabschiedet werden.

Zur Eutwafsuuua Baverns.

** Die Sitzung des bayerischen Kabinetts am Don­nerstag hat keinen Beschluß zur Entwaffnung der Ein­wohnerwehren gebracht. Nach einer Information aus dem Ministerium des Innern besteht die bayerische Re­gierung auf ihrer Erklärung vom Februar ö. I., wo­nach. die Durchführung der Entwaffnung dem Reich über­lassen werden soll.

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Die Auslieferung der letzte« Luftschiffe.

Stuf Grund des Londoner Mtimatums hat die In­teralliierte Lustfahrkontrollkommission dem Auswärti­gen Amt unter dem 18. Mai 1921 eine Note zugehen lassen, die sich mit der Frage der Entschädigirng für die im September 1919 zerstörten sieben Marinelustschiffe befaßt. Es wird darin die Auslieferung der beiden Zi- vrllufrschisfeNordstern" undBodensee" verlangt, und zwar soll dieNordstern" noch vor dem 20. Juni 1921' an Frankreich abgeliefert werden, während sich die Kon­trollkommission wegen des Zeitpunktes der Uebergabe der Italien zugewiesenenBodensee" eine weitere Mit­teilung vorbehalten hat. Was die Entschädigung für die übrigen fünf Luftschiffe anbelangt, so kann diese nach der Entscheidung der Botschafterkonferenz in Gold, aber auch in Ersatzbauten geleistet werden.

Der Wiederaufbau Norbfraukreichs.

o-* Im Wiederaufbauministerimn fanden am Donners-

Woche W Wiederaufbauministeriums nach Paris begeben, um di­rekt mit dem französischen Wiederaufbauminister zu: verhandeln.

Amerika und der Versailler Vertrag.

w DerMorningpost" wird aus Washington gemel­det, der amenkanische Außenminister gab in Senats- ausschuß eine Erklärung über Deutschland und den Ver­sailler Vertrag ab. Er sagte, wenn der Friedenszustand mit Deutschland hergestellt sei, werde Amerika diejenigen Bestimmungen des Versailler Vertrages zu kontrollieren haben, die die Interessen Frankreichs betreffen. Dazu gehört, daß keine neue Forderungen aufgestellt würden, als im Vertrage festgelegt sind, und daß keine Bestim­mung des Vertrages anders gedeutet würde, wie sie ge­meint fei, als Deutschland den Vertrag unterschrieben habe. Für das Schicksal Oberschlesiens sei die Volksab­stimmung maßgebend. Amerika sei an der Grenzfest- fetzung nicht interessiert.

Abberufung der englischen Zollbeamte«.

*-* Berlin. Nach Meldungen aus Coblenz und Köln, sind die englischen Zollbeamten, die zur Zollkontrolle au der neuen Rheinzollgrenze seit dem 20. April rechts des! Rheins stationiert sind, am 18. Mai für den 1. Juni ab-, berufen worden. Dagegen meldet eine Havasdepesche vom Donnerstag, daß für Frankreich die Aufrechterhal­tung der Rheinzollgrenze die Voraussetzung fitr eine Aufhebung der militärischenSanktionen" des Rheins bleibe.

Schwarze im Brückenkopf Kehl.

>* Karlsruhe. Donnerstag abend ist die seit dem 1. Mai bestehende militärische Absperrung der Rheinbrücke« von den Franzosen wieder aufgehoben worden. In den Brückenkopf Kehl ist das 4. marokkanische Bataillon, das nur aus Farbigen besteht, eingerückt. ES löst die bis­herige weiße Besatzung ab.

Neue Konferenz des Obersten Rates.

** London. (F. G.-A.) Auf Einladung der eugli- fdien Regierung haben jetzt die italienische und franzö­sische Regierung sugeingt, an der demnächst stattfiuden- den Konferenz des Obersten Rates teilzunehmen. Auf der Konferenz soll ausschließlich die oberschlesische Frage erörtert werden. Die amtliche Mitteilung ist am Don­nerstag in London eingegangen. Das Datum der Kon­ferenz ist noch nicht festgelegt, da augenblicklich noch nicht abzuseheu ist. wie lange die Kammerdebatte in Paris noch dauern WKV und wann der französische Minister­präsident abkömmlich ist. Es wird daher als sicher an­gesehen. daß die Zusammenkunft nicht vor Montag früh stattfinden wird. Graf Sforza ist bereit, sofort zu er schei­nen. Die Konferenz soll in Boulogne stattfiuden.

^ Rom. F. ZK lieber die von Italien auf der nächsten Ctttkiitekvuferenz einzunehmende Haltung, wie sie Giolitti and Graf Sforza festgelegt haben, verkalktet offiziös, daß man sich streng an die Bestimmungen deL Versailler Vertrages halten werde.