HersMer Tageblatt
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Kranz Kunk in Hersfeld. Kernsprecher Nr. 8. :
hersfel-er Kursblatt"
Amtlicher Mnzeiger für den Kreis yersfel-
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Nr. 117
Montag, den 28. Mai
1931
Das Programm Dr. Mrths
Reichskanzler Dr. Wirth erklärte im Verlaufe einer Unterteilung mit dem Chefredakteur des Blattes „Der Deutsche" über die Enkwaffnungsfrage in Bayern, daß die Reichsregierung weder ein Ultimatum noch eine Rote nach Bayern gerichtet habe. Er stehe aber mit den maßgebenden Männern in Bayern in steter Fühlung «nd habe die Ueberzeugung gewonnen, daß die Lösung des Entwaffnungsproblems gelingt und d<" Bayern alles so vollzieht, wie es notit ,. .
aus der schwierigen «Situation zu retten.
Auch die übrigen Forderungen der Entente werde«, wie Dr. Wirth betonte, nach Möglichkeit erfüllt werden.
_,: und daß sich in tätig ist, um das Reich retten.
Das Kabinett sei augenblicklich mit der Ausarbeitung »er Borschläge zur Erfüllung der finanziellen «nd wirt- Waftlichen Bedingungen des Mtimatums beschäftigt. Reichskanzler Dr. Wirth wird dem Reichstage bei sei- Nem demnächstigen Zusammentritt entsprechende Vorschläge sofort unterbreiten, und er wird versuchen, sie in «rscher Aufeinanderfolge im Parlament durchzubringen, damit wir größere Mittel für die Reparationssumme flüssig machen. Bei der Vorlage dieser Gesetzentwürfe wird es sich entscheiden, ob der Reichstag und die Parteien willens seien, die von dem Kabinett begonnene Po- fitik fortzusetzen.
Dr. Wirth erwartet angesichts der großen Not des deutschen Volkes die ehrliche Mitarbeit aller Parteien. Sollten die Borschläge aber eine Ablehnung erfahren, ' ‘ seitens der Parteien ergänzende ™v_ ___________^*,„;läge gemacht würden, die sich als eine Verbesserung der Regierungsvorschläge kennzeichnen und auf Grund deren das Ziel, das nur ja alle Mießlich wollen, erreicht wird.
Weiter wird gemeldet: Der Reichstag nimmt seine Beratungen, die durch die Pfingstferien unterbrochen wurden, bekanntlich am 3L Mai wieder auf. Gleich in der ersten Sitzung wird, wie wir hören, der Reichskanzler Dr. Wirth eine große programmatische Rede Mten. Darin wird er unter anderem dem Reichstag Mitteilung machen über die Art der Erfüllung der deutichen Reparationsverpflichtungen gegenüber der Entente.
Ferner wird sich der Reichskanzler ausführlich iiber das oberschlesische Problem äußern, das bis dahin hoffentlich gelöst sein wird. Die Reichsreglerung dringt jedenfalls auf eine beschleunigte Lösung der overfchlesi- schen Frage, die wegen der Unsicherheit in der Kohlen- erfafsung bereits beginnt, für Deutschland und seme übernommenen Kohlenlieferungen auf das nachteiligste
so nehme er an, daß 1 oder abändernde Vorschläge
weit gediehen sein werden, um endgültig dazu Stellung nehmen zu können. Fest steht aber, daß Steuerprojek- ten erzbergischer Natur, wie sie wahrscheinlich vom Kanzler eingebracht werden dürsten, kaum eine- Mehr
Heit beschteden sein wird. Mc rechnen, daß Deutschnationale, _________ _____________
ein Teil der Demokraten, der rechte Flügel des Zentrums und wahrscheinlich auch die Kommunisten eine Dr.-Wirth-Steuerpolitik ablehnen werden."
rungen gedacht gewesen seien und nach Annahme de- Ultimatums seitens Deutschlands nicht mehr aufrecht er» halten werden könnten.
Beufflen und fiönigsfjütte Bedroßt
Wie sich nach den vorliegenden neuen Meldungen schon heute feststellen läßt, tragen die von Dr. WiW in Aussicht genommenen steuergesetzgeberischen Maßnahmen zur Aufbringung der Lasten für die Reparation einen starken erzbergerischen Zug. Sie sind auch zum Teil von Erzberger in der letzten Zeit zur Durchführung empfohlen worden.
Zur Konferenz in Voulogne.
Das englische Kabinett für Urteilbarkeit Oberschlesiens.
** Die „Morningpost" erfährt, daß das englische Kabinett sich vor den Mitteilungen Lloyd Georges an den Reutervertreter mit Einstimmigkeit dafür erklärt habe, daß nach dem Versailler Vertrag Oberschlesie« auf Grund der Bolksabstimm««g als unteilbar anznsehe« sei.
Grenzrcgulieruugskommisstou für Oberschlesie«?
Wie von unterrichteter Seite mitgeteilt wird, geht man in Londoner amtlichen Kreisen mit dem Gedanken um, dem Hohen Rat die Bildung einer eigenen Grenz- regulierungskommisswn in Oberschlesien vorzuschlagen. In der Hauptsache soll sie aus Zivilkommissaren bestehen, welche nach den Bestimmungen des Versailler Friedens- vertrages auf Grund der Abstimmung die Grenzen festsetzen sollen. Militärische Sachverständige dürfen nur eine beratende Stimme haben. Ob Amerika sich auch an der Grenzregulierungskommission beteiligen wird, läßt sich noch nicht erkennen, zumal die ganze Angelegenheit noch keine feste Form angenommen hat. Falls aber die Grenzregulierungskourmission nach dem Muster der Hohen Rheinlandskommission errichtet wird, hofft man, daß Amerika in dieser wichtigen Frage nicht abseits stehen wird, wie man überhaupt in England es gerne sehen würde, daß Amerika sein gewichtiges Wort in dieser Angelegenheit mitspricht. Den Vorsitz der Grenzregu- liernngskommission dürfte ein Italiener übernehmen.
Amerikas Teilnahme am Oberste« Rat.
»* Am Freitag abend überraschte der neue amerikanische Botschafter in London, Harvex, in der sch wähnten Begrüßungsfeier den Pariser Oberster. LLnOKe Welt durch die Nachricht, daß der Präsident ihn
ion er-
zu wirken.
en sät die Zablnvqen.
en Rat
kntente-Uüimatums notwendig werbenden nt sollen, wie wir hören, die Sachverständigen Woche im Reichsamt des Innern gehört werden. Um die notwendigen und erheblichen Zahlungen an die En- teute sicher zu stellen, ist mit einschneidenden gesetzlichen Maßnahme^ des Reiches auf verschiedenen Gebieten der Wirtschaft zu rechnen.
Die neuen Steuerpläne.
Bei den Beratungen, die seit der Annahme des Ul- timatums iiber die Aiisführnng der iibernommeiwn Verpflichtungen stattfindeu, handelt es sich iricht um voll g neue Pläne. Vielmehr hatte Dr. Wirth, als er sich zn. Annahme des Ultimatums entjchlotz, bereits Projekte zur Ausführung der Ententeforderungeil ausaearbeitet. Auf Grund dieser seiner Pläne glaubte er die Annahme -es Ultimatums verantworten zu können. Den letzigen Beratungen des Ressorts liegen also rene Plane Dr. Mirths gründe. Am klarsten umnifett tit biv jetzt der ftttanzielle^eil des großen R-parationsplanes Im einzelnen sieht dieser Finanzplan vor: eine Erhöhung der Kohlensteuer, die den Preis der Kohlen auf oie Hvh^ des Weltraarktpreises bringen,soll, ferner eine Crhöh«ng der Körperschaftsstener, um die bis jetzt m den Steuer- Metetcen allxu aüilstig gestellten Gesellschaften mit be- EfiÄfS erfassen zu können, weiter eine Cr- Höhuug der Tabaksteuer, eine Erhöhung der Brannt- S»Ä^
^L?» SÄÄ HS-m w M aosnahmtzlos um Steuern handelt, deren jetziges^ Ar- veau auf der Briisseler Ftnarrzkonferenz von deilSach- rerftänöiaen der Entente beanstandet wurde, weil die betreffenden Nahrungs-, Gebrauchs- und Gemmmittel in ften Ententeländern höher besteuert sind, al» in ^^Z^den' Steuerplänen Dr. Wirths und deren vor- au § sichtlidie Aufilahme durdi die Parteien schreiben die "Zpz N N " u. a.: „Dr. Wirth, dessen Hauptaufgabe ?nnÄ''darin besteht, die neuen Grundstenergesetze aus- anortitelt und dem Reichstag zur Besclilußwssnng vor- t reaen sann fid) bierin nur auf die Socialdemokraten, intd einen Teil der Demokraten stützen.
SoiSiWi» werten di- WW MMjz« MW ä hws $S»«M?W Ä Sn i c unter feinen Umständen äWMü, sondern tefarf bekämpfen werden. Voraussichtlich tagt der vHdmmn ieiuern Wieherzusammelitritt noch im
f dann erst wieder im Herbst zusam-nen-
-M^mmiien ' Dann aber schlägt die Entscheidnngsstunde
, stand zu sümpfen haben wird. Der Eintritt einer Kn sis vor der Sommerpaltse ist nM zu erwarte, da dafiiu die Gesamtpläne des Rcickskannlers uoä) nta)t io
das Gegenteil bekannt gegeben Hatte. Dieser Ni bedeutet einen großen Erfolg Lloyd Georges, aber auch den großen Ernst der Berhandlungskrisis. Von der Vorkonferenz zwischen Brianö und Lloyd George ist jetzt
keine Rede mehr.
Keine Vorkonferenz.
w London. (B. 3.) Reuter zufolge werden im Gegensatz zu den Meldungen aus Paris Briand und Lloyd George nicht vor der Tagllng des Obersten Rates zusammenkommen. Alle Länder, (Großbritannien, Frankreich, Italien, Japan und auch Amerika, werden auf der Konferenz vertreten sein. Lloyd George, bringt das Ende der Woche außerhalb Loudoirs zu.
Warnung Lloyd Georges an Frankreich.
London (F. G. A.) Lloyd George hat nochmals die Gelegenheit benutzt, um in seinem Organ, her „Daily Chronicle", den Franzosen eine Warnung zn erteilen. In seinem sehr interessanten Artikel heißt es u. a.: „Ohne den Franzosen eine absichtliche Verzögerung der Konferenz des Obersten Rates vorwerfen an wollen, dürfte ich doch wohl daran erinnern, daß die Franzosen ihren Verbündeten gegenüber eine gewisse Pflicht haben. Die augenblickliche Lage ist die, daß sich eine Parier mit .Gewalt eine vorteilhafte Stellung verschafft hat. Wie ist das entstanden? In erster Linie durch das Vorgehen der Polen. In zweiter Linie durch die Franzosen selbst. Wir tragen die Verantwortung und haben unsere Verpflichtungen zn erfüllen.
Amerikas Vermittlerrolle.
Neu-
-M- Paris. lWA.) Nach einer Depesche des Dorf Heraw" aus Neunork werden die Vrr Staaten es als größte Aufgabe betrachten, einen Bruch zwischen Frankreich und England zu verhindern. Staatssekretär Hughes bat sich bereit erklärt, den E.m- fluß der amerikanischeu Regierung zu einer frenndscimst- lichen Lösung der zwischen beiden Ländern bestehenden
Vereinigten
Schwierigkeiten geliend zu machen.
England bleibt fest.
Rvttcrda m. (L.-A.) Lord Cutadu nberreichle am Freitag den, französischen Botschafter »n.London die Antwort auf die Note Briands vom 14. Man Die englische Regierung bedauert, daß die französischen Truppen in Oberschlesien sich nicht energisch genug zur Wehr gefegt haben, und erklärt, daß der englische Standpunkt in der oberschlesischen Frage unverändert geblieben ist.
Fordern »g nach Änfhcbnng der Zollgrenze.
>. Aus Berlin wird gemeldet: Die Handelskammern und Wirtschaftsverbände, die Ausschüsse der Landwirt- ichaft und der Handwerker haben eine Entschließung angenommen, in der die sofortige Aufhebung der Zollinie am Rhein gefordert wird, da sie als Zwangsmaßnahmen gegen Deutschland zur Erzwingung der Panser Q-orde-
Hütte vorgestotze«. Beide deutsche Städte stehen ««mit« ielbar vor ihrer Einnahme durch die Pole«.
Auch Kattowitz von den Polen besetzt?
Bresla«. (B. Zü Seit der Nacht zam So««. abend ist der telegraphische «nd der telephonische Ber. kehr zwischen Breslan und dem besetzten Gebiet Ober- schlefiens wieder unmöglich. Die Pole« sollen Kattowitz genommen vnd die «Sonnetänität in Oberschlesie« ane* gerufen haben.
Polnische Grausamkeiten.
** Aus Kattowitz werden neue besonders empörende Fälle von Mißhandlungen Deutscher durch die polnische« Aufrtihrer gemeldet. In einem Falle haben französische Soldaten untätig zugesehen, wie aus einem von ihnen besetzten Hause zwei Personen verschleppt wurde«. Einen feinen Peinigern entflohenen Mann haben fran- zösifche Soldaten sogar wieder ausgeliefert. Der Gewerkschaftssekretär Bomba wurde auf dem Wege von Bogutfchiitz uach Kattowitz von Aufrührern verhaftet, auf einen Tisch geschnallt und auf furchtbarer Weise geschlagen. Auf dem Transport ritz sich Bomba los. Die Polen schösse« hinter ihm her nnd verwundeten ib«. Er wurde voir einem französischen Soldaten angehalten, der ihn den Polen wieder auslieferte. Bomba riß sich noch einmal los und floh in das sogenannte Dominium. Er erzählte dann einem französischen Offizier, was sich zugetragen hätte. Von dort wurde er unter Bewachung von fünf französischen Soldaten in das Gebäude des Kreiskontrolleurs von Kattowitz gebracht und nach kurzer Schutzhaft entlassen.
Polnische UuterMtznng der Insurgenten.
ot Paris. Nach einem Telegramm aus Warschau haben sich die polnischen Gewerkschasten für den Anschluß Lberschlesiens an Polen ausgesprochen. Für die tu Oberschlesien sümpfenden Insurgenten sind in allen Warschauer Fabriken Sammlungen eingerichtet.
Amerikanische Jvformatton über Oberschlesien.
»-»■ Paris. Der „Temps" mesdet, daß Vertreter der amerikanischen Botschafter nach Oberfchlesien abgereist sind. Ihre Reise sei zu Jnformationszwecken im Auftrage des amerikanischen Staatsdepartements erfolgt.
Hilferuf an die Jntervattonale.
»^»^_ü^mttuwwkrattscke n Partei
„Erschütterte Hilferufe deutscher Volksgenossen, Nachrichten über zahlreiche Morde und Plünderungen begangen durch die Banden Korsantys, wurden uns heute durch Parteigenossen, die unter Lebensgefahr aus dem von den Insurgenten besetzten Gebiete geflüchtet sind, überreicht. Offen tritt die französische Duldung des von der polnischen Regierung durch Korfanty in= szenierten Ueberfalles zutage, in der Absicht, das für Deutschland günstige Plebiszit des oberschlesischen Volkes zu annullieren und den Obersteil Rat vor eine vollzogene Tatsache zu stellen. Nur übermenschliche Anstrengungen und strengste Selbstzucht vermochten bisher Nvtwehraktionen hintanzuhalten. Nur die Hoffnung auf eine schnelle Entscheidung gibt der deutschen Bevölkerung die seelische Kraft zur Ertragung der unsäglichen Qualen. Wir erwarten von dem Internationalen Büro, ebenso wie von allen ihm angeschlossenen Sektionen der Internationale das Einsetzen aller Kräfte, um für das deutsche Volk in Oberschlesien das Recht der -selbitbe- ftimmuna gegen den polnischen Imperialismus zu sichern, dessen Erpansionsörang Europa in neue unabsehbare Verwicklungen zu stürzen droht."
Rücktritt des polnischen Autzenministers.
Der polnische Außenminister Fürst Sapieha hat aus der durch das Mißtrauensvotum der Seimkommission geschaffene-l Situation jetzi die Konsequenzen,gezogen, den Kampf aufgegeben und sein Demissionsgesuch E- ziell eingereicht. In der Sejmkonmnssion fürauswarligs Angelegenheiten waren schon vor einer Woche gegen,die Führung der polnischen Außenpolitik durch den Fürsten Sapieha scharfe Einwendungen erhoben worden. Briand hat sich damals allerdings während der Pstngsttage noch einmal besonders warm für das Verbleiben L-aprehaS im Amt eingesetzt. Die Parteigegner Korfaums m Wärschau haben sich nun aber doch durchzusetzen gewußt. Sie halten Sapieha seine erfolglose Mission in London und Rom vor: als Sündenbock für die Ungerechugker- ten der oberschlesischen Aufrührer bat er nun zu büßen. Plan scheint sich in Warschau doch aömiiblid) darüber klar geworden zu sein, daß die watende Preßfehde gegen Lloyd George allein kaum zur Klärung der Lage führen kann, und zu erkennen, daß es selbst mit Hilfe der französischen Freunde schwer gelingen wird, den englischen Widerstand gegen die Gewalttätigkeiten Korfautos zu überwinden. Aus eben dem Grunde mußte auch der Außenminister Sapieha scheitern. Seine Demission bedeutet ein Zugeständnis an die Nationalisten. - Es ist "egreitlich, daß kein olUh hitziger Wettbewerb um das freigewordene Portechnille eingesetzt hat, denn dem Nachfolger dürften kaum größere Erfolge besästeden sein, wenn in keinen ruderen als den bisherigen intransigen- ten Kurs eingetreten werden soll.