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Hersfelder Tageblatt

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heesfelöer Kreisblatt^

Amtlicher Inzeiger für den Kreis Hersfeld

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Nr. 123

Montag, den 30. Mai

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[ Waffenslreckung Korfankys.

** Berlin. DieNeue Berliner Zeituug" meldet M8 Warschau: Korfanty und der Generalstab der pol­nischen Aufrührer teilten dem Vorsitzenden der inter­alliierten Kommission in Oppeln mit, daß sie bereit seien, sich den Entscheidnnge« der interalliierten Kom­mission zn fügen. Sie fordern, daß die Kommission die notwendigen Maßnahmen ergreift, nm die Sicherheit in den Gebieten zu verbürgen, wo die Herrschaft der Kom­mission wieder hergestellt werden soll.

Der PariserTemps" führt in einem Leitartikel ,aus: Seit Freitag fei die Ausgabe der Verbündeten in Oberschlesien erleichtert, da Korfanty und die übrigen Jllsurgentenführer sich bereit erklärt hätten, die Anto- rität der interalliierten Kommission anzuerkennen. Die französische Regierung habe nochmals in Warschau einen dringenden Schritt unternommen, um die polnische Re- PWnng aufs neue z«r Mitwirkung der Wiederher- stellnng der Orduuug aufzufor-er«.

, ** ® c n f. Die Ageuzia Havas meldet: Der Führer der polnischen Insurgenten, Korfanty, hatte mitgeteilt, daß er die Waffen niedergelegt ««- die Amtsgewalt -er interalliierten Kommission über geben hat.

Der Gipfel polnischer Frechheit.

Paris. (L.-A.) Korsantys Angebot -er Waf- fcnstreckung ist mit einer Reihe einschneidender Bedin­gungen verknüpft. Er verlangt, daß Polen Anteil an -er Uebern'achung der Steuereinnahmen erhalte, ferner polnische Gerichtsbarkeit polnische Eisenbahnen, polni­sche Post und Telegraphie.

Der Anfstand Korsantys zusänklnengebrochen.

^ Warschau. sB. T.) Hier trafen die ersten Rückzügler ans Oberschlesien ein. Nach Uten Berichten steht der Anfstand vor seinem Zusammenbruch. Die Freiwillige« gehen in grotzen Scharen über die polnische Grenze zurück. Korfantn hat in den letzten 14 Tagen keinen Sold an die polnischen Freiwilligen mehr ans- zahlen können.

Annahme von Korsantys Angebot durch Lerond. ? Paris. (L. A.) Die Havas-Agentur berichtet aus Oppelu: General Lerond hat das Angebot Korsan­tys, die Waffen niederzulegen und sich der Entscheidung der interalliierten Kommission zu fügen, angenommen. General Lerond hat Korfanty aufgefordert, ihm unver­züglich diejenigen Garantien bekannt zu geben, die mr ^itu1 iw.hiii omrß§ löse 11 "ö fe r.;^ e r iuhn^_iih to' ^ ^ 1' ^

werden.

Korsantys Blatt verboten.

Berlin. (F. G.-A.) Wie eine Berliner Korre­spondenz erführt, ist dieGrenzzeitung", das Organ Korsantys, bis auf weiteres von der interalliierten Kvmmifsion verboten worden. Blättermeldungen aus Kattowitz zufolge, drangen mehrere Männer mit vorge- Haltenen Revolvern in das deutsche Ämmmwtat in Kattowitz ein und raubten 100 000 Mark. Einer der Tä­ter eilt bekannter polnischer Anführer ronute ieit= genommen werderr.

Die Polen in Kattowitz eingedruugeu.

»* Die Polen sind in Kattmoitz. Polnische Geschütze sind auf dem Wilhelmsplatz anfgesahreu. Die Stadt tu ohne Wasser. Die Polen richten verstärkte Angriffe ge­gen Beutben. Die ersten Engländer sind «in Oppeln

Standrecht in Kattowitz-

w Breslan. Die polnischen Insurgenten haben in Kattowitz das Standrecht proklamiert. Dre sranzoniche Besatzüngsarmee hat die Anschläge und Ausrufe in der

Stadt nicht verhindert.

Neue polnische Gewalttaten und Verbrechen.

Polnische Insurgenten haben den Bahnhof Rojen- Lerg und einige Privatgebände in die Lust gesprengt. 5>m ganzen Südabschnitt des polnischen Aufstandsge-

Lerg und einige Privatgebände in die «W gesprengt. Im ganzen Südabschnitt des polnischen Aufftandvge- bietes herrschte am Freitag auf polnischer ^te lebhafte Fenertätiakeit. Bei Hohenbrrken und Planca ichopeu dre Polen mit Minen. Der italienische Kreiskontrolleur er­hielt bei einer Fahrt über Land 6 Schüsse in feilten Kraff- magen. Die Lage der von den polnischen JnsurgeOen einaeschlossenen Städte im Zentralremer des Odergebrets ist so bedenklich, daß bei der weiteren Zunahme der letzt herrschenden Not mit einer Uebergabe der ^tadce an die Insurgenten zu rechnen ist.

Aus Beuchen wird gemeldet, da» am -o. Mac dce Polen versuchten, in Bcnthcn ernzu-rmgen. «,e kamen bis vor das gerade dem Hauptbahnhof gegenüber­liegende deutsche Plebiszitkommissariat und verlreyen e» erst, nachdem die französischen Soldaten mit Men Unter­handlungen gepflogen hatten. Zu gleicher :> drangen polnische Banden in der Richtung Kers nach ^euthen vor und gelangten bis an ^ao aus^der Lundenburmtratze gelegene-ProMenadenrestaurant. « e nberfiellu sU^glei, Her Zeit Me-im Stadtpark gelegene Wohnung Hr ^olc- reibeamten Böhm und GSrlltz, verwundeten Bohm durch Bauchschüsse und verschleppten Görlitz.

Polnische Lläubereien. .

Nach einer indirekt über Oppeln emgetrosseuen Meldung haben die Insurgenten am 26 Ma: in Ko- : nigshütte, Beuchen und Gleiwitz «Aene Platzkmnman- ; danturen eingerichtet. Dre KonggsSutter und -venthener Zeitungesl vcEeNtlichen die ersten .kegttnnutngMM- fehle der polnischen Platzkommandauttnen Bon, allen Hüttenverwaltungen, ebenso von privaten, sind s,e Pferde und Wage« requiriert worden. Weitere Attord- ' nungen besagen, daß die Benutzung der Eiseubahn von 1, polnischen Passagierscheineil abhängig aenE n rrd datz dagegen die Transporte der sranzvnnhen.Bc!qtzungsbe- Hürden von den Kontrolle frei zu lassen smo.

Mukreffen der ersten englischen Truppen.

Die ersten englischen Truppen, die zur Verstärkung nach Oberschlesien abgeschickt worden sind, sind lautV. Z." in Oppeln eingetrosfen. Das Hauptquartier des neuen englischen Kommandos ist das früher vom Für­sten Hatzfeld bewohnte Schloß Halbendorf.

** Amsterdam. (T. R.) Reuter meldet, daß den nach Oberschlesien entsandten englischen Truppen Mitte kommender Woche eine Kavallerieabteilung folgen werde. Die Truppen bleiben in Oberschlesien unter englischem Kommando, jedoch in steter Fühlung mit der interalliierten Kommission-

Das S

** Paris. Dem(

zufolge hat sich der

Botschafterrat mit einem Vorschlag des Generals de Marini und des Obersten Parcial beschäftigt. Sie hät­ten den Vorschlag unterbreitet, unverzüglich die Be­zirke, in denen Deutschland eine unantastbare Mehrheit er teil hat, durch deutsche Truppen und die Bezirke, in denen die Polen gesiegt haben, durch polnische Truppen besetzen zu lassen. Die 7000 Mann alliierte Truppen sollten alsdann in den strittigen Jndustriebezirken die evtl. neuen Grenzlinien verteidigen. Pertiner nennt dies eine sehr schlechte Lösung, die von der französischen Regierung nicht angenommen werden könne.

'» Paris. (B. Z.) Der Oberste Rat wird sich in sei­ner Sitzung am Sonnabend mit der oberschlesischen Frage beschäftigen. DerPetit Parisien: meint, daß die Borschläge betr. die Dreiteilung Oberschlesiens heule keineswegs mehr annehmbar erscheinen.

Neue Vorstellungen der ENtettte-Botschafter.

EM- Berlin. (F. G. A.) Nach einer imMatin" veröffentlichten Reutermeldung haben auf Wunsch der französischen Regierung die Alliierten bet der deutschen Regierung gemeinsame Vorstellungen erhoben wegen ihrer Haltung in der oberschlesischen Frage. In Berlin hat der französische Botschafter den englischen Botschaf­ter aufgesucht und ihn gebeten, sich seinem vor einigen Tagen unternommenen Schritte anzuschlietzen. Der englische Botschafter hat Metern Wunsche trotz der be­reits von ihm unternommenen Vorstellung Rechnung getragen und dem neuen Außenminister Dr. Rosen sei­nen Besuch abgestattet. Dr. Rosen hat dem englischen Botschafter gegenüber die den französischen Botschafter bereits gegebenen Versicherungen erneuert.

zur Frage der Einwohnerwehren ergriffen hat, sowie die Leipziger Kriegsbeschuldigtenprozesse, und erkennen die loyale Haltung Deutschlands an.

Aenderungen in der interalliierten Kommifion.

Genf. . Havas" meldet: Die französische Re­gierung hat dem englischen Vorschlag einer Neurege­lung der interalliierten Kommission zugestimmt. Havas meldet weiter, daß die deutsche und die polnische Re­gierung die am 26. Mai mittags eingetretene Sperrung der Grenze gegen Oberschlesien zur Anzeige gebracht Haben.

Die Gefahren eines polnischen Oberschlesiens.

w Prag. (B. T.) Im tschechischen Parlament er­klärte der Außenminister, daß ein polnisches Oberschle- sien eine dauernde Bedrohung für die Tschecho-Slowa- fei sei. Nach der Volksabstimmung käme aber ein pol­nisches Oberschlesien nicht mehr in Betracht. Damit sei eine ernste Gefahr für die Tschecho-Slowakei beseitigt.

Der eNglifch-iLMeNische ^lAsterlungsplan.

Die bereits derChicago Tribune" mitgeteilren Pläne über eine provisorische Aufteilung des oberschle- sischen Gebietes in drei Zonen: die westliche und nörd­liche, die an Deutschland fallen würde, die südliche mit Pleß und Rybnik, die Polen sofort zugewiesen würde, und die mittlere Zone, die weiter unter der Herrschaft der interalliierten Kontrollkommission verbleiben würde, bestätigen sich. Die englische Regierung hat dem Temps" zufolge dieser'. Vorschlag erneuert, und dem Journal" zufolge ist es die interalliierte Kontrollkorn- mission von Oppeln oder ein italienischer Vertreter in dieser Kommission, die den Borschlag machten. Der eng­lische Vertreter schloß sich dem Vorschlag an. Die Bvt- schafterkonferenz wird sich über diesen Vorichlag in näch­ster Zeit auszusprechen haben. Dieser Tatsache gegen­über dürfte es wenig besagen, daß die italienische Bot­schaft in Paris dies öffentlich dementiert und erklärt, daß die Einzelheiten, welche einzelne Zeitungen wegen eines italienischen Borschlages bezüglich Oberschlegen erörtern, inirWig seien. Man kann vielmehr anneb- men, daß tatsächlich dieser italienisch-englische Vorschlag gegenwärtig zur Diskussion steht.

Demnach würde Deutschland soforr zugewupen wer­den: die Gebiete von Krenzburg, Rosenberg, Oppeln Stadt und Land, Kofel, Leobschütz, Ratibvr Stadt und Land. Polen, wie erwähnt, würde Rybnik und Piep bekommen.

Dagegen bleibt Beuchen Stadt und Land, Katiowrtz Stadt und Land, Könia^öntte, Gleiwitz, Hindenburg, Gr.-Stehlitz. Tost und Tarttvwil; unter der Herrschaft der interalliierten Kontrollkommission. Ueber diese Ge­biete muß eine Sachverständigenkommission Vorschläge erstatten. Die französische Regierung erhebt anscheinend bereits Widerstand gegen ein derartiges Projekt. Der Leitartikel desTemps" führt aus, daß der Friedens- vertrag die Verteilung Oberschlesiens in zwei Zeiträu­men gestattet. Zweitens würde jede provisorische Lö­sung zu Konflikten führen: drittens: wenn man will­kürlich das Gebiet von Pleß und Rybnik von den übr,-

gen Industrie- und KohleNgebieien avtrennen Ewe» käme man zu dem Ergebnis, datz der übrig ble'^?^ Teil des Industrie- und Kohlengebietes eine Mehrheit hätte. Demnach würde demTemps" zwW^ eine künstliche Lage geschaffen werden, welche Deuü^ land stets dazu benutzen würde zu erklären, daß Uw der reichste Teil von Oberschlesien zufallen müsse. Man würde demnach dadurch bewußt oder unbewußt eine Be­raubung vorbereiten, die der Friedensvertrag verbietet und welche das französische Parlament sicher nicht ruhig hinehmen würde.

Die Leipziger Prozesse.

DemTemps" zufolge beginnen die Leipziger Pro­zesse soweit sie von Frankreich gefordert werden, am 11. Juni.

Englische Unzufriedenheit über das Leipziger Urteil.

Eig. Drahtn. unseres Berliner M.-Mitarbeiters.

^ Gleich dem Unterhaufe ist auch die englische Presse mit dem Reichsgerichtsurteil gegen den früheren Unter­offizier Heynen unzufrieden. Die liberaleDaily News" wie das RegierungsblattDaily Chronicle" erklären sich »genügend befriedigt von der Art der VerhandluugI- führung.Aber das Ergebnis", so sagtDaily Chro­nicle",ist geradezu eine Farce". Ebenso sagt die li­beraleDaily News",die Heynen auferlegte Strafe sei geradezu eine Beleidigung gegen seine Ankläger". Daily Chronicle" legt vor allem Wert auf den kom- menöen Prozeß gegen den Ubootkommandanten, der ein Lazarettschiff versenkt haben soll.

Eine Erklärung der englischen Regierung.

w> Reuter verbreitete am Freitag früh eine halbamt­liche Auslassung, wonach das englische Kabinett zu dem deutschen Gerichtsurteil gegen den Kriegsbeschuldigten Heynen erst nach Eingang des Berichtes seines Vertre­ters in Leipzig Stellung nehmen könne.

Futerpellatiopen im englischen Nnterhause.

DenTimes" zufolge sind von allen Parteien im englischen Unterhaus einschließlich der Arbeiterparteien

** DenSiuiw 5

englischen Unterhaus ____________

Interpellationen an die Regierung eingegangen, die gegen das Leipziger Urteil im Kriegsbeschuldigien-Pro- zetz Heynen Stellung nehmen und dessen Anfechtung fordern. DieTimes" selbst bezeichnen das Urteil als die erste moralische Verfehlung Deutschlands seit dem

genügen, die Verfolgung der deutschen KriegsSes ldig- ten den Gerichisbehörden der Entente zu überlassen.

Der zweite Kriegsbeschuldigteuprozetz fand am Freitag vor dem Reichsgericht feine Fortset- -ung. El- wurden zahlreiche deutsche und englische Zeugen vernommen. Im Verlaufe der Zeugenaussa­gen stellte sich heraus, daß das vom AngEiagten und Hauptmann d. R. Müller kommandierte Lager Flavo le Manch sich lciciiS in einem sehr schlechten Zustande bekunden hat, als es rwch englisches Durchgangslager war. Jil dieser Zeit sind in dem Lager viele deutsche Kriegsgefangenen an Ruhr gestorben.

Kabinettsfitzung.

Das Reichskabinett trat Freitag nachmittag nach der Rückkehr des Reichskanzlers zu einer neuen Sitzung zusammen, die von %5 bis 8 Uhr abends dauerte. Ge­genstand der Beratungen war Sie durch die Anuahme des Loudouer Ultimatums geschaffene politische un­wirtschaftliche Lage. Es wurden alle sich aus ihr erge- beudeu wichtigen Fragen einer eingehenden Erörterung unterzogen. Beschlüsse von besonderer Tragweite wur­den nicht gesatzt. Insbesondere wurden zunächst auch noch nicht die schwebenden PersonalaugelegeNheiten zur Debatte gestellt.

Neue Reise Dr. Wirths nach SuS-eutschlanS.

^ Wie aus sicherer Quelle verlautet, beabsichtigt Reichskauzler Dr. Wirth Ende nächster Woche, wenn es die parlalneutarische Lage gestattet, eine Rundreise durch Süddeutschlaud anzutreten. Die Absicht des Reichskanz­lers ist es, mit den SMierungen der süddeutschen Staa­ten die wichtigsten innen- und außenpolitischen Fragen zu besprechen, die Meinungen der Regierungen zu- ren und ein möglichst vollkommenes Einvernehmen in den Entscheidungen und Absichten der Reichsregienmg mit den Regierungen der süddeutsüsen Freistaaten her- beizuführen. Es wird sich dabei vornehmlich um jene Fragen handeln, die mit der Durchführung des Ultima­tums zufantmenhüngen, nicht in letzter Linie um die Entwaffuungsfrage.

Die vakanten Ministerposteu.

Wie bekannt, ist von der Reichsregierung in den letzten Tagen mit verschiedenen Persönlichkeiteu über die Besetzung der noch freien Ministerposten verhandelt worden. Insbesondere trifft es zu. daß mit Dr. Raitze- nau über seinen Eintritt in die Reichsregierung Füh­lung genommen wurde. Dabei wurde, wie von gutuu- terrichteter Seite verlautet, aber nicht ausschließlich an die Besetzung des WieSerausbaunliuisteriums, sondern auch au andere wichtige Reichsämter gedacht. Ucbrigens ist die Anregung zu den Verhandlungen der Reichsre­gierung mit Dr. Rathenan von süßenden Kreisen der Industrie ausgegangen.

Eine neue Vermögensabgabe?

w Nach Meldungen aus zuverlässiger parlaulentari- scher Quelle besindet sich unter den neuen Gesetzesvor­lagen zur Durchführung des Londoner Ultimatums auch