Hersfelöer Tageblatt
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Nr. 154
DienStag, den 5. Jnli
ISA
Der Friede mit Amerika.
Ät»terzeich«u«g der Friedeusresolutio« durch Hardiug.
** Präsident Harding unterzeichnete die Resoi Wer die Wiederherstellung des Friedenszustande- Deutschland und Deutsch-Oesterreich. Sofort nach Annahme der Friedensresolution durch den Senat ist ein besonderer Vertreter der Regierung nach Tarrytown im Staate Neu-Jersey gereist, wo Präsident Harding Gast des Senators Frelrnghuysen ist, um ihm den Senats- veschluß zu überbrtugen, der vom Präsidenten ‘ Unterzeichnet wurde. Im Senat hatte sich Senat, terwöod scharf gegen die Friedensresolution aus, chen, die auch von den Demokraten bekämpft wuri
Nach einer Meldung des „Neuyorker Herald" wird der Rückzug der amerikanischen Besatzungstruppen vom Rhein nunmehr erfolgen. Da keine Aussicht bestehe, daß 2kmerika den Friedensvertrag von Versailles ratifiziert, müsse es den Befehl zum Rückzüge der amerikanischen Truppen erteilen. Der jetzt zwischen den Bereiniaten Staaten und Deutschland eingetretene Friedenszustand laste ein weiteres Verbleiben der amerikanischen Truppen im Rheinland nicht gerechtfertigt erscheinen.
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Aufhebung der 267otgen Ausfuhrabgabe.
Ju einer amtlichen Mitteilung der Garantiekom- Mission wird nach einer Meldung aus Paris erklärt, daß Sie 26prozentige Ausfuhrabgabe fortfällt. In der Kundgebung heißt es ferner, daß das Komitee die deutsche Regierung daraus hingewiesen habe, daß das ganze -Gleichgewicht des Systems der deutschen Zahlungen auf seiner gewissen Stabilität des Markkurses beruhe und daß diese Stabilität nur erzielt werden könne, wenn man vorher das Gleichgewicht des Budgets durch die notwendigen Reformen gesichert habe.
Auslieferung der Generalstabskarten.
9* Wie „Echo de Paris" meldet, ist von den alliier- 4en Kabinetten der neuen Forderung an Deutschland auf Auslieferung der Aufmarschpläne des aufgelösten deutschen Generalstabs zugestimmt worden.
Z« den Pariser Verhandlungen.
fe* Der „Matin" meldet: Die Vertagung der Bespre- chung mit den Deutschen ist auf Wunsch der Deutschen erfolgt. Guggenheimer wird die Zustimmung der Reichs- regterung zu den bisherigen Vereinbarungen einholen. Die Aussichten für eine deutsch-französische Verständigung sind diesmal begründet.
Die Nüu
Deutschland eine schwere Leidenszeft hinker sich habe. Unendliche Werte seien verloren. Gerettet sei die deutsche Volkseinheit und die Einheit des deutschen Wirtschaftslebens. Zu den kaum geschlossenen Wunden, die Deutschland in bitterer Not geschlagen worden seien, kämen zwei frisch blutende, hinzu. Erstens: Am Rhein würde trotz der Annahme des Ultimatums fortgefahren mft den Erpressungen. Die Aufrechterhaltung der „Sanktionen" müsse er bezeichnen als die größte europäische Torheit seit Jahrhunderten. Zweitens: Die größte Wunde sei Oberschlesien. Die Frage, was mit Ober- schlesien werde, könne auch er nicht beantworten. Ober- I>en dürfe kein Objekt der Geheimdiplomatie werden. Dre oberschlesische Frage sei eine europäische Frage. Alles, was vom Selbstbestinnnungsrecht der Völker gesagt sei, könne nicht vergessen werden. Diese Auffassung berechtige zu der Hoffnung, daß das Schicksal Oberschlesiens nach dem Willen des Volkes eMschieöen werde. Was Oberschlesien mit Deutschland verbinde, das sei die Heimatliebe, die einzig dastehende Liebe zum deutschen Reich, zur deutschen Kultur. Der Reichskanzler schloß mit der Mahnung, auszuharren, so schwer es auch fallen möge.
Der Krieg in Klemafien.
Erschsiticrutts der englische« Weltherrschaft.
Kemal Pascha hat an die Bevölkerung Anatoliens einen Zlufruf gerichtet, in dem er gegen das Verhalten Großbritanniens im gesamten Orient Protest erhebt und den Alliierten den Kampf bis aufs Mefser ansagt. Er weist in seiner Proklamation den Vorwurf zurück, daß er den Bolschewismus zu Hilfe gerufen habe und erklärt, das osmanische Volk wolle sein Schicksal allein und unabhängig von anderen Nationen bestimmen. Dabei erwähnt aber der Führer der türkischerr Nationalisten, daß die Interessen seines Volkes dennoch viele gemeinsame Züge der Bestrebungen haben, die auch in den anderen Ländern des Orients vorherrschen. Er erwähnt Indien, Pcrsien und Afghanistan. Zu gleicher Zeit unternehmen britische Polizisten eine großangelegte Razzia am Goldenen Horn, verhaften die gesamte russische Handelsdelegation und richten Drohnoten nach Angora. Dian irrt sich in London gewaltig, wenn man annimmt, daß ein solches vom diplomatischen Standpunkt aus betrachtet durchaus törichtes Vorgehen auf die Kemalisten den erhofften Eindruck machen werde. Verhaftungen politischer Art durch fremde Mächte in ein ' ' ten Lande >'^ ^^^ ^" - "^^
Albions Weltherrschaft kracht in allen Fugen, es dauert nicht mehr lange und von allen Seiten feiner asiatisch« Besitzungen ertönt der furchtbare Ruf: „Rette sich, wer kann!"
Die Kanstantinopeler Regier««- unter Ententcfch«ß. ^ kAc^ ^^ aus Lo»stauti«opel: Die tür. unter den Schutz der Ententemächte gestellt. Im Hafen von Konstantinopel sind weitere elf Kriegsschiffe der Gibraltarflotte eingelaufen.
Die Einiflungsfiefireßuiößn in dwfätaldenwtövte
<v^,4^ Landeskonferenz der Sozialdemokratische« Partei Sachsens einigte sich in ihrer Sitzung in Leipzig E Sonntag aus folgende Kompromitzresolution: „Die gemeinschaftliche Regierungsarbeit beider sozialdemokra- tlscher Parteien in Sachsen hat bewiesen, daß die theoretischen und sachlichen Gegensätze zwischen Sozialdemo- kraten und Unabhängigen keineswegs mehr so groß sind, daß sie ein dauerndes Hindernis für die Wiedervereinigung beider Parteien bilden mütztem Die Landeskonferenz hat deshalb dm festen Willen, die von den beiden sozialistischen Parteien gebildete Regierung zu halten tmö ihre Arbeit mit allen Kräften zu fördern, und schlägt deshalb vor, nichts unversucht zu lasten, um nicht nur im Landtage, sondern auch in den Gemeinde-, Parlamenten.Slrbeitsgemeinschaften zu schaffen mit dem Ziel einer spateren organisatorischen Wiedervereinigung. Bis zur Erreichung dieses Zieles werden Partefteitnng und Fraktion ihre Tätigkeit entsprechend dem Progranv« ^-L^iardemokratischen Partei Deutschlands und den Beichlügen ihres Parteftages im Interesse der gesamtem erwerbstätigen Bevölkerung eritfalten."
„ In der Diskussion beklagte sich MittisterpräsidetM Back darüber, daß die Partei den Ministergenosten nichts genügend Autorität und Unterstützung gewährt habe. Oft sei sogar eine „mißkreditierte" Regierung festzu- stellen. Der Unabhängigen sozialdeuwkraftschen Partei! dürfe ,etne Partei nicht nachlaufen. Durch Kläruug und Gärung würde es mich von selbst dazu kommen, daß wir im Jahre 1925 eine einige Sozialdemokratische Partet hatten. Auch mit der Deutschen Bolkspartei könne man arbeiten, wenn diese Partei sich. auf den Boden der demokratischen Verfassung und der Republik stelle. Mol- kcubuhr führte aus, Beschlüste zur Einigung könnten ja gefaßt werden, aber die Gegensätze rnar^-» . .
teiens^^ .
Jugevbbemoitstratiovem
o«-».„ Vl„.,tct and Oppel«:-----ä«mn«g Oberfchle-
ens ist vollendet. Am Dienstag, den 5. Jutt, mittags
12 Uhr wird das ganze Anfrnhrgebiet in den Händen der Interalliierte« Kommission sein.
•^ Rotterdam. Die „Morningpost" meldetaus Op- peln: Die alliierten Regierungen haben K-nehnngt.daß die bisherige Truppenstärke auch nach Niederwerfung des Aufstandes vorläufig in Oberschlesien bleibe. Der Korrespondent der „Morningpost" stellt das gute Em-
' n der englischen Truppen mit der deutschen
vernehmen der engmcyen xxuwtn um w* vmwiww Zivilbevölkerung ausdrücklich fest.
Die Hilfe fiir Oberschlesieu.
»# Berlin. Für die oberschlesische Hilfsaktion steht Sie Bewilligung weiterer Reichsmittel bevor. Sofort nach Befreiung Oberschlesiens von den A"^oentenbL- gibt sich eine Mtnisterialkomnnsswn nach ^berfchlesten, um die ungefähre Höhe der angerrchteten Salden feit- stellen. In parlamentarischen Kreisen rechnet man damsi, daß die bisher von der Regierung für die erste Hilfe angewiesenen 500 Millionen Mark um mind^- Mens das Doppelte und Dreifache erhöht werden umisen.
Poiuische Hehe für einen neuen Aufstand.
. , , Deutscher Protest gegen die Amnestie.
:' ^ Der Interalliierten Kommission in Oppel« wurde ein Protest der vereinigten deutschen Parteien und Ge- werkschasten gegen die Amnestie übermittelt. Die Protesterklärung verlangt, dasi Korsanty sowie die Vor- Wenden und Beisitzer des Feldgerichts nicht unter die Amnestie fallen. — Die polnischen Banden gehen b^ waffnet zurück und werden mit ihrem Krregsgerat nach Polen zurücktransporttert, soweit sie von dort und. Die Es Oberschlesien stammenden Aufständischen gehen m ihre Heimatsorte mit ihren Waffen. Die polnische Presse schiirt wieder für einen neuen Aufstand.
Die Grenzbewachung in Oberschlesien.
w Havas »leidet aus Oppel«: Die Jnteralliierte Kom- mistion bat nach der Räumung der letzten Zone die «renLvesetznng dnrch interalliierte Truppe« angeordnet. Die erüöM Truppenbesatzung bleibt im Abstimmungs- qebiet bis zur endgültigen Entscheidung der Entente Über das Schicksal Oberschlesien.
Der Oberfchlesiertag in Berttu.
u ^ Der Hilfstag für die bedrückten Oberschlesier nahm in Berlin einen würdigen Verlaus. Es fand eine am E "äsenden besuchte Versammlung statt. Unter den ' Teilnehmern befanden sich Reichspräsidellt Ebert sind Reichskanzler Dr. Wirth, ferner der preumsche M,- SÄ sowie zahlreiche Parlamen-
mrier und Vertreter der Staats- und Reichsbehörderl. Reichskanzler Dr. Wirth hielt eine längere Rede. Er Estckerte daß man bis in das letzte Dorf hinein in Deuischlmid die Not und Leiden der Oberschlesier kenne . L^Wiae Der Reichskanzler wies darauf hin, daß
_____________________man rf sich WiNeswegs eMilden, daß die Türken darin einen Beweis für Englands Stärke sehen werden. Diese ganzen Vorgänge im nahen Asien sind im Grunde genommen nichts iveiter, als lediglich Symptome des allnrählichen, aber sicheren Zerfalls der englischen Machtstellung im Orient. Wieder einmal ist der „heilige Krieg" erklärt wordem Dies geschieht aber zu einem Zeitpunkt, wo die Herren Alliierten ihren Kolonialtruppen nicht mehr ein X für ein U vormachen können. Die farbigen Engländer, die ja zum größten Teil Mohammedaner sind, haben ebenso wie die Araber mt& Jnöier der britischen Dominien während des Weltkrieges beträchtlich zugelernt und wissen, daß weiße Soldaten des Abendlandes genau so zusammengehauen werden können, wie irgendwelche Negerbanden im dunkelsten Afrika. Die Erschütterung der englischen Machtstellung beruht ja weniger auf der wachsenden Spannung in Asien, als vielmehr auf der moralischen Schlappe, die die europäischen Nationen durch HtUMziehung von Kolonialtruppen auf den verschiedenen Schauplätzen des Weltkrieges sich selbst zufügten. Dazu kommt, daß die verschiedenen Differenzen, die zwischen den asiatischen Völkern bestanden, heute zum größten Teile beigelegt sind, da man den gemeinsamen Feind erkannt hat. Mel trägt dazu zweifellos auch die Erstarkung des ostasiatischen Kaiserreiches Japan bei, das man im Stillen Ozean als den Protektor aller unterdrückten Völker des Orients ansieht. Der beste Beweis aber dafür, daß die britischen Diplomaten ihr Spiel in Asien verloren haben, ist die Tatsache, daß der englisch-japanische Vertrag, wenn nicht ein Wunder geschieht, in seiner alten Form niemals wieder erstehen dürfte. Schon durch den Zusatz, daß im Kriegsfalle mit Amerika England seine Hilfe versagen würde, wird das Bündnis für Tokio wertlos. Aber auch nicht einmal soll ein solcher Scheinvertrag zustande kommen, sondern man denkt vorläusig nur an ein Provisorium, über dessen Dauer man sich noch nicht einig ist. Die
der Domimen, lande nicht mehr
von
-gel-
bände führen lasten, verhindert eben eine ungestörte Ausübung der diplomatischen Kräfte. Man muß heute in London viel zu viel Rücksicht nehmen, als daß man wirklich energisch vorgehen könnte. Eine englische Note an Kemal Pascha besagt, daß die Alliierten, falls die türkischen Nationalisten ihren Vormarsch auf Konstantino- vel nicht eiustellen. ein solches Verhalten als casus belli betrachten würden. Wie stellt man sich aber in London einen solchen „Kriegsfall" denn eigentlich vor. Die griechischen Heere sind geschlagen, die europäischen Truppen der Alliierten sind zu gering, eine Zusammen- ziehung weiterer Verbände wiirde mit ungeheuren Schwierigkeiten verbunden sein und obendrein kolossale Kosten verursachen und eine Beteiligung von Kolonial- truppen am Kampfe gegen die Osmanen ist völlig ausgeschlossen. Und das weiß Kemal Pascha nur zu germu. Er wird tun, was er für gut befindet, und England wird hübsch still sein müssen, oder es holt sich eine Schlappe, wie sie Großbritannien noch nie erlebt hat.
Die kommunistische Jugend veranstattete vor dem ! tsgerichtsgebäude in Leipzig eine Kundgebung für
Reichsgerichtsgebäude in Leipzig eine Kuudgel die Abschaffung der Prügelstrafe und für die
gustusplatz kam es zu einem Zusammenstoß mit einem
««d schwer mißhandelt. — In Berli« veranstaltete die komuntniMsche Jugend ebenfalls eine Kundgebung auf! dem Schloßplatz. Es wurde die Abschaffung der Prügelstrafe und des Religionsunterrichts gefordert.
Briaud über die Kriegsbeschnldigtenprvzeste.
** Der französische Ministerpräsident teilte im Mt-' nisterrat mft, daß die französische Regierung mit der, Behandlung der französischen Prozesse vor dem Retl^- gericht in Leipzig nicht zufrieden sei. Die Auslieferungs- stage der Kriegsbeschuldigten sei deshalb nochmals beraten wordem Es sei beabstchttgt, einen Druck auf die deutsche Regierung auszuüben, um sie zu einer schür- feren Verfolgung der Kriegsbeschuldigten zu veran- laksem
Die Rolle der Demokrat«.
** Berlin. (F. G. A.) Die „Germania" erklärt von; der Haltung der Demokraten allein hänge sowohl. Las Schicksal des KEuetts als auch die Neugnippterung der Parteien im gegenwärtigen Reichstage und bei 6«! kommenden Neuwahlen im Herbste ab.
Geringe A«ssichtc« für eine Besser«»« der Markoaült«.
>* Rotterdam. Der Neuyorker Mftarbefter der ^Times" meldet: An der Neuyorker Börse erwartet man auch von dem Friedenszustand mft Deutschland keine wesentliche Besserung der deutschen Valuta. Die Banken stehen auch jetzt der Frage großer Anlechekredite au Deutschland kühl gegenüber, solange nicht die deutsche Notenpresse zum Stillstand gebracht mSi Die geringe Besserung der deutschen Mark in Neuyork hat lediglich spekulative Ursachen.
Um Hülgolanb.
** Rotterdam. Der „Daily Mall" zufolge dürfte Sie Frage des Rückkaufs von Helgoland bereits in Kürze aktuell werden.
Das Attentat in Belgrad.
** Belgrad. (F. G. A.) Zu dem Attentat gegen den Prinzregenten wird mitgeteilt, daß der Täter erflSrte, er sei von drei kvumlunisttschen Abgeordneten nach Belgrad berufen worden, um das Attentat auSKllfitb- ren. Die Verschwörung sei schon vor längerer Seit beschlossen worden. — Ein Belgrader Matt kündigt eit jugo-slawifches Ultimatum an die österreichische Regi rung am in dem verlangt werden soll, daß die Wien ■ Regierung sofort alle kommurttstffchen Elemente, die d Attentat vorbereitet hätten, unschädlich machen foCe.
Bolschewistische Truppe« an der Smpr«afro»t.
>* Zürich. Der „Seeolo" meldet aus Achen: D griechische Heeresbericht besagt, daß bei Smurna die . steu bolschewistischen Hilfstruppen gefangen genomme rourden.