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Nr. 156
Donner-tag, den 7. Jnli
ISA
Die drohende Sforzalinie.
Die internationalen Börsen rechnen damit, daß die französisch-englische Meinungverschiedenheit über Ober- schlesien in den nächsten Tagen durch die Annahme der Sforzalinie beigelegt werden wird. Die polnische Presse, die sich in Wahrheit vor Freude über diese Aussicht kaum zu helfen weiß, gibt sich den Anschein, als würden Pollens bescheidenste Ansprüche betrogen, wenn es sich „nur" mit der Sforzalinie zufrieden geben müsse. Die deutsche Regierung vertraut auf das „fair play", der Oberste Rat dürfe Deutschland diese wirtschaftliche und politische Unmöglichkeit nicht zumuten. Doch sind wir schon oft getäuscht worden, daß wir, wenn wir nüchtern die Lage betrachten, mit der Möglichkeit rechnen müssen, daß man uns die Sforzalinie aufzwingen will. Was würde das heißen?
Nachdem die Abstimmung in Oberschlesien eine große Mehrheit für Deutschland und im übrigen eine 'Stimwenverteilung ergeben hatte, die zeigte, daß sich das Industriedreieck nach der Stimmengeographie ebensowenig wie infolge seiner wirtschaftlichen Zusammengehörigkeit teilen ließ, kamen die Franzosen unverfroren mit dem Vorschlag heraus: das Rübenland den Deutschen, den Polen die Kohlen! Nicht Vorliebe für Deutschland, sondern die Erkenntnis, daß wir ohne das
sberschlesische Industriegebiet niemals die Kriegsent- ischädigungeu zahlen könnten, veranlaßten die Engländer, sich diesem Plan zu widersetzen. Auch lag es nicht im englischen Interesse, Frankreich als europäischen Kohlenkonkurrenten noch größer werden zu lassen, und so schlugen sie vor, die Polen durch Abtretung der beiden Südkreise Wir und Rybnik zu befriedigen. Während noch der Streit im vollen Gange war, machte der -italienische Außenminister Graf Sforza einen vermit- ''telnden Borschlag, der aber von allen Parteien als unmöglich angesehen wurde. Die Polen und Franzosen gaben sich den Anschein, als ob dieser Vorschlag weit hinter ihren Ansprüchen zurückbliebe, während die Eng- Tänder sich nicht täuschen ließen, daß die Sforzalinie nichts anderes war, als der etwas umfrisierte frauzö- Mch-polnische Plan: das Rübenland den Deutschen, Nie Kohlen den Polen. Allerdings teilt der Grenz- Mich des italienischen Diplomaten ein Stück des Industriegebietes für Deutschland ab: nämlich das bergmän-
Kommission genau befolgt hat. Für alle Folge«, die sich aus dem entgegengesetzten Verhalten der Polen ergeben sollten, macht der ZwölferaussHutz den General Lerond voll verantwortlich.
Verschärfter Belagerungszustand in Beuthen.
** Auch die Verhängung des verschärften Belagerungszustandes in Beuthen, die Dienstag nachmittag um 4 Uhr erfolgte, hat eine wesentliche Beruhigung in der Stadt nicht eintreten lassen. Um 6 Uhr mußten die Straßen geräumt sein. Leute, die von außerhalb kamen unB die Straßen nach 6 Uhr zu passieren gezwungen waren, wurden von den Franzosen in den Kasernen eingesperrt. Abends gegen 8 Uhr wurden frauzöstsche Soldaten auf den Straßen bemerkt, die willkürlich Handgranaten gegen einzelne Häuser warfen. — Am Montag abend wurde der Beuthener Oberbürgermeister und ein Stadtrat verhaftet. Die gemeldete Verhaftung des Vorsitzenden der oberschlesischen Demokratischen Partei, Sanitätsrats Dr. Bloch, entspricht nicht den Tatsachen. Dr. Bloch ist unauffindbar. Dafür wurde sein Sohn Bergassessor Bloch verhaftet. Am Dienstag vormittag setzten die Franzosen die Gefangennahme von Geiseln fort.
** Außer über Beuthen ist auch über Kattowitz aus bisher unbekannten Ursachen der Belagerungszustand verhängt worden. Unter den in Beuthen von den Franzosen festgenommenen Geisel« befinden sich der zweite Bürgermeister, der Postdirektor und der Vorsitzende der Geiverkschaftskommission. Die Zahl der verhafteten Geiseln soll 50 übersteigen.
Ruhe in Veutheu.
steuer, die Kapitalertrag- und ^KapitaLverkehrssteurL, die Erbschaftsstener, die wesentlich erhöht roerden fo£ die Vermögenszuwachssteuer und das Reichsrrotopfer, das veredelt werden soll. Die Beredelinrg ist so gedacht, daß die Ansführungsfrist von 30 auf 10 Jahre verkürzt wird. Bei der Bemessung sM von dem Ge- genwartswert ausgegangen, also der Geldentwertung hiechnung getragen werden. Der Gesamtertrag der Besitzstenern wird auf 40 Milliarde« Mark geschätzt. Sodann kourmen die indirekten Steuern in Frage. Getränke und Tabak sollen nicht erhöht werden, dagegen sollen Erleichterungen in Fortfall kommen. Die Umsatzsteuer soll von 1% aus 3 Prozent erhöht werden. Ferner soll die Kohlensteuer eine wesentliche Erhöhung erfahren, ebenso die Leuchtmittelsteuer, die Zündholzsteuer und andere kleinere Steuern. Das voraussichtliche Ergebnis wird mit etwa 32 Milliarden ange- nonnnen.
Aus Beuthen wird gemeldet: Die Nacht zum Mitt- woch ist im allgemeinen ruhig verlaufen. Unter dem verschärften Belagerungszustand wird die Stratzenauf- sicht auf das strengste durchgeführt. ist von 6 Uhr abends bis 6 Uhr früh darf die Stadt auf der Eisenbahn odi bahn verlassen. Bei den Borgär ferne wurde ei durch Kopfschutz
ird die Straßenauf- Der Straßenverkehr verboten. Niemand
er mit der Straßen-
..... ____Vorgängen an der neuen Ka- e ein französischer Bataillonskommandeur _____ „.^,,chutz getötet und ei« Sergeant verletzt. Auf deutscher Seite wurde« vier Mann und ein Schulmädchen qetötet. Die Zahl der Verwundeten steht noch nicht fest. Dienstag abend wurde das deutsche Plebiszitkornmisia- riat in Beuthen von den Franzosen durchsucht. Einzel-
heiten sind darüber Die Züge bis 3
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ö&er abgeschnitten von seiner Wasser- und Elektrizitäts- versorgung. Dafür werden den Polen Kattowrtz, Kv- nigshütte, Beuthen und andere deutsche Städte abge-
Diese Linienführung ist nichts weiter als die Laune eines Verliebten. Polen hat es immer verstanden, d^ Reize hingebender Töchter seines Volkes diplomatisch nutzbar zu machen. Graf Sforza ist das jüngste Beispiel dieser Art, wie Polen diplomatische Siege gewn- sermaßen über Nacht zu erzielen »erstes Nische Minister war so unklug, feine schöne polnische Freundin selbst auf solche Reisen, wo dergleichen nicht unbeobachtet bleibt, mitznnehmen, und die englische Presse hat die private Seite dieser Sache überaus deutlich gekennzeichnet. Dadurch ist die Sforzalrme so kom- promittiert, daß es ihren Gegnern in der Entente leicht fallen würde, über sie zur Tagesordnung hmwegzuge- hen, wenn die Dinge noch so lägen, wie beim ersten Auftreten dieses Vorschlages. Inzwischen.befindet sich je- doch — und das hat Frankreich durch sein Herauszögern erdicht — England lange nicht mehr in der Entschlutz- isreihett wie damals. Oberschlesien ist nur noch ein kleiner Posten in der großen englifch-sranzöstschen Jnter- -essenauseinatidersetzung, und es war ja Nicht das erste Wall daß Deutschland die Kosten des Interessenans- ^^Die Sforzalinie^bedeutet nichts anderes als Ben Verlust des industriellen Oberschlesiens für uns. Die^Ber- ffailler Bedingungen geben zu dieser Linienführung nach Ausfall der Abstimmung kein Recht. Es ut Gewalt die man uns antun will, wenn man im Ausrand Dereits mit dem Raube Oberschlesiens in Form der Sforzalinie rechnet. Wir müssen uns darüber klar sein, Daß an dem Tage, wo der Oberste Rat über Oberschle- K befinden wird, die Entscheidung über das Schicksal won ganz Deutschland fällt.
Die Räumung Oberschlesiens beendet.
olleurs.
Mahnung zur Ruhe. .
»* Berlin. Das „B. T." meldet aus Beuthen, da» mehrere deutsche Geiseln, zumeist Führer der Parteien und Gewerkschaften, von den Polen festgenommen worden sind. Ein Aufruf des Zwölferausschusses an dre deutsche Bevölkerung in Oberschlesien spricht über ine Vorkommnisse in Beuchen sein lebhaftes Bedauern aus und fordert die Bevölkerung zur Ruhe und Besonnenheit auf Die Interalliierte Kommission in Oppeln soll als alleinige Obrigkeit in Oberschlesien respektiert
werden.
Die Auflösung des Selbstschutzes
^ Berlin. Wie aus Breslau gemeldet wird, ist schon ein großer Teil des aufgelösten deutschen Selbstschutzes in die Heimat zurücktransportiert worden. Die, starke des deutschen Selbstschutzes in Oberschlesien wird auf 32000 Mann geschätzt. Ueber angebliche Schwrerrgkei- - — des deutschen Selbstschutzes liegen
ten bei der Auflösung des deutschen Selbstschutzes liegen aus Oppeln noch keine bestätigende Meldungen vor.
Der polnische Rückzug eine Komödie.
~ BerlinDie „D. A. Z." bezeichnet an Hand der letzten Meldnugen aus Oberschlesieu den Rückzug der polnischen Jusurgenteu als eme Komodre. Hrnter den Linie» der alliierten Truppen brlden sich neue polmsche Banden. Au mehreren Orten sind große polnische Waf- feutransporte beobachtet worden.
Die Unsicherheit m Oberschlesien.
^ Ratibor. (D. A.) Etwa 100 deutsche Bergarbeiter, die im Vertrauen auf die Räumung nach Charlotten- arube zurückkehrten, wurden von den Polen gefangen weggeführt. Man befürchtet hier einen allgemeinen
»m. Die „Oppelner Zeitung" meldet: Die letzte Grenzzone ist am Dienstag von den Jusnrgentcn verlassen morden. Seit dem frühen Morgen ist ganz Oberschlesien wieder in der Gewalt der atluerier» Truppen. Die erste Verfügn«« der Interalliierten Kommission ordnet dre Änfyebnng aller von den Jusurgenten eingesetzte« Behörden an sowie die Außerkraftsetzung der ungesetzlichen Maßnahme«. Der Waffenbesitz wird unter Strafe ge-
Verfügung der Juteralli» Aufhebung aller von den _ Hürden au sowie die Autzerkra Matzuahme«. Der Waffeube
fteöt. m.
Verstöße gegen das Ränmungsabkommen.
Oppeln tagte unter Beisein des Generals Höfer der ZwAferausschutz. Es wurde festgestellt, daß von leiten der Polen keine dem Abkommen entsprechende i Emung erfolgt sei und ebenso keine Entwasfrumg. Es wurde weiter dagegen Einspruch erhoben, daß die Jn- ^raentcnbebörden auch fernerhin arbeiten und von Ben K^oien A ihrer amt ichen Eigenschaft bestätigt rvur- Len Mn krasses BeiMel wurde in Kletn-Rauser» (.^ci§ Wibnr festaestE wo Insurgenten zu Ortswehren vvsa?Mldet wurden Der Zwölferausschuß macht darauf WÄ deutsche Sewstschutzsin m^
1 ripAviffett ist und die Vorschriften der Interalliieltru
(tirubenansst^ itt Königshütte .
w Beuthen. (F. G. A.) In Königshtttte ist es zu schweren Gewalttätigkeiten und Ausschreitungen der polnischen Insurgenten gekmmnen. Eine ,rran wurde durch einen Halsschutz und ein Mann durch einen Schulterschutz schwer verletzt. Die Schietzereren HEen lange an. Im nördlichen Stadtteil würben-viele Einwohner mißhandelt, verhaftet und rns Gefängnis ge- worfem^ Hauptquartier Störs ant 00 besteht weiter.
** Oppelu. (D. A.) Am Sonnaberw nachmittag kam nach Schoppinitz die Meldung, daß auf oberschleuschem Boden feine ungesetzlichen Organisationen oder Behörden mehr geduldet werden. Darauf wurde dre polnische Livilerekutive nach Sosnowrcze verlegt, wo sie seit dem 5. Juli weitergeführt wird.
80 Milliarden neue Steuern.
0* Ueber die im Reichskabinett erzielte Einigung über die neue« Steuervorlage« wird mitgeteilt, daß sich die durch die neuen Steuern aufzubringende Gesamt- summe auf 80 Milliarde« Papiermark beläuft. Dre Summe soll je zur Hälfte durch direkte und indirekte Steuern aufgebracht werden. Zu den direkten Steuern gehören in erster Linie die Besitzsteuer und die Ernkmn- Niensteuer, die durch schärfere Erfassung ertragreicher gestaltet werden soll, ferner die erhöhte Körper» chafts-
Dr. Wirth über die neuen Steuern.
•* Berlin. (B. T.) In der Sitzung des Reparationsausschusses des Reichswirtschaftsrates gab Reichskanzler Dr. Wirth eine Erklärung über den gesamte» Deckvngs- plan der Reichsregierung für die Reparationssorderun- gen ab. Die direkten und indirekten Steuern hatten sich etwa die Wage. Als wesentliche neue direkte Steuer ist eine Veredelung des Reichsnotopfers vorgesehen, die etwa einer Umwandlung in eine ständige Vermögenssteuer entspricht. Der Reichskanzler betonte jedoch, daß er vom Reichswirtschaftsrat einen Ausbau und eine E» Weiterung des gezeichneten Rahmens erwarte, insbesondere eine Klärung der Frage einer Beteiligung des Reiches an den reale« Werten und der Umgestaltung der Kohlenftener, ohne welche das Deckungsprogramm nicht: restlos gelöst werden könne. In der anschließenden Erörterung wurde die Mitarbeit des Reichswirtschaftsrats zur Verfügung gestellt.
Die Defizitwirtschaft.
e-r Wie im Reichstag verlautet, hat auch der Monat- Juni für Post, Telegraphie und Reichseisenbahn mit einem gewaltigen Defizit von zusanrmen rund einer Milliarde Mark abgeschlossen. In den Landpostbezirke« ist der Telegraphenbetrieb bis auf ein Minimum zurück- gegangen.
den vorläufigen Beschluß, in Paris eine Zusammen-, kunfr der alliierte« Fi«anzmi«ister abzuhalten, um gewisse Beschlüsse über sämtliche Fragen zu fassen, die sich aus der vorbereitenden Konferenz der Finanzsachver-, ständigen von Paris, Brüssel und 9iom ergeben. Mmv hört, daß die Zusammenkunft nicht in Paris, sondern ant 15. Juli in London stattfinden werde. Loucheur wird daran teilnehmen. Eine Anzahl Beschlüsse wird gefaßt werden, zu denen man auf der letzten Londoner Korr- ferenz aus Zeitmangel nicht gelangen konnte. Ebenso soll der Preis für die deutschen Kohlenlieseruuge« festgesetzt und das Vorrangsrecht Belgiens genauer bestimmt werden. Zu einer baldigen Zusammenkunft der Premierminister in Boulogne ist noch keine Einladung ergangen. Dennoch glaubt man allgemein, die Sitzung des Obersten Rates über die Aufhebung der „Marziank- tionen", die Regelung der oberschlesischen Frage und die Besprechung der Lage im nahen Osten w lich in den nächsten Wochen angesetzt w« steht rwch nicht fest; aber Brüssel schlä Hauptstadt vor und den Außenminister ! sitzenden. Andere Zusamrnenkünfte älinL ... ... .
denen Unterhandlung zwischen den deutschen und französischen Sachverständigen werden vorbereitet. Wenn ^ bei der Rückkehr der deutschen Vertreter am 10. Juli möglich ist, zu einer Einigung über das beabsichtigte deutsch-französische Abkomme« zu gelangen, so wrrd es von Rathenail und Loucheur entweder in Wiesbaden oder in Paris unterzeichnet werden. Dartn ist von mein weniger als für 15 Milliarden Franken Rohmaterialien und Fertigwaren, die Deutschland liefern kann, die Rede. Man beabsichtigt nicht nur einen Wiederaufbau der zerstörten Gebiete, sondern hofft auch, diese mit Waren beliefern zu sönnen. . . . .
w Weiter wird gemeldet, daßaußer der LiererE von Waren und Rohmaterial im Werte von lo Milliarden Mark noch Ankäufe von 500 deutschen Lokomotiven und 25 000 Eisenbahnwagen in Frage kommen. Mit der Lieferung der Modelle für die Holzhäuser soll in näch,ter Zeit der Anfang gemacht werden. Ueber die Zahlungsfrist für Frankreich ist nichts festgesetzt worden.
Die Auspowerung Deutschlauds.
werde wahrschein- werden. Der Ort
w. Dem „T
u
Sonnabend 7,7 MMoue« Mark bezahlt für die unter Haltung der Ententekonnnissionen in Deutschland im zweiten Vierteljahr. Die Miierte Ueberwachungskonr- mission in Berlin wird am 1. August um 93 neue Mitglieder vermehrt.
Die Fiuauzkoutrolle Deutschlauds.
m Geuf. Der „Temps" meldet, daß die Garatttiekoui- mission Mftte Juli wieder nach Berlw ztttückke^r. Bis dahin sollen die Vorschläge fertlgge,tellt sein. E- ist eine strenge Kontrolle über die Verwendung Be deutschen Staatseinnahmen vom L Oktober an vorg.
sehen.
Fraukreich besteht auf den „Sanktioneu".
w Paris. (F. G. A.) Zu der Frage der Äufüevu- der „Sanktionen" wird an zuständiger stelle erk. > daß Frankreich die Auchebung trotz allen Glauben . den aufrichtigen Erfüllungswillen des Kabinetts Wirth
der „Sairktionen"