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SersMer Tageblatt

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Nr. 158

Sonnabend, den 9» Juli

1921

Oößr|i9le|ißnein Brandgerd Europas

m DieGazeta Lndowo" verbreitet folgende Meldung aus Oppeln: In Kreisen, die der Interalliierten Kom­mission nahestehen, bildet sich die Ueberzeugung, daß es trotz der bisherigen Paziftzierung Oberschlesiens zwei­felhaft sei, ob sich die Ruhe im Lande werde aufrecht er­halten lassen und weiter, daß Oberschlosien noch lange Seit hindurch ein tätiger Vulkan sein werde und sogar

£ Beginn eines netten Weltkrieges bedeuten könne.

e Lösung der Frage in der Weise, daß alle vier Par­teien und zwar die polnischen und die deutschen Ober- »«»^

könne also nur als eine Art Waffenstillstand angesehen werden. Nach Ansicht der oben erwähnten Kreise werden beide Teile die Zeit zu einer KonzcntrieruM der Kräfte für weitere Vorbereitungen ausnutzen. Man nimmt an, daß der Monat August neue Kämpfe bringen wird, die noch leidenschaftlicher als bisher sich abspielen dürs­ten, da es sich nicht um eine unvorbereitete Volksbe­wegung, sondern um eine organisierte militärische Kam­pagne handeln werde.

Oberschlesienformell geräumt".

»-»«Berlin. (L. A.) Aus London wird gemeldet: Der Korrespondent derTimes" berichtet, daß in der Nacht zum Freitag um 12 Uhr die Räumung Oberschlesiens formell beendet war. Der Eisenbahnverkehr im ganzen Industriegebiet wurde unter Kontrolle der interalliier­ten Kommission wieder ausgenommen.

Die Veutbener Geisel« freigelassen.

»,* Einer Meldung aus Beuthen zufolge, sind alle deutschen Bürger, die in Beuchen als (Mseln fesige- nommen wurden, bis anf den ersten Bürgermeister wieder freigelassen worden.

Der Benthener Belagerungszustand aufgehoben.

»-» Aus Beuthen wird gemechet, daß der Belage- irungszr stand am Donnerstag aufgehoben worden ist. Die Freigabe der Geiseln hat noch nicht ftattgefunden.

Neue englische Truppen in Beuthen.

st. Größere Verbände englischer Truppen sind Don­nerstag nachmittag in Beuchen eingetroffen. Der Kom­mandant und der Kreiskontrolleur von Beuthen ver­boten in einer Bekanntmachung an die Bevölkerung jede Kundgebung und teilten mit, daß W Ansamm­lung der Einwohner mit WMÄLMLM-vLrMMr

eine A«s«

Stelln«

die ssozialdemokratie

eH«. Da auch die Zentrumspartei und der rechte

Gegen das Verhalte« der französischen BesasivngS- truppeu.

> e-e Aus Vreslav wird gemeldet: Der Mehcheitsso- zialisl Cyrus, Mitglied, des Zwölferausschusses f r Oberschlesien, erhebt in einem an die alliierten Machte gerichteten Schreiben Protest gegen das Verhalten der französische« Besatzungstruppen in Beuthen anläßlich der levten Zwischenfälle. In dem Schreiben hecht es Unter der demonstrierenden Menge beumden sich nur wenige männliche Personen. Der deutsche Selbitichutz Ses betreffenden Stadwiertels war nicht zugegen. Der Schutz, der dabei gefallen ist, traf den,^.anzoftchw Ma- hinten in den Nacken. Es ist nrmt viUsgeschloiien, Satz der französische Major das Opfer einer iragrichen Kugel geworden ist, die von den nachrückenden Franzi^ selbst aboeschossen wordeik ist, denn es oefanderl sich n^ fraNZösffche Soldaten in dem Rücken des Maiors. Während der Schießerei eilten Angehörige des deut­schen Selbstschutzes herbei in der Absicht, die BerwiM- Seten zu verbinden. Der Bruder des Brieffchreiberv er­hielt von den Franzosen einen Kopfschutz und wurde mit Gewehrkolben mitzhandelt. Ein anderer Angehb- ^ger des deutschen Selbstschntzes, em Junglmg von 17% fahren, wurde von einem franzöuschen Soldaten ver­wundet. Ein französischer Soldat schlug ihm mit dem Kolben auf den Kopf. Als er umfiel, stieß ihn em an- dsrer französischer Soldat mit dem Bajonett in das linke Auge Der deutsche Jüngling starb kurz darauf. Iiach übereinsttmurerchen Aussagen aller bisher vemlomme- «en Auaen- und Ohrenzeugen haben sich die fratr^osi- schen Offiziere und Mannschasien wie wilde Tiere Be= nommen. Das Protestschreiben schließt wie folgt: Ich bitte dafür Sorge zu tragen, daß die widerrechtlich Ver­hafteten^und Mischandelten sofort wieder freigelai en werde«. Ferner, daß diejenigen französischen^ Soldat' und Offiziere, die die Verhasteien mißhandelt 1 xnr Verantwortung gezogen werden, damit der Mör- des jungen deutschen Mannes einer gerechten Strafe entgegengeführt werden kann und daß der fran­zösische General, der die Verantwortmig für die Hal­tung der französischen Truppen trägt, von seinem Kom­mando abgerufen wird.

Der Beuthener Mörder ei« Insurgent.

Die Uniersuchung des Mordes an dem Major de Montaleger in Beuihen hat ergeben, daß der Mörder IMHriger Bursche und zwar ein früherer Insurgent sein soll. Die Mutter des Täters wurde, da dieser Bursche flüchiig ist, verhaftet.

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haben,

Eine Statistik des Leidens.

^ Berlin. Die Reichsregierung hat mit einer Zu- lammenstellung der Menschenopfer und der gewalttgen Schäden in Oberschlesien während des Aufstandes be­gonnen Nach einer aus Oppeln vorliegenden Zusam- menstellung ist bekannt geworden, daß in den Städten mehrere Hunderte von deutschen ^berjchlestern durch den Einfall der polnischen Insurgenten ihr Leben und Eiaentum verloren haben.

Eine englische Forderung an Oberschlesien.

Eigene Draht«, unseres Berliner M.-Mitarbeiters. Kornmisswn verlangt Sie Wiedereinsetzung der englischen Offiziere als Kreiskontrolleure in denjenigen Städten, rn denen die Polen die Ausschließung ihrer Tätigkeit er- »virkt haben.

Weitere Hilfe für Oberschlesien.

w Das Reichskabinett hat am Donnerstag den Fi- nanzminifter ermächtigt, eine weitere Summe für Ober­schlesien über den bisherigen Rahmen hinaus anzu- weisen.

Wiederaufnahme des Fernsprechverkehrs in Oberschlesien.

** Seit Freitag früh sind alle Fernsprechverbindungen mit dem oberschlesischen Industriegebiet «ach zweimo­natiger Sperre wieder freigegeben worden.

Die Wirkungen der Reparationsleistungen.

Die Berichte, die die preußischen Handelskammer« ~ ' "Mönstrie im tattet haben, jeginns der

Die Berichte, die die preußische . über den Geschäftsgang in Handel und Monat Juni dem Handelsministerium < zeigen die tiefgehenden Wirkungen des.------ Reparationsleistungen auf die deutsche Volkswirtschaft. Es mußten 200 Millionen Goldmark sofort bezahü und

Monat Juni zeigen Sie ti

für 800 Millionen Wechsel mit den Unterschriften von vier Großbanken hingegeben werden. Die Devisenkäufe, die auf Grund dessen erforderlich waren, bewirkten einen Rückgang der Markvaluta. An der Börse war die un­mittelbare Folge hiervon eine starke Kurssteigerung der Dividendenwerte, während der Markt der festverzins­lichen Werte unbelebt blieb. Die Aufträge bei Banken und Bankiers gingen so zahlreich ein, daß ihre Ausfüh­rung nur mit äußerster Anspannung aller Kräfte mög­lich war. Eine ähnliche Wirkung hatte die Entwertung der Mark auf den Einzelhandel. Da die Ueberzeugung

eine weitere Verbilligung

Platz griff, daß nunmehr auf eine weitere Verbilligung der Waren nicht mehr zu rechnen sei, erfolgte die end­gültige Beilegung des sogeuarmten Käuferstreiks. Aus fast allen Zweigen des Detailhandels wird eine Bele­bung des Marktes gemeldet, wenn auch der Textilem- zelhandel unter der schlechten Witterung des. Juni litt. Die Mitte Juni beginnender: Saisonausverkäufe hatten ein außergewöhnliches Geschäft zur Folge. Demgegen­über war der Geschäftsgang in der Industrie uneinheit­lich. Nachfrage und Beschäftigung in der TexiilindmMe hoben sich. In anderen Industrien, insbesondere m der

die belebende.rkung, die von der Erwartung höherer Preise ausging, durch die Wirkungen derSanktronen", die nicht nur die Exportmöglichkeiten stark vermindern, sondern auch den innerdeutschen Verkehr bis zur Uner- träglichkeit belästigen, mehr als ausgeglichen. Die ober­schlesischen Wirren haben nicht nur die oberschlepsche Wirtschaft zum großen Teil zum Erliegen gebracht, son. dern haben auch im übrigen Deutschland schwer fühlbare Verschiebungen von. Bezugs- und Absatzverhaltninen

Absatzverhältnisß zur Folge gehabt. Die beiden letzten Monate haben den Beweis erbracht, daß weder Oberschlesien das übrige Deutschland noch dieses jenes entbehren kann.

Die deutsch-französische« Besprechungen.

w- Rotterdam. DieMorningposi" meldet aus Paris: Die deutsch-französischen Besprechungen werden wieder einmal resultatlos verlaufen. Von den offiziellen Nach­richtenagenturen Havas und Wolff wird diese Nachricht bestätigt. Es verlautet, daß die Verhandlungen in der kommenden Woche vertagt werden sollen.

Amerika und der Wiederaufbau Europas.

s» LautMorningpost" erklärte der amerikanische Staatssekretär Hughes, Amerika sei bereit, am Wieder­aufbau Europas teilzunehmen.

Ein neuer Freispruch in Leipzig.

Vor den Schranken des Reichsgerichts starid Don­nerstag der Oberleutnant Adolf Laule aus, Charlotten- burg, der jetzt im Reichswehrministerium tätig ist. Die Auslieferungsliste wirft ihm vor, im August 1914 in dem Dorfe Hessen bei Saarburg den franzopschen Ka­pitän Migat vorsätzlich und mit Ueberlegung getötet zu haben. Nach seiner Darstellung rief der Angeklagte am Morgen nach der Schlacht bei Saarburg in dem Dorfe Reffen einem französischen Kapitän zu, er sei feinGe­fangener und solle die Waffen abgeben. Der Kapftan lehnte das ab. Der Angeklagte wollte nunmehr dem Franzosen das Koppel mit Gewalt abnehmem Der Kapitän schlug ihn aber mit der Faust derart, daß er zur Seite taumelte. Laule befahl nun lernen Leuten, den Offizier festzunehme« und ihm die. Waffen abzu- nehmen. Der Kapitän schlug darauf einem, Soldaten ins Gesicht, worauf dieser den Franzosen Niederschoy. Einen Befehl hierzu gegeben zu haben. Bereitet der An­geklagte auf das bestimmteste. Der Reichsanwalt bean­tragte Freisprechung, und diesem Antrag schloß sich das Gericht an. Die Kosten wurden der Staattzkape auser- legt.

Generalmajor Krnska vor dem Reichsgericht.

»-» Unter starkem Andrang begann vor dem Leipziger Reichsgericht die Verhandlung gegen den Komumn- danten des Kriegsgefangenenlagers in Niederzwehren, Generalmajor Kruska, und gegen den Garnisonaltesteri vorl Cassel, Generalmajor v. Schock. Unter den autge- rufenen Zeugen befindet sich der Stadtrat Oberstleut­nant a. D. Henrici. Dieser gehörte dem Stäbe des La- gerkommandauten an. Nach den zur Verlesung ge­brachten Anklagen soll Generalmajor Kruska die gefan­genen Nullen. .^ratiAofen und Enalärrder zusammenge­

legt haben, um dadurch vorsätzlich eine Verbrettung 6a Flecktyphus herbeizuführen. Insgesamt sollen drettarö send französische Gefangene an der Epidemie gestorben sein. Die Verhandlung dauert noch an.

Die Pariser Presse ««d das Leipziger Urteil.

»* Die Pariser Zeitungen äußern sich mehr oder we» Niger kritisch zu dem Urteil des Reichsgerichts in den! Prozeß Stenger-Crusius. DerMattn" schreM: DU Freisprechung, die durch die Leipziger Berurteilmrg nes Untergebenen «och lächerlicher (!) wird, wird nicht verfehlen, in Frankreich ein Gefühl allgemeiner Bemv- ruhigung hervorzurufe« DerPeuple" meint, die Ur­teile beweisen, daß Deutschland unter Wirth nichts an­deres sei, als zur Zeit Bethmanu Hollwegs.

Ei«e Nachprüfung der Reichsgerichtsurteile.

»=# Ueber Rotterdam wird eine Reutermeldung be­kannt, wonach das englische Kabinett einem BMrage Frankreichs zugestimmt hat, die letzien Urteile des beut/ schen Reichsgerichts einer Nachprüfung d«rch die Äl* liierte« zu unterziehen.

Eine französische Kontrolle deutscher Richtersprüche. '

q* Wie über Genf bekannt wir-, meldet die AgeucS Havas, daß die französische Regierung den Leipziger Richterspruch gegen Stenger nicht anerkeune« könn« Sie behalte sich vor, das Urteil einer Revision zu unter­ziehen, wozu sie nach dem Versailler Vertrag berechtigt! sei.

Die fra«z. Sachverstäudige« aus Leipzig abberufe».

»* Paris. (F. G. A.) DemMattn" zufolge eracht« die französische Regierung nach der Freisprechung des Generals Stenger die Anwesenhett einer französische» Sachverstündigen-Mission bei dem Reichsgericht ii$ Leipzig für überflüssig. Ministerpräsident Briand Hatt insolgedessen die französischen Delegierten in Leipzig te­legraphisch zurüttberufe« Ein gleicher Schritt ist auch dem englischen und belgischen Kabinett anempfohle« worden.

Eine Mehrheit für Wkrths Steuervorlage.

»-»Berlin. Nach der großen Rede des Reichskanzlers Dr. Wirth im Reichstage fand eine Fraktiovssitzung der Mehrheitssozialdemokratie statt, um über das «e«e Ste«erprogramm der Regier«« spräche herbeizuführen. Obwohl die Partei

parlamentarische Mehrheit für vorlage gesichert zn sei«.

en-Steuer-

I« Preuße« 1,2 Milliarde« Fehlbetrag!

s-» Berlin. Der preußische Staatsetat weist für das letzte Vierteljahr einen gewaltige« Fehlbetrag auf. Er wird in parlamentarischen Kreisen mit 1,2 Milliarden Mark beziffert. Für die Deckung ist keine andere Mög- lchkett vorhanden, als die Erschließung von netten; selbständigen Steuerquellen, die in Preußen Lurchge-; führt werden können.

Dollar gegen Mark.

Nichts beunruhigt das amerikanische Volk mehr, als die Schwierigkeit, bet dem gegenwärtigen Stand der Wechselraten einen ausgedehnten Außenhandel zu trei­ben. DerNeuyork Herald" schreM dazu:Der Kon­greß mag ruhig dem Staatssekretär Hoover 250 OOu Dollar für eine Autzenhandelspropaganga geben. Der Kongreß mag ihm den zehnfachen oder den hundertfa­chen Betrag für diesen Zweck anweisen, aber die Ameri­kaner werden trotzdem nichts im Auslande verkaufen können, wenn nicht die amerikanischen Preise die rich­tigen sind ... In den ersten drei Dtonaten dieses Jah­res fiel unser Aussuhrhandel um 18 Prozent mehr als der Grotzbritannielis. Wir verlieren unsere Ktmderr im Orient an England und Frankreich. Wir verlie­ren unsere Kunden in Südamerika an England und Deutschland, und die 5kruppsche Geschützfaprtt, die sich jetzt aufFriedens-Erzeugnisse" umgestellt hat, bietet überall mit Erfolg ihren Stabstahl, ihre Bleche, Draht­gitter, ja selbst Lokomottven am Ueber der ganzen Erde verlieren wir unsere Kunden an Deuffchland. Ja mitten in den Verenugten Staaten schwenken unsere Kunden nach Deutschland über. Unsere frühere« Kun­den verlassen uns nicht, weil unsere Waren vielleicht nicht mehr so gut sind wie früher. Sie verlassen uns auch nicht, weil die Vertreter unseres Handelsdeparte­ments die amerikanischen Waren nicht genügend aw- preisert. Sie nehmen die fremden Waren anstelle der ausrigen, weil unsere zu teuer sind."

Ein Schloß für eine Mark.

Aus dem Erat des Reichspostministeriums ergibt sich, daß der Herzog von Arenberg sein Schloß Nord kirche« mit ausgedehntem Park, Garten und Gewäsier:

der Reichspvstverwalwng

füt Postbeamte angeboten hat. Das Schloß ist eti* a wattiger Bau mit 190 Räumen, in dein mehrere hin dert Personen untergebracht werden können. ES li - etwas abseits vmr der großen Berkehrsstraße an de - Eisenbahnlinie Dortmund-Gronau. Das Schloß füllt in baulicher Beziehung und nach seiner Lage a i Borbedingungen, die an ein Erholurrgshetm gestel ' werden können. Man kann es daher der Post nicht ver