Kersklöer Tageblatt
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Hersfet-er Kreisblatt"
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Nr. 171
Montag, den 35. Juli
1931
England, krankreich, 06ßr|djie|ien.
ik* Das englische Kabinett nahm tu seiner Freitagsitzung zu der Note der französischen Regierung und den sonstigen Tagesfragen Stellung. Es herrschte unter den Mitgliedern Einigkeit darüber, daß die Entsendung neuer alliierter Truppen, namentlich französischer, nach Oberschlesien die dortige deutsche Bevölkerung zur Ber- Sweislung bringen könnte, deren Nationalgefühl ohnehin durch die verzögernde Politik der Alliierten aufs schwerste gekränkt fei. Ueberdies habe Großbritannien keine Truppen dafür zur Verfügung. Die Frage der Entsendung französischer Truppen könne nur durch den Obersten Rat entschieden werden. Die Zeit zur Lösung der oberschlesischen Frage sei günstig. Eine Sachverständigenkommission könne kein neues, wesentliches Material mehr beibringen. Die Angelegenheit sei spruchreif und müßte deshalb so schnell wie möglich erledigt werden, auch schon deshalb, weil die britische Regierung sich in nächster Zeit mit arideren Angelegenheiten zu beschäftgen habe.
Der französische Botschafter in London hat die Antwort der französischen Regierung auf die englische Note übermittelt. Es heißt, daß die französische Regierung an folgenden Punkten festhält: Sofortige Entsendung von Verstärkungen nach Oppeln, Zusammenkunft von technischen Sachverständigen und erst dann eine Tagung des Obersten Rates. Aus der Unterhaltung, die zwischen Lord Curzon und dem französischen Botschafter stattfand, geht, wie eine französische Nachrichtenstelle «ntteilt,, hervor, daß die englische Regierung Wert darauf lege, daß der Oberste Rat in allernächster Zeit eine Sitzung abhält, doch werde sie eine Vertagung bis zum 15. August annehmen. ।
England gegen die Bertagung.
w Nach einer offiziösen Meldung aus Lorrdon verlautet: In diplomatischen Kreisen ist man der Ansicht, daß die Konferenz des Obersten Rates trotz der Versuche Briands, die Konferenz noch weiterhin zu vertagen, spätestens Ende August stattfinden wird. Die englische Regierung besteht mit Nachdruck darauf, daß die Konferenz so schnell wie möglich zusammentreten soll. Briand dürfte wohl kaum noch Zeit i ndeü- seinen Standpunkt durchzudrücken. Da sich Llond George bis ^iOBWiaiH^^
oder in einem Badeort in dem französischen Jura abge
halten werden.
Lenkt Frankreich ein?
m> Paris. (F. G. A.) Der „Petit Parisien" meldet: Der Ministerrat hat sich eingehend mit der obsttchlest- schen Frage befaßt. Dem französischen Botschafter m London ist die Instruktion erteilt worden, die englische Regierung zu informieren, daß Frankreich bereit sei, die oberschlesische Frage schnell zu losen, wenn es ine notwendigen Garantien erhalte, daß die Ordnung in Oberschlesien nicht gefährdet würde.
Berzögernugs-Taktik.
H- Rom. (F. G. A.) Die „Ageuzia" meldet von französischer Seite sei vorgeschlagen worden, die oberschlesische Frage nochmals einer Sachverstandigenkonferenz zu unterbreiten.
Drohende Kriegsgefahr!
»> In der Londoner Presse wird allen Ernstes von einer «enen Kriegsgefahr r« Europa sespro- chen. Als Grund wird die Stockung der Verhandlungen in der oberschlesischen Frage angegeben. Man erklärt, diese neue Kriegsgefahr Jet die ernsteste fett 1914, Briands Antwort an Lord Curzou wird als eine Mißachtung betrachtet. Man glaubt, daß eru Konflikt zwischen Polen nnd Deutschland Rußland, Rnma- uieu und die Ostseestaaten mit in den Krug ziehen würde. Frankreich würde einen Vorstoß Deutschlands in Oberschlesien als eine willkommene Gelegenheit begrüßen, in das Ruhrgebiet eiumarfchrere« zu können.
Die Einkreisung Deutschlands.
»^Berlin. lF. G. A.) Aus Prag wird gemeldet daß der dortige volnische Gesandte Borsky m einem Artikel für ein Bündnis zwischen Polen, der Tschecho-slowakei und Frankreich eintritt. Ein solches Bündnis wird 78 Millionen Menschen umsagen und ein wirksames Gegengewicht gegen Deutschland bilden.
Polnische Vorbereitungen.
^ In ganz Oberschlesien sind polnische Banden am Werke, die von den polnischen Zivilbehörden den Befehl erhalten haben, die Bahnhöfe int Ernstfälle zu überrumpeln und die Kassen zu plündern. General Lerond hat auch die Ueberwachung der englischen und italienischen Vertreter in sein Geheimsystem embezogeu.
Französische Truppe« nach Oberschlesien.
** Wie aus Paris gemeldet wird, haben Marschall Foch und Kriegsminister Barthou die Vorarbeiten über ' die Entsendung einer französischen Division nach Ober- i schlesien abgeschlossen, ohne die roeiteren englischen und i italienischen Biasmahme« in dieser Richtung abzuwar- , s ten. Auch die Sachverständigen für Oberschlesien hat die französische Regierung bereits ernannt.
Marokkaner in Oberschlesien? m> Der „Schlesjschcn Zeitung" wird aus Beuchen berichtet, daß dort marokkanische Truppen eingetroffen sind.
Englands Schutz in Oberschlefie«.
»* Nachdem am Donnerstag Abend englische Truppen in Kattowitz eingerückt sind, haben diese am Freitag morgen die Bewachung der Bahnhöfe übernommen. Die Kontrolle wird scharf durchgeführt. Sämtliches Gepäck wird nach Lebensrnitteln und Waffen durchsucht. Die Personen, die sich nicht ausweisen können, werden festgenommen. Bisher sind aber alle Festgenommenen nach Feststellung ihrer Personalien wieder freigelassen. Die neu erlassenen Verordnungen werden von den Eng- lättdern mit größter Strenge durchgeführt. Die Sicher- Heit der einzelnen Gemeinden hat sich dadurch wesentlich gebessert. Aus diesem Grunde konnten auch bereits mehrere Flüchtlinge in ihre Heimatgemeinde abgeschoben werden.
Deutschlaub und die Truppentransporte.
** Wie eine französische Nachrichtenstelle meldet, werden unverzüglich Schritte bei der deutschen Regierung unternommen, daß sie dem Versailler Vertrag gemäß alle notwendigen Maßnahmen zu treffen habe, um den Transport französischer Truppen nach Oberschlesien zu sichern.
Eine zwecklose Belehrung.
** Der römische Mitarbeiter eines Pariser Blattes meldet: Der italienische Außenminister hat den italienischen Gesandten in Warschau beauftragt, die polnische Regierung darauf aufmerksam zu machen, daß es zweckmäßig sei, wenn durch Polen unmittelbare Angriffe in der oberschlesischen Frage vermieden würden. Für die Lösung dieser Frage sei einzig und allein die Entente- konferenz maßgebend. — Dieser italienische Schritt bedeutet etu Gegenstück zu der italienischen Note an die deutsche Reichsregierung.
Die deutsche Antwort au Briand.
fw Wie der „Vorwärts" hört, ist die deutsche Antwort auf Briands Note soweit fertiggestellt, daß sie am Sonnabend dem französischen Botschafter in Berlin überreicht werden würde.
Hebelgriffe polnischer Banden.
m Breslan. Nach einer Meldung aus Oppeln sind in Myslowitz in der Nacht zum Freitag wiederum mehrere bewaffnete polnische Banden eingedrungen. Mehrere Einwohner wurden verschleppt. Auch in die Vororte von Myslowitz dranaeu bewaffnete polnische Ban- ^Wiihifawi!^ '«AMWMWW wurden geplündert und die Einrichtungsgegenstanöe über die Grenze geschleppt.
Lcrond bleibt!
** Breslau. (B. K) Die Abreise des Generals Le- rond, die in der Nacht zum Sonnabend erfolgen sollte, ist im letzten Augenblick durch einen Gegenbefehl aus Paris unterblieben. Lcrond bleibt in Oppeln.
Besprechungen im Answärtigen Amt.
«^ Berlin. Der italienische Botschafter hat längere Zeit im Auswärtigen Amt konferiert. Nach ihm weilte der englische Botschafter mehrere Stunden im Auswärtigen Amte. Man nimmt au, daß es sich bei den Besprechungen um die oberschlesische Frage handelte.
Die deutsche Antwort überreicht!
•^ Berlin. (B. T.) Der französische Botschafter, Laureat. sprach Sonnabend mittag gegen 12 Uhr im Auswärtigen Amt vor, da er eingeladen war, die Note, mit der die deutsche Reichsregierung Briands Note über Oberschlesien beantwortet hat, in Empfang zu nehmen. Die Note wurde dem Botschafter oom Außenminister Dr. Rofen überreicht.
Zur Berichterstattung nach Rom.
•w- Berlin. (B. X) Wie wir hören, ist der italienische Botschafter in Berlin Sonnabend mittag um 2 Uhr nach Rom abgereist. Seine Reise gilt vor allem der Berichterstattung über die oberschlesische Frage.
Vorbesprechung zur Abrüstung.
•* London. (F. G. A.) Lloud George hat eine Einladung an den Präsidenten dar ding gerichtet, wonach dieser zu einer Vorkonferenz über die Abrustungsfrage nach Europa kommen soll.
Die Ententekonferenz im September?
** Paris. (F. G. A.) Das „Journal" teilt mit, Lloyd George habe dem französischen Botschafter in London eine Erklärung abgegeben, daß die Ententekonferenz in der ersten Woche des September stattfinden soll. (?)
Absichten Englands auf Helgoland?
Es bestätigt sich, daß die britische Admiralität der englischen Regierung eine Denkschrift bezüglich der Wiedergewinnung Helgolands für die grotzbritanuifche Flottensphäre eingereicht hat. Die Denkschrift umfaßt den Plan einer großzügigen maritimen Ei«krc«s»ng Deutschlands. Dieser Tage traf im Zusamnienhange mit diesen Plänen der Chefingenieur der britischen Aö- miralttät, Savers, auf Helgoland ein, der die ganze Fusel in dreitägigem Aufenthalte besichtigte. Wie weiter verlautet, wird der englische Delegierte im Völkerbunds- rate, Fisher, in der Septembersiyung des Völkerbund- rates einen Antrag einbriNgen, der bezweckt, Helgoland der deutschen Reichsboheit zu entziehe«.
Diese Nachricht, die im höchsten Grade geeignet ist, die deutsche Oesfemlichkeit zu beunruhigen, bedarf dringend sofort der Aufklärung. Oder darf man anuebmen, daß es sich hier um den Ausdruck übertriebener Befürchtungen hanseatischer Kreise handelt, die Hervorgerusen wurden durch das Liebäugeln englischer Imperialisten und Marineoffiziere mit Persönlichkeiten auf der Insel,
die teils aus politischen, teils aus wirtschaftlichen Gründen glauben, außerhalb der deutschen Reichsgrenze sich besser zu stehen? Die bisher von den Helgolandern gegen die deutsche Steuergesetzgebung und Preußen» Verwaltungsgesetze zum Ausdruck gebrachten Wröer- stände werden seit geraumer Zett, insbesondere von der Times und der Morningpost ausgeschlachtet, um in England die Stimmung zu Gunsten einer Wahrnehmung der Jntereffen der „einst verschacherten Insel" und der „England freundlich gesinnten Bewohner" der Insel zu beeinflussen. Wenn eine Denkschrift ähnlichen JnhaÜS zu Gunsten einer englischen Besitzergreisung Helgolands bestehen sollte, so rührt diese zweifellos aus diesen englischen Kreisen her.
Hunger und Cholera.
Die Moskauer „Jswestija" veröffentlicht über die Hungersnot und die Choleragefahr in Rußland nähere Einzelheiten und sagt: „Die Cholera hat ganz Rußland ergriffen. Rostow am Don und die Wolga-Departements Woronefch. Drei u. a. find von einer Choleraepidemie heimgefucht, wie sie ka«m jemals oorgeko»- me» ist. Zahlreiche neue Fälle von Krankheüen treten: in allen Teilen des Landes auf. Die sanfteren Verhältnisse sind entsetzlich. Die Städte find von Schmutz überflutet, der in der jetzigen Seit der Trockenheit völlig ausgetrocknet ist, die Straßen mit Krankheitsketmen erfüllt. Die Kanalisation funktioniert nur in ganz wenigen Städten. Fließendes Wasser ist fast zu einer Legende geworden, und was das Gefährlichste ist, trotz all dieser Leiden besteht in der bäuerlichen Bevölkerung ein unaufhaltsamer Wandertrieb, der »vrch den H««g« hervorgerufen wird. Tausende hungernder Bauern fliehen aus ihren Ortschaften und schleppen die Krankheitskeime und den. Tod taufende von Kilometern mit sich. In den Wolgadepartements lwohin besonders deutsche Auswanderer gezogen worden fittd) sind die schrecklichen Hunger- und Choleraszenen der Jahre 1891/92 wieder auferftanden, die niemand jemals vergessen wird, der sie gesehen hat, und es ist nnoröglich, dem Unglück Einhalt zu tun. Der Hunger ist mächtiger als alle Schranken."
Der jüdische Sozialpolftiker und Präsident der jüdischen Vereinigungen in Rußland, Dr. Joseph Kret- I nin, der nach feiner Flucht aus Moskau in Berlin ein- Laeiioüiu ist. kEHMK ferner, daß Jude »pro?,ro»e in verzweffelte Bauernbevölkeruug gilst den ^uden ^ie Schuld an dem Unglück und fällt über sie her. In der Ukraine sind mehrere Dörfer verwüstet und zahlreiche jüdische Familien getötet worden. In einem Dorfe wurden allein 70 Juden abgeschlachtet. Allein 400 000 jüdische Familien sind entlang der rumänischen Grenze geflohen und hoffen, jenseits der Grenze eine Zuflucht zu finden. Hunderte dieser Unglücklichen sterben täglich Hungers. Besonders schwer sind die Judernnasa- kers in den Departements von Minsk und Wolbynien. In den Wolgadepartements wurden die Juden gleichzeitig ermordet, als die russischen Bauern über die deutschen Siedlungen herfielen, weil diese sich noch in verhältnismäßig gutem Zustande befanden. Die Wut der Bauern richtet sich gegen alle Mchirusie«. Dr. Kreinin erklärt, daß Gerieral Budsennis Reiterscharen in Weiß- rußland den Versuch gemacht haben, den Frieden wie- derherzustelleri, bis jetzt aber vergeblich.
Hungerrevolten in Petersburg.
w Kopenhagen. Der „National Tidende" wird von einem russischen Mitarbeiter gemeldet, daß in Petersburg große Hirngerkrawalle stattgefunden haben, bei denen 800 Personen verhaftet wurden. In der Peter- Pauls-Festung sind mehrere Perfonen erschossen worden.
Maxim Gorbi in Berlin.
Das Telegramm Maxim Gorkis an Gerhart Haupt- mann ist der Älusgangspirnft einer deutschen Hilfsaktion für die fesnner leidende Bevölkerung Rußlands geworden. Der Dichter hat das Telegramm Gorkis der- Reichsregierung zur Keuntuis gebracht, die in der Lage war, festzufteUeu, daß der Schritt Gorkis in völligem Einvernehmen mit der Sowjetregierung erfolgt ist Wie wir erfahren, trifft Gorki demnächst selber in Berlin ein. In Moskau hat sich inzwischen ein Hilfskomitee gebildet, das keinerlei politischen Charakter trägt und daher Mitglieder sämtlicher Parteien, auch der nicht- kommunistischeu, in sich schließt. Gerhart Hauptmann wird den Appell Gorkis persönlich beantworten. Die Einzelheiten der Hilfsaktion dürften erst bet Gorki» Anwesenheit in Berlin festgestellt werden.
Saatenstand und Ernte.
Nach dem Saatenstandsbericht der Preisstelle deS , Deutschen Laiidwirtschaftsrates für Mitte Juli 1921 hat die große Dürre das SPachstum insbesondere von Som- ; mergetreide, Hackfrüchten und Futrerpflanzen vielfach auf das Empfindlichste beeinträchtigt. In der Rhein- provinz habe die Dürre bereits eine Katastrophe her- vorgerufen. Selbst das Wintergetreide werde infolge Nmreife in vielen Bezirkei! eine Mißernte haben, während Sommergetreide, Hackfrüchte, Wiefen und Weiden vielfach völlig'verbrannt seien. Die Viehpreise, besonders für Jungvieh, seien dort um 60 Proz. gefallen. Fm übrigen werde das Wintergetreide eine mittlere bis gute Erute aufweiseu. Der Roggen werde voraussichtlich bei dem trodenen Wetter in guter Beschaffenheit geborgen werden können. Der Körnerertrag fei großer als i. B. Sommergetreide sei in Gegenden mit großer