HersMer Tageblatt
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tzersfelöer Kreisblatt"
Amtlicher Anzeiger für -en kreis yersfel-
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Nr. 174
Donnerstag, den 28. Juli
19581
Oberschlesien und Deutschland.
Aus Oberschlesien wird ein Anziehen aller Preise auf dem Eiseumarkte gemeldet. Nachdem der Tiefstand überwunden ist, versuchen zwar einzelne Abnehmer noch Aufträge zu alten Notierungen anzubringen, sie stoßen aber bei den Werken auf strikte Ablehnung. Mit der Aufnahme des Güterverkehrs von Oberschlesien nach den übrigen deutschen Gebieten fließen dem Revier erfreulicherweise wieder umfangreiche Aufträge zu. Dieser Vorgang liefert erneut den Beweis, daß das gesamte oberschlesische Jndustrierevier nur bei einem ungeteilten Verbleib bei Deutschland seine wirtschaftliche Existenz finden kann. Polen hat während des Aufstan- ; des nicht vermocht, das Revier mit Aufträgen zu ver- Sn. Die Werke mußten daher ausschließlich auf er arbeiten, und es war die Gefahr, in den Vorräten zu ersticken, bereits auf das Höchste gestiegen, als der Aufstand abgebrochen wurde. Die Aufnahmefähig- keit Deutschlands rettet jetzt in letzter Stunde das Revier vor dem völligen wirtschaftlichen Zusammenbruch.
Entscheidung am 4. August.
^ Die Zusammenkunft des Obersten Rates ist «un- mehr endgültig auf den 4. August festgesetzt worden. Sie wird in Paris stattfinden. Lord Curzon und Lord Balfour werden England vertrete». Die Auwesenheit Lloyd Georges ist infolge der allgemeinen Lage in England wohl kaum zu erwarten.
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Nach den nahezu endlosen Verhandlungen zwischen London und Paris hat man sich auf den 4. August als Gettpunkt des Zusammentritts des Obersten Rates endgültig geeinigt. An diesem Tage werden in Paris die Verhandlungen beginnen, die über die Besttmmung des Schicksals Oberschlesiens hinaus entscheidend sein Den für die weitere Entwickelung unseres Vaterb Nur eine Entscheidung, die sich auf das klare Ergebnis 'der Volksavsttmmung in Oberschlesien stützt, kann von Deutschland angenommen und als gerecht anerkannt -werden. Wie sehr noch nach dieser vorläufigen Einigung Wer den Konferenzbeginn der Meinungsstreit im eng- lisch-französisÄen Lager hin und tobt, ist aus den weiteren Meldungen ersichtlich. Darüber tauscht auch die weitere Zustimmung Englands zum sofortigen Z
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ageutur in Paris berichtet ü. a. darüber:
Nach in London eingelassenen Meldungen hat Curzon im Verlaufe einer Unterredung mit dem französische« Botschafter im Name« seiner Regierung grundsätzlich seine Zustimmung ausgesprochen zur Einberu- fu«g des Obersten Rates für den 4. August zur Prüfung der obersÄlesifcheu Frage durch eine Sachverständigenkommission unter der BediNgung, da» die Regie- ruugsoberhänpter sich zur festgesetzten Zeit versammel«, wie auch das Crgeb«is der Arbeiten der Sachverstan- digenkvinmifsiort sein möge. Dagegen soll der britische Außenminister seinen Widerspruch gege« die Ent- sendung von Verstärkungen nach Oberschle- sie« in aller Form aufrecht erhalten haben indem er ließen andere« Argumenten auch das anruhrte, daß die Maßnahmen das mit so vieler Mühe im Abstimmungsgebiet geschaffene Gleichgewicht stören uud Ban sie außerdem einen deutschfeindlichen Stempel tragen würben. Sie würden ferner in Sentftßlaitb den Eindruck hervor- rufen, daß die Entscheidung für Deutschland ungünstig ausfallen würbe, und daß schließlich Frankreich am Rhein genügend Truppen zur Hand habe, um Deutschland zur Vernunft zn bringen, wenn es versuchen sollte, sich der Durchführung des Entscheidnugssprnches der Verbandsmächte über Oberschlesieu zu widersetzen.
Die Tagung des Obersten Rates.
o-f. Genf. Wie das „Echo be Paris" meldet, hat sich die französische Kammer dahin ausgesprochen, bay eine Verbindung der obcrschlesischeu Frage und der Äle über die Aufhebung der „Sanktionen" mit der Entscheidung der Ententemächte über die Nichtanerkennung der Leipziger Urteile herbeigeführt werden um». Der Einberufung des Obersten Rates soll nur bann zugestimmt werden,'weuu alle drei Fragen auf die Tagesordnung
gesetzt werden.
Der Oberste Rat tagt in Paris.
^ Paris (F. G. A.) Eine amtliche Meldung des Reuterbüros besagt, daß die Konferenz des Obersten Rates nicht, wie zuerst beabsichtigt, in Boulogne, sondern in Paris stattfinden werde.
Entspannung zwischen Paris und London?
^ Lord Curzon und Lord Balfour werden Großbritannien in der Sitzung des Obersten Rates vertreten. Die Times" schreiben, daß sich eine merkliche Entspan- Nuua in den englisch-französischen Beziehungen vollzo- aen habe. ES sei zu erwarten, daß die Schwierigkeiten uns dem Wege geräumt würden. Die englische Regierung sei Briand entgegengekommen durch die Abbal- - türm der Sitzung des Obersten Rates in Paris. Der Konferenz sollen Beratungen wegen Entsendung der französischen Division vorattgehen.
Auch Italien geht nach Paris.
meuter erfährt amtlich, daß der auf den 4. August festgesetzte 'Zusammentritt des Obersten Rates M Paris crwlat Lord Curzon und Lord Balfour werden Groß- . brüa nien vertreten. Es ist unwahrscheinlich, daß Lloyd G^rae der Sitzung beiwohnen wird. Dagege,, wird erwartet, daß Bonomi zu der Sitzung nach Paris kommt.
Keine Einigung zwischen Paris und London.
»» Basel. Der „Baseler Anzeiger" meldet aus Paris: Der Meinungsaustausch zwischen Paris und London hat, wie alle Pariser Zeitungen melden, noch keine Entspannung der Lage gebracht. Eine dem „Mattn" aus unterrichteten Kreisen zugehende Information besagt, daß in London keinerlei Neigung vorhanden fei, von dem bisherigen Standpunkt abzuweichen. — Wetter wird uns aus Rotterdam gemeldet: Das Journal" schreibt, daß trotz der französischen Zustimmung zu der Einberufung des Obersten Rates keine Entspannung der Lage eingetreten sei. Der „Mattn" und der „Temps" erklären, daß eine Einigung mit Lloyd George nur möglich sei auf der Grundlage der unbedingten Annahme der Vorschläge Briands.
Englands Nachgeben.
Eine französische Nachrichtenquelle meldet, daß die englische Regierung der Entsendung von Sachverständigen nach Oberschlesien zugestimmt hat. Diese Sachverständigen werden am nächsten Dienstag in Paris im- Ministerium des Aeutzern ihre Arbeiten aufnehmen. Nach der Besprechung zwischen dem französischen Botschafter und Lord Curzon scheint es fich zu bestätigen, daß England gegen die Enffendung von Truppenver- stärkungen nach Oberschlesien nichts einzuwenden hat.
Rene Schwierigkeiten.
»* Paris. (F. Z.) Der französische Botschafter in London hat neue Instruktionen erhallen, mit allem Ifachdruck auf einer sofortigen Abfendung der Truppeu- verstärkungen zu bestehen. Es wird nochmals versichert, daß der Zusammentritt des Obersten Rates am 4. August noch keineswegs destnittv enffchieden sei, solange nicht die militärische Frage in einem für Frankreich befriedigenden Sinne gelöst worden sei.
Danzig gegen die Truppentransporte.
m- Paris. Havas meldet: Der Reichstag von Danzig hat an die französische Regierung eine Note gerichtet, die sich gegen die Absicht der französischen Regierung, Truppensendungen über Danzig nach Oberschlesien zu leiten, wendet, weil Danzig durch den Vertrag von Versailles und die Verträge mit Polen nicht verpslichtet ist, diese Transpore durch Danzig zu gestatten. Danzig will alle Unstimmigkeiten verrneiden.
Keine Truppe «Verstärkungen?
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auf die Enise«S«ng von Trnppenverstärkunge« nach Dberschlesie« verzichte« ««d sich mit einer Drohung am Rheine für den Fall deutscher Unruhen in Oberschlefie« Begnügen werde.
Ueber die Truppeuverstärkungen.
» Am Dienstag fanden in London zwischen Lord Curzon und dein französischen Botschafter neue Verhandlungen statt. Es handelte sich darum, trotz der widerstrebenden Ansichten zu einer Verständigung in der Frage der Entsendung von Truppenverstärkungen zu gelangen. Ällan hofft in Paris, daß die Regelung dieser Frage noch im Laufe des Mittwochs erreicht werden wird.
Unsere Anfrage keine Antwort wert!
• >-* In Londoner politischen Kreisen verlautet, daß die deutsche Ziegierimq durch ihren Botschafter Sthamer die englische Regierung um ihre Meinung wegen des D«rch- zuges französischer Truppen durch Deuffchland uach Oberschlesien gebeten habe. Es wird in informierten Kreisen versichert, daß man diesen Schritt der deutschen Regierung als völlia deplaciert empfunden habe, denn die englische Regierung werde nicht darauf antworten.
Was wird and Oberschlesien?
«■ Die oberschlesische Frage ist fortlaufend Gegenstand von Beratungen und Konferenzen im Reichskabinett. Die beabsichtiaren Ferien des Außenministers Dr. Rosen sind verschoben worden: Am» Dienstag sprach Dr. Rosen in der französischen und bald darauf in der eng- lischen Botschaft vor. Auch die Einberufung des Ausschusses für auswärtige Angelegerrheiten ist in Erwägung gezogen worden für den Fall, daß.in der ober- schlesischen Frage in den nächsten Tagen eine weitere Verschärfung Eintreten sollte, womit in unterrichteten Kreisen gerechnet wird.
Reue polnische „Offensive«".
- 5^ Die polnische Zeitung „Der schwarze Adler" veröffentlicht Tagesbefehle des sogenannten Armeestabes von Ostoberschlesien Ein Tagesbefehl teill mit, daß in den nächsten Tagen eine neue Offensive zu beginnen hat Die erste Offensive soll in Posen beginnen, und zwar am 7. August. Die zweite Offensive soll auf Op- peln gerichtet sein, die dritte auf Kreirzburg, unb die vierte Offensive soll von der böhmischen Seite aus be- munen. Es soll schon in den nächsten Tagen Bericht erstattet werden, wie weit die Vorbereitungen für die Of- fensive vorqcfchritten sind. Die Befehle sind von einem Hauptmann und einem Adjutanten unterschrieben. Die Zeitung druckt auch die Entlassuugsbefehle der polln- scheu Insurgenten ab, in denen ausdrücklich vermerkt ist, daß die Insurgenten nur bis zur Wieüereinberufuug entlassen worden sind.
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Der Polizeipräsident von Vresla« bestätigt.
Der Polizeipräsident von Breslau bestätigt die von uns gebrachte Meldung über die Verhaftung eines angeblichen GoldwareubändlerS und dcßeri Aussagen über einen geplanten Linksputich mit französischer Nn- terftüvuua.
Die Helgoland-Frage.
In dieser Angelegenheit erhalt die „Bosi. Ztg." eins Zuschrift von der Insel Helgoland, wonach die Interessenvertretung der Helgoländer Jnselbevölkerung dieser Tage eine Denkschrift fertiggestellt hat, die den maß- gebenden Faktoren der gesetzgebenden deutschen Körperschaften und der Presse zugehen wird. In dieser Denkschrift wird ausgeführt, daß der Krieg, der Friedens- vertrag von Versailles und besonders die von einseM- gen formal-zentralistischen Gesichtspunkten diktierte Haltung der preußischen Regierung zur Helgoländer Frage die wirtschaftliche Existenz der Jnselbevölkerung aufs finsterste gefährdet hat. Nachdem die Verständigungs- bestrebungen zwischen den Helgoländern und der preußischen Regierung durch brüske Haltung der preußischen Regierung als gescheitert zu betrachten sind, wendet sich das Helgoländer Volk in einem Appell an den durch eigene Leiden geschärften Gerechtigkeitssinn und an die Vertragstreue des deutschen Volkes. Die Helgoländer Frage dürste nach Wiederzusammentritt des demschen Reichstages Gegenstand einer Interpellation sein.
Die Arfache der grotzen Hitze.
Hervorragende Männer der Wissenschaft wurden von der Presse Wer die Ursachen der in diesem Monat über Amerika und Europa brütenden Gluthitze befragt Insbesondere in der „Chicago Tribune" nehmen einige berühmte Gelehrte zu dem Hitzephänomen Stellring und führen es merkwürdigerweise auf — Sonnen flecke zurück. So sagt Prof. Branly, Mitglied des Instituts und einer der Erfinder der drahtlosen Telegraphier „Die gegenwärtige Hitzekrisis wird durch die besondere Aktivität der Sonnenflecken verursacht, die auf die meteorologischen Bedingungen des Erdballs einen großen Einfluß ausüben. Die Tatsache ist oft genug festgestellt worden, daß in Jahren, wenn die Sonnenflecke am zahlreichsten austreten, die Hitze auf Erden am größten ist. Sonnenflecke stW aller Wahrscheinlichkeit nach ungeheure Hohlräume der solaren Atmosphäre, die zuweilen: 200 000 Klm. Durchmesser ausweisen. Sie erf (Beinen und verschwinden wieder und sind niemals beständig. Alle 11 Jahre treten sie in Fülle auf, und dieses IV Jahr ist im allgemeinen das Jahr, in dem die Erde am meisten unter ungewöhnlich gesteigerter Hitze leibet* Ebenso stellt Prof. Bigm'.rden. der Direktor des Pariser
essant äußert sich der berühmte Astronom Camille Flam- marion, Direktor des Observatoriums in Juvisy: „Die Sonne ist verantwortlich für die übertriebene Hitze. Obgleich die Erde 91 Millionen Meilen von der Sonne entfernt ist, erweist sich doch der magnetische ®inf(u6 der Sonne erheblich stärker als man früher glaubte. Die Astronomen Haben die Veränderungen in der Aktivität der Sonne, wie sie sich durch Sonnenflecke ankündigen, studiert und sind zu der Feststellung gekommen, daß diese Flecken alle 11 oder 12 Jahre wechseln. Wenn die Sonnen-Aktivität ihr Maximum erreicht hat, sind die Sonnenflecke besonders zahlreich und groß. Gigantische Sonnenflecken von unerhörtem Durchmesser konnten von der Wissenschaft bereits beobachtet werden. Die Kompaßnadel erlaubt uns ein fortgesetztes Studium der Aktivität der Sonnenflecken. Die geringsten Störungen, die sich auf der Sonne ereignen, machen sich immittel- bar auf der Erde fühlbar. Die Erde ist an die Sonne nicht nur durch die Schwerkraft und das Licht gebunden, sondern auch durch Magnetismus, eine unbekannte, un- erklärbare Kraft, die all die verschiedenen Welten verbindet." Sehr entgegengesetzter Meinung ist allerdings Sir Frank Watson Düsen, der Leiter des Greenwicher Observatoriums. Er sagt lakonisch: „Ihr Blatt weiß soviel über die Hitze, wie ich selbst. Sie wissen sie ist eine Tatsache, das weiß auch ich. Irgend eine wisjen- schaftliche Erklärung sann ich nicht geben."
Die Trockenheit hält an!
• * München. Wie die bayerische Laudeswarie mitteilt, steht eine Aenderung der gegenwärtigen Trockenheit und Dürre noch nicht in Aussicht. Seit etwa 3 Monaten ist hier kein Regen gefallen.
Bekämpfung der Wohnungsnot.
wird auf
ww. Der Volkstag des Freistaates Danzig hat am 1L Juli ein Gesetz über die Wohnungssteuer und den Wohnungsbau angenommen, der das WohnringselenS lindern soll. Gegenwärtig gibt es in der Stadt Danzig 54 351 Wohnungen,' der Ertrag der WohnungSabgabe wird auf 5 bis 6 Millionen Mark geschätzt. Dieser Betrag soll nicht verbaut werden, sondern zur Berzisfung uud Tilgung des durch eine Anleihe zu beschaffenden Baukapitals dienen. Die Suumre würde zur Herstellung von etwa 1000 Wohnungen reichen, und da gegen- wärtig etwa 4000 bis 5000 Wohnungen fehlen, so würde die Wohnungsnot in einigen Jahren behoben sein. Nach dem Gesetz wird in der Stadt und den grüßereu Nachbarorten von Beit vor dem i. Juli 1918 fertiggestellten Gebäuden eine Gebäudenutznugsabgabe erhoben, zu deren Zahlung Mieter oder Pachter verpflichtet Hub; Untermieter oder Unterpächter haften anteilig. Eine Befreiung von der Steuer tritt nur für öffentliche Gebäude ein. Die Steuer wird nach dem gemeinen Jahrcsmietsmert der Gebäude und zwar nach dem Stande vom 1. Juli 1914, erhoben und betrügt jährlich 20 v. H. des gemeinen Jahresmietswertes. Sie ist vierteljährlich im voraus zu zahlen. Uebergrotze Wohnungen müssen außerdem eine WolmuRgsluxusstcuer entrichten. Als übergroß gelten Wohnungen, wenn z. B. für 1 Bewohner mehr als 2 Wobnränme, für 2